shadow

Autounfall

von Pia Louisa

Es war kalt, Schneestürme zogen übers Land. Eigentlich sollten keine Autos auf den Straßen sein, aber Peter wollte unbedingt am Todestag seiner Frau zu ihrem Grab fahren. Er fuhr langsam. Er dachte an seine Frau, und wie er sie vor zehn Jahren verloren hatte an den Krebs. Er war in seine Gedanken vertieft und achtete nicht mehr auf die Straße. Er fuhr schneller. Er trauerte um seine Frau; und seine Trauer wurde zu Wut. Warum hat sie es nicht überlebt? Sie war doch immer so eine starke und gesunde Frau. Auf einmal sah er ein helles Licht. Das Licht wurde heller… das Licht kam näher…
Er schloss seine Augen und war auf einmal in einer Art Traum gefangen. Er öffnete seine Augen wieder.
Es war warm. Die Sonne schien. Er schaute sich um, es sah so aus wie sein altes Zuhause, dort wo er seine Familie gegründet hatte, dort wo seine Kinder aufgewachsen sind. Die Kinder, mit denen er seit ganzen zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Er hatte sich seit dem Tod seiner Frau nicht getraut, mit ihnen zu reden. Er konnte es einfach nicht verkraften darüber zu sprechen, denn dann wäre wahr gewesen, dass sie gestorben ist. Er ist nicht einmal zu Beerdigung gegangen, weil er bis zur letzten Sekunde dachte, dass sie es doch überleben wird.
Er hörte Kinder spielen. Er folgte dem Geräusch, das Geräusch brachte ihn in den Garten. Er sah fremde Kinder in seinem Garten spielen. Dann rief eins der Kinder nach seiner Mutter und rannte zu ihr. Peter ging dem Kind nach. Sie gingen in Richtung Terrasse. Die Mutter stand da mit offenen Armen, und das Kind rannte mit offenen Armen auf sie zu. Die Mutter hatte erstaunliche Ähnlichkeit mit Peters Tochter. Das heißt: Es war Peters Tochter, nur zehn Jahre später. Er ging vom Hinter-Garten zur Terrasse hoch. Alle saßen dort am Terrassentisch. Seine ganze Familie. Er konnte es nicht für wahr halten, seine Kinder, die inzwischen schon eigene Kinder hatten, zehn Jahre später zu sehen. Plötzlich kam seine Frau aus der Terrassentür hinaus, und setzte sich mit an Tisch.
Er versuchte mit ihnen zu reden aber sie hörten ihn nicht. Jetzt wusste er, dass alles nur ein Traum war. Es war einfach zu schön um wahr zu sein. Er hatte Schuldgefühle, weil er feststellte, was er alles verpasst hatte.
Mit einem Mal guckten ihn alle mit großen Augen an und schrien: ,,Wieso?” Das Geschrei wurde lauter. Sie kamen näher. Peter fing an zu heulen und wünschte sich nur, dass es aufhört. Er schloss seine Augen.
Alles wurde schwarz, er konnte nichts mehr erkennen, da war nur dieses Piepen, das immer lauter wurde.
Er öffnete seine Augen und lag im Krankenhaus. Um ihn herum war seine Familie, die alle besorgt blickten. Er sah seine Kinder an, die ganz verheult waren und sie sprangen auf. Alles, was er sagen konnte war ,,Vergebt mir”

Es piepte, Ärzte kamen hereingerannt, er war tot.