shadow

BUMBLEBEE

von Cloe

One

„Es passierte alles so schnell’’ sagte ich nuschelnd.
Die Stimmung war bedrückend. Der Raum ist Kahl und kalt.
„Könnten sie das Mikrophon bitte ein wenig näher stellen?’’
Mit zitternder Hand schob ich das Mikrophon näher an mich ran.
„So?’’, fragte ich.
Es ist komisch sich in einem Raum zu befinden, in dem man nicht im Geringsten dachte sitzen zu müssen. Natürlich werde ich durch meinen Job, als Polizistin damit in Verbindung gesetzt, aber in Wirklichkeit habe ich mit dem Gericht nichts zu tun.
„Ja. Können sie uns erklären was passiert ist und wer alles beteiligt war?’’ , durchschnitt die eiserne Stimme des Richters meine Gedanken.
Richter waren mir schon immer nicht geheuer, schauten einem mit einen emotionslosen Blick an, und bestimmten über das weitere Leben einer Person, mit nur einem Wort.
Todesstrafe.
Und grad, wo du dabei bist, die eben genannte Information zu verdauen, sitzt du schon im elektrischen Stuhl mit einem gelben schwamm auf dem Kopf.
In diesem Fall bin ich jedoch nur Zeugin, aber ich bin mir sicher, dass wenn ich anders gehandelt hätte, es niemals dazu gekommen wäre.

6 Monate früher

Eine rothaarige Frau lief die Straße entlang.
Der knie lange Kaschmir Mantel, wehte im Wind und schmeichelte ihrer Hüfte.
Ihre smaragdgrünen Augen starrten geradewegs auf die Straße.
Tasche fest umklammert.
„Schlampe.” sagte ein Mann, mittleren Alters, durchschnittlich.
Er schien mit seinem Hund Gassi zu gehen.
„Gern geschehen.’’ trällerte sie zurück und ging weiter.
Auf ihrem Weg nachhause, drehten sich immer wieder Menschen um beleidigten sie, schauten sie angewidert an oder rempelten sie an, mit der Ausrede, man hätte sie nicht gesehen. Nach langer Zeit, kam sie vor ihrer Haustür an und wühlte in ihrer Tasche nach ihrem Schlüssel. Als sie ihn fand öffnete sie die Tür.
„Hallo Schatz.’’ vor ihr stand ihr Ehemann. Er lächelte sie breit an und hielt eine Schachtel in der Hand.
„Hallo’’ schnaubt sie, ging an ihm vorbei und legte die Schlüssel ab.
„Was ist da drinne?’’, fragte sie und zeigte auf die Schachtel.
„Der Bäcker kam eben vorbei und gab sie mir. Sie ist für dich”, sagte er.
Nicht beeindruckt, schnappte sie sich die Schachtel, ging zu ihrem Arbeitszimmer und öffnete sie…
Eine Torte. Es war eine einfache Torte, jedoch besaß sie etwas Besonderes an sich, und zwar stand auf der 25cm breiten Torte dick “Fucking bitch” auf Englisch. Die Torte an sich war ganz schön dekoriert, Blumen aus Marzipan, Zitronen Glasur, Sahne, Himbeerstückchen usw.
Die rothaarige schaute sich ihr süßes Geschenk ein paar weitere Sekunden an, bevor sie mit einer Hand rein stach und sich ein großes Stück raus schnitt.
Ihr Ehemann sagte nichts dazu.
Sie setzte sich auf ihren Schreibtisch Stuhl aus Leder und schaltete den Computer an.
In der Zeit in dem der Computer hochfährt, sprach keiner der beiden. Es war still.
Der Computer blitzte auf und zeigte ein Bild von ihr und ihrer Freundin Samantha.
Sie hatte Samantha eigentlich nie wirklich gemocht, da sie immer nur kam, wenn sie Geld oder jemanden zum lästern brauchte. Warum sie, sie als Hintergrunds Bild nahm? Keine Ahnung, wahrscheinlich, weil sie keine besseren Freunde hatte.
Ihr Ehemann verschwand die Treppen hoch ins Schlafzimmer und lies sie allein.
Sie machte sich nichts daraus und klickte auf das blaue bekannte Vogel Icon. Twitter.
Social Media benutzte sie nicht häufig und viel besaß sie auch nicht. Nur Twitter und Facebook.
Während des Durchschauen aß sie ihr Tortenstück weiter und betrachtete, wie sich ihre Posts und Bilder mit Hate Kommentaren füllten.
#Deathto, Schrecklichste Politikerin, was für eine Wichserin, Fotze und es ging immer weiter. Es war wie ein Wasserfall, in dem man versuchte zu überleben, obwohl man wusste, dass es kein Ende gab und man irgendwann unter dem Druck des Wassers ertrinken würde.
Von Außen sieht es so aus als würde es ihr nichts ausmachen, aber von innen tobte ein sturm aus Trauer und Wut. Ihre Augen wurden glasig, aber es verlies keine Träne ihr Auge. Sie versuchte Stark zu bleiben.
Sie klickte weg und fand einen Post über die neuen Technologischen Bienen die in ganz Amerika verbreitet waren. Sie kamen erst letztes Jahr raus, da die Bienen langsam ausstarben und da es schnell einen Ersatz geben musste, erfand man diese „Roboter Bienen.“
Sie schaltete den Computer aus und verließ den Raum.
Das Fenster sperren weit auf.

TWO

„In der Middle-street 69 wurde die Politikerin Joe Powers tot aufgefunden. Wie es zu diesem schrecklichen Vorfall kam und wie es jetzt weiter gehen soll, wurde noch nicht bekannt gegeben. Wir hoffen auf weitere Angaben von der Polizei.“ Ertönte die Stimme des Nachrichten Sprechers an der anderen Straßen Seite.
,,Isra Smith?’’ fragte eine junge blondhaarige.
,,Keine Presse’’, gab ich monoton zurück.
Ich wollte gerade weiter gehen als sie mich aufhielt und sagte,
,,Ich bin nicht von der Presse… Ich bin ihr Schatten.” Sie hielt mir die Hand hin und schaute mich erwartungsvoll an.
,, Mein Schatten? Mein Schatten… ja. Sorry, wie heißen sie nochmal?” Wir durchquerten das gelbe Abspeerband mit den schwarzen Streifen und gingen weiter Richtung Tatort.
,,Blue. B-L-U-E.” buchstabierte sie ihren Namen nach.
,,Meinem Vater gefiel der Klang” erzählte sie weiter.
,,Aha.” Sagte ich.
,,Schon mal eine Leiche gesehen?’’ fragte ich.
,,Ja, aber nur auf Videos.” Beantwortete sie meine Frage und lächeltet mich an.
Wir kamen vor einem schwarzen SUV an, an dem Roger mein Kollege angelehnt war.
,,Boss?” fragte Roger während er sich vom Auto abstoßt und sich zu uns drehte.
,,Das ist Blue. Sie ist mein Schatten’’ sagte ich.
,,Roger Jones.” sie schüttelten sich die Hände und wir gingen zusammen in das Haus rein.
,,Was haben wir?’’ fragte ich und rieb mir die Augen.
,,Joe Powers.”
,,Joe Powers? Hab was vor ein paar Tagen über sie gelesen, über diese Rollstuhl Sache.”
,,War ein klick Köder. Es hat die Leute schon ziemlich verärgert.” sagte Blue.
Mir war es eigentlich egal, denn die Menschen regten sich heutzutage über alles auf. Sei es der Nachbar gegen über, der den Ball seines Sohnes über den Zaun verschossen hat oder halt eine Politikerin die eine Suizidgefährdete im Rollstuhl beleidigte und als Aufmerksamkeitssüchtige abstempelte.
,,Der Artikel war echt grauenhaft. Auch ich habe die Petition unterschrieben, dass sie endlich gefeuert wird.” sagte Roger und verzog angeekelt sein Gesicht.
Ich schaute mich im Haus um und fand direkt Blut Spritzer an der Wand und auf dem Fußboden kleben. Ich zog mir schnell Handschuhe rüber und betrat mit langsamen Schritten das Arbeitszimmer, im Schlepptau Roger und Blue.
Ich schaute mir die Blut überströmte Leiche genauer an, während Blue sich zur rothaarigen Frau hin hockte. Nachbarn hörten sie anscheinend Schreien und haben dann angerufen. In der Wohnung sah es verwüstet aus. Stühle, Pflanzen und Bücher Umgeschmissen oder kaputt, als hätte ein schlimmer Kampf statt gefunden.
„War noch jemand zu hause?“ fragte ich nach.
„Nur ihr Ehemann, mit einem aufgeschlitztem Bauch.“ Schnalzte Roger.
„War sie es?“ fragte ich.
„Keine Ahnung, er war noch bewusstlos..“ sagte Roger.
Ich ging im Zimmer ein wenig rum, während Blue sich mit dem Computer beschäftigte. Ich sah mir die Fenster an und stellte schnell fest das es keinen Einbruch durchs Fenster gab, also sah ich mich weiter um und pickte mir zwischen durch immer wieder Sachen heraus, die ich mit nahm oder ins Labor schickte.
„Roger, bitte mach eine Autopsie von ihr, check die Überwachungskameras und danach befragen wir den Ehemann.
Damit machte sich Roger mit einem Nicken auf den Weg und lies die Beiden Frauen allein.
Ich lies meinen Blick noch einmal zum Hals der Leiche wandern, der mit Schnittwunden übersäht war und rief danach Blue zu mir damit wir gehen konnten.
„Glauben sie es war ihr Mann?“ fragte mich die Blondhaarige.
„Ich schließe nichts aus, aber den Hals aufzuschlitzen ist nicht normal. Sagte ich.
Wir blieben bei meinem Auto stehen und ich fragte sie, wie nachhause käme. Sie sagte, dass sie mit der U-Bahn fahren würde und da ich kein Herz aus Stein hatte, nahm ich sie mit.
Bei der Autofahrt haben wir nicht so viel geredet außer das Blue Digitale Forensik studiert hatte und wie gruselig Handys sind, da man in diesen klein Dingern so viel verstecken und machen kann.
Man könnte glauben, dass sie alles über uns wüssten.
Ich fuhr sie nachhause und verabschiedete mich von ihr.

THREE

Ich machte mir in meinem Apartment einen Smoothie, aus Erdbeere, Kiwi und Banane, bevor ich auf die Uhr schaute, meine Tasche schnappte und die Wohnung verlies. Ich war relativ früh dran.
Nach wenigen Minuten mit dem Auto war ich angekommen und öffnete die Tür zum Gebäude.
Es war sowie immer, die Menschen wuselten durch das ganze Büro, suchten Briefe, Bilder, Akten oder einfach ihren Stift. Der typische Kaffeegeruch, den man sich an der hintersten ecke holen konnte stieg mir in die Nase, Telefone klingelten oder Tastaturen wurden fast vergewaltigt. Sowie immer.
„So früh schon fleißig?“ fragte ich, als ich Blue und Roger am Computer sitzen sah.
„Wir schauen uns gerade die Überwachungskameras an.“ Sagte Blue
„Keine kam rein oder raus, nur Joe und ihr Ehemann. Den ganzen Tag“ fügte Roger hinzu.“
„Und was ist mit der hier?“ ich zeigte auf einer der Kameras, die kein Bild hatte und somit schwarz war.
„Das ist die Hinterhof Kamera, schon seit Monaten kaputt.“ Beantwortete Roger meine Frage.
„Vielleicht kam sie von dort rein?“ fragte Blue.
„Sie müsste über den Zaun um rein oder Raus zu gelangen, mit dem wissen das die Kamera defekt ist, aber gut… Technisch gesehen möglich.“ Sagte ich.
„Okay, entschuldigen sie.“ Sagte die Blondine, ging an mir vorbei und setzte sich auf ihr Schreibtisch Stuhl.“
„Außerordentlich hilfreich.“, nuschelte ich und ging zu Blue.
Ich sah, wie sie etwas in den Computer eintippte und schaute sie fragend an. Sie räusperte sich und sagte, dass sie gerade alle verbalen Attacken und Angriffe gegen Joe Powers innerhalb der letzten 48 Stunden sammelte.
„Ich glaube es war der Ehemann“ sagte Blue.
„Nicht wirklich, wir haben genug Leute die sauer auf sie waren“ sagte ich.
„Ehm… der Ehemann ist wach und quatscht, sie werden ihr Alibi lieben“ Unterbrach Roger unsere Konversation.
Blue und ich schauten uns an und machten uns sofort auf den weg.

Wir gingen ins Krankenzimmer rein und entdeckten den Mann auf dem Bett an viele Schläuchen gebunden. Es sah fertig aus. Verständlicherweise.
Ich setzt mich an das Bett mit dem Rücken zum Fenster, Blue stand an der anderen Seite. Die Hände zusammen gefaltet.
„Ich hörte Joe oben Schreien, als ich oben war ging sie im Raum stolpernd auf und ab und sie hielt sich an den Kopf, als hätte sie Kopfschmerzen, dann blieb sie stehen und plötzlich…“ Er machte eine kurze Pause, seine Stimme zitterte.
„Bekam sie sowas wie einen Anfall… sie schlug und kratzte sich am eigenen Körper.“ Seine Stimme brach und er fing an zu weinen.
„Sie drehte sich um und… sie schlug mit ihrem Kopf…sie hat auf den Tisch. Sie schubste mich weg, dann muss die Flasche zerbrochen sein.“
„Sie hob die Scherben auf und fing an sich damit zu schneiden. Hier.“ Er zeigt mit seinen Fingern auf seine Schläfe.
„Sie wollte etwas heraus schneiden…“ Er nahm tief Luft.
„Ich wollte sie aufhalten, sie attackierte mich und dann schnitt sie sich die Kehle durch.“ Erzählte er uns völlig paralysiert.
„Ich versuchte sie aufzuhalten aber sie schnitt sich die Kehle mit dem Glass durch.“ Wiederholte er das eben gesagte.
Als wir das Patienten Zimmer wiederließen fragte Blue, ob ich es wirklich glauben würde, dass Joe sich selbst umbrachte ohne irgendeinen ersichtlichen Grund.
„Er sagte sie hätte sowas wie einen Anfall, vielleicht war etwas im Kuchen?“ sagte Blue.
„Im Kuchen?“ fragte ich.
„Da stand “Fucking Bitch“ drauf, es wäre gut möglich!…. vielleicht eine Droge?“ sagte Blue.
„Die einen selbst umbringen lässt?“ Manchmal Frage ich mich, ob ich die Einzige bin, die richtig nachdenkt.
„Er wirkte sehr überzeugend, es sah nicht so aus als sei er-“
„Er ist normal.“ unterbrach ich sie.
„Er hat also ihren Kopf auf den Tisch geschlagen, hat sie fest gehalten und-“
„Blue!“ Wieder unterbrach ich sie.
„Was?“ fragte die Blondine.
„Sie untersuchen den Kuchen… versuchen wir es mal bei der Person die ihn verschickt hat. Heute morgen kam der Name rein“

Während der Fahrt war es still, niemand sprach bis Blue das Wort erhob.
„War der Kuchen von ihr?“ fragte Blue und schaute mich an.
„Jupp“ beantwortete ich knapp ihr frage.
Blue meinte Mein Handy, in dem ein Bild von einer Vorschullehrerin angezeigt wurde. Sie war dunkelhäutig und hatte Lockige Haare.
„Okay, dann los“ sagte Blue.
Wir gingen den gang entlang zum Lehrerzimmer und klopften an.
Ein junger Mann machte die Tür auf