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Das Haus

Von Giancarlo

„Dieses Bild nahm mir alles was ich gebraucht habe um jemals glücklich zu sein. Wenn ich nicht glücklich sein darf, darf dies niemand mehr.“

Kapitel I – Ankunft

Dieses Haus hatte seit Beginn schon Angst in mir hervorgerufen. Wir hatten schon immer relativ wenig Geld im Vergleich zu anderen was der Grund für unser Umzug war. Die Miete wurde letzten Endes unbezahlbar für uns und da meine Frau schwanger ist, will ich sie nicht arbeiten lassen da es gefährlich für sie und unser Kind werden kann. Glücklicherweise fanden wir ziemlich schnell ein unglaublich billiges Angebot eines Hauses am anderen Ende der Stadt. Ich kann es noch immer nicht glauben, aber das Haus ist wie für uns gemacht. Es ist zwar relativ klein aber für den für uns zahlbaren Preis ist es perfekt für uns. „Nimm du bitte nur die leichteren Sachen Schatz. Ich möchte nicht, dass du dich überanstrengst“ sagte ich zu meiner Frau als sie versuchte ein Karton in das Haus zu tragen. „Das passt schon, ich kriege das hin.“ Sagte sie woraufhin ich ihr den Karton abnahm und ihr ein Glas Wasser brachte. „Das war der letzte. Ich bin so glücklich, dass wir dieses Angebot gefunden haben Jonny.“ Sagte sie im euphorischen Ton und ich antwortete dass ich auch glücklich sei, jedoch hielt ich ein eher Unwohlsein in dem Haus für mich selbst um sie nicht zu verunsichern. „Was ist mit dem Bild hier Schatz? Das hing hier schon.“ Ich kam zu ihr und sah es. Das Bild war wunderschön. Eine Frau die ihre Haare kämmte und ihre Augen geschlossen hielt, sodass sie nicht sehen muss was außerhalb ihrer perfekten eigenen Welt geschah. Ich starrte einige Sekunden auf das Bild bis ich bemerkte dass meine Frau mich fragt ob wir es behalten wollen. „Ja also ich wäre dafür. Es passt in dieses Haus und es zeigt etwas von unserem Vorbesitzer.“ Wir behielten es also und lagen uns daraufhin in das Bett. Am nächsten Morgen wachte ich auf und bemerkte dass meine Frau anscheinend schon aufgewacht sein muss, denn sie ist nicht mehr im Bett aufzufinden. Ich ging in die Küche und wurde mit einem leckeren Kaffee meiner Frau begrüßt. „Wie findest du es denn wenn wir unsere Nachbarn einmal hier her einladen Jonny?“ fragte sie mich währen ich versuchte meinen heißen Kaffee kälter zu pusten. „Gern, so lernen wir die Menschen hier ein wenig kennen und machen einen guten Eindruck.“ Eigentlich hasste ich die Idee neue Menschen kennenlernen zu müssen aber wenn meine Frau das möchte mache ich es aus Liebe zu ihr gern. Am gleichen Tag luden wir sie ein, abends gegen 18 Uhr zu unserem Haus zu kommen und wir bereiteten einige Snacks und Getränke für sie vor. Die Stunden vergingen und niemand kam. Um 19:50 als wir uns entschieden haben alles abzubauen klingelte es an der Tür. Ich blickte durch den Tür Spion da ich um 20 Uhr niemanden mehr erwartete. Eine ältere Frau, so um die 70, stand vor der Tür. Ich hatte sie mal durch das Fenster eines Hauses unserer Nachbarschaft gesehen, also entschied ich mich die Tür aufzumachen und sie zu empfangen.

„Hallo, ich bin Frau Icewallow. Ich habe ihren Brief bekommen.“

„Ah ja, genau. Wollen sie nicht reinkommen?“, fragte ich sie und bemerkte gleichzeitig einen leichten Blick von Angst der durch ihre Augen schien.

„Ähm ja, ich kann aber nicht allzu lange bleiben“, meinte sie mit leicht zittriger Stimme. Inzwischen kam auch meine Frau hinzu, die bereits die Snacks weggestellt hatte. „Wissen sie, ich wohnte einmal hier weswegen mir beim Umschauen immer mehr Erinnerungen hervorgerufen werden“, sagte die alte Frau. „Lebten sie damals schon alleine?“, fragte meine Frau sie daraufhin. Die Frau schüttelte ihren Kopf. „Ich lebte mit meiner Tochter hier. Diese ist leider zu der Zeit bereits verstorben“ sagte die ältere Dame. „Das tut mir leid für sie“ sagte ich aus Reflex da man dies eben in so einer Situation sagte. Ihre Antwort ließ mich kalt und ich bekam Gänsehaut. „Sie brauchen sich nicht entschuldigen. Es ist nicht ihre Schuld. Es ist die Schuld des Bildes welches einem kleinem Mädchen gehört.“ Ich fragte sie wer dieses Mädchen sei ist, jedoch kam daraufhin nur die schräge Antwort, dass sie eine Freundin ihrer Tochter war, die nie zu sehen war. Man merkte der Frau an dass sie es eilig hatte so schnell aus dem Haus zu verschwinden wie möglich, jedoch wollten ich und meine Frau mehr wissen. Meine kleine 8 Jährige Tochter war zum Glück schon im Bett, sodass sie sich das nicht anhören musste. „Haben sie Kinder?“ fragte die Frau uns und meine Frau führte das Gespräch weiter. „Ja, wir haben eine kleine Tochter und in 4 Monaten soll unser kleiner Anthony auf die Welt kommen.“ Die Frau fing an immer panischer zu werden. „Ich muss leider gehen. Ich habe noch etwas zu erledigen. Egal was ist, passen sie ab der Geisterstunde auf ihr Haus auf und versuchen sie bitte nicht mich zu Kontaktieren.“ Ich und meine Frau waren vollkommen verwirrt aber wir dachten uns nichts dabei. Die Frau war alt und kann wahrscheinlich den Verlust ihrer Tochter nicht verkraften.

Kapitel II – Verlust

Die Tage vergingen und uns ist bisher nichts Komischen aufgefallen. Meine Frau konnte aufgrund des Flohs der ihr von der alten Dame in ihr Ohr gesetzt wurde kaum schlafen und hat deswegen nach Mitternacht noch im Wohnzimmer ein Buch gelesen. Heute ist der erste Schultag meiner Tochter Eoline. Ich habe normalerweise Urlaub aber ich möchte meiner Frau so viel Arbeit wie möglich abnehmen weswegen ich sie erst einmal in die Schule fahre und meine Frau ausschlafen lasse. „Eoline wie findest du es hier?“ fragte ich sie. „Ich mag es sehr gerne hier. Ich spiele immer mit meiner Freundin. Sie hat mir auch gesagt dass sie mich beschützen wird“ sagte meine Tochter daraufhin was mich verwunderte, da wir erst seit ein paar Tagen hier sind und meine Tochter noch keinen Kontakt mit anderen Kindern hatte. „Welche Freundin meinst du?“ fragte ich sie um noch einmal sicher zu gehen. „Katja heißt sie Papa aber keine Sorge, sie ist nicht wirklich da. Nur wenn sie abends mit mir spielt kommt sie.“ Ich dachte mir daraufhin nichts weiter bei da ich auch als Kind einen Imaginären Freund hatte. Das ist etwas ganz normales. Es sollte sich erst noch herausstellen dass ich damit nicht nur Unrecht hatte, sondern mit diese Leichtgläubigkeit meine ganze Familie in Gefahr brachte. Die nächsten Tage verliefen wie sie laufen sollten. Wie gewöhnlich stand ich morgens auf und brachte meine Tochter in die Schule und machte mir bis ich sie abholen sollte ein entspanntes Bad oder mache Frühstück für mich und meine Frau. Als ich abends Eoline ins Bett brachte, fiel mir etwas Ungewöhnliches an ihr auf. „Papa, Papa! Ich kann schon ganz alleine einschlafen denn Katja kommt bald und beschützt mich.“ Ich hatte zwar Verständnis, jedoch hatte ich auch ein mulmiges Gefühl. „Das ist toll, grüß Katja von mir wenn du sie siehst und schlaf gut Eoline!“. Ich ging in mein Bett und berichtete meiner Frau von den wirren Sätzen die unsere Tochter mir mitteilte. „Mach dir nichts draus Jonny, jeder hatte einen Imaginären Kumpel als Kind. Ich merke dass du der alten Dame zu viel glauben schenkst.“ – „Das sagst grade du? Ich kann wenigstens nachts schlafen.“ Wir lachten. Später schlief meine Frau tief und fest, während ich noch ein Buch las um mich ein wenig abzulenken. Ich dachte über die Worte von Eoline nach, die einfach nicht meinen Kopf verlassen wollten. Plötzlich ging der Alarm von unserem Haus los und meine Frau schreckte hoch. Ich nahm die noch nicht montierte Gardinen Stange. „Wer ist da?“ fragte mich meine Frau panisch während sie ihre Decke vor ihr Gesicht zog. „Ich gehe kurz gucken mach dir keine Sorgen.“ Ich hatte selbst ziemliche Angst jedoch muss ich als Mann im Haus meine Familie beschützen. Ich machte den Alarm aus und dann ging ich zuerst das Erdgeschoss durch jedoch fand ich nichts. Als ich in der Küche ankam ging der Alarm wieder los und ich rannte zur Tür, nur um sie bis zum Anschlag offen zu finden. Ich ging raus jedoch sah ich niemanden. Ich schaltete den Alarm aus und machte die Haustür zu. Diesmal ging ich sicher sie mehrmals abzuschließen. Meine Frau kam nach unten und fragte mich ob alles in Ordnung sei. Ich versicherte ihr, dass alles okay ist und wir wieder schlafen gehen können. Plötzlich hörte ich von oben aus Eoline’s Zimmer ein lautes Knallen, so als ob ein Schrank umgefallen sei.

„Was war das? Eoline? EOLINE!“, brüllte ich, als ich die Treppen hoch zu ihrer Zimmertür lief. Ich versuchte die Tür aufzumachen, jedoch war diese von Innen abgeschlossen. Ich hörte Eoline weinen. Ich trat kurzerhand die Tür ein. Als die Tür offen war, sah ich sie sitzend auf dem Boden. „Ist alles in Ordnung?“ fragte ich sie panisch.

„Ja Papa, Katja hat auf mich aufgepasst während ihr weg wart.“ Das beunruhigte mich leider nur noch mehr. „Geh wieder ins Bett und schlaf ein. Du musst morgen zur Schule. Ich repariere morgen deine Tür.“ Versicherte ich ihr. „Papa?“, fragte sie. „Ja, meine Kleine?“, antwortete ich ihr. „Eine Sache finde ich an Katja gruselig.“ Sagte sie mir ängstlich. „Was denn?“ – „Katja beobachtet Mama immer beim Schlafen während wir uns für die Schule vorbereiten.“ – … „Gute Nacht Eoline.“ Ich war geschockt von ihren Worten jedoch ging ich daraufhin ohne etwas meiner Frau zu erzählen in mein Bett und versuchte zu schlafen.

Die ganze Nacht über haben meine Frau und ich kaum schlafen können, da uns das Ereignis sehr mitnahm. Letzten Endes sind wir jedoch dann doch eingeschlafen, denn die Nacht nahm daraufhin einen ruhigen Verlauf. Als ich am Tag darauf aufwachte fiel mir auf, dass heute alles viel ruhiger war als sonst. Normalerweise ist meine Tochter schon längst wach und guckt ihre liebste Serie im Fernsehen, jedoch war sie heute nicht vor mir wach. Ich ging in ihr Zimmer um sie zu wecken, es hätte ja sein können, dass sie wegen den gestrigen Ereignissen verschlafen hatte. Als ich ihr Zimmer betrat kamen mir die Tränen. Sie schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Ich rannte zum Schlafzimmer wo meine Frau noch tief am Schlafen war und erzählte ihr in Tränen was passiert war. „Schatz, Eoline ist weg! Was sollen wir nur machen? Ich kann sie einfach nicht finden und der Alarm ist noch aus also kann sie nicht aus dem Haus gegangen sein!“, sagte ich zu ihr. Ihre Antwort ließ mich nur noch trauriger werden. „Wie bitte? Schatz, du hast nur schlecht geträumt. Wer ist Eoline?“. Meine Welt zerbrach. Ich wusste, dass irgendwas Komisches passiert sein muss. Ich konnte mir es nicht erklären. Wieso sollte meine Frau unser derzeit einziges wundervolles Kind vergessen? Ich sagte nichts mehr. Ich fühlte mich einfach nur noch leer in diesem Moment. Ich versuche so schnell wie möglich unsere Nachbarin zu kontaktieren. Ich  rannte rüber auf die andere Startseite und zu dem Haus der älteren Dame. Ich klingelte im Sturm jedoch dauerte es etwas bis mir auffiel, dass mir niemand auf machte. Eine andere Nachbarin kam und erklärte mir, dass das Haus seit 5 Jahren leer steht, da die Frau die dort drin wohnte sich das Leben nahm. Man munkelt, dass sie sich das Leben nahm, da ihre Tochter verschwand. Sie wurde verrückt und nach 3 Monaten des Verschwindens fand man ihre Leiche in dem Haus. Es steht seitdem auch nicht mehr zum Verkauf. Ich kam mir vor wie der naivste Mensch auf Erden. Ich wusste, ich war nicht verrückt denn meine Tochter existiert wirklich und ich muss sie finden. Meine Frau wurde sauer, da ich die Tage darauf nichts anderes tat, als mir Bücher zum paranormalen durchzulesen und darauf zu bestehen, dass ich meine Tochter retten muss an die scheinbar nur noch ich mich erinnerte.

Kapitel III – Gewinn?

Eines Nachts, als meine Frau schon schlief und ich durch das scheinbar verfluchte Haus lief und versuchte irgendwelche Hinweise zum Verschwinden meiner Tochter zu finden, fiel mir auf dass sich das bereits zum Einzug vorhandene Bild verändert hatte. Die Augen der Dame waren offen. Es kam mir vor, als ob sie in meine Seele starrte. Als ich mit meiner Hand über das Bild streifen wollte, bemerkte ich, dass ich durch dieses hindurchfassen konnte. Ich war verwirrt, jedoch wusste ich, dass es mit dem verschwinden meiner Tochter zu tun hatte. Ich hatte große Angst was mich drüben erwarten würde, jedoch sprang ich aus Liebe meiner Tochter ohne zu zögern hindurch und befand mich in einer gespiegelten und dunkleren Version meines Hauses. Das was mir suspekt vorkam ist, dass mich diese bisher vergangenen Momente stark an sehr klischeehafte Horrorfilme erinnerten. Ich hörte Weinen einer Frau aus einem Zimmer an welches ich mich nicht erinnerte. Das Zimmer existierte in der realen Version des Hauses nicht. Ich schlich mich langsam an die Tür, da ich mir keine ungebetene Aufmerksamkeit von wem auch immer holen wollte. Ich lauschte an der Tür des Zimmers jedoch konnte ich nicht viel hören. Ich setzte mein Ohr an die Tür um mehr hören zu können. Die Tür sprang auf und eine Kreatur die ich auch jetzt nicht als Mensch oder Tier definieren kann stürmte mich an. Ich fiel auf den Boden und stieß mir den Kopf. Nach einigen Minuten wachte ich im Kinderbett meiner Tochter auf, welches sich in der Parallelversion ihres Zimmers befand. Sie hatte ein Hochbett und ich  lag auf der oberen Hälfte dessen.  Ich raffte mich auf und versuchte auf die Unterseite des Bettes zu gucken, jedoch war diese mit Decken verdeckt. Ich kletterte runter und ging langsam auf das Bett zu. Ich hatte die Intention die Vorhänge aufzumachen und zu gucken, ob eventuell meine Tochter dort lag. Ich machte langsam den rechten Vorhang auf. Ich sah Beine eines kleinen Mädchens. Eoline? War sie es eventuell? Ich machte den rechten Vorhang auf und erblickte das schlafende Gesicht meiner Tochter. Ich nahm sie auf den Arm und versuchte so schnell wie möglich durch den Eingang in diese Welt wieder in die reale Welt zu finden. Ich rannte durch die Flure des Hauses und kam letzten Endes vor dem Bild an. Meine Tochter war inzwischen wach, jedoch spürte ich, dass sie sehr schwach war. „Alles wird gut Eoline. Ich habe dich wieder.“ Ich versuchte das Bild zu überqueren als ich realisierte, dass ich meine Tochter zwar durch bekomme, jedoch ich selbst nicht das Bild zur realen Welt überqueren kann. „Papa? Ich möchte nicht ohne dich gehen!“ – „Alles wird gut. Pass gut auf deine Mutter und deinem kleinem Bruder auf.“ Ich gab sie rüber und riss das Bild anschließend von der Wand runter und zerstörte es. Nun bin ich hier und schreibe dieses Buch während ich überlege, wie ich zurückkomme und ob ich zurückkomme.

Fin.