shadow

Die römische Japanerin

von Lukas Robin König

Leise hört man das Knistern der holographischen Pferde im Wald.
„Ich freue mich schon auf die Stadt!“, spricht eine Dame in der von den Pferden
gezogene Kutsche mit heller Stimme. Ein Mann, der der Dame ähnelt, antwortet:
„Ach Schwesterchen, so spannend ist es dort auch nicht.“
„Der Kaiser ruft nicht alle Tage!“
Der Mann schmunzelt „Julia… für dich ist es das erste Mal, aber für mich ist es das
nicht!“
Plötzlich stoppt die Kutsche. „Ein Störfeld“, behauptet die junge Julia genervt und
will aussteigen. Der Mann hält sie fest. „Warte! Das kann eine Falle sein… Pass auf!“
Der Mann ist nervös. „Gregorius, ich habe Elektronik studiert.“ Sie steigt aus und
blickt sich um. Nichts da. Kein Zeichen auf einen Überfall, nur ein Störfeldgenerator.
„Da hat sich nur jemand einen Scherz erlaubt, keine Sorge.“ Sie geht zum Generator
und will ihn deaktivieren. Kaum ist sie da, hört sie ein Piepen. Gregorius stürmt aus
der Kutsche und schreit: „ Ich habe jemanden gesehen! Lauf! Das ist ei…“ Weiter
kommt er nicht. Kaum dreht sie sich um und will wegrennen, da explodiert der
Generator. An ihm war eine Bombe angebracht.
Julia fällt in Ohnmacht.
Julia wacht auf und blickt sich um. Alles ist verwischt. Sie sitzt nur in Lumpen und
angekettet im Kerker eines Schiffes. Alles ist verschwommen.
„Die ist bestimmt viel wert! Sie ist eine gebildete Dame, wie ich gehört habe.“ Die
Stimme hört sich rau an. Der Mann der gerade spricht, sitzt vor den Gittern der Zelle.
Er spricht mit einem weiteren Mann, der dort steht. Oder ist es eine Frau? Man kann
es nicht erkennen, da die Gestalt vermummt ist.
„Ha! Dieses Gör ist höchstens 100 Silbermünzen wert!“
Ja… diese helle aber zickige Stimme gehört einer Frau! Das Schiff hält an und die
Zellentür wird aufgemacht. „Raus hier!“, schreit die Frau und macht die Fesseln auf.
Ohne was zu sagen steht Julia auf und bekommt die Rückseite eines Speeres in den
Rücken, weswegen sie rausstolpert. Sie geht vom Schiff in den Hafen. Alles so
unmodern. Also das Mittelalter-Reich. Das einzige Reich, welches die moderne
Technik nicht annimmt.
Sie wird zu einem Markt geschleppt, wo viele Leute sie betrachten. Schnell merkt sie,
es ist ein Sklavenmarkt. Ein Mann haut 10 Goldmünzen auf den Tisch und zeigt auf
sie. „Mein höchstes Gebot!“
Die Dame nimmt die Münzen und macht ihre Ketten ab, die sie zehn Minuten zuvor
erst ran gemacht hat und schubst sie vom Stand weg. Der Mann greift Julia am
Handgelenk und zieht sie durch die vollen Straßen. „Wie heißt du?“
„Julia“, antwortet sie ängstlich. Der Mann zieht sie in eine Bar und dort hinter den
Tresen. „Dein Job ist es zu kellnern.“ Ohne zu zögern fängt sie an. Laut hört man die
Krieger feiern. Sie rufen Sachen wie „Der Krieg ist so gut wie gewonnen!“ oder

„Die Engländer haben keine Chance!“ Eine Band geht in die Mitte und fängt an das
berühmte Lied ‚Was wollen wir trinken‘ zu singen.
Nach einer Woche kommt der Mann, der sie gekauft hat, zu ihr. Julia hat
herausgefunden das er Hermann heißt. „Du wirst verkauft!“
Sie putzt gerade die Gläser. „An wen?“ fragt sie.
„Leute aus Japan“ sagt der Mann. „15 Gold Münzen bekomme ich.“ Sie nickt nur als
Antwort und lässt sich dann zu einem Schiff bringen. Dort kommt sie wieder in den
Kerker und wird nur ab und zu zum Deckschrubben rausgelassen.
Eine Woche Fahrt hat sie jetzt schon hinter sich. Das Schiff legt im Hafen an. Aber
bevor sie rausgelassen wird, hört man die Matrosen schreien „EIN ANGRIFF!“
Es kommen viele Freiheitskämpfer aufs Schiff und töten die Matrosen. Die Tür von
ihrer Zelle wird eingetreten und sie rennt sofort raus. Kaum ist sie draußen, sieht sie
die vielen Leichen. Sie wird am Arm gepackt.
„Komm mit, Kleine“, sagt die freundliche Stimme einer Frau. Sie hat einen
asiatischen Akzent und rennt los. Sie zieht Julia mit zu einem großemn Gebäude.
Halb unfreiwillig folgt sie der Dame. „Wir sind eine Gruppe die Sklaven befreit“ sagt
die Fremde, während sie ihr Kleidung zuwirft. „Yuki wirst du heißen. Yuki Youko.“
Julia betrachtet die Kleidung. „So eine Art… Deckname?“
„Genau, Yuki. Zieh die Sachen an, iss etwas und such dir einen Unterschlupf.“ Wie
ihr befohlen macht sie es und durchstreift die fremden Orte Japans. Sie sieht eine
Menge Fremdes. Zum Beispiel Menschen, die in lange Tücher gekleidet sind.
Krieger, die sich Samurai nennen, und Leute die eine fremde Sprache sprechen. Als
Yuki etwas länger dort ist, besorgt sie sich einen Job und ein Haus. Sie lernt
Japanisch und lernt als Gelehrte viele Leute kennen.
Heute weiß Yuki, es wird ein besonderer Tag. Wie jeden Tag geht sie als Lehrerin in
die Schule und lehrt den Schülern etwas. Um Punkt 12 Uhr kommt jemand rein. Ein
Samurai mit dem sie oft redet, Kobata.
„Für den Rest des Tages habt ihr Schluss“, sagt Yuki. Die Schüler verlassen den
Raum und sie wendet sich zum Samurai. „Was ist Kobata?“
„Ich brauche deine Hilfe. Meine Mutter ist krank und sie scheint vergiftet worden zu
sein.“ Sofort rennt sie los und tatsächlich: die Mutter des Samurais wurde wirklich
vergiftet. Griechisches Gift, das erkennt sie sofort.
„Haltet sie wach! Sie braucht Wein!“ Kobata schaut sie verwirrt an. „Warum Wein?
Wein ist sehr teuer.“
„Ich habe welchen im Schrank“, murmelt die Mutter.
Yuki geht hin, holt ihn und lässt sie den Wein trinken. „Sie darf heu…“ – sie kommt
nicht weiter. Kobata geht in die Knie und küsst ihre Hand. „Vielen Dank, Yuki“ Sie
wird knallrot und ohne was zu sagen geht sie nach Hause. Dort putzt sie die Möbel.
Sechs Monate ist sie bereits in Japan. Jeden Tag macht sie mehr mit Kobata. „Weißt
du, Yuki?“ Er sitzt mit ihr an dem Sakura River. Wie immer zu der Frühlingszeit ist er
durch die Kirschblüten rosa. „Du bist eine wunderbare, intelligente Frau.“

Yuki nimmt seine Hand. „Du Schleimer.“ Sie schmunzelt.
„Hey! Ich schleime nicht. Ich sage nur die Wahrheit.“ Sie schauen sich still an. Nach
drei Minuten Schweigen küsst Kobata Yuki einfach.
Beide schweigen weiter.