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Ein endloser Traum

von Lisa Hoppe

Kapitel 1

„Es tut mir so leid…“, waren seine letzten Worte, die ich hörte, als sich plötzlich meine ganze Welt verändert hatte.
Sollte so etwa das Schlimme behebt werden, dass vor 3 Jahren passiert ist?
Es war eine kalte, dunkle Nacht, als mein Bruder Nick und ich unter einer warmen Decke in den Sternenhimmel geschaut hatten.
Die Sterne leuchteten heute besonders hell, weil der Himmel nicht von Wolken bedeckt war. Plötzlich flog etwas durch den Himmel.
„Hey! Was war das?“, fragte ich neugierig und erstaunt zugleich.
Mein Bruder lachte: „Das war eine Sternschnuppe!“
„Eine Sternschnuppe?“, fragte ich sehr überrascht.
„Eine Sternschnuppe ist ein fallender Asteroid, den man nicht jeden Tag sieht. Wenn man eine Sternschnuppe vor Augen bekommt, kann man sich etwas wünschen und eines Tages würde dein Wunsch in Erfüllung gehen!“
„Wow!“, sagte ich mit begeisterter Stimme.
„Wirst du dir etwas wünschen, ABER VORSICHT! Dein Wunsch nicht laut aussprechen!“, zwinkerte mir mein Bruder zu und ich lächelte
„Ich habe mir etwas gewünscht!“
„Toll! Wollen wir langsam nach Hause gehen? Morgen ist wieder Schule, weswegen wir uns gut ausschlafen müssen.“
„Ich habe keine Lust auf Schule…“, stöhnte ich genervt, was Nick zum Lachen brachte. Wir machten uns beide auf dem Weg zu unseren Zimmern, als ich hörte, wie meine Mutter und mein Vater sich wieder stritten.
Es hatte mich immer sehr traurig gemacht, dass mein Vater meine Mutter angeschrien hat, obwohl sie nichts Falsches tat.
Wiederrum machte es mich wütend, dass meine Mutter sich nicht wehrte, aber gleichzeitig nicht dafür interessiert hatte, was mein Vater zu ihr sagte.
Sie stritten sich jeden Tag und das bedrückte mich sehr.
Mein Bruder bemerkte schnell, dass ich im Wohnzimmer stand, also nahm er meinen Arm und zog mich in mein Zimmer hoch.
„Komm mit und geh schlafen!“, war das einzige, was er sagen konnte.
Da ich wusste, dass er es nur gut mit mir meinte und er auch nicht in der Stimmung für die Streitereien unserer Eltern war, gab ich ihm keine Schuld und ging schlafen.
Es war ein wunderschöner Tag draußen.
Die Vögel zwitscherten, die Blumen blühten und die Sonne schien durch mein Fenster. „Andorra! Bereite dich auf die Schule vor! Du musst in 5 Minuten los.“, rief meine Mutter liebevoll aus der Küche.
„Ja, Mama…“, antwortete ich zurück, während ich schnell meine Schultasche eingepackt hatte und die Treppen hinunterrannte, um mir ein Sandwich mit meinen Lieblingsaufschnitt zu nehmen.
Schnell gab mir meine Mutter einen Abschiedskuss und ich eilte zur Tür.
„Hab dich lieb!“, waren ihre letzten Worte, bevor ich mit ein „Ich dich auch!“ die braune Haustür zuknallte.
Auf der anderen Straßenseite sah ich meinen Vater und älteren Bruder, die vor langer Zeit im roten Auto auf mich gewartet hatten.
Ich rannte dorthin, stieg ins Auto und aß in der Zwischenzeit das Brot, das ich mir aus der Küche genommen hatte.
„Bist du wegen Schule aufgeregt?“, fragte mein Vater mich lächelnd, als ich seufzte und meine Arme verschränkte.
Heute ist der erste Schultag nach den Herbstferien und um ehrlich zu sein, hatte ich keine Lust, wieder in die Schule zu gehen .
Stattdessen wäre ich lieber weiterhin im Urlaub, um zu schlafen oder mich auszuruhen, aber das Leben geht leider weiter.
„Keine Sorge! Du kannst wenigstens deine Freunde treffen!“, versuchte mein Bruder Nick mich aufzumuntern.
Obwohl ich nicht in der Stimmung war, musste ich dennoch lächeln.
Er lag nicht falsch.
Ich hatte meine beiden besten Freunde in den Ferien schon vermisst, da beide verreist waren und ich sie deswegen nicht treffen konnte, aber heute werde ich sie mit voller Freude wiedersehen können!
Nick und ich hatten viel geredet und gelacht, während wir fuhren.
Mein Bruder war zwar 5 Jahre älter als ich, weshalb er auf eine andere Schule ging, aber wir hatten uns schon immer so gut verstanden wie Schwarz und weiß!
Er war die engste Vertrauensperson, den ich je hatte.
Obwohl mir auch meine Eltern wichtig waren, war mir mein Bruder am wichtigsten.
Wenn es mir schlecht ging, half er mir immer aufs Neue!
Ich hätte mir keinen besseren Bruder vorstellen können.
„Wir sind hier, Andorra! Steig aus und viel Spaß in der Schule.“, sagte mein Vater zu mir. Ich nickte, griff nach meiner Schultasche und stieg aus dem Auto.
Jetzt befand ich mich mit allen Schülern meiner Schule auf dem riesigen Schulhof, was mir zunächst ein unwohles Gefühl gab.
Dieses Gefühll verschwand jedoch schnell, als ich meine Freunde Maria und Daven im Klassenzimmer „10 B“ sah.
Wir umarmten uns alle zur Begrüßung und sprachen über unsere Ferien.
„Nun, wie war euer Urlaub?“, fragte ich zuerst.
„Es war sehr lustig! Ich war mit meinen Eltern in Disneyland in Paris und es war großartig!“, antwortete Maria, als Daven dann anfing zu lachen.
„Oh, erzähl keinen Schwachsinn!“, sagte er schließlich.
„Es ist die Wahrheit!“
Ich lachte.
„Oh, ich gehe für eine Weile zu meinen Freunden. Lass uns in der Pause weiterreden.“, sprach Daven und sah mich mit einem Lächeln an.
Dann ging er weg und ich beobachtete ihn, wie er sich Schritt für Schritt von uns entfernte. Maria grinste breit und fragte mich aus dem Nichts: „Und wann wirst du ihn deine Liebe gestehen?“
Mein Gesicht wurde knallrot und meine Wangen glühten wie verrückt.
„Wie wäre es mit überhaupt nicht?“, murmelte ich verlegen und schaute auf dem Boden. „Komm schon! Du bist seit 2 Jahren mit ihn befreundet und gegenüber dir verhält er sich anders! Bei dir war er schon immer so nett und hilfsbereit. Ich bin mir sicher, er fühlt genau das selbe für dich, wie du für ihn!“
„Findest du?“
„Na klar. Außerdem, wenn du ihn nicht sagst, was Sache ist, werde ich das tun!“
„NEIN!“, brüllte ich Maria etwas lauter an, während sie eine Augenbraue hochzog und frech grinste.
Dieses Gespräch war mir sehr peinlich und ich wusste leider, dass sie es ernst meinte.
Wenn ich Daven nicht sage, dass ich ihn seit Monaten liebe, wird sie es für mich tun und wenn sie das tun sollte, würde es in einer Katastrophe enden.
„Also… Wann wirst du ess ihn sagen?“
„Mh… Morgen!“, seufzte ich aus Verlegenheit.
„Warum nicht heute nach der Schule?“
„Lass mich wenigstens eine Nacht ausschlafen, bevor ich das tue!“, motzte ich sie an.
Maria lächelte voller Freude und schien sehr Stolz auf sich selbst. Ich dachte eine Weile nach.
War es eine gute Idee?
Wird er mich dafür hassen oder hatte Maria recht?
Was würde danach passieren und…
„Ich werde es warscheinlich morgen erfahren.“, dachte ich.
Als die Schulglocke läutete, setzte ich mich auf meinen Platz und wartete darauf, bis der Lehrer reinkam.
Der Unterricht fing somit an.

Kapitel 2

Das Schlimme würde passieren, aber der Gedanke, das sowas jemals passieren könnte, wa so weit entfernt… Der Unterricht war heute sehr eiinfach, da es der erste Schultag nach den Ferien war.
Ich war sehr erleichtert, als es nach 6 Stunden endlich klingelte und ich nach Hause gehen konnte.
Schnell packte ich meine Schulbücher in meiner Schultasche ein und verließ das große Schulgelände.
Draußen wartete ich auf meine Freundin Maria und als sie endlich ankam, gingen wir den grauen Fußgängerweg entlang.
Wir sind immer mit dem Bus 005 nach Hause gefahren.
Es hatte immer viel mehr Spaß gemacht, mit Maria Bus zu fahren, als alleine zu gehen. Bevor wir die Bushaltestelle erreichten, mussten wir immer eine lange Straße überqueren. Als die Ampel rot war, standen wir beide Seite an Seite und sprachen über Dinge, die in den nächsten Tagen passieren würden.
„Hast du Pläne für morgen?“, fragte mich Maria und ich schüttelte meinen Kopf.
„Willst du morgen zu mir kommen? Hab mir ein neues Videospiel gekauft und es ist echt lustig!“, schlug Maria vor.
„Können wir gerne morgen bei dir spielen.“, lachte ich als Anwort zurück.
„Vergiss nicht, Daven morgen deine Liebe zu gestehen!“, erinnerte Maria mich heute schon seit gefühlt 500sten mal.
„Werde ich nicht.“
Die Ampel wurde grün.
Als Maria und ich die Straße überqueren wollten, passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte.
Das einzige, woran ich mich erinnern konnte war, dass vor meine Augen plötzlich alles schwarz wurde.
Das letzte, was ich hören konnte, war: „Bitte! Holt endlich e—en Kra—enwag–…“ Kapitel 3
War das das Schlimme oder ist es nur erst der Anfang…? Weißt du, wie es ist, wenn man etwas sagen möchte, aber niemand hört dir zu?
Wenn man etwas tun möchte, aber sich nicht bewegen kann?
Wenn dir kalt ist, aber niemand dich bedecken kann, weil keiner dir zuhört und du dich nicht bedecken kannst, weil du dich nicht bewegen kannst?!
Ich vermute, du weißt, worauf ich hinaus möchte.
Es war der 19. September 2016.
Der Tag, an dem es den Schicksal überlassen war, was aus mir werden wird. Ich öffnete langsam meine Augen und sah mich verwundert um.
Neben mir hörte ich meine Eltern weinen.
„Es wird alles gut…“, sprach meine Mutter mit zittender Stimme und hielt meine Hand sehr fest, aber komischerweise konnte ich ihre Berührung nicht spüren.
Im Allgemeinen konnte ich nichts fühlen oder sehen.
Das einzige, was ich um mich herum sah, war die Farbe Weiß.
Eher ein weißer Raum, in dem nichts und niemand war.
Es war so kalt und so leer an diesem Ort.
„Ich verstehe nicht…“, murmelte ich und blinzelte mehrmals, um sicherzugehen, dass es kein Missverständnis war, aber nein.
Ich war in einem weißen Raum gefangen und konnte nichts tun, als einfach da zu sein. Plötzlich hörte ich ein Türknacken neben mir und eine männliche Stimme begann sich mit meine Eltern zu unterhalten: „Guten Tag. Ich bin Doktor Louis und ich habe die folgenden Testergebnisse für ihre Tochter Andorra Marple. Sie erlitt beim Autounfall eine tiefe Gehirnerschütterung und… Es tut mir leid, das Ihnen sagen zu müssen, aber Andorra liegt in ein Koma.“
„Wann wird sie aufstehen?“, sprang mein Vater erschrocken auf.
Doktor Louis zögerte eine Weile, antwortete aber schließlich mit: „Ich kann es Ihnen nicht sagen, tut mir leid.“ Ich konnte plötzlich meine Mutter heulen hören.
„Nicht weinen! Ich bin da!“, sagte ich zu meine Eltern und versuchte mich zu bewegen oder besser gesagt, mich zu befreien!
„Hier! HIER! MAMA! PAPA!“, schrie ich so laut ich konnte, aber es half nicht.
Weder mein Vater, meine Mutter, noch der Doktor konnte mich hören.
Ich konnte mich zwar bewegen, aber war gleichzeitig wie… gelähmt.
Ein sehr seltsames Gefühl, was ich hatte und das war der Moment, in dem alles langsam Sinn machte.
Als ich mit Maria die Straße überqueren wollte, hatte mich ein Auto angefahren und ich fiel ins Koma.
Während mein gelähmter Körper in einem Krankenbett lag und sich in einem Raum mit meine Eltern befand, war meine Seele in dem weißen Raum gefangen, in dem ich alles tun konnte, aber niemand etwas merken konnte.
Es war wie ein Albtraum… Kapitel 4 Der erste Monat ist vergangen.
Mein Körper war mit einer Maschine verbunden, die dafür sorgte, dass mein Körper genug Sauerstoff bekam.
Jeden tag musste ein Arzt in mein Zimmer kommen und meinen Körper schütteln, damit mein Blut gut durchbluten konnte.
Ich habe die Arbeit der Ärzte sehr zu schätzen gewusst, auch wenn es auf Dauer manchmal unangenehm wurde, dass ich das nicht spüren konnte.
Ich fühlte mich wie eine Puppe…
Meine Eltern waren oft bei mir, aber sie waren meistens sehr verärgert über die Situation, dass ich immernoch im Koma lag.
Während meine Mutter mir tolle Geschichten über das Leben erzählt hatte, war mein Vater sehr wütend und beschwerte sich immer wieder!
Er gab Maria die Schuld, was für mich immer sehr verletzend war, weil ich wusste, dass es nicht der Wahrheit entsprach.
Er würde so etwas sagen, wie: „Diese dumme Kuh! Es ist alles MARIA’S SCHULD! Ich werde ihr den Kontakt mit meine Tochter verbieten!“
„PAPA! HÖR AUF DAMIT! Bitte! Ich bin hier!“, schrie ich jedes Mal verzweifelt, aber leider konnte er mich nicht hören.
Niemand konnte das.
Stattdessen sah jeder nur diesen leblosen, gelähmten Körper vor sich.
Warum…? Der dritte Monat verging.
Das Schlimme kam näher, die Hoffnung auf ein normales Leben wurde weniger… Die Ärzte sprachen mit meinen Eltern und jetzt wurde ich endlich aus dem Krankenhaus entlassen!
Ich war so froh, dass ich nach Hause gehen konnte, aber es gab ein Problem…
Ich war immer noch im Koma. Bis dahin hatte sich an meinem Körper nichts verändert.
Obwohl ich so oft versuchte, etwas dagegen zu unternehmen, half es nicht.
Mein neues Zimmer, das eines unser Gästezimmer war, wurde aufgeräumt, sodass genug Platz war, um mich und meine Sauerstoffmaschine dort zu platzieren.
Als ich zum ersten Mal die Stimme meines Bruders hörte, war es wie ein Lied in meinen Ohren.
„Hey, Schwesterherz, ich bin es! Erinnerst du dich noch an mich?“
„Natürlich kann ich mich an dich erinnern! Ich würde dich doch niemals vergessen!“, antwortete ich ihm zurück, aber er konnte diese Antwort nicht hören.
„Geh in dein Zimmer Nick! Sie liegt im Koma und kann dich nicht sehen oder hören!“, verspottete mein Vater Nick an und er ging traurig in seinen Zimmer.
„Warte Nick! Nein! Komm zurück!“, rief ich Nick nach und versuchte ihm hinterher zu rennen, aber es half nichts.
Jeder meiner Schritte war nichts anderes als Luft.
Seit dem Tag, als mein Bruder das Gästezimmer verließ, betrat er es nie wieder.
Warum musste mir das passieren…? Der sechste Monat verging.
Es war der größte Albtraum meines Lebens.
Meine Eltern stritten sich so heftig wie noch nie zuvor und ich konnte kein einziges Wort überhören.
Mein Vater warf meine Mutter vor, dass es ihre Schuld war und beschwerte sich, dass sie Maschine, die mein Körper am Leben hielt so teuer war.
Meine Mutter versuchte mich unter Schutz zu stellen und schhrie deswegen immer zurück. „DAS IST IHRE SCHULD, DASS WIR KEIN CENT MEHR HABEN!“, schrie mein Vater meine Mutter an.
„Und wer von uns geht arbeiten? Du oder ich? Das mache ich alles nur für unsere Tochter!“, sprach meine Mutter verzweifelt.
„DEINE Tochter! Diese Leiche in unser Gästezimmer ist sicherlich nicht meine Tochter!“ „Wie kannst du das nur sagen…?“
„Wie kannst du nur so DUMM SEIN? Wann wirst du diese Leiche endlich abtreiben?“
„Bis sie TOD IST!“
Nach diesen Satz herrschte eine Stille.
„Warte… GEH NICHT! ICH BITTE DICH!“, hörte ich plötzlich meine Mutter schreien, bis ich eine Tür zuschlagen hörte und sie weinte und schluchzte.
„Papa? PAPA!“, rief ich in einen lauten Ton und versuchte mir vorzustellen, wie mein Vater aussah, aber es funktionierte nicht.
Ich konnte mir zwar eine Person vorstellen, aber kleine Details begannen zu verschwinden. Neben mir hörte ich meine Mutter und sie sagte mit eiskalter Stimme zu mir: „Dein Vater hat mich gerade eben verlassen und das nur, weil du im Koma liegst. Morgen wirst du zurück ins Krankenhaus gebracht. Ich kann dich-… Ich-…“
Sie schluchzte laut: „ICH KANN DICH NICHT MEHR LÄNGER ANSCHAUEN!“, und verließ heulend das Zimmer. Dieses Gespräch eskalierte viel zu schnell und alles fühlte sich so an, als ob es meine Schuld gewesen wäre.
Wenn ich diese Straße nicht überquert hätte, wäre das ganze niemals passiert!
Alles ist meine Schuld! Kapitel 5 Das Jahr 2020 stand vor der Tür.
Wie viele Jahre lag ich im Koma?
Ich weiß es nicht.
Immer mehr verlor ich mein Zeitgefühl, bis ich keinen mehr hatte.
Dieser Albtraum fühlte sich unendlich lang an und würde warscheinlich für immer so bleiben. Es war absolut still.
Das einzige Geräusch, das ich hörte, war der Arzt, der mich jeden Tag schütteln musste, um mein Blut zu durchbluten.
Dann verließ er den Raum und es war wieder absolut still.
Niemand hatte mich besucht oder an mich gedacht.
Für jeden war ich nur eine Leiche, die nur Kosten und Arbeit verursachte.
Das einzige, was ich all den Jahren hatte, war meine Vorstellungskraft!
Warum bin ich nicht früher auf die Idee gekommen?
Mit meiner Fantasie konnte ich mir viele Menschen vorstellen und zumindest dort versuchen, mein Leben zu leben.
Was ich nicht wollte war, dass mein Kopf Dinge erfand, die es vorher noch nicht gab oder passiert sind, aber das konnte ich nicht vermeiden.
Es ging sogar so weit, dass ich nicht einmal unterscheiden kann, was Realität ist und was nicht, aber wen interessiert das schon…
Wie auch immer, ich würde für immer dort gefangen bleiben, weil weder jemand für mich kämpfte, noch ich die Kraft hatte, zur Welt zurückzukehren.
Ich war müde.
Ich war schwach. Ich konnte einfach nicht mehr.
Während ich in meiner Fantasiewelt lebte, konnte jeder nur auf meinen gelähmten Körper schauen und sich nicht vorstellen, dass ich alles mitehört hatte, was passiert ist.
Wie es meinem Bruder verboten war, mich zu sehen.
Als mein Vater meine Mutter verließ.
Wie meine Mutter mich zurückgeschickt hatte, weil sie mich nicht mehr ausstehen konnte. All das und nur deswegen, weil eines Tages dem Schicksal überlassen war, was aus mir werden wird.
Plötzlich hörte ich aus dem Nichts eine Person das Krankenzimmer betreten.
Diesmal war es nicht der Arzt.
„Welche Böse Überraschung würde mich diesmal überraschen?“, war die einzige Frage, die mir in den Sinn kam.
Ich war auf alles vorbereitet, aber nicht auf die Person, die in mein Zimmer kam.
„Hey Andorra, wie geht es dir?“
Ich konnte die Stimme hören, aber es gab zu viele Lücken in eine Erinnerungen.
Zu viel Zeit verging und ich kann nicht sagen, wer das ist!
„Weißt du, es ist lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben, oder?“
Wer war das…?
WER?
„Ich denke, unser letztes Treffen war nicht besonders erfreulich, oder? Ich wollte mich bei dir entschuldigen, dass ich dich seitdem nicht mehr besucht hatte!“
Diese Person legte eine Hand auf meinen Arm und ich konnte nur zuhören und schreien: „Sag mir dein Namen!“
Durch meine Erinnerungen versuchte ich durchzublicken, aber ich konnte die Person weder sehen, noch an der Stimme erkennen.
Von dem Moment an realisierte ich, dass meine Fantasiewelt zusammenbrach und diese Einsamkeit mich zu der Person machte, die ich jetzt bin.
Diese Person klang so vertraut, aber wer war es?
„Ich erinnere mich an die Zeit vor 5 Jahren, als wir uns noch trafen! War mal lustig, oder?“ „Bitte… ich möchte nicht, dass meine Erinnerungen verschwinden…“
„Du hast so oft gelacht und jetzt bist du hier!“
„Ich möchte weiterkämpfen!“
„In einem Koma, das dich seit 5 Jahren nicht mehr alleine lässt!“
„Ich werde leben, sei es MIT ODER OHNE KÖRPER!“
„Andorra…?“
„WAS DENN?“
Meine Stimme war schrill und laut, als Tränen über mein Gesicht rollten.
Während diese Person meine Tränen nicht sehen konnte, spürte ich, dass er trotzdem merkte, dass ich irgendwas fühlen konnte…
„Die Frage ist jetzt blöd, aber… Denkst du mein Wunsch geht in Erfüllung?“
Diese Frage…
Es war die beste Frage, die mir je gestellt wurde, denn von diesem Moment an ergab alles ein Sinn!
„Der einzige Wunsch, den ich hatte, war ein neues Handy, haha… Jetzt will ich dich einfach zurück! Es tut mir so leid!“
Die Person schniefte neben mir und ich zitterte gefühlt am ganzen Körper.
„Ich vermisse dich…“
„ICH VERMISSE DICH AUCH NICK!“, schluchzte ich so laut ich konnte und nichts…
Ich sah mich um.
Plötzlich kam ein Licht.
Ein Licht, das den weißen Raum überstrahlte und zum ersten Mal seit langer Zeit sah ich… mein Bruder. Seine Hand fühlte sich so weich an und ich lächelte sein vertrauertes Gesicht an. Das Schlimme war endlich vorbei.