shadow

„Ich habe drei Heimatländer“

Von Denise Golas und Lara Celine Rohe

„Ich habe drei Heimatländer – Deutschland, Tschetschenien und Russland“, sagt die Tschetschenin Amina Umarova, die wir an diesem sonnigen Tag im idyllischen Stadtpark von Lurup treffen. Der Stadtpark ist ein belebter Ort, die Sonnenstrahlen lassen den Park an diesem Tag noch heller und schöner aussehen. Amina Umarova spazierte mit ihrem Baby im Kinderwagen den schlotterigen Sandweg entlang

Sie trug einen Kapuzenpullover, sodass man ihr Gesicht und ihre zusammengebundenen langen, braunen Harre anfangs kaum wahrnehmen konnte. Jedoch konnte man ihre hell blauen, großen Augen nicht übersehen. In einer gemütlichen Jogginghose schlenderte die 32-jährige mit ihrem Kind durch den Stadtpark. Die kleine Frau, mit kräftig gebauter Struktur, war äußerst freundlich und sympathisch zu uns, als wir sie um ein Interview gebeten haben.

Wir möchten von Amina wissen, was Heimat für sie bedeutet, in einem Viertel, das so international ist, wie Lurup.
Der Begriff Heimat verweist, laut Definition, „ zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er auf den Ort angewendet, in den ein Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden, die zunächst Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägen.“

Amina sagt: „ Heimat ist da, wo ich mich wohl fühle, wo ich geboren bin und wo ich meine Kindheit verbracht habe.“ In ihrem Fall also drei Länder. Doch am wohlsten fühlt sich die junge Frau, wenn sie bei ihrer Familie ist, in dem Falle ist mit ihrer Familie, ihr Mann, ihre Mutter und ihr Vater gemeint.

Der ausschlaggebendste Grund weshalb Amina Umarova mit ihrer Mutter Tschetschenien verlassen hat, bestand darin, dass Amina Umarovas Mutter ihrer Tochter ein besseres Leben in Russland ermöglichen wollte. In Tschetschenien herrschte zu dieser Zeit Krieg. In Herbst 1994 war der erste Tschetschenische Krieg aufgrund des Einrückens russischer Truppen um das Land wieder zu besetzen. Danach folgte im August 1999 der zweite Tschetschenische Krieg. Russen marschierten nach Tschetschenien. Es kam unteranderem zu Sprengstoffanschlägen, wodurch es viele Tote auf beiden Seiten gab.
Die Lebensumstände waren in Tschetschenien nicht gut. Durch die zwei Tschetschenien Kriege wurden viele Schulen zerstört. Wegen der unsicheren Sicherheitslage und zum Beispiel der Abwanderung von qualifizierten Personal, verschlechterte sich das Bildungswesen und das Bildungsniveau in Tschetschenien.
Ebenso herrschte immer noch ein Mangel an qualifizierten medizinischen Personal.

Aminas Vater hat im Krieg gekämpft. Er hat auf Seiten der Tschetschenischen Rebellen gegen die Russen gekämpft. Amina hat ihre Kindheit bis zu neunten Lebensjahr in Russland verbracht. Als sie älter war, ging ihre Mutter zurück nach Tschetschenien, um dort ihren Mann wieder in die Arme schließen zu können.

Amina ging daraufhin nach Deutschland, da sie sich dort ein noch besseres Leben erhoffte. Auf die Frage, wie sich fühlen würde, wenn sie ihre dritte Heimat Deutschland erneut  erlassen müsste, antwortete sie: „ Schrecklich! Als ich Tschetschenien verlassen musste, war ich sehr traurig, da ich meinen Vater in Tschetschenien zurücklassen musste“, es ist verwunderlich, wie sachlich und neutral sie über die Lebensumstände berichtet. Wir vermuten, dass sie durch die Umstände im Krieg abgehärtet ist, und daher ohne Emotionen über diese Situation berichten kann.
„Als ich dann Russland verlassen habe, war ich ebenfalls traurig, da ich meine Eltern ab dem Zeitpunkt gar nicht mehr um mich hatte. Des Weiteren kann ich mir nicht vorstellen Deutschland zu verlassen, da ich hier nun meine eigene Familie gegründet habe und darüber sehr glücklich bin.
Ich lebe nun mit meinem Mann und mit meiner acht Wochen alten Tochter im schönen Hamburg und fühle mich ausgesprochen wohl hier. Aus diesem Grund kann und werde ich Deutschland ebenfalls als meine Heimat bezeichnen.“