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Ich komme ja nur von wo anders her

Von Aaron Gutierrez Krafzyk

Die Stadtteilschule Lurup – sie ist eine Schule der Nationenvielfalt. Trotz der vielen verschiedenen Nationen und Kulturen geht es hier doch recht harmonisch zu. Ist der Grund dafür, dass die kulturellen Gepflogenheiten der meisten hier anzutreffenden Nationen ähnlich sind und eine harmonische Vielfalt besteht?
In der Stadtteilschule Lurup treffen tagtäglich ca. 50 verschiedene Nationen aufeinander. Rund 900 Schülerinnen und Schüler sowie rund 120 Pädagoginnen und Pädagogen lernen und lehren an dieser Schule. Darüber hinaus verfügt die Schule über die Klassenstufen von der 1. Klasse bis zur 13. Klasse, die auf drei Standorte verteilt sind. Abgesehen von Deutschstämmigen gibt es auch viele, die z.B. aus der Türkei, Afghanistan oder Pakistan stammen. Kurz gesagt ist wohl so gut wie jede Nation aus dem nahen Osten vertreten. Auch Schüler aus Thailand, den Philippinen und anderen fernöstliche Nationen und viele mehr sind hier mehrfach anzutreffen. Kein Wunder also, dass es recht friedlich zugeht, denn immerhin ähnelt sich die kulturellen Gepflogenheiten der meisten hier anzutreffenden Schüler und Schülerinnen im täglichen Umgang miteinander sehr.
Was aber, wenn man nicht nur mit seiner Herkunft, sondern auch mit den kulturellen Gepflogenheiten, mit denen man aufgewachsen ist, alleine ist? Das kann man sich wohl nur schwer vorstellen, da sich die kulturellen Gepflogenheiten von vielen Nationen auf der Welt und an der Schule sehr ähneln. Dennoch, wenn nur einer vom „anderen Ende der Welt“ stammt, ist die Situation anders.
Unter den rund 900 Schülern, die diese Schule besuchen, stammt nur einer aus Südamerika. Genauer gesagt stammt er aus Peru. Damit ist er der Einzige, der von diesem Kontinent stammt, und somit auch der Einzige, der mit den kulturellen Gepflogenheiten von dort aufgewachsen ist. Oft wird ihm die Frage gestellt, ob er denn in Peru oder hier in Deutschland geboren wurde. Er antwortet: „Ich bin hier in Deutschland, in Hamburg geboren, aber der größte Teil meiner Familie lebt in Peru“. „Wo genau in Peru denn?“. „In Ilo, das ist eine Stadt, die im Süden Perus liegt“. „Warst du schon einmal dort?“.

„Nein, leider noch nicht. Hauptsächlich weil die Zeit in den Ferien meistens nicht reicht und die Reise sehr teuer ist. Um zu meiner Familie nach Ilo zu kommen, muss man nämlich entweder von Lima, der Hauptstadt, weiter fliegen, was sogar noch teurer sein kann als der Flug nach Peru, oder man muss sehr viele Stunden mit dem Bus durch die Wüste fahren. Deshalb wäre die Ferienzeit zu knapp “. „Welche Sprache spricht man denn in Peru und kannst du sie auch sprechen?“ „In Peru ist die Amtssprache Spanisch. Es gibt natürlich auch noch andere Sprachen, die von den Naturvölkern gesprochen werden, aber ich kann weder Spanisch noch eine von den anderen Sprachen, das ist zum Teil auch ein Grund, warum ich noch nicht da war“. „Bist du denn trotzdem mit der Kultur von dort aufgewachsen?“. „Ja, natürlich. Nicht ausschließlich, aber auch schon“.
Wenn das so ist, stellt sich doch die Frage, wie unterschiedlich die kulturellen Gepflogenheiten der verschiedenen Herkünfte eigentlich sind. Dazu haben sich drei Schüler (Deutscher, Türke und Peruaner) zusammengesetzt und haben Vergleiche gezogen. Sie sind auf Übereinstimmungen und Unterschiede in den Verhaltensmustern bei der Begrüßung von Familie und bei der Begrüßung von Freunden gestoßen. Sie fanden heraus, dass die Begrüßung eines Familienmitglieds bei allen drei ähnlich bis gleich ausfällt. Die Mutter zum Beispiel begrüßen alle drei mit einer Umarmung.
Bei der Begrüßung eines Freundes fällt die Begrüßung schon anders aus. Hierbei gibt man sich bei den Deutschen meistens nur einen Händedruck. Bei den Türken und sicherlich auch bei anderen Nationalitäten aus dem nahen Osten, gibt man einem Freund zur Begrüßung die Hand und dann berühren sie ihre Wangen. Das ist ja doch nochmal was anderes als nur einen Händedruck oder ein Handschlag. Bei den Südamerikanern ist es überwiegend so, dass man auch Freunde e zur Begrüßung umarmt. Was die Begrüßung von der Familie angeht gibt es also keinen wirklichen Unterschied.
Durch die unterschiedliche Begrüßung von Freunden in der Schule könnte es also Probleme geben, denn einem Türken oder einem Deutschen könnte es durchaus unangenehm sein, von einem Freund umarmt zu werden. Da musste sich der Südamerikaner also anpassen.Diese Unterschiede sind sicherlich nicht die einzigen, die es gibt, sie sind jedoch sehr relevant für das Zusammenleben in der Schule, da man seine Freunde dort jeden Morgen begrüßt.
Der Unterschied macht nicht wirklich einen Unterschied
Dass man sich wenigstens ein bisschen umstellen muss, wenn man der Einzige seines Herkunftskontinents ist, ist offensichtlich. Es stellt sich die Frage, ob es schwer fällt, sich anzupassen. Seine Antwort auf diese Frage: „Nein, eigentlich war es nicht sonderlich schwer, sich anzupassen, weil ich ja hier aufgewachsen bin und von klein auf gelernt habe, mich in der Schule anders zu verhalten als außerhalb “.

Das Anpassen ging also gut. Aber fühlt man sich denn nicht einsam, wenn man der Einzige ist, wird der Peruaner gefragt. „Einsam? Also einsam fühle ich mich gar nicht. Warum denn auch, ich hab doch Freunde und ich komme sonst auch eigentlich mit jedem klar, auch wenn unsere Kulturen unterschiedlich sind. Ich meine, es ist ja jetzt nicht so, als wäre ich ein außerirdischer. Ich komme halt nur von wo anders her“.
„Wünscht du dir trotzdem manchmal, dass noch ein Peruaner oder wenigstens einer aus Südamerika, der ebenfalls mit der Kultur von dort aufgewachsen ist, an die Schule kommt?“. „Naja also ich würde es nicht schlecht finden aber notwendig, also so, dass ich es mir dringend wünschen würde, finde ich es nicht, weil ich ja wie gesagt kein Problem mit der Situation wie sie ist habe und auch eigentlich mit jedem gut auskomme. Außerdem hab ich ja auch außerhalb der Schule noch Kontakte zu anderen Südamerikanern und auch durch meinen Vater Kontakt zu anderen und auch zu meiner Familie in Peru“.
So sieht’s also aus. Auch wenn man der Einzige seiner Art ist muss man nicht einsam oder alleine sein. Und seine Angewohnheiten muss man auch nicht völlig ablegen, man muss nur wissen, wann man sich wie verhalten sollte. Das Wichtigste ist der gegenseitige Respekt.“