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Independence-Day

Von Michaela Stolle

Independence-Day

Es war ein heißer, stickiger Sommertag, dieser den man eher abneigend fand, wenn man doch in den Ferien an einem anderen Ort entfliehen konnte, aber anders als dies der Fall sein sollte, strömten täglich Leute aus verschiedenen Ländern hierhin, um entweder dieses Land hautnah zu entdecken oder gar ein Leben anzufangen. Jedoch ist jeder Anfang schwer, zwar hieß es, dass selbst Tellerwäscher hier zu Millionären werden konnten. Aber das war wohl ein Wunder, dennoch hatten wir den Begriff „Der amerikanische Traum“, gut in die Welt herausgetragen und somit war hier mehr los als sonst. Stau war in New York so gut wie immer vertreten, vor allem während der Rush Hours und wenn man aus dem 16. Stockwerk des Chatwal Hotels sah, erkannte man selbst aus dieser Höhe den Stau, der sich nach nicht einmal 5 Minuten wieder gebildet hatte.

„Bist du endlich fertig?“,

ich drehte mich zu meiner Schwester herum, die grinsend am Türrahmen lehnte und eine positive Antwort erwartete. „Schon, aber magst du mir sagen, wie du reingekommen bist und was mit deinen Kleidern passiert ist?“, „Du warst doch so lieb und hast mir deine zweite Schüsselkarte gegeben, damit ich immer rein kann, wenn ich mal in der Nähe bin.“, „Ah, da war ja was.“, flüsterte ich während sie ein Schritt zurück ging und auf sich blickte: „Also meiner Kleidung geht es gut, wieso fragst du?“, anscheinend war der lange Socken-Look mit Lackschuhen und einer grade mal knöchellangen Hose Trend geworden und die schwarze Lederjacke welches das weiße, zur Hälfte geknöpfte Hemd verdeckte, half da nur wenig.

Ich ahnte bereits, dass sie nicht viele mit ihrem heutigen Aussehen ansprechen würde, auch wenn es Mode war unter ihrer Generation mit Anfang 17 seine Individualität zur Schau zu stellen, sollte man sich bei einer Einladung an den Dresscode halten. Ich starrte sie schweigend an. „Ich geh nicht hin…“ begann sie „…ich gehe zu einem Freund, er schmeißt eine kleine Fete zu seinem 18ten. Ich wollte es dir nur nochmal persönlich sagen und drauf achten, dass du es dir nicht auch anders überlegst.“, und das war gelogen, keiner hatte am 4. Juli, am Independence-Day von Amerika Geburtstag und wenn doch, dann ganz bestimmt keiner ihrer Freunde, viele kannte sie von der High-School und da musste es ja ein Zufall sein, dass auf einmal einer genau heute Geburtstag hat und es ihr heute erst einfällt, außerdem musste sie nicht darauf achten, dass ich es mir anders überlegte, denn für mich war es eine Art Pflicht, statt wie sie zu entscheiden, ob ich nun ging oder nicht. Nein, es musste ein anderer Grund gewesen sein.

Sie sprach weiter: „Naja, zugegeben hat er nicht Geburtstag, aber du könntest es ja unseren Eltern ausrichten, wenn sie dich anrufen, sie sind immerhin noch gereizt vom letzten Kontoauszug, da hören sie sicherlich die Nachrichten lieber von dir.“, das war dennoch kaum der Grund wieso sie hier war, immerhin hätte sie mich dafür auch einfach anrufen können. Mein Apartment war mehr als zwei Stunden von unserem Anwesen entfernt.

„Was willst du?“, fragte ich nun endlich und wie aus dem Nichts kam ihre Bitte, als hätte sie nur drauf gewartet, dass ich ihr diese Frage stellte: „Kannst du mir eventuell etwas Geld geben, nicht aufs Konto, das ist fürs erste gesperrt, also am liebsten auf die Hand. Du kennst das doch, wenn man nicht mehr darauf achtet, wieviel Geld man ausgibt und heute brauche ich es mehr denn je!“, und da hatten wir es, der Grund für eines der seltenen Besuche ihrerseits. „Nein, ich kenne nicht diese Art von Problemen.“, antwortete ich trocken zurück.
Ich war die Ältere von uns -um genau zu sein war ich 23 Jahre alt – und im Gegensatz zu ihr musste ich schon vor langer Zeit lernen, wie man mit seinem Geld umzugehen hatte, während sie sich mal hier, mal dort aufhalten konnte, war ich diejenige, die lernen musste wie man ein Finanzunternehmen zu leiten hatte, es mag ja sein, dass sie ebenfalls oft im Büro hocken musste, um die Basis zu lernen, wie man wo mit wem reden musste, jedoch war sie es, von der nicht erwartet wurde, eines Tages das Geschäft zu übernehmen. Sie war eher im Hintergrund und sie liebte es zu erwähnen wie sehr sie es doch genieße.

„Sehr schön, also bin ich wohl wieder alleine, dabei wolltest du letzten Monat noch dabei sein.“, das war aber noch bevor sie erfuhr, dass die meisten Leute die kamen, entweder zu alt oder schon halb tot waren und wenn dies nicht der Fall war, würde sie trotzdem kein ordentliches Gespräch führen können und der Gedanke, dass sie versteift und krampfhaft versuchen musste, das Beste von sich zu zeigen, war „Total nervig und langweilig.“ Es handelte sich ja auch um ein Spendenevent und keine Party so wie sie sich die vorstellte mit ihren kleinen 17 Jahren.

Gut es gab Essen und Trinken, dazu noch Live Musik, aber wohl kaum Menschen, mit denen man sich betrinken konnte und selbst ich saß lieber zuhause und schrieb an meiner Facharbeit für meinen Tutor im Finance Management Bereich -sogar an einem Feiertag wie diesem – denn alles wäre besser als Geschäftsgespräche zu führen und dann nicht einmal mit jemanden, den man kannte und wenn, war es kein Freund, sondern lediglich ein potenzieller Geschäftspartner, der auch nur darauf achtete, dass das Business lief.

Allgemein war es doch bereits klar ,dass die meisten oft nur deshalb zu Veranstaltungen wie diesen hingingen um ein gutes Licht auf deren Firma oder gar eigenen Ruf zu werfen. Nur selten war es der Fall, dass man rein für das gute Gewissen, bei einem Tag wie diesem, auftauchte. Zwar waren wir weder eine Firma, die Menschen das Land wegnahm, um nach Ressourcen wie Öl oder anderem zu suchen, noch eine Textilfirma, die Menschen ohne die üblichen Sicherheitsvorschriften Tag ein Tag giftige Stoffe einatmen ließen, nur um das „perfekte“ rot zu bekommen, sondern wir wollten einfach zeigen, dass uns etwas am Menschen lag. Wir halfen mit unserem Finanzunternehmen, dass sie mit ihrem Geld umgehen können, jedoch nahmen wir als Gegenzug dafür Geld.

Die bisherige Quote von Erfolgen brachte uns einen guten Ruf und da passte es doch als Sahnehäubchen, wenn wir dann noch ganz ohne Geld zu verlangen, Geld gaben.

Die Summe des Betrages, welche gespendet werden sollte, hatten mir meine Eltern aber schon vorgegeben, welche für den Durchschnitt viel war, jedoch für uns eine kleine Summe, die in unserem Unternehmen wegfiel, aber wer nicht mal den Penny ehrt ist dem Dollar nicht wert. Klares Motto für jegliche Währung.
„Rechte Schublade unten im Schreibtisch, nimm dir ein Briefumschlag raus.“, seufzte ich. Keine zwei Minuten später kniete sie schon vor meinem Schreibtisch, stand auf und haute die vielen ungeöffneten Briefumschläge auf meine relativ unsortierten Blätter von Notizen und schob mein halbgefülltes Glas beiseite ohne achtzugeben, wo überhaupt mein Tisch endete.

„Pass doch bitte etwas auf.“, bevor es gesprochen war, war das Glas bereits auf den Boden gefallen und mit einem furchtbaren Klirren folgte ein kurzer Aufschrei ihrerseits. Mir war mehr zumute nach schreien, nicht nur hatte sie den letzten Rest meines Glenfidditch Whiskeys meinem Holzboden – oder dem des Hotels – ausgekippt, sondern auch die Mehrfachsteckdose getroffen, die nicht nur mit meinem Handy verbunden war, sondern auch mit mehreren Kabeln für den Computer, Drucker und ebenso meiner Tischlampe. Anfassen tat ich die Steckdose nicht, vor allem nicht wenn kurze Zeit später der An-Knopf flackerte und ich zusah, wie jedes noch so kleine Licht, was mir zeigte, dass meine Geräte funktionierten, ausgingen. „Ich glaub, ich geh mal lieber“, hörte ich leise hinter mir, während ich vergebens versuchte ein letztes Lebenszeichen von meinem Computer zu erhalten, aber der Bildschirm blieb so schwarz wie von meinem Handy. Durchgebrannt. Meine bisher geschriebene Facharbeit war weg, zwölf Seiten weg, das einzige was übrig war, waren die ersten drei Seiten, die noch auf meinem USB-Stick sicherheitshalber eingespeichert waren. Dennoch waren alle weiteren genauso weg, wie die dazugehörigen Quellenangaben zu den Bildern. Sie war auch weg, mit einem, der noch nicht eingelösten Schecks. Mir wurde klar, wie sich wohl meine Eltern gefühlt haben, als sie ihren Kontostand abriefen und genau wie ich, vor nichts standen, bis auf paar letzten Pennys oder bei mir die paar Seiten. Am liebsten hätte ich ihr den Hals umgedreht, aber jetzt brachte es mir genau so viel, wie zu schreien.

Anstatt zu schreien, atmete ich also kurze Minuten – es kamen mir wie Stunden vor – ein und aus, bis ich monoton auf den Holzboden sah welcher nun einen etwas dürftigen Eindruck machte mit dem dunklen Fleck, der überhaupt nicht zum bereits dunklen Boden passte. Fürs erste schob ich den Teppich auf diese Schande nachdem ich die großen Scherben in die Tonne warf. Die Rechnung würde ich selbstverständlich begleichen, aber nicht jetzt, es war nicht genug Zeit. In weniger als einer Stunde würde der Chauffeur vorfahren und eine Verspätung konnte ich mir nicht leisten. und trotz diesem Fakt stand ich noch immer im Bademantel von der vorherigen Dusche am Morgen da, was ich mit dem Blick in den Spiegel realisierte.

Ich sah schrecklich aus, abgesehen von der Blässe meiner Haut – neben der ich neben meiner Schwester aussah wie eine Leiche – hatte ich noch tiefe Augenringe die meinen verstörten Blick eine gewisse Dramatik gab. Auf meiner Ferse umgedreht machte ich mich auf den Weg ins Badezimmer, warf den Mantel in die Ecke – die Putzfrau würde sich darum kümmern – packte mir das frisch aus der Wäscherei, gebügelte und noch mit Schutzfolie geschützte Kleid um dieses ohne weitere Mühe überzuziehen, was nicht als erstes so gut klappte. Ich wollte kein aufwendiges Kleid, die Bedienung sollte leicht sein, nur war es meiner Mutter egal als sie sagte: „Ich finde schon was, was die gefällt.“, aber es gefiel nur ihr und diese zwei Wünsche blieben wohl nur kurz in ihrem Kopf, bis sie dieses Chiffon Kleid sah und sich dachte, dass es allen gefallen würde zu sehen. Wer schön sein muss leiden und das tat ich.
Mit größter Vorsicht zwang ich mich also gewissermaßen in das Chiffon Kleid, ohne unnötig den Stoff zu berühren, der einem empfindlicher als ein Kind vorkam. Hier war bereits klar, dass von mir nicht erwartet wurde großartige Bewegungen zu machen. Alexander McQueen, so hieß der Designer welcher dieses Kleid entwarf, elfenbeinfarbiges Seidengewebe, welches ein rotes Blumenmuster zierte und selbst die Ärmel waren so detailliert verziert worden, dass es genau wie das Preisschild „TEUER“, schrie.

Einige Minuten waren noch im Badezimmer zum schminken vergangen und der zweite Blick in den Spiegel warf nicht mehr das zurück was ich vorhin noch sah. Meine Haut sah definitiv gesünder aus und die Augenringe waren nur noch kaum zu sehen – trotzdem fühlte ich mich erschöpft – die letzten Tage waren gefüllt mit dem besuchen von Vorlesungen, Geschäftsgespräche mit Mandanten die mir zugeteilt worden sind und zudem Rechnungen die zu bezahlen waren, eines davon der Computer der jetzt schon von mir gegangen war. Zeit war hier nur noch dafür gewesen meinen Whiskey zu trinken, der einen etwas beruhigte und vergessen ließ wieviel man noch zu erledigen hatte. Ein kurzer brennender Stich, der einem die Kehle runterfloss und einem das warme Gefühl gab , als würdest du in deiner Bettdecke eingerollt sein die du selber zuletzt vor drei Tagen angerührt hast, während das Kissen deines Schreibtischsessels nicht mehr in seine Anfangsposition zurück ging oder die Gelegenheit zurück zu gehen hatte.

Ich sah seufzend auf die Uhr. So viel zu tun in so wenig vorhandenen Zeit und das schlimmste war, ich hatte nicht mal spaß daran. Zwar interessierte mich Wirtschaft, aber viel lieber würde ich alles hinschmeißen und durch die Welt gehen, das Geld reichte ja, aber mich hielt eine Sache ab, ich hatte die Verantwortung und dies wurde mir auch jedes mal gesagt wenn man die Gelegenheit dazu sah und wie eine Puppe ohne Willen hatte ich mich hingegeben und wie sie sagten: „Es würde sich lohnen, rumreisen kannst du auch später.“, dieser Satz stimmte irgendwie und dennoch hatte sich bei dem Gedanken meine Hand schon zur Flasche geschlichen, um den Flaschenhals geschlungen, die so einsam auf dem Tresen vor der Apartmenttür stand und ich nahm einen kräftigen Schluck ehe ich aus der Tür in den ach so tollen High-Heels tapste.

Betrunken wurde ich nicht von dem Schluck Whiskey, aber es entspannte mich, auch wenn das enge Kleid, die unbequemen Schuhe und das Make-up wie Kleister an mir heute kleben würden. „Ach Miss Summer, sie sind ja pünktlich.“, hörte ich den Chauffeur sagen, der wohl seit dem Morgengrauen diesen Stau ertragen musste nur um seiner Familie durch den Monat zu bringen. „Wie geht es der Familie?“, ignorierte ich den Satz und ließ mein Kopf gegen die Fensterscheibe lehnen. „Der geht es gut, die Kinder sind in der Schule lernen hart und der Frau kann es nicht besser gehen, ich bin ein wirklich glücklicher Mann und wie ist es bei Ihnen wenn ich fragen darf?“, dass er das letzte hinzufügte irritierte mich etwas. Ich blickte hoch zu ihm und sah wie er mich durch den Rückspiegel musterte. Er kannte mich schon eine Weile, er war im Auftrag einer Firma unserer Familie zugeteilt worden und er war einer von vielen Fahrer, jedoch war er derjenige der mich seit klein auf die meisten male fahren durfte, er war ein netter älterer Mann, bereits mit dem Ansatz von grauen Haaren und er kam mir für seinen Job den er hatte oft zufrieden vor. „Die Eltern sind in Paris für das Tochterunternehmen und wollten für die Festtage etwas ausspannen, die Schwester auf einer Feier. Ich denke denen geht es gut.“ „Und Ihnen?“, ich lachte trocken „Ich bin auf dem Weg zur Spendengala und habe noch an einer Facharbeit zu schreiben. Es könnte besser sein, aber ich kriege das bis übermorgen noch hin.“, „Wirklich zuversichtlich klang das nun nicht.“, er war eindeutig zu ehrlich. Ich sah ihn verdutzt an, während er zum Eingang des Metropolitan Museum of Art vorfuhr, wirklich schlau war das nicht, denn das Blitzlichtgewitter was einen dort willkommen hieß, war nicht nur nervig sondern auch noch ein Grund Kopfschmerzen zu bekommen, wenn man versuchte überhauot etwas zu sehen.

„Ich denke ich sollte mich beeilen hinein zu gehen. Holen sie mich doch bitte um 1 Uhr ab.“, gab ich seufzend von mir und realisierte nicht wie er mir versuchte noch etwas zu sagen. „Miss Summer, ich denke Sie brauchen eine Pau-„, und schon war die Tür hinter mir zugeknallt und ich kämpfte mir den Weg zum Haupteingang durch, welcher nur zu Fuß zu erreichen war. Ab und an hörte ich jemanden hinter der Kamera meinen Namen rufen, als sei ich sowas wie ein Promi, doch anders als Fragen über Beziehungen stellte man eher Forderungen wie für ein Foto stehen zu bleiben, aber ich war weder ein Darsteller noch Entertainer, also ließ ich nicht von meinem Weg ab bis sich ein weiteres mal die Türen hinter mir schlossen und das schreien von außen übertönt wurde von dem Klang von Jazzmusik und dem ruhigen Geplauder sowie Gelächter der Gäste, die sich mal hier mal dort die Sektgläser aneinander stießen. Für sie war alles nur ein Spiel, bisschen Geld gespendet und gut wegkommen ohne groß ein Finger zu bewegen. Für mich galt das selbe, ich hatte eine gewisse Summe zur Verfügung bekommen und hatte nun die Aufgabe es zu verteilen, an welcher Organisation ich auch wollte.

Meine Entscheidung war lange gefallen bevor ich überhaupt die Tür betrat, mein Geld sollte an Kinder gehen, die es nicht besser hatten als der Durchschnitt, denn jedes Kind hatte das Recht nicht durch die Schuld anderer eine unfaire Chance im Leben zu haben, denn mein Startkapital war wohl eher geschenkt und meine Zukunft bereits geplant bevor ich mir überhaupt sorgen machen konnte oder bekommen konnte.

„Heee du! Jasmine!? Dich hab ich ja hier vermisst.“, rief plötzlich eine fast schon piepsige Stimme hinter mir und ich musste mich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, dass es sich um die Tochter Betsy Bondeau von Mister Bondeau handelte, die seit kurzem die Ehre hatte auf solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie war genauso wie ich dreiundzwanzig aber im Gegensatz zu mir war sie nicht im Finanzwesen tätig sondern im Modegeschäft, eine berühmte Marke die ebenfalls wie unsere international vertreten war, nur eben in Form von Kleidung und nicht von Verträgen. Bei uns waren es Mandanten, bei ihr Kunden. Ich hatte sie erst vor einem Jahr zum ersten mal kennengelernt und hatte schnell fest gestellt, dass sie zu der Art Typ gehörte die sich nahmen was laut Ihnen einem gehören sollte und wenn sie es nicht bekamen mehr als über die moralische Grenzen gingen. Sie war eine egoistische Frau, es war ihr egal was mit den Menschen passierte die für ihre Klamotten arbeitete und es war ihr auch egal, als einer der Fabriken zusammenstürzte, durch fehlende Wartungen. Es sollte einfach laufen, sie entschied zwar nichts, aber sie war es die ihrem Vater mit honigsüßer Stimme einredete, wie wichtig doch auch die Menschen waren, die die Sachen tragen wollten und desto mehr er sparte, desto mehr konnte sie selber als seine Tochter ausgeben und ihrem Vater war es ebenso egal wenn ein paar Leute am Ende der Welt litten, wenn er dafür besser dran war. Grässlich. Aber Leute wie er waren auch unter unserer Obhut im Finanziellen und auch wenn wir sagten es würde diese Option an sparen geben, hätten wir stets abgeraten diese Option zu wählen, welche anderen Menschen viel schaden zufügte, aber am Ende entschied eben der Mandant, wenn die Summe die dabei raussprang noch immer höher war als der Verlust.

„Hallo, hörst du mir zu?“, ich drückte mir meine Nägel in die innere Handfläche ehe ich mich mit falschem lächeln umdrehte. Wie ich sie hasste. „Ah, verzeih mir. Ich war in Gedanken. Wie schön, dass Sie es auch geschafft haben, unsere letzte Begegnung war letztes mal zu schnell vorüber gegangen.“, ahja die letzte Begegnung, diese wo sie mir lustigerweise auf mein Kleid getreten war und mir die Schuld gab, ich hätte auf die Größe achten müssen und von wegen dass ich doch gleich abnehmen konnte.

„Stimmt, dein Kleid sieht aber heute umso schöner aus und ich sehe du hast auf mein Rat gehört.“, grinste sie mich vielsagend an und analysierte jede einzelne Stelle meines Körpers, beinahe unangenehm lang. „Aber dein Makeup hättest du dir von jemand Professionelleren machen können, die Person die du da dran gelassen hast kannst du direkt feuern aber deine Haare lenken etwas ab, du hast da übrigens eine Strähne abstehen.“, ich starrte sie sprachlos an. Sie hatte mich in einem Atemzug zweimal beleidigt und ich ahnte irgendwie, dass sie es extra machte, genauso wie sie einfach anfing mich zu duzen obwohl wir kein bisschen gemeinsam hatten oder einander sympathisch fanden. Sie war einfach provokant, verwöhnte

Menschen sie waren es immer, aber auf die schlimmste Art und Weise die es gab. Provozierend mit Engelsgleichem Lächeln und zuckerverklebter Stimme.
„Hm, hab ich Ihnen nicht letztes mal gesagt, dass ich mir das Geld für was anderes aufspare?“, fragte ich einfach um sie darauf aufmerksam zu machen, dass wir diese Art Gespräch schon einmal hatten. Doch anders als erwartet blinzelte sie kurz und fuhr fort mit „Das hab ich wohl vergessen. Ich würde mal sagen, dass du anfangen solltest auf meine Ratschläge zu hören. Du gibst uns welche für unsere Geldanlagen und ich dir dafür welche für dein Aussehen.“, ich nahm mir ein Sektglas vom Silbertablett welches ein Kellner der an uns vorbeiging trug und trank es etwas schneller als man es als Lady tun sollte aus, um den Schock den sie mir mit dieser Bemerkung gab zu verarbeiten. Was war denn bei ihr falsch gelaufen?

„Haha, ja da haben Sie wohl recht. Ich hoffe es wird bei mir genauso positive Auswirkungen haben, wie ihre Geldanlagen.“, lächelte ich nun krampfhaft mit dem Gedanken wie ich das Silbertablett mehrere Male in ihr ach so schönes Gesicht schlug. Ich musste höflich sein, sie war unserem Vertragspartner zu wichtig, dass er es ignorieren konnte, dass ich sie schlecht behandelte oder nur einen Ansatz an Respektlosigkeit ihr gegenüber äußerte.

„Ich weiß, ich weiß, dass wird es sicherlich auch tun, vielleicht bist du dann auch gleich etwas lockerer.“, bei ihr wohl kaum. „Entschuldigen Sie mich, ich muss noch eben mein Scheck abgeben, zwar reizt mich unsere Konversation, aber ich würde gerne den Hauptteil erledigen.“, und schon war ich weg, denn das Gespräch reizte mich wirklich, nur eben im negativem Sinne. Einige Schritte war ich durch die Gänge geirrt bis ich endlich den Kasten fand, in dem man sein Scheck werfen konnte, haja war das unpersönlich aber umso leichter war es hinter sich zu bringen, nur musste ich nun nur noch etwas bleiben und plaudern und es war geschafft, leise seufzte ich erleichtert auf, denn bis jetzt waren durch das Gespräch beinahe dreißig Minuten vergangen und nur noch zweieinhalb waren zu bekämpfen, aber schlimmer als Betsy die Modeexpertin und selbsternannte Makeup Artistin konnte es nicht werden.

„-Bzzzt- -Bzzt-„, und da war es auch schon, das nächste Gespräch. Ich hatte zwar mein Arbeitshandy verloren, jedoch war das für private belange geblieben und nun stand auf dem Bildschirm in Großschrift Papa und wartete nur darauf, dass ich ranging, was ich auch direkt machte. „Hallo?“, ich legte das Handy an mein Ohr und blickte zur Decke hoch, welche ebenso schön bemalt war, wie die meisten Bilder die ausgestellt wurden.

„Ich und deine Mutter versuchen dich den ganzen Tag schon zu erreichen, wieso bekommen wir anrufe von deinen Mandanten, dass du nicht erreichbar bist? Wir verlassen uns auf dich und du nimmst es nicht ernst!“, hörte ich mein Vater gereizter als ich es war in den Hörer schreien.

„Mein Handy ist kaputt gegangen, es war nicht meine Abs-„, „Dann solltest du dir direkt ein anderes anlegen, du weißt wie wichtig jeder Kunde ist. Mister Presval hat mich anrufen müssen, er hat versucht dich zu erreichen, genauso wie wir bis eben und-„, „Wer ist Mister Presval?“, fragte ich und versuchte den Namen einer Person zuzuordnen während ich zwischenzeitlich an meinem zweiten Glas nippte. Eine kurze Pause entstand, ehe die Stimme meiner Mutter zu hören war „Liebling, Mister Presval meinte er ist der Vetragspartner, den du letzte Woche zugeteilt bekommen hast, du solltest doch einen Jahresplan erstellen, für die Zeit die er für sein Ziel an Einnahmen haben wollte.“, ich schluckte.

Ich hatte ihn wohl vergessen. „Ich dachte, dass hat bis nächste Woche Zeit?“, mir war übel geworden vom Gedanken was an Informationen ich bis dahin einsammeln musste, wobei ich grade hoffte, dass ich wirklich noch eine Woche hatte. „Du sagtest du schaffst es bis morgen.“, nun war die Stimme meines Vaters wieder zu hören. „Ich hab dir immer gesagt, du musst für deine Position arbeiten, wieso sagst du sowas, wenn du es nicht ernst nimmst?“, ich nahm es ernst, nur konnte ich mich noch immer nicht erinnern wer dieser Mann war!

„Vergiss es, fang einfach an und bekomm es bis morgen hin, du schaffst ja sowas.“, im Prinzip schon, doch waren da noch andere Dinge zu erledigen. „Papa, ich schaff das ni-„, nicht mal ausreden lassen hatte er mich und das Einzige gegen was ich sprach war das piepen welches mir sagte, dass die Leitung unterbrochen war. Ich stand als im Flur und sah auf mein Handy und noch immer war mein Kopf so leer wie der von Betsy wenn sie redete. Wer war dieser Mister Presval?

Ja, meine Facharbeit war wichtig, aber dieser Kunde auch, denn wie es aussah von Google angegeben, war er ein reicher Mann aus den Emiraten der verschiedene Hotelketten besaß aber was wollte er produzieren?! Ich tippte so viel auf meinem Handy herum, ohne zu merken wie sich wieder Betsy angeschlichen hatte und nun fragen wollte, was ich denn da so spannendes tat.

„Du Summer, hast du nichts bes-„, „Bitte warte ein Moment.“, unterbrach ich und starrte weiter auf mein Handy auf der Suche nach etwas, was ich vielleicht übersehen hatte oder wenigstens einer Eselsbrücke die mir sagen konnte, was genau für ein Jahresplan für was für eine Produktion ich machen sollte.

„Sag mal, geht’s noch, du kannst mich nicht einfa-„, „Shhhht.“, ich denke es war der Alkhol der grade in mir anfing zu wirken, denn neben dem tippen und denken, hatte ich mich neben dem Servierwagen gestellt und trank ab und an ein Glas vom Wein
oder Sekt, der beinahe danach schrie von mir getrunken zu werden, um ein gewisses Geborgenheitsgefühl zu erhalten.
„Ich wurde noch nie so respektlos behandelt, ich bin die Tochter von einer deiner Mandanten, du solltest nicht so mit mir reden.“, wie diese piepsende Stimme meine Konzentration doch störte. Ich beachtete sie nicht in der Hoffnung, dass sie wie ein Wildtier irgendwann die Interesse verlor und abzog, die passende Anzahl der Gehirnzellen hatte sie ja irgendwie. Anders als mein Glück es zulassen wollte, zog sie mir mein Handy aus der Hand in der Minute als ich endlich ein Lichtblick hatte von dem was er herstellte, Automaten die mit Gold gefüllt waren, doch was war der hype dahinter. Ich sah langsam von meiner leeren Handfläche zu ihr hoch und versuchte sie nicht direkt anzuschreien, doch anders als vorhin ging es nun doch mit mir durch und ich sprach eindeutig gereizt dass aus was ich eigentlich gelernt hatte so zu formulieren ,sodass es noch souverän klang: „Gib mir mein beschissenes Handy zurück.“ ,forderte ich und nun war sie es die anfing zu grinsen.

„Ach, seit wann redest du denn so nett? Es scheint mir so als hättest du mich soeben sehr, sehr respektlos behandelt. Nenn mir einen Grund wieso ich dir dein Handy geben sollte und wies-„, was hatte ich ihr jemals getan, dass sie so ekelhaft war, ich unterbrach sie ein weiteres mal „Ich nenne dir ein Grund.“, knurrte ich „Gib mir mein Handy zurück und ich werde so nett sein und dir nicht deine falschen Wimpern plus deinen normalen einzeln rausreißen. Kein Idiot der Welt würde uns kündigen wenn die Rate höher ist als bei anderen Unternehmen wenn es um Investitionen geht und glaub mir dein Vater braucht uns genauso stark wie er eine Verbesserung seines Images hinsichtlich der Behandlung von Menschen in Entwicklungsländer benötigt.“, ich streckte meine Hand aus „Ich habe keine Lust mich ein weiteres mal zu wiederholen.“, sie schien etwas zerstört von meiner Drohung und drückte mir fast schon zu schnell mein Handy wieder in die Hand, dass es mir fast aus der Hand fiel, jedoch landete es sicher in meiner Hand während sie sich aus dem Staub machte.

Ich wollte grade weitersuchen, als ein weiteres mal mein Handy klingelte. Ich nahm ab. „Ich muss mich entschuldigen. Der scheinbare Vertragspartner hatte sich bei der Firme vertan.“, ich schwieg während mein Vater fortführte „Aber du solltest dich dennoch weiter auf deine Mandanten konzentrieren und ebenso auf deine Schwester, du solltest darauf achten dass sie mit ihrem Geld verantwortungsbewusst umgeht und nicht während wir weg sind ihr ganzes Geld für unnützen Kram ausgibt.“, nun nahm ich die ganze gekühlte Flasche vom Servierwagen und nahm einen langen Schluck aus dieser bevor ich losbrüllte: „DAS IST NICHT MEIN AUFGABENBEREICH! DU BIST IHR VATER! DU MUSST IHR DAS BEIBRINGEN NICHT ICH! ICH SOLLTE AUCH AN MEINER FACHARBEIT SITZEN UND NICHT HIER AN DEM SCHEIß SPENDENEVENT TEILNEHMEN!“, gut, ich hatte wohl etwas zu viel über den Durst getrunken und gut, es war auch nicht alles nur Prosecco was ich heute hier getrunken hatte, aber in diesem Moment war es mir egal, was für eine Argumentation er hatte und das er mein Vater war,
denn bis vorhin hatte er mich angeschrien. „Jasmine Summer, was fällt dir ein so mit deinem Vater zu reden, ich dachte dir wäre deine Zukunft wichtig, ich dachte du wolltest etwas aus dir mache-„, ich holte tief Luft:
„ICH HAB KEINE LUST MEHR! STELL JEMANDEN EIN DEN ES ÜBERHAUPT INTERESSIERT!“, und damit schmiss ich mein Handy beinahe schon zu dramatisch gegen die Wand bis es genauso traurig wie das Glas von heute auf den Boden fiel und genau wie dieses zersprang, oder eben der Bildschirm flackerte. Im Nachhinein bereute ich es doch so geschrien zu haben, denn nun bemerkte ich, dass der Raum in dem ich die ganze Zeit gewesen war, nicht der leerste war. Alle Blicke waren auf mich gerichtet und auch wenn mein Blick verschwommen war durch die Tränen die sich in dem hochkommenden Frust gebildet hatten, konnte ich spüren wie sie sich von mir wandten oder gar erstaunt waren um umso mehr auf mich zu starren. „Ich hab keine Lust mehr.“, flüsterte ich „Einfach keine Lust.“, „Keine Lust.“, „Keine Lust.“, ich sah auf mein kaputtes Handy, es war sowieso alles für heute verloren und besonders gut war die Sichtweise von meiner bisherigen Arbeitsmoral wohl auch nicht mehr oder die Meinung der anderen zu dieser. Heute würde ich nicht mehr an der Arbeit schreiben können, noch die Dinge klären können.

Das Einzige was ich an diesem Tag noch tuen würde war es mich in mein Bett zu legen und endlich wieder zu schlafen, so als sei alles ein böser Traum gewesen, naja gut, zwar hatte dieser gewisse Traum nachfolgen aber dafür hatte ich wohl etwas mehr Spielraum meiner Zukunft entsprechend geschaffen, mit nur drei albernen aber jedoch wahrheitsgemäßen Sätzen, die ich regelrecht geschrien hatte, welche ich laut meiner Tutoren niemals in Gegenwarte von Anderen hätte äußern dürfen.
Ich fing leise an zu lachen, mir war in nur paar Minuten die Last von dreiundzwanzig Jahren von den Schultern gefallen und es fühlte sich überraschend gut an. Mit schwankendem Gang ging ich Richtung Ausgang und drehte mich nur noch einmal zum Publikum welches noch auf mich sah zurück um mit einem erleichternden lächeln „Ihr seit doch alle krank, dass durchzuziehen.“, zu sagen ehe ich die Türen aufstieß und das Blitzlichtgewitter auf mich wirken ließ.
Manchmal war es doch besser die Entscheidung zu treffen die mehr negative Auswirkungen hatte als positive, um dann selber glücklich zu werden. Zum ersten mal nach Monaten konnte ich endlich wieder durchatmen und auch wenn ich nun mehr als nur meine Facharbeit verhauen hatte, konnte ich nicht anders als hinter meiner verheulten Schminke zu grinsen und mich besser zu fühlen als die meisten, die versuchten sich dem ideal der Gesellschaft anzupassen.