shadow

Mausklicke – ein Poetry Slam zum Thema Social Distancing

Vier weitere Wochen vier Kilometer entfernt.
Gar nicht so viel, aber eben doch nicht erreichbar.
Ein Mausklick entfernt, frag ich „Skype“ sagt ihr „gleich“.
Geht ziemlich schnell, aber eben doch noch ziemlich lange.
Und ja, wir wollen diese Krise alle überstehn´
Aber das einzige was ich grad will ist euch wiederzusehn
Ich hab nämlich in den letzten paar Wochen viel zu wenig gelacht
Und dafür viel zu viel nachgedacht
Wie oft ich mir eine Pause gewünscht habe
Und jetzt wo sie da ist, ist sie eigentlich doch nicht das, was ich will gerade
Das seid nämlich ihr und die langen Abende, bis spät
Gelacht und Geredet und Gelacht
Jetzt lache ich bei dem Film, den ich abends mit meiner Mutter gucke und
dabei darüber nachdenke was ihr dazu sagen würdet.

stayhome heißt es von allen Seiten,

auch wenn Christian Linder lieber #stayalone hören würde.
Damit die Freiheitsrechte nicht eingeschränkt werden.
Aber treffender ist es schon. Denn zuhause bin ich gerne, aber alone eben
nicht.
Ein Mausklick entfernt euch diese Idee zu schreiben.
Eure Reaktion, euer Lachen.
Das geht ziemlich schnell, ist aber eben doch noch ziemlich lange bis ich
dieses Lachen wieder wirklich höre und nicht unterbrochen, wegen
meinem schlechten W-lan Empfang.
Auf dem Bildschirm seh ich sie in ihren Zimmern.
Die bunten Bilder, manchmal mehr manchmal weniger Flimmern,
doch immer klar zu erkennen, dass ihr dort seid wo ich auch mal war.
Ein Mausklick enfernt und der Ort wo ich jetzt grad nicht sein kann ist da.
Wir wissen schon gar nicht mehr worüber wir reden wollen.
Jeden Tag, jede Information und doch stille.
Die Stille einer stillstehenden Welt.
Real ist sie angenehm und jetzt gefüllt von Rauschen und Kühlschrank
Klappern.
Ein Mausklick entfernt und doch lege ich noch nicht auf, weil diese Stille
besser ist, als die ohne Rauschen.
Ohne euch.

– Leonie Junge