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Mein Leben in der Quarantäne

Der Osterhase kommt mit Mundschutz
Quarantäne ist echt nicht toll und bringt überhaupt keinen Spaß. Anfangs dachte ich
noch, dass es ganz cool ist, weil man den ganzen Tag zu Hause ist und chillen kann.
Aber so ist das überhaupt nicht. Man sieht seine Freunde gar nicht mehr und wenn,
dann nur über FaceTime, wo die Verbindung aber häufig sehr schlecht ist. Die
Sportvereine haben geschlossen, weshalb man auch nicht mehr zum Sport kann.
Außerdem bekommt man irgendwann schlechte Laune, weil man viel weniger Schlaf
bekommt, (als in der Schulzeit) und man dann am nächsten Tag die ganzen Aufgaben
machen muss, die wir von den Lehrern bekommen.
Trotz alldem hab ich mich auf eine Zeit ganz besonders gefreut. Nämlich auf Ostern!
Als ich morgens aufgewacht bin, habe ich die Vorhänge zur Seite gezogen und die
Sonne strahlte in mein Zimmer. Sofort hatte ich gute Laune.
Als ich nach unten ging, waren meine Eltern schon wach und haben Schokolade
draußen im Garten versteckt. Als ich alles gefunden habe, haben wir uns an den
schön gedeckten Frühstückstisch gesetzt und haben gegessen.
Mein Vater hat extra einen Osterzopf gebacken und Eier gekocht. Ich war echt
glücklich, weil das das einzige war, was sich durch Corona nicht verändert hat oder
verboten wurde. Am Vormittag rief dann noch meine Oma an, um sich für den
schönen Blumenstrauß zu bedanken, den wir ihr geschickt haben.
Sonst waren wir an Ostern immer dort, aber da dieses Mal die Kontaktsperre galt,
haben wir uns gedacht, dass wir ihr trotzdem eine Freude machen wollen. Also rief
meine Mutter bei dem Blumenladen in der Stadt an, wo meine Großmutter immer
hingeht, und fragte, ob sie ihr einen schönen Blumenstrauß vorbeibringen können.
Als sie gestern nochmal anrief, hat sie erzählt, dass sich der Blumenstrauß immer
noch hält und sie sich jedes Mal freut, wenn sie daran vorbei geht. Das hat uns echt
sehr gefreut.
Am Nachmittag sind wir dann an die Elbe gefahren, um dort spazieren zu gehen. Als
wir dort waren, war ich sehr erstaunt, wie viele Leute an der Elbe unterwegs waren
und die meisten, aber noch nicht alle, haben den Mindestabstand eingehalten. An der
„Kleinen Rast“ haben wir uns dann etwas zu trinken geholt, uns auf die Steine gesetzt
und das schöne Wetter genossen. Es war schon ein bisschen seltsam, da draußen
keine Stühle und Tische standen und man nur alleine zum Tresen gehen durfte.
Zu Hause angekommen, hab ich mir dann eine Liste gemacht, was ich noch alles für
die Schule erledigen muss. Da kam einiges zusammen. Ich habe zuerst mit Latein und
Griechisch angefangen und dann noch zwei Physikexperimente durchgeführt. Als ich
fertig war, hat mich meine Mutter gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mit raus
zukommen, weil wir uns mit den Nachbarn verabredet haben, Kuchen zu essen und
Kaffe zu trinken. Unsere Nachbarin hatte die Idee. Sie dachte, da wir eh alle zu Hause
sind, können wir so etwas ja mal machen. Jeder saß vor seinem Haus auf der Bank
und wir haben uns alle unterhalten. Natürlich haben wir den Mindestabstand
eingehalten.
So konnte man auch noch viel über die Anderen erfahren und wie es ihnen mit der
jetzigen Situation so geht. Neben uns, zum Beispiel, wohnt eine Familie, die ein ca. 6
Jähriges Mädchen und ein ca. 1 Jahre alten Sohn hat.
Die Eltern sind teilweise echt überfordert, da beide Homeoffice machen müssen und
sich nicht immer um die Kinder kümmern können.
Da jedoch mehrere Kinder in unserer Nachbarschaft wohnen, spielen diese tagsüber
häufig zusammen, sodass die Eltern dann in Ruhe arbeiten können.
Meine Mutter und ich gehen mehrmals in der Woche für eine ältere Damen
einkaufen, da sie zur Risikogruppe gehört und deswegen nicht mehr einkaufen gehen
soll. Am Nachmittag klingelte sie dann an unserer Tür um uns schöne Ostern zu
wünschen und ein bisschen Schokolade vorbei zu bringen. Ich hab mich echt tierisch
darüber gefreut. Vor allem, als sie uns sagte, dass sie sehr froh darüber sei, wenn wir
das Einkaufen für sie übernehmen und dass das super nett von uns sei.
Zwischendurch bin ich noch joggen gegangen, da gerade unser Verein geschlossen
hat. Also bin ich um den Ziegeleiteich bis zum Bahnhof Klein Flottbek gelaufen und
wieder zurück. Auf einmal hat mich ein älterer Herr angesprochen und gesagt, wie
schön es sei, wenn man noch joggen kann. Er sagte auch, dass er zu der Risikogruppe
gehöre und sehr Angst habe, das Haus zu verlassen. Dies wäre das erste Mal seit
Wochen, dass er sich wieder raus traut.
Ich war echt erstaunt, weil ich außerdem sehr viele Leute gesehen haben, die sich mit
mehr als zwei Leuten getroffen haben und den Mindestabstand nicht eingehalten
haben. Das sehe ich in dieser Zeit leider sehr häufig. Die Leute denken dann
wahrscheinlich, dass sie eh kein Corona haben und deswegen auch kein Abstand
halten müssen.Doch das stimmt so nicht. Was mir positiv aufgefallen ist, dass, wenn
man einkaufen geht, draußen warten muss und erst reingerufen wird, wenn andere
Leute rauskommen, sodass der Supermarkt nicht so voll ist. An den Kassen sind im
ein bis zwei Meter Abstand Klebebänder auf den Boden geklebt worden, damit man
dann auch vor den Kassen den Mindestabstand halten kann.
Aber wenn sich alle Leute generell an die Vorschriften halten, was die meisten echt
schon toll machen, könnte das Virus schnell besiegt sein und der normale Alltag so
langsam wieder losgehen. Und nächste Woche habe ich Geburtstag. Mal sehen, wie
das dann wird…

– Leah Taubert