shadow

Meine etwas anderen Ferien

von Liliann Haeger

Teil 1

„Endlich Sommerferien!“ rief ich meinem besten Freund Jan zu als ich ihn nach der letzten Stunde im Flur sah. Wir schlugen ein. Jan wohnt in meiner Nachbarschaft. Seit wir sechs waren gehen wir zusammen zur Schule. Ich heiße übrigens Mark. Ich bin siebzehn Jahre alt und bald beginnt mein letztes Schuljahr. Ich konnte mich nicht über mein Leben beschweren.
„Na, alles fit?“ fragte mich Jan mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Ich antwortete mit einem einfachen „klar und bei dir?“. „Alles bestens“ sagte er.
Ich sah meine Freundin Helena den Flur runter laufen. Meine feste Freundin seit drei Jahren. Wir hatten erst einen großen Streit, sonst haben wir uns immer gut verstanden. Ich war so verliebt in sie. Sie umarmte mich. Ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Hey, wie war Mathe?“ fragte ich. Sie hatte schon immer ein Problem in Mathe.


„Ganz ok“ war ihre Antwort. Irgendwie wirkte sie abweisend.
Ich dachte sie hat vielleicht einen schlechten Tag. Wir standen noch eine Weile im Flur. Ich wollte gerade fragen ob die beiden später an den Strand wollen oder essen gehen, in dem Moment sagte Helena „Ich muss dann jetzt auch los, meine Mutter wartet zuhause. Wir machen einen Mädelsabend.“ Wir verabschiedeten uns. Sie gab mir einen Kuss. Ich merkte, dass etwas mit ihr nicht stimmte.
Jetzt waren es wieder nur Jan und ich. Ich fragte ihn nun ob er schon was vor hatte und ob er Lust hätte zum Strand zu fahren. „Sorry, aber mein Vater braucht Hilfe im Garten. Ich hab es ihm versprochen.“ „Hmm ok“ sagte ich nur noch. Wir fuhren nach Hause.
„Na toll“ dachte ich „der erste Ferientag und keiner hat Zeit für mich.“


Ich lag den ganzen Tag im Zimmer, am Handy. Keine Nachrichten. Jan und Helena waren meine einzigen Freunde. So verging nun jeder Tag. Jan war im Urlaub und von Helena hab ich auch nichts mehr gehört. 1,5 Wochen. Bis sie auf einmal an meiner Haustür klingelte. Ich öffnete die Tür. Ich war überrascht sie zu sehen. „Huch, waren wir verabredet?“ fragte ich verwundert. „Nein“ sagte sie leise „ich wollte mit dir reden.“ Ich bat sie herein, aber sie wollte draußen bleiben. Ich wusste es ist etwas passiert, aber damit hatte ich nicht gerechnet.
Wir standen also vor meiner Haustür. Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen. „Ich wollte mit dir reden…“ dachte ich, dass kann doch nichts gutes heißen. „Also…“ begann sie. „Wir können uns erstmal nicht mehr sehen.“ Es war stille. Ihre Stimme zitterte. Sie guckte sich um, als ob sie Angst vor etwas hätte. „Ich kann dir nicht sagen warum oder wann wir uns wiedersehen.“ Eine Träne rollte ihre Wange runter. Ich war zu verwirrt und auf eine Weise verletzt, die ich nicht zuordnen konnte, dass kein Wort mehr aus mir raus kam. Ich nahm sie einfach in den Arm. Naja, ich versuchte es.
Sie drückte mich weg. Sie sagte „Ich muss jetzt gehen.“ Bevor ich irgendwas sagen konnte, bog sie schon wieder auf die Straße ab.


Ich ging einfach wieder rein. Ich musste erstmal realisieren was gerade passiert war. Ich habe die ganze Zeit drüber nachgedacht. „Betrügt sie mich? liebt sie ich nicht mehr?“ diese Gedanken gingen mir stundenlang durch den Kopf. Ich war sauer, besorgt, irgendwas dazwischen. Meine Mutter riss mich aus meinen Gedanken. „Mark? Es gibt jetzt Essen“ sagte sie. „Ja, komme“ antwortete ich. Ich saß mit meinen Eltern an den Esstisch. Ich habe ihnen nichts von heute erzählt. Also die Sache mit Helena.
Ich aß ein wenig, stocherte sonst nur in meinem Essen rum. Ich hatte keinen Appetit mehr. Ich wollte nur noch schlafen gehen. Ich ging in mein Zimmer, zog mich um, putzte Zähne und warf mich auf mein Bett. Die Gedanken hielten mich noch kurz wach, schon war ich eingeschlafen. Am nächsten Morgen fiel es mir wieder ein. Ich stand erstmal auf und machte mir Frühstück. Da kam mir eine Idee. Beziehungsweise ein Gedanke. Ich kann nicht einfach traurig sein und nichts tun, irgendwas muss ich unternehmen. Ich beschloss sie zu verfolgen. Ich weiß es klingt komisch und ist vielleicht nicht die beste Idee, aber mit ihr zu reden bringt doch auch nichts.
Ich war gerade auf dem Weg zu ihrem Haus, da sah ich sie auf der anderen Straßenseite. Sie ging die U-Bahn runter. Unauffällig wechselte ich auf die andere Straßenseite und folgte ihr. 5 Minuten später saß ich dann in der U-Bahn, richtung Stadt. Sie stieg nach 3 Stationen aus. Sie hatte mich zum Glück nicht gesehen. Ich folgte ihr weiter. Aber Fehlanzeige, sie trifft sich nur mit ihren Freundinnen. „Egal“ dachte ich „so kann ich vielleicht etwas herausfinden.“ Sie setzten sich in ein Cafe. Ich saß zwei Tische weiter, mit dem Rücken zu ihnen. Nach ungefähr 1,5 Stunden haben sie endlich gezahlt und standen auf. Herausgefunden habe ich nichts.


Ich dachte sie fährt wieder nach Hause, doch sie ging in die komplett falsche Richtung. Deshalb entschied ich, ihr noch länger zu folgen. Ich versteckte mich schnell als sie in eine kleine Gasse ging und stehen blieb. Ein großer, breit gebauter Mann kam dazu. „Ich hab es gewusst, sie hat einen neuen“ sagte ich leise vor mich hin. Eine alte Dame schaute mich verwirrt an. Kurze Zeit später gingen sie weiter. Ich natürlich dicht hinter ihnen. In einem Menschenleeren Viertel fingen sie an zu reden. Diesmal konnte ich näher ran. Ich konnte leise ihre Stimmen hören. Der Mann sagte mit einer tiefen, aggressiven Stimme „Ich weiß ganz genau was damals war, ihr könnt es nicht verheimlichen.“ Dann Helena „Er hat es nicht getan! Es ist nicht seine Schuld! Glaub mir doch!“ „Hör mal zu, Kleine, ich brauche dieses Geld. Belügen kannst du mich schonmal gar nicht! Wenn das Geld nächstes mal nicht da ist, dann…“ hörte ich den Mann noch sagen, bis mich eine Hand an der Schulter packte und eine Stimme laut sagte „Na, was machst du denn hier?“. Es war Jan, das habe ich sofort erkannt. „Psssssst“ sagte ich dann. Doch er redete weiter. „Mist, Jan hör auf zu reden!“ Er guckte mich verdattert an. „Wie bitte?“. Der Mann hatte uns gehört. War ja klar. Er sah uns böse an. „Kennst du die“ fragte er Helena. Aus ihr kam nur ein „Mark?“. Auch das noch. Jetzt wusste er, dass sie mich kennt. Er kam auf uns zu. „Heheyy“ sagte Jan „es ist nicht so wie es aussieht. Wir waren gerade auf dem Weg nach Hause. Haben bei einem Kumpel übernachtet. Party-Samstag und so, wohoooo…! Wir kennen sie nur von gestern. Club-Bekanntschaft.“ Er wendete sich zu Helena und winkte verlegen. „So ein Zufall, so sieht man sich wieder.“ Er setzte sein breites Grinsen auf. „So wir müssen dann jetzt auch wieder weiter, einkaufen und so ́n Zeugs. Vielleicht sieht man sich ja nochmal. Schönen Tag dann noch.“ Jan war immer der beste wenn es um ́s Rausreden geht. Der Mann ließ uns gehen und warf uns ein „Zischt ab!“ hinterher.
Auf dem Weg nach Hause erklärte ich Jan alles und berichtete ihm über das mitgehörte Gespräch.
„Oh man.“ Er war genau so Sprachlos wie ich. Kurz bevor ich schlafen gehen wollte schrieb ich Helena. Ich wusste sie wollte mich nicht sehen, aber ich musste einfach wissen ob es ihr gut geht. Sie schrieb mir zurück „Komm morgen um 09:00 Uhr zu meinem Haus. Es ist wichtig.“


Am nächsten Morgen stand ich pünktlich vor ihrer Haustür. Ich war ein wenig nervös. Sie öffnete die Tür und bat mich herein. Zuerst war es ein wenig komisch. Ich war verwirrt als wir ins Wohnzimmer gingen und uns zu ihren Eltern setzten.
„Also, was du da gestern mitgehört hast…“ fingen sie an. Endlich. Eine Erklärung. Ich war geschockt, als ich alles erfahren hatte. „Erpressung? Damit hab ich nicht gerechnet.“ sagte ich besorgt. Nachdem wir alles geklärt hatten, gingen Helena und ich in ihr Zimmer. Wir sagten erstmal nichts. Zwischen uns war wieder alles gut, nun da die Wahrheit raus war. Zur Ablenkung schauten wir uns dann alte Fotoalben an, das machten wir immer wenn es uns nicht gut ging. Wir hatten ein paar alte Fotoalben im Keller gefunden, die wir nicht kannten. In einem der Fotoalben kam mir etwas komisch vor. „Ist das nicht der Mann?“ fragte ich. „Welcher Mann?“ sagte Helena. „Der der euch erpresst“ antwortete ich. Sie sah mich verwundert an. „Ja, du hast recht, das ist er.“ meinte Helena. Wir gingen zu ihren Eltern und fragten nach ob sie ihn kennen. Sie guckten uns entsetzt an. „Leon? Ich habe seit 20 Jahren nichts mehr von ihm gehört. Warum erpresst er uns?“ kam von ihrem Vater. „Wer ist Leon?“, fragte Helena. Ihr Vater antwortete „Dein Onkel. Warum würde er uns sowas antun?“ „Das verstehe ich auch nicht. Aber ich weiß was wir jetzt machen.“ sagte Helenas Mutter.
Ihr Onkel dachte, dass ihr Vater in der Jugend eine Straftat begangen hat. Was nicht stimmte. Es war ein ehemaliger Klassenkamerad der beiden. Das wusste er anscheinend nicht und erpresste jetzt Helenas Familie damit, da er in Geldnot ist. Sie wollten ihren Onkel aufsuchen und ihn zur Rede stellen.
Wir fanden mit Hilfe der Polizei raus, wo er im Moment lebte und fuhren zu seinem Apartment. Doch er war nirgends aufzufinden. Ich schaute auf mein Handy. Drei verpasste Anrufe von Jan. Und zwei Nachrichten. Er schrieb „Ich sehe den Mann von Sonntag. Ich werde ihn verfolgen.“ Dann noch eine Sprachnachricht. „Der Mann ist in ein Apartment gegangen. Ich warte dr…“.
Ich hörte noch wie das Handy auf den Boden fiel. Dann wurde die Sprachnachricht unterbrochen. Er muss hier gewesen sein. Ich schaute mich um und fand sein Handy neben einem Blumenkübel. Von Jan und Helenas Onkel keine Spur…

Fortsetzung folgt…