shadow

Nasifee

Autorin: Cecilia Grüninger, 15 Jahre

Nasifee
Aussehen: dunkel rote Locken, grüne Augen und sehr schlank.
Stärken: freundlich, hilfsbereit und kann sehr gut Fechten
Schwächen: kann nicht heilen

Kapitel 1

Wie jeden Morgen werde ich von den Sonnenstrahlen und von dem Rufen meiner Tante geweckt. Ich stehe auf und mache mich fertig. Dann gehe ich im Trainingsanzug runter zum Frühstück. „Guten Morgen, Nasifee“, begrüßt meine Tante mich. „Wo ist Onkel Fred?“ „Er war bei einer Informations¬stelle vom König.“ Die Informationsstelle ist der Platz, wo täglich ein Bote des Königs steht, um dem Volk zu sagen, ob ein Angriff von Trollen bevorstehe oder nicht. Je nachdem, ob ein Angriff bevor¬steht, wird, wenn ja, ein Hornsignal ausgestoßen, was jeder hören kann. Wenn nein, geschieht nichts.

Die Männer kommen einfach nach Hause und beruhigen ihre Frauen und Kinder. So wie jetzt Onkel Fred, der nun mit einem zufriedenem Gesichtsausdruck nach Hause kommt. „Es steht keiner bevor. Trotzdem müssen wir trainieren, Nasifee, denn es könnte jederzeit einer passieren.“ Direkt nach dem Essen gehen wir in unseren Garten, um zu trainieren. Zuerst übe ich an einer Puppe zum Aufwärmen. Anschließend mit meinem Onkel, was gar nicht so einfach ist, da mein Onkel ein sehr begabter und trickreicher Fechter ist. Meistens besiege ich ihn trotzdem, aber diesmal ist er der Stärkere. Ich verlor von insgesamt 4 Partien drei gegen ihn. „Komm schon, Nasifee, ein bisschen mehr Elan oder verdreht irgendein Junge aus der Nachbarschaft deinen Kopf, wie zum Beispiel Merry?“ Seine Worte lösen eine unglaubliche Wut in mir aus. Ich hasse es, wenn er mich mit Merry nervt. Außerdem klingt das schon wieder wie: „Weiber lassen sich von Jungs den Kopf verdrehen.“

„Na warte“, knurre ich und springe auf die Füße. Mit einer einzigartigen Drehung schlage ich ihm den Säbel aus der Hand. Er ist so überrascht, dass er umfällt. „Ruhig, Nasifee. Tu deinem Onkel nicht weh“, ruft meine Tante. „Ist schon gut, Ilse. Ich habe mir nicht großartig wehgetan.“ Doch als er auf¬steht, kann ich sehen, wie sein rechter Ellenbogen blutet. Leider sieht das meine Tante auch. „Him¬mel, Herrgott, warum musst du gleich auch so wild werden, Nasifee.“ „Entschuldigung Tante, aber….“ „Entschuldige dich lieber bei deinem Onkel“. Ich seufze, eigentlich muss ich mich aus Sicht meines Onkels gar nicht entschuldigen. Es ist immerhin normal, dass man sich beim Fechten auch mal gegen¬seitig verletzt. Zum Glück sagt mein Onkel: „Ist schon gut, Ilse, wirklich. Sie hat ja recht gut ge¬kämpft.“

Mit diesen Worten legt er beruhigend einen Arm um meine Tante und geht mit ihr ins Haus. In der Zeit, in der mein Onkel sich von meinem Schlag erholt, bleibe ich draußen auf der Treppe sitzen. Ir-gendwann kommt mein Onkel raus und setzt sich zu mir auf die Treppe. „Ich muss dich loben. Dein Schlag gerade eben war richtig gut. Es wäre nur schön, wenn du egal, ob jemand dich beleidigt oder nicht, trotzdem so gut wärst.“ „Ich weiß und ich werde mir mehr Mühe geben.“ „Gut, dann trainieren wir morgen weiter mit überraschenden Angriffen.“ An diesem Tag verbringe ich noch ein wenig mit Mithelfen im Haushalt.

Kapitel 2 – Beunruhigende Nachricht –

Die nächsten Tage trainiere ich viel mit meinem Onkel. Nach drei Tagen hartem Training kommt die beunruhigende Nachricht auf, dass die Trolle sich in Richtung unser Land bewegen. Angeblich hatte das ein Soldat des Königs herausgefunden. Der König lässt jetzt nun einen Ausruf an das Volk aus, dass alle Jugendliche, die nicht Fechten können, sich eine Familie suchen sollen, wo sie es erlernen können. Was dies für eine Auswirkung auf mich hat, werde ich erst am nächsten Tag nach dem Aus-ruf erfahren.

Kapitel 3

Am nächsten Morgen beim Frühstück klingelt es an unserer Haustür. Mein Onkel geht öffnen. „Oh, hallo, Herr Book, freut mich sehr. Kommen Sie doch herein. Hallo Merry.“ „Merry“ – der Name lässt mein Herz aufhüpfen. Ich hebe meinen Kopf vom Teller. Da direkt neben seinem Vater geht er. Sein Blick ist geradeaus gerichtet, sodass er nicht bemerkt, wie ich ihn anstarre. Seine blonden, lockigen Haare sind noch verwuschelter als sonst, und unter seinen blauen Augen sind Augenringe. „Ob er nicht viel schläft?“ „Nun, eigentlich wollte ich euch nur kurz fragen, ob es möglich wäre, dass Merry bei euch Fechten lernt.“ Mein Onkel wirft einen Blick von mir zu Merry. Sein Blick bleibt länger an mir kleben. „Ich weiß ja nicht, was meine Nichte….“ „Ihre Nichte hat nichts damit zu tun. Ich war heute Morgen auf der Suche nach jemanden, der es meinem Sohn beibringen könnte. Sie sind jetzt meine einzige Hoffnung.“ „Ach so“, kurz überlegte mein Onkel: „Gut, dann schicken sie morgen Merry so um acht.“ Merry sah meinen Onkel entsetzt an: „Um acht?“, aber er muss sich damit abfinden.

Kapitel 4

An diesem Morgen bin ich besonders aufgeregt. Immerhin ist heute mein Training mit Merry. Nach dem Frühstück gehe ich raus mit meinem Degen und setze mich auf die Treppe. Pünktlich um acht kommt Merry. Mein Herz macht einen leichten Sprung. „Reiß dich zusammen!“ schallt es in mir. „Hallo Merry! Schön, dass du gekommen bist“ sage ich mit erstaunlich fester Stimme. „Hi, ähm habt ihr zufällig einen Degen für mich?“ Ich starre ihn entsetzt an: „Wieso hast du keinen mitgenommen?“ Merry senkt beschämt den Kopf: „Meine Eltern haben keinen.“ „Ach so warte“, schnell gehe ich ins Haus und hole den von meinem Onkel. Als ich wieder zurückkomme, ist Merry gerade dabei sein T-Shirt zu wechseln. Das heißt ich kann ein Stückchen von seinem Oberkörper erkennen. „Äh, könntest du dich bitte umdrehen?“ Mit hochrotem Kopf wende ich mich von ihm ab. „Du, äh kannst dich wie¬der umdrehen.“ Er steht nun wieder im T-Shirt vor mir.

„Gut dann lass uns erst mal mit etwas Einfachem Beginnen. Zuerst üben wir an einer Puppe, ok?“ „Ok“, er nickt. Ich gebe ihm nun den Säbel. „Was jetzt?“ Unsicher guckt er mich an. „Versuch als erstes, indem du eine leichte Drehung machst, die Puppe an der Hüfte zu treffen“. Ich mache es ihm vor. Er versucht es nun nachzumachen. Doch vergeblich. Schon während der Drehung verliert er das Gleichgewicht. „Nochmal, versuch mal, Dich nicht ganz so schnell zu drehen.“ Merry nickt. Diesmal jedoch dreht er sich so langsam, dass der Säbel sich wie in Zeitlupe auf die Puppe zudreht. „Viel zu langsam. Versuch einfach, deine Schnelligkeit zu finden“ – (das jedenfalls hat mir mein Onkel immer gesagt). Die Trainingsstunde zieht sich nun dahin. Es ist eine einzigartige Katastrophe. Merry ist ein¬fach so ungeschickt und so langsam. Entweder trifft er daneben, der Degen fällt aus seinen Händen, oder er verliert das Gleichgewicht. Irgendwann breche ich das Training ab. „Lass uns die nächsten Tage weiterüben. Versuch heute noch ein bisschen Drehung zu üben.“

Die nächsten Trainingstage sind noch schlimmer als der erste. Diesmal versuchen wir gegeneinander zu duellieren. Dabei hoffe ich mehr Elan von Merry zu sehen. Doch vergeblich. Er ist einfach so unge¬schickt und unkonzentriert. Außerdem sehr ängstlich. Immer, wenn der Degen auf ihn zukommt, weicht er ihm aus, anstatt mit seinem Degen den Schlag auszugleichen. Schließlich breche ich aus lauter Verzweiflung das Training mit ihm ab. „Es tut mir Leid, aber ich weiß einfach nicht mehr weiter mit dir.“ Auch mein Onkel, der ab und zu mal geholfen hat, hat die Hoffnung verloren.

Als Merry gegangen ist, gehe ich in den Wald, um mich ein wenig auszuruhen. Außerdem brauche ich jetzt einfach den Duft und die Stille des Waldes. Im Wald angekommen, setze ich mich auf einen Stein und schließe die Augen. Dabei atme ich die frische Luft ein und versuche auf andere Gedanken zu kommen. Die Zeit scheint schnell zu vergehen, als plötzlich laute keckernde Stimmen zu hören sind. Plötzlich ruft jemand: „Da ist ein kleines dummes Menschenweib!“ Ich öffne die Augen und springe vom Stein den Säbel in der Hand. Tatsächlich, es sind drei Stück. Riesig große Viecher mit schuppiger Haut, langen Nägeln, braunen Zähnen und klumpigen Füßen. Einer von ihnen kommt mit erhobener Faust auf mich zu. „Jetzt ist es aus, du kleine dumme Menschenschlampe.“ Ich hebe mei¬nen Degen. Der eine Troll gibt nun ein Zeichen. Daraufhin rennen die anderen beiden nun auf mich zu. Ehe ich mich versehe, hat einer von ihnen mich mit seiner Lanze an die Hüfte geschlagen. Ich schreie auf und versuche verzweifelt nach ihm zu schlagen. Doch vergebens. Sie sind einfach in der Überzahl. Gerade als ich dachte meine letzte Stunde hätte geschlagen, passiert das Unglaubliche.

Kapitel 5 – Merrys Sicht

Ich bin gerade im Wald angekommen, als ich einen Hilfeschrei höre. Ich renne dorthin, wo der Schrei herkommt. Schon von weitem sah ich die Trolle. Direkt vor ihnen steht leicht gekrümmt eine be¬kannte Gestalt mit dunkel roten Locken, deren Hüfte leicht blutet. Meine Füße wollen wegrennen, Hilfe holen. Doch irgendwie ist mir klar, dass jede Hilfe zu spät kommt. Also renne ich stattdessen auf die Kampfszene zu. Der Troll steht nun ein paar Meter vor mir. Automatisch greifen meine Hände nach einem dicken Stein und werfen ihn gegen den Kopf des Trolles. Dieser stolpert verdattert drei Schritte zurück. Dann fällt sein Blick auf mich. Doch kaum macht er nur einen Schritt auf mich zu, habe ich schon einen Ast abgerissen und schleudere ihm diesen in den Weg. Zu meiner Überraschung stolpert er drüber und fällt der Länge nach hin. Seine Lanze kullert direkt auf mich zu. Schnell greife ich danach. In dem Moment löst sich die Schockstarre von Nasifee. Sie rennt mit einem lauten Schrei auf die beiden Trolle zu. Ich komme ihr mit meiner Lanze zur Hilfe, obwohl es eher bei mir so‘n dummes Draufgehaue ist. Schließlich, wer es glaubt oder nicht, schaffen wir es. Wir haben die Trolle nach einem langen Kampf besiegt. Sie liegen nun stinkend und verrauchend vor uns.

Nasifee kommt humpelnd auf mich zu. Ihre Hüfte blutet. Auch ich habe einige Kratzer im Gesicht und einen bösen Stich im Bein. ,,Könntest du eventuell heilen?“ ,, Ja kann ich, hat meine Mutter mir gezeigt.“ Ich sammle nun etwas Moos, um Nasifees und meine Blutungen zu stillen. ,,So, so, du kannst also nicht heilen, dabei dachte ich immer alle Frauen könnten das“, sage ich, während ich ihr das Moos auf die Hüfte und Bein lege. ,,Und ich hatte immer gedacht, es wäre üblich, dass alle Män¬ner in unserem Land kämpfen können, du bist da wirklich eine Ausnahme. Aber das grade eben war echt nicht so schlecht, obwohl es etwas ungeschickt war. Ich muss lachen. Sie ist so frech aber gleich¬zeitig auch ehrlich und nett. ,,Gut, dann lege dich etwas zurück, damit das Moos das Blut aufsaugen kann. Während sie sich ausruht, versorge ich meine eigenen Wunden. Danach setze ich mich an¬schließend neben sie.

Schließlich unterhalten wir uns ein wenig über unser Leben. Es ist sehr interessant, sich mit ihr zu unterhalten, denn ich habe mich schon heimlich früher für sie interessiert. Irgendwann nehmen wir das Moos von unserem Körper, und ich verbinde unsere Wunden mit ein paar Streifen meines T-Shirts. Dann gehen wir nach Hause. Dabei stützen wir uns gegenseitig. Zuhause angekommen erfah¬ren wir, was in der Zeit, wo wir im Wald waren, passiert ist. Es gab tatsächlich auch einen Angriff auf unser Dorf. Doch alle haben überlebt. Nur es gibt halt auch viele Verletzte. Deswegen muss ich auch, obwohl ich selber verletzt bin als Heiler mithelfen. Dadurch sehe ich Nasifee eine Woche lang nicht.

Kapitel 6.
In der Woche wo ich Merry nicht sehe, merke ich, wie sehr ich ihn vermisse. Damit meine ich nicht nur seinen Anblick, sondern auch seine Stimme und sein Lachen. Schließlich begegne ich ihm durch Zufall in der Dorfkneipe. Dort setzen wir uns an einen Tisch und unterhalten uns lange über unsere Woche. Am Ende bevor wir uns verabschieden, sehen wir uns noch lange in die Augen. Langsam nimmt Merry nun meine Hände in seine: ,,Ich bin vielleicht darin schlecht, aber ich muss dir was ge-stehen.“ ,,Was denn?“ „Du gefällst mir außerordentlich gut, sowohl von deinem Aussehen als auch von deinem Charakter. Nicht nur das, auch dein Aussehen und deine Fechtkünste sind wunderbar.“ Mein Herz schlägt wie wild bei seinen Worten. ,,Ich mag dich auch, Merry“. Mit diesen Worten küsse ich ihn zärtlich auf die Lippen. Er erwidert ihn heftig. 1 Jahr später heiraten wir.

Ende