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Tom, der Marsianer

Von Cornelius Conrad, 16 Jahre

Der kleine Marsianer Tom liebte es auf die Erde herunter zuschauen. Es war seine kleine heile Welt.
Von den Problemen des Alltags abschalten. Seit der Flucht aus seinem Haus an dem großen Steinsee
brachten ihm nur diese paar Minuten Entspannung. Er hatte alles zurücklassen müssen seine Freunde, seine Sachen und das Haus. Seit der große Regulator die Kultur verändert hat, hat Tom seine Heimat verloren. Eines Tages standen einfach die Truppen vor der Tür und haben einfach die Nachbarn verschleppt. Das war ein Schock für Tom. Er sah auf einmal wie alles auseinander brach. Das sonst so friedliche Viertel Seestadt lag auf einmal in Schutt und Asche. Seine Schule, die hochmoderne Seestadter Universität, zertrümmert, geplündert und abgebrannt. Er musste fliehen, so dachte er sich. Ach wie gerne wäre er jetzt auf der Erde da ist alles friedlich, keiner wird verfolgt, alle Leben in Harmonie. Eine Welt voller Kultur. Eine Welt als Einheit. Diese Welt ist leider nicht seine Heimat.

Was für eine Nacht. Die Truppen des Regulators haben wieder Luftangriffe geführt. Tom, der kleine Marsianer, hat kaum schlafen können. Mit einem kaffeeähnlichem Getränk sitzt er auf dem Stein. Er schaut wieder auf die Erde. Seine Welt. Ach ich könnte ja nur einmal einen Tag dort hin fliegen, dachte er sich. Es wäre möglich, ich muss nur einmal in die Rakete steigen. Oh meine Welt ich komme dich mal besuchen. Was da unten so ist? Ob dort auch jemand lebt? Was könnte ich dann mit den machen? Und wenn da keiner wäre? Ein ganzer Planet für mich alleine. Wo würde ich als erstes hinreisen? An den Nordpol? In die Wüste? Ach hoffentlich finden mich die Truppen des Regulators nicht. Es wäre wirklich schade wenn sie auch noch diesen Planeten übernehmen würden. Egal, los geht es. Ging zu dem nahegehenden Truppenstützpunkt der Marsarmee. Es überrascht ihn aber keiner war da, um das Tor zu bewachen. Er ging zur Rakete die deutlich in Richtung Weltraum hinaufzeigte. Tom startet die Triebwerke. Jetzt muss er aufpassen um nicht von den Truppen des Regulators entdeckt zu werden.
„Bordcomputer bring die Systeme online!“, sagte Tom.
„Alle Systeme arbeiten im grünen Bereich. Die Scanner und das Radar melden keinerlei Truppen in Reichweite.“, antwortete der Bordcomputer.
„Das ist gut. Dann nimm Kurs auf die Erde.“.
Plötzlich tauchte auf dem Monitor ein roter Punkt hinter dem Mond auf.

Seine großen Augen erblicken das letzte Tageslicht. Oh ich muss wohl geträumt haben, denkt sich Tom. Es war so schön die Reise zur Erde. Die Sonne scheint auf seinen Rücken. Ein Marshüpfer springt von Stein zu Stein. Diese pur zierlichen kleinen Tiere, sie springen mit ihren Hinterbeine als würden sie durch die Luft fliegen. „Na, du kleiner“, sagt Tom, „Was machst du den hier?“
„Zirp Zirp“
„Du hast ja Recht, man habe ich einen Durst“, sagt Tom. Er steht von seinem Stein auf und schaut noch einmal auf die Erde, der blaue Planet, seine zweite Heimat. Fast hätte er sie erreicht. Aber die Realität war schwieriger als der Traum. Die Realität legt ihm immer wieder Steine in den Weg. Naja egal lets life. Erstmal was zu trinken holen. Puhh so eine schön gekühlte Astro-cola ist schon etwas tolles. Toms feine Lippen saugen begierig die wohlschmeckende Flüssigkeit auf. Mit seiner Zunge erwischt er selbst den letzten Tropfen. In seinem trockenen Rachen verdampft dieser Energienektar quasi. Er spürt wie sich seine Zellen, seine Arme, seine Beine und sein gesamter Körper sich mit Energie füllen. Er fühlt sich als könnte er 1000 Marsmeilen laufen. Es schien ihm plötzlich alles machbar.

Diese neugewonnene Energie gibt ihm Zuversicht. Er kann es schaffen. Er kann jetzt neu planen. Das geheime Untergrundnetz kann ihm helfen. Er kann dann fliehen. Es wäre möglich. Die Truppen haben einen kleinen Weltraumstützpunkt in der Nähe. Nicht so scharf bewacht, aber dennoch sehr gefährlich. Auch seine Fähigkeiten als Ingenieur können ihm da nicht weiterhelfen. Er braucht Hilfe. Im Netzwerk gibt es bestimmt einen der ihm hilft. Morgen würde er aufbrechen. Heute ist also sein letzter Tag mit dem Stein. Aber er muss los. Auf zur neuen Welt, zur neuen Heimat.

Gerade ist ein Auto angekommen. Sie haben den geheimen Handschlag des Untergrundnetzes gemacht. So konnte Tom sicher sein, das er sich nicht dem Regulator ausliefert. Die Fahrt war lang und ohne Pausen. Die Marssonne brannte heiß und gnadenlos auf ihn hinab. Das kleine Auto ohne Dach war wie eine Sardinenbüchse. Als sie endlich im Hauptquartier des Untergrundnetz ankamen war er fertig. Diese Fahrt war anstrengend. Aber er wollte auf die Erde. Seine Erde.

Mit einem Lächeln begrüßte ihn die Chefin des Untergrundnetzwerks. Tom konnte nicht mehr. Man sah sie gut aus in ihrem hautengen Overall.

„Ich begrüße sie ganz herzlich in der Großen Grube. Du musst Tom sein. Ich bin Lavira“, sagte die schöne Chefin.
„Haallo“, hauchte Tom. Er musste einmal kräftig schlucken.
„Bist du bereit?“, fragte sie.
Tom konnte nur nicken. Sie raubte ihm den Verstand.
„Dann los.“
Sie führte ihn in einen kleinen Raum. Hier konnte Tom die ganze Reichweite des Untergrundnetzwerks sehen. Die Pläne der Station, die Dienstpläne und zwei Dienstuniformen der Armee.
Mit dieser Vorbereitung kann eigentlich nichts schief gehen.
„So Tom du musst noch ein bisschen schlafen. Morgen wird eine lange Nacht. Wir müssen pünktlich zum Schichtwechsel am Stützpunkt sein.“

Die Nacht brach plötzlich herein. Tom steht mit der Chefin vor der Druckschleuse. Zum Glück sind sie ja nicht alleine. In den Büschen liegen noch zehn Mann. Hinter dem großen Zaun kann er schon die Rakete sehen. Sein Fluchtweg, bewacht von an die neunzig Mann. Er muss es schaffen. Diese Mission hat nur ein Ziel, ihn auf die Erde zubringen. Seine Knie werden weich. Nur sie gibt ihm noch halt.
Zaghaft fragt: „ Lavira kommst du eigentlich mit auf die Erde?“
Sie lacht kurz auf: „ Du bist mir vielleicht ein Scherzkeks. Was glaubst du warum ich das hier mache?“
Tom sackt das Herz in die Hose. Mit dieser Antwort hat er nicht gerechnet. Diese schöne Frau sagt ihm jetzt, dass sie nicht mit ihm mitkommen möchte.
„Still jetzt! Wir fangen jetzt an.“
Sei gibt den andern das geheime Zeichen und drückt auf den Knopf neben der Schleuse. Sofort meldet sich eine Stimme: „ LEITSTELLE DER GROSSEN MARSARMEE. WAS WOLLEN SIE?“
Trocken sagt Lavira : „Hier ist die Ablösung“
Tom hält den Atem an. Hoffentlich haben die andern die echte Ablösung aus dem Verkehr gezogen.
„HALTEN SIE SICH BEREIT! WIR ÖFFNEN DAS TOR!“
Ein rotes Signallicht leuchtet auf, die äußere Tür öffnet sich. Sofort schlüpft sie hinein.
Lavira meldet mit einem kleinen Funkgerät das sie drin sind und die Uhr läuft.
Das ist das Startzeichen für die anderen mit dem Plan loszulegen. Sie werfen ein paar Seile über die hohe Mauer. Sie versuchen so die Truppen zu überraschen. Lavira schleicht vor Tom her. Ihre Art sich zu bewegen macht Tom an. Doch er muss sich auf die Aufgabe konzentrieren, er muss doch die Stromverbindung zum Kontrollsystem der Rakete unterbrechen. Eine knifflige Aufgabe. Im Kontrollraum gibt es viele verscheidende Kabel, aber nur eins setze die Kontrolle außer Kraft. Die andern könnten einen Arlam auslösen. Keine leichte Aufgabe. Lavira und Tom schleichen in den Kontrollraum. Tom entfernt vorsichtig die Abdeckung unter der einen Konsole. Ein ganzes Dutzend   Kabel schauen ihm entgegen. Er zögert. Was stand noch einmal im Plan? Welches war das richtige? Vorsichtig legt er die Zange an das rote Kabel. Er schaut zu Lavira rüber. Sie nickt. Mit Kraft schneidet Tom das Kabel durch. Gespannt horcht er. Endlose Sekunden lang. Aber es bleibt alles still. Tom atmet erleichtert auf. Er schleicht mit Lavira weiter. Hinter ihnen raschelt es. Tom sprüht einen kalten Gewehrlauf an seinem Rücken. Der Schweiß läuft ihm eiskalt den Rücken runter. Sein Herz klopft ihm bis zum Hals. Eine kräftige Hand drückt auf seine Schulter. Sie schiebt ihn unaufhaltsam nach vorne.
Lavira hat von alledem noch nichts mitbekommen. Sie ist schon um die nächste Ecke verschwunden.
Tom versucht noch ihr Bescheid zu geben. Doch der Unbekannte hinter ihm hält ihm den Mund zu.

„Hilfe, was ist los wer ist das? Was will der? Hey der drückt mich nach rechts. Lavira, Lavira, Hilfe Hilfe! Nein sie ist schon zu weit weg. Mhhhpff jetzt drückt der mir auch noch eine Hand auf den Mund.“

Tom nimmt ein weiteres Geräusch wahr. Es sind die Freunde aus dem Untergrundnetzwerk sie schaffen es den Wächter zu überwältigen. Doch der Wächter konnte noch den Alarm auslösen. Das ruft auch Lavira auf den Plan. Sie packte Tom und zerrte ihn in Richtung der Rakete. Die Mitstreiter schrien ihnen noch nach sie halten sie auf. Lavira steigt mit Tom in die Rakete ein. Sie zündete die Triebwerke. Tom klemmt sich auf den Stuhl des Ingenieurs. Lavira springt auf den Pilotenplatz und wartet.
„Wir müssen los,“ schreit Tom.
Lavira schweigt und wartet.
„Worauf wartest du?,“ fragt Tom.
Lavira wartet.
Tom wird immer nervöser.
Doch sobald Lavira die Triebwerke startet und in Richtung Himmel startet.
Stückchen für Stückchen kommt Tom seinem Traum näher.