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Außerhalb der Festung

von Karim Djemai, 16 Jahre

Als ich aufwachte, hatte ich totale Kopfschmerzen.

„Da hab ich gestern wohl zu viel gefeiert“, dachte ich und schob mich aus dem warmen Bett und in die kalte Dusche. Ich blickte aus dem Fenster in die Steinwüste, und fragte mich, wie lange es wohl dauern würde, bis die Menschen sie neu bevölkern würden und es nicht mehr so trostlos aussähe. Aber solange die Steine noch strahlten, war das nicht möglich.
Ich war einer der wenigen, die außerhalb der Festung lebten, weil mein Arzt meinte, dass ich die Strahlen aushalten würde. Ich zog meine schwere Rüstung an, die für alle Europäer Pflicht war, guckte auf die Uhr, und sah, dass ich nur noch fünf Minuten hatte, bis ich aus dem Haus gehen und mich mein Chauffeur abholen sollte. Ich schaufelte schnell ein paar Cornflakes in mich hinein und hastete los.
Ich wartete auf meinen Chauffeur, aber er kam nicht. Ich wartete ganze zehn Minuten, und von ihm war immer noch keine Spur zu sehen, also entschloss ich mich, zu Fuß in die Festung zu gehen. Ich machte mich auf den Weg, und weil ich wusste, dass ich sowieso zu spät kommen würde, und ich ja eine Ausrede hatte, beeilte ich mich nicht einmal.
Der leichte Schmerz der Strahlen, die auf meiner Rüstung absorbiert wurden, machte mir nichts aus, und es war mal wieder ein etwas frischerer, also angenehmer Tag, da mal nur 40° C auf dem Thermometer meiner Brille standen. Die Festung streckte sich vor mir in die Höhe, und man konnte recht genau erkennen, wie sich die riesigen Fenster an der Seite langsam zum allmorgendlichen Lüften öffneten.
Es war nun genau 320 Jahre her, dass die Bomben gefallen waren, und keiner, der noch lebte und diese Zeit miterlebt hatte, hatte sich psychisch von dem Schock erholt. „Manchmal ist die Möglichkeit, 350 zu werden, doch kein Segen“, dachte ich mir. Die meisten waren nun in der Anstalt, die früher mal ein Fußballstadion im Zentrum der Festung gewesen war.

Die gigantischen Stahlmauern ragten immer weiter vor mir auf, je näher ich kam, und trotz des milden Wetters schwitzte ich langsam wegen des langen Fußmarschs. Auf dem Boden wuselte eine der dreiäugigen Echsen vorbei, die seit dem dritten Weltkrieg existierten und der Schweiß lief langsam von meiner von der Sonne braun gebrannten Haut hinunter.
„Hoffentlich ist mein Chef nicht sauer, weil ich zu spät bin“, dachte ich mir. „Ich glaube, er hat etwas gegen uns von außerhalb.“ Als ich bei den Mauern ankam, war es schon 2 Uhr und ich würde mindestens eine Stunde zu spät kommen.

Schon mit sechs, als man meine Gene gescannt hatte, war klar, dass ich Biologe werden würde, und so lernte ich von dem Zeitpunkt an, bei „4Lab Industries“. Seit es die neue Regierung gab, wurde die Schule abgeschafft, und mit sechs fing man an, in einem Betrieb zu lernen. So lernte man auch wirklich nur das, was man später auch brauchte. Allerdings wurde einem nicht die freie Wahl gelassen, sondern anhand der Gene entschieden, wofür man geeignet ist. Ich als Wissenschaftler bin damit zwar ganz glücklich, aber andere, wie zum Beispiel Klofrauen natürlich nicht. Langsam schleppte ich mich die wenigen Treppenstufen aus Stahl hinauf, um vor die Tür im Bereich Süd zu treten, und hielt meine Kennungskarte vor den Scanner.
Ich wartete, und ein paar Sekunden später sah ich meinen Chef auf dem Bildschirm über dem Scanner. Er sah mich ein paar Sekunden abfällig an und sagte dann in rüdem Ton: „Sofort in mein Büro, Johnson.“
Ich sah vor meinem inneren Auge schon, wie ich den ganzen Ärger bekommen würde, und ging in Richtung der sich nun langsam öffnenden Tür. Als ich den ersten Schritt auf den warmen Teppichboden machte und in die Schleuse trat, merkte ich sofort, dass ich mich wohler fühlte. In der Festung gab es eine Klimaanlage, und so wurde die gesamte Festung auf nahezu antarktische Temperaturen von 30° C herunter gekühlt.
Ich legte meine Rüstung in die dafür vorgesehene Kammer und diese schloss sich sofort und fuhr, wie ich wusste, mit Lichtgeschwindigkeit in die Sammelstelle für angestrahlte Elemente, wo sie solange aufbewahrt wurde, bis jemand mit meiner Karte die Festung verließ.

Ich ging langsam zum Fahrstuhl vor mir, der als zweite Schleusentür diente. Ich hatte ein bisschen Angst vor meinem Chef, da dieser recht oft seine Anti-Aggressionspillen vergaß. Die leichte Fahrstuhlmusik nervte langsam. Sie kam von einer Band aus den frühen 20er Jahren, kurz vor dem dritten Weltkrieg. Sie hieß “One Direction” oder so. Heutzutage wird die Musik nur noch von damaligen Sängern gesamplet und neu gemischt.
Oben im 64. Stock angekommen, stieg ich aus und wurde mal wieder von allen Seiten angeguckt. Wir von außerhalb sind unter den Festungsbewohnern nicht sehr beliebt, obwohl wir eigentlich eine große Bürde auf uns nehmen, da wir die ganzen Strahlen abbekommen und nicht sie. Hinten traf ich Jenkins, der mich mit Todesblick anstarrte.

„Na, mal wieder das Taxi verpasst, Johnson“, sagte er abfällig und lachte kurz.

Ich ignorierte ihn so gut es ging und lies mir nicht anmerken, wie sehr ich ihn hasste.
Vor circa 50 Jahren hatten sie die Vornamen abgeschafft, mit dem Argument, dass das Ganze so viel förmlicher wirke, und es so weniger Verwechslungen gäbe.
Ich ging durch den Raum, zum Büro meines Chefs und klopfte leise. Seine Sekretärin machte mir auf, guckte mich mit einem Blick voller Mitleid an und ging an mir vorbei durch die Tür. Ich öffnete die Tür ein weiteres Stück und traf meinen Chef, der mich vorwurfsvoll ansah.

„Mal wieder über Steine gestolpert, Johnson?“ Er grinste, und ich bekam eine ungeheure Wut auf ihn.

„Mein Chauffeur hat mich vernachlässigt. Ich kann nichts dafür,“ sagte ich in einem etwas abfälligem Ton.

„Das passiert eindeutig zu oft, Johnson, wir, und damit meine ich unsere Firma, sehen keine andere Möglichkeit mehr, als Sie aus Ihrem Dienst zu entlassen.“

„WAS?“, fragte ich erstaunt.

„Es tut mir leid, wir können ihre Leistungen einfach nicht mehr in Anspruch nehmen, wenn Sie andauernd zu spät kommen.“
Ich ärgerte mich über meinen Chef, guckte ihn an und versuchte, möglichst abfällig zu sagen: „Ich bin allerhöchstens 2 bis 3 mal zu spät gekommen, und Sie wissen doch, dass ich von außerhalb komme, und es nicht meine Schuld ist.“

„Dann sollten Sie sich mal um einen anständigen Chauffeur kümmern, Johnson“, schrie er. Kleine Spucketröpfchen sprudelten aus seinem Mund in mein Gesicht. Er war nicht besonders groß, ziemlich dick, und hatte eine Glatze.

Ich versuchte, mich zu fassen. „Meine gesamte Ausbildung war unten in der Ausbildungszentrale dieser Firma. Ich habe hier alles gelernt, was ich weiß und dann kommen Sie und nehmen sich einfach so das Recht, mich nach erst einem Monat Arbeit in dieser Abteilung aus der gesamten Firma zu werfen? Nur weil ich zwei oder drei mal zu spät gekommen bin?“

Ich spürte, wie die Wut in mir aufstieg. In dieser Zeit war es sehr schwer, einen Job zu bekommen, da man ja nur die eine Sache gelernt hatte.

„Sie wissen doch, wie schwer es ist in dieser Zeit einen Job zu bekommen.“

„Das ist mir egal, das ist ihr Leben, Johnson. Wieso ist es meine Schuld, wenn Sie ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen? Und jetzt gehen Sie, ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen.“

Ich ging wütend hinaus, an meinen ehemaligen Kollegen vorbei, ohne mich noch mal umzusehen. „Diese Arschlöcher können mich mal,“ murmelte ich vor mich hin. Ich stapfte in den Vorraum und dann in den Fahrstuhl, um ins Erdgeschoss der Festung zu fahren.
Dort gab es keine wirklichen Unterteilungen der Räume, wie in den Büros und Läden oberhalb, sondern es war einfach ein riesiger Raum, der sich über die Größe der ganzen Festung erstreckte, die früher mal eine große Stadt im Norden des Landes gewesen war.
Man konnte also die gesamte Fläche überblicken, die 755 Quadratkilometer groß war.

Die Fahrstuhlmusik nervte mich nun, ich wollte diese Musik einfach nicht hören. Ich musste mich bei einem anderen Biologie-Labor bewerben, was sehr schwer war, da ich einer von außerhalb war, und es sehr viele Vorurteile gegen uns gab. Abgesehen davon existierten in der Festung nicht besonders viele Biologie-Laboratorien.
„Erst mal was essen“, dachte ich mir und stieg im Erdgeschoss aus. Ich nahm die Magnetbahn, die mich durchs Erdgeschoss fuhr, und stieg in der Mitte der Festung, nach gut 2 Sekunden Fahrt aus.

Dort war ein Shoppingcenter, das quer durch alle Stockwerke ging. An den Seiten waren gläserne Fahrstühle und unten in der Mitte befand sich ein großes Denkmal für die Gefallenen aus dem dritten Weltkrieg, das aussah wie ein großes Flugzeug, das gerade in den Boden kracht.

Ich setzte mich an den Brunnen, der um das Denkmal herum verlief und holte mein Handy heraus. Es gab seit zehn Jahren jetzt nur noch Handys von der Firma Apple, da diese die Hologramm Technologie entwickelt hatten, und es sich sofort hatten patentieren lassen.
Mein Handy war zwar etwas veraltet, war aber noch aus diesem Jahr. Es war etwa 20 cm breit und hoch, und ließ sich zusammenfalten wie ein Papier. Wenn man es anschaltete, leuchtete zuerst der Apfel auf der Rückseite auf. Danach musste man es auf den Boden legen, und hatte dann ein Hologramm über dem Papier des Handys, das man mit den Händen bewegen konnte.
Ich navigierte über das Internet Icon, das aussah wie ein Kompass, und suchte bei Google nach Stellenangeboten. Innerhalb weniger Millisekunden hatte mir das Programm von google errechnet, dass ich nach Biologiestellenanzeigen suche, und dass ich gerade gefeuert worden war.

Ich suchte und suchte, aber alle Stellenangebote gehörten nicht zu meinem Bereich, oder waren in so hoch angesehenen Firmen, dass sie für mich unerreichbar waren.

„Wollte ich nicht was essen gehen?“, fragte ich mich und ging zum nächstgelegenen „Pill2go“. Ich bestellte einmal Pommes mit Bratwurst und hielt meinen Auffangbecher an den Automaten und mit der anderen Hand meinen Daumen an den dafür vorgesehenen Scanner. Dieser scannte meinen Vitamin- und Nährstoffgehalt und eine Pille flutschte aus dem Schlitz in meinen Becher. Dazu bekam ich ein Spray, das nach Pommes mit Bratwurst schmeckte und machte, dass die Pille leichter in meinen Magen rutschen würde.

Ich hatte immer noch sehr schlechte Laune, wegen meines Chefs und da ich wusste, dass in der nächsten Zeit nichts in meinem Beruf frei sein würde, beschloss ich, nach Hause zu fahren und mich erstmal auszuschlafen. Ich hatte keine Lust zu Fuß nach Hause zu gehen, und ging deshalb in den nächsten Applestore, die es mittlerweile überall gab – allein im Einkaufszentrum gab es 30 Verschiedene.
Ich kaufte mir ein Hoverboard, das eigentlich nur ein grünes Brett mit Anti-Erdanziehungskraft war, und deshalb mehrere Zentimeter über dem Boden schwebt. „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich auch meine Eltern besuchen.“

Es kam nicht besonders oft vor, dass ich alleine in der Festung war, und nichts zu tun hatte. Ich fuhr mit meinem neuen Hoverboard, über den Gummiboden der Festung, da man mit dem Hoverboard nicht in die Magnetbahn durfte. Als ich an der Westschleuse ankam, waren schon mehrere Minuten vergangen.
Ich stellte mich in den Fahrstuhl und fuhr in den -2765. Stock, in dem meine Eltern lebten. Die Wohnungen waren unterirdisch, damit die Bewohner im Falle eines weiteren Atomangriffs weitestgehend geschützt wären. Die älteren und reicheren Bewohner lebten unterhalb des -1000 Stocks und die jungen, starken und armen darüber.

Der Fahrstuhl war nicht besonders schnell, also hatte ich mehrere Minuten Zeit. Ich holte mein Handy erneut heraus, und schickte eine Facebook Nachricht an meinen Vater, dass ich gleich vorbeischauen würde.
Er sah die Nachricht, aber antwortete mir nicht.
Ich wunderte mich nicht darüber. Meine Eltern waren nicht mehr besonders nett zu mir, seit sie wussten, dass ich außerhalb lebe. Meine Mutter sah mich, nachdem ich es ihnen erzählt hatte, entgeistert an und sagte: „Wie kannst du uns so etwas nur antun?“

Als ich gerade etwas von wegen „Warum antwortest du mir nicht?“ an meinen Vater schreiben wollte, wurde ich von einem „PING“ aus meinen Gedanken gerissen. Der Fahrstuhl ging auf, und die etwas wärmere Luft strömte mir entgegen.
Ich stieg aus, und ging den langen Gang entlang, dessen Wände rot, für die Farbe der Oberschicht, gestrichen waren. Alle 10 Meter waren an den Wänden Wohnungstüren, und zwischen den Türen gab es immer eine kleine Glaskuppel, mit Löchern in der Decke, in der eine Pflanze war, die anhand der Fotosynthese das Kohlendioxid in der Luft benutzte und chemisch daraus Sauerstoff und Glukose machte. Das Licht, das sie dazu brauchte, bekam sie von der künstlichen Sonne, die durch die Wände der Festung scheinen konnte. Deshalb gab es in der Festung keine Lampen und auch keinen Schatten.

Ich klingelte an der Tür meiner Eltern. Niemand machte auf. Ich klingelte noch mal, und nach ein paar Minuten noch ein drittes Mal. Ich wunderte mich, wo sie waren.
„Irgendwas ist hier komisch. Zuerst kommt mein Chauffeur nicht, dann werde ich einfach aus so einem komischen Grund gefeuert und dann fehlen auch noch meine Eltern.“

Ich fuhr mit meinem Hoverboard zurück zum Fahrstuhl, und dann zur Schleuse im Bereich Süd. Wieder hielt ich meine Kennungskarte vor den Scanner. Ich zog meine Rüstung, die ich aus der Kammer geholt hatte, wieder an und machte mich auf den Weg nach Hause. Ich war sehr froh, dass ich mir das Hoverboard gekauft hatte, und so nicht zu Fuß laufen musste.
Als ich nach Hause kam, schwebte ein großes Fahrzeug vor meiner Tür. Es hatte eine schwarze Lackierung, und war wohl sehr teuer gewesen. Ich ging hinein, und traute meinen Augen kaum. Vor mir standen meine, zwar 318 und 319 Jahre alten, aber dennoch gut in Form gebliebenen Eltern. Mein Vater sah mich vorwurfsvoll an und meine Mutter hatte einen eher mitleidigen Blick. Ich wunderte mich einfach nur noch.

„Guten Tag, mein Sohn!“ Mein Vater trug einen schwarzen Anzug. Er wirkte, wie immer, sehr streng. „Hast du uns erwartet?“

Ich schaute ihn verwundert an. „Wieso sollte ich?“

„Wundert es dich gar nicht, warum heute so viel Unerwartetes passiert?“

Natürlich tat es das, aber was hatten meine Eltern damit zu tun? „Doch“, sagte ich, „Wieso seid ihr hier?“

„Nun es ist so“, fing meine Mutter an, aber mein Vater hielt ihr mit einer rüden Bewegung die Hand vor den Mund.

„Es ist so mein Sohn: Wir haben uns informiert und laut einer sehr bekannten Firma im Internet sind die Strahlen, denen du hier draußen ausgesetzt bist, sehr ungesund. Wir haben alles in die Wege geleitet, damit du zu uns in die Festung ziehst“, sagte mein Vater.

„Aber ihr könnt doch nicht…“, fing ich an.

„Wir haben geahnt, dass du dich wehren würdest, deswegen haben wir deinen Chauffeur bestochen. Deine einzige Möglichkeit, einen Job zu bekommen, ist, in die Festung zu ziehen, weil du dann keiner von außerhalb mehr bist.“

Aber hier war mein Zuhause. Ich war verzweifelt, und wusste nicht wie ich reagieren sollte, also guckte ich meine Mutter an. Diese mied meinen Blick und guckte betreten zu Boden. Ich wolle auf gar keinen Fall in die Festung ziehen. Dort gab es so etwas wie frische Luft nicht und die fehlenden Schatten, der künstlichen Sonne waren sehr irritierend.

„Das könnt ihr doch nicht machen“, sagte ich.

„Klar können wir“, sagte mein Vater. „Wenn es um den guten Ruf unserer Familie geht, dürfen wir alles.“

„Aber“, fing ich an, wurde jedoch von meiner Mutter unterbrochen.

„Weißt du, was es für unsere Familie bedeutet? Wir werden von allen Seiten komisch angeguckt. Ich spüre überall die Blicke.“

Ich wurde immer verzweifelter und wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Also schwieg ich, und mein Vater sah das als Möglichkeit, mich weiter zu überzeugen. „Komm mit uns, Sohn.“

Ich war verzweifelt. Ich hatte gar keine andere Möglichkeit, als mit ihnen zu gehen. „In der Festung ist es stickig, und diese künstliche Sonne ist total irritierend.“

„Du kommst mit uns. Keine Widerrede.“

„Warum denn?“

„Weil ich das sage“

„Aber du kannst es mir wenigstens begründen.“

„Unsere ganze Familie leidet darunter, dass du von außerhalb bist, also komm bitte einfach mit.“

„Ich hasse die Festung.“

„Das ist mir egal.“

„Ich bin von außerhalb, weil ich einer der wenigen Menschen bin, die die Strahlen abkönnen“

„Du bist nicht der Einzige.“

„Aber ich mache Platz in der Festung, für alle, die die Strahlen nicht abkönnen.“

„Das ist mir egal, du kommst jetzt mit!“

Blitzschnell kam mir eine Idee in den Kopf. „Was bringt es mir denn, wieder zurückzukommen, mein Chef hat mich doch sowieso ‘rausgeworfen‘ und nirgendwo ist etwas anderes frei.“

„Ich werde persönlich mit deinem Chef reden und ihm die ganze Sache erklären.“

Das war das, was ich wissen wollte. „Na gut!“ Ich tat so, als hätten sie mich umgestimmt und ging in mein Schlafzimmer, um meine Sachen zu packen, die ich in eine der Apple-Taschen packte, die von innen viel größer waren als von außen und folgte meinen Eltern dann zu ihrem Fahrzeug. Es war sehr geräumig und vorne saß ein Chauffeur. Nachdem meine Eltern sich zu uns gesellt hatten, fuhren wir innerhalb von drei Sekunden zur Festung. Meine Eltern redeten während des gesamten Weges, vom Auto zu ihrer Wohnung kein einziges Wort mit mir. Als ich fragte, wo ich denn schlafen würde, sagte meine Mutter nur: „Du kriegst ein Zimmer.“

In der Wohnung meiner Eltern war es wenigstens kühl, und nach meinem sehr langen und sehr anstrengenden Tag war ich natürlich sehr müde. Es war nun schon fast 9 Uhr und ich saß auf meinem eben erst bezogenen Bett. Ich plante auf meinem Handy, wie ich es machen würde, und ich hoffte, dass meine Eltern es mir nicht übel nehmen würden.

Ich sagte meinen Eltern, dass ich nur kurz in die Stadt fahren würde, und fuhr dann zum Einkaufszentrum in der Mitte der Festung. Ich holte mir eine weitere Pille, diese mit Pizza Geschmack, mischte dieses Mal allerdings eine Menge Koffein hinzu, so dass ich nicht mehr müde war. Mein Hoverboard und meine Apple-Tasche hatte ich mitgenommen, und fuhr nun zu der südlichen Schleuse. Nach 20 Uhr durfte normalerweise niemand die Festung verlassen, also musste ich einen Weg finden, unbemerkt heraus zu kommen.
An den Schleusen gab es Wachen, also musste ich entweder irgendwie unterirdisch oder über das Dach abhauen. Ich überlegte kurz, und fuhr zurück in die Stadt.

Dort gab es einen Laden, der Sportutensilien verkaufte, und auch kleine Fallschirme. Ich kaufte mir einen und fuhr mit dem nächstgelegenen Fahrstuhl in den 5000ten Stock auf das Dach der Festung.

Normalerweise ist es nicht erlaubt, hier oben zu sein, aber meine Karte wurde hoch gelassen, da ich ja Biologe war und hier oben die Strahlen gemessen wurden. Ich bekam meine Rüstung, die durch das interne Stofflagerungssystem der Festung überall, wo die Karte ist, hingefahren wird, aus der Kammer und fuhr mit meinem Hoverboard über das Dach der Festung. Ich befand mich in gut drei Kilometer Höhe.

Nach ein paar Minuten Hoverboardfahrt befand ich mich am Rand der Festung. Ich war sehr froh, dass ich keine Höhenangst hatte, und so konnte ich die Aussicht über die Weiten der Steinwüste genießen. Der Fallschirm sah nicht sehr vertrauenerweckend aus, aber wenn ich an meine Eltern dachte, verlor ich meine Angst ganz schnell wieder.
Ich folgte den Anweisungen auf der digitalen Bedienungsanleitung und hatte recht bald den Fallschirm an. In weiter Ferne hörte ich einen Schrei. „Ob das wohl von einer der anderen vier großen Festungen der Republik kommt?“, fragte ich mich.

Ich hoffte, dass alles halten würde und sprang. Zuerst spürte ich das Kribbeln, das kommt, wenn der Magen an das Zwerchfell gedrückt wird. Die Luft strömte gegen mein Gesicht und ich fiel immer schneller. Ich öffnete meinen Fallschirm, und glitt nun langsam in Richtung Erde. Ich hatte mein Hoverboard in meine Tasche gepackt und hatte sie vor mir herfallen lassen, da ich wusste, dass sie soweit gepanzert war, dass der Aufprall die Sachen nicht beschädigen würde.

Ich hörte einen dumpfen Schlag, der mir sagte, dass die Tasche auf dem Boden aufgeprallt war und ich war auch nur noch höchstens 20 Meter vom Boden entfernt. Als ich ankam war ich erleichtert, aber ich musste mich beeilen, da mich sonst eine der Wachen bemerken würde.

Ich fuhr so schnell wie möglich in Richtung zu Hause. Meine Eltern würden sauer sein, sobald sie begriffen hatten, dass ich nicht zurückkommen würde, aber das war mir egal.

Ich kam bei meinem Haus an und war überglücklich, zu Hause zu sein. Ich hatte die kleinen Echsen, die an den Wänden herum wuselten schon nach den wenigen Stunden vermisst. Ich legte mich schnell in mein Bett, denn die Koffeinpille hatte ihre Wirkung schon verloren. Nach diesem Tag fiel es mir nicht schwer einzuschlafen. Das Letzte, was ich dachte war: „Ich werde ja sehen, was ich morgen so für Jobs finden kann.“

Am nächsten Morgen wurde ich von der lauten Stimme meines Chauffeurs geweckt:

„AUFWACHEN, JOHNSON, DU KOMMST ZU SPÄT ZUR ARBEIT!“

Erstaunt sah ich aus dem Fenster. Wieso war der wieder hier?

Er grinste mich an und sagte;. „Ich glaube, deine Eltern haben’s jetzt endlich begriffen.“