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Der Traum

Ich renne los. Wohin? Das weiß ich auch nicht. Ich renne immer weiter, bis ich vor einem Abgrund stehe. Einem tiefen, schwarzen, bedrohlichen Abgrund. Bedrohlich? Was bedeutet dieses Wort überhaupt? Ist etwas bedrohlich, nur, weil wir nicht wissen, was sich dort befindet? Ich weiß es nicht. Genau genommen weiß ich gar nichts mehr. Wohin soll ich nun? Zurück zu dem Haus? Oder hinunter in den unbekannten Abgrund? Ich weiß es nicht, mein Kopf dröhnt. Alles dreht sich und ich spüre ein Stechen in der Brust. Die Entscheidung fällt mir nicht schwer. Ich entscheide mich wie immer genau gleich. Jedes verdammte Mal. Jedes Mal, wenn ich erneut an diese Stelle komme, wähle ich den Abgrund. Ich lehne mich vor, immer weiter. Ich sehe in den tiefen, schwarzen Höhlenschlund und spüre die Angst, die meinen Körper durchfährt. Angst, nichts als pure Angst. Mein Kopf dröhnt immer stärker. Tränen laufen mir über die Wangen. Heiße, nasse Tränen. Ich schließe kurz die Augen und öffne sie dann wieder. Gedanken wirren in meinem Kopf umher. Mit einem Mal höre ich einen ohrenbetäubenden Lärm und lasse plötzlich alles los, was mich noch hier hält. Ich beuge mich weiter nach vorne, ein letzter Atemzug. Ein Lächeln bildet sich auf meinen Lippen und ich lasse mich nach vorne in die Tiefe fallen. Ich spüre die Kälte, alles um mich herum färbt sich pechschwarz. Ein Gefühl der Freiheit überkommt mich.
Ich schrak auf und saß schweißgebadet und weinend in meinem Bett. Es fühlte sich so an, als wäre meine Kehle zugeschnürt. Ich konnte kaum atmen, versuchte zu schreien. Es ging nicht. Ich schlug gegen die Wand, aber niemand hörte mich. Ich war allein, vollkommen allein. Schmerzerfüllt schloß ich die Augen und versuchte, meine Atmung zu kontrollieren. Ich fing an mich zu beruhigen, meine Brust hob und senkte sich langsam. Dann öffnete ich die Augen und saß in meinem lichtdurchfluteten Zimmer. Alles war wieder normal, als wäre nie etwas vorgefallen. Mein Blick fiel auf die Uhr über dem Schrank. 08:29 Uhr. Seufzend drehte ich mich auf die Seite und starrte eine Zeit lang ins Leere. Dieser Traum. Er kam immer wieder und er endete immer genau gleich. Das machte mich wahnsinnig.
Ein schmaler Fußweg verläuft seitlich am Haus entlang an einer Hecke vorbei bis zum perfekt gepflegten Garten auf der Rückseite. Vor der Terrassentür steht ein Tisch mit sechs Stühlen. Ein Steinpfad führt zwischen üppig sprießenden Blumen und Ranken zu zwei Laubbäumen, die direkt vor dem Zaun stehen. Ich mache einen vorsichtigen Schritt nach links, bis ich gerade eben durch das Glas der Terrassentür sehen kann. Direkt hinter der Tür steht ein schwarz gekleideter, maskierter Mann, circa 1,80m groß. Erschrocken ducke ich mich weg. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals und ich presse die Stirn gegen die Wand. Es riecht nach Staub, Hitze und meiner eigenen Angst. Alles ist gut, sage ich mir. Der Mann hat mit dem Rücken zu mir gestanden, er kann mich unmöglich gesehen haben. Ich beiße mir hart auf die Lippe. Ich kann jetzt nicht weg. Nicht, ohne zu sehen, was dort passiert. Ich nehme all meinen Mut zusammen und schaue nochmal durch die Glastür. Meine Augen brauchen einen Moment um zu erkennen, dass es sich bei diesem Raum um die Küche handelt. Sie ist moderner eingerichtet als meine eigene, aber sonst nicht unähnlich – quadratisch geschnitten und groß. Unwillkürlich nehme ich zwei auf dem Boden liegende, ältere Menschen wahr – beide tot und aufs Übelste zugerichtet. Aber der maskierte Mann… Er ist weg. Er steht nicht mehr mit dem Rücken zur Glastür. Stocksteif stehe ich da und traue mich kaum zu atmen. Was ist hier nur passiert? Plötzlich nehme ich ein Rascheln hinter mir wahr. Ich riskiere einen kurzen Blick nach hinten und da sehe ich ihn. Den Mann. Ohne weiter nachzudenken renne ich los. Und das wiederholte sich jede Nacht.
Ich hatte mich so lange nicht gerührt, dass Merlin, mein Kater, der die Nacht mit mir auf meinem Bett verbracht hatte, gähnte, seinen gefleckten Rücken durchbog und davonstolzierte. „Ja, geh nur“, rief ich ihm nach. Ich schälte mich aus meinem Bett und latschte barfuß durch den Flur. Mein Haus war sparsam möbliert und vor allem: sauber. Im Wohnzimmer standen nur zwei graue Sofas von Ikea, ein großer Fernseher und ein kleiner, weißer Tisch. Es gefiehl mir, dass ich überall quer durchlaufen konnte, ohne mir irgendwo den Zeh anzustoßen. Alle Wände waren noch in demselben Weiß, wie bei meinem Einzug. Ich wollte sie nie streichen, ich habe es lieber schlicht. Wie der Rest des Hauses war auch das relativ große Badezimmer ordentlich. Unbewusst rückte ich die Badematte gerade, bevor ich in die Dusche stieg.
Später, sauber und angezogen, kochte ich mir eine Kanne Kaffee. Abwesend lehnte ich an der Arbeitsplatte, während ich darauf wartete, dass der Kaffee durchlief. Die Küche war nicht sonderlich groß, aber sie hatte alles, was sie brauchte. Eine Hintertür führte in den Garten und in der Tür war eine Katzenklappe, welche ich selber eingebaut hatte. Merlin, welcher soeben aufgetaucht war, duckte sich einmal und sprang hindurch. „Schönen Tag dir noch“, murmelte ich und setzte mich mit meinem Laptop und einem Becher Kaffee an den kleinen Tisch im Wohnzimmer. Ich schlug die Beine übereinander und checkte meine Mails. Kaum hatte ich die erste Nachricht geöffnet, klingelte mein Telefon. „Kat hier“, meldete ich mich, während ich las. „Ich bins!“ Es war Anna. „Was gibt‘s, wieso rufst du an?“, fragte ich etwas verwundert. „Ich wollte mich mal erkunden, wie es dir so geht und was du so treibst. Wir haben uns ja echt ewig nicht mehr gesehen!“, stellte sie fest. „Ach du, mir geht‘s ganz gut. Ja, was will man machen. Diese Coronakrise ist wirklich schlimm. Aber sonst nichts Besonderes los hier, ich schreibe immer noch an meinem Buch. Und bei dir? Wie geht es dir?“ „Gut, danke. Läuft den Umständen entsprechend ganz gut. Nervt halt nur, dass wir nicht rausgehen dürfen. Ich fühle mich so eingeschränkt dabei, weißt du. Aber wie läuft es mit deinem Buch? Bist du schon weitergekommen? Du bist nämlich wirklich mit Abstand der kreativste Mensch, den ich kenne!“, erkundigte Anna sich. „Ja, ziemlich weit sogar. Läuft momentan ganz gut, habe ja jetzt genug Zeit zum Schreiben“, log ich. Ich war absolut nicht weitergekommen, seit einer Woche hatte ich die totale Schreibblockade. Wir redeten noch eine ganze Weile über die verschiedensten Dinge. „Du, Kat, geht es dir wirklich gut? Ich weiß ja, dass du momentan deinen Psychotherapeuten nicht sehen kannst und da mache ich mir einfach Sorgen um deinen Zustand, weißt du…“, gestand sie. „Ja Anna, es geht mir gut. Ich bin eine erwachsene, 27-jährige Frau. Mach dir keine Sorgen. Ich muss jetzt auch langsam aufhören, ich habe noch einiges zu tun. Du weißt schon, das Buch und so. Danke für deinen Anruf. Wir hören uns.“ Und damit beendete ich das Gespräch.
Zehn Minuten später saß ich auf dem Sofa im Wohnzimmer und versuchte mich weiter an meinem Buch. Bei dieser einen Stelle kam ich einfach nicht weiter. Ich hatte keine Ideen, mein Kopf war einfach leer. Abwesend schaute ich aus dem Fenster. Draußen schien die Sonne und es war keine einzige Wolke am Himmel zu sehen. Die Bäume fingen langsam an zu blühen und die Vögel zwitscherten fröhlich umher. Normalerweise wäre ich bei so einem schönen Wetter rausgegangen um zu spazieren oder ich hätte mir ein ruhiges Plätzchen gesucht und etwas gelesen, aber bei der momentanen Situation riskierte ich lieber nichts und blieb einfach daheim. Es reicht schon, wenn wenigstens Merlin seinen Spaß draußen hatte. Da ich seit fünf Minuten nur aus dem Fenster guckte und nichts zustande brachte, beschloss ich, es nochmal bei meiner Mutter zu versuchen. Seit knapp einer Woche versuchte ich, sie oder meinen Vater zu erreichen, aber es ging nie jemand ran. Ich hatte die beiden jetzt schon fast einen Monat lang nicht gesehen. Und ich konnte auch nicht zu ihnen fahren. Sie waren 56 und 59 Jahre alt und somit gefährdeter als ich, ich wollte kein Risiko eingehen. Es klingelte etwa acht Mal, dann ging die Mailbox ran. Ich runzelte die Stirn. Es war ungewöhnlich für meine Mutter, nicht an ihr Telefon zu gehen oder wenigstens später zurück zu rufen. Ich probierte es nochmal. Acht Mal klingelte es und wieder die Mailbox. Ich beschloss, die Nummer meines Vaters zu wählen. Zu meiner Überraschung landete ich direkt auf der Mailbox. Es war schon komisch, wo sollten die beiden momentan stecken, wenn nicht Zuhause? Und wenn sie doch Zuhause sein müssten, wieso ging dann niemand ans Telefon?
Ich bin völlig außer Atem, aber ich renne trotzdem weiter. Immer weiter und weiter, ohne mich umzudrehen. Ich weiß nicht wohin, einfach geradeaus. Immer weiter. Ich versuche zu schreien, aber mein Mund ist trocken, meine Kehle zu. Ich bekomme keinen einzigen Laut raus. Das darf nicht passiert sein, das darf einfach nicht wahr sein. Es ist meine Schuld, alles meine Schuld. Ich hätte da sein müssen, ich hätte es verhindern können. Ich hätte nachdenken müssen. Ich wusste doch, dass etwas nicht stimmt! Wieso habe ich nichts gemacht? Bleib ruhig, sage ich mir immer und immer wieder. Aber es geht nicht, ich kann nicht ruhig bleiben. Nicht jetzt, nicht hier. Ich muss weiter, ich muss hier weg. Noch etwa 200 Meter, dann bin ich bei dem Abgrund. Ich laufe immer weiter. Kurz vor dem Abgrund bleibe ich stehen. Ich drehe mich nicht um. Ich kann nicht klar denken, mein Kopf tut weh. Das Stechen, ich spüre es in der Brust. Es hört nicht auf. Ich überlege nicht weiter, sondern springe. Springe hinunter in den Abgrund. Ein weiteres Mal.
Erschrocken setzte ich mich auf. Ich saß immer noch auf dem Sofa, es ist alles wie vorher. Atmen, sagte ich mir. Atmen. Ich fing an, meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen und mich zu beruhigen. Ich saß sehr lange so da, bis ich bemerkte, dass Merlin mich beobachtete. Er miaute beharrlich und strich mir um die Beine, als ich aufstand und in die Küche ging. Schweigend fütterte ich den Kater. Eine Weile lehnte ich an der Arbeitsplatte und sah ihm beim Fressen zu, ohne ihn wirklich zu sehen. Ich wusste, dass ich mir nicht so viele Gedanken über diese Träume machen sollte. Es waren schließlich nur Träume, was sollte schon groß dabei sein? Aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal sah ich, wer diese Menschen auf dem Boden waren. Diese toten Menschen. Es waren meine Eltern. Und der Gedanke, dass ich sie seit einer Woche nicht mehr gesehen habe und jetzt sowas träumte, schnürte mir die Kehle zu. Albträume war ich ja gewohnt. Aber das konnte doch alles kein Zufall sein? Ich versuchte noch einmal, sie anzurufen. Mailbox, etwas anderes hatte ich auch nicht erwartet. Ich versuchte mir einzureden, dass ich mir keine Sorgen machen brauchte. Das alles ließ sich bestimmt ganz einfach erklären. Ich dachte eine Weile nach und beschloss im Endeffekt, mich mit etwas anderem zu beschäftigen. Mit etwas, was mir immer geholfen hat. Ich schnappte mir meine Gitarre aus dem Schlafzimmer, setzte mich ins Wohnzimmer und begann zu spielen. Wenn ich Musik machte, verging die Zeit immer wie im Fluge. Und so auch dieses Mal. Ich unterbrach das Spielen nur einmal, und zwar um etwas zu essen. Sonst spielte ich durchgehend bis es Abend wurde. Ich legte die Gitarre beiseite und schaltete den Fernseher ein. Merlin kam gerade durch die Katzenklappe hinein und fraß das Übriggebliebene aus seinem Napf. „Das reicht aber für heute“, rief ich ihm vom Sofa aus zu. Er blickte auf und begab sich geradewegs neben mich auf das Sofa. „Was passiert nur mit der Welt?“, murmelte ich in mich hinein. Merlin fing an zu schnurren, sobald ich mit meiner Hand durch sein Fell fuhr. „Wenigstens bekommst du von dem Ganzen hier nicht wirklich etwas mit, hmm“, flüsterte ich ihm zu. Stunden auf dem Sofa vergingen und ich schlief ein.
Am nächsten Morgen wachte ich etwa gegen 9:30 auf. Es schien wie ein ganz gewöhnlicher Morgen, es war ruhig. Es war zu ruhig. Irgendwas war anders. Ich träumte heute Nacht nichts. Die heutige Nacht handelte nicht von einem maskierten Mörder, toten Menschen oder einem Abgrund. Heute Nacht war eine ruhige Nacht.
Den Vormittag verbrachte ich mit Routineaufgaben. Ich räumte das Haus ein wenig auf (auch wenn es kaum etwas zum Aufräumen gab), kochte etwas zu Essen und versuchte es nochmal bei meinen Eltern. Nichts, nur die Mailbox. Wieder. Ich fasste einen Entschluss. Ich würde zu den beiden fahren, noch heute. Ich hielt das nicht mehr aus, so unwissend zu sein. Es gab keinen Grund für sie, so lange nicht erreichbar zu sein und ich machte mir langsam wirklich Sorgen. Die Menschen sollen zwar zuhause bleiben und nur für wirklich Wichtiges, zum Beispiel um Lebensmittel zu besorgen, das Haus verlassen, für mich war das hier jetzt aber wichtig. Es war 14 Uhr und ich hörte in die Nachrichten rein. Nicht wirklich etwas Neues. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich nicht gesenkt, teilweise war sie sogar gestiegen. Ich füllte noch schnell Merlins Napf auf, schnappte mir eine Schutzmaske, welche ich direkt aufsetzte, und die Autoschlüssel und verließ das Haus. Ich stieg ins Auto und fuhr los. Meine Hände fühlten sich taub an auf dem Lenkrad. Der Himmel war voller grauer Wolken, es könnte jeden Moment anfangen zu regnen. Vor mir lagen noch etwa Zehn Minuten Fahrzeit. Ich entspannee meine Muskeln und schaltete das Radio ein.
Ich fuhr geradewegs auf die Einfahrt meiner Eltern zu. Mittlerweile war der Himmel wieder etwas aufgeklart, wirklich hell war es trotzdem noch nicht. Ich parkte direkt vor der Haustür und stieg aus dem Wagen. Der Rasen war ordentlich gemäht, aber ansonsten war die Anlage phantasielos. Zwei Fahrräder lehnten an der Wand, daneben stand ein verrosteter Grill, der aussah, als wäre er länger nicht benutzt worden. Wurde er auch nicht. Es gab große Fenster, die nach hinten hinausgingen und eine Hintertür, von der aus drei Stufen auf eine Terrasse führten. Ich ging zur Haustür, meine Maske natürlich immer noch aufgesetzt, und klingelte. Ich wartete, klingelte nochmal, wartete und wartete, aber nichts passierte. Keine Reaktion. Es wirkte so, als sei keiner zu Hause. Aber wo sollten sie denn schon sein? Vor allem jetzt. Ich klingelte noch einmal und als keine Reaktion kam, beschloss ich, an die Hintertür zu gehen. Das habe ich immer gemacht, als ich noch klein war. Meine Eltern hatten mich so schneller bemerkt. Ich ging den Kiesweg entlang, bis ich in den Garten kam. Ich stellte mich vor die Terrassentür und wollte gerade klopfen, als ich schlagartig erstarrte. Meine Eltern… Sie waren tot. Sie lagen dort, vor mir auf dem Boden. Tot.
Wenn das schlimmstmögliche Ereignis endlich eintritt, überkommt einen eine Art eiskalte Ruhe. Alles wird gefährlich still. Ich hielt die Luft an. Ich konnte nicht mehr atmen. Mein Kopf… er fühlte sich an, als würde er gleich explodieren. Ich wollte gerade die Tür aufschieben, als ich ein Rascheln hinter mir wahrnahm. Ich drehte mich um. Der maskierte Mann. Er befand sich gute 50m weiter weg und kam geradewegs auf mich zu. Ich fing an zu laufen. Der Traum. Der Traum ist zur Wirklichkeit geworden. Ich habe es vorhergesehen. Aber Moment, das bedeutet auch… Der Abgrund.

– Viktoria

Mein Leben in der Quarantäne

Eigentlich ist mein Leben normal ich habe tolle Besitzer und das Futter geht auch klar. Doch seit 5 Wochen hat sich etwas geändert. Es begann alles damit, dass meine Besitzer wie jedes Jahr eine Woche in die Schweiz Ski fahren fuhren. Zu dem Punkt muss ich mich kurz beschweren, denn die Nachbarin, welche mich dann immer füttert, ist sehr sparsam mit meinem Katzenfutter, was eine echte Schande ist.
Das Besondere dieses Jahr war, dass meine Familie einen Tag früher als geplant nach Hause kam. Später erfuhr ich, dass sie nicht bei dem Vater meiner Lieblings Besitzerin waren.
Richtig schlimm wurde es, als dann am Montag die Schule für die beiden nervtötenden Mädchen wieder anfangen sollte. Bei der einen ist es ja normal, dass sie montags erst spät aufsteht, aber die andere ist der Grund, warum ich normalerweise immer morgens um sechs aus dem Bett geworfen werde.
Doch was ich an dem Montag nicht wusste: Es sollte die nächsten Wochen so weitergehen.
Seit diesem Montag sind nun fünf Wochen vergangen und es ist der 15.4.2020 letztes Wochenende war Ostern, was auch sehr besonders dieses Jahr war, da sie zu Hause waren, worüber ich mich eigentlich nur freuen kann, denn ich habe so mehr Futter bekommen, weil mich sonst wieder die Nachbarin mit ihren kreischenden Kindern gefüttert hätte. Diese Kinder sind mega aufdringlich!
Aber ein Ostern zuhause bedeutet auch, dass ich raus muss, denn das einzig angenehme bei der Nachbarin ist, dass ich nicht raus muss, aber so musste ich raus. Warum ich nicht rausgehen will? Das hat einen einfachen Grund und zwar wurde ich als kleine Katze mir selbst überlassen.
Seitdem habe ich genug vom draußen sein.
Alle zwei Tage werde ich aber rausgeschmissen und diese Ostern wegen des schönen Wetters sogar jeden Tag.
Es ist komisch so oft Leuten in unserem Haus zu begegnen, normalerweise habe ich mindestens 5 stunden Ruhe und das Haus für mich.
Außerdem gibt es viel mehr Streit. Es ist sehr viel entspannter, wenn die Mädchen in der Schule sind und die beiden anderen auf der Arbeit.
Meiner Meinung nach können die Schulen bald mal wieder öffnen dann habe ich wenigstens vormittags meine Ruhe. Diese ganze Quarantäne bringt sowieso nichts. Am Ende gibt es noch zu wenig Futter. Deswegen bin ich dafür, dass Quarantäne bald aufhört! Denn ich halte das nicht länger aus!!
Da liege ich komplett entspannt auf dem Sofa unter meiner Decke und dann kommt die eine einfach und schmeißt sich fast auf mich drauf. Das ist doch nicht normal schließlich kann man mich unter einer Decke immer noch gut erkennen. Als sie das gemerkt hat, hat sie mir einfach die Decke geklaut.
Und sich bei mir ausgeheult, dass sie kein eigenes Pferd bekommt. Was ich nicht verstehe schließlich hat sie mich und wozu braucht sie bitte ein großes und trampeliges Tier? Der andere beschwert sich das er wegen der Quarantäne nicht Segeln darf die Dritte bekommt gelegentlich einen Kollabs, weil sie sich nicht mit ihren Freunden treffen darf.
Was immer deutlich angenhemer ist, weil sie dann weg ist und mich nicht nerven kann. Und die Vierte, dass sie keine Ruhe mehr hat und sich immer alle nur um sich selbst kümmern statt auch mal im Haushalt zu helfen. Außerdem regt sie sich darüber auf, dass ich mich weigere raus zu gehen.
Nachdem verkündet wurde, dass das ganze noch 2 Wochen so weiter geht, habe ich einen Kollabs bekommen. Noch einmal 2 Wochen halte ich nicht aus!

– Cara

Mein Leben in der Quarantäne

In einem Dorf, westlich von dem größten Dschungel der Welt lebte eine clevere Familie. Die Familie bestand aus drei Kindern und zwei Erwachsene. Ben war ein abenteuerlicher, 12 jähriger, cleverer und starker Junge. Das Wichtigste an Ben war, dass er couragiert war. Ben hatte Zwillinge als Geschwister, die ohne Pause redeten und Ben nervten. Wenn es sich um Organisation handelte, kannten sich die Zwillinge überragend aus. Bens liebevollen, brasilianischen Eltern waren Forscher, die den kolossalen Dschungel erforschten. Doch am 6.12.2019, passierte etwas grauenhaftes. Ein Virus hat sich angefangen zu bilden. Das Virus nannten sie Corona. Das Coronavirus kam von China bis zu dem Dorf. Später bekamen die Eltern dieses grauenhafte Virus. Die Eltern fühlten sich sehr schwach. Da kam Ben auf eine wundervolle Idee: „Ihr müsstet eine Karte haben, wo draufsteht, wo das Heilmittel ist!“ Der Vater von Ben formulierte: „Vor ein paar Wochen als ich und deine Mutter durch den Dschungel gewandert sind, fanden wir einen alten Stuhl, der echt staubig ist, ihr werdet nicht mal seine richtige schöne Farbe sehen. Neben dem Stuhl lag eine Karte, die auf Griechisch geschrieben war. Ich habe sie übersetzt und es bedeutet, wer diesen Stuhl betritt, hat den ersten Teil vom Verhindern des Virus, doch man muss viel Köpfchen haben, um immer weiter zu kommen. Doch es gibt einen Nachteil: Der Stuhl ist ganz nördlich im Dschungel.“ Am nächsten Tag packten der mutige Ben und die organisierten Zwillinge ihre Sachen, aber sie nahmen nur einen großen Rucksack mit, wo alles drin war: Lebensmittel, Bärenspray, Taschenlampe und viele andere Dinge. Sie verabschiedeten sich von ihrem Dorf und zogen los.

Sie zogen von grün zu grün. Die Sonne schien sehr hell und war gerade jetzt sehr effektiv. Die Geschwister kamen an vielen besonderen roten Pflanzen vorbei, jedoch hier sollte niemand rumsitzen, und forschen und auch nicht die schöne Natur stören. Schließlich zogen sie weiter. Doch dann kam ein leichtes, aber gut zu hörendes Rascheln. Ben drehte sich ganz langsam um, so langsam, dass ihn eine Schildkröte überholen könnte. Mutig rief er: „Leute hört ihr auch dieses Rascheln, falls ja, dann sollten wir wegrennen. Leute! Leute?“ Ben drehte sich um und sah, dass die Zwillinge weg waren. Ben dachte: “Nein was werden Mama und Dad sagen, wenn die Zwillinge einfach verschwunden waren.” Mit Trauer zog Ben tapfer alleine weiter. Auf einmal hörte er ein Auto hupen: BUB! BUB! BUB! BUB! Auf dem Auto saß ein junger Mann mit Kleidung voller Matsch und sein Kopf sah wie ein Vogel aus. Doch hinter ihm saßen zwei Mädchen. Ben glaubte es nicht: Es waren seine nervigen, aber auch mutigen Geschwister. Ben fragte mit Neugier: „Wo wart ihr und wer ist dieser Mann?“ Die Zwillinge antworteten sofort: „Das ist ein Freund von unserer Mutter und als er uns entdeckt hat, nahm er uns sofort mit, weil er auf uns aufpassen will.” Ben hatte neben ihm immer noch ein schlechtes Gewissen während der Fahrt. Der Mann wusste anscheinend, wo sie hin mussten, denn nach den langweiligsten Stunden von Bens Leben waren sie bei einem alten, staubigen Stuhl angekommen. Ben wusste sofort, dass es genau der Stuhl war, den sein Vater ganz genau beschrieben hatte. Ben setzte sich auf den Stuhl er dachte, dass er sinkt, doch der sank nicht. Er blieb für mehr als zwei ungenießbare Stunden stehen. Schließlich sank der Stuhl. Er sank schneller als gedacht. Nach dem alle gesunken waren, fielen sie in einen ganz stockdunklen Raum. Man konnte einfach nichts sehen, deswegen nahmen die Zwillinge die Taschenlampe. Als sie wieder sehen konnten, sahen sie, dass es sehr viele Statuen gab, die alle gleich aussahen. Die Statuen hielten alle eine Lampe, die Gold angemalt war, aber die sahen alle nagelneu aus. Der junge Mann hat sich sehr erschreckt, als er die größte von allen sah: „AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!“ Die größte von allen stand so wie ein Superheld und bestand nur aus Gold. Die größte Statue fing dann an zu reden: „Ihr wollt eine Karte für euren Virus richtig?“ „Woher weißt du das?“, fragte Ben. Die Statue antwortete: „Pf. Dazu ist man doch hier.“ „Richtig.“ „Es ist einfach. Seht ihr die anderen Statuen? Die helfen euch, um rauszukommen, wenn ihr den Weg nach draußen wisst, zeigt es mir, wenn ihr es geschafft habt, überreiche ich euch die Karte. Ben rief: „Wir teilen uns auf. Einer geht immer einen hinter und vor die Statuen. Die Suche begann im Spaß, doch dann wurden alle immer genervter. Sie kamen die ganze Zeit an Sackgassen. Das Team traf sich wieder in der Mitte. Da hatte eine der Zwillinge die beste Idee ihres Leben. Sie sagte: „Seht ihr wie das Gold der Statuen in der Mitte scheint, das sollte der Weg sein.“ Als sie diese Worte gesagt hatte, kam ein Seil, wo sie draufkletterte. Es hatte tatsächlich geklappt. Alle sind wieder rausgekommen. Als Ben rausklettern wollte, überreichte ihm die Statue die Karte. Oben angekommen, lasen sie die Karte. Das Team musste in dem Atlantischen Ozean einen Tempel finden, wo das Heilmittel drin ist. Der junge Mann hatte ein Boot, womit das Team fahren konnte. Sie liefen zu seinem Boot. Alle stiegen nervös ein und dann begann die Fahrt. Die Zwillinge waren Seekrank, deswegen schliefen sie die ganze Zeit. Schließlich kamen sie an ihrem Ziel an. Ben zog ein Schwimmanzug an, genauso wie der alte Mann. Die Zwillinge schwammen mit ihren normalen Kleider. Alle tauchten runter. Ben sah sofort etwas leuchten, wo er dann hin schwamm. Alle sind mit ihm geschwommen, sogar die Fische. Als er den Tempel berührte, erstrahlte alles in einem hellen Glanz. Ben und seine hilfreichen Kameraden gingen hinein. Da hörten sie von allen Seiten eine Stimme: „Das dahinten ist das Heilmittel, geht einfach dadurch, ohne getroffen zu werden. Holt es euch und fertig.” Doch dann löste der Mann alle Fallen aus und rief: „Das einzige was ich wollte, ist euch zu töten, weil ich eure Familie hasse.“. Sie sprangen zur Seite und wurden fast von den Pfeilen getroffen. Die Geschwister konnten den Kanonen und den spitzen Pfeilen ausweichen. Auf einmal hatte Ben eine Idee: „Wir benutzen den Verräter als Schutzschild.“ Ben sprang auf den Fremden, hielt ihn ganz fest und nutzte ihn als Schutzschild. Er ging mit Mut zum Heilmittel schnappte es sich und die Geschwister verschwanden. Der verrückte Fremde lag da Tod auf den Boden.

Die Geschwister gingen zurück und konnten rechtzeitig alle wieder gesundmachen. Sie wurden als Helden des Dorfes ernannt. Sie sind auch heute noch die Bekanntesten der Erde und haben einen Nobelpreis gewonnen.

– Safealdien Ayoub

Mein Leben in der Quarantäne

Es war 14.00 Uhr, als ich von meinen Hausaufgaben aufsah. Ich brauchte eine kurze Pause.
Mir kam der Gedanke, wie jeden Tag meine kleinen Pflanzen in meinem Gewächshaus zu gießen.
Ich ging also in die Küche, füllte meine kleine Gießkanne mit Wasser und wollte gerade wieder in mein Zimmer gehen, als meine große Schwester mir auf dem Weg in die Küche entgegenkam und mich fragte, ob ich mit ihr malen wollte. Ich sagte ja, da ich sowieso keine große Lust hatte, mich sofort meinen Hausaufgaben wieder zu widmen.
Das Malen machte unendlich viel Spaß. Ich malte mit Freude und Engagement. Am Ende hatte ich ein richtiges Kunstwerk. Ich hatte nun ein bemaltes Handtuch und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Doch dann sah ich wieder meine kleine Gießkanne und nahm das Handtuch als Untersetzer dafür. Ich ging die Treppe herauf und stellte dort meine Gießkanne mit dem Untersetzer wieder ab.
Nun musste ich mich wohl oder übel meinen Hausaufgaben wieder zuwenden. Ich knobelte, rechnete, schrieb und las. Nun war aber wirklich Feierabend! Ich legte mich auf mein Bett hörte Musik und malte dabei. Da fiel mir wieder ein, dass ich ja meine Pflanzen wässern musste. Ich ging also zu meinen Pflanzen und wollte sie gießen, als mir auffiel, dass das Wasser nicht mehr trist und durchsichtig war, sondern in allen Regenbogenfarben glitzerte und schillerte.
Ich dachte mir nur so: „Vielleicht bin ich etwas übermüdet von den Hausaufgaben.
Es waren heute schließlich echt viele. Oder ich habe einfach sehr doll Hunger.
Beides stimmt auf jeden Fall.“
Ich goss also meine Pflanzen und ging dann runter, um etwas zu essen. Es gab heute zu Abendessen Kartoffeln, Soße und Erbsen. Ich war todmüde und legte mich zufrieden ins Bett.
Als ich morgens aufwachte, fing ich an zu lesen und machte die Gardinen auf. Da fiel mein Blick auf die Pflanzen. Ich erschrak. Sie waren regenbogenfarben und sangen dazu. Einige waren so hübsch,
wie sie nur in einem Bilderbuch hätten sein können. Aber das Handtuch, was als Untersetzer diente, hatte seine ganze Farbe verloren. Wie schade! Es war doch so ein schönes Handtuch gewesen.
Jetzt war ich aber gespannt! Hatte das Handtuch etwas mit der Färbung der Pflanzen zu tun? Vielleicht wird man ja reich, wenn man so eine Pflanze verkauft. Was würden meine Eltern zu dieser „Prinzessinnenpflanze“ sagen? Da riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken.
Ich kannte diese Stimme nicht. Da sah ich, dass eine der Pflanzen Augen und einen Mund hatte und mit mir sprach. Ich erschrak und wich zurück. Aber die Pflanze sang und wirkte gar nicht bedrohlich.
Sie sang wunderschön. Und zwar mit viel Engagement.
Ich starrte die Erdbeerpflanze ungläubig an und stellte mich vor: „Hey, ich heiße Roberta.
Seit wann könnt ihr denn sprechen? Und vor allem wovon könnt ihr sprechen?“ Die Pflanze hörte auf zu singen und guckte mich an. „Ich kann reden? Das habe ich ja noch nie gekonnt! Aber eines weiß ich, seit du mich das letzte Mal gegossen hast, fühle ich mich toll, ich habe Spaß und wachse schnell. Wenn ich mich bemühe, was ich die ganze Zeit mache, wachse ich ungefähr einen Zentimeter pro Stunde. Ich staunte. Genau die gleichen Gefühle hatte ich auch, als ich das Handtuch bemalt habe, welches als Untersetzer für die Gießkanne diente, mit der ich die Pflanzen gegossen habe.
Hatte das irgendeinen Zusammenhang? Die Erdbeerpflanze hatte ja gesagt, dass alles anders war, nachdem ich sie gegossen hatte. Und ich habe das Wasser, das in der Gießkanne war, ja auch in Regenbogenfarben glitzern sehen. Und die Erdbeere hatte genau die gleiche Farbe.
Es musste dort einen Zusammenhang geben. Und als ich lange überlegt hatte, wurde mir klar: Wenn ich Sachen male und unter das Wasser in der Gießkanne lege und dann damit die Pflanzen gieße, nehmen sie die Emotionen an, die ich beim Malen empfunden habe. In den nächsten Wochen malte ich viele Handtücher an und legte sie unter die Gießkanne. Einmal war ich so wütend über meine Schwester, weil sie mich einfach ignoriert hat. Als ich dann malte, das Handtuch unter die Gießkanne
legte und mit dem Wasser, was in der Gießkanne war, eine Pflanze goss, nahm sie eine dunkelrote Farbe an und wurde innerhalb kürzester Zeit zu einer Fleischfressenden Pflanze.
Dies merkte ich daran, dass sie ein Maul bekam und, als eine Fliege vorbeiflog, danach schnappte.
Sie schluckte sie runter und rülpste. Dann geschah etwas, was nicht mehr so witzig war:
Die Pflanze, die von dem Wasser der Wut gegossen wurde, wurde größer und größer, bekam große Fäuste und stieg aus ihrem Topf. Dann rann sie aus dem Haus. Ich überlegte nicht lange und rief meine Freundin Nanda an. Sie fuhr so schnell sie konnte zu mir nach Hause. Erst einmal besprachen wir die Lage und Nanda erzählte: „Auf dem Weg zu dir bin ich an einem Haus vorbeigekommen, welches völlig zertrümmert war. Außerdem habe ich Fußabdrücke von riesigen Füßen gesehen. Waren das die der Fleischfressenden Pflanze?“
„Ja, leider. Ich habe keine Ahnung, wie groß die Gefahr, die von der Fleischfressenden Pflanze ausgeht, wirklich ist.“ Ich machte mich mit Nanda auf den Weg ins Dorf. Der Schaden war groß, wir mussten etwas unternehmen. Wir besorgten uns zuerst viele Haushaltgeräte von mir zu Hause. Dann gingen wir direkt auf die Fleischfressende Pflanze zu. Wir probierten einfach alles. Wir versuchten, sie mit Töpfen zu verscheuchen, mit einem Seil zurück zu meinem Haus zu führen und noch viele andere Dinge. Alles hatte nicht geklappt. Deprimiert saßen Nanda und ich auf einem Stein und grübelten. Da hatte Nanda einen grandiosen Einfall: „Wir können sie hypnotisieren!“ Wir rannten so schnell, wie es ging, nach Hause. Wir nahmen eine große Holzplatte, schnitten einen Kreis aus, malten eine Spirale drauf und brachten sie ins Dorf, wo die Pflanze bereits großes Unheil vollbracht hatte. Wir stellten mit aller Kraft den großen Kreis vor der Pflanze auf. Nanda nahm ein Mikrofon in die Hand und sagte mit einer ganz beruhigenden Stimme: „Du wirst ganz müde und schwach. Du lässt alles in Ruhe. Du gehst zu Roberta nach Hause und setzt dich wieder in den Topf.“ Augenblicklich wurde die Pflanze ruhig und lief wie ferngesteuert zu mir nach Hause. Sie setzte sich wieder in ihren Blumentopf und blieb ganz ruhig. Nun war ich an der Reihe. Ich legte ein Handtuch, das ich mit Freude gemalt hatte, unter die Gießkanne und wässerte die Pflanze mit dem Wasser, was in der Gießkanne war. Nun war wieder alles gut. Wir erzählten meinen Eltern von der unglaublichen Geschichte und die waren froh, dass uns nichts passiert war, und glücklich, dass wir nun zwei Pflanzen als nette Mitbewohner hatten. Wir spielten oft mit den Pflanzen UNO und Monopoly und hatten alle viel Spaß. Später schaukelten wir sogar mit den Pflanzen und lebten trotz Corona noch glücklich weiter.

– Roberta Wrede

In der Schneekugel

Als ich zehn Jahre alt war, entdeckte ich in einem „Tim und Struppi“-Heft ein unbekanntes Wort. „Mama, was bedeutet Quarantäne?“ fragte ich in der Hoffnung, ein neues Wort für meine Sammlung gefunden zu haben. Mama erklärte es mir.
Nein. Das ist nicht ganz richtig. Mama definierte das Wort. Was „Quarantäne“ wirklich bedeutet, konnte auch Mama noch nicht wissen. Ich habe dann lange nicht mehr darüber nachgedacht. „Quarantäne“ war eines der vielen Wörter, die sehr klug klangen, aber in einer Ecke meines Kopfes Staub fingen, weil sich ja doch nie eine Verwendungsmöglichkeit bot. Mindestens genau so staubig war der Begriff Epidemie, der in meinem Geschichtsbuch zusammen mit ein paar sehr unschönen Bildern vorkam, was natürlich nichts ungewöhnliches ist. Über die Hälfte der Bilder in Geschichtsbüchern sind durchaus unansehnlich und abschreckend.
Quarantäne und Epidemien blieben lange Zeit da, wo sie hingehörten, nämlich in meinen Büchern. In meinem rosigen Leben hatten sie nichts zu suchen.

Das aufkeimende Frühjahr brachte auch in diesem Jahr eine Menge Träume mit sich. Meine Freundinnen und ich fingen an große Pläne zu schmieden. Wir wollten Feste feiern, zusammen verreisen und uns besuchen, kurz: endlich den Winter abschütteln und endlich wieder zusammen raus gehen. Ich nahm Anlauf, bereit für das schönste Frühjahr meines Lebens. Und raste gegen eine Wand. Quarantäne und Epidemie waren plötzlich da, wo sie absolut nicht hingehörten: in der Tagesschau. Und in der Zeitung. Und am Abendbrottisch, im Klassenchat, vor der Haustür. Auf einmal saß ich mit meinen Eltern in der Schneekugel.

Fern von allen Normalitäten kommt einem jetzt das sonst banalste Alltagserlebnis so kostbar vor. Liegt es nur daran, dass man sich immer nach dem sehnt, was man nicht haben kann? Ein einfaches Hallo, ein lächelnder Busfahrer, die zahllosen Aufschriften an den Wänden der Schultoilette und sogar früh aufstehen um im Regen zur Schule zu gehen. Sieht mein normales Leben nur durch das Glas der Schneekugel so wunderschön aus? Ohne Frage, meine Schneekugel ist besonders idyllisch. Ich glaube, vom Zufall begünstigt zu sein. Trotzdem war mein Zuhause nie weniger bilderbuchtauglich. Die Schneekugel hat nämlich Fenster, durch die ich in die reale Welt schauen kann, die Ungewissheit und Sorge durch das Glas einlassen, während die Tür verschlossen bleibt. Ohne Zweifel, es ist oft sehr schön in meiner Schneekugel, in der es heute Sonnenschein und Sonntagsfrühstück gibt. Wenn ich hier sitze, barfuß im Gras mit Frühlingswind in den Haaren ist es fast unvorstellbar, dass es ein größeres Problem gibt, als das Gießen der Erdbeeren. In solchen Momenten scheint alles perfekt. Das liegt daran, dass ich mir heute rechteckfrei genommen habe. Denn seltsamerweise sind es immer die Rechtecke, die mich daran erinnern, wie klein meine Schneekugel tatsächlich ist, wie wenig von dem was mein Leben so sehr bereichert tatsächlich hier drinnen . Heute kein Laptop-Bildschirm mit halb fertigen Referaten, an denen ich viel lieber gemeinsam gearbeitet hätte. Keine traurigen Video-calls mit Freunden, die ich nun doch erst im nächsten Jahr wieder sehen werde. Keine Tagesschau, keine Zeitung. Diese beiden Rechtecke sind die zuverlässigsten Hoffnungs- und Stimmungskiller. Ich sitze hier in meiner Idylle und sehe, was draußen passiert, wie meine Welt sich umkrempelt und ich sehe Menschen, die mit wirklichen Problemen zu kämpfen haben.Und ich kann nichts tun als ruhig in meiner Schneekugel sitzen zu bleiben, wo der Frühlingswind so tut als sei nichts geschehen. „Ich helfe der Gesellschaft am besten, wenn ich Zuhause bleibe“. Nicht sehr befriedigend für eine siebzehnjährige Seele, nichts tun zu können als still zu halten und zu warten.
Ein einziges Rechteck ist von der sonntäglichen Verbannung ausgeschlossen, damit ich zumindest das Gefühl habe, nicht nur zum Abwarten verdammt zu sein. Auch heute ist wieder ein Mundschutz fertig geworden. Der steht für mich für einen der größten Verzichte. Dieses Jahr können wir den Frühling nur durch die Corona-Maske einatmen.

Natürlich weiß ich, dass ich in einer rechteckfreien Quarantäne vollkommen durchgedreht wäre. Aber leider erinnern gerade diese eckigen Gegenstände daran, dass das, was mir gerade am meisten fehlt eher runder Natur ist. In meiner Schneekugel sind Umarmungen selten. Erst jetzt, wo ich so viele Menschen nicht mehr treffen kann, die mein Leben reicher machen, fällt auf wie viele von ihnen man jede Woche umarmt hat und wie viele von ihnen jetzt im Leben fehlen. Das Fehlen einer einfachen Geste, die mir das Gefühl gab, nicht überflüssig zu sein und einen Platz zu haben, hat jetzt ein kleines Loch in meinem Leben hinterlassen. Vermissen ist tatsächlich ein Gefühl, dass ich mit meinen siebzehn Jahren jetzt erst wirklich kennen gelernt habe. Ich stellte mich anfangs darauf ein, „nur“ mit meinen Eltern allein zu sein. Aber dazu kam es nicht. Auch jetzt war niemand alleine. Eine Umarmung muss nicht immer auf direktem Weg statt finden. Auf einmal stellte ich fest, dass mein Umfeld voll von kreativen Menschen war, die es vermochten, dass die Sonne nicht komplett hinter der Maske verschwindet. Meine Großeltern hängten an meinem Geburtstag heimlich eine Stoffgirlande in den Garten; Ich bekam lange, handgeschriebene Briefe in denen seltsamerweise so viel mehr stehen kann als in einem Chatverlauf; irgendjemand hatte mit Kreide aufmunternde Sprüche auf die Straße geschrieben. Viele scheinbar kleine Dinge, die uns helfen können, das Lachen nicht zu verlernen, denn das wäre das Dümmste, was wir jetzt tun könnten.
Klar. Wir dürfen die Augen nicht vor den Rechtecken verschließen und die Grenzen unserer Schneekugel akzeptieren, wenn wir ihr einmal entkommen wollen. Ungewissheit und Sorge werden wohl immer in jeder Schneekugel ihren festen Platz haben. Aber es macht die ganze Sache doch ungemein verträglicher, wenn wir trotz des Glases nicht allein darin sitzen. Und das tun wir nicht. Die zwei Meter Sicherheitsabstand gelten nur auf körperlicher Ebene, der Rest ist weiterhin uns überlassen.

– Ilva Lindemann

Corona-Frühling

Es wird endlich wieder Frühling.

Die Blumen, die Vögel,
einfach alles kommt zurück.
Und die Welt ist wieder bunt,
was für ein Glück!
Doch irgendwas fehlt,
wer ist noch nicht da?

Es sind die Menschen,
die sitzen noch in ihrem Haus
mit Mundschutz und Angst
und gehen nicht raus.

Die Läden sind zu,
die Schulen auch
jeder trifft niemand,
das ist g´rad Brauch.

Doch es begab sich genau
zu dieser Zeit,
als niemand war draußen,
weit und breit,
dass die Menschen sich kümmerten,
um all die Leut,
die das Leben schon
besonders lange erfreut.
Und auch um die Schwachen und Kranken,
wird gekümmert
von denen,
die sonst niemand hat gekümmert.

Und so hat sich nicht nur
die Natur neu erfunden,
sondern auch viele Menschen,
und so denke ich,
wird dieser Virus überwunden.

– Lukas Möller

Der Zeitvertreib

12:08
Es glimmerte auf der digitalen Uhr, welche über ihrem Schreibtisch hing. Sie hatte die Uhr damals gekauft, weil sie keine Lust gehabt hatte bei einer gewöhnlichen Uhr die Uhrzeiger ablesen zu müssen. Mit der digitalen Uhr hatte sie sich insgesamt einige Sekunden gespart. Zumindest hatte sie das damals gedacht. Sie wünschte sich nun sie hätte es besser gewusst und sich damals für die gewöhnliche Uhr entschieden. Die Millisekunde mehr, die sie brauchte um die Uhr zu lesen, wäre ein Moment mehr den sie vergeuden konnte und sie so noch näher zum Ende dieses ganzen Wahnsinns bringen konnte.
Natürlich gab es andere Möglichkeiten die Zeit totzuschlagen- in den letzten Wochen hatte sie mehr als nur einige dieser Möglichkeiten selbst ausprobiert- aber inzwischen war sie wirklich dankbar für jede Art von Zeitvertreib.
Natürlich hätte sie ihre Zeit auch produktiv verbringen können, aber es ging einfach nicht. Sie war nie jemand gewesen dem es möglich war von zu Hause aus zu lernen, geschweige denn zu Arbeiten. Es lag nicht einmal daran, dass sie sich ablenkte, inzwischen wäre das Arbeiten oder das Lernen die Ablenkung gewesen, es lag viel mehr daran, dass sie sich einfach nicht konzentrieren konnte in ihren eigenen vier Wänden.
Ihre eigenen vier Wänden von den sie langsam, aber sicher keinen Zentimeter mehr sehen konnte, dennoch konnte sie nicht entkommen. Nein, nicht jetzt wo Corona auf dem Vormarsch war und die Menschen auf der ganzen Welt sich sozial distanzieren sollten. Sie hatte sich selbst niemals als besonders sozial eingeschätzt, wenn sie ehrlich war, hätte eine solche Quarantäne sich vor einigen Monaten noch angehört wie das Paradies auf Erden, doch es war schnell die Hölle auf Erden geworden. Sie vermisste ihre Freunde, sie vermisste die Uni, Himmel sie vermisste sogar den Bahnverkehr am Morgen! Natürlich, war es nicht so, dass sie komplett abgeschottet war. Sie konnte noch raus zum Spazieren und Einkaufen, aber jedes Mal wenn sie einen Schritt aus der Tür tat, würde ihr die Sonne ins Gesicht lachen und sie wurde begrüßt werden von einer Reihe von Menschen, die eigentlich zu Hause sein sollten. Das erinnerte sie nur daran, dass sie noch viel länger zu Hause gefangen sein würde, weil anscheinend kein anderer einen Fernsehen oder ein funktionierende Internetverbindung besaß außer ihr. Den Leuten schienen die Bilder von den Sägen und den verzweifelten Hilfskräften kalt zu lassen. Es machte sie nur wütend, deshalb vermied sie das Rausgehen. Nicht nur, dass sie es sowieso sein lassen sollte, sondern auch weil es sie nur noch mehr an ihre derzeitige Situation erinnerte. Ja, ihre derzeitige Situation- es fühlte sich nicht mehr an wie ihr Leben. Viel mehr erinnerte es sie an ein Sciencefiction Film, in welchem die Erde kurz vor der Apokalypse stand. Sie war keine richtige Person mehr, sondern nur eine Rolle im Film und dann nicht einmal eine wichtige Rolle. Sie konnte sich schon fast von außen sehen: Wie sie morgens aufstand- Moment das tat sie nicht mehr, die meiste Zeit des Tages verbrachte sie sowieso in ihrem Bett, ohne aufzustehen.
Jedenfalls war der Punkt, dass sie nicht mehr Herr über eigenes Leben war. Vielmehr ein objektiver Dritter der das ganze beobachtete. Es fühlte sich einfach surreal an. All das wäre gut und schön gewesen, wenn die Zeit schneller vergehen würde. Aber nicht nur das öffentliche Leben stand still, anscheinend hatte es auch die Zeit erwischt. Die Minuten wollten einfach nicht vergehen. Es fühlte sich inzwischen schon an wie Jahrzehnte seit sie das letzte mal ihr normales Leben genießen konnte und das wurde sich sobald wohl auch nicht ändern. Es war wie in der Schule damals, wenn man mal wieder in der langweiligen Mathestunde saß und die Zeiger der Uhr sich einfach nicht noch vorne bewegen wollten. Nur war es keine langweilige Mathestunde, sondern es war noch viel schlimmer, denn in der Schule wusste man das es nach neunzig Minuten vorbei war und man in Pause gehen konnte. Hier war einfach kein Ende in Sicht. Wer wusste schon, ob es noch Wochen und Monate so weitergehen würde? Nicht einmal Experten waren sich sicher. Das waren keine rosigen Aussichten. Sie wünschte sich, das alles wäre nur eine neunzigminütige Mathestunde, die sie aushalten musste. Das würde alles viel einfacher machen.
Sie lag auf ihrem Bett, welches bei weitem nicht mehr so bequem anfühlte wie noch vor ein paar Wochen – sie wussten es waren Wochen, aber es fühlte sich an wie Jahre zuvor- und überlegte sich, was sie tun konnte, damit die Zeit vergehen würde. Ihre Lernunterlagen lagen schon wieder vergessen auf dem Schreibtisch, ein weiterer Versuch zu lernen kläglich gescheitert. Sie könnte kochen, aber das wollte sie nicht, denn es gab nur ein Gericht das sie derzeit wirklich essen wollte und weil die Menschheit, so verrückt wie sie war, die Regale der Supermärkte leer geräumt hatte von jeder Art von Nudeln, war Spaghetti mit Tomatensauce nun ein weit entfernter Traum für sie. Dabei hatte sie immer angenommen, dass es ein Naturgesetz gab, welches besagte, dass die Spaghetti in den Supermärkten den Studierenden gehörten. Aber anscheinend galten solche Naturgesetze in Krisenzeiten nicht mehr. Sie würde also keine Spaghetti bekommen und deshalb wollte sie nicht kochen. Sie wurde wohl wieder von draußen bestellen. Jemand musste ja irgendwie die Restaurants unterstützen. Jedenfalls sagte sie sich das selbst.
Wenn sie ehrlich war wusste sie nicht wieso sie nicht einfach für sich selbst kochte. Hatte sie nicht immer von all den Dingen geschwärmt, wie Kochen, die sie tun würde wenn sie einmal die Zeit hatte? Jetzt hatte sie die Zeit und tat nichts davon. Es war wirklich lächerlich. Vielleicht lag es daran, dass alles dicht gemacht hatte? Die Angst und Sorge? Oder vielleicht hatte Corona es irgendwie geschafft die ganze Lebensenergie aus ihr raus zu saugen. Sie hatte wenig Kraft für irgendwas und deshalb verbrachte sie den Tag im Bett. Nur verging die Zeit dort nicht. Es war ein ewiger Teufelskreis. Vorbei waren die Tage in denen ihr Bett ihre große Liebe war. Sie hatte bereits Pläne sich ein neues zu holen, wenn sobald all das vorbei war. Sie schaffte es zwar noch mit Freunden und Familie zu telefonieren, doch es war nicht dasselbe. Auch schienen sie beschäftigt mit lernen, was sie nur noch mehr an das erinnerte was sie tun sollte, aber einfach nicht konnte, sodass sie es wiederum vermied mit ihren Freunden zu sprechen. So verging die Zeit noch langsamer und sie fing an Menschen zu vermissen. Sie wusste zumindest, dass sie nach alldem menschliche Interaktion nie wieder für selbstverständlich erachten würde. Zumindest war es noch nicht so schlimm, dass sie einer der Idioten draußen war und sich nicht sozial distanzierte, und schon der Gedanke machte sie wieder wütend… Das schlimmste jedoch war, dass nach all den kalten Wintermonaten ohne auch nur einen Hauch von Sonnenstrahlen sehen zu können, die Sonne einfach nicht mehr weggehen wollte. Sie strahlte so breit wie nie als würde sie die Menschheit verspotten wollen. Es wurde sie nicht einmal überraschen, wenn dem so war. Sie war sich sicher, dass die ständige Sonne ein Grund dafür war, dass die Leute nicht zu Hause blieben. Es schien sie nicht zu stören, dass sie ihre Mitmenschen so in Gefahr brachten. Nicht das man etwas anderes erwarten konnte, wenn sie ganz ehrlich war. Menschen waren schon immer egoistisch und-!
Okay, Pause. Einmal tiefdurchatmen.
Sie seufzte. Sich über all das zu beschweren würde die Zeit, auch nicht schneller vorbei gehen lassen, das war ihr bewusst. Jetzt war es Zeit, dass die gesamte Menschheit zusammen kam und Menschen sich gegenseitig halfen, nicht dafür dass sie sich über andere Menschen aufregte. Wenn zum Helfen gehörte, dass sie einfach mal für einige Wochen zu Hause blieb, dann war das doch wirklich das Mindeste was sie tun konnte. Im Vergleich zu den Jobs der Ärzte, Kassierer und so vielen anderen war ihre Aufgabe doch ein Kinderspiel. Diese Menschen waren offensichtlich nicht dumm, sondern trugen ihren Beitrag zu einer funktionierenden Gesellschaft. Es war doch noch nicht alle verloren um die Menschheit. All das war doch nur halb so schlimm. Im Vergleich zu den Diensten die Menschen früher für ihr Land verrichten musste, war das ein Zuckerschlecken, Sie konnte etwas Zeit zu Hause verbringen. Das war nicht das Ende der Welt. Bald wurde sie wieder ihr normales Leben genießen können.
Wieder blickte sie hoch zur Digitaluhr über ihrem Schreibtisch und wie um sie zu verspotten glimmerte die Anzeige-
12:08
Sie vergrub ihr Gesicht in ihrem Kissen und fluchte. Das war doch alles ein schlechter Film.

– Sofia Seddiq Zai, 21 Jahre.

Mein Leben unter Quarantäne

Das Leben im kinderhaus
Alle finden Quarantäne cool, außer mir. Es ist langweilig, keine Freunde, kein Spaß, Essen schmeckt nach einer Zeit nur noch gleich…
Ich betete, wünschte mir wenn mir wieder mal eine Wimper auf der Brille klebt so fest ich konnte das ich zur schule kann, doch nichts passierte. Tag ein Tag aus machte ich den ganzen Tag das gleiche, jeden verdammten tag. Doch dann kam mein Lieblings Betreuer in mein Zimmer, er sagte heute sei mein Glückstag. Ich hoffte so sehr das wir zur schule durften. Vergeblich… Er meinte dass wir Kuchen hätten. Ich ging runter und nahm mir das ganze Blech und aß alles auf. Ich ging raus um dem See dem man von meinen Zimmer sehen konnte und dachte nach. Als ich in meinen Gedanken Träumte stolperte ich über eine vergoldete Zauberlampe. Ich tat mir am Knie weh. So doch hoffte ich dass es eine echte ist. ich rieb dran und was kam raus? ein richtiger flaschengeist. Naja ich weiß bis heute nicht ob es ein richtiger flaschengeist war aber er sah unheimlich echt aus. jedenfalls meinte er das er Kacklack heißt. Er schien mir sehr sympathisch doch eine Hose hätte er sich schon anziehen können. Er meinte dass ich 3 wünsche frei hätte. Mein erster wusch wäre das ich Millionär wäre mein zweiter Wunsch wäre das ich das größte Haus der Galaxie habe und mein dritter Wunsch ist.

Kacklack meinte das sei doch schwachsinnig beende doch krieg oder den Hunger oder die ganzen Virusse so wie jetzt das Corona Virus? Okay ich bin ein ordentliches Kind und kann auch schlaue Entscheidungen treffen ich nehme alles was du gesagt hast als wünsche. Deine Wünsche sind mir genehmigt.
3 Monate später:
,,Wie ist der Virus, der krieg und der Welt Hunger vergangen Santino?´´
Ganz einfach halte dich an die Regeln und gehe nach deinem Instinkt.

#wirbleibenzuhause

– Santino (12)

Tag 34

Heute ist der 19.04.2020, ein Sonntag, es ist kurz vor 12. Seit dem 16.03.2020 befinde ich mich in der Selbstisolation, das sind fast fünf Wochen in Quarantäne. Vier Wochen und sechs Tage, um genau zu sein – also 34 Tage insgesamt. Eine merkwürdige Zahl wie ich finde, irgendwie surreal. 34 Tage, das sind circa 816 Stunden oder auch 48.960 Minuten oder 2.937.600 Sekunden. Noch merkwürdigere Zahlen, aber so ist es eben.
Ich darf mich vorstellen: mein Name ist Susan, ich befinde mich seit ungefähr 2.937.600 Sekunden in der Selbstisolation und das hier ist meine Geschichte (und nein, mir ist überhaupt nicht langweilig. So gar nicht. Kein Stück. Als ich die Zahl 2.937.600 gesehen habe, habe ich ganz bestimmt nicht gedacht „so hat sich das auch angefühlt“.).
Der Einstieg erscheint möglicherweise etwas komisch, aber ich wollte an dieser Stelle nur verdeutlichen wie lange ich schon in Selbstisolation stecke und alle Leser und Leserinnen höflichst um Entschuldigung bitten falls ich etwas wirr und unzusammenhängend klingen sollte. Meine letzte bedeutungsvolle soziale Interaktion außerhalb meines persönlichen Umfeldes ist 2.937.600 Sekunden her. Man möge mir verzeihen.
Und gut, zugegebenermaßen wollte ich diese Zahlen auch nutzen, um einen dramatischen Einstieg für meine Geschichte zu haben. Ein dramatischer Einstieg für eine, ich entschuldige mich dafür, dass ich hier schon vorweggreife, wenig dramatische Geschichte. Aber wenn das Drama nicht zu mir kommen kann und ich nicht zum Drama, dann überdramatisiere ich meine Situation eben, kreiere mein eigenes Drama, wie es sich für eine echte (Möchtegern-)Schriftstellerin gehört (kurz am Rande: an dieser Stelle würde ich normalerweise ein Emoji einfügen, dieses weibliche Emoji mit der seitlich ausgestreckten Hand neben dem Gesicht – ich hoffe alle wissen welches ich meine! – von dem ich nicht hundertprozentig sicher bin was es bedeutet, es aber trotzdem sehr gerne benutze. Aber als ernsthafte, kultivierte Schriftstellerin, die an einem ernsthaften, autobiographischen Text in einer ernsthaften, ja, historischen Situation schreibt würde ich das natürlich niemals tun. Auch wenn ich sagen muss die Versuchung es doch zu tun war groß).
Aber ich verliere mich (wie befürchtet) in sinnlosen Gedanken und bedeutungslosen Nebensätzen. Kommen wir zurück zu meiner eigentlichen Geschichte. Sinn und Zweck dieser kurzen Geschichte ist es den Lesern und Leserinnen einen Einblick in mein Leben während der Quarantäne zu gewähren, meine Eindrücke mit ihnen zu teilen, vielleicht ein kleines Lächeln in das ein oder andere Gesicht zu zaubern und von der allumfassenden, allgegenwärtigen Situation abzulenken. Ja, genau, richtig gelesen, ich möchte von der allumfassenden, allgegenwärtigen Situation mit einem Einblick aus meinem Leben in der allumfassenden, allgegenwärtigen Situation ablenken (hier würde ich übrigens ganz ironisch ein Engel-Emoji einfügen, aber wie gesagt: ernsthafte Schriftstellerin, ernsthafter Text, ernsthafte Situation).
Es kann sich aber nur um einen kurzen Einblick handeln, denn 2.937.600 Sekunden Lebenszeit sind viel zu viel für unter fünf Seiten (auch wenn ich ehrlicherweise das Gefühl habe, dass ich die letzten fünf Wochen ganz gut in wenigen Sätzen zusammenfassen könnte: Ich wollte raus, ich konnte nicht raus. Das Wetter war schön. Ich war drin und hatte eine Jogginghose an. Jeden Tag. Ende.).
Ich habe mir verschiedene Dinge überlegt, die ich für diese Geschichte mit der Welt teilen könnte. Ich könnte davon erzählen, dass ich mir vor der Selbstisolation auf meinem Smartphone für verschieden Apps Limits gesetzt habe, um etwas Kontrolle über meine Smartphone-Nutzung zu haben. Ich könnte davon erzählen, dass das immer sehr gut funktioniert hat, und ich könnte erzählen, dass ich diese Limits seit fünf Wochen jeden Tag ignoriere. Jeden Tag erscheint die Warnung „Sie haben Ihr Limit für heute erreicht“ und jeden Tag drücke ich beschämt auf „das Limit ignorieren“ (okay, das ist gelogen, beschämt bin ich lange nicht mehr, mittlerweile habe ich das so oft gemacht, dass ich abgehärtet bin). Das deprimiert mich leider zu sehr.
Ich könnte stattdessen darüber reden, wie sich das Arbeiten in der Selbstisolation für mich gestaltet, aber auch das ist nicht das beste Thema für mich, denn die Antwort ist: mein Schreibtisch und mein Bett stehen im selben Raum und eins davon benutze ich tagsüber sehr viel häufiger als das andere. Ich könnte darüber sprechen wie viel Fernsehen ich geschaut habe, statt tatsächlich zu arbeiten, wie ich jeden Tag um 10 Uhr morgens den Fernseher eingeschaltet habe um den Stand der Dinge zu erfahren, wie viele Pressekonferenzen ich verfolgt habe, wie ich abends tatsächlich die Tagesschau anschaltete statt kurz die aufgeführten Schlagzeilen in meinem Smartphone zu lesen, aber auch wie viel Blödsinn ich geschaut habe.
Ich könnte von der großen Suche nach Nudeln und Klopapier berichten, aber das wäre ein zu großes Klischee für mich. Es gibt keine Nudeln, es gibt kein Klopapier, „hamstern“ ist das Unwort des Jahres, alle haben es mittlerweile verstanden. Und außerdem wäre es eine Lüge, denn wir hatten 40 Rollen Toilettenpapier zu Hause (ich wünschte das wäre ein Scherz, aber nein… Ich entschuldige mich inständig bei allen die keins mehr hatten und ich kann aufrichtig sagen, dass ich versucht habe einige der Rollen zu verschenken, aber niemand ist auf mein Angebot eingegangen, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass die Menschen, die ich kenne, nicht wollten, dass ich rüber komme, weil sie sich tatsächlich an die Reglungen halten wollten. Gibt’s denn sowas?).
Ich könnte aber auch über meinen Balkon schreiben, dass ich vor der Selbstisolation an einer Hand abzählen konnte wie häufig ich auf dem Balkon war, dass ich nicht an einer Hand abzählen könnte wie häufig ich heute auf dem Balkon war. Ich könnte von den Leuten erzählen, die ich vom Balkon aus sehen konnte, könnte erzählen, wie ich mich gefühlt habe, wenn ich Menschen sah, die sich an die Reglungen hielten, und wie ich mich fühlte, wenn sie es nicht taten. Ich könnte von fast leeren Linienbussen schreiben, die im fünf Minuten Takt am Balkon vorbeifuhren, Busse, in denen ich normalerweise sitzen würde, um zur Arbeit zu fahren. Aber das zeigt nur was mir alles fehlt.
Stattdessen habe ich mich also entschieden zu erzählen, dass ich endlich die Zeit (und genug Langeweile) hatte fürs Ausmisten. In all den Jahren hat sich viel Krempel angehäuft, der dringend raus muss, um Platz für neuen Krempel zu machen, den ich in einigen Jahren dann wieder ausmisten kann, wenn ich genug Zeit (und Langeweile) habe. Beim Aussortieren habe ich eine Menge alten Kram, gefunden, aber auch ein paar echte Gold-stücke, darunter ein altes Tagebuch, das mein 13-jähriges Ich im Jahr 2005 geführt hat. Fast genau 15 Jahre ist das her und ich muss zugeben ich hatte keine Erinnerung mehr daran. Da musste ich das Ausmisten natürlich stoppen und stattdessen die Gedanken und Geheimnisse meines 13-jährigen Ichs ergründen.
Der erste Eintrag (vom 10.09.2005) beginnt mit den Worten: „Liebes Tagebuch! Heute gibt es meine erste Eintragung, ich hoffe sie kommen regelmäßig! Heute hab ich mit [meiner Schwester] und Papa eingekauft und dich gleich mit. [Meine Cousine] hat gesagt, sie kann sich mehr an die Zeit erinnern in der sie 13-15 Jahre alt war! Das will ich nicht, deshalb schreibe ich es jetzt hinein. In dich. Ich hoffe, es bleibt unter uns! Keiner soll dieses Tagebuch lesen“. Ups, da haben beide Dinge nicht funktioniert: ich wollte die Zeit nicht vergessen (habe ich) und ich wollte das keiner im Tagebuch liest (hat meine Schwester).
Besonders lange habe ich es dann leider nicht ausgehalten mit dem Reinschreiben, aber es war eine interessante Erfahrung (und etwas peinlich, war ich damals wirklich so? Wirklich???) zu lesen was mein 13-jähriges Ich so beschäftigt hat. Also dachte ich mir, super, jetzt habe ich ja die Zeit und schreibe von meiner Erfahrung in der Quarantäne. Dann kann ich das Tagebuch vergessen und in 15 Jahren beim Ausmisten wiederfinden und lesen wie es damals (heute) so war.
Aber wenn ich die Geschichte so erzähle, dann muss ich zugeben, dass ich es nur bis Tag 20 geschafft habe (das war der 04.04.2020, zur Erinnerung: heute ist Tag 34). Zu meiner Verteidigung: es gab irgendwann nichts anderes zu erzählen als „Ich wollte raus, ich konnte nicht raus. Das Wetter war schön. Ich war drin und hatte eine Jogginghose an. Jeden Tag. Ende.“.
Heute werde ich aber wieder in das Tagebuch schreiben. Vielleicht schreibe ich diese Geschichte ab, vielleicht erzähle ich etwas über die letzten Tage, vielleicht male ich ein Bild hinein. Der Eintrag wird beginnen mit den Worten: „Tag 34 in der Selbstisolation“.

– Susan Seddiq Zai, 28

DIE LEKTÜRE

Ich saß auf dem Sofa. Gelangweilt, gestresst, müde, genervt, und was man heutzutage alles noch ist. Das Haus voller Menschen (fünf Leute, das ist viel), und kein Ende in Sicht. Kein Ende von Videokonferenzen, Klebebandmarkierungen im Supermarkt und digitalen Yogastunden. Und was sollte ich mir auch Hoffnung machen?
Auf weitere zwei Wochen haben sie den Schulstart jetzt verschoben. Seit dem geplanten sind schon Ewigkeiten vergangen. Wie sollte ich mich denn da unterhalten? Im Haus keine andere weibliche Person als meine ekzentrische Mutter, die so der Typ ist, die gerne stundenlang Naturkosmetik shoppt oder sich über zu viel Guarkernmehl aufregt, was immer das ist. Meine kleinen Brüder kann ich ja vergessen, und mein Vater sitzt sowieso nur 24/7 vor dem Laptop und lacht über die Tochter seines neuseeländischen Kollegen.
Ich hatte gerade mein ausgefültes, eingescanntes Arbeitsblatt auf dem Schulserver hochgeladen. Nachdem dann dieses wundervoll zufriedenstellende grüne Häkchen erschienen war, erlaubte ich mir, mich aufs Sofa fallen zu lassen und mal nachzusehen, ob meine Freundinnen irgendetwas zu sagen hatten. Ja, Isa hatte geschrieben, dass ihre Familie wegen dem Coronavirus jetzt nicht in den Urlaub fahren kann. Anna, Kathy und Emma hatten alle mit weinenden Emojis geantwortet. Also schickte ich schnell einen weinenden Emoji hinterher.
Ava hatte nichts geschrieben. Schon lange nicht mehr.
Das Telefon klingelte und meine Mutter kam in ihrer Backschürze mit Schneebesen in einer Hand ins Wohnzimmer gelaufen. Sie spähte auf das kleine Bildschirmchen am Hörer und sagte trillernd: „Für dich, Juriiiiiii!”, so, als ob ich ziemlich taub wäre. Augenbrauen hochziehend legte ich mein Handy auf die Armlehne und schlenderte zum Telefon.
„Hi, Juri”, sagte Ava. Ihre Stimme klang flach und betrübt. „Ich wollte nur einmal fragen, ob wir vielleicht ein bisschen reden wollen. Mir ist gerade so langweilig.” Ich überlegte. So richtig Lust hatte ich nicht. Immerhin musste ich noch Französisch machen, wie mir in dem Moment glücklicherweise einfiel. „Sorry”, sagte ich also, „Ich hab Französisch immer noch nicht fertig und sollte da allmählich mal ran.” Ava seufzte. „Okay.” Und sie legte auf. Kurz guckte ich noch schuldbewusst zum Telefon, dann wandte ich mich dem Computer zu.
*
Am Abend war ich völlig durch. Französisch hatte ich immer noch nicht ganz, da muss ich mich dann morgen früh aus dem Bett quälen. Und das ist schlimm, ich kenne das.
Beim Abendessen löffelte ich stumm in meiner Erbsensuppe herum. („Mit Schalen”, sagte meine Mutter enthusiastisch, „das ist sehr gesund!”)
Mein Vater tippte nebenbei auf seinem Handy herum, und meine kleinen Brüder stritten wie immer über den Löffel mit dem weißen Henkel. Dann hebte mein Vater den Blick.
„Ich habe gerade eine Nachricht von Avas Mutter bekommen”, sagte er und sofort fühlte ich mich schuldig. Aber mich erwähnte er nicht.
„Ihr geht es gerade nicht so gut. Ihr Vater liegt im Krankenhaus und…” „Wie bitte?!” erstaunt schaute ich ihn an. „Hat er…was ist…?”
„Er hat starkes Fieber und Husten.” sagte mein Vater. „Und Avas Mutter ist ja Ärztin und deswegen ständig nicht zu Hause.”
*
Ich lag auf meinem Bett, zerquetscht von der Welle des Schuldbewusstseins. Keine Ahnung, was mit mir los war. Ich fühlte mich schlecht. Ich hatte Ava einfach abgelehnt und sie mit einer Ausrede konfrontiert. Ich hätte jetzt mein Sparschwein ausgeleert, um alles rückgängig zu machen. Wenn sich das wie viel anhört; immerhin spare ich schon zehn Jahre oder so was.
Nach dem Essen hatte ich so schnell, wie meine Beine es erlaubten, gefühlte zehntausend Nachrichten an Ava geschrieben, aber das zweite Häkchen blieb grau, solange ich auch guckte. Jetzt lag ich gedankenversunken auf meinem Laken und starrte auf eine Spinne an der Decke. Normalerweise hätte ich jetzt geschrien und mich schnellstmöglichst aus dem Zimmer entfernt, aber gerade war mir dieses Viech so egal wie meine Französischaufgaben es gerade geworden waren. Ich bin ja so eine Person, die sich sehr schnell als sie Schuldige sieht und dann alles tut, um es irgendwie zu ändern.
Meine Oma sagt immer, das ist eine „Dufte Einstellung”.
Irgendwas musste ich tun. Und jetzt, sonst würde ich noch platzen vor Schuld.
*
Nachdem ich mir meine Jacke übergezogen hatte, warf ich noch einen kurzen Blick auf meine Nachricht, aber Ava hatte sie wie erwartet nicht gelesen. Ich steckte das Handy in meine Jackentasche und zog meine Schuhe an. „Wo gehst du denn hin?” fragte mein kleinster Bruder Neo. „Du musst noch Mathe machen”, sagte ich ihm und riss die Tür auf.
Draußen war es ziemlich kühl. Die Straßenlaternen waren noch nicht angegangen, aber es dämmerte schon. Nach ein paar Metern hatte ich zum ersten Mal in sechs Wochen das Grundstück verlassen und lief zügig Richtung Nobelpreis-Viertel. Das heißt so, weil die Straßen dort nach Nobelpreisträgern benannt sind. In der Churchill-Allee begegnete mir ein Jugendlicher, der auf Kopfhörern sehr laute und ziemlich explizite Musik hörte. Ohne Beachtung lief er an mir vorbei.
Hoffentlcih waren das 1,5 Meter gewesen, dachte ich.
Ava wohnte in der Curiestraße. Das Einfamilienhaus war überschattet von Bäumen. Vorsichtig drückte ich das Tor auf. Ein schriller Quietschlaut rang durch die Straße. Schnell lief ich den Kiesweg zur Haustür hoch. In der Dämmerung konnte ich gerade noch den gut getarnten Klingelknopf finden. Ich zögerte kurz, dann drückte ich mit dem Ellenbogen auf den Knopf.
*
Es dauerte eine Weile, bis die Tür aufging. Erst hörte ich Treppenabsteigen und dann öffnete sich die Haustür einen Spalt.
„Juri?”
Ava hatte ihren hellgrauen Schlafanzug an. (Anders als meine Mutter, die sich immer bemüht, besonders schick auszusehen, wenn der Postbote klingelt.)
„Hi, Ava”, sagte ich etwas unsicher. „Ist deine Mutter nicht zuhause?”
Sofort dachte ich, dass ich etwas Falsches gefragt hatte, denn Ava seufzte und erwiderte: „Sie ist heute noch bis zehn in der Klinik.”
„Hör mal zu”, sagte ich dann und atmete tief ein. „Es tut mir Leid, dass ich nicht mit dir reden wollte. Ich hatte keine Ahnung, wie schlecht es dir geht.” Sie seufzte wieder. „Ist schon gut”, murmelte sie dann. „Ich war ja selber Schuld, dass ich es keinem erzählt habe.” Dann blickte sie hoch. „Und deswegen kommst du her? In diesem Haushalt lebt eine Person, die…” „Das macht mir gerade nichts aus”, unterbrach ich sie. „Man muss begreifen, wie schlecht es manchen Leuten gerade geht.” Ava nickte. „Ich will daran glauben, dass mein Vater wieder gesund wird”, sagte sie leise. „Aber ich weiß nicht, ob ich es kann.”
„Wir müssen daran glauben”, versuchte ich sie zu ermutigen, „nur zusammen können wir diese Hürde überwinden. Auch wenn ich mich gerade wie Merkel anhöre.”
Ava grinste. „Danke”, sagte sie. „Was hatte unsere Englischlehrerin immer gesagt?” „I believe in something”, erwiderte ich lächelnd.

An dem Tag hatte ich gelernt, dass eine der besten Sachen die man machen kann ist, anderen mitzuteilen, dass sie nicht allein sind.


ENDE

– Maya Krüger