shadow

Danach

 

Ich konnte es immer noch nicht glauben. Wie hatte ich das tun können?
Ich hatte jedes Wort verdient, mit denen mich ihre Familie beschimpft hatte.
Es war anfangs gar nicht mal so übel gewesen.

Die drei jungen Mädchen stiegen aus dem roten Kleinwagen aus und gingen, etwas wackelig auf ihren hohen Schuhen, auf das große Haus zu, in dem die Party bereits in vollem Gang war.
Sie bahnten sich kichernd einen Weg zur Bar.
„Mega cool hier“, staunte die Kleinste von ihnen, sie war schlank, eher unscheinbar und hatte mittellanges lockiges braunes Haar.
Ein paar Gläser später, begaben sie sich auf die Tanzfläche, sie lachten und bewegten sich ausgelassen zur Musik, einer undefinierbaren Mischung aus House und EDM.
Die Musik dröhnte aus den Boxen, der Raum war in einem Mix aus roten, grünen, blauen und pinken Lichtern, es roch nach einem Mix aus Schweiß und den verschiedensten Arten von Alkohol.

Warum war ich so dumm gewesen? Warum hatte ich nicht einmal auf meine Mutter hören können und war Zuhause geblieben? Dann wäre das alles gar nicht passiert. Ich habe den größten Fehler meines Lebens begangen, mein Leben zerstört und vor allem ihres.

Später am Abend, begaben sich die Mädchen zurück zur Bar. Die Kleinste der Drei, schaute auf ihr Handy und verdrehte die Augen, „Meine Mom schon wieder“, sagte sie und legte ihr Handy zu Seite. „Kann echt nervig sein, ich kenn‘ das. Verstehen einfach nicht, dass wir nur Spaß haben wollen.“, mischte sich ein junger Mann ein, der die Mädchen schon eine Weile beobachtet hatte.
Die Mädchen schienen zu wissen wer er war, denn auf ihren Gesichtern spiegelte sich eine Mischung aus Freude und Ungläubigkeit.

Der Junge und das Mädchen mit den braunen Haaren gingen auf die Tanzfläche, sie  tanzten ausgelassen, sie küssten sich.

Wenn ich nicht so viel getrunken hätte oder zu Fuß nach Hause gegangen wäre, würde ich jetzt wahrscheinlich lachend auf dem Schulhof sitzen, ohne Probleme.
Und es würde sie noch geben, doch stattdessen sitze ich hier und starre auf kahle, graue Wände. 

Das Mädchen entschuldigte sich für eine Weile um auf die Toilette zu gehen. Sie schwankte durch die Menge, schon reichlich angetrunken. Sie lachte als sie torkelnd die Tür der Toilette aufstieß.
Die Tür schloss sich mit einem Knall hinter ihr, die Musik wurde gedämpft.
Erst jetzt hörte sie ihr Handy klingeln.
Die wütende Stimme ihrer Mutter, ertönte laut durch die Lautsprecher ihres Handys. Sie sollte sich jetzt auf der Stelle nach Hause bewegen, keine Diskussion.

Hätte meine Mutter mir nicht so einen Stress gemacht, sondern mir das Gefühl gegeben, das ich mit ihr reden kann, wäre ich nicht so Hals über Kopf gefahren. Wenn ich in einer Situation bin, in der ich Hilfe brauche, warum kann ich meine Eltern nicht anrufen? Dafür sind die doch da oder nicht?
Wäre ich die ganze Zeit bei den anderen geblieben, es wäre vielleicht anders gekommen. Jetzt muss ich damit leben, ich bin eine Mörderin.

Das Mädchen hatte aufgehört zu lachen, sie verabschiedete sich von ihren Freunden und torkelte auf ihren Absätzen nach draußen zu ihrem Auto. Sie fuhr los, neben ihr im Auto lag anstatt einer Wasserflasche eine halbvolle Flasche Wodka.
Die Musik war aufgedreht. Benommen von all dem Alkohol, den sie inzwischen intus hatte, fuhr sie Schlangenlinien auf der Fahrbahn.
Die Scheinwerfer des dunkelblauen Audis nahm sie erst war, als es bereits einige Meter vor ihr war.
Grelles Licht, dann ein lauter Knall, ein Lauter Schrei der kurz darauf verstummte, Stille.

Ich habe sie umgebracht, weil ich zu viel getrunken hatte und nur an mich gedacht habe. An den Ärger, den ich kriegen würde, wenn ich nicht sofort nach Hause kommen würde. Das wäre vorbeigegangen, doch sie kommt nicht wieder, egal, wie viel Zeit vergeht, egal, wie sehr ich es mir wünsche.

Ein kleiner Raum, zwei Betten, ein Schreibtisch. Das eine Bett ist leer, auf dem anderen liegt das  Mädchen und starrt an die Decke. Der Richter hat sie für Schuldig empfunden, fünf Jahre Jugendknast war sein Urteil. Fünf Jahre die ihr Leben verändern.