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Das Geheimnis von Jannik

Hinnah Parvez, 15 Jahre

Ein Morgen wie jeder andere, doch irgendetwas ist heute anders in der Schule.

Wieso gucken mich alle so verstört an? Ich versteh’ das nicht.

Wieso ignoriert Salima mich?

Meine allerbeste Freundin Salima Malte, warum tut sie das?

Vielleicht hat sie mich nicht gesehen?

„Hallo Salima“, begrüße ich sie „Wie war dein Wochenende?“

Keine Antwort, komisch, normalerweise würde sie los plappern wie ein Wasserfall!

Was ist geschehen?

Vielleicht ist sie sauer, weil ich mir das neue schöne glitzernde Top geholt habe, was sie unbedingt haben wollte, aber nicht bekommen hat?

Okay, ja, vielleicht hätte ich es ihr ausleihen sollen für die Party am Sonntag?

Nein, sie hätte es nur zerrissen, so wie letzten Monat mein neues golden schimmerndes Kleid, nur weil Jannis nicht mit ihr ausgehen wollte.

„Ähm, hallooo?“

„Mach dich vom Acker Mädchen dich will keiner haben!“ ruft Salima.

„Was ist denn los mit dir? Was habe ich dir getan?“, frage ich mit einem aggressiven Ton, etwas aggressiver als gewollt natürlich.

Sie aber, wie ihr genervter Blick schon verrät, interessiert mein Gerede wohl nicht.

Sie dreht sich einfach um, hat mir nicht einmal in die Augen geschaut

und geht weg.

Sie lässt mich hier einfach eiskalt stehen! Das nennt man allerbeste Freundin?

In welcher Welt leben wir hier? Wie mich das gerade aufregt!

Warum macht sie das? Soll ich ihr hinterher rennen?

Sie vielleicht noch mal ansprechen? Fragen was los ist?

Nein! Bin ich Salimas Hund oder was?

Jetzt erstmal in die Klasse, der Unterricht fängt gleich an.

Was hab ich denn eigentlich jetzt? Oh Mann! Vergessen!

Wir haben doch jetzt Englisch!

Ich sollte mich beeilen, sonst rastet Frau Telemann aus!

 

Der Unterricht hat zum Glück noch nicht begonnen und Frau Telemann ist noch nicht da. Jetzt schnell auf meinen Platz und – Hä? Wie jetzt?

Was soll der Mist? Warum sitzt Timera auf meinem Platz?

Hallo? Was soll das denn jetzt wieder?

Salima und sie verstehen sich doch eigentlich gar nicht? Sie hassen sich doch?

Das will ich aber jetzt wissen!

„Timera? Dir ist schon bewusst, dass das mein Platz ist, oder?“

„Na und? Wen interessiert das?“, zickt sie los und Samira lacht.

„Wer hat gesagt, du sollst da sitzen? Das ist und bleibt mein-“, weiter komme ich nicht, denn die Lehrerin kommt und schreit schon los:

„MELISSA!!! RAUS!

ICH HAB DIR LETZTE WOCHE SCHON GESAGT,

WENN DU DAS NÄCHSTE MAL NICHT AUF DEINEM PLATZ SITZT,

GEHST DU SOFORT ZUM DIREKTOR!!“.

„A- aber Frau-“, stottere ich, doch sie schneidet mir das Wort ab.

„NICHTS ABER! RAUS!“ Jannis, der Schwarm von Salima,

steht auf um was zu sagen, und alle starren ihn an.

„Timera sitzt auf Melissas Platz, weshalb kriegt Melissa dann den Ärger?

Sie trifft keine Schuld. Wie soll sie auf ihren Platz, wenn er besetzt ist?“

„Wieso mischt du dich da ein?“, fragt Frau Telemann.

„Weil Melissa eine sehr gute Freundin von mir ist vielleicht?“

Ich gucke ihn nur an und wundere mich über das was er sagt.

Ich sehe, dass Salima auf hundertachzig war,

denn ihre blicke sind stechend scharf wie ein Schuss und ihr Gesicht läuft rot an.

Es sieht so aus, als würde sie jeden Moment mit einem Messer auf mich los gehen.

„Aber das ist doch jetzt egal, können wir mit dem Unterricht beginnen?

Komm Melissa, du kannst dich neben mich setzen, denn ich glaub nicht,

dass Timera aufstehen wird!“

Ich nicke nur und gehe mit nach hinten.

Ich schaue, auf den Weg nach hinten, nur auf Salima.

Was ist hier los? Was wird nur gespielt?

Ich setze mich hin und schaffe es endlich zu Jannis zu schauen.

Seit wann sieht er mich als “eine gute Freundin“?

Das ist mir neu. Sonst reden wir ja nicht all zu viel miteinander.

 

In den zwei Englisch Stunden reden Jannis und ich kein einziges Wort miteinander, denn es gibt kein einziges Thema, worüber wir reden können.

Salima blickt immerzu mit einem Hass erfüllten ärgerlichen Blick zu uns nach hinten.

War es ein Fehler, dass ich mich hier hin gesetzt habe?

Sie sitzt am Doppeltisch mit Timera zwei Reihen vor uns und wir ganz hinten.

Ich sehe noch, wie Jannis mich immer zu anguckt.

Will er sich etwa vergewissern ob ich noch da bin, oder was?

Nach der zweiten Stunde ist die erste Pause.

Ich sitze jetzt auf der Mauer, die Grenze zwischen unserer Schule und einem Parkplatz.

„Hey Melissa“, ruft jemand mit traurigem Ton.

Ich drehe mich um und sehe Tarek.

Tarek, mein allerbester Kumpel mit den kristallklaren blauen Augen.

Seit dem Vorfall vor vier Wochen sind wir unzertrennlich.

Hmm, der Vorfall… Zum Glück ist jetzt alles wieder gut.

„Hey Tarek, was ist denn los?“, frage ich, doch ich höre nur halbwegs zu.

Ich denke ungewollt an den Vorfall der sich vor vier Wochen ereignet hat.

 

Ein sonniger schöner Morgen, warm, aber nicht zu warm,

mit ein bisschen Kälte gemischt, einfach WOW.

Ich stand auf und ging schlaftrunken ins Bad.

Ich bemerkte, dass meine Tür nicht zuging.

„LINDA! ICH KRIEG DIE TÜR NICHT ZU!“, schrie ich.

„Melissa? Bist du blind?“, fragte Linda,

meine ältere Schwester die gerade rein kam.

Sie ist 19 Jahre alt und das volle Gegenteil von mir.

Sie ist keinesfalls schüchtern, aber wenn es um Ehrlichkeit geht,

steht sie auf dem letzten Platz.

„Bist du dumm? Nein, natürlich nicht, warum fragst du?“,

sagte ich ein bisschen genervt.

„Dein Rucksack steht da am Türrahmen wie willst du die Tür zu kriegen?“,

sagte sie. „Leg ihn weg, und wenn du schon dabei bist,

räum mal bitte dein Zimmer auf.

Hast du nie bemerkt, wie schlimm es hier aussieht?

Und – Ihh – Welcher Gestank? Mach das Fenster auf!

Und vergiss bitte auch nicht -“, sagte sie, doch ich schnitt ihr das Wort ab:

„RAUS! ICH HAB DICH NICHT NACH DEINER MEINUNG GEFRAGT!“

Ich ließ sie da einfach eiskalt stehen, ging ins Bad und machte mich fertig.

Zähne putzen, Klogang, Duschen, Umziehen, wie immer halt.

Als ich fertig war, ging ich raus und bemerkte,

dass mein Handy nicht auf meinem Tisch lag.

Wo war es? Ich war mir sicher, ich hatte es gestern auf meinen Tisch gelegt!

Ich suchte mein ganzes Zimmer ab, aber fand es nicht.

Dann ging ich nach unten, um es da zu suchen.

Ich rannte die Treppen runter ins Wohnzimmer und sah meine Mutter.

„Melli, Schätzchen!“, rief sie und drückte mir einen fetten Schmatzer auf die Wange.

„Mama, hast du mein Handy gesehen?“, fragte ich.

„Ach so, ja, dein Handy! Linda ist vorhin damit herum gerannt!“, sagte sie,

besser gesagt sang sie, denn sie singt jeden Morgen irgendwie herum.

„Und du hast nichts gemacht?“

„Ich dachte, du hast sie darum gebeten?“

„Hast du wirklich jemals gesehen,

dass ich sie drum bete mein Handy rum zu schleppen?

Wer bin ich?“, motzte ich sie an.

„Tut mir leid, aber nun motz mich nicht so an, es gibt schlimmeres.“

„Ja, schon… Wo ist sie damit hingegangen?“

„Ich glaube, sie ging Richtung Kühlschrank.“

„Was zum…,“ stotterte ich.

„Aber ich glaub nicht, dass sie so dumm war und es…Okay, bei ihr ist alles möglich. Melli Schatzi, guck mal nach.“

Ich ging an den Kühlschrank und sah nach.

Da lag es. Es blinkte auch, denn Salima ist schon, wie immer um 7:35 Uhr.

„Mama…“

„Das war Linda, nicht ich, sie meinte, du warst fies zu ihr.

Deshalb hat sie es dir weggenommen.

Was ist denn los mein Spatz?“, sang sie fröhlich.

„Nichts, Mama, Salima wartet. Ich geh mal los“, sagte ich, nahm das Handy und einen Apfel, rief: „Ciao, bis später“, und lief zur Bushaltestelle wo Salima mich schon erwartete.

„Hey mein Hase!“, rief sie und gab mir einen Kuss auf die Wange.

„Hallo Salima“, sagte ich und grinste.

„Wieso grinst du so fett? Du erinnerst mich gerade voll an einen Affen!“,

lachte sie los.

„Ich hab den neuen Laptop bekommen, den ich mir gewünscht habe!

Du weißt doch, der blau glitzernde, den wir im Schaufenster gesehen haben!“,

rief ich voller Freude los.

„Geil, ich komm später bei dir vorbei!

Dann sehe ich mir das Ding mal genau an!

Sag jetzt bloß nicht, du hast heute keine Zeit, sonst…

Du willst nicht wissen was sonst passiert!“

„Sag schon! Was sonst?“

„Sonst breche ich bei dir ein und hol mir deinen Lappi!

Vielleicht breche ich dir vorher die Knochen!“.

„Du schaffst es nicht einmal deinen Stuhl hoch zu heben.

Glaubst du wirklich du bist dann stark genug um mir die Knochen zu brechen?

Und.. Einbrechen?

Du weißt doch noch was letztes Jahr passiert ist, als du “Eingebrochen“ bist, oder? Du bist hoch geklettert an meinem Fenster,

wusstest du nicht mehr weiter

und die Feuerwehr musste kommen um dich runter zu holen.“,

sagte ich und wir lachten lauthals los.

„Erinnere mich bloß nicht daran! Also hast du nun Zeit? Oder nicht?“

„Nein, nein, alles gut, kannst kommen, Salima,

nur mach mir ja nicht wieder alles kaputt!“

„Da ist der Bus, komm!“, sagte sie schnell.

Wir stiegen in den Bus und setzten uns auf die freien Plätze gleich am Eingang.

Nach cirka zwanzig Minuten kamen wir in der Schule an und gingen ins Klassenzimmer.

Sie sah zu Jannis, einer der beliebten Jungen, der mit seinen Kumpels redete,

wobei Salima auch recht beliebt war, aber egal.

Sie sah ihn halt auf seinem Platz und flüsterte mir schnell was zu:

„Guck mal: seine geilen dunkelbraunen Haaren! Die leuchten voll!

Und seine schwarzen Augen erst! Einfach Himmlisch!“

Er hat schwarze Augen? Oh, darauf habe ich nie geachtet! Wie lustig.

Er lachte gerade, doch als er Salima sah, verfinsterte sich seine Miene sogleich.

Sie lief hin und redete sofort auf ihn los.

„Hey, Jannis“, sagte Salima ganz verführerisch und so laut wie möglich,

nur um sicher zu gehen, dass er sie auch hörte.

Dachte sie etwa er sei taub, oder was?

„Salima!“, sagte er genervt und ein wenig aggressiv,

sie zuckte ein wenig zusammen „Was willst du denn diesmal von mir?!“

„N- nichts.. G- gar nichts. T- tolle Party gestern A- abend, oder?“,

stotterte Salima los.

„Ja, ja, und nun nerv mich nicht, ich bin beschäftigt“, sagte er,

drehte sich um und redete wieder mit seinen Kumpels.

Ich sah noch wie sich Jannis und seine Freunde zu Salima hin drehten

und anfingen zu lachen.

„Sie wird’s nie verstehen Jannis, gib die Hoffnung auf!“, lachte einer von denen los. Solche Idioten!

„Salima, lass es doch einfach, er ist dumm,

er verdient so ein tolles Mädchen wie dich nicht.

Komm, setzen wir uns, es ist gleich acht Uhr“, sagte ich zu ihr und sah, wie Jannis mich anstarrte, irgendwie ganz ohne Wut, eher traurig. Oder bilde ich mir das ein?

Ich sah wieder zu Salima und wir setzten uns hin.

Als ob Frau Karinsba nur auf meinen Satz gewartet hätte,

schoss sie wie eine Kanone durch die Tür und rief:

„Alle hinsetzen bitte! Der Unterricht beginnt nun!“

„Wollen sie nicht unsere Hausaufgaben kontrollieren?“,

rief jemand aus der ersten Reihe. ALLE SEUFZTEN AUF.

Luis, der Streber, wer sonst„Luis, du Trottel!“, rief Jannis, denn er hatte, glaube ich,

seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Okay, er hat sie in Mathe noch nie gemacht,

aber in den anderen Fächern immer stets zur Hand.

„Schei-“, flüsterte Salima, doch ich gab ihr den Zettel mit den Hausaufgaben,

denn ich wusste doch, dass sie die Hausaufgaben wieder vergessen würde.

„Ich hab sie extra zweimal gemacht. Einmal für dich und einmal für mich!

Schlau, oder?“, flüsterte ich voller Stolz.

„DAN-„, schrie sie und sprang auf.

Ich schnitt ihr das Wort ab und zog sie nach unten: „Bist du bekloppt, Salima?“, lachte ich los.

„Tut mir leid, passiert nicht wieder, danke mein Schatz!“,

sagte sie leise und fing auch an zu lachen.

Während Frau Karinsba herum ging und alle Hausaufgaben kontrollierte, stürmte der Direktor herein.

„Schönen guten Morgen, Klasse 9b!“, rief er und zog einen Jungen hinter sich her. Wer war das bloß?

Seine blauen Augen stachen sofort hervor.

Er guckte mich die ganze Zeit an, weshalb ich auch zurück starrte.

„Guten Morgen, Direktor Tabal“, riefen wir zurück.

„Wer ist der Junge hinter Ihnen?“, fragte Salima.

„Das ist Tarek.

Er besucht ab heute eure Klasse und ich hoffe, ihr nehmt ihn gut auf.

Er kommt aus Afghanistan und ist fünfzehn Jahre alt.

Gibt es Fragen?“

Keiner Meldete sich.

„Tarek, hast du noch eine Frage?“

Er schüttelte den Kopf, womit er verneinte.

„Okay, dann setz dich doch bitte mal da hin!“,

sagte er und zeigte auf den Doppeltisch neben mir.

Okay, ist bestimmt ein netter Junge,

er sieht zumindest nicht so obdachlos aus wie Jannis, also alles gut.

Bevor Direktor Tabal wieder in das Lehrerzimmer ging,

besprach er noch was mit Frau Karinsba.

Als Tarek sich setzte, fingen wir an zu grinsen.

Ich weiß nicht wieso, aber es passierte einfach.

Wir guckten beide wieder nach vorne.

Nach cirka fünf Minuten, versank ich in Gedanken.

Vielleicht kann er nicht so viel Deutsch? Ist er nett? Vielleicht ist er aber doch ein wenig egoistisch und selbstverliebt? Um das heraus zu finden, kann ich ihn doch ansprechen, oder nicht?

Ohne es zu wissen habe ich Tarek die ganze Zeit angeguckt.

Ich glaub, er fühlte sich auch angestarrt, denn dann drehte er sich zu mir und fragte:

„Ist was?“

„Nichts…“

„Fühlst du dich nicht gut? Du siehst so blass aus! Willst du an die frische Luft?“

„Nein, ähm. A- Alles g- gut, ich dachte nur..“.

Ich muss mich zusammen reißen!

„Was ist denn?“, fragte er.

Noch mal tief Luft holen und Los Melissa!

„Ich dachte nur du..“

„Ja? Nun sag schon!“, sagte er und lächelte mich fröhlich an.

Ich fing noch mal an: „Ich dachte nur -“

„Haha seht euch mal das neue Liebespaar an!“, brüllte Jannis los und lachte.

Er kriegte sich gar nicht mehr ein.

Alle drehten sich zu Tarek und mir um und lachten.

Tarek und ich ignorierten es, doch Frau Karinba schrie los.

„HEY! ALLE STILL SEIN! JANNIS! RAUS VOR DIE TÜR!“.

Auf den Weg nach draußen, stellte ich Jannis einen Beinhaken,

so dass er gegen das Lehrerpult vor uns knallte und

Tarek und mich zum Lachen brachte und

natürlich auch all die anderen Kindern der Klasse

und da musste auch Salima lachen.

Die lachen doch bei jedem Mist.

Er schaute mich genervt an und doch lag Trauer in seinem Blick.

Dann ging er raus.

Nach der ersten Unterrichtsstunde gab es eine fünf Minuten Pause,

Salima redete wie eine Verrückte auf mich ein, doch ich hörte, wie immer,

nicht richtig zu.

Jannis durfte wieder rein und schaute mich mit einem verärgertem blick an,

was mich aber nur zum grinsen brachte.

Es sah aus, als hätte er draußen geheult, oder irre ich mich vielleicht?

Salima ging kurz auf Toilette.

Ich guckte nur durch die Klasse, denn ich hatte nichts zu tun,

da schaute mich Tarek wieder an und fragte mich nach meinen Namen.

„Ich bin Melissa, kannst mich aber auch Melli nennen, ist auch Okay“,

sagte ich mit einem Lächeln zu ihm.

„Melissa, schöner Name!“, zwinkerte er mir zu.

„Danke, deiner aber auch Tarek!“, gab ich mit einem großen Grinsen zurück.

„Willst du einen Keks?“, fragte ich ihn und hielt ihm Schokoladenkekse vors Gesicht.

„Gerne, danke.

Aber…was wolltest du mir vorhin sagen?“, fragte er mich, nachdem er sich erst ein mal drei Kekse raus gefischt hatte

„Beruhig dich, die Kekse laufen schon nicht weg! Ich war nur ein wenig verwirrt, denn ich dachte du kannst vielleicht nicht so gut deutsch!

Aber dann kamst du halt mit deinem perfekten Deutsch und.. ja.“

„Ach so, nein ich kann deutsch, keine Sorge!

Und na ja, wer weiß? Sie könnten ja plötzlich weglaufen, oder nicht? Alles ist möglich!“.

Er hatte eine sehr Beruhigende und Sanfte Stimme.

Plötzlich hustete er stark,

denn wie es aussah hatte er sich an einem Keks verschluckt. Ich unterdrückte mein Lachen. „Da hast du Pech gehabt, Tarek!“

Er trank schnell seinen Orangensaft, den er von zu Hause mitgenommen hatte,

und wir mussten doch lachen.

Da kam Salima auch schon und wunderte sich über uns warum wir lachten.

Doch sie setzte sich einfach hin und fragte erst gar nicht.

Die Blick die ich in dem Moment spürte, waren sehr stark und doch sehr traurig.

Voller Wut und doch am Ende. Wer war das?

Ich drehte mich einmal herum, doch sah nichts.

Dann begann der Unterricht auch schon wieder.

Die zweite Stunde ging flott vorbei und die erste Pause begann.

Salima und ich setzten uns gleich sofort an unsere Mauer.

Oder wie wir sie auch nannten “Die Grenzmauer“, denn sie ist die Grenze zwischen unserer Schule und dem Parkplatz.

„Man war das ein Tag! Zu viel Mathe!“, meckerte Salima gleich los.

„Beruhige dich Salima! Der Tag ist noch lang!“

„Oh Nein! Ich kann nicht mehr, Schule überanstrengt mein Gehirn!“

„Welches Gehirn?“, prustete ich los.

„Ha. Ha, sehr witzig!“

„Nein Spaß. Du bist der Schlauste Mensch der Welt!“

„Ja genau! Ich bin die Schlauste!“, rief sie voller stolz.

„Und deshalb überanstrengt sich dein Gehirn bei Mathe?“, lachte ich wieder los.

„Halt die Klappe Melli!“.

Dann lachte sie auch los.

 

Zwei Tage später habe ich mich fertig gemacht, ganz normal, wie immer.

Doch dann klingelte die Tür.

„Ich geh ran, bleib sitzen Fette!“, schrie Linda beim herunter laufen zu mir rüber

in mein Zimmer.

„Klappe Linda!“

„MELISSA! DEIN TAREK IST DA! BEEIL DICH!“, hörte ich sie von unten rufen.

Woher weiß er wo ich wohne? Na egal, wenn er schon da ist.

„ICH KOMM GLEICH!“

Ich hörte noch, wie die beiden ein wenig redeten.

„Bist du mit der zusammen?“

„Nein, miss, wir sind nur gute Freunde.“

„Ich bin ihre Schwester, Linda.“

„Schön sie kennen zu lernen.“

„Du kannst mich auch duzen, so alt bin ich gar nicht, Tarek!“, lachte sie los.

„Ja miss.“

„Schon wieder?“

„Sorry, Linda.“

„Genau, Mann und mit der bist du freiwillig befreundet?“

„Ähm… Ja. Melli ist doch nett? Und süß.“, fügte Tarek grinsend noch hinzu,

als er mich sah.

„Wenn du meinst, ich bin weg. Tschüs!

„Ich geh los, ciao Ma!“, rief ich und ging los.

„Woher weißt du wo ich wohne? Hab ich dir gegenüber nie erwähnt,

da bin ich mir sicher!“

„Du nicht, nein, ich hab Salima gefragt, sie war so nett und hat mir deine Adresse gegeben.

Du solltest dir ein Vorbild an ihr nehmen, du böses Mädchen!“, lachte er los.

„Dein Ernst? Du Blödian!“

„Stets zu Diensten Prinzesschen!“

„Klappe!“

„Ochh, beleidigt?“

„Nein.“

„Du Affe!“

„Selber Tarek!“

Und wir lachten los. Mal wieder.

„Tarek? LAUF! UNSER BUS!“

„Oh Scheiße.“

Wir liefen und liefen, doch der Bus fuhr ohne uns.

„Lahme Ente, du!“

„Ich bin nicht als Sprinter geboren du Trottel!“

„Fragen wir meine Mutter ob sie uns fährt?“

„Ja, mach das Melli, ich hab kein Bock hier ne Stunde zu warten und zu spät zu kommen.“

„Ja, komm!“

„Bist du sauer Melissa?“

„Nein, ich friere nur ein wenig.“

„Hier, nimm!“, er zog seine Jacke aus und gab sie mir.

„Nein, nein, Tarek, alles gut!“

„Nimm, oder ich rede nie wieder ein Wort mit dir und mobbe dich!“

„Was ist schief gelaufen bei dir?“

„Nichts, nun nimm schon, du zitterst schon!“

Ich nahm die Jacke und zog sie an.

„Boa, ist die warm!“

„Klar, warum hab ich sie sonst?“

Wir grinsten beide und gingen zu mir nachhause.

„MAMA!“

„Ja mein Schätzchen?“, rief sie auf dem Sofa.

„Kannst du uns zur Schule fahren? Wir haben den Bus verpasst.“

„Ne, frag mal Linda.“

„Oh man“

„Soll ich?“, fragte Tarek.

„Wäre nett, kannst du?“

„Ja, warte. LINDA?“

„Wieso noch da?“

„Kannst du uns zur Schule fahren?

Der Bus war zu früh da und ist weg gefahren, als wir da waren!“, fragte Tarek leise.

„Ja, klar, gerne doch!“

Wir gingen zu Lindas Auto und fuhren los.

Zumindest sind wir dann nicht zu spät in der Schule.

„Melli?“

„Ja Tarek?“

„Ne, egal“

„Melissa! Schöne Jacke, woher?“

„Linda, die gehört Tarek, hast du doch vorhin gesehen?

Ach so, ja, deine Jacke Tarek, hier, warte.“

Ich wollte sie gerade ausziehen, doch er hielt mich fest.

„Kannst sie behalten! Schenke ich dir, hab sowieso noch zwei Stück zuhause!“

„Oh, danke!“

„Das war’s? Keine Umarmung? Oder was weiß ich noch. Man seid ihr langweilig.“

„Du fahr mal schön weiter, und achte auf die Straße!“

„Ja ja Melli.“

Wir kamen an und stiegen aus.

„Linda..?“, fragte ich.

„Ja?“

„Danke.“

„Komm, wir verstehen uns vielleicht nicht, aber nett sein darf man doch, oder?“, zwinkerte sie mir zu.

Dann fuhr sie weg.

Wir trafen Salima auf dem Weg rein.

„Hab euch gesehen!“

„Wo, Salima?“, fragte Tarek.

„Na, wo ihr gelaufen seid, um den Bus zu kriegen!“

„Willst du mich verarschen? Warum sagst du nicht der Busfahrer sollte warten?“

„Ähm.. Darauf bin ich nicht gekommen. Tut mir leid. Ist das nicht Tarek`s Jacke?“

„Ja, mir war kalt, dann hat er sie mir gegeben!“

„Ach, wie süß von dir!“, schrie sie und knuffte Tarek in die Wangen.

„Lass das Salima, nicht in der Öffentlichkeit!“ Dann lachten wir los.

Blicke. Eisige, traurige Blicke. Ich spürte sie sehr stark.

Woher stammen sie nur?

„Hör auf zu träumen! Wir müssen rein!“, rief Salima.

Wir gingen rein in den Chemieraum und Tarek setzte sich neben Cedric.

Salima und ich setzten uns nach vorne, denn da waren die letzten drei Plätze frei.

Wir kamen gerade noch Pünktlich an, denn dann begann die Stunde.

„Guten Tag Klasse 9b!“, schrie Herr Tapion.

„Guten Morgen Herr Tapion!“, sagten wir.

Jannis kam jetzt rein, aber etwas zu spät.

Neben mir was leider der letzte Platz frei, weshalb er sich da hin setzte.

Doch wir rutschten beide ein wenig an die Seite,

um nicht zu nah an dem anderen dran zu sein.

Plötzlich hörte ich von neben mir ein sehr lautes lachen.

Jannis.

Wieso lachte er bloß?

„Seht euch mal den Streber an!“, schrie er ganz laut,

sodass alle ihn hörten und alle lachten los.

Wer war gemeint? Ich guckte zu ihm.

Er guckte wiederum zu Tarek und lachte sich mit seinen Kumpels schlapp.

Tarek saß gegenüber von Jannis, denn unser Chemieraum ist U-förmig.

„Tarek, du Schwuchtel!“

„Jannis! Was soll der Mist?!“, rief ich.

„Oh! Tut mir leid, hab ja vergessen, dass seine Zukünftige hier auch noch sitzt!

Du lässt dir von ´nem Mädchen helfen? Hast du keinen Stolz?“, prustete er los.

„Bist du blöd, oder was? Lass ihn doch in Ruhe? Wo liegt dein Problem?“

„Alle bitte still sein!

Falls ihr es noch nicht verstanden habt, der Unterricht beginnt seit fünf Minuten! Jannis! Melissa! Wenn ihr hier noch weiter flirten wollt, geht bitte raus!“,

rief Herr Tapion.

Alle lachten los.

„Nein Herr Tapion, alles gut!“, sagte Jannis und lachte mit.

Der Unterricht startete noch mal

und wir redeten über das Thema Aggregatzustände weiter.

„Was muss ich tun, um diese Flüssigkeit von flüssig zu gasförmig zu kriegen? “,

Tarek meldete sich sofort als einziger.

Obwohl die Frage gar nicht so schwer war, meldete sich keiner außer Tarek.

„Oh, dich hab ich ja gar nicht bemerkt, wer bist du denn?“, fragte Herr Tapion.

„Ich bin Tarek“, sagte er ganz leise, als ob jeden Moment eine Lawine ausbrechen konnte, wenn er lauter sprechen würde.

„Wie bitte?“, fragte Herr Tapion.

„Er heißt Tarek!“, wiederholte ich etwas lauter.

„Ach, da spricht die Zukünftige wieder!

Komm, lass ihm auch mal die Chance um was zu sagen!

Ich bin mir sicher er hat noch ´ne Stimme, oder schon verloren vor Angst? “,

lachte Jannis wieder los.

„Jannis, du bist echt das Letzte!“, schrie ich ihn an.

„Danke schön, das war jetzt aber lieb von dir! Ich fühle mich geehrt!“,

lachte er weiter.

„Wo hast du denn Gehirn gelassen?

Nach all den Jahren solltest du es mal benutzen.

Ist praktisch, kann ich dir nur Empfehlen! Trottel.“

„Ja, ja, bei dir wollen wir gar nicht erst anfangen, Kleine, ja?“

„Melissa! Jannis! Hört auf damit! Sofort!

Bei dem nächsten Ton landet ihr beim Direktor“, schrie Herr Tapion uns an.

Ich guckte zu Tarek, der wiederum lächelte und nickte mir zu.

Nach den Chemie Stunden hatten wir wieder Pause

und Tarek bedankte sich bei mir.

„Tarek, das beruht nur auf Gegenseitigkeit!“, sagte ich

und ging mit Salima wieder auf unsere Grenzmauer.

„Was war denn vorhin los mit dir?“, fragte mich Salima.

„Was meinst du denn Salima?“

„Na, die Aktion mit Jannis? Warum schreist du ihn einfach an?“,

fragte sie etwas ernster.

„Ähm, ich hab nichts gemacht! Aber egal jetzt,

können wir das bitte vergessen?“, versuchte ich sie zu beruhigen.

„Hmm. Ja… Okay.“

„Okay, wollen wir am Samstag zum Shoppen gehen?“,

fragte ich sie um das Thema zu wechseln und Salima zu beruhigen.

„Jaa!“, schrie sie los und grinste wieder ganz breit.

Das freut mich immer wieder sie zum Lachen zu bringen.

„Jetzt aber los! Ab zum Sportunterricht“ sagte Salima fröhlich.

„Wir spielen Fußball! Pass aber diesmal mit deinem Kopf auf Salima!“,

lachte ich los als wir auf dem Weg zur Sporthalle waren.

„Hättest du nicht so schief geschossen, wäre er nicht auf meinem Kopf gelandet!“,

schrie sie mich an, aber lachte trotzdem mit.

 

Als wir in der Sporthalle waren, zogen wir uns schnell um und gingen rein.

„Alle bitte fünf Runden laufen zur Aufwärmung“ rief Herr Talke.

Alle nörgelten herum.

Nachdem wir gelaufen sind, machten wir Dehnübungen.

Dann hatten wir eine fünf Minuten Trink Pause, wie immer.

Ich ging in die Kabine und trank etwas Wasser.

Plötzlich hörte ich ein Geschrei.

„Hörst du das?“, fragte ich Salima schnell.

„Ich hör nichts, nein.“

Es kam von der Halle. Es war ein Junge. Nur wer?

Ich lief sofort raus aus der Kabine und schaute nach.

Ich hörte Stimmen. Ich hörte genauer hin. Es waren Jannis und Tarek.

Oh mein Gott… Blut. Ich sehe eine kleine Blut Pfütze!

Da hinten! Ich sah eine Hand!

Ich rannte schnell hin. Mein Herz raste wie Wild.

Als ich endlich Jannis und Tarek sah, war ich kurz vorm Heulen.

Tarek lag am Boden und Jannis trat ihn immer und immer wieder.

Jannis hatte Tränen in den Augen. Wieso weinte er?

Innerlich schrie ich auf, aber ich bekam einfach keinen Ton aus mir heraus.

Ich lief schnell hin und sah immer noch wie Jannis ihn immer weiter trat.

Mal ins Gesicht und mal in den Magen, immer abwechselnd.

„JANNIS!“, endlich konnte ich mich wieder fassen.

Was war nur geschehen?

„JANNIS! WAS SOLL DAS?!“, schrie ich so laut wie möglich.

Langsam kamen auch die anderen Kinder dazu.

Doch keiner tat etwas. Ich stieß Jannis heftig zur Seite.

„Tarek! Alles Okay?“, fragte ich und heulte ein wenig.

Er versuchte ein wenig zu grinsen und flüsterte:

„Ja, nur ein wenig am verbluten aber sonst alles Okay und bei dir?“

„Du spinnst! Tarek…“

Ich stand auf, um nach Jannis zu sehen.

Jannis wollte gerade in dem Augenblick noch mal zu treten,

doch ich hielt ihn fest und drückte ihn nach hinten.

„BIST DU BESCHEUERT?!“, schrie ich.

Er sah Hass erfüllt aus. Wieso?

Er hörte nicht auf, sich zu wehren und war schon nah an ihm dran,

denn ich bin ja nicht stark genug, um ihn alleine zurück zu halten.

Er wollte mich an die Seite schieben,

doch ich hielt ihn immer noch fest und stellte mich vor ihn,

doch dann schlug er mir mit der Faust mitten ins Gesicht.

Ich zuckte zusammen und hielt mir die eine Hand ans Gesicht und mit der anderen hielt ich immer noch Jannis fest doch fing mich recht schnell wieder.

Meine Nase blutete ein wenig und schmerzte derbe.

Plötzlich bemerkte ich, dass sich Jannis gar nicht mehr rührte. Wieso?

Er starrte mich nur an und die Wut war nicht mehr da.

Was war passiert?

Ich ließ ihn langsam los und ging nach hinten.

Da kam auch schon Herr Talke und rief schnell einen Krankenwagen.

Ich stützte Tarek ein wenig und half ihm nach draußen.

Als er abgeholt wurde von dem Krankenwagen,

ging ich auf das Klo, um mir meine Nase anzuschauen.

Alles war Okay, nur ein wenig Blut, ich nahm mir Papier und machte da ein wenig Wasser drauf.

Ich hielt es mir an die Nase und versuchte dann alleine mit Jannis zu reden.

Ich suchte ihn und fand ihn schnell, denn er saß auf der Bank,

alle anderen spielten Fußball.

Wie konnten sie einfach weiter spielen,

obwohl hier gerade jemand Krankenhaus reif geprügelt wurde?

„Jannis…?“, sagte ich ganz leise.

Er sah, wie ich mir die Nase mit dem Papier zu hielt, denn sie blutete immer noch,

dann weiteten sich seine Augen.

„Es… Es…“, stotterte er und fing wieder an zu weinen.

„Was war denn los? Warum hast du das getan Jannis?“

Ich ließ das Papier fallen, fasste seine Schultern Blitzschnell und schüttelte ihn.

„Sag es mir, Jannis! Sag doch! Was ist passiert?!“, ich fing auch ein wenig an

zu weinen.

Es schockierte mich natürlich sehr, denn obwohl er ein Trottel ist,

hätte er so etwas bestimmt nie getan.

Vielleicht hatte er einen Grund?

„Es tut mir leid, Melissa. Das war alles keine Absicht!“

Er versuchte aufzuhören mit dem Weinen, doch es klappte nicht.

Ich ging näher an ihn ran um ihn zu trösten.

Natürlich wusste ich nicht so genau, wie ich es machen sollte,

denn es war eine andere Lage als die, mit denen ich sonst zu tun hatte…

Ich konnte ja schlecht sagen,

“Alles ist Okay Jannis, das kann jedem Mal passieren! Ist nicht so schlimm.“,

denn schlimm war es schon und ob alles Okay ist,

weiß ich auch nicht so recht. Aber ich sollte es mal versuchen.

„Beruhige dich doch endlich Jannis! Sag doch was los war! Gab es einen Grund? Habt ihr euch gestritten?“

Ich setzte mich neben ihn und guckte ihm das erste Mal richtig, ohne Wut,

in die Augen. Tief schwarz.

Aber doch wunderschön!

Behutsam legte ich meine Hand auf seinen Rücken, und er ließ es auch zu.

„Es tut mir leid!“, sagte er immer und immer wieder.

„Warte mal kurz“, sagte ich ihm und holte schnell seine Wasserflasche.

Sie lag zum Glück nur auf der Bank gegenüber von uns

und nicht in der Jungen Kabine.

Ich brachte sie ihm und sagte: „Hier, trink erst mal was, du musst dich beruhigen.“

Jannis trank ein wenig und beruhigte sich endlich.

„Ich wollte ihn ehrlich nicht treten, und…

Ich wollte dich auch wirklich nicht schlagen!

Ich hab vor Wut nur die Kontrolle Verloren und dir mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Und… Ich weiß nicht was passiert ist!

Wir haben geredet, und plötzlich lag er am Boden und krümmte sich.

Ich konnte nicht aufhören!

Ich… ich wollte nur reden! Ich schwöre es!“,

sagte er und sprang auf, setzte sich aber sogleich wieder hin.

„Warum warst du denn so sauer?“, fragte ich ihn ganz ruhig.

„Weil… Weil…“, stotterte er. Was will er denn sagen?

„Ja?“, fragte ich wieder.

„Nicht so wichtig…“, sagte Jannis, ich glaub er bemerkte selbst schon,

wie albern das klang.

„Jannis, du hast gerade Tarek Krankenhaus reif geschlagen, du willst mir allen ernstes sagen, es war nichts Wichtiges?

Du weißt selber wie dumm das klingt, aber wenn du es nicht sagen möchtest,

ist Okay, aber bitte besprich das noch mal mit Herrn Talke, ja?“

„Hm… Ja Okay, das mach ich, danke Melissa!“, sagte Jannis. Er stand auf und umarmte mich.

 

„Melissa? Bist du noch da?“, ruft Tarek in dem Augenblick.

„Hä? Was?“, frage ich verwirrt.

„Was ist denn los? An was, beziehungsweise wen hast du gedacht?“, lacht er los. Er betont das Wort „wen“ sehr stark.

„Halt die Klappe Tarek!“, lache ich mit.

„An wen oder was soll ich den gedacht haben?“

„Keine Ahnung, Melli, du hast gegrinst, also sag schon!“, lacht er weiter.

„Alles gut, was wolltest du mir sagen?“, frage ich noch mal nach.

„Nichts, schon gut.. Du hast sicher nichts vergessen heute?“, fragt er etwas enttäuscht.

Was ist denn – Oh Scheiße!

„Happy Birthday!!!“, rufe ich laut, umarme Tarek und gebe ihm einen Kuss auf die Wange.

„Geht doch, ich dachte schon du hast es endgültig vergessen!“, sagt er mit etwas trauriger Miene.

„Nein! Tut mir leid! Das war keine Absicht! Ich bin nur verwirrt wegen…“

„Salima?“, sagt er.

„Ja…Genau…“, flüstere ich, weil meine Stimme irgendwie nachgibt.

„Komm, dir kann man nicht lange böse sein, das wird wieder!

„Wieso ist sie denn eigentlich sauer?“

„Keine Ahnung, tut mir Leid“, sagt Tarek.

„Und warum gucken mich alle so verstört an?“

„Melli, ich weiß nicht alles, komm, wir sollten langsam rein gehen!“

„Frag doch mal? Warte…“, sage ich schnell.

„Wen soll ich fragen? Und warum soll ich warten?“, fragt Tarek verwirrend.

„Ist mir egal, ich will es nur wissen! Willst du ohne mich gehen?“

„Ich versuche es, und nein, aber wieso bleibst du hier?“

„Ich will den letzten Moment frischer Luft genießen, bevor ich in den stickigen Klassenraum muss!“, sage ich und wir lachen los.

Tarek fragt mich dann: „Hast du dich eigentlich bei Jannis bedankt?“

„Nein… Hab ich wohl vergessen.“

„Na dann aber los jetzt! Komm, du sitzt doch eh neben ihm!“, sagt er fröhlich.

Wir gehen rein, aber ein kalter Schauer fährt mir über den Rücken.

Irgendjemand beobachtet uns. Nur wer?

Warum bewegen sich meine Beine nicht weiter? Was ist los?

Alles ist plötzlich wie eingefroren!

„Hey, Melli, alles Okay mit dir? Du siehst schlimmer aus als ein toter Fisch!“,

sagt Tarek, als er mich sieht.

„N- Nein alles g- gut.“, stottere ich.

„Warum bist du dann stehen geblieben?“, fragt er mich.

„Können wir bitte rein gehen?“, fragte ich leise.

„Ja, komm, gehen wir!“

 

„Jannis!“, ruft Tarek.

„Hee, was los Tarek? ruft Jannis zurück.

Eigentlich echt schön zu sehen, dass sich die beiden verstehen,

wenn man daran denkt wie es vor drei Monaten war?

„Melissa wollte dir etwas sagen“, ruft Tarek mit einem fetten Grinsen.

Wieso ist er so froh?

„Was ist denn los Melli?“, fragt Jannis, auch der, mit einem fetten Grinsen.

„Warum grinst ihr beide so?“, frage ich ein bisschen verwirrt.

„Nichts, alles gut, nun sag schon Melissa, was ist denn los? Fragt Jannis, immer noch mit diesem fetten Grinsen.

„Ich wollt mich nur bedanken wegen heut morgen… im Englisch Unterricht“.

„HA! TAREK DU SCHULDEST MIR FÜNF EURO!“, ruft Jannis voller Freude.

„SCHEISSE!“, schreit Tarek los.

„Was zum…?“ frage ich.

„Wir haben gewettet, Tarek meinte du traust dich nicht, dich zu bedanken! Ich meinte du machst das!“, sagt Jannis voller stolz, Tarek flucht immer noch.

„Ist das euer Ernst?“, frage ich genervt.

„Tut uns leid“, sagen beide wie aus einem Mund.

„Egal“, sagte ich und setze mich hin.

Was ist denn das? Ein Zettel? Da steht ja mein Name drauf.

„Jannis?“, frage ich.

„Was los?“

„Lag der Zettel hier schon die ganze Zeit?“

„Nö, gar nicht gesehen, was steht da denn drauf? “, fragt Jannis ganz neugierig.

Nun kommt auch Tarek zu mir.

„Lass sehen!“, ruft er und nimmt mir den Zettel aus der Hand.

„Was steht drauf?“, fragt Jannis noch Mal.

Keine Antwort.

„Tarek? Alles Okay?“, frage ich.

Keine Antwort.

„Lass uns Mal sehen“, sagt Jannis und liest ihn mit mir zusammen.

 

 

 

Dein blaues Wunder,

Du kannst noch erleben,

Der Ball wird nur runder,

Du triffst nur daneben.

 

Nun hör mir mal zu,

Ich kann dich noch sehen,

Lass Jannis in ruh´,

Sonst wird was Geschehen.

 

Was soll das? Das ist doch ein Witz, oder?

„Melli?“, fragt Jannis leise. „Das ist doch bestimmt nur ein Scherz, oder?

„Das hoffe ich auch“, sagte Tarek.

„Egal, der Unterricht beginnt“, sage ich schnell, nehme den Zettel und stopfe ihn in meine Tasche.

Frau Lema kommt rein und beginnt gleich mit einem neuem Deutschthema: Gedichte.

Ich höre nicht ganz hin, denn der Zettel beschäftigte mich ein wenig.

Was soll das bedeuten? “Sonst wird was Geschehen“?

Jannis nimmt meine Hände in seine.

„Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung! “, flüstert er mir zu.

„Ja, ich weiß“, sage ich nur ganz leise.

Irgendetwas stimmt hier nicht.

Da fällt mir ein, was vor zwei Wochen geschehen ist.

 

Wir waren auf dem Weg zu Tareks Haus.

„Was ist, wenn er sauer ist auf mich?“, zögerte Jannis.

„Geh rein, er wartet schon.

Ich hab ihm gestern am Telefon gesagt, dass du kommen wirst, also los.

Er ist nicht sauer, er wird dich bestimmt verstehen.

Denn er weiß den Grund doch, oder?“, beruhigte ich ihn.

Wir klingelten und warteten darauf, dass jemand die Tür öffnete.

Tareks Mutter öffnete uns und ließ uns rein.

Sie bot uns etwas zu Trinken an, aber wir lehnten beide ab.

„Wo ist denn Tarek?“, fragte ich.

„Er ist in seinem Zimmer, er meinte ihr sollt hochkommen, wenn ihr da seid.“

„Ja, Okay, danke schön, rief Jannis und war blitzschnell hoch gerannt. Ich lief hinterher und sah, dass Jannis immer noch draußen stand.

„Geh doch rein?“

„Ähm… Ja, klar.“

Ich ging zur Tür und klopfte an.

„Ja?“ ertönte eine Stimme von drinnen.

Eindeutig Tarek.

„Hallo… Tarek? Können wir reden?“, sagte Jannis leise.

„Klar Jannis, komm rein. Aber lass Melissa bitte draußen“, rief Tarek.

„Wieso?“, fragte ich verwirrt.

„Warte einfach auf mich Melli, ich komm gleich wieder raus.“

„Na gut, aber beeil dich, ich hab Hunger!“, rief ich ihm hinterher.

„Ja, ja, wie immer, ich gebe dir nachher was aus!“, rief er voller Freude.

Worüber reden sie nur? Warum darf ich nicht rein? Ich hab so dollen Hunger!

Ich warte schon seit zehn Minuten! Da kam er ja endlich!

„Wieso hat das so lange gedauert?“, fragte ich etwas aggressiv.

„Tut mir leid, war keine Absicht.

Komm wir gehen jetzt mal so richtig schön Essen, ja?“,

sagte er und lächelte mich an.

„Ich bin aber pleite.“

„Melli! Ich hab doch gesagt, ich gebe dir was aus!“, grinste er breit.

 

Wieso war er so froh gewesen? Was war denn los?

Zuerst war er schüchtern und dann voller Freude?

Na gut, er hat vielleicht an was Schönes gedacht? Na egal.

„Über was habt ihr geredet“, frage ich gerade.

Jannis schaut mich verwirrt an. „Worüber redest du da Melissa?“

„Ich meine, vor zwei Wochen. Bei Tarek zu Hause. Über was habt ihr geredet?“

„Nichts Besonderes.

Ich hab mich entschuldigt, und wir haben darüber gelacht,

weil es irgendwie lustig war. Warum fragst du eigentlich?

Wieso interessiert dich das denn so sehr?“,

fragt er und versucht dabei seine Chips zu essen, ohne bemerkt zu werden.

Denn eigentlich dürfen wir ja nicht im Unterricht essen.

„Nur so. Wollte es nur wissen. Und wieso habt ihr euch nun geprügelt?“

„Melissa, das ist doch jetzt nicht so wichtig. Willst du ein paar Chips?“

„Nein danke, kein Hunger…“

„Du mal ohne Hunger? Krass, mal was Neues!“

„Spinner!“, sage ich.

„Immer wieder gern Melli!“, zwinkert er mir zu und wir lachen los.

„Wir sollten öfters zusammen Essen gehen Jannis!“

„Wieso?“, fragt er und lief ein wenig rot an.

„Ich muss dann kein Geld ausgeben!“, lachte ich los.

Jannis stimmte mit ein und der Unterricht war zu Ende.

Ich packte meine Sachen ein und spürte wieder Blicke auf mir. Ich blickte hoch, doch da war keiner. Was wird da mit mir gespielt? Was ist denn verdammt noch mal Passiert?

 

In den nächsten Tagen bekam ich viele dieser Briefe,

beziehungsweise Drohgedichte und alle Schüler ignorierten mich.

Wieso denn? Was habe ich getan? Ich will es wissen! Wieso Passiert das alles plötzlich? Ich habe nichts getan! Und Salima erst! Was hat sie gegen mich? Ich versteh die Welt nicht mehr! Warum tut sie das? Und von wem stammen die Briefe? Ich bin mir sicher, dass sie nicht von Salima stammen, denn sie würde so was niemals tun! Ja, sie ist momentan sauer auf mich, aber sie ist meine allerbeste Freundin! Das geht nicht! Vielleicht Timera? Sie hegt doch den meisten Hass auf mich? Seit der 6. Klasse. Wieso noch Mal? Ich weiß es nicht mehr.

Aber…

„…das ist egal, es interessiert mich nicht mehr!“, sagte ich etwas zu laut, so dass Tarek und Jannis mich hörten.

„Was ist egal?“, fragten die beiden und guckten mich mit einem fragenden Blick an.

„Ähm…“ In was für eine Lage habe ich mich denn jetzt rein gegraben?

„Gar nichts, alles gut!“

„Okay, wenn du meinst“, etwas in ihrem Ton verrät mir, dass sie sich Sorgen machen, doch ich ignoriere es einfach, denn meine Gedanken schweben umher.

 

„Melli?“, flüstert mir jemand zu.

„Ja?“, sage ich, doch niemand scheint da zu sein.

„Tarek? Jannis? Wo seid ihr?“, schreie ich.

Wo bin ich? Es ist dunkel und regnerisch.

Ich höre Stimmen, doch da ist keiner.

Wo bin ich denn nur?

Ich sehe in die Finsternis, doch da ist nichts anderes zu sehen als Bäume.

Ich laufe und laufe.

Äste streifen meine Arme und mein Gesicht.

Ich fasse mir an die Stirn und spüre was Flüssiges.

Blut?

„Melli!“, die Stimme war jetzt lauter geworden.

„Melissa“; ruft nun eine andre Stimme.

Wer sind die denn?

Die Stimmen kommen immer näher. Ich weiß nicht mehr weiter.

Ich laufe nur im Kreis herum. Ich habe mich verlaufen.

Ich schließe die Augen und falle ins Nichts.

Ich spüre nun auch Arme die mich fest halten.

Nicht um mir zu helfen, sondern um mich ins Feuer zu schmeißen!

Ich mache die Augen wieder auf. Es war hell. Was war das denn gerade?

Ich sehe zwei Gestalten. Wer sind sie? Sie fassen mich an, ich wehre mich.

„Lasst mich in Ruhe! Fasst mich nicht an!“, schreie ich herum.

Ich schlage um mich. Ich weiß nicht mehr was ich denken soll.

„Melissa, beruhige dich doch endlich!“, ruft jemand.

„Hey, hey, Melissa, wir sind´s doch nur, Tarek und Jannis, hey, hörst du mich?“, Tarek… Jannis…

Ich höre schlag artig auf um mich zu schlagen, umarme beide zusammen

und fange an zu weinen.

Beide legten ihre Hand auf meinen Rücken.

„Du bist nur eingeschlafen Melli, es war nur ein Albtraum!“, ruft Jannis.

„Es ist alles gut! Hörst du? Alles gut!“, sagt Tarek.

„Ich hab Angst! Bitte geht nicht weg!“, schreie ich.

„Nein, wir lassen dich niemals allein! Du brauchst keine Angst zu haben!

Wir sind doch da“, dann fingen beide an zu lächeln.

Ich bin echt froh sie zu haben.

„Wir müssen rein, willst du noch hier bleiben?

Wir können gerne noch ein Weilchen draußen sein, das ist besser.“,

Jannis versucht mich zu beruhigen.

Wir bleiben noch ein bisschen draußen und dann gehen wir rein.

Ich gehe mit Jannis auf meinen Platz und Tarek erklärt Frau Telemann, warum wir so spät kommen.

Meine Augen sind noch ein wenig feucht, weil ich lange geweint habe.

Am Schulschluss um 14:30 Uhr bringen mich Jannis und Tarek nach Hause.

„Wenn was ist, sag bitte bescheid Melissa! Wir machen uns langsam echt Sorgen um dich!“, sagt Jannis, und ich nicke still.

 

Zu Hause angekommen, lege ich mich ins Bett.

Ich konnte nicht schlafen, deshalb gehe ich an mein Handy.

Eine Whatsapp -Nachricht von jemandem Fremdes? Ich schaue nach.

 

Wir habe dich gewarnt Süße, du wolltest ja nicht hören.

Mach dich auf was gefasst, denn dein Leben geht ab jetzt Berg ab

und du kannst nichts mehr dagegen tun.

Du glaubst mir nicht? Du wirst schon sehen.

Versuche erst gar nicht jemandem Bescheid zu geben,

es wird nur schlecht für dich aussehen!

Dein Leben wird dir zur Hölle gemacht, du miese Schlampe!“

 

Was soll das? Was soll ich jetzt machen? Was ist, wenn sie es Ernst meint?

Nein, das kann nicht sein! Es ist alles Okay.

Was soll ich nur tun? Ich kann doch Jannis und Tarek davon erzählen?

Nein, die werden nichts tun sie sagen mir nur wieder, ich solle keine Angst haben. Sie können ja sowieso nicht immer da sein.

Ich muss selber raus kommen aus der Sache!

Wer sind die nur? Vielleicht wollen sie mir nur Angst machen?

Wenn ja, dann haben sie ihr Ziel erreicht.

Ich schiebe aber keine Panik. Ich fühle mich nur allein gelassen.

Vielleicht war es doch Salima? Oder Timera?

Ich weiß es nicht, ich will nur allein sein!

Ich sage es lieber niemanden,

damit reize ich die Schreiberinnen sowieso nur noch mehr.

Ich lege mich lieber wieder hin.

Mein Handy Vibriert. Wer ruft mich denn an?

Ich schaue auf den Display. Jannis…

„Hallo?“

„Was ist denn?“, sage ich ein wenig aggressiv.

„Tut mir leid, ist das ein schlechter Augenblick?“, fragt er ein bisschen traurig.

„Nein. Geht. Was ist denn los?“

„Wollte dich nur Fragen ob alles in Ordnung ist?“

„Ja.. Warum?“

„Na ich mach mir Sorgen um dich, wenn was ist, sagst du aber Bescheid, oder? Ich hab immer Zeit für dich!“, sagt er.

„Danke… Ja, mach ich…“

Ich kann es ihm nicht sagen! Es geht nicht! Ich darf nicht!

„Ich…“, sagt Jannis leise.

Ich hörte neben der Stimme von Jannis noch eine andere, wer ist das?

Ich höre genauer hin und bemerke dass es Tarek ist.

„Ich leg jetzt auf. Grüß Tarek auch von mir, außer er hört es natürlich schon.“

„Melissa, warte! Ich -“, ertönt es noch aus dem Telefon, bevor ich auflege und

mein Handy ausschalte.

Ich lege mich wieder hin und schlafe schlagartig ein.

Ich träume wieder von dem Traum mit der Finsternis und dem Wald.

 

Am nächsten Tag fahre ich mit dem Fahrrad zur Schule.

Plötzlich kommt Jannis auf mich zu und will mit mir über etwas reden, doch dann hält er inne.

„Was ist denn los?“, fragt er.

„Nichts.“

„Wieso blockst du immer? Sag schon, was ist los mit dir?“

„Gar nichts, bitte Jannis, alles ist in Ordnung“, lüge ich.

„Wenn du es sagst, muss es ja stimmen.“

Ich gehe einfach in die Klasse und lasse ihn stehen.

Ich setzte mich auf meinen Platz und hörte wie Jannis und Tarek, als sie in die Klasse kommen, reden.

„Weißt du was mit Melissa los ist? Sie verhält sich eigenartig“, sagt Jannis.

„Ist mir auch schon aufgefallen. Seitdem sie den Zettel gelesen hat. Vielleicht nimmt es sie doch ein wenig mit?“, flüstert Tarek, aber ich höre alles.

Jedes einzelne Wort.

„Kann sein, aber sie will nicht darüber reden.“

„Hast du gestern noch mal mit ihr geredet?“

„Nein, sie hat ihr Handy ausgeschaltet.“

„Oh. Wird schon Jannis!“, muntert Tarek, Jannis auf.

Jannis kommt zu mir und setzt sich.

„Hey“

„..Hey“, sage ich mit einem kleinen Zögern. „Was wolltest du mir gestern denn sagen?“

„Nicht so wichtig, das klären wir ein anderes Mal.“, sagt er schnell.

„Hm… Na gut.“

Am Schulschluss bemerke ich dass sich eine Menschenmasse um die Fahrräder herum scharrte.

„Was ist hier los?“, frage ich Tarek, der da auch schon steht, er ist größer als ich, deshalb sieht er mehr.

„Irgendein Fahrrad steht in Flammen, ein Lehrer holt die Feuerwehr.“

„Was für eins denn?“, frage ich blitzschnell, denn ich habe so ein mulmiges Gefühl.

„So ein… Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, man erkennt nichts mehr.“

„Es… Ich glaub es ist meins…“, stammelte ich.

„Wie jetzt?!“, sagt Tarek schnell, schiebt die Menschenmasse zur Seite und geht mit mir nach vorne.

„Das ist nicht deins, oder?“

Ich gab keine Antwort darauf.

„Melissa! Sag mir was los ist!“, sagte er und drückt mir etwas unsanft mit den Händen auf die Schultern.

„Lass mich in Ruhe!“, sage ich, schubse ihn weg und renne weg.

Ich renne und renne aber nach einer Weile renne ich genau in Jannis rein.

„Hey, was ist denn los, Kleine? Warum so eilig?“, fragt er mich, doch ich renne einfach weiter.

„Melissa!“, rufen mir beide hinterher.

Da packt mich jemand am Arm und zieht mich herum.

Jannis…

„Bist du noch ganz dicht?!

da ist eine Strasse und du rennst einfach mitten hinein?! sag mal, was stimmt nicht mit dir?!“

Ich weine einfach weiter.

Tarek kommt jetzt auch.

„Was soll das? Melli, rede mit uns, wir wollen dir doch nur helfen, verdammt noch mal!“

„LASST MICH DOCH ENDLICH ALLE INRUHE!!!“, schreie ich los.

Jannis lässt mich los, und ich renne weg.

In dem Augenblick wollte ich keinen mehr sehen.

Überhaupt keinen.

Ich renne nach Hause und laufe in mein Zimmer.

„Melli, wie war Schule?“, fragt mich meine Mutter auf den Weg in mein Zimmer.

„LASS MICH IN RUHE!“

„Aber-“

„Mama, lass sie, sie wird sich schon beruhigen!“, mischt sich Linda ein.

Ich schließe die Tür ab und lege mich in mein Bett.

Mir kommen die Tränen.

Warum ich? Was habe ich getan? Ich habe doch nichts gemacht? Wieso passiert nichts Gutes? Alle hassen mich! Ich bin so alleine!

Am nächsten Tag bleibe ich zu Hause und ignoriere alle Anrufe von Jannis und Tarek.

Ich fühle mich komisch. Eine Mischung aus Angst, Hass, Wut und Trauer mischten sich in mir.

Was soll ich nur tun? Ich kann mich doch nicht die ganze Zeit krankschreiben lassen? Wie soll es nur weiter gehen?

Es waren schon cirka dreißig Anrufe zusammen.

Ich ignoriere es aber. Ich weiß, dass sie mir nur wieder Fragen stellen würden.

 

Einen Tag darauf fragt mich, überraschenderweise, keiner von den beiden etwas.

Auf dem Schulhof begrüßen sie mich und fragen mich nur, ob es mir gut geht.

Ich sage:“ Ja“. Danach aber gar nichts mehr, ich bleibe die ganze Zeit stumm.

Tarek sagt mir, dass wir eine Freistunde haben. Ich weiß nicht was ich tun soll, deshalb gehe ich in die Klasse, doch bemerkte auf dem Weg,

wie Jannis und Tarek mich immer wieder Sorgenvoll angucken.

Wenn ich sie aber anschaue, gucken sie wieder weg.

Ich kann mich wohl später noch entschuldigen.

Ich war echt nicht nett zu ihnen, obwohl sie sich immer liebevoll um mich gekümmert haben.

Ich gehe von dem Schulhof aus in den Klassenraum und zu meinem Platz.

Ich will mich setzen, doch als ich mich hinsetze kracht der Stuhl in sich hinein, und ich falle auf den Boden.

„Melissa! Alles in Ordnung?“, ruft Jannis gleich, rennt zu mir und hilft mir auf.

Alle Kinder lachen.

„Da hat die fette Schlampe den Stuhl einfach geschrottet!“, ruft Timera und alle lachen noch heftiger.

Ich unterdrücke das Weinen.

„Halt die Fresse Timera!“ ruft Jannis voller Zorn und will auf sie los gehen aber Tarek kommt und hält ihn auf.

„Denk an dein Ziel Jannis, lass die Nebensachen ruhen“, flüstert Tarek Jannis leise zu.

Was meint er? “Denk an dein Ziel“? Welches Ziel war gemeint?

Jannis geht mit mir raus, wir setzen uns voreinander auf den Boden und er fragt mich ob ich Schmerzen hab.

„Schon Okay Jannis, Alles gut.“, sage ich nur, natürlich wieder gelogen, denn ich habe heftige Schmerzen und das überall.

„Melissa! hör auf mich immer anzulügen!

Sag mir doch endlich die Wahrheit!“, schreit er aggressiv.

Ich bekomme ein wenig Angst vor ihm.

„Jetzt hör doch mal auf, Jannis, siehst du nicht dass sie Angst hat?“, ruft Tarek schnell.

„Aber wieso sagt sie dann nicht wovor? Ich bin am Ende Mann, verstehst du das? Am Ende. Ich kann nicht mehr!“. Man hört schon an seiner Stimme, dass Jannis schon die Hoffnung verloren hat

„Beruhig dich, Junge! Frag sie doch? Sie sitzt direkt vor dir!“, sagt Tarek, der auch ein bisschen aggressiv klingt.

„Vertraust du uns nicht? Magst du uns nicht? Was ist los Melissa!“, sagte Jannis, der immer noch ein wenig aggressiv klingt.

„Doch… Doch, klar… Nur…“, stottere ich.

„Melissa, es ist Alles okay“, versucht Tarek mich zu beruhigen.

„Dir passiert nichts, verstehst du? Alles Okay, aber bitte Melissa! Rede mit uns!“

Dann endlich schaffe ich es zu weinen.

Ich weine sehr lange, Jannis nimmt mich in den Arm und Tarek versucht mich auch zu trösten.

Ich bin echt froh sie zu haben, sonst wäre ich schon lange am Ende.

 

Ich habe mich beruhigt und zeige Jannis und Tarek die Briefe und die Nachricht auf Whatsapp.

„Aber wieso hast du uns nichts davon erzählt?“, fragen mich beide.

„Ich weiß nicht. Ich weiß es ehrlich nicht“, sage ich geistig abwesend.

„Du kleines Dummerchen, du kannst uns alles erzählen!“, sagt Jannis und umarmt mich wieder.

Ich spüre wieder diese Blicke auf mir, doch diesmal sehe ich die Person.

Es war… Salima.

„Salima! Warte!“, rufe ich und stehe auf, Jannis aber hält mich immer noch fest.

„Lass mich los! Salima warte auf mich!“.

Ich reiße mich von Jannis los und laufe Salima hinterher.

„Melissa! Warte doch! Es hat keinen Sinn!“, ruft Tarek mir nach,

doch ich gehe weiter.

Ich gehe in die Klasse.

„Salima! Was ist denn los? Sag mir doch wenigstens was ich falsch mache!“

Sie ignoriert mich nur und unterhält sich mit Timera.

„Melli! Es bringt nichts. Komm!“, sagt Jannis und zerrt mich weg.

„Aber sie muss doch irgendwann mit mir reden?“

„Ja, vielleicht, aber bitte lass es jetzt einfach.

Sie wird schon sehen was sie davon hat.“.

Man merkt ihm schon an, wie sauer er ist, aber echt bewundernswert wie er sich zurück hält! Normalerweise würde er jetzt ausrasten.

Aber jetzt wie ich sehe, nicht.

Irgend etwas läuft schief. Ich muss es einfach herausfinden! Was ist passiert? Warum ist Salima so sauer?

Hat sie vielleicht doch etwas mit der ganzen Geschichte zu tun?

Ich muss es herausfinden!

„Komm, du brauchst frische Luft Melissa!“, sagt Tarek voller Freude

und zieht mich raus.

Jannis kommt hinterher gedackelt.

„Habt ihr eigentlich herausgefunden, warum mich alle plötzlich ignorieren?“

Jannis und Tarek schauen sich gegenseitig an und dann wieder zu mir.

„Nein, nichts, haben beide nichts herausgefunden…“

„Sicher?“

„Sie gucken sich wieder an.

„J..Ja Melli.“

„Melissa bitte, Themawechsel, ja? “

„Okay.“

Wie stellen uns bei den Fahrrädern an die Stangen und setzen uns darauf.

Tarek steht aber lieber.

Plötzlich bricht die Stange ab und ich falle, ich schreie los doch Tarek fängt mich auf,

so, dass ich doch nicht auf den Boden falle.

„Oh mein Gott, danke Tarek!“, sage ich und falle ihm um den Hals.

„Die Stange war bestimmt nur verrostet“, meint Tarek.

„Nein“, sagt Jannis, „Schaut mal genauer hin. Sie wurde angesägt.“

„Was sagst du da?“, frage ich noch mal nach und drehe mich zu Jannis.

„Guck doch! Hier!“, ruft er und zeigt auf die an gesägte Stelle.

„Irgend etwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu!“, sagt Tarek leise.

„Du solltest besser aufpassen Melissa. Ich glaub die meinen es ernst.

Es sieht vielleicht noch nicht so schlimm aus, aber pass bitte auf.“

„J- Ja, mach ich“, stottere ich.

„Wir sollten rein gehen! Jannis? Melissa? Kommt ihr?“

„Ja!“, sagen Jannis und ich wie aus einem Mund.

 

Wir gehen rein und Jannis holt mir einen neuen Stuhl. Wir haben jetzt Deutsch mit Frau Lema.

Wieder diese Blicke. Wer ist das? Oder bilde ich es mir nur ein?

Ich schaue zu Jannis, doch er guckt nach vorne. Ich schaue zu Tarek, doch er redet mit Cedric, seinem Sitznachbarn.

Ich gucke zu Salima.

Was ist nur passiert? Ich will es endlich wissen! Wieso macht sie das?

Ich kann an nichts anderes mehr denken als an Salima.

Ich will sie nicht verlieren, doch was soll ich tun?

Ich bemerke plötzlich, dass sie mich auch anguckt.

Was denkt sie denn nur? Warum hat sie plötzlich so ein schlechtes Bild von mir?

Ich habe nichts getan! Ich war doch immer für sie da!

Sie war auch immer für mich da! Wieso heute nicht? Warum nicht?

Ich will, dass alles wieder so ist wie früher!

Kann sie mir nicht einfach den Grund sagen? Einfach was los ist?

Was ich falsch gemacht habe?

Vielleicht ist das alles nur ein großes Missverständnis?

Ich muss sie einfach noch mal drauf ansprechen!

Vielleicht fühlt sie sich vernachlässigt von mir?

Vielleicht weil ich mehr mit Tarek unternehme als sonst? Ist es das?

„Melissa?“, sagt Jannis ein wenig zu laut.

„Warum schreist du so?“

„Ich hab dir schon drei Mal gesagt, dass wir jetzt Pause haben Melli.

Du hast nicht reagiert, deshalb dachte ich, ich rede etwas lauter.

Woran hast du gedacht?“

„Gar nichts, ich bin nur ein wenig müde.“

„Hast du nicht genug Schlaf gehabt?“

„Ich weiß nicht, ist jetzt auch egal. Gehen wir?“, sage ich schnell um nicht weiter über Salima nach zu denken.

„BEVOR IHR GEHT KINDER!“, ruft Frau Lema uns noch zu und

stellt sich schnell vor die Tür.

„Bitte nicht vergessen, wir gehen morgen in den Wald.

Also bitte keiner mit seinen Schulsachen ankommen, wie Jannis das letztes Mal!“.

Alle fingen an zu lachen.

„Das war pure Absicht! Ich wollte im Wald was lernen!“

„Das glaubst du wohl selber nicht!“, lacht Tarek los.

Dann lacht Jannis auch los.

Wir können jetzt raus, und ich gehe auf Toilette.

Ich machte die Kabine zu und hörte wie Leute reinkommen.

Sie fangen an zu reden.

„Wir müssen sie dazu bringen, sich im Wald zu verlaufen!

Dann müssen wir ihre hässliche Fresse nicht mehr sehen!“, lacht jemand los.

Wenn ich mich nicht irre, ist das Timera.

Meint sie mich? Ich hoffe ja eher nicht!

Wen Timera da ist, heißt das Salima ist auch nicht weit entfernt von ihr.

„Ja, aber wie sollen wir das machen? Hast du eine Idee Timera?

Ich glaub nicht, dass es einfach werden wird, denn Melissa ist sehr schlau.

Sie findet bestimmt irgendwie selber heraus!“, fragt jemand anderes.

Salima! Wer sonst? Ihre Stimme ist leicht zu erkennen.

„Hmm… Komm doch heute Nachmittag bei mir vorbei Salima, wir werden schon was finden, was uns beide froh macht!“, sagt Timera.

Was soll ich nur tun?

Sie gehen raus, und ich warte noch einen Augenblick.

Ich gehe ein wenig später raus aus der Toilette und der Rest des Tages vergeht sehr langsam.

 

Ich packe meine Sachen und gehe in die Schule.

Tarek wartet schon auf mich, aber wo ist Jannis?

„Warte doch Melli!“, ruft jemand hinter mir.

Ich drehe mich langsam um und sehe Jannis, der angerannt kommt.

„Sonst bist du doch immer so früh da? Wieso heute nicht?“, frage ich ihn und gehe mit ihm in Richtung Tarek.

„Hatte so einen schönen Traum von jemanden, dass ich gar nicht mehr aufstehen konnte!“, sagt er und grinst breit.

„Hey Tarek!“, sagen wir gleichzeitig und fingen an zu lachen.

Auf den Weg in den Wald redet keiner von uns dreien ein Wort.

Dort angekommen werden wir in Gruppen aufgeteilt.

Ich habe mir dabei nichts gedacht, denn Jannis hat vollstes Vertrauen, dass wir beide in eine Gruppe kommen.

„Melissa ist in einer Gruppe mit“, fing Frau Lema an.

„Mir, mir, mir…“, flüstert Jannis neben mir die ganze Zeit zu sich selbst.

„Salima!“

Nein! Das kann doch nicht Wahr sein! Was soll der Mist? Das kann sie doch nicht machen? Oder?

„Das schaffst du schon Melissa!“, sagt Jannis leise zu mir.

Tarek ist mit Jannis in einer Gruppe. Die Glücklichen!

Wir müssen alle den Weg zum Wasser finde.

Wo der ist? Das wissen wir nicht.

Wir bekommen nämlich alle eine Karte mit Rätseln.

Diese Rätsel müssen wir zu zweit in unseren Gruppen, lösen und den Weg finden.

Wir gehen los und wechseln kein Wort miteinander.

Plötzlich wissen wir nicht mehr weiter, denn ich glaube,

wir sind den falschen Weg gelaufen.

„Gib es zu, wir haben uns verlaufen!“, sage ich.

Ich hoffe auf keine Antwort.

„Nein, wir sind richtig“, flüstert sie schroff.

Sie redet mit mir? Warum das?

„AHHHHHH!!!“

Was war das?

„Salima? Wo bist du?“

„Aua! Melissa!“, keuchte sie.

Wo ist Salima?

„Salima? Wo bist du denn? Salima!! Sag doch!“, ich bekomme langsam Panik.

Ich ging rückwärts und falle in ein tiefes loch.

„AHHH!!!“, schreie ich.

Ich höre ein Weinen und Keuchen.

„Salima? Bist du das?“, frage ich leise.

„Melissa? Alles in Ordnung?“, fragt sie mich, man hört ihr schon an, dass sie sich Sorgen macht.

„Ja.. Bei dir?“

„Ich glaub mein Knöchel ist verstaucht. Ich kann mich nicht bewegen!“

Es war dunkel, doch ich fand sie schnell, denn ich folgte nur ihrer Stimme.

„Es wird alles wieder gut“, muntere ich sie auf und wir umarmen uns.

„Komm, ich stütze dich, wenn wir zusammen halten, kann uns nichts passieren“

„Ja Melissa. Es tut mir leid was dir in den letzten Tagen passiert ist. Ich wollte das nicht, aber…“

„Schon Okay, erst mal müssen wir hier raus kommen.“

„Nein..“

„Was Nein?“

„Es ist nichts okay! Ich war nur… Eifersüchtig auf dich.“

„Wieso das?“

„Merkst du das nicht? Jannis steht voll auf dich! Er liebt dich!“

„Er..liebt mich?“

„Ja, du Dummerchen! Das tut er so was von!“

„Aber..was ist mit dir?“

„Ich hab begriffen, dass ich mich scheiße dir gegenüber verhalten habe, aber Timera… Sie hat mir immer mehr erzählt. Es tut mir ehrlich leid!“

„Schon okay! Ward ihr das auch mit dem Stuhl? Meinem Fahrrad? Der Stange?“

„Ja, Ja und.. Warte was? Von der Stange weiß ich nichts, welche Stange?“

„Das erzähl ich dir später irgendwann! Du bist dir sicher er steht auf mich?“

„Ja! Wie oft noch? Er ist nur ein wenig schüchtern dir gegen über, deshalb ist er auch gestern auf dem Flur so ausgerastet! Er dachte du hasst ihn vielleicht!“

„Woher weißt du das alles? Stalker?“

„Nein, Tarek.“

„Tarek? Wann habt ihr mit einander geredet?“

„Melissa, er hat alles dafür getan, das wir wieder Freunde werden! Weshalb glaubst du sonst, sind wir in einer Gruppe gewesen?“

„Aber…“

„Ja, sogar Tarek war in dich verknallt, deshalb auch der Streit in der Sporthalle und deshalb hat Jannis Tarek auch anfangs immer gemobbt, denn irgendwie hat Jannis es heraus gefunden und Tarek hat Jannis gesagt als er ihn besucht hat, das er dich nett findet und so, aber.. auf jemanden anders steht, deshalb. Ja, willst du noch etwas Wissen, bevor- SPIIINNEEEE!!!!!“

„Beruhig dich! Wir sind in einem Wald, was dachtest du kommt? Vielleicht ein pinkfarbenes Einhorn?“

„So in der Art?“

Und wir fingen an zu lachen.

 

Ich half Salima auf und wir suchten einen Weg raus.

„Da vorne ist was!“

Wir laufen hin und lehnen uns kurz an die Höhlenwand.

„Salima? Hallo? Das ist nicht lustig! Hallo??“

Keine Antwort.

„SAAALLIIIMAAAA!!!“

Wo ist sie nur? Was ist denn jetzt passiert? Melissa, nun schieb keine Panik!

„Suchst du die hier?“, ruft ein Mann und schaltet die Taschenlampe an und hält Salima mit der anderen Hand ein Messer an den Hals.

„SALIMA!“

„Melissa, hilf mir!“

„LASSEN SIE SIE LOS! SIE MACHEN IHR ANGST!“

„Ach, wirklich? Vielleicht ist es so besser?“

Er drückte noch fester zu, sodass Salima ihr Gesicht vor Schmerz verzieht.

„AUUAA! LASSEN SIE MICH LOS!“

Er drückt wirklich mit dem Messer zu.

Er macht keinen Spaß, er meint es wirklich Ernst! Was soll ich nur tun?

Ich will sie nicht verlieren. Ich habe Angst um Salima, was soll ich machen?

„Was wollen sie?“

„Deinen Tod!“

„WAS…!“

„Ja ganz recht Melissa, erinnerst du dich nicht mehr an mich? Du hast mich an die Polizei verpfiffen, weil ich zehn Leute erschossen habe, weißt du noch?

Und nun bereitest du meiner Tochter Timera noch Probleme in der Schule?“

„Sie..“

„Ihre.. Was?!“, schreit Salima.

„Ach, sei still Püppchen, sonst rutscht mein Messer aus.“

„NEIN!“

„DAS HOFFEN SIE WOHL!“, ruft jemand.

Der Mann fällt um. Was ist passiert? Ab den Moment wurde alles schwarz vor meinen Augen.

Ich wache in einem weißen Zimmer auf.

Ich sehe Jannis dort vor mir sitzen.

„Jannis?“

„Melissa? Melissa!!!“, schreit er vor Freude und umarmt mich etwas zu fest.

„Wo bin ich? Und was…Wo ist Salima? Geht es ihr gut?“

„Warte… Du wurdest von einem Messer getroffen und warst am verbluten, bist umgekippt und fragst mich dennoch ob es Salima gut geht?“

„Wann ist das passiert?“

„Na, gestern, beim Ausflug! Wann sonst?“

„Davon weiß ich aber gar nichts!“

„Wie auch, du bist ja schon umgefallen als wir kamen und das Messer in deinen Bauch geflogen ist!“

„Oh.“

„Ja, außerdem hast du einen geprellten Arm und dein Fuß ist auch geprellt.

Wie hast du Salima dennoch gestützt?“

„Salima ist mir wichtiger als so ein paar Schmerzen, weißt du?“

„Genau wie damals…“

„Was?“

„Du bist nur zusammen gezuckt und standest wieder wie vorher, als hätte ich dir nie ins Gesicht geschlagen…Einfach… WOW!“

„Denk bitte nicht daran, das macht dich nur depressiv!

Deine große Liebe geschlagen zu haben, mitten ins Gesicht?

Keine gute Erinnerung, oder was meinst du?“

Jannis wurde ganz rot im Gesicht als ich “große Liebe“ sagte.

„Was?“

„Woher weißt du…. Woher weißt du das?“

„Ich hab da so meine Kontakte, weißt du?“

Ich küsste ihn einfach auf den Mund.

„Besser mein Janni?“

„Besser meine Melli!“

„Sag mal, wusstest du das mit Tarek?“

„Was?“

„Das er auf jemanden steht?“

„Klar! Salima!“

„WAS?!“

„Ja, genau! Salima!“

„Oh Mann!“

 

 

Von dem Tag an war alles wieder normal.

Wobei normal nicht das richtige Wort ist, denn Timera ist nett zu mir.

So richtig nett.

Wieso sie nett ist, weiß ich nicht, ehrlich gesagt!

Also ist es doch ein Happyend geworden!

Timera entschuldigen sich bei mir und die ganze Klasse auch noch, weil sie mich ignoriert haben.

Es stellte sich heraus, dass Jannis und Tarek doch wussten, warum alle mich ignorierten! Sie sahen mich alle als Schlampe! Denn Timera hatte herum erzählt, dass ich mich an jeden Nächstbesten ranschmeiße!

Aber das ist jetzt nicht mehr so wichtig.

Ich bin froh, dass sich alles wieder zum Guten gewendet hat und Salimas und meine Freundschaft gerettet wurde.

 

Die Lehre die ich daraus gezogen habe ist,

dass man niemals aufhören sollte zu hoffen,

denn irgendwann wird alles sich zum Guten wenden!

Man sollte immer glauben, denn dein Glaube wird dich daran hindern aufzugeben.

„Mellii? Kommst du? Das Flugzug wartet nicht auf uns!“, ruft Jannis mir zu. „Jaa, ich komme ja schon!“

Wir fliegen zusammen nach Spanien, da wollen wir unsere Flitterwochen verbringen.

Der Vorfall ist schon acht Jahre her und Jannis und ich sind verheiratet.