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Das Kind

Gemeinschaftstext des Wahlpflichtkurses „Ich, einfach fantastisch“ der Stadtteilschule Denksteinweg-Holstenhof

Die Autoren sind: Kelly Temberge, Ali Baratzadeh, Sarah Türkmen, Ayse-Sare Saglam, Gizem Kosar, Leonie Drosdowski, Danny Schmuhl, Pascal Kienbaum, Medine Ucak, Anumsa Bekiri, Silvana Löw, Precious Rasch, Joshua Schrey, Sina Schrey, Sophia Thürkau und Melike Erdogan

Prolog

Eva sitzt auf dem Bett und schaut sehnsüchtig aus dem Fenster. Sie lehnt den Rücken gegen die Gummiwand. Das Fenster ist hoch oben in die Wand eingelassen und vergittert.

Sie fragt sich, warum sie in der Zelle gefangen ist. Sie schreit die Wand an: „ICH WILL HIER RAUS. ICH MUSS ZU MEINER TOCHTER ELENA!!!!“ Sie erinnert sich an die alten Zeiten mit Elena. Wie sie alle zusammen Familie gespielt haben. Weit weg fällt ein Glas herunter. Eva schreckt aus ihren Gedanken auf und bekommt Gänsehaut. Sie erinnert sich, wie Glassplitter auf sie fallen. Eva sagt: „Ich vermisse Kevin. Wo mag er wohl sein? Ich liebe ihn noch immer so sehr.“ Es war so schön mit Kevin im Park Händchen zu halten. „Wir waren eine tolle Familie. Wir haben immer zusammen gehalten und wir unterstützten uns.“

Sie fängt an, gegen die Wand zu hauen und fängt an zu weinen. Der Arzt kommt herein: „Eva, Eva, Eva was ist denn wieder mit Ihnen?“ „Ich muss zu meiner Tochter. Die Kleine braucht mich.“ Der Arzt setzt sich zu ihr aufs Bett. „Eva, Sie haben keine Tochter.“

 

Kapitel 1

Eva steht vor dem Babyladen im Billstedter Zentrum und schaut auf die Babykleidung. Kevin bemerkt, dass Eva sich die Kleider anguckt. Er schlägt vor, dass sie es noch einmal versuchen. Das andere Kind haben sie verloren. Nach nur einem Monat. Sie waren beim Arzt und der meinte, dass sie keine Kinder mehr bekommen könnten. Eva erlitt einen Nervenzusammenbruch. Erst fühlte sie sich schwach auf den Beinen, dann heulte sie und fiel um. Kevin rief einen Krankenwagen, weil er Angst hatte und nicht wusste, was los war.

Kevin bot Eva an, dass sie ein Kind adoptieren können. Aber Eva sagte: „Denkst du allen Ernstes, dass sie zwei Menschen wie uns, ohne Job, ein Kind anvertrauen? Glaubst du doch selber nicht.“

Es gibt noch andere Möglichkeiten ein Kind zu bekommen.“

Eva sagte: „Wie meinst du das? Sie würden uns nie ein Kind adoptieren lassen.“

Kevin antwortete: „Es gibt genug Kinder auf der Welt.“

Als Kevin und Eva jetzt spazieren gehen, sieht Eva einen Kinderladen auf der anderen Straßenseite. Sie schubst Kevin zur Seite und rennt quer über die Straße. Kevin denkt: „Also so wichtig ist Eva ein Kind!“ Sie steht zehn Minuten vor dem Schaufenster. Er sagt: „Ach, komm jetzt mit. Wir besorgen dir ein eigenes Kind!“

Eva antwortet: „Ich will ein Kind. Jetzt sofort! Ich habe keine Geduld mehr.“

Du musst etwas Geduld haben, sonst kann ich nicht helfen.“

Eva grübelt. Am liebsten möchte sie ungeduldig sein und sofort ein Kind haben. „Ich möchte ja nur ein Kind, wirklich nur ein Kind.“

Kevin versteht es ja, aber er kann kein Kind herzaubern. „So, ich weiß was. Wir suchen eine Babysitterstelle.“

Wie das denn? Da hänge ich ja nur mit Kindern ab. Ich möchte ein eigenes Kind haben.“

Ja, kannst du auch bekommen. Ich habe einen Plan“, antwortet ihr Kevin.

Okay…?“

Lass mich ’ne Stelle suchen. Ich habe alles unter Kontrolle.“

 

Es ist der 3. Oktober 2013, 15 Uhr. Kevin und Eva haben ein Vorstellungsgespräch als Babysitter. Sie ziehen sich besser an als sonst. Eva und Kevin klingeln am Elternhaus und die Eltern machen auf und das Kind Elena steht daneben.

Elena ist sieben Jahre alt. Sie hat braune, lange Haare und trägt meistens einen Barbiehaarreifen im offenen Haar. Sie trägt weiße Leggins und ein rosa Kleid mit ‚Hello Kitty‘. Eva sagt: „Oh mein Gott, du bist ein süßes Kind. Hallo, ich bin Eva und mein Freund Kevin steht neben mir.“

Kevin sagt: „Wir wollen fragen, ob die Babysitterstelle noch frei ist.“ Der Vater lässt die beiden herein. Sie setzen sich ins Wohnzimmer. Eva und Kevin bewundern das Haus. Es ist schön, groß, hell und geräumig.

Der Vater fragt, ob Kevin und Eva Erfahrung mit Kindern haben. Kevin antwortet: „Ja, ich habe auf meinen kleinen Bruder und meine Schwester aufgepasst. Ich habe mit ihnen gespielt und wir waren viel draußen.“

Ich habe auch viel auf meinen Bruder aufgepasst“, sagt Eva.

Die Eltern fragen, ob sie auch ein Kind haben.

Wir können leider keine Kinder bekommen“, sagt Eva und guckt auf den Boden. Kevin streichelt Evas Rücken. Die Mutter fragt, ob sie zum Babysitten von Elena noch Fragen haben. Sie sagt mit vertrauensvoller Stimme: „Ich glaube, dass ihr gut auf Elena aufpassen werdet, wenn mein Mann und ich wegen unserer Arbeit weg sind. Mein Mann arbeitet als Flugbegleiter und ich bin Pilotin.“

Eva und Kevin überlegen, ob sie das Kind wirklich entführen sollen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil die Mutter ihnen so vertraut. Sie wollen es trotzdem machen.

Der Vater fragt, ob Eva und Kevin noch zum Essen bleiben wollen. „Wollt ihr mitessen? Wir haben Lasagne im Ofen.“

Ja, gerne!“

Die Mutter sagt: „Ihr könnt mit Elena spielen bis das Essen fertig ist.“

Die Babysitter spielen mit dem Kind und stellen Fragen. „Hast du

schon ein Handy?“

Nein, aber meine Mutter.“

Kevin fragt: „Kriegst du Geld?“

Elena sagt: „Ja, für den Eismann. Sonst nicht.“

Bekommst du schon Taschengeld?“

Elena antwortet: „Nein, ich bekomme kein Taschengeld. Aber Mama hat ein Konto für mich und da bekomme ich ein Mal im Monat 50€ drauf. Mama meinte, dass da sehr viel Geld drauf ist.“ Die Entführer beneiden das Kind, weil es mehr Geld hat als sie.

Eva und Kevin spielen mit Elena Familie, toben und spielen mit Barbies. Die Eltern sind in der Küche und die Entführer gucken sich im Kinderzimmer um. Sie gucken in den Kleiderschrank, in den Wäschekorb, ins Badezimmer und unauffällig in die Ordner und suchen nach dem Reisepass. Sie durchforschen auch den Kalender der Eltern, weil sie wissen wollen wann die Eltern nicht zu Hause sind, damit sie mit der Planung der Entführung beginnen können. Sie brauchen lange, um den Reisepass zu finden.

Die Mutter ruft: „Das Essen ist fertig. Kommt ihr bitte?“

Elena läuft auf ihre Mutter zu und flüstert: „Du bist die beste Mama.“ Die Babysitter sehen das und wünschen sich das auch. Kevin wispert zu Eva: „Dieses Kind soll meins sein.“

Sie setzen sich ins Esszimmer und reden darüber, wann sie nächste Woche anfangen sollen zu arbeiten. Der Vater sagt: „Sie können nächste Woche am Montag von 17 Uhr bis 20 Uhr aufpassen. Wir sind die erste Stunde dabei und in der zweiten Stunde lassen wir sie alleine. Die letzte Stunde verbringen wir zusammen mit einer Spielestunde.“ „Elena spielt gerne Memory“, sagt die Mutter.

Beim ersten Babysitten bringen Kevin und Eva Gummibärchen und Kinderschokolade mit. Sie spielen und reden sehr viel mit Elena. Das macht Elena glücklich. Sie lacht viel. Sie schleimen sich bei Elena ein. Elena sagt: „Mama und Papa spielen nie so viel mit mir.“ Sie fragen Elena aus, um mehr über Elena zu erfahren und die Gewohnheiten

der Familie zu kennen. Sie spielen mit Elena Memory, weil es ihr Lieblingsspiel ist. So gewinnen sie nach und nach das Vertrauen von Elena.

 

Kapitel 2

Kevin und Eva gehen in einen kleinen dunklen Keller zu ganz bösen Typen. Jan hat eine Spielhalle in der Feldstraße und er handelt mit Drogen und falschen Papieren im Keller. Sie werden dort falsche Papiere besorgen. Die Papiere kosten 5000 €, deswegen müssen sie handeln. Eva und Kevin verkaufen den Leuten, die die falschen Papiere haben, Drogen, damit sie nicht so viel zahlen müssen. Sie haben das Geld in dem Jackenärmel versteckt. Jan kommt mit Schlägertypen. Er sieht aus, als ob er brutal wäre, aber er hat auch ein Herz für Tiere. Deswegen hat er Tattoos mit Tieren drauf. Kevin denkt nur: „Ach du scheiße, wenn die mich mal nicht verarschen. Nicht, dass die mein Geld abzocken und mich kaputt hauen.“

Eva zweifelt. Sie zählt die Typen. „Eins, zwei, drei … fünf Stück – oh.“ Sie sehen wie Schlägertypen aus: kurze Haare, Piercings und Hemden mit Totenköpfen drauf und der eine hat ein Halsband mit Stacheln dran. Alle fünf haben tiefe Stimmen. Jan ist zwar brutal aber eine lustige Stimme hat er. Ganz hoch und piepsig. Eva und Kevin müssen sich anstrengen, um sich das Lachen zu verkneifen.

Jan: „Hast du das Geld?“

Kevin: „Ja klar, die Hälfte, wie abgemacht.“

Jan: „Okay. Gib mir das Geld.“

Kevin reicht ihm das Geld. Jan zählt es.

Kevin fragt: „Wann kriegen wir die Papiere?“

Jan sagt: „Komm die Papiere in einer Woche abholen. Hast du die Fotos dabei?“

Kevin gibt ihm die Fotos. Sie gehen, ohne ein weiteres Wort zu sagen.

Eine Woche später geht Kevin wieder zu Jan. Kevin hat die andere Hälfte von dem Geld mitgebracht. Er hat das Geld durch Drogendealen verdient.

Kevin will nach Mazedonien in die Stadt Skopje fahren und nach der Entführung von Elena in einem kleinen Haus wohnen. Eva sagt:

Nein, Kevin ich will nicht nach Mazedonien.“ Sie brüllt Kevin an: „Da ist es nicht schön! Mazedonien ist dreckig. Wer will schon in diesem beschissenen Land leben?“

Kevin sagt: „Da ist es aber sicher.“

Kevin Schatz, lass uns lieber nach Rio de Janeiro.“

Kevin sagt: „Eva, wir sind nicht reich, und wir können es uns einfach nicht leisten, nach Rio de Janeiro zu gehen.“

Und Eva dagegen: „Immer willst du entscheiden, wo wir hingehen. Du lässt mich nie eine Sache entscheiden.“

Na schön. Jetzt zick doch nicht so. Wohin willst du denn gehen?“

Eva sagt: „Hm. Ah, ich weiß! Lass uns nach Paris.“

Kevin ist erschrocken.

Ich will nicht nach Mazedonien,“ sagt Eva wieder. Kevin guckt sie sauer an und antwortet: „Wieso nicht? Erklär‘ es mir noch einmal.“

… weil ich die Sprache nicht kann. Es ist da zu warm. Wir haben da nicht einmal eine Wohnung. Wie stellst du dir das überhaupt vor?“

Kevin ist genervt, versucht sie aber zu beruhigen: „Vertrau mir einfach. Elena kann dort auch zur Schule gehen. Sie wird sich mit den Kindern befreunden und unser Leben wird einfach perfekt sein.“

Ich vertraue dir, aber ich habe Angst. Wir haben nicht einmal eine Wohnung.“

Vertrau mir einfach, Eva. Ich habe einen Kumpel in Skopje. Der wird uns helfen.“ Ismail heißt der Kumpel von Kevin, der in Skopje wohnt.

Kevin ruft Ismail an:

Ismail: „Hallo, wer ist da?“

Kevin: „Hey Alda, hier ist Kevin Bro!“

Ismail: „Hey, lange nichts von dir gehört, was los?“

Kevin: „Ich und Eva haben endlich ein kleines Mädchen adoptiert.“

Ismail: „Oh! Bro ich freu mich für euch. Wie heißt sie?“

Kevin: „Die Kleine ist sooo süß. Sie heißt Elena und ist sieben Jahre alt. Kannst du mir einen Gefallen tun?“

Ismail: „Kommt drauf an, was.“

Kevin: „Wir wollen einen Neuanfang machen. Kannst du uns ein Haus besorgen?“

Ismail: „Ja klar. Ihr könnt mein altes Haus haben. Weißt du noch? Das von früher.“

Kevin: „Ja, ich kann mich daran erinnern. Danke Bro.“

Ismail: „Kein Problem. Wann kommt ihr denn?“

Kevin: „Ist noch nicht sicher. Ich sage dir noch Bescheid. Und danke nochmal, Bro!“

Ismail: „Ok. Kein Ding Bro! Hadde ciao! Bis dann!“

Kevin: „Bis dann!“

Sie haben noch Streit über ihren Plan, weil Kevin skeptisch ist, ob alles klappt, wie sie sich das vorgestellt haben.

Kevin und Eva besprechen in ihrer Wohnung in Billstedt wie sie an ein Auto kommen. Sie brauchen das Auto für die Flucht nach der Entführung von Elena. Kevin hat eine Idee: „Wir können zu einem sehr teuren Restaurant gehen und so tun, als wären wir vom Parkdienst. Du kannst den echten Parkdienst ablenken. Ich kann den Autoschlüssel von einem Gast nehmen und mit dem Auto abhauen. Wenn der Parkdienst es bemerkt, wird es schon zu spät sein.“

Doch Eva ist dagegen: „Die Gäste in so einem Restaurant haben viel Geld und die Autos sind teuer. Da fallen wir mit dem Auto richtig auf.“ „Dann lass uns aber einen schnellen BMW klauen. Ich gehe einfach durch die Stadt, suche ein schönes Auto aus und breche es auf.“

Eva antwortet: „Kevin. Keinen Sportwagen. Da passt doch kein Kind rein. Und wie willst du das überhaupt machen? Du hast doch noch nie ein Auto geknackt. Aber hier in der Nähe gibt es ein Autohaus. Wir gehen unbemerkt in das Büro des Autohauses. Du zielst mit einer AK 47 auf den Verkäufer. Der Mann wird sich fürchten und gibt dir einen Autoschlüssel. Dann haben wir einen Audi A6 und verschwinden nachts mit Elena.“

Was für ’ne dumme Idee ist das denn? Jetzt willst du auch noch ’ne Knarre organisieren – ’ne AK 47?“

Eva sagt: „Dann lege ich mich einfach mit Ketchup im Gesicht auf die Straße und wenn ein Auto anhält, steigst du in den Wagen.“

Kevin sagt: „Nein, das ist eine scheiß Idee!“

Dann sag du doch was, wenn du es besser weißt.“

Ja, ich weiß was. Pass auf. Du lügst eine Person an, die gerade ein Auto einparken will und sagst, dass sie eine Katze umgefahren hat. Die Person steigt aus.“

Und so machen sie es. Kevin und Eva warten auf ein Auto. Als eines kommt, in dem eine alte Frau sitzt, wissen sie, dass das das richtige Auto ist. Die Frau parkt rückwärts in den Parkplatz ein. Eva rennt schnell zum Auto und klopft ganz wild an die Fensterscheibe. Die Frau öffnet die Tür und fragt, was los sei. Eva sagt ihr, dass sie eine Katze überfahren hat. Die Frau steigt sofort aus dem Auto und geht zusammen mit Eva um das Auto herum. In diesem Moment rennt Kevin schnell zum Wagen, steigt ein und fährt davon. Eva rennt schnell weg und zu dem Treffpunkt, den sie vorher mit Kevin vereinbart hat. Die Frau schreit um Hilfe, aber Kevin und Eva sind schon entwischt.

 

Kapitel 3

Die Eltern von Elena arbeiten. Sie vermissen ihre Tochter und die Passagiere im Flugzeug sind sehr laut und bereiten ihnen Kopfschmerzen. Der Flug ist stressig. Sie sind auf dem letzten Abschnitt von Bangkok. Die Mutter steuert das Flugzeug. Der Vater verteilt Fleisch, Reis, Salat und Tomatensaft. Die Eltern denken: „Nur noch vier Stunden bis wir zu Hause sind. Bei Elena! Unserer Kleinen.“

Kevin und Eva fahren mit dem gestohlenen Auto Richtung Tankstelle. Sie parken und steigen aus. Es riecht nach Benzin. Die Entführer sind nervös, weil sie Angst haben, dass die Eltern in dem Moment kommen, in dem sie Elena entführen. Sie kaufen eine Landkarte, um nach Skopje zu fahren. Sie tanken das Auto voll. Sie gehen in das Café neben der Tankstelle. Es riecht nach Kaffee und Brötchen. Kevin und Eva setzen sich und bestellen was zum Frühstücken. Eva hat ein schlechtes Gefühl. Sie trinken viele Energydrinks, damit sie wach bleiben können, weil sie eine lange Reise vor sich haben. Beide fangen an zu zittern. Kevin fragt: „Eva geht es dir nicht gut?“

Eva daraufhin: „Mir geht es bei der Sache nicht gut.“

Warum denn?“

Ich hab‘ Angst, dass die Eltern uns verfolgen und in den Knast bringen. Ich hab‘ Angst, dass ich mich nicht um die Kleine kümmern kann. Ich hab einfach Angst!“

Kevin und Eva sitzen am Tisch und sind aufgeregt. Kevin sagt: „Chill mal ein bisschen, so schlimm ist es nun auch nicht!“

Eva antwortet: „Was ist, wenn wir erwischt werden?“

Kevin sagt: „Die erwischen uns NIE!“

Eva sagt: „Und wenn sie uns erwischen, dann sehen wir uns NIE WIEDER!“

Kevin sagt: „Beruhige dich doch.“

Sei leise!“, sagt Eva. „Ich hau‘ gleich ab, wenn du mich weiter nervst.“

Da fühlen sie sich beobachtet von den Kameras und von dem Kassierer. „Kevin, siehst du die Kameras? Bestimmt gehen die Bilder an die Polizei.“

Eva, die Bilder gehen nur zum Büro.“

Eva erwidert: „Und dann geben die sie an die Polizei.“

Eva, du musst dich beruhigen.“

Nein, bestimmt ist der Kassierer ein Polizist.“

Eva, das ist nur ein Kassierer. Und gleich kommt auch noch ein Polizeiwagen zum Tanken, oder was? Jetzt beruhige dich doch mal.“

Nur weil du unvorsichtig bist, werden wir erwischt. Mal wieder muss ich mich um alles kümmern.“

Kevin denkt: „Mann, die wird noch verrückt. Sie sorgt sich, dass wir erwischt werden, doch dabei fällt sie selber so auf mit ihrem Umgucken zu den Kameras. Ihre Hände zittern und wie sie aussieht! Als hätte sie sich nicht gewaschen.“

Aber Kevin sagt nur: „Eva, bleib ganz ruhig und hör auf, die Kameras anzugucken.“

Kevin, ich bin ganz ruhig.“

Kevin denkt: „Hoffentlich geht alles gut.“ Um Eva zu beruhigen, laufen sie schnell raus und verstecken dabei ihre Gesichter.

 

Kapitel 4

Kevin, Eva und Elena sind auf dem Weg nach Skopje. Dabei müssen sie fünf Grenzen überqueren. Die Fahr dauert etwa einen Tag und fünf Stunden. Kevin und Eva haben Elena belogen und ihr gesagt, dass sie Eis essen gehen. Eva packte Elenas Sachen und Kevin lenkte sie ab. Kevin sagte zu Elena: „Komm, wir gehen Eis essen.“ Eva brachte Elenas Sachen ins Auto.

Kevin und Eva gingen mit Elena in die Venezia Eisdiele Eis essen. Jetzt bestellen sie Eis und Energydrinks, damit sie wach bleiben. Nachdem Elena ihr Eis bekommen hat, leckt sie es bis zur Waffel. Ihr wird kalt und so fragt sie Eva: „Kriege ich eine Tasse Kakao bitte? Mir ist so kalt.“

Na klar, Süße.“ Eva geht zur Theke und bestellt Kakao. Als sie wieder zurück kommt, sieht sie die Polizei. Eva ist plötzlich nervös und fängt an zappelig zu werden. Sie geht schnell zu Elena und sagt: „Komm wir gehen, Süße.“ „Aber mein Kakao…“ „Die haben hier keinen, Liebling. Wir holen dir später einen.“ Als sie zum Auto gehen denkt Elena: „Was ist los mit ihr? Nur weil die Polizei da war?“

Nach dem Eisessen fahren sie Richtung Autobahn. Elena ahnt, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie schaut aus dem Fenster und sieht kleine Häuser und viele, viele Autos. Elena fragt: „Wo sind wir? Wo fahren wir hin?“

Eva antwortet: „Leg dich ein bisschen hin. Die Fahrt kann lange dauern.“

Elena ist nervös und kann nicht schlafen. Sie tut so, als ob sie schläft und hört zu, was Eva und Kevin sagen. Sie erfährt, was sie mit ihr vorhaben. Sie kriegt Panik und hat Angst. Eva ist besorgt, dass die Eltern Elena wieder holen und die Polizei anrufen. Sie fahren weiter. Eva beruhigt sich nicht. Kevin gibt Eva eine Ohrfeige. Dabei fängt Elena an zu weinen. Eva dreht sich im Auto zu ihr um, streichelt ihr über die Wange und sagt: „Weine nicht. Es wird alles gut!“

Elena wird wieder still. Kevin und Eva machen laute Musik an und versuchen, Elena zum Lachen zu bringen. Um Eva eine Freude zu machen, gehen sie zu McDonald’s und essen was.

 

Kapitel 5

Die Eltern kommen nach Hause und hoffen, dass ihr Kind und die Babysitter Spaß haben. Als sie die Tür öffnen, sehen und hören sie nichts. Sie hoffen, dass sie Verstecken spielen.

Die Mutter fängt an zu suchen. „Elena – wo bist du?“, ruft sie. Niemand antwortet. Die Mutter guckt sogar ins Badezimmer und schaut auch in die Duschkabine.

Da sind sie nicht. Jetzt kommt der Vater zu ihr. Sie werden schneller mit ihrer Suche. Sie sehen in den Schrank. Sie sehen überall nach aber niemand ist da. Nur der Fernseher läuft.

Sie machen sich große Sorgen um Elena. Sie werden immer hektischer in ihrer Suche und finden ihre Tochter nicht. Sie rufen sofort die Babysitter an, die das Telefon abnehmen, weil sie sich einen Vorsprung verschaffen wollen, indem sie die Eltern beruhigen. Die Eltern sind erleichtert und fragen, wo sie sind. Die Mutter sagt: „Wo ist mein Kind?“

Die Babysitter stottern: „Ehm, wir, ehm, wir sind auf dem Spielplatz.“ Die Mutter sagt: „Ok, gut. Ich dachte schon ihr seid weg. Dann ist ja alles gut. Könnte ich mit Elena sprechen?“ Die Mutter hört ein Geräusch, dass sich so anhört, als ob jemand geknebelt ist. „Mhm, mhm, mhm…“ Da reißt Eva, in einem unüberlegten Moment, den Tesafilmstreifen von Elenas Mund und Elena schreit: „Mama, ich brauche Hilfe! Wo bist du? Ich will zu Dir!“

Die Mutter fragt: „Was ist los?“

Eva antwortet: „Sie ist nur die Rutsche runtergerutscht.“

Eva legt auf, weil sie panisch wird und nicht mehr weiß, was sie noch sagen soll. Die Mutter ist besorgt. Sie sagt zu ihrem Mann: „Ich glaube nicht, dass Elena die Rutsche runtergerutscht ist.“

Der Vater sagt: „Beruhige dich. Ich rufe sie noch einmal an.“

Doch die Babysitter gehen nicht ans Telefon. Die Mutter fängt an zu schwitzen. Ihr wird schwindelig. Sie gibt sich für alles die Schuld. Ihre Beine werden schwach und sie taumelt. Der Vater sagt: „Beruhige dich. Wir bekommen sie wieder.“

Danach rufen sie sofort die Polizei an. Die Eltern sagen, was passiert ist. Der Polizist am Telefon sagt: „Wir versuchen alles, damit ihr Kind

so schnell wie möglich wieder bei Ihnen ist.“

Die Polizei macht eine Suchaktion: „Wir suchen zwei Leute. Eine Frau, Eva, und einen Mann, Kevin. Die Frau ist 25 Jahre alt, hat braunes Haar und braune Augen. Sie ist ca. 1,70m.“

Die Eltern sind geschockt und traurig. Sie wissen nicht, was sie machen sollen. Das Haus ist so leer und still ohne Elena.

Im Auto hat Elena gerade die Stimme ihrer Mutter gehört und will zu ihr. Eva ist dabei eine Flasche mit Baldrian zu öffnen und träufelt es auf ein Taschentuch. „Was ist das?“, fragt Elena. Eva sagt ihr, dass es Medizin ist und dass sie sie einatmen muss. „Dann gehen auch deine Schmerzen weg.“

Ich habe keine Schmerzen. Und wenn ich Schmerzen habe, dann muss ich die immer trinken oder kauen.“

Eva sagt: „Die ist anders. Die musst du einatmen. Das sagt selbst der Apotheker.“

Elena atmet in das Taschentuch. Sie ist plötzlich sehr müde. Eva sagt: „Schlaf ein und mach dir keine Sorgen.“

Elena schläft ganz fest ein. Eva sagt zu Kevin: „Jetzt musst du aber was machen, wenn sie aufwacht.“

Kevin sagt: „Ganz bestimmt nicht. Meine Aufgabe ist Autofahren und nichts anderes.“

 

Kapitel 6

Elena wacht auf und sieht alles verschwommen. Vor Panik fängt sie an zu schreien. Ihr Blick richtet sich zu Eva und Kevin. Eva und Kevin, die sich streiten, wer sie beruhigen soll. Sie fahren während Elena schreit. Eva sagt: „Kannst du sie nicht beruhigen?“

Wie denn? Ich fahre gerade.“

Kannst du sie bitte beruhigen, Kevin?“

Kevin schreit: „Nee, ich mach das nicht, du Schlampe.“ Kevin würgt Eva. Eva sagte zu Kevin: „Lass mich los.“

Dabei gibt Eva Kevin eine Ohrfeige. Kevin drückt Eva weg und Eva spuckt Kevin ins Gesicht. „Du kannst mich mal, du Arschloch. Du bist der dümmste Mensch, den es gibt.“

Während sie sich streiten und überhaupt nicht auf den Verkehr achten, knallen sie gegen einen Minivan. Reifen platzen, Türen fliegen in die Gegend. Viele Teile der beiden Autos werden herumgeschleudert. Der Fahrer im Minivan ist unversehrt. Er steigt erschrocken aus seinem Wagen und hört ein hohes Pfeifen in seinen Ohren. Als Eva aufwacht, sieht sie Kevin mit einem großen Stück einer Fensterscheibe im Kopf. Eva schreit: „Oh mein Gott, Kevin ist tot!“, und wird bewusstlos.

Der Fahrer steigt aus dem Minivan aus, rennt schnell zu dem Auto und zieht die Frau aus dem Wagen. Plötzlich sieht er ein kleines Kind hinten im Wagen. Er ruft sofort den Notruf. „Hallo! Hallo! Ist da jemand? Ich brauche hier Hilfe. Hier sind ein Mann, eine Frau und ein Kind. Bitte kommen Sie schnell.“

Der Fahrer beschreibt die Frau: „Die Frau hat braune Haare und braune Augen, ich glaube sie ist etwa 1,70 m groß und der Mann hat schwarze Haare, braune Augen, Größe ca. 1,80 m.“

Zentrale: „Wo sind sie?“

Ich bin auf der Landstraße 75.“

Verstanden. Der Krankenwagen ist unterwegs.“

Der Fahrer wartet ungeduldig auf den Krankenwaren. Er ist schockiert, dass der Mann tot ist. Er schließt dem jungen Mann die Augen. Er guckt nach, ob es der Frau und dem Kind gut geht und sagt: „Gott sei Dank, sie leben.“

Als der Krankenwagen endlich da ist, landen Eva und Elena im Krankenhaus. Kevin wird in die Leichenhalle gebracht. Eva ist für eine Weile im Koma aber Elena schläft in einem der Krankenzimmer. Später wird von der Polizei festgestellt, dass der tote Mann und die Frau im Koma die Entführer des Kindes sind. Die Eltern von Elena werden informiert und das Kind wird abgeholt.

 

Kapitel 7

Eva wacht auf und weint. Sie liegt auf ihrem Bett und bekommt vor Schmerzen einen Schreianfall. Der behandelnde Arzt kommt herein und gibt Eva Schmerzmittel. Sie denkt an Elena. Sie will so schnell wie möglich zu ihr. Aber sie liegt ja im Krankenhaus. Sie hört ein piepen und merkt, dass sie an einen Tropf angeschlossen ist. Sie bekommt Panik. Sie will zu Elena. Kevin ist auch nicht da. Da klopft es an der Tür und Eva erschreckt sich. Ein Polizist kommt herein. Er will Eva befragen und fragt den Arzt, ob das geht. Der Arzt antwortet: „Nein, das geht leider noch nicht. Sie ist gerade aufgewacht. Sie ist noch etwas durcheinander. Warten sie doch bis sie in der Psychiatrie ist.“

Der Polizist antwortet: „Muss das sein? Wir müssen sie dringend befragen.“

Ja schon. Sie ist sehr schwach und kann ihre Fragen noch nicht beantworten.“

Der Polizist ist genervt: „Ja, OK. Dann befragen wir sie halt in der Psychiatrie.“

 

Kapitel 8

Nun bin ich in so einer komischen Anstalt. Alle denken, ich wäre verrückt, obwohl ich es nicht bin. Ich muss mir irgendetwas einfallen lassen, damit ich hier raus komme. Ich bin nicht verrückt. Ah, jetzt habe ich eine Idee. Ich werde eine Mitarbeiterin zu mir holen und sie etwas fragen. Und dann, im Gespräch, tue ich so als würde ich bewusstlos werden und kippe um. Wenn sie dann Hilfe ruft, wird sie die Tür vielleicht auflassen und dann laufe ich schnell ins Wäschelager. Wenn ich dort bin hole ich mir Arbeitskleidung und tue so, als wäre ich eine Mitarbeiterin, die Pause mach. Und dann flüchte ich.

Evas Plan gelingt. Nun ist sie auf der Flucht.

Ich renne schnell weg aus der Psychiatrie. Wo wohnt sie nochmal? Wie heißt die Straße gleich? Ja, genau. Ich weiß es wieder. Ich gehe die Straße entlang. Die Menschen gucken mich an und reden über mich. Ich gehe doch nur die normale Straße entlang, wie ein normaler Mensch mit normaler Kleidung. Ich muss mich beeilen. Ich hab‘ Angst um sie! Ich will sie so schnell wie möglich wieder haben. Aber… Oh, was guckt die schon wieder? Die Arme guckt mich so an, als hätte ich was angestellt. Ich gehe weiter und weiter… Da ist das Haus von Elena. Ich renne und klingele an der Tür. Die Mutter macht auf. Ich schreie: „Gib mir mein Kind zurück! Ich bin die leiblich Mutter von Elena.“

Die Mutter von Elena sagt: „Nein, das ist nicht dein Kind sondern meins.“

Darauf antwortet Eva: „Nein, es ist meins. Gib mir Elena zurück!“

Eva geht ins Haus und sucht nach Elena. Sie ruft nach ihr, bekommt aber keine Antwort. Eva fragt die Mutter mit Tränen in den Augen wo sie ist. Die Mutter sagt, dass das egal sei. Sie soll nur verschwinden und sich nie wieder blicken lassen, sonst würde sie die Polizei rufen.