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Den Delphin-Mördern auf der Spur

Julia Albrecht, 13 Jahre

 

Mia, wo bleibst du, wir müssen den Flug kriegen!“, rief ich meiner Freundin zu, die jetzt schon fast zwei Stunden auf dem Klo saß, weil sie totale Angst vorm Fliegen hatte.

Allerdings konnte ich sie super gut verstehen, da ich selber immer totale Panik vorm Fliegen kriege. Das ließ ich mir jetzt aber nicht anmerken und ging zu meinen Eltern zurück.

Ach ja, ich habe mich bei euch ja noch gar nicht vorgestellt. Ich heiße Chloé Verlain und bin 14 Jahre alt. Ich wohne in Hamburg im Stadtteil Eppendorf. Meine Eltern kommen aus Frankreich. Und meine Freundin heißt Mia Faust und ist genau wie ich 14 Jahre. Sie kommt aus Deutschland. Als ich bei meinen Eltern war, sagte ich nur kurz Bescheid, dass Mia immer noch auf dem Klo saß. Sie ermahnten mich nur kurz und meinten, dass wir in einer Viertelstunde an Gate 35 sein sollten. Ich bejahte schnell und lief zurück zu den Klos. Die Damen-Toilette war sehr geräumig, und an der Wand waren Waschbecken und Spiegel. Davor stand eine junge Frau, die sich sehr doll und stark schminkte. Allerdings roch die Frau nach einem Kloreiniger von WC Kraft-Aktiv Duftspüler mit Zitrusduft. Als die Frau sah, dass ich sie beobachtete, verschwand sie wie ein Blitz vom Klo. Egal, dachte ich und ging wieder zu Mia.

Mia, mach bitte auf, ich bin`s Chloé.“

Ich bekam keine Antwort, hörte nur ein leises Schluchzen. Ich versuchte es noch mal. Wieder keine Antwort. Also noch mal, jetzt aber anders.

Mia, ich weiß, wie du dich fühlst , ich hatte auch totale Angst, als ich das erste mal geflogen bin. Kennst du noch das Lied von Reinhard Mey?

Das geht in etwa so:


„Über den Wolken
Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen
Sagt man
Blieben darunter verborgen
Und dann
Würde, was uns groß und wichtig erscheint
Plötzlich nichtig und klein !“

Ich versuchte das Lied so gut wie möglich zu singen. Allerdings liegt Singen nicht wirklich in meiner Natur. Statt Weinen hörte ich jetzt Lachen aus der Klokabine. „ Du hörst dich an wie ein Hund im Stimmbruch!“

Vielen Dank, ich fühle mich geehrt, wie ein Hund im Stimmbruch zu singen.“

Mensch, Chloé, so war das doch nicht gemeint“, sagte Mia, und ich hörte, wie sie fast wieder anfing zu weinen.

Aber das Lied hat Recht! Über den Wolken ist die Freiheit wirklich grenzenlos. Und alle Sorgen sind total klein. Unter den Wolken bleibt alles verborgen“, versuchte ich es noch mal, da ich wieder ein Schluchzen aus der Kabine hörte.

Achtung, Achtung, ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Der Flug nach Australien, Sydney, geht in 5 Minuten. Ich bitte darum, dass sich alle Passagiere zu Gate 35 begeben.“

Oh Mist, wir sollten uns beeilen der Flug geht gleich. Mia, jetzt komm bitte. Du hast zwei Möglichkeiten:

Du bleibst auf dem Klo sitzen und fliegst nicht in die Ferien mit mir. Oder – zweitens du kommst aus der Klokabine raus und fliegst mit mir nach Australien, und wir machen uns drei schöne Ferienwochen. Wir können schwimmen gehen, tauchen oder sonst was machen.

Außerdem, wenn du hier bleibst, steckt dich deine Mutter ins Mathecamp für Stadtteilschüler, und du darfst sechs Wochen Mathe machen!!!! Also was ist, du hast fünf Sekunden, um dich zu entscheiden!“

Na gut, ich komme mit, aber nur, wenn ich am Fenster sitzen darf, sonst verschwinde ich im Flieger gleich wieder auf Klo!“

Einverstanden, los jetzt, mach die Tür auf, wir müssen in drei Minuten am Gate 35 sein, sonst kriegen meine Eltern die Krise und lassen uns in Australien nicht aus den Augen.“

Als Mia die Tür aufmachte, erschrak ich mich so doll, dass ich ein paar Schritte nach hinten machte, in die nächstbeste Klokabine stolperte und ins Klo plumpste. Die nasse Kälte verbreitete sich super schnell auf meiner Haut, und ich fühlte mich, als hätte ich in die Hosen gemacht. Ich hörte ein Lachen. Das klang sehr verdächtig nach meiner allerbesten Freundin Mia.

Na toll, das hat mir gerade noch gefehlt“ sagte sie. „Meine Freundin erschreckt sich wegen meiner verweinten Augen und fällt rücklings ins Klo. Jetzt haben wir aber wirklich keine Zeit, dir deinen Hintern trocken zu wischen, Chloé“, meinte sie vorwurfsvoll.

Ja, ist ja gut, ich habe es kapiert, komm wir müssen los“, sagte ich lachend und befreite mich aus dem Klo. Ich griff meine beste Freundin am Arm und zog sie aus der Damentoilette.

An einer Information fragte ich außer Atem nach dem Gate 35. Zum Glück war die Frau hilfsbereit. Sie guckte zwar etwas komisch, gab aber schnell Antwort. Wir mussten den ganzen Gang runterrennen. Als wir endlich ankamen war schon Boarding time. Die Schlange war fast endlos. Erleichtert stellten wir uns hinten an. Oh nein, fuhr es mir durch den Kopf. Ich griff ganz automatisch wie in Zeitlupe nach meiner hinteren Hosentasche und fischte zwei aufgeweichte Flugtickets hervor.

Scheibenkleister, Mia unsere Flugtickets!“, rief ich.

Verdammt was sollen wir jetzt nur machen, die können sie locker für Fälschungen halten.“

Mia hatte Recht. Ich boxte mich vor zu dem Scan-Bereich für die Tickets und achtete nicht auf die Nachrufe der anderen Gästen. Als ich endlich vorne war, schaute mich die Dame von der Air Berlin-Mannschaft etwas säuerlich an.

Junge Dame, dürfte ich fragen, was das werden soll?“

Die Stimme von der Frau erinnerte mich an die Stimme von einem kleinen Kobold aus dem Hobbit Film, den ich zusammen mit meinem Freund John im Kino geguckt habe. Aber ich hatte gerade andere Probleme, als Stimmen Filmen zuzuordnen. „Also, ich bin ins Klo gefallen, und in der hinteren Hosentasche waren unsere Flugtickets drin“, sagte ich halblaut, da es mir etwas peinlich war, die Sache mit dem Klo.

Und deshalb drängeln Sie sich extra nach vorne, um mir das zu sagen?“

Jetzt war ich etwas empört. „Ja wirklich, das ist ein Notfall, weil ich ja nicht weiß, ob die Tickets noch gültig sind und wir überhaupt mit nach Australien kommen dürfen.“

Jetzt aber mal langsam junge Dame, es ist noch kein Ticket gestorben, weil es ins Klo gefallen ist. Und jetzt ab nach hinten, Sie halten die Fluggäste auf.“

In Ordnung.“

Ich wollte nicht widersprechen und ging wieder nach hinten.

Nach einer Viertelstunde waren wir endlich vorne. Mit den Tickets war es kein Problem, weil der Code noch funktionierte. Fünf Minuten später saßen wir im Flugzeug. Mia war wieder ganz blass geworden. Ich versuchte, sie aufzumuntern, indem ich das Lied wieder sang . Da fing sie mit an zu singen und wir grölten durch das Flugzeug:

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …

Entschuldigung, die Damen , das ist hier keine Disco sondern ein Flugzeug“, sagte ein Herr.

Tschuldigung !“, murmelten wir gleichzeitig und fingen an, nachdem der Herr weg war, zu lachen. Endlich war das Flugzeug voll, und wir wurden schneller und schneller und schließlich hoben wir ab. Mia bekam vor Staunen den Mund gar nicht mehr zu. Sie fand das alles so toll wie die Häuser, Straßen, Autos und Bäume immer kleiner wurden. Und als wir dann durch die Wolkendecke brachen, stieß sie einen spitzen kleinen Schrei aus. Schon wieder drehten sich alle zu uns um, als ob wir die Attraktion wären.

Nach 13 Stunden und 15 Minuten landeten wir in Australien. Es war so warm, dass ich gleich mein T-Shirt auszog und im Top rumlief.

Und war der Flug nun so schlimm?“, fragte ich Mia.

Nein, er war total schön .Das Landen und Starten war am schönsten, und dass wir in den Sonnenuntergang geflogen sind.

Als wir in Hamburg los geflogen sind, war es schon Abend und die Sonne ging langsam unter. Hier war es jetzt aber Tag und total heiß. Und im Gegensatz zu Hamburg war jetzt Sommer.“

Ich finde das voll cool, vor 14 Stunden waren wir noch in Hamburg im dicken Winterpulli unterwegs“, meinte ich.

An der Kofferabholung trafen wir meine Eltern wieder. „ Na, war der Flug gut?“ 
„Lustig“, sagte ich.

Und wie war der Flug für dich Mia?“

Danke, der Flug war gut, Herr Verlaine.“

 

Nach gut 20 Minuten hatten wir alle unsere Koffer und waren auf dem Weg nach draußen. Es war 28 Grad warm bei leichtem Sonnenschein. Wir gingen zu einem Taxi.

Hello welcome in Sydney.“

Na, das kann ja super werden, dachte ich. Ich hatte ganz vergessen, dass ich in Englisch glatt auf einer Fünf stehe. Nachdem wir alles in den Kofferraum gepackt hatten und eingestiegen waren, fuhren wir los. Jetzt war ich diejenige, die den Mund gar nicht mehr zubekam, da wir an einem Strand vorbeifuhren. Der Strand schimmerte goldfarben und das Wasser war türkisblau. Und als wir am Opernhaus in Sydney vorbeikamen, ließ ich einen spitzen Schrei los. Ich hatte das Opernhaus zwar schon im Fernsehen und auf Postkarten gesehen, aber so schön hatte ich mir es nicht vorgestellt.

Das sieht alles wundervoll aus. Ich muss davon unbedingt ein Foto machen“, meinte ich.

Pass aber auf, dass du nicht ins Hafenbecken fällst, sonst hast du bald gar keine trockenen Hosen mehr.“

Ich funkelte Mia böse an und steckte ihr die Zunge raus. Als wir endlich am Hotel ankamen, fragten meine Eltern, ob Mia und ich uns ein Zimmer teilen wollen. Wir bejahten und dann gingen wir alle zur Rezeption. Mia und ich hatten das Zimmer 354 und meine Eltern hatten die Zimmernummer 364.

Endlich konnten wir auf unser Zimmer gehen. Wir waren im 3. Stock.

Dort angekommen, ließen wir uns aufs Bett fallen und unterhielten uns laut.

Auf einmal klopfte es. Wir wurden ganz still. Ich hoffte inständig, dass wir keine Tussie als Nachbarin hatten, die bei jeder Kleinigkeit rum meckert.

Hello, room service.“

Krass, wir kriegen Zimmerservice!“, rief Mia erfreut und stürmte schon zur Tür und riss sie auf. Der Typ, der da stand, war ziemlich überrascht.

Your Roomservice“, stammelte er, stellte kurz das Essen ab und verschwand wieder wie ein Blitz . Nachdem wir alles auf gegessen hatten und die Koffer ausgepackt und alles eingeräumt hatten, trafen wir uns mit meinen Eltern im Foyer.

 

Kurz darauf waren wir am Opernhaus. Davor stand ein Eisverkäufer. Er hatte voll die coolen Eissorten. z.b. Blaubeere mit Kokos- und Fischgeschmack und Schlumpf mit Kaugummi- Geschmack. Ich nahm ganz normal Schokolade. Mia nahm Vanille mit Erdbeere, mein Vater nahm Pistazie und meine Mutter nahm Melone.

Wir setzten uns an den Hafenrand und ließen die Füße ins Wasser baumeln und genossen unser Eis. „ Also bis jetzt finde ich unseren Urlaub super. Vor allem dass Chloé ins Klo gefallen ist“, meinte Mia. Na das fand ich zwar nicht so gut, aber ändern kann ich es jetzt ja sowieso nicht mehr, dachte ich.

Mama, können wir zum Strand?“, fragte ich.

Na gut, aber um halb sieben seid ihr wieder am Hotel. Einverstanden?“

Wir bejahten und liefen zum Strand. Schnell zogen wir unsere Schuhe aus und liefen zum Wasser. Es war total warm. Ich überlegte nicht lange, zog mein T-Shirt aus und streifte meine Hose ab. Jetzt hatte ich nur noch meinen Blümchen-Bikini an, den hatte ich mir extra heute Morgen noch untergezogen. Kurz darauf lief ich ins Wasser. Mia rief mir nach, dass das gefährlich sein könnte wegen Haien und so. Aber erstens waren viele Menschen baden und zweitens war das Gebiet abgezäunt. Fünf Minuten später tauchte Mia neben mir auf. Sie hatte einen blauen gestreiften Bikini. Wir tobten die ganze Zeit im Wasser. Als wir raus kamen, war es schon später als halb sieben.

Scheibenkleister, es ist schon halb acht. Mum bringt uns um.“

Wir rafften unsere Sachen und liefen im Bikini durch den Sand. Allerdings merkte ich, wie mein Bikini-Oberteil immer weiter runter rutschte. Leider hatte ich keine Hand frei, um das Oberteil wieder hochzuziehen.

Das Oberteil rutschte immer weiter runter. Ich stolperte, ausgerechnet jetzt ging der Verschluss auf. Und da ich gerade stolperte, flog das Oberteil in hohem Bogen durch die Luft und landete in einer Gruppe Jungs. Einige waren so alt wie wir und ein paar älter. Ich lief feuerrot an und hielt mir schnell mein T-Shirt vor meinen Oberkörper.

Na du, willst du dein Oberteil wieder haben?“

Der Typ wedelte wie ein Verrückter mit dem Teil rum. Er warf es seinen Kumpels zu. Der eine lief damit um mich herum. Ich versuchte es mit den Händen zu fangen. Leider ließ ich deshalb mein T-Shirt los. Es plumpste in den Sand. Ich hob es blitzartig auf. Die Jungs gackerten rum wie Hühner. Ich fragte mich, wie ich mein Oberteil wieder bekommen sollte.

Da stolperte der Typ und mein Oberteil flog mal wieder durch die Gegend. Leider landete es im Meer. Es wurde langsam dunkel. Innerlich verfluchte ich die Idee, noch an den Strand zu gehen. Leider hat Mia nichts davon mit bekommen, wahrscheinlich war sie schon auf dem Weg ins Hotel. Ich konnte jetzt nicht einfach ins Meer springen, dann könnte ich ja gleich nackt herumlaufen. Vielleicht warte ich, bis das Oberteil im FKK ankommt, dachte ich. Das hätte aber allerdings hundert Jahre gedauert. Inzwischen war mein Oberteil hinter der Schwimmer Begrenzungslinie angekommen. Ich zog schnell mein T-Shirt über und sprang hinterher. Allerdings hielt mich irgendwas am T-Shirt fest. Ich versuchte mich zu befreien, aber es ging nicht. Stattdessen hörte ich einen unvorteilhaften Riss.

Scheibenkleister !!!!!!!!!

Ich ahne nichts Gutes. Ich drehte mich langsam um. Da hielt einer der Jungs die Hälfte meines T-Shirts in der Hand. Und ich hatte die andere.

MIST !MIST! MIST!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Wieso immer ich??????

Ohne zu überlegen, sprang ich ins Wasser. Immer noch besser als den Jungs meine Oberweite zu präsentieren!

An der Begrenzung angekommen sah ich ein Stück Stoff. Ich griff danach. Aber ich hielt keinen Blümchen Bikini in der Hand sondern eine rote Badehose. Vor Schreck stieß ich einen Schrei aus.

Am Ufer hörte ich die Jungs grölen. Ich guckte zu ihnen. Und was ich sah, verschlug mir die Sprache.

Die Jungs schwenkten meinen Bikini in der Luft!

Diese ekelhaften Kotzbrocken. Die wollten mir wohl den Urlaub komplett zur Hölle machen oder was?!

Von weitem sah ich Mia. Sie ging auf die Jungs zu.

Na, dann komm und hole es dir“, rief mir der Junge mit der Glatze und der feuerroten Badehose, die die Farbe von meinem Kopf hatte, zu. Ich schwamm nur dumm auf der Stelle rum, da ich mich keinen Zentimeter vom Fleck bewegen konnte. Da die Jungs nur auf mich fixiert waren, bemerkten sie nicht, dass Mia sich anschlich und sich blitzartig mein Oberteil schnappte. Normalerweise bin ich ja die Mutige, aber heute war es eben mal Mia.

Hey, was soll das, du olle Tusse, das ist eine Angelegenheit zwischen dem Mädchen und mir“, meinte dieser Typ verärgert.

Tja, zufälliger Weise ist dieses Mädchen da meine Freundin und dieses Oberteil gehört ihr. Also brauchst du mir gar nichts sagen.“

Mia schwamm mit meinem Oberteil zu mir und gab es mir.

Danke, du bist meine Rettung!“, sagte ich, freudestrahlend, zog ich mir den Bikini wieder an und umarmte Mia glücklich.

Als wir dann endlich im Hotel waren, hatte ich eine Standpauke der Stärke 500 erwartet. Aber nichts geschah. Meine Eltern waren einfach nur froh, dass wir wieder da waren. Sie hatten schon überall nach uns gesucht.

Bin ich froh, dass ihr wieder da seid. Zwei verloren gegangene Kinder in Sydney, das hätte mir gerade noch gefehlt“, sagte meine Mutter. „Los kommt. Wir wollen jetzt erstmal was essen. Dann könnt ihr uns erzählen, warum ihr so spät seid.“ Wir zogen uns um und trafen uns im Restaurant. Ich erzählte meinen Eltern was am Strand passiert war.

 

Wir diskutierten noch lange über die Sache. Nichtsdestotrotz bekamen wir Hausarrest. Na ja, besser gesagt würden uns meine Eltern nicht mehr aus den Augen lassen. Nach dem Abendessen gingen wir auf unser Zimmer. Mia entdeckte einen Flyer, den sie ganz interessant fand. Auf dem Zimmer zeigte sie ihn mir:

SCHNELLBOOT FAHREN 
Sie können das Boot für 5 Stunden mieten, mit 230 PS.

Man braucht KEINEN Führerschein, aber man muss mindestens 14 Jahre alt sein. Bei Interesse bitte an der Strandpromenade 35 melden.

Geil, das müssen wir unbedingt machen, aber ohne deine Eltern!!!“

Pardon Madame, aber meine Eltern lassen uns nicht mehr aus den Augen.“

Komm, lass sie uns fragen.“

Mia zog mich ohne auf eine Antwort zu warten aus dem Zimmer zu meinen Eltern. Um es kurz zu machen. Natürlich haben es meine Eltern nicht erlaubt.

Oh man, das war total klar“, meckerte mich Mia noch den ganzen Abend voll.

Na dann müssen wir es ihnen ja nicht auf die Nase binden, da wir ja 14 Jahre alt sind, können wir auch ohne Eltern fahren.“

Spinnst du Chloé, wenn wir das machen, dann können wir den Urlaub hier vergessen.“

Wieso habe ich eine Freundin die keinen Spaß versteht?“

Na, weil eine von uns ja die Vernünftige sein muss“, sagte Mia.

Kein Risiko, kein Fun! Möchtest du das jetzt machen oder nicht?“
„Ja schon, aber nicht ohne Erlaubnis deiner Eltern.“

Na, dann machen wir das einfach. Morgen früh stehen wir um halb acht auf und gehen zur Strandpromenade 35. Und wenn wir wieder zurück sind, gehen wir mit meinen Eltern frühstücken.“

Aber was ist, wenn sie uns erwischen?“

Mia, das wird nicht passieren, da meine Eltern mindestens bis 10 Uhr schlafen.“

Aber…“

Nichts aber, Mia! Gute Nacht.“ Ich machte mich bettfertig und legte mich hin.

Ich muss dringend lernen, auch mal nein zu sagen“, hörte ich Mia noch sagen. Aber dann schlief ich ein.

 

Ich hörte ein leises Klingeln, das von Sekunde zu Sekunde immer lauter wurde. Verschlafen tastete ich nach meinem Wecker. Es war halb acht.

Mir fiel wieder der Plan von gestern Abend ein und ich weckte vorsichtig Mia, die heute zum Glück nicht mehr so doll gegen den Plan war.

Wir zogen uns an und schlichen uns aus dem Hotel, das noch ganz ruhig war.

An der Promenade angekommen sahen wir von weitem schon den Stand mit den Bootstouren.

Welcome on board on the best speedboats of Australia“, stand auf einem Schild. Hinter einem Tisch, auf dem Broschüren lagen, saß unter einem Sonnenschirm ein Mann.

Sag mal, wer von uns spricht diesen Typen denn jetzt an?“, fragte ich.

Na die, die fragt, außerdem war das deine Idee.“

Na super, ausgerechnet ich mit meiner super Englischnote.

Hello wir would have please eine Bootstour for zwei Personen.“

Ich konnte nur hoffen, dass der Typ das verstanden hat. Zumindest antwortete er irgendwas mit 2 o´clock und 50 Dollar.

Will der Typ echt 50 Euro haben, damit wir fünf Stunden fahren können?“

Hast du vergessen, dass man hier umrechnen muss? Also 50 Dollar sind etwa 32 Euro.“

Oh, das geht ja noch. Für uns beide oder pro Person?“

Keine Ahnung, frage ihn doch selbst.“

Sehr witzig, schon vergessen, dass ich auf einer Vier in Englisch stehe?“

Nein, das habe ich nicht, aber ich stehe auf einer fünf.“

Na gut, dann frage ich ihn.“

Mia ging noch mal zu ihm hin und kam kurz danach wieder.

Der Typ will pro Person so viel haben.“

Na dann, ich habe noch 70 Euro von Oma dabei.“

Aber du kannst doch nicht einfach die Tickets kaufen.“

Und ob ich das kann.“ Und schon hatte ich die Tickets für heute Nachmittag.

Los komm, wir müssen zurück.“

Wir gingen zurück. Meine Eltern bemerkten nichts. Am Nachmittag besichtigten wir eine Kirche. Zum Glück waren meine Eltern so beschäftigt damit, alles genau zu betrachten, dass sie gar nicht bemerkten, dass wir abhauten.

 

So, wir sind beim Boots Typen.“
„Hello, we have mieting on en Boot.“

Ah, yes, Miss Verlaine. Please follow me.“
Der Typ ging los. Am Hafen lagen 2 Boote. Wir bekamen das Boot Ruby. Wir stiegen ein. Und fuhren langsam aus dem Hafen raus. Auf offenem Meer gaben wir richtig Vollgas. Wir flogen nur so über Wasser. Mia entdeckte eine kleine Bucht, abgelegen von Sydney, es war fast kein Land in Sicht.

Hey guck mal, da vorne ist es ganz rot“, rief Mia.

Ja, und da vorne liegt was.“

Los, lass uns mal an Land fahren.“

Einverstanden.“ Ich startete kurz den Motor, der uns an Land brachte. Wir stiegen aus.

Was wir sahen, verschlug uns die Sprache.

Da vorne im Sand lagen mindestens 10 tote Delphine!!!!!!

Oh mein Gott, das kann doch kein Zufall sein. Da muss jemand die armen Tiere getötet haben, das passt auch zur roten Verfärbung vom Wasser.“

Wie kann jemand nur so schöne Tiere töten?“ Ich war ganz geschockt.

Mia brachte inzwischen keinen Ton mehr heraus. Ich lief zu den Delphinen. Sie waren noch ganz warm. Wahrscheinlich sind sie noch nicht lange tot, dachte ich. Das wollte ich Mia jetzt nicht sagen. Da sie kurz davor war zu heulen, obwohl es mir gerade auch so ging.

Ich überlegte nicht lange und nahm mein Handy und machte ein paar Fotos. Ich checkte, ob ich Internet-Verbindung hatte. Mist, ich hatte keine, war aber klar.

Mia, wir können die Tiere hier nicht einfach liegen lasen.“

Ich habe noch die Zeitung im Boot liegen, damit können wir einen Delphin ins Boot bringen.“

Mia wir müssen keinen Delphin mitbringen, wir haben Fotos“, rief ich ihr hinterher, aber sie hörte mich nicht. Als sie wieder da war, wollte sie einen Delphin damit einwickeln. Aber ich entdeckte was und rief Mia zu mir.

Mia guck mal, der Artikel.“

Ich schnappte ihr die Zeitung aus der Hand und las vor:

DELPHIN-FÄNGER VOR MELBOURNE 
Schrecken bei den Bewohnern von Melbourne.

Heute wurden wieder fünf tote Delphine an der Küste von Melbourne entdeckt.

Die Polizei geht von Serientötern aus. Inzwischen wurden schon mehr als 68 Delphine getötet.

Tierschützer befürchten, dass der Bestand der Tiere schon um ein Viertel in Australien gesenkt wurde. Die Polizei tappt immer noch im Dunkeln.

Man geht davon aus, dass die Delphin-Mörder in Richtung Sydney weiterziehen.

Sachdienliche Hinweise bitte an die Polizei melden. Jede Polizeistation nimmt Hinweise entgegen oder per Telefon. Der Finder bekommt 20.000 Dollar Finderlohn.

Tel: 638 467 354

TEXT : L.Marley

 

Ich ließ die Zeitung sinken.

Das gibt es ja wohl nicht, die armen Delphine.“

Du, Mia ich habe das total doofe Gefühl, dass die Mörder noch auf dieser Insel sind.“

Was, wie kommst du denn auf den Quatsch?“

In einer anderen Zeitung habe ich gelesen, dass die Mörder den Delphinen immer den Bauch aufschneiden“, sagte Mia.
„Und dahinten liegt ein Boot, das sehe ich gerade erst jetzt“, sagte ich mit Entsetzen.

Los, lass uns abhauen.“

Das meinst du doch jetzt nicht im Ernst. Das ist die Gelegenheit, die Täter auffliegen zu lassen.“ Ich hielt Mia am Ärmel fest, da sie sich zu unserem Boot bewegte.

Nur, weil sie Delphine töten, heißt das ja noch lange nicht, dass sie Menschen in Ruhe lassen“, sagte sie.
„Ja, du hast Recht, aber ich sehe im Moment hier gar keinen. Wir können ja ein Stück weiter in die Insel reingehen, nur ein bisschen.“

Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“
Mia versuchte mich, zum Boot zu ziehen, aber ich blieb tapfer stehen.

Doch Mia, das ist mein voller Ernst, wir haben die Möglichkeit, die Täter zu erwischen und wenn wir jetzt wieder nach Sydney zurück fahren, können die Täter abhauen. Du willst doch auch die Delphine retten, oder?“ 
„Ja schon … Na gut, aber nur ganz kurz.“

Einverstanden.“

Wir gingen gemeinsam weiter. Die Insel war wie ein Wald. Alles voller Bäume und Büsche und Tiere. Jetzt war ich es, die Angst bekam. Da ich eine Spinnenphobie habe.

Ah, was war das?“, fragte Mia erschrocken.

Was war was?“

Na das Geräusch eben“
 Ich drehte mich um, da war aber nichts zu sehen.

Mia, da ist nichts, geh weiter.“

Ich zog sie am Ärmel weiter.

Auf einmal gab der Boden unter meinen Füßen nach, und ich fiel in ein Loch.

Chloé, ist alles in Ordnung?“

Mein, mein Knöchel tut furchtbar weh, ansonsten geht es mir gut.“

Мist, was sollen wir denn jetzt machen? Kommst du da alleine hoch?“

Nein, ich glaube nicht.“

Probier es mal.“
„Keine Chance, es ist zu steil!“

Sicher?“

Ja.“

Also was k…AAAAHHHHH“

Мia! Was ist los? МIA!!!“, schrie ich so laut ich konnte. Ich bekam keine Antwort. Ich rief noch mal, wieder keine Antwort. 
„Mia, das ist nicht lustig, hör auf mit dem Quatsch, ich hab echt Angst“
„Tja Schätzchen, wies aussieht wirst du wohl dort unten versauern!“

Hörte ich eine Stimme sagen, konnte aber niemanden sehen.
Oh nein, das musste die Delphin-Mörderin sein, schoss es mir durch den Kopf.

Wer sind Sie und was wollen Sie von uns?“

Das weißt du doch eh schon. Wir haben euch beobachtet am Strand“,

kam wieder die Stimme aus dem Off. „Wir werden deine kleine Freundin jetzt vernichten!“

Die Frau lachte hämisch. Aus der Ferne hörte ich einen Schrei. Das konnte nur Mia sein.

Lasst meine Freundin frei! Sie hat euch nichts getan, es war meine Idee, hierher zu kommen. Sie hat damit nichts zu tun. Bitte lasst sie gehen!“

Nichts da, du vermoderst hier unten und deine Freundin wird ertränkt.“

Ich hörte Schritte, die sich entfernten.

Bitte warten Sie, ich will hier raus!“
Keine Antwort. War ja klar. Die Frau war nicht mehr da.

Ich überlegte, was ich tun sollte. Ich fühlte etwas Kribbeliges auf der Haut. Ich sah nach. 
Oh mein Gott, es war eine SPINNE !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Was sollte ich jetzt nur tun? In mir stieg die Panik hoch.

Ich fing an zu schwitzen, ich wollte raus, war aber wie gelähmt.

Ich versuchte mich selbst zu beruhigen.

Tief ein und ausatmen. Ein und aus.

Ich merkte wie ich langsam ruhiger wurde.

Ich versuchte gar nicht mehr auf die Spinnen zu achten.

Mein Bein tat höllisch weh, aber ich versuchte mich aufzustellen. Ein Glück, es klappte. An der Wand waren Wurzeln.

Ich versuchte mich, an ihnen hoch zu ziehen.

 

Leider bin ich auch nicht gerade die Sportlichste. Keuchend und außer Atem kam ich oben an. So endlich oben dachte ich: Wie sollte ich jetzt Mia finden?

Ich suchte den Boden nach Fußspuren ab, fand aber keine.

Auf einmal hörte ich aus der Ferne einen Schrei.

Ohne zu überlegen lief ich in die Richtung, in der ich den Schrei vermutete. Na ja, besser gesagte humpelte ich in die Richtung, da mein Bein weh tat.

Bei jedem Schritt spürte ich mein Bein, als ob da jemand tausend Stechnadeln durch mein Bein stach. Aber ich hielt durch.

Ich kam an eine kleine Felsenschlucht. Das Wasser prallte nur so gegen die Felsen. Ich hörte wieder einen Schrei.

Diesmal klang er ganz nah. Ich humpelte an den Felsrand.

Im Wasser schwammen eine Frau und ein Mann.

Oh nein !! Sie hatten Mia in ihrer Gewalt!!!!!

Ich sah, was sie machten.

Der Mann band Mia gerade den Mund zu. Die Frau fesselte ihre Hände und Beine. Das Wasser war an der Stelle mindestens zehn Meter tief.

Ich erinnerte mich daran, dass die Frau etwas von Ertrinken gesagt hatte. Wollten sie Mia etwa gleich los lassen? Dann würde sie untergehen. Ich wollte gerade „NEIN Nicht!“ schreien, da ließen sie Mia auch schon los. Sie zappelte wie ein Fisch. Stückchen für Stückchen ging sie weiter unter.

Die Frau und der Mann schwammen mit einem Grinsen zum Strand, der ganz in der Nähe war. Ich schlich zum Strand und versteckte mich hinter einem Busch.

So, sehr gut, eine, von den beiden Rotzgören ist schon mal erledigt.“

So, und jetzt gehen wir zu dem anderen Mädchen, oder was meinst du, Heinz?“

Dieser Heinz nickte, und sie machten sich auf dem Weg zu meinem Loch.

Ich überlegte nicht lange und sprang ins Wasser. Ich schwamm zu den Felsen rüber. Ich konnte nur hoffen, dass ich nicht zu spät kam.

Ich holte tief Luft und tauchte unter.

Verdammt ich sah alles nur verschwommen. Warum hatte ich auch keine Taucherbrille mit?

Das Wasser war schön klar. Ich versuchte nach etwas Buntem Ausschau zu halten.

Da sah ich etwas Gelbes im Wasser treiben. Mit etwas Glück konnte es Mia sein.

Ich tauchte immer weiter runter. Der Grund war schon zu sehen.

Ich schnappte mir das gelbe Etwas. Es war schwer. Es bewegte sich nicht.

Ich hoffte, dass ich nicht zu spät war. Ich versuchte so schnell wie möglich wieder an die Oberfläche zu kommen, da mir selbst die Luft ausging.

Wir waren gut acht Meter unter der Oberfläche. Ich schwamm, so gut ich konnte, mit Mia nach oben. Allerdings konnte ich selbst nicht mehr.

Ich tu es für Mia. Ich tu es für Mia, sagte ich mir immer und immer wieder. So kam ich Stück für Stück nach oben. Noch drei , zwei, ein Meter. Endlich oben. Ich atmete erleichtert auf.

Ich hielt Mias Kopf über Wasser. Sie atmete nicht.

Mit letzter Kraft zog ich sie an Land. Wie gingen die Rettungsübungen noch mal?

Verdammt, jetzt ärgerte ich mich, dass ich in der Schwimmschule nicht aufgepasst hatte.

Ich faltete meine Hände und drückte sie auf Mias Brustkorb.

Ich drückte ein paar Mal, bis sie anfing Wasser auszuspucken.

Das Wasser flog in hohem Bogen durch die Luft und landete genau in meinem Gesicht.

Oh mein Gott, Mia, du lebst, bin ich froh. Ich hatte solche Angst um dich!!!!“

Ich fiel meiner Freundin stürmisch um den Hals.

Danke… ich… bin.. so.. froh.. danke..!!“

Mia musste zwischendurch immer wieder Wasser spucken. Auf einmal hörte ich Schritte hinter uns.

Ich zählte zwei und zwei zusammen. „Mia los komm, wir müssen verschwinden.“

Ich zog meine Freundin am Ärmel hoch.

Bitte .. nur .. noch.. paar.. Minuten.. .“

Nein Mia, tut mir leid, das geht nicht, die Delphin-Mörder sind hinter uns her“, sagte ich panisch. Ich drehte mich um. Hinter uns standen die Frau und der Mann.

Ich lief weiter mit Mia, es war verdammt schwer Mia, die noch total schwach war und sich wieder hinlegen wollte, und ich mit meinem Bein. Die beiden holten Schritt für Schritt auf.

Wir liefen zu unserem Boot. Selbst Mia hatte die Gefahr inzwischen erkannt und versuchte, so gut es eben ging, zu laufen.

Ich war unheimlich stolz auf meine Freundin.

Aber auch ich hatte ja die Beschwerden mit dem Bein. Am Boot angekommen legte ich Mia schnell ins Boot und band das Boot los.

Die Verbrecher sahen, dass wir abhauen wollten. Sie sprangen in ihr Boot und folgten uns. Wir gaben Vollgas.

Aber die Verbrecher holten schnell auf. Es gab in der Gegend viele kleine Inseln, die wir umrundeten. Wir konnten die beiden auf einem gewissen Abstand halten. Nach einer halben Stunde wurden wir langsamer.

Oh nein, der Motor, Mia was sollen wir jetzt machen?!“
„Am besten, du steuerst die nächste Insel an, und dann sehen wir weiter.“

Mia hatte sich schon ein wenig von ihrem kleine Tauchgang erholt.

Die nächste Insel war unsere Anfangs-Insel, wo die Delphine lagen.

Dort angekommen sprangen wir aus dem Boot und versteckten es unter einer Gebüsch.

Vom weitem sah ich schon das Boot der beiden Verfolger.

Und was machen wir nun?“, fragte ich außer Atem.

Als sie mich gefesselt haben, haben sie mich vorher zu ihrem Lagerplatz mitgenommen“, sagte Mia.

Weißt du noch, wo der in etwa war?“

Ja.In Richtung Süden. Los, folge mir.“

Ich folgte ihr und wir liefen kreuz und quer durch den Wald.

Mia bist du dir sicher, dass du noch weißt, wo der Platz ist? Mein Bein tut furchtbar weh, können wir nicht eine kleine Pause machen?“

Ich wusste selbst, dass das nicht ging. Mia antwortete erst gar nicht auf meine Frage.

Nach einer halben Ewigkeit kamen wir an eine kleine Felswand. Mia umrundete sie halb. Sie tastete jeden Stein genau ab.

Mia was soll das werden?“, fragte ich sie, dabei drehte ich mich immer wieder um.

Gerade als Mia noch einen Stein untersuchen wollte, hörte ich Schritte. Ich zog sie hinter den nächstbesten Busch. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis die Frau und der Mann hier auftauchten. Ich hielt den Atem an.

Sag mal Heinz, hast du die beiden Rotzgören gefunden?“

Nein leider nicht, mein süßes Schweinchen.“

Mensch Heinz, du weißt genau, dass du mich nicht so nennen sollst.“

Aber meine Honigbärin, so war das doch auch nicht gemeint. Hast du denn die Kinder gefunden?“

Nein, habe ich nicht und jetzt komm.“

Die Frau drückte auf einen Stein in Form eines Herzens.

Auf einmal öffnete sich eine Felsspalte und die Frau und der Mann gingen da durch. Ehe sich die Felsspalte schloss, zog ich Mia mal wieder am Ärmel hoch und durch die Spalte.

Uns stieß ein übler Geruch entgegen, der sehr nach abgestandenem Fleisch roch.

Es gab viele Gänge. An der Wand hingen Fackeln. Ich nahm mir eine und ging den Gang hinunter.

Mia folgte mir etwas ängstlich. Zugegeben, ich hatte auch Angst.

Wir gingen den Weg immer weiter runter. Nach ein paar Minuten kam eine Abzweigung. Ich blieb stehen.

Wo lang?“, flüsterte Mia.

Keine Ahnung.“

Wir entschieden uns für den rechten Weg und kamen an ein schlammiges Feld.

Chloé bist du sicher, dass du da lang gehen willst? Meine Schuhe sind ganz neu.“

Ich hörte gar nicht auf Mia und ging weiter.

Der Schlamm wurde immer tiefer und tiefer. Ich wollte doch wieder umkehren, aber ich kam nicht von der Stelle. Aber ich sackte immer mehr ein, ohne dass ich mich bewegte. Auf einmal fiel mir siedend heiß auf, dass das hier war kein Matsch sondern…

Treibsand!“, nahm mir Mia die Worte aus dem Mund.

Oh mein Gott was sollen wir jetzt machen?“ fragte ich panisch.

Bewege dich auf keinem Fall!“
Na Mia hatte gut reden, sie würde ja auch nicht von Sand verschluckt.

Mia pass auf, rief ich noch, aber zu spät. Die Frau hatte sich von hinten angeschlichen und Mia gepackt.

Na, sollen wir dir helfen?“ fragte die Frau hämisch.

Ja bitte “, antwortete ich knapp, ich war jetzt schon bis zu Bauchnabel im Sand verschwunden.

Tja, da kannst du lange warten“, sagte die Frau und ging mit Mia im Schlepptau weg.

Verdammt was sollte ich jetzt machen?

Jetzt war ich schon bis zur Brust im Treibsand. In dem Moment sah ich einen Ast, der zwischen dem Felsen fest hing.

Ich versuchte mich dahin zu bewegen. Ich griff nach ihm und so konnte ich mich Stück für Stück aus dem Treibsand rausziehen. Allerdings rutschte der Ast auch immer weiter aus der Felslücke raus.

Gerade, als ich wieder Boden unter den Füßen hatte, gab der Ast nach und fiel in den Treibsand.

Ich lief schnell weg von hier. Kurz darauf war ich wieder an der Ecke, wo sich die Weg trennten. Aber diesmal nahm ich den anderen Weg. Ich lief los, so gut ich konnte, da mein Bein immer noch wehtat.

Ich kam in einem runden Raum an.

Der Raum war voll mit toten Delphinen. Ich fing beinahe an zu weinen, da es mir in der Seele wehtat, so viele Tiere tot auf einem Haufen zu sehen.

Ich lief schnell weiter, denn ich hatte ein Tür entdeckt. Ich öffnete sie vorsichtig. Da war noch ein Raum. In dem saßen aber die beiden Verbrecher. Ich versteckte mich hinter einem großen Felsen der mitten im Weg stand.

Und was wollen wir mit der Göre jetzt machen, Tanja?“

Na was wohl, wir vergraben sie am Strand.“
„ Echt, na dann sollten wir mit dem Graben ja mal anfangen.“

Mensch, Heinz das war ein Scherz.“

Da fing Heinz künstlich an zu lachen. Oh Mann, der Typ scheint echt so ein bisschen schräg zu sein.

Ich schaute mich vorsichtig um . Und da sah ich Mia gefesselt an einem kleinen Felsen. Leider musste ich, um sie zu befreien, an Tanja und Heinz vorbei. Ich schnappte mir einen kleinen Stein und versuchte unauffällig an ihnen vorbei zu kommen.

Quietsch“

Oh, Schitt, ich verschwand blitzschnell hinter dem Sessel von dem Heinz.

Was war das Tanja?“
„Weiß ich doch nicht, ich schaue mal kurz nach.“

Die Frau wollte gerade aufstehen, als ein Telefon klingelte.

I’m a Barbie girl in a Barbie world 
Life in plastic, it’s fantastic 
You can brush my hair, undress me everywhere 
Imagination, life is your creation.“

Oh die Chefin ruft an, na geh schon ran, Ken, äh Heinz.“

Der Mann rührte sich erst vom Fleck, als die Frau ihn anschrie.

Äh ja, Hallo…ach sie sind es… ja …wir haben wieder 10 Tiere.. ja .. sie wollen vorbei kommen … ja klar … jederzeit.. also bis .. dann … ja Tschüss.“

Du Tanja, die Chefin will kommen.“

Danke, ich habe mitgehört.“

Okay, dann sollten wir mal anfangen aufzuräumen.“

Der Mann fing an, Bierflaschen wegzuräumen. Und die Frau half ihm, alles rauszutragen, also waren wir allein. Ich nutzte die Chance und lief zu Mia.

Danke, du bist meine Rettung.“

Ich lächelte ihr zu und fing an die Fesseln zu lösen. Nach fünf Minuten war selbst der dickste Knoten gelöst, und wir ergriffen die Flucht.

Zum Glück konnten wir uns gerade noch hinter dem Felsen verstecken. Da kamen auch schon die Verbrecher zurück. Mit einer Frau im Schlepptau.

Auf einmal roch ich wieder diesen Geruch von dem WC Kraft-Aktiv Duftspüler mit Citrus Duft. Das konnte doch nur die Frau sein, der ich auf der Flughafenhafen-Toilette begegnet bin.

Mia und ich sagten kein Wort.

So, sie haben ja unser Fleischlager schon gesehen. Da wird sich EDIDS-Supermarkt aber freuen, statt Rinderhack und Schweinefleisch gibt es Delphin-Fleisch.“

Na dann mal los, ich zeige ihnen unsere Beute von heute.“

Sie gingen wieder raus und wir hinter her.

Hey Mia warte, ich habe eine Idee.“

Ich hielt sie zurück. Wir gingen wieder in den Raum zurück, wo sie Mia gefangen gehalten hatten.

Was hast du vor Chloé?“
„ Lass dich überraschen, hier nimm lieber was“, meinte ich und drückte ihr ein ca. fünf Meter langes Seil in die Hand. Und ich selber nahm Klebeband mit. Damit bewaffnet liefen wir raus, und zum Strand, wo die Delphine lagen und versteckten uns hinter einem Gebüsch.

Aha und hier ist die neuste Ware von euch beiden. Wie schön“, meinte die nach Klospüler riechende Frau.

Mia gab mir ein Zeichen, worauf ich hin zu den dreien ging. Wir hatten nämlich auf dem Weg hierher einen Plan entwickelt. Inzwischen war ich bei den Dreien angekommen und warf ihnen blitzschnell das Seil um. Die drei waren so davon überrascht, dass sie sich im ersten Moment gar nicht wehrten. Aber dann zappelten sie wie ein Fisch auf dem Teller.

Du kleine Mistgöre was…mmmmhhh.“

Da kam Mia mir schon zur Hilfe und verband dem Typen den Mund. Natürlich auch den anderen. Ich knotete inzwischen das Seil zu.

So, und was machen wir jetzt?“, fragte Mia, die den dreien inzwischen auch die Füße und Arme gefesselt hatte.

Na, was wohl, wir fahren mit dem Boot zurück.“

Hast du vergessen, dass unser Benzin alle ist.“

Nein, das habe ich nicht, darum werden wir auch mit dem Boot der Entführer fahren.“

Ah, schlaue Idee, na dann los.“

Wir liefen dahin, wo das Boot der Delphin-Mörder lag.

Eine halbe Stunde später waren wir wieder am Hafen von Sydney.

Wir rannten zum Polizeipräsidium.

Ich fing einfach an zu reden, als wir einem Polizisten gegenüber standen, ohne darüber nachzudenken, ob der Herr mich verstand, aber zum Glück antwortete er mir auf Deutsch.

Chloé guck mal wer da ist.“

Ich drehte meinen Kopf in die Richtung, in die Mias Finger zeigte.

Mama, Papa was macht ihr den hier?“, fragte ich überrascht.

Wo wart ihr denn? Wir haben uns solche Sorgen gemacht, wir dachten schon, ihr seid entführt worden!“

Nein, wir haben Delphin-Mörder gefangen“, meinten wir stolz.

Als wir anfingen zu erzählen, kam ein Polizist zu uns.

Er meinte, dass wir ihnen die Insel zeigen sollten. Kurz darauf saßen wir im Boot. Wir fuhren mit Blaulicht auf die Insel zu. Zum Glück waren noch alle da.

Mia und ich zeigten die Höhle. Die Polizei bekam vor Staunen den Mund gar nicht mehr zu.

Eine halbe Stunde später wurden wir von einem Journalisten interviewt.

Später wurden wir von der Polizei benachrichtigt, dass es sich tatsächlich um die gesuchten Delfin-Mörder handelte. Als wir dann den Polizisten von dem Mord versuch an Mia erzählten, waren meine Eltern total geschockt. Wir bekamen von der Polizei die versprochene Summe Finderlohn und zwar 27.490 Euro.

Am Abend gingen wir zu dem Bootsverleih-Typen, dem wir erklärten, dass sein Boot auf einer Insel festsitzt, weil das Benzin alle war.

Zum Glück war er nicht sauer. So hatte sich die Sache auch geregelt.

Und mein Bein war leider leicht verstaucht, wie sich herausstellte.

Meine Eltern waren auch nicht böse auf uns, zumindest nicht wirklich.

Die Ferien wurden noch sehr schön.

Mit dem Geld gingen Mia und ich ordentlich shoppen.

Und am nächstem Tag standen wir breit in der Zeitung:

DELPHIN-MÖRDER HINTER GITTER!!!!!!!
zwei 14 jährige Teenager C.Verlaine und M.Faust haben gestern bei einer Bootstour die Delphin-Mörder entdeckt. Sie haben gleich gehandelt und sich damit selbst in Gefahr gebracht.

Zum Glück ist aber alles gut ausgegangen.

Den Delphin-Mördern droht 25 Jahre Haft.

 

Text:

M.Huxley