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Der Berg

von Malin John (19)

„Hier, hier, spiel ab. Ich bin frei, spiel doch ab! Sag mal, bist du blind?!“

Nora stand am Mittelkreis und fuchtelte mit den Armen. Doch der Ball kam einfach nicht zu ihr, er wurde unaufhörlich die Linie runter getrieben, ohne dass der Ballführende den Kopf hob. Doch Nora lief mit und endlich, sie war noch ein paar Meter vom Strafraum entfernt, kam die Flanke. Der Ball flog in einer Kurve nach oben und senkte sich dann langsam hinunter.  Der kommt perfekt, dachte Nora. Sie schaute sich um, die Gegenspieler waren alle einige Meter von ihr entfernt. Sie hatten ihr keine Beachtung geschenkt, Nora wurde häufig unterschätzt. Sie sprang einbeinig ab, schraubte sich in der Luft immer höher, holte mit dem linken Bein aus und spannte ihren Körper an, als wäre er ein Brett. Ihr Bein schnellte nach vorne. Ihr Fuß traf den Ball und zimmerte ihn oben in den Winkel. Der Boden näherte sich langsam wieder. Nora landete gekonnt auf dem linken Fuß und stand wie eine Eins. Der Torwart konnte diesen Ball unmöglich halten, denn von der Mitte des Tores konnte er nicht in den Winkel kommen. Dafür war er zu klein. Nora konnte das Grinsen, das sich auf ihrem Gesicht ausbreitete, nicht mehr verbergen. Auch wenn es ihr lieber gewesen wäre, wenn sie ein ernstes Gesicht hätte aufsetzen können, nach ihrer Landung. Aber es lässt sich doch nicht alles kontrollieren. Ihre Mitschüler waren verblüfft. Einige wussten, dass Nora Fußball spielte, aber dass sie einen solchen Schuss hatte, damit hätte niemand auf dem Feld gerechnet.

Jonas, ihr bester Freund, kam auf sie zu gerannt. „Ich hätte nie gedacht, dass du so eine Kraft hast“, sagte er anerkennend und lächelte ihr zu.

Vom Spielfeldrand hörte sie Jubelrufe, und einige ihrer Mitspieler kamen auf sie zu und klopften ihr anerkennend auf die Schulter. Lange Zeit zum Freuen blieb ihr nicht, denn der Ball war schon wieder im Spiel. Doch dieser Angriff wurde unterbrochen, da ihr Lehrer das Spiel Abpfiff. Die Stunde war zu Ende, alle verließen langsam den grünen Rasen und gingen zu den Kabinen.

Noras Körper fühlte sich leer, ausgelaugt und erschöpft an. Nora genoss dieses Gefühl, sie liebte es, wenn sie so richtig ausgepowert war. Sie freute sich, den klebrigen Schweiß und die Rasenreste abzuspülen. Das Wasser lief leicht über ihr Gesicht. Wie leicht und angenehm es war, an nichts Bestimmtes denken zu müssen. Erst jetzt, als Nora ihren Kreislauf langsam runter gefahren hatte, merkte sie, wie sehr das Spiel sie angestrengt hatte. Sie war zwar eine gute Spielerin, aber sie konnte ein Spiel nicht allein entscheiden, sie war auf ihre Mitspieler angewiesen, und das strengte Nora an, dieses Angewiesen sein auf andere, nicht das machen zu können, was sie wollte. Nora gab gerne Hilfestellungen auf dem Spielfeld, rief Namen über das Spielfeld, wenn jemand in Position gelaufen war und zeigte an, wo sie einen freien Raum sah. Sie gab den anderen Angebote, und die entschieden selbst, was sie daraus machen wollten. Doch alles in ihr sträubte sich dagegen, die zu verstehen, die dachten, dass sie gute Fußballer seien, eigene Fehler nicht zugaben und andere bei Fehlern kritisierten. Aber wenn ihnen ein Fehler passierte, waren immer die anderen Schuld, oder notfalls war es eben der Platz. Da hatte Nora andere Ansprüche an sich und war auch gerne bereit, anderen beim Herausarbeiten ihrer Stärken zu unterstützen. Naja, so war Nora halt, sie versuchte aus allem ihr eigenes zu machen.

Als Nora aus der Dusche kam, waren nur noch wenige in der Kabine und als sie ihre Sachen zusammen packte, war sie mit den Gedanken schon wieder ganz woanders. Wie sollte sie bloß das alles auf die Reihe bekommen, dachte sie.  Ihr Tag war völlig durchgeplant.  Sie bemerkte eher beiläufig, dass das  schöne Gefühl von vorhin wieder weg war. Es wurde von einem bekannten und alltäglichen Gefühl verdrängt. Die Grundspannung in ihrem Körper erhöhte sich wie von selbst, und sie hatte das Gefühl, mechanisch zu handeln. Sie dachte nicht lange nach, sondern ging zu ihrem Rad und fuhr nach Hause, auf dem Weg strukturierte sie ihren Tag.

„Also, es ist jetzt 15:00, bis ich zu Hause bin und gegessen habe, ist es 16:00, dann muss ich gucken, was ich an Hausaufgaben auf hab, und ach so, ja, das Referat muss ich ja auch noch zu Ende machen, und um 18:00 dann zum Training, dann bin ich um 22:00 Zuhause, kann noch was essen und ins Bett. Ja, das ist mein Tag heute.“ Fast jeder Tag bei Nora sah so aus, zumindest immer so ähnlich, mal hatte sie etwas früher oder später Schulschluss. Auch Training hatte sie nicht jeden Tag. Wenn sie nicht beim Training war, dann machte sie den ganzen Tag Sachen für die Schule. Zwischendurch guckte sie mal ihre Emails nach. Doch, wenn sie erst mal angefangen hatte, ihre Hausaufgaben zu machen, dann hatte sie das Gefühl, es würde niemals enden, und sie würde förmlich von ihren Texten, Modellen und Formeln aufgefressen. Sie musste sich schon ziemlich darauf konzentrieren, dass sie sich kurz fasste, denn einen Termin hatte sie nach den Hausaufgaben fast immer. Und es gab kaum etwas Schlimmeres für Nora, als zu spät zu kommen oder einen Termin zu verpassen. Da war sie ganz anders als ihre Mutter. Die kam immer zu spät und vergaß oft Termine, egal ob beim Arzt, in der Schule oder einen Geburtstag.

Sie erzog Nora und Lea alleine, seit ihr Vater sie verlassen hatte. Noras kleine Schwester war irgendwie das Mittelding aus Nora und ihrer Mutter, Lea war pünktlich aber unglaublich bequem. Sie überlegte sich dreimal, ob es wirklich notwendig war, sofort einkaufen zu fahren oder ob sie das nicht auf morgen verschieben konnte. Auch bei den Hausaufgaben sah es nicht besser aus, Lea war der Ansicht, sie würden „überbewertet“. Außerdem war sie viel jünger. Lea ging in die Grundschule, während Nora schon fast ihr Abi macht. Deshalb gab Nora die Hoffnung nicht auf und glaubt fest, dass Lea irgendwann verstehen würde, dass es die Schule vereinfacht, wenn man zuhause wenigstens ein bisschen arbeitet.

Nora setzte sich lieber extra noch mal hin und lernte Vokabeln oder Grammatik, um im Training zu bleiben. Dabei blieb nicht viel Zeit für Freunde. Bei ihren besten Freunden wusste Nora, dass sie sich nicht jede Woche melden musste, um mit ihnen in Kontakt zu bleiben, und einige andere sah sie ja am Wochenende, wenn sie mal auf eine der Hauspartys ging. Doch in der Woche war es fast unmöglich für sie, sich mal mit Freunden zu treffen.

Falls sie überhaupt mal eine Stunde frei hatte, dann blieb sie meistens in ihrem Zimmer sitzen oder an einem Fluss, der in der Nähe ihres Hauses vorbei floss, und starrte Löcher in die Luft. Das letzte Mal, dass sie am Fluss gewesen war, war allerdings schon lange her. Gedanken verloren sah sie auf das Wasser hinaus. Es lag ruhig und glatt vor ihr und wurde nur leicht vom Wind bewegte, der sanft durch die Zweige der Bäume strich. Im Hintergrund zwitscherten leise Vögel, und Nora saß einfach nur da und schaute stumm aufs Wasser hinaus. Allerdings war das wirklich sehr lange her, und Nora wusste nicht einmal genau, ob es eine Erinnerung oder ein Wunschtraum war.

Im Moment war nicht daran zu denken, dass Nora sich so eine Auszeit nahm. Sie musste noch das Referat ausarbeiten. Sie sah auf die Uhr und bemerkte resigniert, dass sie das Training vergessen konnte, das würde sie nicht schaffen. Aber wenigstens laufen konnte sie noch gehen. Nora hatte sich gerade in ihr Referat über die Geschichte des Fußballs vertieft, als sie von ihrer Mutter aus der Konzentration gerissen wurde. „Nora kannst du die Wäsche aufhängen, oder soll die im Korb trocknen.“

„Ja, gleich“, antwortete sie genervt.

„Ich wollte ja nur fragen“, ruderte ihre Mutter sofort zurück. Nora versuchte, sich verzweifelt auf das Referat zu konzentrieren, aber jetzt, wo sie wusste, dass sie noch etwas anderes erledigen sollte, konnte sie sich unmöglich auf die Texte konzentrieren. Sie begann zu lesen und wusste beim ersten Komma schon nicht mehr, wie der Satz angefangen hatte, geschweige denn, was er aussagen wollte. Also ließ sie es sein und machte sich auf den Weg in die Waschküche. Sie sah Lea, in ihrem Zimmer sitzen und im Internet surfen. Wieso, muss ich das machen, wenn Lea anscheinend nichts zu tun hat, dachte sie genervt.

Als sie wieder in ihr Zimmer kam, ließ sie sich rücklings auf ihr Bett fallen, das direkt neben der Tür stand. Sie schloss die Augen und merkte, wie sich ein bekanntes Gefühl in ihr ausbreitete. Sie konnte sich nicht dagegen wehren, dass dieses Gefühl sich ihrer bemächtigte, es war, als wenn sie auf das ruhige Meer hinaus schaute. Langsam am Horizont erkannte sie schemenhaft eine Welle. Sie dachte sich nichts dabei. Doch diese Welle wuchs immer mehr an, und als sie mit voller Wucht auf Noras Kopf traf, fühlte es sich an, als würde ihr ein Fels auf den Kopf fallen und nicht die Wassermassen, die sie nun in die Tiefe zogen. Nora hätte alles dafür getan, dieses Gefühl kontrollieren zu können. Es überrannte sie in den unpassendsten Momenten. Dann baute sich in ihrem Kopf ein Druck auf, der ihr nicht ermöglichte, auch nur einen schönen Gedanken fest zu halten, alles verschwamm auf einmal zu einem tristen Grau. Auch wenn sie versuchte, sich an Momente zu erinnern, in denen sie sich gefreut hatte oder es ihr richtig gut ging. Es ging nicht, es war einfach unmöglich, in jeder noch so guten Situation sah Nora dann Probleme und Schwierigkeiten. Da sie wusste, dass sie dieses Gefühl nicht mehr weg bekommen würde, ging sie erst einmal laufen. Es ging dabei zwar nicht weg, aber sie konnte es besser ertragen. Es wurde in den Hintergrund gedrängt und sie kam ab und zu an die Wasseroberfläche und konnte nach Luft schnappen. Nach einigen Kilometern hatte die körperliche Anstrengung das Gefühl tatsächlich etwas verdrängt.

Als sie wieder in ihre Straße einbog, sah sie einen Rettungswagen vor ihrem Haus stehen.  „Wieso parken die Rettungswagen immer unsere Einfahrt zu, wenn sie doch eigentlich zum Altersheim nebenan wollen, die haben doch selber eine große Einfahrt“, dachte Nora verärgert.

Als Nora sich langsam ihrem Haus näherte, sah sie, dass die Rettungskräfte nicht in das Altersheim liefen. Schritt für Schritt fast wie in Zeitlupe, näherte sie sich ihrem Haus und sah, dass die  Rettungssanitäter tatsächlich in ihr Haus liefen, andere blieben am Auto und versuchten die Schaulustigen, die neugierig stehen geblieben waren, vom Haus fernzuhalten. Da bahnten sich zwei Männer aus dem Haus den Weg zum Wagen, sie schoben und trugen etwas behutsam, sie behandelten es, als wäre es aus Glas, Porzellan oder sonst einem zerbrechlichem Material. Nora war irritiert. Was war passiert? Ging es Lea und Mama gut? Mit diesen Gedanken im Kopf versuchte sie sich jetzt ihrerseits einen Weg durch die Schaulustigen zu bahnen, sie fühlte sich noch kleiner als sonst schon und wurde wie ein Ball hin und her gestoßen. Sie schob einen Mann zur Seite und bekam dafür einen Ellenbogen in die Rippen. Nora wich aus und rempelte dabei eine Frau an, die ihr sofort einen strafenden Blick zuwarf. Nora entschuldigte sich, aber schob sich unaufhörlich weiter durch die Menge. Sie näherte sich langsam dem zerbrechlich wirkenden Gegenstand, den die beiden Männer aus ihrem Haus getragen hatten. Sie erkannte Räder und eine Fläche, die mit einer schimmernden Plane überzogen war. Sie starrte diesen Gegenstand an. Wieso trugen zwei Sanitäter dieses Ding aus ihrem Haus. Nora war sich sicher, so einen Gegenstand hatten sie nicht. Da fiel es ihr auf einmal wie Schuppen von den Augen. „Natürlich, das Ding was die beiden Männer aus dem Haus schoben, war die Rettungstrage, aber wer lag denn da drauf? Sie konnte beim besten Willen nicht erkennen, ob es sich um Lea oder um ihre Mutter handelte. Einer der Sanitäter kam auf sie zu und baute sich vor ihr auf. Nora wich automatisch einige Schritte zurück. Sie bekam kein Wort heraus, ihr Mund war trocken wie Schmirgelpapier. Es kam ihr vor wie Stunden, bis sie endlich einen Satz rausbekam. „Ich wohne da“, brachte sie mühsam über die Lippen und zeigte auf das Haus, aus dem die beiden Männer gekommen waren. Zu Noras Überraschung  breitete sich ein erleichtertes Lächeln auf dem Gesicht ihres Gegenübers aus. „Ach so, das ist dann natürlich etwas anderes. Dann komm mal bitte mit, und setz dich am besten auf die Treppe vor eurem Haus, ich komme sofort zu dir.“ Nora wusste nicht mehr, was sie denken sollte, ihr schossen tausende Gedanken auf einmal durch den Kopf und doch konnte sie keinen wirklich zu Ende denken. Auch die Situation um sie herum vereinfachte ihre innere Situation nicht gerade. Es ging zu wie in einem Bienenstock, die Sanitäter rannten immer noch durcheinander. Nora wollte schon aufstehen und einfach ins Haus gehen. Da kam eine junge Frau auf sie zu und setzte sich neben sie auf die Stufen. Die Frau begann ganz ruhig mit ihr zu reden, Nora hörte aber nur mit einem halben Ohr zu, sie hörte etwas, dass sie jetzt stark sein müsste und egal was passieren würde, sie müsste ihr versprechen, auf ihre Schwester aufzupassen.

„Was ist denn überhaupt los“, wollte Nora jetzt ungeduldig wissen.

„Deine Mutter ist gestürzt und auf den Kopf gefallen. Wir müssen gucken, was verletzt ist. Erst dann können wir Genaueres sagen.“

Nora war mit den Gedanken schon wieder ganz woanders. Wo war Lea, und wie ging es ihr? Was war eigentlich genau passiert, und hatte Lea den Notarzt gerufen, oder war sie zu einem der Nachbarn gelaufen, und die hatten dann den Notarzt gerufen? Oder lag Lea vielleicht noch im Haus, und war auch verletzt? Nora hatte sie hier draußen noch nicht gesehen. Langsam, fast wie in einem Traum ging sie ins Haus und öffnete behutsam die Tür. Sie wusste ja nicht, was sie dahinter erwarten würde. Nora scannte jeden Raum kurz aber Lea fand sie nicht. Erst als sie sich endlich den Flur bis zu Leas Zimmer durchgearbeitet hatte, hörte sie ganz leise ein Schluchzen. Sie beschleunigte ihre Schritte und öffnete langsam die Tür. Lea saß zusammen gekauert wie ein Igel auf ihrem Bett und schluchzte unaufhörlich. Nora setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm und drückte sie fest an sich. Nach einiger Zeit, es kam Nora vor wie Stunden, beruhigte sich Lea langsam und begann stockend zu erzählen was passiert war. „Ich war gerade in meinem Zimmer und dann hörte ich plötzlich einen schrecklichen Krach. Ich hatte Angst, aber ich habe mir meinen Teddy gegriffen und hab all meinen Mut zusammen genommen und habe geguckt, was passiert war.

 

Ich bin aus dem Zimmer gekommen, und da sah ich Mama. Sie lag auf dem Boden und hat sich nicht bewegt. Sie trug noch immer ihr schickes Kostüm und ihre hohen schwarzen Schuhe, die sie nur auf der Arbeit trägt. Ihr Kopf lag auf einem Stuhl, es sah aus, als würde sie schlafen. Aber sie bewegte sich nicht. Dann hab ich gesehen, dass sie nach Luft schnappte. Zum Glück war sie nicht tot, ich war froh.“ Lea guckte Nora von der Seite an und sagte mit zittriger Stimme: „Dann hätte ich überhaupt nicht mehr gewusst, was ich tun sollte. Ich hab mich neben sie auf den harten Fliesenboden gekniet. Und sie hat leise gesagt, dass ich den Notarzt rufen soll. Das hab ich gemacht und als der Notarzt endlich gekommen ist, bin ich in mein Zimmer gegangen.“

„ Das hast du sehr gut gemacht“, lobte Nora ihre kleine Schwester.

„Und wie geht es dir?, Lea schwieg.“

„Wenn du mich brauchst, ich bin in meinem Zimmer“, sagte sie leise, so dass sich ihre Stimme fast im Raum verlor.

Jetzt bin ich auch nicht schlauer als vorher, dachte Nora und verließ langsam das Zimmer.

Endlich war sie alleine und konnte ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Aber irgendetwas hinderte sie daran. Es fühlte sich an, als würde sie einen Rucksack voll mit schweren Steinen mit sich herumtragen. Sie setzte sich auf ihr Bett, doch sie konnte nicht so richtig los lassen. Sie hatte ihrer Schwester ja versprochen, dass sie jeder Zeit zu ihr rüber kommen konnte, wenn sie etwas brauchte, und dann konnte sie nicht hier sitzen und am Boden zerstört sein. Nein, sie musste stark sein. Sie konnte jetzt nicht auch noch wegbrechen.

Sie schloss die Augen und plötzlich sah sie einen Berg, der sich langsam Meter für Meter immer näher an sie heran arbeitete. Er trieb ein Geröllfeld vor sich her. Alles, was ihm in den Weg kam, riss er gnadenlos mit. Nora wich unweigerlich zurück, sie stieß gegen eine kalte Fläche. Sie drehte sich um und stand vor einer riesigen Wand aus Stein.  Auf einmal wurde ihr Körper von einem Schmerz durchflutet. Nora fuhr zusammen. Aus irgendeinem Grund war sie erleichtert, auch der Berg, der sich vor ihr aufgebaut hatte, wurde etwas bröckelig. Der Schmerz und die Verzweiflung begannen zu verschwinden. Nora blickte sich gedankenverloren um. Plötzlich bemerkte sie die Rasierklinge in ihrer Hand. Sie hatte keine Ahnung, wie die dort hingekommen war. Sie bewahrte immer eine in einer kleinen Schachtel in ihrer Kulturtasche auf, falls die ihres Rasierers mal stumpf sein sollte. Sie wusste nicht, wie um alles in der Welt sie in ihre Hand geraten war. Es tat gut, endlich mal wieder atmen zu können. Nora nahm die Klinge und schnitt noch einmal, die kühle Klinge fuhr leicht über ihre warme Haut. Langsam floss ihr warmes Blut über ihren Arm. Sie konnte sich nicht wieder losreißen. Doch da öffnete sich die Tür ihres Zimmers, und wie durch einen Reflex drückte Nora blitzschnell ihre Decke auf ihren Arm. Lea hatte noch nicht ganz das Zimmer betreten. Da fing sie schon an zu reden. „Nora, ich habe Hunger, kannst du bitte was zu essen machen.“

„Ich komme gleich“, beeilte sich Nora zu sagen. „Setz schon mal Wasser auf.“

Lea entfernte sich.

Nora blieb noch etwas in ihrem Zimmer und drückte ein Taschentuch auf die Wunde, bevor sie sich ins Bad traute, um nach einem Verband zu suchen. Als sie sich versorgt hatte und die Küche betrat, hatte Lea das Wasser schon aufgesetzt. Nora kochte Nudeln und machte eine einfache Tomatensoße. Damit sie endlich was in den Magen bekamen, denn es war schon ziemlich spät geworden. Nora hatte gar nicht bemerkt, wie lange sie auf ihrem Bett gesessen hatte. Ihr Blick fiel aus dem Fenster. Sie schaute in die schwarze Nacht hinaus. Am Himmel funkelten Tausende von Sternen. Ganz schwach am Horizont meinte Nora die Umrisse von Hochhäusern zu erkennen. Es war so ruhig und friedlich, dass sie kaum glauben konnte, dass hier vor einigen Stunden noch so viel Hektik, Angst und Ungewissheit geherrscht hatte. Die Hektik hatte sich zumindest äußerlich gelegt. Auch die Angst war kleiner geworden, da Nora nun wusste, dass ihre Mutter in guten Händen war und versorgt wurde. Doch sie wusste immer noch nicht, wie es ihrer Mutter ging, und wie schwer die Verletzungen waren, die sie bei ihrem Sturz erlitten hatte.

Während Nora den Tisch abräumte, hörte sie leises Motorengeräusch und Musik von der Straße hinauf zu ihr klingen. Es war angenehme Musik, sie konzentrierte sich auf die Rhythmen und versuchte, das Lied zu erraten, als Lea die Küche wieder betrat. Nora drehte sich um.

„Was machst du denn noch hier“, fragte sie entgeistert und etwas überrascht. „Ich dachte, du bist schon längst im Bett.“

Lea entgegnete mit ihrer typisch gleichgültigen Art: „Ich schreibe morgen eine Mathearbeit, aber Bruchrechnung kann ich einfach überhaupt nicht.“

Nora war kurz davor zu kontern: „Tja, dann hättest du dich eben früher hinsetzen müssen.“ Aber das tat Nora nicht, es schien ihr nicht angebracht, schließlich hatte ja keiner vorhersehen können, dass ihre Mutter heute ins Krankenhaus kommen würde. Deshalb zog sie einen Stuhl etwas näher an sich heran, und bedeutete Lea, sich dort hin zu setzten. Nach einer Stunde war Nora hundemüde und Lea hatte die Bruchrechnung eigentlich auch verstanden, aber ihre Konzentration wollte nicht mehr mitspielen. „Okay, das reicht, du gehst jetzt schlafen.“

Wiederwillig ging Lea in ihr Zimmer. Nora packte das Geschirr zusammen und begann gedankenverloren mit dem Abwasch. Heute ging das ja noch alles, aber wie sollte es in den nächsten Tagen werden? Sie musste ja auch zur Schule gehen und Lea war meist schon vor ihr zu Hause. Dann muss ich wohl das Mittag immer schon am Abend vorher fertig machen, dachte sie. Oder wir verschieben das warme Essen auf den Abend.  Sie wusste, ihre Nachbarn würden ihnen im Notfall auch helfen, doch sie wollte das alleine hinbekommen. Mit diesem Gedanken ging  sie ins Bett. Sie stand am nächsten Morgen früher auf als sonst, um das Frühstück vorzubereiten und das Schulbrot für Lea fertig zu machen. Das hatte Mama auch immer gemacht. Dann wecke Nora ihre Schwester und machte sich selber fertig. Als sie endlich aus dem Haus ging, war sie froh, dass Lea pünktlich ihren Bus bekommen hatte, und sie hatte ihr für mittags einen Zettel geschrieben, dass sie sich die Reste von gestern Abend warm machen konnte, denn Nora kam heute erst spät aus der Schule. Alles war wie immer und keiner merkte ihr an, das sie zwischendurch im Unterricht nicht einfach nur aus dem Fester sah und träumte, sondern im Kopf überlegte, wie sie den Nachmittag meistern würde. Es klingelte, endlich war der Schultag zu Ende, sie ging zu ihrem Rad und Jonas begleitete sie wie immer. Alles war wie immer. Nora schloss ihr Rad ab, sie verabschiedete sich von Jonas mit einer Umarmung und drehte sich um.

„Was ist los mit dir“, hörte sie Jonas hinter sich fragen.

Nora drehte sich zu ihm um. „Nichts“, entgegnete sie.

„Komm mal her“, Jonas klopfte auf die Mauer, vor der die beiden standen. „Setz dich mal.“

„Eigentlich hab ich keine Zeit, tut mir leid, aber du kannst gerne nachher mal anrufen, dann können wir telefonieren, wenn du willst.“

Damit gab Jonas sich zufrieden, und die beiden verabschiedeten sich voneinander.

 

„Ich bin wieder zuhause“, schrie Nora, als sie die Tür öffnete.

Aus Leas Zimmer hörte sie nur ein dumpfes „Hallo“.

Nora ging in die Küche und machte sich die Reste des gestrigen Abendessens warm. Während sie aß, kam Lea in die Küche.

„Und wie war die Arbeit“, wollte Nora wissen.

„Ging so, ich kann es nicht einschätzen“, entgegnete Lea. Nora hatte auch keine Lust, lange nach zu bohren, deshalb fragte sie: „Hast du deine Hausaufgaben schon gemacht, nicht dass du heute Abend ankommst, und wir wieder eine Nachtschicht einlegen müssen, das mach ich nämlich auf Dauer nicht mit.“

„Ich hab zu morgen nichts auf“, entgegnete Lea mürrisch.

„Na gut, könntest du dich dann bitte heute noch um die Wäsche kümmern, ich muss nachher nämlich noch mal einkaufen fahren.“

„Wenn es sein muss.“

Lea war genervt, sie hätte sich am liebsten den ganzen Tag in ihrem Zimmer verschanzt und mit Freunden gechattet oder telefoniert, aber Hausarbeiten kamen ihr von alleine nicht in den Sinn.

Das Telefon klingelte und Nora nahm ab. „Ja?“, das Krankenhaus war dran, und berichtete ihr, dass ihre Mutter wieder ansprechbar war, aber noch für einige Wochen im Krankenhaus bleiben musste, damit sie sichergehen konnten, dass es keine Nachblutungen geben wird.

„Nachblutungen?“ fragte Nora verunsichert. „Wurde sie denn operiert?“

„Nein, aber sie ist stark auf den Kopf gefallen, deshalb behalten wir sie zur Beobachtung noch da“, entschuldigte sich die Schwester am anderen Ende der Leitung.

Nora war irritiert, sie hatte sich noch nicht daran gewöhnte, gesiezt zu werden.

„Ihre Mutter hat eine Gehirnerschütterung und zwei Rippen sind angebrochen. Die Rippen mussten fixiert werden, damit sie die Lunge nicht beschädigen und wieder gerade zusammen wachsen.“

„Okay“, das war alles, was Nora über die Lippen brachte.

„Aber Sie können Ihre Mutter natürlich jeder Zeit besuchen.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich die Schwester und legte auf. Nora ging zu Lea und berichtete ihr, was sie gerade erfahren hatte. Lea war froh, das sah sie ihr an, doch konnte Nora nicht ganz definieren, wieso Lea so froh war. War es, weil es ihrer Mutter gut ging, oder weil sie wusste, dass sie nun die nächsten Tage alleine Zuhause waren? Aber was es auch war, so lang es Lea besser ging, war wenigstens eine Sorge von Nora etwas kleiner geworden. Das Telefon klingelte abermals. Diesmal war es Jonas, der wie versprochen anrief. Nora ging in ihr Zimmer, um ungestört reden zu können.

„Also, was wolltest du?“, fragte sie.

„Ich wollte wissen, wie es dir geht?“, entgegnete Jonas.

„Mir geht es gut, das hab ich dir doch vorhin schon gesagt“, erklärte Nora etwas verwirrt.

Doch Jonas ließ sich nicht beirren. „Ich merke doch, dass irgendetwas nicht stimmt, den anderen kannst du vielleicht vormachen, dass alles in bester Ordnung ist, aber ich kenne dich schon zu lange. Ich merke, wenn dir etwas auf der Seele liegt und so schlimm wie heute in der Schule war es noch nie. Also was ist los.“

Nora wusste, dass er jetzt so lange nachhaken würde, bis sie es ihm erzählte. Nach einer kurzen Überlegung sagte sie: „Okay, aber nicht am Telefon.“

Jonas versprach, noch am Abend vorbeizukommen. Nora wusste nicht,

ob sie sich freuen sollte, oder die Panik die Überhand gewinnen würde, in den Stunden, in denen sie wartete. Sie begann, das Geschirr, das noch vom Mittag auf dem Tisch stand, abzuspülen. Danach setzte sie sich an ihre Hausaufgaben. Denn sie wollte sich möglichst nicht selbst zu einer weiteren Nachtschicht verdonnern. Die Kräfte, die sie dort verlor, fehlten ihr wohlmöglich später an einer anderen Stelle. Das konnte sie nicht riskieren. Also setzte sie sich in ihr Zimmer und vertiefte sich in ihre Bücher. Sie wurden von der Türklingel aus der Konzentration gerissen. Nora schaute sich verwundert um. War das etwa schon Jonas? Sie öffnete die Tür und tatsächlich, Jonas war schon da. Die Zeit war schneller vergangen, als sie gedacht hatte.

„Hallo,“ begrüßte Nora ihn fröhlich, aber sie ließ ihn gar nicht ganz reinkommen. „Wäre es in Ordnung, wenn du mir kurz bei den Einkäufen hilfst, meine Mutter ist gerade nicht da, und ich kann die Tüten so schlecht alleine tragen“, das war ja noch nicht ein Mal gelogen, stellte Nora fest.

„Ja klar, kein Problem“, entgegnete Jonas. Als  die beiden wieder zu Nora nach Hause kamen und Nora alle Einkäufe verstaut hatte, setzte sie sich an ihren Schreibtisch und wollte sich gerade wieder in ihre Hausaufgaben vertiefen.

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, wollte Jonas wissen, der es sich, wie so häufig, auf ihrem Bette bequem gemacht hatte. „Ich komme dich besuchen, und du, du machst Hausaufgaben, und das, obwohl wir zu morgen überhaupt nichts aufhaben. Außerdem hast du doch bestimmt schon alle Hausaufgaben für die nächsten zwei Tage fertig. Also entspann dich mal. Komm her“,  er klopfte mit der flachen Hand auf das Bett. „Setz dich zu mir.“

Nora blieb einen kurzen Augenblick sitzen und überlegte, sie hatte wirklich schon die Hausaufgaben für die kommenden Tage fertig. Außerdem war es unhöflich, einen Gast nicht zu beachten, auch wenn dieser Gast Jonas war, der für sie schon fast wie ein Bruder war. Sie ließ sich neben Jonas auf das Bett fallen.

„So ist es schon viel besser“, sagte er grinsend. „Und jetzt erzähl  mal, was ist mit deiner Mutter los, sie ist ja immer noch nicht da. Oder ist Lea etwas passiert?“, wollte Jonas beunruhigt wissen. „Nein, nein“, beeilte sich Nora zu sagen, „Lea geht es gut. Aber Mama ist im Krankenhaus, und deshalb schmeiß ich hier den Haushalt.“

Jonas sah sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung an. „So, wie ich dich kenne, lässt du noch nicht einmal dein Training ausfallen. Damit bloß keiner merkt, dass etwas anders ist als sonst.“

„Tja, ganz richtig. Ich merk schon, ich brauch dir eigentlich gar nicht genau erzählen, was los ist.“ Nora war erleichtert. Sie saßen eine Weile schweigend nebeneinander und schauten aus dem Fenster. Jonas war derjenige, der das Schweigen brach.

„Wie wäre es, wenn ich ab und zu herkomme, und dir etwas unter die Arme greife, außerdem passt dann wenigstens einer auf, dass du dich nicht komplett überforderst. Du musst einfach Bescheid sagen. Ich kann auch mal für Lea kochen, wenn du länger Schule hast, wir haben ja nicht allzu viele Kurs zusammen.“

Nora blickte weiter regungslos aus dem Fester und dachte über den Vorschlag nach. In ihr begann ein heftiges Gerangel. Einerseits wollten ihr Stolz und ihre Disziplin, dass sie es alleine schaffte, aber auf der anderen Seite sagte ihr gesunder Menschenverstand, dass es nicht schaden würde, wenn Jonas ihr unter die Arme griff.  Außerdem konnte sie sich bei Jonas sicher sein, dass er damit nicht in der Schule hausieren ging und es bei der nächstbesten Gelegenheit ausplauderte. Denn das war das letzte was sie nun auch noch gebrauchen konnte.

„Es wäre schon ganz gut, wenn du mir ab und zu bei den Einkäufen helfen könntest“, sagte sie mit einer etwas brüchigen Stimme. „Ich kann dir allerdings nicht sagen, wie lange meine Mutter noch weg sein wird.

„Mach dir da drüber mal keine Gedanken, und sei sicher, dass ich dich nun noch öfter fragen werde, ob ich mal mitkommen kann, damit ich sicher gehe, dass du zwischendurch auch mal zum Sitzen kommst.“

„Ich sitze doch in der Schule schon genug“, gab sie zurück.

Jonas sah sie schräg von der Seite an. „Du weißt genau, wie ich das meine.“

Nora lächelte und ließ den Blick in die Ferne schweifen. Sie merkte, wie einfach es war, abzuschalten, wenn jemand da war, der sie so gut kannte wie Jonas.  Egal, wie sehr sie versuchte, ihre Fassade aufrecht zu erhalten, er durchschaute sie jedes Mal. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen.

Es klopfte an ihrer Zimmertür.

„Nora, wann gibt es Abendessen?“, wollte Lea wissen.

„Ich komme gleich“, entgegnete Nora und stand langsam von ihrem Bett auf. Mit einem Blick bedeutete sie Jonas, ihr in die Küche zu folgen.

Der erhob sich leise murrend.

„Du hast mir doch angeboten, mir zu helfen, ich hab dich zu nichts gezwungen“, entgegnete Nora lachend. „Du kannst schon mal den Tisch decken, und ich kümmer mich um das Essen“.

Schon bald waren sie ein eingespieltes Team. Nora dirigierte, und Jonas tat bereitwillig, wie ihm geheißen wurde. Er blieb sogar noch zum Abwaschen da. Sie war froh, dass sie sich so auf ihren besten Freund verlassen konnte.

„Wenn du mich nicht mehr brauchst, würde ich gehen, wenn wir hier fertig sind“, hörte sie Jonas hinter ihrem Rücken sagen. Sie drehte sich um, und sah ihn am Fenster stehen und in die Ferne blicken, während er einen Teller abtrocknete.

Als er gegangen war, stellte Nora die letzten Gläser in den Schrank und ging in ihr Zimmer. Bevor sie sich hinlegte, schaute sie nochmal nach Lea. Die lag schon im Bett und chattete noch mit ein paar Freunden. „Lea, du weißt, dass du morgen zur ersten Stunde raus musst“, mit diesen Worten und einem „Gute Nacht“ verließ sie das Zimmer und schloss die Tür leise hinter sich.

Nora schlief in dieser Nacht wie ein Stein. Am nächsten Morgen war sie ausgeruht und hatte genügend Kraft für den neuen Tag.

An den folgenden Tagen war Jonas fast immer da und half ihr bei allem, was zu tun war. Und er sorgte dafür, dass sie sich zwischendurch auch mal hinsetzte und mal nichts tat. Zumindest nichts Sinnvolles, denn durch gekitzelt werden und sich um Kissen streiten ist nun wirklich nichts Sinnvolles. Aber genau diese kleinen Dinge zwischendurch waren es, die Nora über Wasser hielten und ihr die Kraft gaben, die Zeit zu überstehen, in der ihre Mutter im Krankenhaus war. Doch auch diese Zeit ging endlich vorbei, und ihre Mutter kam wieder nach Hause. Nora konnte es nicht glauben, dass ihre Mutter schon wieder nach Hause kam. Die Zeit war rasend schnell vergangen. Was wahrscheinlich nicht zuletzt an dem straffen Tagespensum lag das Nora in der letzten Zeit absolviert hatte. Sie war ganz aufgeregt und hatte alles geputzt, da sie unter keinen Umständen wollte, dass ihre Mutter dachte, dass ihre Nora es nicht geschafft hätte, für sich und ihre Schwester zu sorgen. Doch Nora hätte sich gar nicht so viele Gedanken machen müssen. Nachdem ihre Mutter angekommen war und sie alle in der Küche zusammen saßen, sagte Lea: „Mama, ich bin froh, dass du wieder zuhause bist, aber Nora hat das fast besser hinbekommen als du. Sie hat mit mir jeden Abend Hausaufgaben gemacht, und hat sogar immer mit mir für die Arbeiten geübt.“

Mama lächelte stolz. „Das glaub ich gerne, dass Nora das besser hinbekommen hat als ich, aber es ist einfach noch nicht ihre Aufgabe, sich um ein Kind einen Haushalt und um ihren eigenen Job zu kümmern. Das kommt mit der Zeit noch. Im Moment sollte deine Aufgabe Kind sein lauten“, sagte Mama zu Nora.

„Ich bin so stolz auf dich, das kannst du dir gar nicht vorstellen, aber jetzt darfst und sollst du wieder Kind sein.“

Sie lächelte und Nora wusste, dass ab nun alles wieder etwas leichter werden würde. Aber auch sie war stolz darauf, dass sie es geschafft hatte, und dass sie über ihren eigenen Schatten gesprungen war und sich hatte helfen lassen.