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Der Stein

von Arabella Domgjoni, 13 Jahre

Lia stand bereits auf dem Schiff und hob leicht ihre Hand, um ihrer Familie zu zuwinken.

Ihre Eltern und ihr Bruder Todd winkten wild zurück. Lia war das peinlich, sie wandte sich ab und ging zu ihrer besten Freundin Jennifer, die sich bereits auf dem Liegestuhl sonnte. Lias Bruder rief zwar die ganze Zeit ihren Namen, aber sie drehte sich nicht ein einziges Mal um. Sie wollte auf keinen Fall, dass alle auf dem Schiff mitbekamen, dass sie so einen Loser als Bruder hatte. Todd meinte, sie sei eine Tyrannin, aber Lia wusste, dass er nicht der einzige war, der so dachte. Eigentlich gab es da viele, die der Meinung waren, dass Lia wirklich ein bisschen netter sein konnte, aber die waren wahrscheinlich alle nur eifersüchtig darauf, dass Lias Vater viel Geld zur Verfügung hatte. Lia hingegen genoss den Reichtum ihres Vaters. Sie wollte diese wunderbare, luxuriöse Kreuzfahrt machen und die nächsten Tage mit sonnen, schwimmen und Partys verbringen. Lia war bereits reichlich shoppen gegangen und trug ein hübsches Sommerkleidchen, das perfekt zu ihren honigblonden Haaren passte und noch dazu ihre Figur betonte. Sie ließ sich auf dem Liegestuhl nieder und kramte ihr Handy heraus. Schon wieder eine Nachricht! Sie verdrehte die Augen. In letzter Zeit bekam sie häufig SMS von Jungs aus der Schule, aber alle waren ihr irgendwie nicht gut genug. Die meisten hatten nicht mal annähernd so viel Geld wie sie und schrieben kitschige SMS. Diese war von Robert, einem hoffnungslosen Loser, der geschrieben hatte, dass er sie schrecklich vermissen würde. Lia verzog das Gesicht und fing an zu kichern. Das war ja wirklich zu peinlich!

,,Zeig mal her“, forderte Jennifer und lächelte, als sie die SMS las.

,,Süß“, erwiderte sie. Lia zeigte ihr einen Vogel.

,,Eher ekelhaft wenn du mich fragst.“

Jennifer blickte sie ernst an. ,,Also ich hätte mich geschmeichelt gefühlt, wenn mir jemand so etwas geschrieben hätte. Ist doch nun wirklich egal, dass er nicht so viel Geld hat. Er hat dafür doch einen echt guten Charakter, Lia.“

Lia fing wieder an zu kichern. Jennifer wusste genau, dass sie jemanden haben wollte der reich, gutaussehend und sportlich zugleich war. Der Charakter war ihr völlig egal.

,,Jennifer, du bist wirklich witzig, aber das habe ich gerade ernst gemeint. Aber wenn du ihn haben willst, schenke ich ihn dir gerne. Ihr wärt wirklich ein süßes Pärchen wenn du verstehst was ich meine“, erwiderte Lia augenzwinkernd.

,,Weißt du, Lia, im Gegensatz zu dir schätze ich andere Menschen wenigstens. Ich bin eben nicht so eingebildet und arrogant wie du.“

Lia wurde das zu viel. Seid wann hatte Jennifer das Recht so über sie zu reden? Sie hatte immer geglaubt, dass wenigstens Jennifer hinter ihr stand. Aber da hatte sie sich gewaltig getäuscht! Wenn das so war, brauchte sie sie eben nicht. Es gab noch ganz viele andere Mädchen mit denen sie sich abgeben konnte.

,,Fein! Ich finde schon eine andere beste Freundin und außerdem fand ich schon immer, dass dein Style total gruselig ist!“, meinte Lia und stand jetzt ganz dicht vor ihrer alten besten Freundin, die sie wütend anstarrte.

,,Dir geht es immer nur um dich und deine bescheuerten Klamotten! Was mit anderen ist, ist dir völlig egal!“

Jennifer war außer sich vor Wut und zog an Lias Ohrringen, die sie gerade erst neu gekauft hatte und die wirklich schön aussahen. Lia schrie auf und zog an Jennifers brünetten Haaren. Jennifer holte aus und schlug Lia ins Gesicht. Die anderen Leute auf dem Schiff versuchten den Streit zu schlichten, doch die Mädchen fingen an, sich gegenseitig zu schubsen.

,,Hey! Hört auf!“, rief der Kapitän. Lia und Jennifer taten sofort wie ihnen befohlen wurde. Sie konnte sich nicht mehr richtig ansehen. Überhaupt sahen sie niemanden an und starrten beschämt auf den Boden. Sie wurden zum Küchendienst verdonnert. Lia war mehr als schockiert. Ganz bestimmt würde sie keinen dämlichen Küchendienst machen! Wofür hielten die sich eigentlich?

,,Mein Vater hat die Kreuzfahrt nicht bezahlt, damit ich Küchenmädchen spiele!“, rief sie und verschränkte die Arme vor der Brust. Doch der Kapitän blieb hart.

,,Morgen werdet ihr früh aufstehen und mithelfen das Frühstück vorzubereiten, verstanden?“

Eindringlich sah er den Mädchen in die Augen. Jennifer stimmte zu und auch Lia gab schließlich nach. Es hatte keinen Sinn ihn weiter zu nerven. Als alle Leute verschwunden waren, kochte Lia vor Wut.

,,Das ist alles deine Schuld! Ab jetzt bin ich fertig mit dir!“

Noch bevor Jennifer etwas erwidern konnte, lief Lia in ihre gemeinsame Kabine und schloss die Tür hinter sich zu. Diese Zicke sollte sich bloß nicht blicken lassen!

Lia konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Unruhig hatte sie sich in ihrem Bett gewälzt und über die Ereignisse nachgedacht. Ihr schöner, teurer Ohrring musste dran glauben und sie durfte als Strafe auch noch Küchendienst machen. Sie seufzte und sah zu Jennifer herüber, die tief und fest schlief. Lia spürte wieder Wut in sich aufsteigen. Nur wegen ihr war das alles passiert! Lia stand auf und nahm sich Jennifers Lieblingskleid. Sie versuchte das Kleid mit ihrer Schere zu zerschneiden. Doch das war gar nicht mal so einfach, denn der Stoff war ziemlich hart und nach etlichen Minuten hatte sie es gerade mal geschafft, ein kleines Loch in das Kleid zu bohren. Okay, dann musste sie es eben über Bord werfen. Aber als Lia sich auf den Weg machen wollte, trat sie auf Jennifers Geschenkpapier mit dem sie eines ihrer Souvenirs einpacken wollte. Jennifer hatte das Geräusch geweckt und als sie Lia mit ihrem schönen Kleid unter dem Arm sah, wurde sie hellwach.

,,Das ist mein Kleid! Gib es gefälligst wieder her!“, forderte Jennifer.

Lia grinste. ,,Dann musst du es dir eben holen“, erwiderte sie und rannte so schnell sie konnte. Jennifer versuchte ihr hinterher zu laufen, aber Lia war ein Tick schneller.

,,Lia das ist nicht witzig! Gib es doch her!“, flehte Jennifer. Lia grinste immer noch und hielt das Kleid über Wasser. Sie fühlte sich relativ stark und amüsierte sich prächtig, Jennifer so leiden zu sehen. Doch Jennifer trat ein paar Schritte zurück und schubste Lia so doll sie konnte. Lia fiel das Kleid herunter und sie stürzte rücklings über die Reling ins Wasser. Jennifer schlug sich die Hände vors Gesicht.

,,Oh mein Gott! Lia!“

Voller Panik stürmte sie zum Kapitän.

,,Mann über Bord!“, schrie Jennifer und der Kapitän versuchte einen Rettungsring ins Wasser zu werfen. Doch Lia war nicht mehr zu sehen.

,,Wo ist sie?“, fragte Jennifer panisch. Der Kapitän versuchte mit seinem Rettungsboot, Lia zu finden, doch sie war bereits verschwunden.

,,Es tut mir so leid, Lia…“, flüsterte Jennifer und schluchzte.

Wo bin ich?, war die erste Frage, die Lia sich stellte, als sie langsam ihre Augen öffnete.

,,Das Mädchen ist wach! Chan, das Mädchen ist wach!“, rief eine ältere Frau mit langen, schwarzhaarigen Zöpfen. Sie saß neben Lia saß und streichelte ihr Gesicht. Lia geriet in Panik: Wo um Himmels willen war sie? War das ein Traum?

Nach und nach bemerkte sie, dass sie sich in einem aus Stöcken gebauten, kleinen Zelt befand. Die Frau lächelte sie warm an und reichte ihr eine kaputte Tasse mit Wasser drin.

,,Ich bin Kalani. Und das ist mein Sohn Chan. Du bist heute morgen auf unserer Insel gestrandet. Da hat Chan dich mitgenommen“, sagte die Frau. Sie wies auf den großen, schlanken Jungen hin. Diese Familie war ja nun wirklich ärmer als arm! Sie besaßen ja nur irgendwelche Krüge und Töpfe und schliefen auf Fell. Lia ekelte sich und wollte so schnell wie möglich wieder nach Hause.

,,Ich bin Lia. Danke, dass ihr mir erst mal geholfen habt, aber jetzt möchte ich nun wirklich gerne nach Hause gehen, okay?“

Die Frau fing laut an zu lachen und auch der Junge, Chan, stimmte mit ein. Lia sah die beiden verwirrt an. Hatte sie etwas falsches gesagt?

,,Du kannst nicht nach Hause. Du solltest erst mit unserer Herrscherin gesprochen haben. Wer diese Insel verlassen will, muss eine harte Prüfung bestehen. Und glaub mir, unsere Herrscherin kennt keine Gnade“, meinte Chan und lächelte. Lia sah ihn entsetzt an. Wo war sie hier nur gelandet?

,,Was? Auf welcher Insel bin ich denn?“, fragte Lia. Sie hatte noch nie von einer Insel gehört, die eine Herrscherin hatte und von der man nur runter kam, wenn man eine harte Prüfung bestanden hatte. Das konnte ja wirklich nur ein Scherz sein!

,,Du bist auf Golden Island. Ihr Menschen kennt diese Insel nicht. Hier kommen nur wenige her. Sterbliche müssen nämlich, wie du bereits weißt, eine Prüfung bestehen, um wieder weg zu können“, erwiderte Kalani.

,,Okay, dann bringt mich eben zu dieser komischen Herrscherin. Aber ich muss mir zuerst etwas anderes anziehen. Habt ihr hier irgendwelche Geschäfte?“, fragte Lia und musste feststellen, dass ihr Kleid einige Löcher hatte. Auch das noch! Das Kleid war so teuer gewesen. Ihr Dad wäre bestimmt ausgeflippt, wenn er das erfahren hätte.

,,Wo von sprichst du, Lia? Was sind Geschäfte?“, fragte Kalani und war damit beschäftigt ihre Krüge zu waschen.

Lia wurde schlecht. So schlecht wurde ihr normalerweise nur an Sonntagen, da man da ja nicht shoppen gehen konnte. Aber jetzt konnte sie für eine längere Zeit nicht mehr einkaufen gehen. Sie wollte am liebsten umkippen und nie wieder aufstehen.

,,Aber so kann ich doch nicht vor eurer Herrscherin erscheinen! Seht doch wie ich aussehe!“, rief Lia entsetzt. Chan verdrehte die Augen und verschwand aus dem Zelt. Nach zwei Minuten kam er wieder und hielt Lia einen Fetzen hin, der vermutlich aus Fell war. Sie würde definitiv ihr eigenes Kleid anbehalten. So konnte sie doch niemals an die Öffentlichkeit gehen!

,,Wir haben nichts anderes. Aber ich denke…“

,,Niemals! Ich behalte mein Kleid an! So was derart hässliches ziehe ich doch nicht an“, erwiderte Lia. Chan legte das Fell auf den Boden und seufzte.

,,Bringt mich jetzt einfach zu eurer Herrscherin“, sagte Lia und folgte den beiden ohne ein Wort.

,,Wir möchten zu unserer Herrscherin Suraya“, bat Kalani, als sie bereits vor dem Tor des kleinen Palastes standen. Lia bekam ein mulmiges Gefühl, als sie die riesigen Wächter mit ihren spitzen, scharfen Schwertern sah, die sie bedrohlich anstarrten. Aber schließlich gaben sie den Weg frei und die drei gingen langsam die Treppen nach oben. Lia gefiel der Palast irgendwie. Alles war hier aus Gold und an den Wänden waren wirklich schöne, aber auch irgendwie komische Gemälde. Mal sah sie Tiere, die sie noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen hatte, mal ein Bild von einer verrückt wirkenden Frau, deren schwarze Haare wie Rohre aussahen und deren Blick äußerst verstörend war.

,,Tretet ein“, kam es plötzlich von einer großen, goldenen Tür, die sich langsam öffnete. Gemeinsam traten sie in den Saal ein. Auf einem hohen Stuhl saß dieselbe Frau wie auf den Bildern. Nur, dass ihr Blick nicht so starr und verzweifelt wirkte, sondern eher ernst. Sie erinnerte Lia ein bisschen an ihre Stiefmutter. Die hatte auch schwarze Haare und immer so einen ernsten Blick bei dem Lia kotzen könnte.

,,Du bist Lia Sophie Miller, habe ich Recht?“, fragte sie. Lia nickte und trat ein paar Schritte näher. Die Herrscherin hob ihre Hand und zog Lia mit ihren Zauberkräften noch näher zu sich. Lia hatte keine Chance, sich zu wehren und bekam plötzlich Angst.

,,Du willst weg von dieser Insel. Genau wie all die anderen vor dir. Aber wenn du wirklich weg willst, musst du einer meiner Prüfungen bestehen.“

,,Und was für eine?“, fragte Lia vorsichtig.

,,Bekämpfe dein inneres Selbst“, kam es von der Frau. Lia war verwirrt.

,,Wie mein ,,inneres Selbst“ bekämpfen?“

,,Ich sage nichts, aber ich sehe, dass du kein gutes Mädchen bist. Du musst dein inneres Selbst bekämpfen, um wieder heraus zu können. Du hast nur bis morgen Abend Zeit. Wenn du es bis dahin nicht schaffst, wirst du für immer hier bleiben müssen.“

Kalani und Chan holten tief Luft. Sie schienen genauso geschockt wie Lia. Lia wusste nicht, wie sie diese Aufgabe lösen sollte. Sie bekam wieder einen Hass auf Jennifer. Sie konnte sich nur daran erinnern, wie Jennifer sie geschubst hatte. An mehr nicht. Wenn sie je wieder zurückkommen sollte, würde sie Jennifer das Leben zur Hölle machen, so viel stand fest.

Als sie wieder zurück im Zelt waren, sagte Kalani: ,,Lia du siehst ganz verhungert aus. Ich hole dir mal ein bisschen Reis, Liebes.“

Besorgt sah Kalani sie an und holte eine ihrer Schalen hervor, in die sie Reis füllte. Sie reichte Lia dann den Teller.

,,So ein ekelhaftes Zeug esse ich doch nicht! Habt ihr nichts besseres da?“

Chan kam herein und funkelte Lia wütend an. Eigentlich sah er ganz gut aus, ging es Lia durch den Kopf, aber sie sagte nichts.

,,Ihr Menschen denkt immer nur an euch! Immer muss alles toll, teuer und edel sein! Warum könnt ihr nicht einmal mit dem zufrieden sein, was ihr habt?“, fragte er.

,,Ganz einfach: Wenn man schon das Geld hat, sollte man es auch ausgeben. Wozu ist Geld denn bitteschön da? Du verstehst es ja nur nicht, weil du so arm bist! Ich habe es echt satt. Ich kann das Rätsel auch alleine lösen, also bye!“

Wütend rannte Lia in den Wald. Nach einer Weile war sie erschöpft und setze sich auf nahe eines Dorfes auf einen großen Stein. Wie sollte sie das Rätsel lösen? Das innere Selbst – So ein Blödsinn! Sie sah sich um. Überall sah sie Zelte und lachende Leute. Die meisten trugen nur irgendwelche Fetzen aus Fell und einige Frauen hatten sogar kaum was an. Lia kam sich schäbig und schmutzig vor und wurde noch wütender, als sie sah, wie glücklich alle schienen. Wann war sie jemals so glücklich gewesen? Beim Shoppen, aber irgendwie nicht so richtig, denn das war etwas, was sie sowieso die ganze Zeit tat. Und diesen Menschen fehlte es an Modesinn. Aber wie konnten sie auch anders? Sie besaßen noch weniger Geld als diese idiotischen Jungs, die ihr fast jeden Tag eine SMS geschrieben hatten. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen so leben zu müssen. Was ist nur los mit mir?, fragte Lia sich. Sie war schließlich die obercoole Lia Sophie Miller, die sich ganz und gar nicht unterkriegen ließ. Schon gar nicht von irgendwelchen ärmlichen Leuten, die Fellfetzen trugen und strubbelige Haare hatten. Einzig und allein die Königin sah schön aus, aber die schien unantastbar zu sein. Lia konnte sich ihr nicht anvertrauen.

,,Junge Dame! Warum schaut ihr denn so traurig?“

Lia erschrak und drehte sich um. Ein sehr alter Mann kam krummrückig auf Lia zu. Er sah sie besorgt an und setzte sich neben sie auf den Stein.

,,Ich rieche Sterbliche. Du bist eine, nehme ich an. Du warst dann auch sicher schon bei Suraya. Was hat sie dir gesagt?“

Lia seufzte. ,,Dass ich mein inneres Selbst bekämpfen soll oder so. Aber ich habe echt keine Ahnung, was sie damit gemeint hat.“

Der Mann lächelte. ,,Ah. Verstehe. Ich kann dir einen kleinen Tipp geben, aber mehr kann und darf ich wirklich nicht verraten.“

,,Echt? Dann lassen Sie mal hören!“

Lia stand auf und sah dem Mann tief in die Augen. Er zauberte einen ganz gewöhnlichen, grauen Stein her.

,,Ein Stein? Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“

Der Mann öffnete den Stein wie eine Dose. Innen befanden sich Kristalle, die schön glitzernd und glatt waren. Lia wollte unbedingt einen nehmen, aber als sie den armen Mann so sah, bekam sie irgendwie Mitleid. Lia wunderte sich über sich selbst. Seid wann hatte sie jemals in ihrem Leben Mitleid gehabt? Der Mann klappte den Stein wieder zu und hielt ihn Lia vors Gesicht. ,,Du siehst nur das Äußere“, sagte er. Lia war immer noch verwirrt.

,,Ich muss nun gehen, Mädchen“, sagte der Mann. Lia wollte etwas erwidern, aber der Mann ging in den Wald hinein und verschwand aus ihrem Blickfeld. Sie war erneut auf sich allein gestellt. Sie ging stundenlang ziellos durch den Wald, um irgendwelche Hinweise zu finden, aber sie fand absolut gar nichts. Sie fühlte sich kraftlos, hungrig und durstig. Sie hatte schon lange nichts mehr gegessen oder getrunken. Sie würde sogar den ekelhaften Reis nehmen, wenn es sein musste. Nach einer Weile kam Lia wieder an den Strand. Sie entdeckte einen kleinen Teich und versuchte gierig, daraus Wasser zu trinken. Gleich in der Nähe lagen Muscheln. Sie öffnete jede einzelne Muschel und stopfte alles in sich hinein, obwohl das grausam schmeckte. Aber sie fühlte sich etwas besser.

,,Ich habe mir gedacht, dass du hier bist“, meinte Chan. Warum mussten sich auf dieser Insel alle immer so heranschleichen? Sie bemerkte, dass um die ganze Insel riesige Gitter aufgebaut waren. Na toll! Ihr Plan, heimlich wegzuschwimmen, konnte sie nun auch in die Tonne treten.

,,Was willst du?“, fragte Lia müde.

,,Du bist genauso wie alle anderen, die hergekommen sind, Lia. Aber ich habe das Gefühl, dass du nicht das toughe Mädchen bist für das du dich ausgibst.“

Lia wollte etwas gemeines erwidern, aber Chan kam immer näher auf sie zu und hielt ihre Hand. Ihr wurde ganz warm ums Herz, als sie in seine schönen, dunklen Augen sah. Er war so anders als all die anderen Jungs, die sie in ihrem Leben bisher gesehen hatte. Er sah so schön aus und ihm schien Lias teure Kleidung und Geld egal zu sein. Das war neu für sie und ein schönes Gefühl, sie wusste nicht warum. Sie lächelte und Chan erwiderte ihr Lächeln. Plötzlich umarmte er sie. Sie ließ es geschehen und stieß ihn nicht zur Seite, wie sie es eigentlich vorgehabt hatte, denn ihre eigene Mutter hatte sie einmal so umarmt, da war sie fünf oder sechs Jahre alt gewesen. Kurz danach starb sie. Lia fing auf einmal an, fürchterlich zu weinen. Es vergingen Sekunden, dann berührten Chans weiche Lippen ihre. Ihr Herz klopfte wie wild und ihre Knie zitterten vor Aufregung. Bestimmt hätte kein Junge aus der Schule sie jemals so geküsst. Nach mehreren Sekunden, die ihr endlos lange vorkamen, lösten sich ihre Lippen von einander.

,,Meine Familie erwartet mich, Lia. Komm doch mit. Du hast noch nicht alle kennengelernt“, meinte er. Er hielt sie immer noch in seinen Armen. Lia löste sich von ihm und schüttelte heftig den Kopf.

,,Ich will lieber allein sein“, erwiderte sie. Chan nickte, umarmte sie und gab ihr noch einen Abschiedskuss bevor er ging. Lia saß noch lange am Strand und dachte verzweifelt über die Lösung nach. Sie konnte nun wirklich nicht mehr. Sie beschloss, mit voller Wucht gegen das Gitter zu stoßen, aber es war zu hart. Sie überlegte, dann entdeckte sie einen Speer der neben einer Palme im sie Stand steckte. Sie hob ihn auf und schnitt das Gitter durch. Es kostete sie eine Menge Kraft, aber sie wollte jetzt nicht aufgeben. Mit voller Zuversicht versuchte sie alles, um das Gitter zu durchtrennen. Sie benötigte zwar mehrere Stunden, aber das war es Wert. Endlich! Das Loch war nun größer und wenn Lia sich klein machen würde, würde sie hindurch passen und ins Meer schwimmen können. Gerade, als sie versuchte sich zu ducken, rief jemand ganz laut ihren Namen.

Es war Chan. Lia warf den Speer sofort beiseite und blieb stehen.

,,Oh…hallo, Chan. Ich wollte gerade…“

.,,Komm schon mit. Du siehst schrecklich aus! Meine Mutter hat ein ganzes Festmahl vorbereitet. Sie will unbedingt, dass du kommst, Lia.“

Lia wollte am liebsten davonlaufen, aber sie musste wieder an den gestrigen Kuss denken. Sie konnte Chan jetzt nicht im Stich lassen, also ging sie mit ihm mit.

Als sie an Kalanis Zelt ankamen, saßen viele Leute auf dem Boden und stopften eine Menge Fleisch und Reis in sich hinein. Kalani freute sich riesig, als sie Lia sah. Lia mochte Kalani eigentlich nicht, aber sie versuchte freundlich zu ihr zu sein. Sie wollte Chan nicht kränken. Auch die anderen begrüßten sie herzlich und freuten sich, als Lia sich auf den Boden setzte. Sie machte Chan Platz, der sich neben sie setzte und ihr eine Schale mit Reis und Fleisch überreichte. Ohne zu zögern nahm sie die Schale entgegen und musste lachen, als die kleinen Kinder wie wild zu der Musik tanzten, die die Männer mit ihren Trommeln machten.

,,Lia muss Surayas Prüfung bestehen. Wir werden alles tun, um ihr zu helfen“, verkündete Chan und blickte in die Runde. Die Leute nickten und waren sofort damit einverstanden und Lia wusste nicht, was sie sagen sollte. Auf der einen Seite wollte sie mit solchen armen Leuten nichts zu tun haben, aber auf der anderen Seite fühlte sie sich das erste Mal geborgen und geliebt. Ihr Vater hatte sich nur um seine neue Frau gekümmert und ihr jedes Mal Geld in die Hand gedrückt, wenn sie etwas mit ihm unternehmen wollte. Die einzigen, die wirklich immer für sie da waren, waren Jennifer und Todd gewesen. Aber Jennifer hatte sie maßlos enttäuscht und ihr Bruder konnte sich manchmal echt peinlich benehmen, aber ihr tat es leid, dass sie ihn immer so abgewiesen hatte. Wenn ich wieder zu Hause bin, dann nehme ich mir mehr Zeit für ihn, dachte Lia.

,,Helft mir! Sie ertrinkt! Sie ertrinkt!“, schrie eine Frau.

,,Kommt mit zum Strand und helft mir bitte!“

Alle rannten zum Strand und entdeckten ein kleines Mädchen, etwa 3 bis 4 Jahre alt, das im Wasser zappelte und verzweifelt versuchte Luft zu holen. Das Gitter! Wie Schuppen fiel es Lia vor den Augen. Das kleine Mädchen musste durch das Loch im Gitter gegangen sein. Lia  rannte auf das Gitter zu und machte sich ganz klein, um hindurch zu kommen. Sie war nicht die beste Schwimmerin, aber sie tat alles, um das kleine Mädchen zu retten. Sie umklammerte es und schwamm mit aller Kraft wieder an den Strand. Die Mutter nahm das Kind sofort entgegen und schob es durch das Gitter durch. Als Lia wieder auf dem Strand stand, wurde sie von allen Leuten umringt. Sie spuckte Wasser und kippte um. Kalani fing sie auf.

Alle Leute jubelten und nannten sie Heldin, aber Lia schüttelte den Kopf. Sie war keine Heldin. Nur wegen ihr wäre das Mädchen beinahe ertrunken und gestorben. Lia hatte nicht die Kraft, um Lügengeschichten zu erzählen, wie sie es sonst immer tat, wenn sie in der Klemme war, denn diesen Menschen konnte sie das nicht antun. Es war sowieso schon schlimm genug, dass sie überhaupt Schuld daran war.

,,Nein. Ich bin keine Heldin. Sie wäre wegen mir ertrunken, weil ich so selbstsüchtig war und aus Verzweiflung das Gitter durchtrennt habe. Es tut mir so leid“, sagte Lia an die Mutter gewandt, die ihr Kind auf dem Rücken trug. Alle Augenpaare waren auf sie gerichtet. Aber keiner drückte Freude aus. Ohne ein Wort ging Chan.

,,Chan!“, rief Lia, aber er ignorierte sie. Die anderen taten es ihm nach und verschwanden. Nicht mal die liebe Kalani blieb. Lia hatte es mal wieder geschafft, dass alle sie hassten.   Aber diesmal kränkte es sie auf einmal. Denn dass die lieben Menschen hier schlecht über sie denken könnten, verletzte sie. Sie liebte Chan, fing an Kalani zu mögen und die anderen waren auch ganz in Ordnung. Diesen Menschen reichten ihre Fellfetzen, ihre Nahrung und ihre Umgebung. Sie waren glücklich, wenn sie zusammen lebten und das war etwas, was Lia nie für möglich gehalten hätte. Sie spazierte am Strand entlang und dachte nach. Ich muss es wieder gut machen, ging es ihr durch den Kopf. Außerdem hatte sie immer noch nicht das Rätsel gelöst. Es würde bestimmt ein Bann auf sie gelegt werden und Lia musste auf dieser Insel verrotten, bis sie ganz alt wurde und ihre Klamotten hässlich, alt und schmutzig waren. Aber das mit den Klamotten war ihre kleinste Sorge. Sie hatte sich Hals über Kopf in Chan verliebt und musste ihn unbedingt noch einmal sehen, um sich bei ihm zu entschuldigen. Lia fühlte auf einmal Tränen. Sie hatte alles kaputt gemacht, wie so oft in ihrem Leben. Jetzt hatte sie sich in einen armen, mutigen Jungen verliebt für den sie wirklich alles tun würde, damit er ihr verzieh. Kurz entschlossen machte sie sich auf den Weg in den Palast. Am besten sollte sie sich sofort zur Herrscherin begeben und ihr sagen, dass sie nicht mehr weiterkam. Auch wenn sie jetzt auf dieser Insel bleiben musste, sie sollte besser aufgeben. Das ganze Grübeln und Nachdenken hatte sie bis jetzt nicht weiter gebracht. Sie ging in den Wald und entdeckte gleich den goldenen Palast. Sie ging an den Wächtern vorbei und stieg die Treppen nach oben. Sie entdeckte diese Gemälde. Sie blieb kurz stehen, denn eins kam ihr besonders seltsam vor. Das letzte Mal hatte Lia eher auf die Bilder der verrückten Frau geachtet, aber jetzt sah sie ein wunderschönes Mädchen mit hellen, blonden Haaren und blutroten Lippen und auf der anderen Seite ein furchtbar hässliches, das eine große Warze auf der Nase hatte und deren Haare wild und giftgrün waren. Aus ihren Haaren ragte eine Schlange. Lia bekam Gänsehaut.

,,Tritt ein“, forderte die goldene Tür.

Lia zitterte am ganzen Körper. Die Herrscherin Suraya saß auf ihrem Thron. Aus den seltsamen, rohrähnlichen Gebilden auf ihrem Kopf  ragten Stäbe, an denen gelbe Kugeln befestigt waren. Dieses  mal trug sie einen rot-goldenen Kimono aus Samt. Neben der Herrscherin kam sie sich ganz schön arm vor.  Sie wollte etwas sagen, aber sie traute sich nicht. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie vor jemanden panische Angst hatte.

Normalerweise fürchteten ihre Mitschüler und Lehrer ihre große Klappe, aber die Herrscherin erschien ihr stärker und mächtiger.

,,Ich sehe Verzweiflung in dir. Du hast meine Aufgabe immer noch nicht erfüllt, habe ich Recht?“

Lia nickte. Die Herrscherin rührte sich nicht und blieb ganz ruhig auf ihrem Stuhl sitzen. Dann aber stand sie auf und umkreiste sie.

,,Dann werde ich dir ein wenig auf die Sprünge helfen. Das mache ich bei den meisten Sterblichen.“

Die Herrscherin hob ihre Hand und zauberte das hässliche Mädchen aus dem Bild her. Diesmal war sie viel größer und sah aus wie ein Monster. Lia schrie auf, aber die Herrscherin schien das nicht besonders zu beeindrucken.

,,Bekämpfe dein inneres Selbst“, rief sie und zauberte sich weg. Voller Panik stürmte Lia zu der goldenen Tür, doch plötzlich verschwanden alle Türen, Gemälde und Möbel des Raumes. Lia hatte das Gefühl im Nichts gelandet zu sein. Das Monster brüllte laut, packte Lia und warf sie durch den Saal. Ihr Kopf pulsierte, das Atmen wurde schwer und sie spürte Blut ihren Hals herunterlaufen. Sie war zu schwach, um das Monster zu besiegen. Sie würde sterben.

,,Gib nicht auf, Lia“, raunte eine Stimme in ihrem Kopf. Sie war sich nicht sicher, wer das war, aber diese Stimme klang mutig und entschlossen. Lia verlieh dies viel Mut und ließ sie weiter nachdenken. Sie hatte nur noch eine letzte Chance, bevor das Monster wieder auftauchte und sie erneut packen würde. Sie dachte über die vergangen Stunden nach. An die liebevolle Kalani, an den schönsten Kuss ihres Lebens, an den alten Mann mit dem seltsamen Stein, an das fast ertrunkene Mädchen. Die Kristalle, das Bild und die Worte ,,inneres Selbst“ schwebten in ihrem Kopf herum. Und als sie dann an Chans Worte dachte, wurde ihr alles klar Sie sollte nicht das Monster bekämpfen, sondern ihr inneres Selbst! Die egoistische, gemeine, arrogante Lia musste weg, damit sie wieder ein normales Leben führen konnte. Weshalb war sie nicht gleich darauf gekommen?

Lia richtete sich auf und schrie, wie noch nie zuvor in ihrem Leben.

,,Ich bin ein schrecklicher Mensch, das ist mir klar geworden! Nach dem Tod meiner Mutter ist mein ganzes Leben  kaputt gegangen! Mein Vater hat diese dämliche Tussi geheiratet, die mich immer nur runter macht und ich habe meinen Bruder verloren, indem ich so gemein zu  ihm gewesen bin! Aber nicht nur zu ihm. Ich habe alle meine Mitschüler verspottet und gedemütigt und dass nur, weil sie kein Geld hatten. All die Jahre lang haben mich alle gehasst, weil ich so fies war. Und ich habe mich mit meiner besten Freundin gestritten. Dabei hatte sie Recht! Und dann habe ich Chan, Kalani und alle anderen von der Insel kennengelernt und sie auch enttäuscht, weil ich Schuld gewesen bin, dass ein kleines Mädchen beinahe ertrunken wäre. Ich will nicht mehr so sein! Ich will mich ändern und ein besserer Mensch werden!“

Bei diesen Worten verschwand das Monster und die Herrscherin erschien wieder. Überraschender Weise stand auch Chan neben ihr. Lia war außer sich vor Freude und stürmte sofort auf ihn zu.

,,Lia! Du hast es geschafft!“, rief er. Die beiden umarmten sich tief und fest und wollten sich gar nicht mehr von einander los reißen.

,,Es tut mir so leid, Chan. Ich habe einen großen Fehler begangen! Kannst du mir verzeihen?“, fragte Lia hoffnungsvoll. Chan nickte und küsste sie auf die Stirn. Das war für Lia ein eindeutiges Ja. Die Herrscherin lächelte zufrieden und strich über Lias Rücken.

,,Ich wusste immer, dass du es schaffst, Lia! Ich werde die Gitter abbauen lassen und danach wirst du die Gelegenheit haben nach Hause zu gehen.“

Lia freute sich, endlich ihren Chan wieder zu haben. Sie konnte es kaum erwarten auch die anderen Inselbewohner wieder zu sehen. Dass ihre Haare verfilzt, ihr Kleid zerrissen und einer ihrer Schuhe verloren war, war ihr vollkommen egal. In Chans Nähe hatte sie nicht das Gefühl, perfekt aussehen zu müssen.

,,Wir gehen jetzt zu mir“, verkündete Chan und Lia ging mit ihm mit. Sie freute sich schon riesig auf Kalani und die anderen.

Lia und Chan standen dicht vor dem rauschenden Meer. Kalani brachte ihnen zwei Schalen mit Reis und verschwand sofort wieder in ihrem Zelt. Das kleine Mädchen das beinahe ertrunken wäre, Lolo hieß sie, hatte ihr bereits verziehen, genauso wie alle anderen Inselbewohner. Kurz danach hatten sie ein riesiges Fest gefeiert und Lia war wirklich mehr als erleichtert gewesen. Ihr Kleid hatte Lia Lolo geschenkt, den Schuh hatte sie ins Wasser geworfen und ihre Haare hatte sie ihm Meer gewaschen. Sie trug nun einen Fetzen Fell. Chan meinte, sie sehe auch ohne ihre schönen Kleider fantastisch aus und diesmal glaubte sie es ihm.

,,Lia wann wirst du eigentlich nach Hause gehen?“, fragte Chan. Lia starrte auf das Meer und sog  tief die klare Luft ein, die sie umhüllte. Sie wusste nicht, ob sie überhaupt nach Hause gehen wollte. Auf dieser Insel hatte sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht und zugleich ihre schlimmste. Sie war nun eine andere Lia Sophie Miller. Eine, die nicht mehr nur an sich selbst dachte und keinen großen Wert mehr auf ihre Klamotten legte. Lia musste grinsen, wenn sie daran dachte, dass Jennifer und Todd sie in ihrem neuen Ich sehen könnten. Sie hätten das niemals für möglich gehalten!

Plötzlich hörten sie ein Schiff. Lia traute ihren Augen nicht. Es war das Kreuzfahrtschiff mit dem sie und Jennifer gefahren waren! Es näherte sich immer mehr der Insel und würde sie mitnehmen. Aber Lia brauchte Zeit, um nachzudenken.

,,Wenn ich auf das Schiff gehe, werde ich euch wieder sehen?“, fragte Lia Chan. Er zuckte mit den Schultern.

,,Diese Insel ist ganz schön weit weg von euch Menschen. Es könnte schwierig werden, hier her zu kommen.“

Lia sah traurig zu Boden. Sie hielt Chans Hand und fing an, ihn zu küssen. Und diesmal war der Kuss noch viel schöner als der erste. In ihrem Bauch kribbelte es, ihre Füße gaben nach und wurden weich. Dieses Gefühl war wundervoll. Sollte sie ihn wirklich aufgeben? Nein, dass wollte sie nicht. Sie liebte ihn über alles. Sie blieb einfach stehen und sah auf das Schiff, dann auf das Dorf. Ihr Blick blieb am Dorf hängen. Lia und Chan setzten sich auf den Boden und Lia malte ihren und Chans Namen. Kurz danach funkelten ihre Namen. Unwillkürlich musste sie lächeln. Aus den funkelnden Namen wurde zwei wunderschöne, goldene Ketten. Als Lia ihren Namen öffnete, entdeckte sie einen kleinen Kristall. Gemeinsam legten sie die Ketten um und Lia küsste Chan auf die Wange.

Ab jetzt gehören wir für immer zusammen, dachte Lia und lächelte erneut.