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Die Handschrift des Mörders

von Benjamin Porobic, 14 Jahre

Blutverschmiert, mit einer Wunde am Bauch, lag William Miles gekrümmt auf dem Boden. Er keuchte, während immer mehr Blut aus seinem Mund kam. Die Schmerzen, die seinen ganzen Körper durchströmten, verbreiteten sich wie ein Feuer, welches sich mit der Zeit immer mehr vergrößerte. So hätte sich Miles sein Ende nicht vorgestellt. Ein Meisterdetektiv, mitten auf der Freiheitsstatue, vor Schmerz wie gelähmt, auf direktem Weg zur Erlösung. Seinen Tod auf der Freiheitsstatue zu finden, hätte an sich schon etwas gehabt, jedoch gab dies keinen Trost über die Qualen, die Miles gerade durchlitt. Er konnte spüren, wie sein Körper langsam träge wurde, seine Beine wurden taub, und er wurde müde. Bald würde er sterben und ins Nichts fallen. Er würde die irdische Welt verlassen und sich in höhere Sphären begeben. Es wurde alles weiß, und er sah sich selbst. Aber nicht in dieser Zeit, es war seine Kindheit. Der kleine William im Alter von sechs Jahren.

 

Er saß auf dem roten Sofa in dem kleinem Wohnzimmer des Hauses der Familie Miles. Über Williams Wange lief eine Träne, er ballte seine Fäuste zusammen und rieb sich die Augen. Dies war die traurigste Erinnerung von ihm, denn an diesem Tag starb sein Vater. Ein Dieb hatte ihn erschossen. Die Nachricht musste gerade per Telefon übermittelt worden sein, denn Miles erinnerte sich, wie seine Mutter bei dem Anruf in Tränen ausbrach. William hatte noch einen zweijährigen Bruder, der bekam davon jedoch nichts mit. Aber der Tod seines Vaters hatte William zu dem gemacht, wofür er heute stand. Er entschied sich, sein Leben der Gerechtigkeit zu verpflichten, ganz wie sein Vater. Denn der war zu seiner Zeit der beste Detektiv des FBIs. Über 50 Fälle wurden durch ihn gelöst. Als Dank bekam er einige Orden, Auszeichnungen und Ehrungen. Miles entschied sich, ebenfalls ein Detektiv zu werden.

Es wurde erneut weiß, und Miles sah kleine Abschnitte seines Lebens wie eine Diashow vorbeiziehen. Nun kam eine neue Erinnerung, Miles, 16 Jahre später. Er war 22 und absolvierte die Ausbildung der Polizeischule mit Bravour. Die ernsthafte Miene in seinem Gesicht war unverkennbar. Der Tod seines Vaters hinterließ immer noch seine Spuren. Er war genauso zielstrebig, genauso ernst geworden wie sein Vater. Außerdem hatte er ein Talent für das Ermitteln in der Detektivarbeit. Er wurde von den Kollegen „junger Columbo“ genannt. Er war auch ein Meisterschütze. Aber Miles folgte dem Grundsatz seines Vaters, dass er niemanden töten würde. Er ging nach der Ausbildung zum FBI, um dann seine Karriere als Ordnungshüter zu beginnen. Plötzlich hörte er einen Schrei, der ihn aus seiner Trance riss. Die Bilder vor seinen Augen verschwammen alle, und er befand sich wieder auf der Krone der Freiheitsstatute. Miles machte die Quelle des Schreis aus. Es war eine Frau, die einen ängstlichen Gesichtsausdruck hatte. Sie zitterte und ihr Puls raste, sodass Miles ihn fast hören konnte. Neben ihr stand ein Mann. Er hatte seine Augen weit geöffnet, seine verstörte Art brachte sich so zum Vorschein bekam. Er atmete fast unter Druck, seine Nüstern waren weit geöffnet und seine Lippen bebten. Er hielt ein Messer in der Hand, bereit, sofort zuzustechen. Dieser Mann hatte einen Trieb zum Überleben. Welchen, das vermochte Miles nicht zu denken. Aber dieser Mann würde bis zum Tode dafür kämpfen, dass sein Werk vollbracht wurde. Miles erinnerte sich noch an die erste Konfrontation mit ihm. Es war vor vier Monaten. Es gab Berichte über einen Serienmörder, mit dem Namen „der Gesichtsräuber“. Der Grund dafür war, dass er seinen Opfern die Gesichtshaut durchschnitt. Keiner wusste wofür, aber es gab Gerüchte, dass er sich selbst das Gesicht durchgeschnitten hatte. Er ging immer nach demselben Muster vor. Er machte Jagd auf ahnungslose Opfer in dem Stadtviertel Harlem. Miles entdeckte das Muster und fuhr mit einigen Einheiten nach Harlem, um zu patrouillieren. Bald konnte man den Mörder ausfindig machen, da er den Berichten zufolge, immer eine Maske trug. Er stahl einen Wagen und fuhr nach Staten Island. Als er am Hafen ankam, nahm er ein Boot, mit dem er zur Freiheitsstatue floh. Es war nur noch ein Boot da, welches sich Miles schnappte. Als er ankam, war der Mörder bereits auf der Krone, Miles rannte die Stufen hinauf. Wunderschöne Aussicht, aber die Arbeit ruft, dachte Miles am Ende der Treppe. Der Mörder machte sich bereit zum Kampf, aber ein gezielter Schuss von Miles ins Bein, mehr hatte es nicht gebraucht. Der Mörder schrie, fiel aber nicht zu Boden. Er taumelte vorwärts, fuchtelte wild mit dem Messer um sich. Miles ging in Deckung, um nicht getroffen zu werden. Der Killer glich in dem Moment einem Tier, so wie er die Zähne fletschte. Miles schoss ihn noch einmal an. Erneut brachte der andere einen Schrei raus, jedoch hatte er keine Kontrolle mehr über seine Bewegungen. Er wich zurück, Miles lief zu ihm, um ihm Handschellen anzulegen, jedoch kam er zu spät. Der Killer stolperte nach hinten und fiel von einer Höhe von einer Höhe von 93m in die Tiefe.

Zum ersten Mal in Miles Leben hatte er Angst. Er kontaktierte die anderen Teams und beorderte einen Suchtrupp, nach dem Killer zu suchen. Aber man fand nichts. Das war das erste Mal, dass Miles jemanden umgebracht hatte. Es sprach sich rum, dass der Gesichtsräuber tot war. Die anderen Menschen und das Kollegium des FBIs schienen recht erfreut über diese Nachricht, aber Miles musste erst einmal mit seinen Schuldgefühlen zurechtkommen. Er war in der Zeit noch passiver als sonst. Er sprach kaum mit seiner Frau, erledigte nur noch seinen Paperkram still vor sich hin und holte sich sein Geld ab. Das einzige, was er jetzt wollte, war es, diesen Fall abzuhaken. Jedoch hätte er nicht damit gerechnet, dass ihn dieser Fall bis zur heutigen Nacht zurückverfolgen würde und genau dort enden würde, wo es begonnen hatte. Auf die eine oder andere Weise.

 

Drei Tage zuvor, Miles hatte sich von seinem Rückschlag auf der Freiheitsstatue wieder gesammelt, und brachte genau die von ihm übliche Lebensweise an den Tag. Er saß gerade an seinem Schreibtisch in seinem Büro im FBI Gebäude in Manhattan und schrieb seinen Bericht über den letzten Mörder, den er vor einigen Tagen eingebuchtet hatte. Der Killer tötete zehn Menschen in einem Uhrenladen, nur um dann eine Quartz- Uhr zu stehlen. Bei dem Gedanken, wozu die Menschen in der Lage waren, lief Miles ein Schauer in den Rücken. Dabei kam ihm wieder der Gesichtsräuber in den Sinn… Das Telefon klingelte. Miles Herz stockte. Er schrak auf, da das Klingeln ihn schlagartig aus seinen Gedanken riss. Er fasste sich wieder und nahm den Hörer ab. „Detektive Miles hier, kann ich Ihnen helfen?“, fragte er.

„Es gibt einen weiteren Mordfall. Central Park“, antwortete sein Partner Toby. Er war ein lustloser, unprofessioneller Detektiv, bei dem sich alle wunderten, dass er die Ausbildung „überlebt“ hatte.  „Wir sollen sofort dorthin fahren.“

„Ich mach mich auf den Weg.“

Toby unterbrach ihn: „Kannst du mich abholen? Ich bin beim Dougnutladen in der 24ten.“

 

Miles holte seinen Partner ab und sie fuhren nach Brooklyn. Miles war erpicht darauf, sich seinen Ganoven unter den Nagel zu reißen. Er fuhr mit 90kmh die Straße entlang.

„Warum drehst du immer so durch, wenn irgendein Verrückter jemanden umlegt?“, wurde Miles von Toby gefragt.

„Das ist der Instinkt“, entgegnete Miles. Toby blickte ihn fragend an an und runzelte die Stirn. Miles war nicht gerade in Stimmung zum Reden. Nach einigen Minuten hatten sie den Central Park erreicht. Sie parkten am Straßenrand. Miles konnte den Tatort schon von Weitem sehen, da sich ein Kilometer vor ihm eine große, tuschelnde  Menschenmenge befand. Ein Officer wartete auf Miles, um ihn in Empfang zu nehmen und ihm die Situation zu schildern. Der Officer ging auf Miles zu und sprach ihn mit einem schüchternen Ton an: „Guten Tag Detektiv Miles, es- es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen,“ fing er an, aber Miles unterbrach ihn: „Konzentrieren wir uns wieder auf den Fall. Was steht heute an?“

„Ein Student, um die 23. Die Augenzeugen berichten, dass er auf dem Weg zur Uni war. Er wurde um etwa 7:00h ermordet.“

„Wie heißt er?“, wollte Miles wissen.

„Jimmy Walker,“ antwortete der Officer. Wenig Licht gelang an den Ort, da die Bäume so dicht nebeneinander standen. Dem Tatort wurde so eine unheimliche Präsenz verliehen. Dort angelangt machten die Beamten Platz und Miles bückte sich durch die Absperrung. Er blickte auf die Plane, welche die Leiche verdeckte. Er empfand Enttäuschung und Verwirrung. Er konnte nicht verstehen, warum Menschen etwas dergleichen tun. Ein mulmiges Gefühl machte sich in seinem Magen auf. Er hob die Plane, um die Leiche zu sehen. Plötzlich ergriff ihn ein Schauer, der ihm über den Rücken lief. Zehn Jahre war er schon im Dienst gewesen, aber damit hätte er nicht gerechnet. Ein schreckliches Dejavu überkam ihn. Die Art, wie das Opfer ermordet wurde, trug die Handschrift eines toten Serienmörders. Dem Opfer wurde das Gesicht rausgeschnitten.

 

Drei Stunden später, Miles saß in seinem Büro und dachte über den Fall nach. Er wollte es nicht wahr haben. Bestimmt gab es noch einen weiteren Irren in der Stadt. Dieser Fall musste nichts heißen. Es konnte auch jemand sein, der sich den Gesichtsräuber als eine Art krankes Vorbild nahm. Außerdem hatte der Gesichtsräuber im Stadtviertel Harlem „gejagt“. Dieser Täter ermordete sein Opfer in Manhattan. Es wurde langsam spät und Miles hatte das Gefühl, sich dieses Mal bei von seiner Arbeit eine Auszeit genehmigen zu müssen. Er schloss sein Büro ab und nahm den  Fahrstuhl auf dem Weg zu seinem Auto. Miles hatte ein mulmiges Gefühl, als ob ihm die Decke auf dem Kopf fiel. Seine Augen wurden träge und sein Kopf fühlte sich an, als ob ein Gewitter darin wüten würde.

Er rieb sich an die Schläfe und kam nun endlich unten an. Er verließ das Gebäude, stieg ins Auto und machte sich auf den Weg nach Hause. Nach einer halben Stunde war er angekommen. Sein Haus hatte 2 Etagen und einen großen Vorgarten mit den unterschiedlichsten Pflanzen und Sträuchern, die seine Frau angepflanzt hatte. Bei der großen Holztür angelangt, holte er den Schlüssel aus seiner Tasche, und öffnete sie.

Der Flur führte zu einem geräumigem Wohnzimmer mit vielen exklusiven Möbeln und einem großen Fernseher. Seine Frau saß auf dem Sofa und schaute sich die Nachrichten an.

„William Schatz, ich hab es gerade in den Nachrichten gehört, ist der Gesichtsräuber wieder da?“, fragte sie besorgt.

William entgegnete ihr: „Ich weiß es nicht. Die Beweise dafür sind rar, und ich hoffe, dass es so bleibt.“ Er ließ sich auf die Couch fallen und schloss seine Augen. Die Schuldgefühle, die ihn zuvor geplagt hatten, entwickelten sich zu Angst und Wut. Einerseits hatte er Angst davor, dass er seinen größten Widersacher nicht eingebuchtet hatte, und er noch immer auf freiem Fuß war. Dies war auch der Grund für seine Wut, da er mit diesem Gewissen nicht leben konnte, dass ein.

Seine Frau brachte ihm sein Abendessen, Nudeln mit Käsesauce, sein Lieblingsessen. Jedoch hatte er keinen Hunger und entschied sich, schlafen zu gehen.

Er legte sich zu Bett, während seine Frau ihre Sendung ansah. Er schloss die Augen und versuchte seinen Kopf freizubekommen. Dennoch verfolgte ihn der Fall sogar bis in seine Träume. Er sah ein Bild vor sich. Es war verschwommen, aber erkennbar. Er war im Korridor einer Fabrik. Viele Rohre befanden sich dort. Keine Fenster, nur das grelle Neonlicht. Am Ende des Korridors war eine Tür. Alles war still. Plötzlich kamen Schreie aus dem Raum hinter der Tür. Miles rannte sofort dorthin. Sie war abgeschlossen. Er versuchte noch einmal vergeblich, die Tür zu öffnen. Die Person schrie noch lauter. Miles nahm alle Kraft zusammen und rammte die Tür, sodass sie einkrachte. Aber er kam zu spät. Drei Leichen lagen im Raum. Sie waren alle in Leichensäcken. Aus ihnen floss Blut. Er nahm den ersten und öffnete ihn. Es war sein Bruder, und bei dem Anblick stockte Miles Herz. Er musste fast weinen, als er sah, wie sein Bruder James ermordet wurde. Er schloss den Sack und ging zur zweiten Leiche. Dieses Mal war es eine Frau. Jetzt konnte Miles seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Das konnte er nicht mit ansehen, deshalb wendete er so schnell wie möglich seinen Blick von Jeannettes Leiche ab. Er machte sich auf dem Weg zur dritten. Was ihn nun erwartete, ahnte er nicht, aber der Leichensack bewegte sich. Zögerlich öffnete ihn Miles. Plötzlich sprang ihn ein Mann mit einer Maske an, der Miles mit seinem Messer erstechen wollte. Miles lag auf dem Boden, während der Mann ihn ansah. Mit ächzender Stimme sprach er: „Du büßt nun dafür, dass du mich töten wolltest. Jetzt leide!“ Er wollte ihm sein Messer in den Kopf rammen, aber das Bild verschwand innerhalb einer Sekunde und Miles fand sich wieder in seinem Doppelbett, keuchend und schweißgebadet.

 

Eine Stunde später, Jeannette hatte Frühstück gemacht. Sie konnte spüren, dass Miles angeschlagen war. Er aß kaum etwas und sie machte sich Sorgen um ihn. „Wenn du willst kannst du dir doch ein paar Wochen frei nehmen.“ Eigentlich kannte sie schon die Antwort darauf.

„Wenn dieser Fall geklärt ist kann ich mir frei nehmen.“, antwortete er . Sie war über die Art, wie er sie ansprach, erschüttert. Und wie es der Zufall wollte, kam gerade ein Anruf vom FBI. Ein weiterer Mordfall. Dasselbe Muster, Manhattan, das Gesicht wurde rausgeschnitten. Miles sputete sich und fuhr zum Tatort. Jeannette blieb wieder einmal allein Zuhause. Sie sehnte sich danach, mal etwas mit ihrem Mann zu unternehmen. Sie war es leid, immer einsam zu sein. Sie hatte schon über eine Scheidung nachgedacht, behielt es aber für sich. Aus Respekt vor Miles angeschlagenem Zustand. Sie wollte sich endlich bei jemandem aussprechen. Aber da sie sich meist um ihren Mann kümmerte und sie nie ausgingen, hatte sie nicht viele Freunde. Und ihre Arbeitskollegen waren meistens nicht in der Stadt, da sie verschiedene Tagungen und Aufträge in anderen Städten hatten. Deshalb besuchte sie ihren Eheberater, Mr. Desmond.

Im Büro angekommen begrüßten sie sich und nahmen Platz.

„Was ist denn heute das Problem?“, fragte Desmond.

Jeannette entgegnete: „Es geht wieder um William. Er ist so versessen auf seine Arbeit. Dass er spät nach Hause kommt und wenig spricht, ist bei ihm Standard. Aber der jetzige Fall nimmt ihn so sehr in Anspruch, dass er gar keine Bindung mehr hat. Er… er- er macht mich einfach fertig.“ Tränen überkamen sie, und sie hielt sich die Hände vor dem Gesicht.

„Mrs. Miles, ich weiß, dass ihr Mann stur ist. Und da er sich nicht eine bessere Ehe wünscht, ….wäre es besser für sie beide, wenn sie sich scheiden lassen“, schlug Desmond vor. Bei diesem Vorschlag war Jeannette sprachlos. Doch mit der Zeit neigte sie immer mehr dazu, diesen Vorschlag in die Tat umzusetzen.

 

Zur selben Zeit, Miles und Toby fuhren zum nächsten Tatort. Eine einsame Gasse in der 45ten Straße. Die Polizisten und die Beamten von der Mordkommission suchten den Tatort nach Hinweisen ab. Einer der Beamten fand einen Zettel und übergab ihn Miles. Er musterte den Brief und öffnete ihn. Darauf stand:

Hallo Detektiv Miles, wie du weißt, bin ich wieder da und voller Elan. Das auf der Freiheitsstatue habe ich nicht vergessen. Du wolltest mich da verrecken lassen. Du wirst dafür büßen, dass du mich dabei gestört hast, meine Gesichter zu sammeln. Wenn wir das ausdiskutieren sollen, dann mach dich auf den Weg zum Sionis- Stahlwerk. Dein Bruder wartet schon. Viel Glück.

GR

 

Diese Nachricht schockierte ihn. Jemanden aus seiner Familie in Gefahr zu bringen war seine größte Angst. Wie zum Teufel kann der Kerl wissen, dass ich einen Bruder habe, fragte sich Miles.

Er wollte nicht noch jemanden in Gefahr bringen, und so beschloss er, seine Frau in Sicherheit bringen zu lassen.

„Toby. Fahr zur 21ten. Nummer 11. Fahr zum großen Haus und hol meine Frau ab. Eskortiere sie dann bis zum FBI- Revier. Sie soll einen Personenschutz bekommen. Ich fahr zum Stahlwerk.“

Miles ging zu seinem Auto und machte den Kofferraum auf. Er schlug mit seiner Faust auf den Boden. Der Boden klappte auf und offenbarte ein geheimes Fach mit Waffen.

Toby machte große Augen. „Damit kannst du ja einen ganzen Krieg anzetteln!“, sprach Toby fassungslos.

„Und ihn auch gewinnen…“, flüsterte Miles.

„Ich dachte, dass du keinen töten willst.“

„Mein Vater bekam die Waffen, als eine Art „Geschenk“, aber er hat sie nie benutzt“, antwortete Miles.

„Und wirst du ihn jetzt töten?“

„Ich bin nicht bereit zum töten, aber wenn es sich nicht vermeiden lässt…“, Miles und Toby stiegen in ihre Autos. Die beiden machten sich auf den Weg. Toby nahm einen Dienstwagen und fuhr zur 21ten.

 

Nach 8 Minuten kam Toby an und klingelte an der Haustür. Jeannette machte auf, während sie einen Koffer mit sich schleppte. „Toby, was machst du hier?“

„Ja, sag wo willst du denn hin?“, fragte er mürrisch. „Egal, William will, dass ich dich zum FBI- Revier fahre, damit du Personenschutz bekommst.“

„Nein! Mir reicht´ s! Ich habe keine Lust mehr auf diesen Kram!“, brüllte Jeannette, als ob es um ihr Leben ging.

„Williams Bruder ist von dem Gesichtsräuber entführt worden, und er wird auch Jagd auf dich machen.“

Sie wurde plötzlich ganz blass. Schließlich willigte sie ein und stieg in den Streifenwagen. Als sie losfuhren fragte Jeannette: „Und wo ist dieser Gesichtsräuber nun?“ Toby blickte sie im Rückspiegel an. „Hier in diesem Wagen…“

 

9:00h, Miles stand vor dem Stahlwerk. Er würde diesen Fall nun ein für alle Mal abhaken. Er hatte sich die zwei Kaliber 50 um den Rücken geschnallt und hielt die Schrotflinte in der einen Hand. Er bangte um seinen „Kodex“ seines Vaters. Auch wenn seine Familie in Gefahr war, er wusste nicht, ob er dafür bereit war, jemanden zu töten. Er neigte immer mehr dazu den Gesichtsräuber zu töten, da er die Grenze übertrat, indem er seine Familie in Gefahr brachte.

Geladen und bereit zum Kampf ging er ins Stahlwerk. Jedoch nahm er die Hintertür. Er war im Wasser-System. Im Raum waren viele Rohre. Am Ende des Raumes war eine Tür. Miles schaute durch das Schlüsselloch. Ein Mann stand mit einem Revolver hinter dem Schlüsselloch. Miles zielte auf die Tür und drückte an dem Zug an seiner Schrotflinte. Die Tür zersplitterte und der Rückstoß warf den Mann zu Boden. Miles bückte sich, um den Mann anzusehen.

„Wo ist mein Bruder?“, brüllte Miles.

Der Mann entgegnete verängstigt: „Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts.“

„Was machst du dann hier?“

„Ich bin nur so eine Art Handlanger.“

Miles ballte seine Hand zu einer Faust und schlug den Mann bewusstlos, damit er niemanden alamieren konnte.

Miles fragte sich, ob noch mehr Handlanger im Stahlwerk waren. Er ging zur Tür auf der rechten Steite des Korridors entlang und horchte, ob jemand da war. Nichts. Er ging rein und ließ seinen schweren Munitionsbeutel ab. Er versuchte Toby anzurufen, um sich wegen seiner Frau zu vergewissern. Aber der ging nicht ran. Miles wollte ihm gerade eine Nachricht auf seine Mailbox hinterlassen. Plötzlich hörte er Schritte und Stimmen. Er drückte sein Ohr auf die Tür und horchte. Eine hysterische Stimme schrie: „Was ist hier passiert?“

„Das war wohl kein Unfall“, fügte eine zweite Stimme hinzu.

„Also ist er hier. Der arme Tölpel weiß gar nicht, dass das eine Falle ist“, sagte ein anderer Mann und brüllte auf, Miles hört ein Geräusch, das sich wie ein Schlag anhörte. „Du sollst ruhig sein, du Idiot! Was, wenn er dich hört?“, fuhr ihn die erste Stimme an.

Plötzlich klingelte Miles Handy. Er machte es schnell aus.

„Was war das?“, fragte der erste leise.

„Es  kommt aus dem Lagerraum!“, flüsterte der zweite. Miles Herz pochte und pulsierte wie verrückt. Ihm lief nun der Schweiß über die Stirn. Er schlich sich hinter eins der Regale und hielt seine zwei Kanonen bereit zum Feuern. Er hörte die Schritte näher kommen. Einer der Handlanger stand hinter der Tür und verstummte. Der Handlanger öffnete sie vorsichtig und machte das Licht an. Da legte Miles los und schoss wie verrückt auf die ihn ?. die anderen beiden Männer rannten in den Raum und zückten ihre Waffen. Die Männer suchten sich Deckung, aber Miles schoss schnell in die Beine der Handlanger, um sie bewegungsunfähig zu machen. Zwei waren außer Gefecht. Der Dritte rannte auf Miles zu, jedoch brauchte es einen Schuss von Miles, schon war auch er am Boden. Miles  wollte, da die Luft jetzt rein war, seine SMS überprüfen, die er eben gerade bekommen hatte. Dort stand:

Hallo Detektiv Miles,

Ich frage mich gerade, ob du überhaupt da bist. Ich warte immer noch. Übrigens, deiner Frau geht es (noch) gut, aber beeil dich.

GR

 

Miles blieb der Atem weg. Es traf Miles ihn wie ein Schlag auf den Kopf.  Nur einer wusste Miles Nummer, dass er einen Bruder hatte, wo er wohnte und wo seine Frau war. Er konnte es nicht fassen. Dass der gelangweilte Toby ein Mörder war, es war einfach zu unglaubwürdig. Miles war es schleierhaft, warum Toby so etwas tat. Er sputete sich. Er ging zurück in den Raum, wo der bewusstlose Handlanger lag. Dieses Mal nahm er den Weg, der auf der linken Seite lag. Der Weg führte zu einem Abstellraum. Einige Meter vor ihm war eine dünne Stahltür.

Er versuchte sie aufzubekommen, sie war abgeschlossen. Ihm wurde dieses Katz- und Maus spiel lästig. Wo war Toby, und vor allem, wo war sein Bruder. Er nahm Anlauf und trat die Tür ein. Aber eine Handvoll Handlanger befanden sich im Flur. Miles versuchte zu schießen, aber ihm ging die Munition aus, und er warf die Kanonen auf sie, um schnell zu fliehen. Er verließ den Raum und ging wieder zum Abstellraum. Ein Korb mit Kleidung war dort. Er versteckte sich dort, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Männer kamen rein und suchten den Raum ab. Miles blieb ganz still, auch wenn sein Herz gerade wie verrückt pochte. Die Männer zogen ab, Miles kam leise aus seinem Versteck und stibitzte sich die Kanone von einem der Handlanger die bewusstlos am Boden lagen.

Miles schlich sich zum Raum, indem er die Tür eingetreten hatte. Es war der Kontrolltraum des Stahlwerks. Er bemerkte, dass sich hinter einer Glasscheibe ein Rohr befand, das aus dem Stahlwerk führte. Miles überlegte, was er tun sollte. Toby war wohl auf eine Revanche aus.

Miles hatte eine Idee, wie er ihn aus seinem Versteck locken und seine Familie retten konnte. Er sah einen Lautsprecher und aktivierte ihn. Miles sprach laut hinein: „Toby, wenn du mich hörst, dann hör gut zu. Ich möchte keine Spielchen mehr spielen. Ich will meine Frau und meinen Bruder. Ich will sie lebend. Ich weiß zwar nicht, warum du dieses kranke Spiel spielst, aber Wir sollten das unter uns ausmachen. Du weißt genau, dass es nur einen Ort gibt, wo wir das beenden können. Ich erwarte dich dort. Keine Handlanger keine Politisten. Aber bring meine Frau und meinen Bruder mit.“ Er hörte schon von weitem das Getrampel der Männer, da sie wussten Lautsprecher befand. Miles trat schnell die Scheibe ein. Er quetschte sich schnell durch die Röhre und rutschte herunter. Er, wo sich der landete auf einem Container. Er lief zu seinem Auto und fuhr nach Staten Island. Er wusste noch nicht, wie er sich auf den Kampf vorbereiten sollte, er würde das erste Mal töten. Er war auch froh, dass er im Stahlwerk nicht auf Toby traf.

Für den Weg hatte er eine Stunde gebraucht. Er nahm einen Scooter und fuhr zur Freiheitsstatue. Aus gutem Grund ließ er Toby einen Scooter am Hafen übrig. Miles stieg die Stufen empor. Der Aufstieg brauchte ebenfalls seine Zeit. Es war ungefähr Mitternacht. Einige Touristen waren noch da. Miles erhob seine Marke und rief: „Das ist eine FBI- Angelegenheit. Alle sollen sofort das Gebäude räumen und zum Hafen zurückfahren!“

Die Anwesenden folgten der Order und gingen alle zum Ausgang. Miles stieg nun zur Krone auf. An dem Ort, an dem die Geschichte begann. Dieses Mal würdigte Miles den Ausblick auf die Stadt voll und ganz, denn es könnte das letzte Mal sein, dass er die Stadt sehen würde. Er dachte über die Fehler nach, die er in seinem Leben getan hatte. Er war seiner Frau gegenüber rücksichtslos, er hatte seinen Bruder selten besucht, hatte nicht richtig gelebt. Und nun konnte es sein, dass er seine Familie verlieren könnte, dass er selbst sterben könnte. Seine Gedanken bezogen sich jetzt auf das, was bald kam. Der finale Kampf. Es war klar, solange Toby, der Gesichtsräuber noch lebte, solange würde Miles seinen Frieden nicht finden können. Wäre er nicht so stur, hätte er ihn bloß getötet, würde er nur einmal nachgeben, so würde er auch ein besseres Leben führen und hätte keinen in Gefahr gebracht. Miles steckte seine Hände in seine Manteltaschen und wartete. Wie ein einsamer Krieger, der vor seiner Schlacht eine letzte Meditation durchführte. Er wartete…

 

Eine Stunde ist vergangen, Miles konnte ihn schon von weitem hören. Er keuchte, als er die Stufen hinaufstieg. Da standen sie nun.

Toby hielt Miles Frau und seinen Bruder fest, sie hatten Fesseln an den Händen und Klebstreifen an den Mündern.

„Woher wusstest du, dass ich überhaupt komme?“, fragte Toby mit einem verschmitzten Lächeln. „Das ist der Instinkt“, entgegnete Miles, „ich wusste, dass du dir die Chance nicht entgehen lassen würdest. „Aber warum tust du das deinen Opfern an?“, fragte Miles.

„Der junge Columbo. Sieh mich als eine Art Sammler. Ich sammle Masken, aber die biologischen, nicht die aus Plastik.“

Toby lachte, aber Miles blickte ihn mit Abscheu an. „Wahnsinniger!“ rief er.

Das Lachen schwand Toby aus dem Gesicht. Er nahm Miles Bruder und hielt sein Messer an seine Kehle. „Du glaubst, dass du mich einfach so provozieren kannst, dass du einfach aus meinem Spiel entkommen kannst?“ Toby schnitt Miles Bruder James die Kehle durch. James sank zu Boden.

„Nein!“, brüllte Miles. Er bückte sich, um seinen Bruder anzusehen. Blut floss aus seinem Mund und seiner Kehle. Miles schloss ihm die Augen und erhob sich. Er empfand abgrundtiefen Hass für Toby.

„Du bist Abschaum!“ Miles spuckte Toby an. Dieser holte eine Waffe aus seiner Tasche und drückte den Abzug. Die Kugel flog direkt auf Miles Bauch. Er flog rücklings auf den Boden und verlor das Bewusstsein.

 

Miles lag blutverschmiert und mit einer Wunde am Bauch auf dem Boden. Toby hielt seine Waffe auf Jeannette gerichtet. Sie zitterte. Toby wollte sie wohl erst umbringen, wenn Miles fähig war, es mitzubekommen.

„Hast du noch irgendwelche letzten Worte?“, fragte Toby siegessicher und konnte sein Grinsen nicht verbergen. Miles holte sich den Revolver aus seiner Tasche, die er dem Handlanger im Stahlwerk abgenommen hatte. Toby drehte wendete sich zur Sonne, die gerade aufging. Miles hatte eine perfekte Schussbahn. Er zögerte, aber er wusste, dass es nur diesen einen Weg geben würde, damit er diesen Fall abhaken konnte. Ein lauter Knall. Miles blickte Toby an und entgegnete: „Schmor in der Hölle.“ Toby lachte, er spuckte Blut raus und taumelte absichtlich dem Abgrund zu. „Junger Columbo“, stieß er noch hervor, und stürzte den Abgrund hinab ins Wasser. Miles kroch zum Abgrund, Toby trieb auf dem Wasser. Dieses Mal war sich Miles sicher, dass er tot war. Er schaffte es  gerade so, seine Frau zu befreien, die in Tränen ausbrach und bettelte: „Bitte geh nicht!“

Aber Miles schloss die Augen und fiel in die tiefe Dunkelheit…