shadow

Die zweibeinigen Arschlöcher

von Nele Bernholdt

Schnurrend wache ich auf und strecke meine vier Pfoten. Arschloch steht da und streichelt mir den Kopf. „Ich habe Hunger!“, sage ich genervt, „Du bist immer hungrig, Salem“, erwidert der Idiot genauso genervt und geht weg. „Hey!“, schreie ich ihm hinterher während ich von meinem sonnigen Fensterplatz aufspringe, „Gib mir sofort was zu essen, du Zimmerpflanzengießer!“ „Ja, ja du kriegst ja was und jetzt halt die Klappe!“, sagt das Arschloch und murmelt dann: „Ich hätte dieses lästige Sprechhalsband niemals kaufen sollen.“
Unverschämt wie der Erbsenzähler mich behandelt, ich bin ein Geschenk Gottes an die dämlichen Zweibeiner und er respektiert mich einfach nicht genügend!
„Kannst du mal besseres Futter kaufen? Das schmeckt schlimmer als dein Billigmüll!“, maule ich den Blödmann an.
„Gut, wenn du das nicht essen willst, nicht mein Problem und jetzt komm her, wir müssen wohin.“ Damit greift das Arschloch mich im Nacken und steckt mich in diesen Furchtbaren Kasten, womit wir zum Spritzenmann fahren.
„Nein, ich will nicht zum Mann im weißen Kittel. Lass mich los du blöder Fettsack! Lass mich gehen!“, „Und genau deswegen werde ich dich los“, sagt Arschloch als er mir das Halsband abmacht und die Tür der furchtbaren Kiste schließt.
„Du blödes Arschloch. Ich bin Gold wert und du gibst mich einfach ab. Für wen hältst du dich eigentlich, du bist mir gar nicht würdig. Ich wusste schon die ganze Zeit, dass du ein riesengroßes Arschloch bist. Wie kannst du es nur wagen mich rauszuwerfen, das wird dir noch leid tun, ich werde meine Rache bekommen, glaub mir du wirst büßen. Ich bin ohne dich sowieso besser dran, du bist nichts wert, du riesengroßes Arschloch“, fauche ich den großen Windelwärmer an.
„Ich glaube, dass du mich beleidigst, aber ich bin mir nicht ganz sicher, da ich dich ohne das Sprechhalsband nicht verstehen kann, aber ehrlich gesagt ist es mir auch egal ob du mich beleidigst oder nicht. Denn ab jetzt bist du nicht mehr mein Kater, Salem. Viel Spaß zurück auf der Straße“, sagt das Arschloch amüsiert als er mich aus der Scheiß Transportkiste rauslässt, zurück zum Teleport-Punkt geht und verschwindet.

Die Straße, das ist also jetzt wieder mein Zuhause, weil Arschloch nicht kritikfähig ist. Ich meine, das Unhöflichste habe ich mir immer verkniffen, empfindliches Weichei. So jetzt sollte ich was zu Essen suchen, kann ja nicht so schwer sein. Oh das ist ja furchtbar, hier laufen überall zweibeinige Pissköpfe rum, das ist ja unausstehlich! Und rundherum gibt es dies komischen Sachen wie fliegenermöglichende Schuhe oder schwebende Straßenlaternen.
„Hey, pass doch auf, du inkompetente Riesen Gehirnverschwendung, du hast mich mit deinen neu-modernen Schuhen fast tot gekickt“, fauche ich einen zweibeinigen Vollpfosten wütend an. „Verschwinde du blöde Straßenkatze“ zischt der Trampel. Ich laufe weiter durch die große Stadt auf der Suche noch essbarem Müll, doch die doofen neuartigen Eimer transportieren alles direkt zum recyceln oder zum Komposthaufen, auf den ich keinen Zugriff habe, das gleiche mit Pappkartons. Vielleicht finde ich eine geschützte Gassenecke, in der ich schlafen kann.

Ich möchte meinen Philipp wieder haben, er hat sich immer gut um mich gekümmert und er war auch kein inkompetenter Zweibeiner. Und dann musste ich alles ruinieren, indem ich in die große waschmaschinen-artige Kiste steige. Auf einmal bin ich auf einer Straße in einer unbekannten, moderneren Großstadt. Nach einiger Zeit wurde ich von Arschloch gefunden, er hat mich mitgenommen, hat mir dieses komische Sprachhalsband umgebunden und dann hat er mit mir nicht umgehen können, daraufhin hat er mich wieder auf die Straße gesetzt.

„Salem, endlich habe ich dich gefunden! Was hast du dir denn dabei gedacht in meine unfertige Zeitmaschine zu steigen?! Ich musste sie erst fertigstellen, dann musste ich herausfinden in welcher Zeit du gelandet bist und dich danach auch noch überall suchen! Zum Glück geht es dir gut und es ist nichts passiert. Ich habe mir solche Sorgen gemacht und ich habe dich so vermisst. Ich weiß nicht was ich gemacht hätte, wenn ich dich nicht gefunden hätte!“ weist mich Philipp zurecht.
„Philipp“, maunze ich während ich schnurrend aufspringe, „du hast mich gefunden! Zum Glück, ich hatte die Hoffnung schon fast verloren und dann kam das Arschloch, das mich mitgenommen hatte und ich war so sauer, weil du mein Besitzer bist. Ich bin so froh dich wieder zu sehen und ich werde so etwas nie wieder tun, ich verspreche es, ehrlich!“
„Schhh, alles gut, ich bin hier und ich kann dich nicht verstehen, aber ich habe eines dieser Sprechhalsbänder besorgt, welches wir mitnehmen, wenn wir zurück in unsere Zeit reisen werden, damit ich dich auch in Zukunft verstehen kann. Was hältst du davon?“, fragte Philipp als er mir das Sprechhalsband umbindet.
„Danke Philipp, ich bin so froh, dass du mich gefunden hast und wir nach Hause gehen können. Es war alles so furchtbar, ich war verwirrt und du warst nicht da, ich wusste nicht wie ich das rückgängig machen könnte und es war alles so schlimm.“ sagte ich hysterisch, als ich mich an meinen Philipp schmiegte und zu schnurren anfing. Philipp hebt mich hoch und sagt ruhig:
„Es wird Zeit für uns nach Hause zu gehen und die Zukunft hinter uns zu lassen.“

The End