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Drachentränen

Celine Wagner, 14 Jahre

 

Dunkelheit umfasste Clark. Ein Luftzug hinter ihm. Ängstlich sah er sich um. Clark kniff die Augen zusammen und sah einen Schatten. Der Schatten bewegte sich und plötzlich sahen ihm zwei riesige, gelbe Augen entgegen. Clark sprang einen Schritt zurück, doch der Schatten schlängelte sich vorwärts, weiter zu ihm hin. Clark griff an seinen Gürtel und zückte sein Messer. Dann ging er langsam ein paar Schritte auf den Drachen zu, um dann gleich wieder zurück zu tänzeln.

Na los doch“, zischte er. Der Drache grollte, kam dann blitzschnell auf Clark zu: Doch Clark wich schnell zur Seite aus und hackte mit der Klinge auf den riesigen Drachenkörper ein. Ein paar Herzschläge lang sickerte Blut aus der Wunde, doch die Wunde schloss sich wieder. Ungläubig keuchte Clark auf und starrte den Drachen an. Angst und Verzweiflung machten sich in ihm breit. Wie sollte er den Drachen besiegen, wenn er unverwundbar war? Da er für einen kurzen Moment nicht aufgepasst hatte, war der Drache ihm jetzt näher als zuvor. Sein Maul öffnete sich schon und senkte sich zu ihm herab. Clark sah sich panisch um, doch sah er keinen Weg ihm zu entkommen. Ängstlich duckte er sich und konnte schon des Drachen Atmen riechen, als …

 

 

Schweiß überströmt wachte Clark auf. Er saß senkrecht im Bett und schaute sich um. Erleichtert sah er, dass er sich in seinem Zimmer befand. Sein Bett war zerwühlt und seine Deckte lag auf dem Boden.

Wird auch Zeit das du aufwachst“, ertönte eine Stimme neben ihm. Vorsichtig drehte er sich um und sah in das grinsende Gesicht von Naidra, seiner besten Freundin.

Weißt du wie lange ich hier schon stehe und versuche, dich wach zu kriegen?“, empörte sie sich. „Komm, los jetzt, steh auf! Es gibt Frühstück und wir haben nicht ewig Zeit. Außerdem habe ich irre Hunger und heute ist doch unsere Prüfung“, redete sie ungeduldig weiter.

Clark stöhnte. Ach ja, die Prüfung. Jeder Angehörige seines Volkes musste sie irgendwann überstehen. Sie mussten zum Drachental, sich auf einen Drachen stürzen und versuchen, ihn zu töten. Zunächst war man im Flugkampf, doch sollte man versuchen den Drachen zu Boden zu zwingen. Am Boden versuchte man ihm die Flügel abzuhacken und mit ihm als Reittier wieder hoch zukommen. Entweder man überlebte und musste sich dann der Unterdrückung und Zähmung des Drachen widmen – oder man starb.

 

Ist ja gut“, sagte er und stand auf, murmelte dann aber noch leise „Nervensäge“.

Naidra grinste bloß und wandte ihm dann den Rücken zu, damit er sich umziehen konnte. Im Esssaal gesellten sich dann noch Aiko und Luva dazu.

Und seid ihr aufgeregt, wegen des großen Kampfes?“, fragte Luva sie.

Klar! Das wird hammermäßig! Wir werden diese verdammten Drachen wie Kleinholz niedermachen“, antwortete Naidra. Sie klang absolut kampfbereit.

Aiko grinste sie an. „Oh ja, die werden wie Blätter fallen!“

Luva stimmte ihnen zu. Erwartungsvoll guckten die drei Clark an, der immer noch stumm auf den Tisch starrte und sein Brot aß. Ihm war nicht wirklich wohl bei der Vorstellung, gegen einen dieser großen Drachen zu kämpfen. Vor allem nicht nach seinem Traum. Naidra stieß ihm ihren Ellenbogen in seine Seite. „Was ist mit dir? Freust du dich denn gar nicht darauf, es diesen Drachen zu zeigen?“

Clark sah kurz auf und murmelte „Doch, doch.“

Die drei waren wohl zufrieden mit seiner Antwort, denn sie redeten gleich weiter darüber, wie sie die Drachen bezwingen würden. Clark beteiligte sich nicht an ihrem Gespräch. Er war mit seinen Gedanken längst woanders. Würde es ihm wohl auch so ergehen wie seinem Vater? Dass er von seinem Drachen bezwungen und von ihm auf einem Felsvorsprung gefressen wurde? Clark schreckte auf, als plötzlich eine Hand auf seiner Schulter lag.

Clark?“, sprach eine tiefe Stimme. Er blickte hoch und sah in das Gesicht von seinem Mentor Bogur. Bogur lächelte ihn an und klopfte ihm auf die Schulter. „Ich wollte dir viel Glück wünschen. Du schaffst das. Nicht umsonst will ich soviel Zeit für dich geopfert haben. Du bist stark und schlau. Wenn deine Kraft nicht ausreicht, dann nutze dein Gehirn. Denk daran, wenn du an der Reihe bist.“

Clark stand auf und umarmte seinen Mentor. „Danke Bogur! Danke für alles.“

Bogur lächelte „Es hat mich manchmal ziemlich viel Kraft gekostet, aber ich denke, für dich hat es sich gelohnt, mein Sohn.“ Er strich ihm über den Kopf „Versprich mir, dass du es schaffst. Versprich es mir!“

Clark neigte den Kopf. „Ich verspreche es.“

Noch einmal strich Bogur ihm über den Kopf „Wir sehen uns dann nachher in der Taverne zum Feiern.“

Er drehte sich um, klopfte Clark noch mal auf die Schulter und ging. Clark starrte ihm nach. Dann drehte er sich zu seinen Freunden um und sah, wie auch ihre Mentoren ihnen Glück wünschten und sie verabschiedeten.

 

Anschließend ging er aus dem Essenhaus raus, an seinem Haus vorbei, zu den anderen Wohnhäusern, um sich von seiner Mutter zu verabschieden, bevor er zur Prüfung musste. Eine Weile lang stand er unschlüssig vor der Tür, trat dann aber ein.

Wer ist da?“, fragte eine hohe, klare Stimme.

Clark hängte seinen Mantel auf, ging den engen Flur entlang zur Wohnzimmertür und öffnete sie. „Ich bin es Mutter.“

Seine Mutter drehte sich zu ihm um und schloss ihn in ihre Arme. „Ich bin so froh, dass du noch einmal kommst, bevor es los geht.“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.

Ich wollte dich noch einmal vor der Prüfung sehen!“ Er lächelte sie an. „Ich werde es schaffen! Hundertprozentig!“

Sanft fuhr sie ihm durch die Haare und seufzte. „Ach Clark…. Das hat dein Vater auch gesagt bevor er gegangen ist und was war? Er ist nicht wiedergekommen.“

Verärgert sah Clark seine Mutter an. „ Nur weil Vater es nicht geschafft hat, heißt es nicht, dass ich es nicht schaffe!“

Er war wütend auf seinen Vater. Vaters Tod hatte seiner Mutter soviel Kummer und Sorge bereitet. Nie würde ER das seiner Mutter antun. Empört schob seine Mutter ihn weg. „ Dein Vater war kein Versager! Ich verstehe ja, dass du wütend bist…. Aber lass uns heute doch einfach bitte nur zusammen sein.“

Clark entdeckte die Traurigkeit und Verzweiflung in ihren Augen. Er nahm sie kurz in den Arm. „Okay“, sagte er leise und setzte sich aufs Sofa.

 

Sie fingen an zu reden und nach kurzer Zeit auch an zu lachen, so als ob heute ein ganz normaler Tag wäre und nicht sein möglicher Todestag. Kurz vor Sonnenhoch verabschiedeten sie sich. „Mach’s gut Mama!“ Er drückte ihr schnell einen Kuss auf die Wange.

Pass auf dich auf.“ Sie drückte ihn kurz und er sah noch immer die Sorge in ihrem Blick.

 

Als er wieder bei seinem Haus war, sah er dort Naidra auf der Treppe sitzen. Sie saß schon in ihren Kampfsachen dort. Sie stand auf, klopfte den Staub von ihrer Hose und lächelte. „Na endlich! Ich warte schon seit EWIGKEITEN! Wir müssen los, die anderen warten schon!“ Aufgeregt hielt sie inne. „Du hast lange gebraucht. Warst du bei deiner Mutter?“

Clark schloss die Tür auf und nickte „Sie macht sich halt Sorgen wegen der Prüfung.“

Clark setzte sich aufs Bett. Naidra setzte sich neben ihn „Wegen deinem Vater, hm?“

Sie legte kurz ihren Kopf auf seine Schulter, dann sah sie ihn an, strich sich ihr langes schwarzes Haar aus dem Gesicht und stand auf. „Es ist schwer für sie. Erst ihr Mann und jetzt vielleicht auch noch ihr Sohn.“ Sie seufzte „Es hilft nichts. Du musst dich fertigmachen.“ Dann verschwand sie. Clark folgte ihrem Vorschlag, ging zum Schrank und betrachtete den Inhalt. Für diesen besonderen Tag gab es für jeden eine „Tracht“ Er holte seine aus dem Schrank und legte sie aufs Bett. Seine war goldfarben mit schwarzen Rändern. Dazu gab es noch eine schwarze Tasche. An einer Gürtellasche der Hose befand sich ein Messer. Er zog es aus der Scheide und begutachtete es. Es war groß, hatte einen Schwarzen Knauf mit goldenen Verzierungen und eine Klinge in dessen Schneide sein Name eingraviert war. Er steckte das Messer wieder weg und zog sich an.

Draußen wartete Naidra schon auf ihn. Sie nickte wohlwollend. „Hübsch.“

Sie selbst sah umwerfend aus. Ihre Kleider waren nach demselben Muster wie seine geschnitten. Doch ihre Tracht war in dem schönsten Dunkelblau gehalten, das er je gesehen hatte.

Du auch“, sagte er verlegen, dann gingen sie schweigend den Rest des Weges nebeneinander her.

Beim Drachental angekommen, sahen sie, dass ihre Freunde und die anderen, die zur Prüfung mussten, schon dort waren. Schnell traten sie zu ihnen. Clark blickte auf das Tal – und erstarrte vor Ehrfurcht. Dort warteten Drachen in allen Farben und Größen.

Beeindruckend nicht wahr?“, flüsterte Naidra ihm zu. Er nickte und starrte immer noch gebannt hinunter. Luva und Aiko mussten zuerst in den Kampf, und Clark war erleichtert, als die beiden fast unverletzt zurückkamen. Sie hatten ihre Prüfung bestanden. Dann war Naidra an der Reihe. Sie stürzte sich in den Kampf mit einem kleinen aber kräftigen türkis-schwarzen Drachen.

 

Eine Hand legte sich auf Clark´s Schulter. Er wirbelte herum und sah über sich, auf einem gezähmten, also flügellosen Drachen, ihren Anführer Ramgad sitzen. Clark verneigte sich. Doch Ramgad deutete mit dem Kopf in Naidras Richtung, die wild auf ihren Drachen einschlug. „Ein gutes, stolzes Mädchen. Sie ist stark und wird dem Volk garantiert eine große Stütze…“

Er verstummte, denn es ertönte lautes Geheul von Naidra und ihrem Drachen. Erschrocken sah Clark, wie der Drache abstürzte, und Naidra den Absprung nicht schaffte. Mit einem Schrei stürzte Clark zur Felskante und sah wie die beiden in die Tiefe stürzten. Auch Ramgad eilte neben ihn. Doch statt zu trauern, dass sie eine Kriegerin verloren hatten, übte er sich an einem trockenen Spruch: „Nein, sie wird wohl doch keine große Stütze für das Volk sein.“ Er zwang seinen braunen Drachen herum und verschwand.

 

Als Clark an der Reihe war stürzte er sich voller Wut, Verzweiflung und Trauer auf einen kräftigen, in allen möglichen Grüntönen funkelnden Drachen, dessen Augen regenbogenfarben und kampflustig funkelten.

Clark zog sein Messer und hackte solange auf den Körper des Drachen ein, bis er eine Schwachstelle gefunden hatte und er Blut an seinen Fingern spürte. Der Drache brüllte, bäumte sich in der Luft auf und versuchte Clark abzuschütteln. Doch es gelang ihm nicht.

Tränen verschleierten Clarks Sicht. Doch er achtete nicht darauf. Blind schlug er weiter. „Du und deine verdammte Rasse. Ihr scheiß Viecher habt Naidra umgebracht1 Ihr werdet büßen für ihren Tod. Hörst du? Büßen werdet ihr“, zischte er. Er hackte auf den Hals und die Flügel des Drachens ein. Tränen verschleierten ihm abermals den Blick. „Ich hasse Dich! Alle! Ihr alle werdet sterben hörst d…“ Er verstummte. Der Drache hielt direkt auf eine Felswand zu. Clark schrie auf, packte die kurzen Hörner des Drachens und versuchte ihn zu lenken. Doch es half nichts. Entsetzt sah er, wie sie immer schneller auf die Wand zusteuerten. Der Drache schlug hart gegen den Fels. Etwas krachte. Clark wurde in die Luft geschleudert und prallte gegen die Wand. Er brüllte vor Schmerz auf, als er am harten Gestein entlang schrammte. Dann fiel er wieder. Hart landete er auf seinem Drachen. Beide krachten zusammen noch einmal gegen die Felswand, und Clarks Kopf schlug hart auf das Gestein. Ein paar Herzschläge lang sah er alles wie in Zeitlupe. Er hörte nichts, außer dem Pochen seines Herzens und im Hintergrund das Gebrüll des Drachens. Dann schlug er auf dem Talgrund auf.

 

 

Clarks Kopf schmerzte. War er tot? Blinzelnd öffnete er die Augen. Da war ein orangenes Licht. Es brauchte ein bisschen, bis er sich an das Licht gewöhnt hatte. Vorsichtig setzte er sich auf und blickte sich um. Wo war er hier eigentlich? Er saß auf einer großen Wiese. Ein paar Meter weiter entfernt lag ein Fluss, der leise vor sich hin plätscherte. Dahinter ging die Sonne unter. Das hieß, dass ein paar Stunden nach seinem Sturz verstrichen sein mussten. Doch wo war der Drache? Darauf gefasst, gleich in das weit geöffnete Maul des Untiers zu blicken, stützte er sich auf seinen Arm und wandte sich um. Ein greller Schmerz durchzuckte seinen Arm. Mist was war, wenn der gebrochen war? Clark drückte seinen Arm an seinen Körper und drehte sich ganz um. Erschrocken schrie er auf, als er den Drachen nur wenige Meter von sich entfernt im Gras liegen sah. Der Drache bebte und grunzte. Schnarchte er?

Fasziniert starrte er den Drachenkörper an, wie er sich hob und senkte – als der Drache plötzlich knurrte. Schwer atmend suchte Clark hinter einem Baumstamm Schutz. Doch der Drache war wieder so ruhig wie zuvor. Stöhnend fasste sich Clark an den Kopf. Er schmerzte. Eine warme Flüssigkeit rann seine Hand hinab. Verwundert sah er auf das Blut, das seine Hand benetzte.

Plötzlich hörte Clark etwas aus Richtung des Drachens. Ein sanftes Tropfen. Da war eine kristalline Flüssigkeit, die vom Antlitz des Drachen zu Boden rann. Neugierig stolperte Clark zu der Pfütze hin, die sich aus der Flüssigkeit gebildet hatte, und benetzte vorsichtig seine Finger mit ihr. Er wartete auf dem Schmerz der offenen Wunden, doch es kam keiner. Verwundert zog er seine Hand aus der Pfütze und starrte sie an. Er konnte keine Schürfwunden mehr entdecken. Sie waren einfach weg!

Er überlegte, streckte seine geprellte Hand aus und hielt sie zur Gänze in die Flüssigkeit. Tatsächlich, er konnte seine Hand wieder belasten! Frohen Mutes über diese neu gewonnene Erkenntnis heilte er auch seine anderen Wunden. Verblüfft setzte er sich ein paar Meter von dem Drachen entfernt hin und betrachtete ihn. Was war diese Flüssigkeit?

Clark lehnte sich weiter vor und entdeckte, das die Flüssigkeit aus dem Auge des Drachen rann. Drachentränen? Drachen konnten weinen? Er schüttelte den Kopf. Wenn er das Luva, Aiko und Naidra erzählte, dann … Seine Gedanken stoppten. Naidra? Naidra war tot …

Wut stieg in ihm auf. Drachen hatten sie umgebracht. Diese verdammten Drachen. Er stand auf und ging ein paar Schritte zurück. Er würde diesen Drachen umbringen. Er suchte sein Messer – als hinter ihm ein schweres Keuchen ertönte. Blitzschnell drehte Clark sich um und sah wie der Drache sich aufrichtete. Wut kochte wieder in ihm hoch. Er trat vor und hob die Klinge, doch irgendetwas ließ ihn innehalten. Seine Hand zitterte und irgendwie bewunderte er den Drachen der so stark und würdevoll aussah. Der Drache indes starrte Clark an. Die regenbogenfarbenen Augen des Drachens blickten verwundert, dann wendete das Biest den Kopf ab und leckte sich seine Wunden. Clarks Wut stieg wieder auf. Er holte aus und….

NEIN ! Clark stolperte rückwärts und fiel auf den Hosenboden „W-Was, Was war das“ stammelte er.

ICH WAR DAS, DREH DICH UM

Clark drehte sich um. NEIN! IN DIE ANDERE RICHTUNG.Clark stöhnte auf und drehte sich in die andere Richtung. Mit großen Augen starrte er einen Olivenbaum an „D-Du warst das ?“ Verwirrt und erstaunt guckte er die Pflanze an. NA KLAR! HÖRTEST DU DENN NIE VON DEM GROßEN SPRECHENDEN BAUM? ——TROTTEL NATÜRLICH NICHT! DU SOLLTEST DICH ZU MIR UMDREHEN!, hallte es spöttisch in Clarks Kopf. Er erstarrte, als ein übelriechender Wind ihm die Haare zerzauste. Der Atem des Drachen! Langsam drehte sich Clark um und sah in das belustigte Gesicht des Drachens. Der Drachenkopf schoss nach vorne BUUHH! Clark zuckte zusammen. „Du-Du bist ein Tier!“ ACH, ABER DER PFLANZE HÄTTEST DU GEGLAUBT, DASS SIE SPRICHT? Der Drache hustete. Oder war es ein Lachen? Clark straffte seinen Rücken. „Pflanzen sind auch keine Mörder!“

Der Drache fauchte leise und seine regenbogenfarbigen Augen wurden ein paar Nuancen dunkler. HÄTTE EIN MÖRDER DIR DAS LEBEN GERETTET? Seine Stimme war ziemlich dunkel und klang irgendwie alt.

Naidra ist tot.“

Der Drache wendete sich ab. Clark rappelte sich auf, ging einen Schritt auf ihn zu und hob seine Klinge. „Naidra ist tot“, sagte er eindringlich. „Und ihr seid daran schuld!“

Der Kopf des Drachens schoss zu ihm herum. WAS MACHT DICH SO SICHER, DASS SIE TOT IST?

Sie ist das Tal hinab gestürzt“, meinte Clark unsicher. „Und wenn sie dadurch nicht zu Tode kam, dann wurde sie mit großer Sicherheit von ihrem Drachen gefressen!“

Der Drache stöhnte. UND DU? Verwirrt sah Clark auf. Die Schuppen des Drachens raschelten, als der Drache ungeduldig schnaubte. IHR MENSCHEN HABT EIN GEHIRN DAS NICHT GRÖßER IST ALS EINE WALNUSS. Er schüttelte seinen mächtigen Kopf. DU HAST DEN STURZ ÜBERLEBT. ICH HABE DICH NICHT GEFRESSEN… JEDENFALLS NOCH NICHT.

ODER SOLL ICH? Er schnappte spielerisch mit dem Maul.

Dann müssen wir sie suchen gehen“, forderte Clark.

Der Drache brummte: JETZT WILLST DU MIT EINEM MÖRDER EINE TOTE SUCHEN…?

Du hast doch gesagt dass …“

Der Drache unterbrach ihn: ICH HABE GESAGT, DASS DAS SO SEIN KÖNNTE. ABER ICH HABE NIE GESAGT, DASS ES SO IST.

Verzweifelt ging Clark auf den Drachen zu „Bitte komm mit und hilf mir, Naidra zu finden!“

DAMIIT ICH VON DEINEM VOLK DANACH GEFOLTERT UND NIEDERGEMACHT WERDE? NEIN BESTIMMT NICHT! Er verstummte. Dann knurrte er OBWOHL… WIR KÖNNTEN EINEN DEAL MACHEN Der Drache blickte Clark an. ICH HELFE DIR, DEINE KLEINE FREUNDIN ZU FINDEN, UND DU WIRST ALS GEGENLEISTUNG DIE MENSCHEN DAVON ÜBERZEUGEN, UNS NICHT MEHR ZU FOLTERN!

Entsetzt blickte Clark in das Gesicht des Drachens. „Aber wie soll ich das machen?“

Der Drache schüttelte seinen mächtigen grünen Körper. DAS IST NICHT MEIN PROBLEM. WILLST DU DEINE FREUNDIN JETZT WIEDERSEHEN, ODER NICHT?

Verzweifelt nickte Clark „Ja, aber …“

GUT, unterbrach ihn der Drache. WIR WERDEN MORGEN AUFBRECHEN. Er legte sich hin. DU SOLLTEST AUCH SCHLAFEN, WIR WERDEN EINEN LANGEN WEG VOR UNS HABEN.

Hilflos setzte Clark sich ein paar Meter entfernt von dem Drachen hin und sah beklommen zu den Sternen auf, die sich in der Zwischenzeit am Himmel gesammelt hatten. Wie sollte er sein Volk überzeugen, den Drachen nicht mehr weh zu tun, sondern sich mit ihnen anzufreunden? Er selbst hatte doch Angst vor diesem großem Tier. Das alles war hoffnungslos. Er legte sich hin und schlang die Arme um sich. Es war bitter kalt. Neidisch guckte Clark zu dem Drachen hin, dessen Flügel wie eine riesige Decke auf ihm lag. Eine Frage brannte in Clark noch. „Wie heißt du?“

Lange Zeit antwortete der Drache nicht und Clark dachte schon, er wäre eingeschlafen, da brummte dieser und sprach: ICH HEIßE WYRDA. DOCH ICH MÖCHTE, DASS DU MICH WYRDRO NENNST. MEIN GESAMTER NAME LAUTET WYRDA SE` ORN ZA`ROC. Ein trauriger Klang überschattete seine Worte. Dann schlief auch er.

 

Eine wohlige Wärme durchflutete Clarks Körper. Er schlug die Augen auf und entdeckte grünes Licht. Überrascht brüllte er auf, als er sah, dass er sich unter einem riesigen Drachenflügel befand. Schnell stürzte er unter ihm hindurch und zog wieder sein Messer. Wyrdro brummte ungehalten. HEY, RUHIG BLUT. Clark ordnete kurz seine Gedanken und erinnerte sich wieder an den gestrigen Tag. Heute würden sie Naidra suchen. Und wenn sie noch lebte, musste er sie überreden, ihm bei seiner Aufgabe zu helfen. Wenn sie noch lebte. Wyrdro hatte einen Baumstamm angezündet. Überrascht sah Clark, dass neben dem Baumstamm ein fettes Kaninchen lag. „Ist das für mich?“, fragte er erstaunt.

FÜR MICH WIRD ES WOHL KAUM SEIN…. NICHT DREIFACH SO VIELE WÜRDEN MICH SATT MACHEN. Dankbar aß Clark das Tier. Danach stand er auf, ging zum Fluss und wusch sich.

WIR SOLLTEN UNS AUF DEN WEG MACHEN CLARK, WIR VERLIEREN VIEL ZEIT.

Clark stimmte zu. „Aber wo sollen wir lang?“

ICH HABE KEINE AHNUNG“ entgegnete der Drache. WEIßT DU NOCH, WIE DER DRACHE AUSSAH, DEN DEINE FREUNDIN VERSTÜMMELN WOLLTE?

Clark dachte einen Moment lang nach und beschrieb die Echse. Wyrdro flüsterte leise: TAMIL!

Vorsichtig trat Clark auf den großen Drachen zu. Zuerst hatte er Angst, ihn zu berühren, doch dann überwand er seine Scheu und legte ihm die Hand auf die schuppige Flanke. Wyrdro zuckte zurück. „Wer ist Tamil?“

ER IST WIE EIN BRUDER FÜR MICH. Wyrdro blickte Clark in die Augen. NAIDRA MÜSSTE EIGENTLICH SICHER BEI IHM SEIN. TROTZDEM SOLLTEN WIR JETZT LOS.

Wyrdro sah nicht wirklich überzeugt aus, ließ Clark aber aufsteigen. Als er oben angekommen war, klammerte Clark sich fest an Wyrdros Hals. Wieder zuckte der große Drache zusammen. „Weißt du wo wir hin müssen?“

NEIN! ABER WIR WERDEN BALD HOCH OBEN IN DER LUFT SEIN, VON DORT KÖNNEN WIR ALLES ÜBERBLICKEN.

Clark machte einen gequälten Gesichtsausdruck. „Gut! Aber könntest du bitte in meinem Kopf ein wenig leiser sprechen? Wenn du so laut sprichst kriege ich Kopfschmerzen.“ ENTSCHULDIGUNG, sprach Wyrdro schon ein bisschen leiser. HALT DICH FEST, fügte er hinzu und sprang dann in die Lüfte. Mit aller Kraft die Clark aufbringen konnte, klammerte er sich an einen Stachel an Wyrdros Hals, richtete sich dann aber auf und öffnete vorsichtig die Augen. Er war überwältigt von der Schönheit. Die Welt sah von hier oben so klein aus! Als er sich umdrehte, konnte er in der Ferne das Drachental entdecken. Er seufzte. Ob seine Leute wohl schon nach ihm und Naidra suchten? Wyrdro lehnte sich plötzlich zur Seite. Erschrocken schrie Clark auf. Schnell zog er sich wieder nach oben. „Was sollte das?“, fuhr er Wyrdro an.

ES WAR EINE KURVE, WEITER NICHTS. DU WIRST DICH DRAN GEWÖHNEN MÜSSEN. UND JETZT VERHALTE DICH STILL, DENN ICH MUSS MICH KONZENTRIEREN. AB EINER GEWISSEN ENTFERNUNG SPÜRE ICH DRACHEN.

 

 

Es war bereits kurz nach Sonnenuntergang, und von Naidra und Tamil, ihrem Drachen, hatten sie nicht die geringste Spur gefunden. Wyrdro jagte ihnen etwas zu Essen und Clark saß in einer Höhle und grübelte.

Wie es Naidra wohl ging? Unerwartetes Flügelschlagen ließ ihn mitten in der Bewegung innehalten. Er fuhr herum und sah Wyrdro, der sich durch den Eingang der Höhle quetschte. Er ließ ein Reh vor Clark fallen. HIER! ICH MUSSTE DEM VERDAMMTEN VIEH FAST 10 MINUTEN HINTERHER JAGEN. ES LIEF IMMER WEITER IN DEN DICHTEN WALD HINEIN.

Clark bedankte sich und machte sich an die Arbeit das Reh zu häuten. Wyrdro setzte in der Zwischenzeit einen Haufen Äste, am Felsvorsprung in Brand. Während er aß, beobachtete er den Drachen. Grüne Lichtpunkte, die seine Schuppen warfen, bedeckten die Höhlendecke und wirbelten umher, wenn sich der Drache bewegte.

Willst du den Rest?“, fragte Clark und schob Wyrdro einen Großteil des Rehs hin. „Ich schaffe nicht so viel.“

Die Schuppen des Riesens raschelten laut, als er sich vor lehnte und das Reh zu sich hin zog. Die Felswand war angenehm warm, als Clark sich gegen sie lehnte. Er blickte nach oben. Lange Zeit sagte niemand etwas. Clark hörte dem beruhigenden Schmatzen des Drachens zu und schloss die Augen.

 

Tagelang flogen sie über die Landschaft, doch sie fanden nichts von Naidra und Tamir. Clark und Wyrdro freundeten sich immer mehr miteinander an. Doch so langsam wurde Clark ungeduldig. „Wyrdro, allmählich müssten wir die beiden finden.“ Clark war verzweifelt.

ICH WEIß, ICH MACHE MIR UM TAMIR DIE SELBEN SORGEN. Der Drache bog scharf nach rechts ab.

Clark genoss mittlerweile das Fliegen, es machte ihm Spaß und es entspannte ihn. „Wir haben jetzt wirklich das ganze Tal im Umkreis von hundert Meilen abgesucht, aber sie waren nirgendwo.“ Clark musste schreien um nicht vom Wind übertönt zu werden. Er dachte einen Moment lang nach. „Wir waren wirklich schon überall außer… beim Steinbruch.“

Wyrdro schüttelte sich und knurrte leise. DER STEINBRUCH IST SCHON LANGE VON EINER STEINLAWINE HEIMGESUCHT WORDEN, DA KÖNNEN SIE NICHT SEIN.

Clark schnaubte. „Bitte es ist die letzte Möglichkeit.“

Der Drache fauchte. GUT… UNSERE LETZTE CHANCE. Er schwenkte um in Richtung Steinbruch.

 

 

Siehst du sie?“, brüllte Clark.

WARTE, antwortete Wyrdro und setzte zum Sturzflug an. Unten angekommen, durchsuchte der Drache den Boden. HIER IST SOWOHL MENSCHEN- ALS AUCH DRACHENBLUT. Wyrdro klang besorgt.

Wie lange liegt es da schon?“

Wyrdro schnüffelte geräuschvoll. ES IST ABGESTANDEN, UNGEFÄHR EINE WOCHE ALT. Er sah Clark an. Seine Augen blitzten. „Das würde ja heißen dass…“

Greif sie aaaaaaan!“, ertönte plötzlich eine Stimme. Es folgte ein furchterregendes Fauchen. Erschrocken sah Clark Wyrdro an und hechtete auf seinen Rücken. Wyrdro knurrte laut, als jemand seine Flanke zerfetzte. Er wirbelte herum und stieß eine lange Flamme aus. Der Angreifer heulte laut auf, fing sich aber schnell wieder und biss Wyrdro ins Bein. Clark wurde von jemanden von Wyrdro heruntergezogen und fiel hart hin. Ein Mädchen stürzte sich auf ihn und er sah überrascht, dass es Naidra war.

Naidra?“

Sie hielt überrascht inne. „Clark? W-was machst du denn hier?“

Er grinste sie an, überglücklich sie gefunden zu haben. „Dich suchen!“

Überrascht sah sie ihn an „Suchen die anderen nach mir?“

Das weiß ich nicht.“

Ein Brüllen ertönte hinter ihnen. Clark und Naidra wirbelten herum und sahen, wie die beiden Drachen immer noch mit einander kämpften. Naidra bückte sich, hob eine handvoll Steine auf und warf sie gegen die beiden Drachen.

Hört auf“, schrie sie. Wyrdro und Tamir hielten inne und guckten sie erstaunt an. „Hört auf damit, wir kämpfen gegen Freunde!“

Empört guckte sie Tamir an. Der kam zu ihr und stupste sie an die Wange. Verwirrt sah Clark die Zuneigung zwischen den beiden. „Er hat zu mir gesprochen. Tamir ist sehr nett! Kann deiner auch sprechen?“ fragte Naidra.

KLAR KANN ICH SPRECHEN. Wyrdro kam auf sie zu gestakst. Naidra neigte den Kopf. Sie stellte sich vor und Wyrdro sagte ihr seinen Namen.

WAR JA ZIEMLICH NETT, WIE IHR UNS BEGRÜSST HABT… Er schüttelte seinen Kopf. Tamir trat vor und berührte ihn mit der Schnauze an der Stirn. Er war um einiges kleiner als Wydro, deshalb musste er sich strecken.

WIR HABEN EUCH NICHT ERKANNT… SEID BITTE NICHT SAUER, JA? So etwas wie Zuneigung erschien in Wyrdros Blick.

WIE KÖNNTE ICH AUF DICH SAUER SEIN ? ICH HAB DICH VERMISST KLEINER!

Tamir lächelte.

Wyrdro wandte sich Clark zu. Er hatte einen eigentümlichen Gesichtsausdruck. SO, UND NUN BRING MICH ZU DEINEM VOLK! Verwundert sah Clark ihn an. KEINE FRAGEN. LOS STEIG AUF.

Clark blieb kurz stehen, kletterte dann jedoch auf Wyrdros Rücken. Auch Naidra stieg auf Tamir. Sofort erhoben sich beide Drachen in die Lüfte. KÖNNT IHR EUCH VORSTELLEN, MIT DRACHEN ZUSAMMEN ZUARBEITEN?, fragte Wyrdro.

Naidra anwortete schnell. „Ja auf jeden Fall. Am Anfang hatte ich noch einen großen Hass auf Drachen. Doch dann fing Tamir an, mit mir zu reden.“ Sie überlegte einen Moment lang. „Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.“

Aus Tamirs Kehle kam ein Schnurren. Clark dachte über seine Zeit mit Wyrdro nach und kam zu dem Schluss, dass auch er auf ihn nicht mehr verzichten wollte. Der knurrige Drache war zu einem Teil seines Lebens geworden. „Auch ich kann nicht mehr auf dich verzichten Wyrdro.“

Von Wyrdro ging ein unwahrscheinliches Glücksgefühl aus. NUN GUT, ICH HABE DIR GEHOLFEN, DOCH DAMIT ICH AUCH WEITERHIN AN DEINER SEITE STEHEN KANN, KOMMEN WIR BALD ZU DEINER AUFGABE.

 

Stundenlang flogen sie und kamen erst am frühen Morgengrauen am Drachental an. Überraschte Drachenrufe drangen von den Drachen im Tal herüber, als sie Wyrdro und Tamir mit Clark und Naidra auf dem Rücken sahen. Sie landeten am Talrand und immer mehr Menschen strömten zu ihnen. Geduldig warteten die beiden Drachen. Clark beugte sich runter und flüsterte: „Wyrdro, auf was wartest du?“

Wie immer, wenn Wyrdro in Gedanken zu ihm sprach, hallte es in seinem Kopf. HAB NOCH EIN WENIG GEDULD.

Geduld? Wie soll ich Geduld haben, unsere Krieger kommen gleich und werden mit Schwertern und Pfeilen auf dich losgehen!“

Und da kamen sie auch schon. Brüllend rannten sie auf die Drachen zu. Ihnen voran stürmte Ramgad, ihr Anführer.

ES IST SOWEIT, flüsterte Wyrdro Tamir zu und sie erhoben sich in die Luft.

Lasst sie los, ihr ekelerregenden Viecher!“, schrie ein Mann und warf einen Sperr. Doch sie waren zu weit oben. Clark sah, dass sich auch sein Mentor Bogur unter den Leuten befand.

Hört auf damit, lasst die Drachen zufrieden!“, schrien Clark und Naidra.

IST SCHON GUT, CLARK, LASS MICH DAS MACHEN, sagte Wyrdro. Er brüllte laut und sprach dann über Gedanken. HÖRT MIR ZU! ICH UND MEINE DRACHENBRÜDER UND -SCHWESTERN MÖCHTEN, DASS DAS FOLTERN AUFHÖRT.

Es folgte eine lange Pause. WIR WAREN EURE BESCHÜTZER. JAHRTAUSENDE LANG HABEN WIR ZU EUCH GESTANDEN UND IN JEDER SCHLACHT SEITE AN SEITE MIT EUCH GEKÄMPFT. WIR WAREN FREUNDE UND VERBÜNDETE.

JEDER VON EUCH HATTE EINEN VON UNS BEI SICH, EINEN DEM ER BEDINGUNSLOS VERTRAUTE UND MIT DEM ER EINE ENGE BINDUNG HATTE. WIR WAREN GLÜCKLICH, WIR MOCHTEN DEN KAMPF UND MIT UNSEREM VERBUNDENEN ZUSAMMEN ZU SEIN, GAB UNS KRAFT. WIR KONNTEN NICHT MEHR OHNE EUCH UND IHR NICHT MEHR OHNE UNS.

Überrascht sah Clark Wyrdro an. Er hatte ihm dies nie erzählt.

DOCH IRGENDWANN WURDE DER MACHTDRANG VON EUCH MENSCHEN IMMER STÄRKER, UND IHR ACHTETET NICHT MEHR AUF UNS.

FÜR EUCH WAREN WIR JEDIGLICH EURE SKLAVEN, DIE ZU TUN HATTET, WAS IHR BEFAHLT. UM SICHER SEIN ZU KÖNNEN, DAS WIR UNS EUCH NICHT WIEDERSETZTEN UND FLOHEN, FOLTERTET IHR UNS UND HACKTET UNS DIE FLÜGEL AB. MEINE MENSCHIN TARA MUSSTE EINST IHR LEBEN LASSEN, WEIL SIE MICH DAVOR SCHÜTZEN WOLLTE. NUR WEGEN IHR KONNTE ICH ENTKOMMEN UND EIN HALBWEGS FREIER DRACHE SEIN. SIE GAB MIR DEN NAMEN WYRDA SÉ ORN ZÁ ROC, WAS SO VIEL BEDEUTET, WIE „KUMMER WIRD EUER SCHICKSAL SEIN“, DAMIT ICH NIE VERGASS WAS EINST GESCHAH.

Große Traurigkeit war in seiner Stimme zu hören. EUER ANFÜHRER RAMGAD ABER HAT ALLES NOCH SCHLIMMER GEMACHT. VIELE EURER UND UNSERER KRIEGER MUSSTEN WEGEN IHM IHR LEBEN LASSEN. Er schwieg eine Weile. DANN TRAF ICH AUF CLARK. ICH MERKTE, DASS IN EUCH MENSCHEN IMMER NOCH EINE SPUR DES GUTEN EXISTIERT. GLÜCKLICHER WEISE FREUNDETE SICH AUCH NAIDRA MIT EINEM DER UNSRIGEN AN.

DAS FOLTERN MUSS AUFHÖREN! SEID IHR GLÜCKLICH MIT DER JETZIGEN SITUATION? WOLLT IHR NICHT AUCH LIEBER SEITE AN SEITE MIT UNS KÄMPFEN, ALS GEGENEINANDER? MACHT ES SINN UNS ZU BEKRIEGEN? NUR WEGEN EINES EINZELNEN MENSCHEN? Er blickte Ramgad scharf an.

SEID IHR DABEI UND VERSUCHT WIEDER FREUNDSCHAFT STATT FEINDSCHAFT ZWISCHEN UNS AUFZUBAUEN? Er guckte in die Runde.

Einzelne zustimmende Rufe erklangen. Dann trat Bogur nach vorne und kniete sich vor die Drachen „Ich, so wahr ich hier stehe, bin bereit, es zu versuchen und die Freundschaft zwischen den Völkern wieder aufzubauen. Ich vertraue auf Clark. Er hat einen Drachen als Freund.“ Wyrdro nickte. Bogur trat zurück und sah in die Runde. Immer mehr Menschen traten vor und verkündeten, dass sie dabei waren. Letztlich war es die Mehrheit.

DANN FANGEN WIR AN. Sie landeten zwischen den Menschen. Naidra und Clark sprangen ab. Zufrieden sahen sie, wie die Menschen zum Talhang gingen und auf die Drachen zugingen. Sie fassten sich an die Hände und wussten, dass es einige Jahre dauern würde, die Vorurteile wegzuschaffen, doch unmöglich würde es nicht sein.

 

Dies alles war jetzt fünf Jahre her und das Volk freundete sich langsam mit den Drachen an. Ramgad war bei dem Versuch einen Anschlag auf die Drachen zu machen, umgebracht worden, und Bogur hatte seinen Platz als Anführer eingenommen. Vieles unter seiner Herrschaft wurde besser. Wyrdro und Clark, Tamir und Naidra setzten sich sehr für das Zusammenleben der beiden Völker ein, und sie blickten mit Zuversicht in die Zukunft. Irgendwann würde alles wieder so sein, wie vor tausenden von Jahren.