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Ellas Geheimnis

von Bianca, 19 Jahre

Ich saß an meinem Lieblingsort am Kanal und schaute auf das Wasser. Es war ein trüber kalter Morgen, der Himmel war voller Wolken. Ich dachte darüber nach, was ich machen sollte.

Ich hatte eine Entscheidung zu treffen, die von gewichtiger Bedeutung für  mein Leben war. Ich war immer noch unentschlossen, sollte ich oder sollte ich nicht? Gerade in dem Moment brach die Wolkenbank auf und die Sonne kam raus. Das Wasser fing an zu glitzern und schimmerte in allen Regenbogenfarben. Ich lächelte. Sollte dies etwa ein Wink des Schicksals sein, und wenn ja, was für ein Wink war das?

Natürlich könnte ich das Kind behalten. Ich dachte, dass es ein Stück von mir wäre, ich würde es immer ohne Ende lieben und ich hätte immer jemanden an meiner Seite, der mich liebt und den ich vorbehaltlos lieben könnte. Also ja oder nein war die Frage. Genau in dem Moment schoben sich die Wolken wieder vor die Sonne, und ich fragte mich, was ich machen sollte, wenn das Kind da wäre. Ich könnte ihm oder ihr keine allzu schöne Zukunft in Aussicht stellen. Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung und gehe noch zur Schule. Ich bin gerade mal siebzehn Jahre alt. Ich fragte mich, würde ich es in meinem Alter überhaupt schaffen ein Kind zu umsorgen, zu hegen und zu pflegen? Ich war verwirrt! Ich schaute auf die Uhr und schrak auf. Ich hatte gar nicht gemerkt, wie spät es geworden war. Jetzt musste ich mich aber beeilen um noch rechtzeitig zuhause zu sein. Ich hatte noch viel zu erledigen bis mein Vater heim kam. Zuhause angekommen machte ich mich schnell daran, alle Räume im Haus aufzuräumen und zu putzen. Ich wusste, wäre das nicht gut und gründlich erledigt, bis mein Vater kam, wäre er sehr enttäuscht von mir, wusste ich doch, wie sehr er sich auf mich verlässt. Nachdem ich dann alles aufgeräumt und sauber gemacht hatte ging ich in die Küche und begann, das Essen vorzubereiten. Ich fing gerade mit den Vorbereitungen an, als es an der Tür klingelte. Das musste meine Schwester sein, die von ihrer Freundin, bei der sie geschlafen hatte, nachhause kam. Ich hatte recht, kaum hatte ich die Tür aufgemacht, stürmte sie rein und fing gleich zu erzählen an, was sie alles gemacht hatten. Ich schaltete auf Durchzug.  Ich ging wieder in die Küche und machte weiter mit meinem Essen. Meine Schwester kam mir hinterher und plapperte weiter munter drauf los. Ich hörte ihr immer noch nicht wirklich zu, streute nur hier und da ein hmm.. und ein super ein, um Interesse vorzugaukeln. Sie merkte nicht, dass ich ihr nicht zuhörte. Ich dachte immer noch daran, was ich mit dem Kind in meinem Bauch machen sollte. Als ich meine Schwester so anschaute, erinnerte ich mich an die Zeit, als sie gerade geboren war. Ich war neun und sie war total süß. Man merkte auch meinen Eltern an, wie sehr sie es genossen hatten, noch ein Kind zu haben. Sie schienen so glücklich und lachten auch wieder miteinander. Ich hatte das Gefühl damals, dass meine Eltern sich ziemlich oft gestritten hatten. Aber kurz nach der Geburt war alles perfekt. Leider hielt das Glück nicht lange an. Meine Mutter lernte wohl ziemlich schnell einen neuen, jüngeren Mann kennen, soweit ich weiß. Ich vermute, dass er sich nicht viel aus uns Kindern gemacht hat, sonst hätte meine Mutter uns wohl mitgenommen. Meine Schwester war damals gerade ein Jahr alt und ich zehn, da war meine Mutter einfach nicht mehr da und ich konnte nichts mehr machen. Es ist schon traurig, ich meine wie kann eine Mutter ihre eigenen Kinder im stich lassen? Sie dachte in diesem Moment beim Essen-Kochen drüber nach.

Ich bekomme das Kind, war mein Gedanke. Ich wollte mein Kind nicht schon im Mutterleib im Stich lassen. Ich wollte alles anders machen als meine Mutter. Nur darf es keiner erfahren. Besonders mein Vater nicht. Ich wollte ihn nicht enttäuschen. Ich beauftragte meine Schwester damit, den Tisch zu decken, denn das Essen war fast fertig und mein Vater würde auch gleich nachhause kommen. Kurz darauf, das Essen war gerade fertig, hörte ich auch schon den Schlüssel in der Haustür. Das Zeichen dafür, dass mein Vater daheim war. Ich durfte mir nichts von meiner Schwangerschaft anmerken lassen, es war in den vergangen Tagen seit dem ich es wusste, schon schwierig geworden. Da meine Entscheidung für das Kind jetzt aber endgültig gefallen war, war es für mich noch schwieriger dies vor ihm geheim zu halten.

Ein Lächeln auf die Lippen gezaubert und schon ging die Show los. Wie immer kam mein Vater an den Esstisch, setzte sich, presste ein mürrisches Hallo heraus und fing auch gleich an zu essen. So kannte ich meinen Vater, seit meine Mutter weggegangen war.

Schnell setzten meine Schwester und ich uns zu meinem Vater an den Tisch, er hasste nichts mehr, als wenn er sitzt und isst und wir daneben stehen. Ich hatte keinen wirklichen Hunger und stocherte nur in meinem Essen herum. Mein Vater schien das, oh Wunder, zu bemerken und fragte mich: ,,Ist irgendwas nicht in Ordnung oder warum isst du nicht ordentlich?‘‘

,,Nein, nein alles in Ordnung‘‘, erwiderte ich hastig und nahm eine Gabel voll in den Mund. Ich fragte mich, ob er irgendwas sonst noch bemerkt hatte außer meiner Appetitlosigkeit. Ich hoffte nicht. Ich bemühte mich so normal zu essen wie sonst auch. Mein Magen krampfte sich bei dem Gedanken an die Reaktion meines Vaters bei der Enthüllung meines Geheimnisses zusammen, so war an essen kaum zu denken.

Ich hatte regelrecht Angst. ,,Bloß nichts anmerken lassen, bloß nichts anmerken lassen‘‘, war mein einziger Gedanke. Ich glaube, ich hatte es ganz gut hinbekommen, denn mein Vater sagte nichts mehr zu mir. Nachdem wir alle aufgegessen hatten, räumte ich alles weg und ging hinauf in mein Zimmer. Ich legte mich auf mein Bett und dachte an John, den Vater des Kindes. Wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Wir gingen auf die gleiche Schule und irgendwann sprach er mich an. Er meinte zu mir, ich erinnere mich noch genau: ,,Ich hab dich bei dem Auftritt vom Chor gesehen, du kannst echt gut singen. Wollen wir mal zusammen was unternehmen?‘‘ Ich war ein wenig geschockt, es war das erste Mal, dass mich ein Junge fragte, ob ich etwas mit ihm unternehmen wolle. Ich hätte nicht damit gerechnet. Ich war mir unsicher und antwortete nicht, sondern ging schnell weg. Das war unsere erste richtige Begegnung. Es folgten noch einige solcher Begegnungen, und irgendwann taute ich auf. Wir waren erst nur Freunde, mehr wollte ich nicht. Ich verdrängte die Gedanken an John schnell wieder, tat es doch noch zu sehr weh, an ihn zu denken. Lieber nahm ich mein Liederbuch und lernte ein wenig unseren neuen Song auswendig, bis ich schlafen ging. Das Singen, war das einzige, was mich zu der Zeit glücklich machte. So konnte ich alle meine Emotionen herauslassen. Nach einiger Zeit legte ich mich in mein Bett und wollte schlafen, nur war daran leider nicht zu denken. Die Gedanken an das letzte richtige Treffen und deren Folgen überkamen mich. John und ich trafen uns wie fast immer im Park, der in der Nähe vom Kanal lag. Es war außerdem das erste Mal, wo ich ihn mit zu mir nachhause bat, da ich wusste, dass mein Vater an dem Tag später kommen würde und meine Schwester bei einer Freundin war. Wir gingen in mein Zimmer, schauten fern und schmusten dabei miteinander. Ich merkte, dass John anfing mich ein wenig zu streicheln. Mir gefiel das eigentlich schon, ich fragte mich nur, wie ich darauf reagieren sollte. Ich wollte nicht als zu leicht zu haben rüberkommen, aber auch nicht als zu kalt. Ich machte erst mal nichts, tat so, als würde ich es nicht bemerken. Mir liefen heißkalte Schauer über den Rücken. Irgendwann fing auch ich an, ihn zu streicheln, erst nur über seine Hand, dann auch mal seinen Rücken oder seinen Bauch. Ich glaube, er hat damit nicht gerechnet. Es wurde irgendwie immer intimer zwischen uns, ich war noch immer sehr schüchtern, aber mir gefiel es. Es kamen immer mehr intimere Berührungen hinzu und irgendwann waren wir dann an dem Punkt angekommen, wo wir die Entscheidung treffen mussten, ob wir miteinander schlafen wollten oder nicht. Er fragte mich, ob es für mich okay sei, er würde gerne mit mir schlafen. Ich war geschmeichelt, aber es war auch ein wenig peinlich für mich. Ich hatte noch mit keinem Jungen geschlafen, aber mit John wollte ich eigentlich schon gerne. Er war so einfühlsam und ich wusste, würde ich jetzt nein sagen, würde er das akzeptieren, und wir würden weiterhin nur miteinander kuscheln. Ich vertraute ihm und wollte es auch, ich sagte es ihm. Er fing an zu strahlen. Es war wunderschön zwischen uns. Ich war erst ein wenig ängstlich, aber er nahm mir diese Angst schnell, denn er war sehr zärtlich und einfühlsam. Es tat auch gar nicht so weh, wie ich befürchtet hatte. Danach wollte ich mich noch näher an ihn ran kuscheln, ich war total glücklich und entspannt. Ich war froh, dass ich ihm so vertraut hatte, es war als läuteten in meinem Inneren Glocken und mir fiel das Lied you are my sunshine ein, was ich singen musste, aber nur innerlich, ich wollte die Zweisamkeit zwischen uns nicht unterbrechen. Da stand er plötzlich auf, zog sich an und meinte nur kurz zu mir: ,,Sorry, aber ich muss gehen. Hat nichts mit dir zu tun.‘‘

Welches Mädchen glaubt einem Jungen das schon. Ich glaubte damals, dass er mich nur ausgenutzt hatte. Ich war verletzt. Ich war erst ziemlich perplex und lag starr da. Erst nach einer Weile kamen die Tränen. Sie wollten gar nicht mehr aufhören. Es war das erste Mal, dass ich mich in den Schlaf geweint hatte. Was ich damals noch nicht wusste, war, dass wir ein Kind gezeugt hatten.

 

Der Morgen, nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte

war wie immer hektisch, ich musste darauf achten, dass meine Schwester alles dabei hatte und rechtzeitig den Bus bekam, nebenbei musste ich meine eigenen Sachen packen, mich fertig machen und auch meinen Bus rechtzeitig bekommen. Heute lief alles einigermaßen glatt, und ich war so früh in der Schule, dass ich Zeit hatte um mich in eine ruhige Ecke zu setzen und ein wenig zu entspannen. Kaum saß ich und wollte meinen mp3player anmachen, da sah ich John in den Raum kommen. Wie immer, wenn ich ihn sah, schmerze es in meinem Inneren. Ich steckte mir die Stöpsel schnell in meine Ohren. Ich konzentrierte mich auf die Musik, die meinen Kopf erfüllte. Als eine Hand mich an der Schulter berührte, schaute ich auf.  Es war John. Als ich ihn so anschaute, schnürte sich meine Brust zusammen. Hatte er herausgefunden, dass ich schwanger war? Es war das erste Mal, seit wir miteinander geschlafen hatten, dass er auf mich zukam, um mit mir zu reden.

,,Hey Ella, wie geht’s so?‘‘,  fragte John. Ich war skeptisch und vorsichtig und fragte mich, was er von mir wollte. Ich antwortete langsam: ,,Gut und dir?‘‘

,,Auch gut, weißt du, ich wollte mich bei dir entschuldigen‘‘, tastete John sich vor. Ich stellte mich dumm und fragte: ,,Entschuldigen? Wofür?‘‘ Es war ihm sichtlich peinlich, das auszusprechen, aber er traute sich und sagte: ,,Naja, dafür, dass ich damals einfach abgehauen bin.‘‘

,,Weißt du eigentlich, wie sehr du mir damit weh getan hast? Du warst die einzige Person, der ich vertrauen konnte. Kannst du das überhaupt nachvollziehen?‘‘ Bei diesen Worten traten mir Tränen in die Augen. Ich dachte an das Kind, das in meinem Bauch wuchs, und daran das John davon bisher nichts wusste. Er wollte mich in den Arm nehmen, aber ich lehnte das ab. John erwiderte:  ,,Ich weiß, das war nicht gut von mir. Ich würde aber trotzdem immer noch gerne mit dir zusammen sein ‘‘ Sollte ich ihm das glauben oder nicht. Ich wollte gerne, aber ich glaubte nicht, dass ich jemals würde vergessen können, wie er mich verlassen hat und die Angst wäre immer da wieder von ihm verlassen zu werden.

Ich hatte echt große Zweifel. Sollte ich es versuchen und ihm diese Chance geben? Zusätzlich kam jetzt auch noch die Entscheidung hinzu, ob ich ihm von dem Kind erzählte. Ich schaute ihn an. Ich wollte John auf die Probe stellen und ihm von dem Kind erzählen. Ich wollte wissen, wie er darauf reagieren würde, und ob er zu dem Kind stehen würde. ,,Bevor ich wieder mit dir zusammen komme, muss ich dir er etwas sagen‘‘, tastete ich mich vor.

Er unterbrach mich: ,,Egal, was es ist, auch wenn du einen anderen Kerl hast, ich regle das für dich, und dann bist du ihn los. Dann sind da nur noch wir beide, dann hab ich dich für mich ganz allein,  das ist es was ich will.‘‘

Ich stand auf, schaute ihn an und sagte ganz ruhig zu ihm: ,,Nein, ich will nicht wieder mit dir zusammen kommen.‘‘

Ich drehte mich um und war gerade ein paar Schritte gegangen, da fragte er mich noch, was ich ihm denn sagen wollte. Ich schaute nochmal zurück und sagte ihm ganz cool: ,,Hat sich erledigt.‘‘

In mir krampfte sich alles zusammen. Da hatte ich nun den Mut aufgebracht und wollte ihm sagen, dass ich schwanger bin, da kam er damit, dass ich schon einen anderen Kerl haben könnte. Und dass er mich für sich ganz allein haben wolle. Tja, das ging dann wohl nicht. Mich gab es nur noch im Doppelpack.

 

Im Laufe der Zeit wurde es immer schwieriger für mich meine Schwangerschaft zu verbergen. Nicht nur, dass ich meinen Kleidungsstil total verändern musste, um meinen stetig wachsenden Bauch zu verbergen, sondern auch, weil ich es langsam mal meinem Vater erzählen musste. Schließlich wäre das Kind ja auch irgendwann da. Ich schob es aber immer wieder hinaus. Mit jedem Tag, der verging, wuchs meine Angst entdeckt zu werden. Nicht nur von meinem Vater, sondern auch von John und allen anderen.  Immer, wenn ich es mir vornahm, konnte ich es meinem Vater aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht erzählen.

Das war aber nicht meine schlimmste Situation die ich in der Zeit erlebt habe. Die schlimmste Situation war, als zwei Freundinnen auf mich zu kamen und mich fragten, ob ich mit auf Piste kommen wolle. Ich wollte eigentlich schon gerne, nur wenn ich mitgekommen wäre; wäre es noch tausendmal schwerer für mich gewesen die Schwangerschaft zu verbergen. Ich könnte nichts trinken und mit niemandem eng tanzen, keine sexy Klamotten anziehen. Ich lehnte also ab und schob einen Familienabend  mit meinem Vater vor. Meine beiden Freundinnen schauten mich erst total perplex an, und als sie dann registrierten, dass ich es tatsächlich ernst meinte, fingen sie lauthals an zu lachen. Das lockte natürlich die Anderen aus meiner Klasse zu uns. Ich fühlte mich immer mehr in die Enge getrieben. Nachdem die beiden ihren Lachanfall überwunden hatten, fragten sie, ob ich den Familienabend nicht sausen lassen könne. Als ich dies verneinte, meinten sie zu mir, dass ich zu einer echten Spießerin und Langweilerin geworden wäre, seitdem ich nicht mehr mit John zusammen wäre. Und wie ich aussehen würde, total die Hippiebraut wäre ich geworden mit meinen bunten, weiten, flatternden Klamotten.

Es war verletzend, aber ich konnte ihnen den wahren Grund, weshalb ich nicht mitkommen konnte, nicht verraten. Als ich abends nachhause kam, ging ich schnell in mein Zimmer und fing an zu weinen, es war zu viel für mich. Nach diesem Ereignis, merkte ich wie meine Freunde sich immer mehr von mir distanzierten, sie fragten mich immer seltener etwas ob ich etwas mit ihnen unternehmen wollte, bis sie es schließlich ganz aufgaben.

 

Im Laufe der Monate versuchte ich jede Begegnung mit John zu vermeiden. Jedes Mal, wenn ich John sah, ging ich, wenn möglich, schnell in eine andere Richtung, und wenn das nicht ging, senkte ich meinen Blick und ging schnell an ihm vorbei. Einmal versuchte John, wieder auf mich zuzukommen und mit mir zu sprechen, aber ich blockte ab.

 

Selbst das Singen im Chor musste ich aufgeben. Was ich schade fand.

 

 

Es war Sommer geworden und das Sommerfest stand an. Jedes Jahr fand in der Nähe meines Lieblingsortes am Kanal das Sommerfest statt.

Sogar mein Vater hatte zugesagt zu diesem Fest zu kommen, nachdem meine Schwester ihn zigmal gefragt und gebettelt hatte. So konnte ich mich leider nicht drücken und musste mit hin.

 

Es wurde nicht leicht für mich.

Als ich dort sein war, war ich die meiste Zeit alleine. Denn meine Schwester und mein Vater schauten sich alles an, meine Schwester kannte das noch nicht alles auswendig so wie ich.

Meine Klassenkameraden saßen alle zusammen in einer Ecke. Sie fragten mich mittlerweile noch nicht einmal mehr, ob ich bei ihnen sein wolle, da ich in den letzten Monaten alles abgeblockt hatte, was sie mir vorschlugen zu unternehmen. Ich wusste, dass sie sogar hinter meinem Rücken über mich redeten. Ich fühlte mich einsam. Da saß ich nun allein auf meiner Decke, hörte Musik und schaute dem allgemeinen Treiben zu. Als ich so meinen Blick schweifen ließ, bemerkte ich, dass John zu mir herüberschaute. Zu mir kam er aber nicht, ich glaubte, die anderen Jungs hatten es bemerkt und lachten ihn aus, weshalb er nicht mehr zu mir schaute.

Ich war angespannt, ob nicht doch jemand in dieser großen Menschenmenge meinen Bauch bemerken würde, aber es sprach mich keiner darauf an. Ich hatte mich, soweit es ging, entspannt und lag in der Sonne und hörte Musik, da spürte ich wie ein Schatten auf mein Gesicht fiel. Schon wurde ich an Armen und Beinen gepackt. Ich strampelte und zerrte mit meinen Armen und Beinen, doch ich konnte mich nicht befreien

Sie schwangen mich hin und her und schmissen mich in einem hohen Bogen in das Wasser. Im Wasser, stieß ich mich vom Boden ab und schwamm mit kräftigen Zügen an die Oberfläche. Ich war total wütend. Am Ufer standen viele Menschen  die mitbekommen hatten, dass ich ins Wasser geworfen wurde und lachten mich aus. Ich schwamm an die Nähe des Ufers wo ich stehen konnte, ging weiter aus dem Wasser heraus und wollte die Übeltäter gerade richtig fertig machen, da wurde es plötzlich mucks Mäuschen still um mich herum. In dem Moment registrierte ich, dass meine klatschnasse Kleidung an meinem Körper klebte und dass man jetzt meinen Bauch sehen musste der mittlerweile schon so groß wie eine Wassermelone war. Es war mir echt peinlich. Ich schlug meine Arme um meinen Körper und sah zu, dass ich aus dem Wasser kam und weit weg von allen. Ich wollte nur noch für mich sein.  Weit kam ich allerdings nicht, denn mein Vater stand schon am Ufer. Als ich ihn sah, krampfte sich alles in meinem Inneren zusammen. Ich hatte Angst vor seiner Reaktion. Mein Vater wollte wissen warum ich ihm nichts erzählt habe. Ich fing an zu weinen und sagte ihm, von Schluchzern unterbrochen,  dass ich ihn nicht enttäuschen wollte. Ich wisse doch, dass es ihm schlecht ginge, seit meine Mutter nicht mehr da wäre. Er nahm mich in seine Arme und sagte zu mir, dass das schon stimme, aber ich wäre immer noch da, sein ein und alles und somit auch tausend Mal wichtiger, er hätte mir doch helfen können. Er sei doch kein schlechter Mensch. ,,Wer ist denn der Vater?‘‘, fragte er mich. Ich wurde rot und beichtete ihm, dass ich es ich ihm nicht sagen könne, da der Vater es selbst noch nicht wisse. In dem Moment kam John auf mich zugestürmt. Es hatte sich wohl mittlerweile auch zu ihm durchgesprochen. Mein Vater schaute mich wissend an und sagte zu mir: ,, Ich glaube der Vater weiß es jetzt auch.‘‘

Als John mich erreicht hatte, schnauzte er mich zuerst an, warum ich es ihm nicht gesagt hätte, er wollte doch die ganze Zeit wieder mit mir zusammen sein, und das Kind wäre doch kein Hindernis gewesen, dann nahm er mich in den Arm und küsste mich. Die ganze Menge jubelte, aber John und ich bekamen davon nicht mehr allzu viel mit.