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Es begann wie eine ganz normale Busfahrt…

Sofia Seddiq-Zai, 15 Jahre

Ich kann nicht glauben, dass du mich dazu gekriegt hast, mitzukommen“, grummelte Mila und verschränkte die Arme vor der Brust. Es war neun Uhr morgends und es war kalt. Aber so richtig kalt.

Ernsthaft, welcher normale Mensch ist um diese Zeit überhaupt wach? Und das auch noch in den Ferien!“, redete sie sich in Rage. Luna verdrehte die Augen über ihre Freundin und starrte weiterhin stur auf ihr Handy.

Du hast gefragt, ob du mitkommen darfst, weil du unbedingt mit mir zusammen einkaufen gehen wolltest, und jetzt ist die beste Zeit, weil es weniger voll ist. Deine Worte“, sagte Luna. Mila seufzte kurz auf, beließ es aber dabei.

Die zwei Mädchen standen an der Bushaltestelle vor Milas Haus und warteten zusammen auf den Bus. Sie waren eingewickelt in ihren Jacken und trugen mehrere Schichten Hosen, dennoch war den beiden kalt, vor allem Mila, die Kälte nie besonders gut ab konnte. Um die beiden herum standen für diese Uhrzeit überraschend viele Menschen. Eine Frau mit Kopftuch, die einen Kinderwagen vor sich her schob, ein etwas ältere Mann mit Gehstock und eine Frau, vielleicht Anfang zwanzig, die etwas unsicher ihren Laptop und ihren Kaffeebecher balancierte.

Wann kommt dieser verdammte Bus endlich? Sollte er nicht schon vor zwei Minuten kommen?“, beschwerte Mila sich lautstark, ohne sich darum zu kümmern, dass man sie anstarrte.

Sag das noch mal, ich glaube China hat dich noch nicht gehört…“, entgegnete Luna trocken, während Mila genervt die Augen verdrehte.

Du weißt genauso gut, wie ich, dass ich vor elf Uhr am Morgen nicht wirklich ansprechbar bin, da brauchst du mir nicht so zu kommen, Luna“, sagte sie und starrte sehnsüchtig zum Haus. Aber bevor Luna etwas erwidern konnte, sah Mila den Bus.

Das wurde auch mal Zeit, ich dachte schon, wir müssten hier für weitere zwanzig Minuten stehen…“, sagte Mila als sie zusammen mit Luna den Bus betrat und sie sich genau an die Tür setzten.

 

Auch Natalies Tag hatte nicht wirklich gut angefangen. Erst hatte sie verschlafen, dann hatte ihre Freundin Amanda ihr für heute abgesagt und jetzt musste sie auch noch mit dem Bus fahren, weil ihr Freund Finn keine Lust hatte, sie zu fahren. Ihr Kater half ihr auch nicht wirklich und zum krönenden Abschluss grölte dieses Mädchen vor ihr auch noch und hörte gar nicht auf, sich zu beschweren!

Verzweifelt versuchte sie, ihre Laptoptasche unter ihren Arm zu klemmen, um einen Schluck von ihrem in einen Kaffeebecher ‚versteckten‘ Kakao zu nehmen. Sie versuchte dabei professionell auszusehen, was aber sehr schwer war bei ihrer Ungeschicklichkeit. Zudem war Natalie auch noch kalt, aber wirklich kalt, denn anders als die Mädchen vor ihr, hatte sie nur einen Rock, ein dünnes Tanktop und eine Jacke an, die ihre Hüfte nicht erreichte. Sie war so angezogen, weil sie einen Termin mit ihrem baldigen Arbeitgeber hatte, ja okay es war kein wirklicher Job, sondern nur ein Praktikum für das Studium, dennoch wollte sie einen gepflegten Eindruck hinterlassen, hätte sie bloß den Hosenanzug gekauft, dachte Natalie bitter, dämliches hübsches Top!

Erleichtert, endlich im Warmen zu sein, setzte Natalie sich in den Bus ganz noch Vorne, sie hätte zwar gerne dem älteren Herren den Platz überlassen, der an ihr vorbei ging, aber ihre Beine brannten von der Kälte so sehr, dass daran gar nicht zu denken war.

 

Walter Hermann hingegen könnte es gar nicht besser gehen, denn heute würde er zu seinem Sohn fahren und dort würde er mit der ganzen Familie (auch seine Töchter würden da sein) den Tag verbringen. Leider konnte er nicht mehr Auto fahren, jedenfalls nicht für sehr lange, deshalb hatte er beschlossen, mit Bus und Bahn zu fahren. Er war wie immer bester Laune und summte leise vor sich hin, auch die zwei jungen Mädchen, die sich lautstark unterhielten (jedenfalls eine von ihnen) konnten ihn in seiner Laune nicht trüben… Zufrieden stieg er in den Bus und kaufte sich ein Ticket. Eigentlich hatte er vor gehabt, die junge Frau, die vorne saß, zu fragen, ob er nicht auf ihrem Platz sitzen könne, entschied sich jedoch dagegen, weil das arme Ding so sehr zitterte, dass ihr jede Bewegung schwerer gefallen wäre als ihm. Und das sollte schon was heißen…

Stattdessen setzte er sich auf den Platz hinter ihr und beobachtete die Menschen um sich herum. Das tat er gerne, denn anders als die Jugend heutzutage besaß er kein Handy mit dem er Musik hören konnte. Diesem ganzen neumodischen Kram traute er nicht über den Weg.

Der Bus war überraschend voll für die Tageszeit und nur wenige Plätze waren noch nicht besetzt, wie Walter feststellte.

Er ließ seinen Blick weiter gleiten und erkannte die jungen Mädchen von der Bushaltestelle, beide nicht älter als 17. Eine von ihnen, die Laute, hatte langes welliges braunes Haar und große hellbraune Augen, während die andere hellgrüne Augen und kürzeres platinblondes Haar hatte, das sie in einem hohen Pferdeschwanz trug. Die beiden unterhielten sich, deutlich leiser als vorhin, aber dennoch für den Rest des Busses hörbar, darüber, ob Luna zum Friseur gehen und sich Strähnchen färben sollte.

Ich hab doch gesagt, ich will meine Haare nicht färben. Ich mag sie so, wie sie sind“, beharrte Luna und strich sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht.

Ach, komm schon! Ich sage nur, dass dir ein bisschen Farbe gut stehen würde, blau, rosa oder so was. Das würde klasse an dir aussehen, Lu! Wenn du willst, komm ich mit und färbe sie auch… Hey, wir könnten doch beide unsere Haare dunkelblau färben, dann würden wir im Partnerlook rumlaufen“, plapperte Mila aufgeregt und sah es schon vor sich. Ihre Freundin verdrehte bloß die Augen und ging nicht weiter darauf ein. Nach einigen Anläufen gab auch Mila das Gespräch auf und holte stattdessen ihr Handy mitsamt Kopfhörer raus.

Willst du mithören?“, fragte sie. Luna nickte und nahm den Kopfhörer entgegen.

Hmm… Wie wär’s mit Teen idle?“ Mila wartete nicht einmal auf die Antwort und ließ es schon spielen. Luna grinste, weil sie genau gewusst hatte, dass ihre Freundin sich für dieses Lied entscheiden würde. Sie kannte Mila so gut, aber immerhin waren die beiden auch, seit sie fünf Jahre alt waren, befreundet.

Stumm lauschten sie der Musik, als der Bus anhielt, aus dem Augenwinkel sah Luna, wie drei ganz in schwarz gekleidete Personen den Bus betraten. Sie hatten ihre Kapuzen über das Gesicht gezogen, aber das wunderte Luna nicht besonders. Immerhin waren es gefühlte minus 23°C. Sie hoffte bloß, dass der Busfahrer die verdammten Türen endlich schloss, was er dann – Gott sei Dank – auch tat.

Die Fremden redeten mit dem Busfahrer, wahrscheinlich, um ein Ticket zu kaufen und gerade, als Luna sich abwenden wollte, zog einer der drei Personen eine Pistole aus der Tasche.

Luna schreckte zurück und Mila, die zuvor gedankenverloren aus dem Fenster gesehen hatte, drehte sich zu ihr um.

Was-…“, doch bevor Mila die Frage zu Ende stellen konnte, hoben die Personen in Schwarz schon ihre Waffen. Es gab keine Fluchtmöglichkeiten, die Türen waren geschlossen und eine Pistole war auf den Busfahrer gerichtet.

Fahr weiter“, knurrte eine tiefe männliche Stimme.

Was zur Hölle?!“, rief Mila und starrte gebannt auf die drei Personen, die anscheinend versuchten, den Bus zu entführen.

Keiner bewegt sich oder ihr seid schneller tot, als ihr schreien könnt!“ sagte diesmal eine weibliche Stimme.

Beweg dich, Püppchen“, schrie nun der Dritte im Bunde, er nahm seine Kapuze ab, entblößte seinen kahl geschorenen Kopf und hielt Natalie die Waffe an die Schläfe. Natalie sprang sofort auf, mit der Laptoptasche in einer und dem Kakao in der anderen Hand. Sie stolperte, so schnell sie konnte, nach hinten und dabei öffnete sich ihre Hochsteckfrisur, und ihr hellbraunes Haar fiel ihr ins Gesicht wie ein Vorhang. Doch sie war zu geschockt, um überhaupt darauf zu achten. Der Mann hielt gerade eine Knarre gegen ihre Schläfe und das war das Einzige, worauf sie sich in diesem Moment konzentrieren konnte. Natalie blieb erst stehen, als sie ganz hinten war, sie schaute sich um, jeder sah sie an, außer die beiden Mädchen in der Mitte, die wie in Trance nach vorne starrten.

Was ist los?“, wisperte Luna. Statt zu antworten, nahm Mila Lunas Hand und drückt sie, so fest sie konnte. Mila war selbst zu geschockt, um zu erfassen, was gerade passierte, deshalb starrte sie einfach stur nach vorne, wo jetzt auch die weibliche Person ihre Kapuze runter zog. Sie hatte langes, gelocktes, tiefrotes Haar und ihre Augen waren von dem eisigsten Blau, das Mila je gesehen hatte. Sie schätzte sie auf circa 30.

Also, ihr Süßen, wir erklären euch mal, wie es läuft: Jetzt haben wir das Sagen! Ihr tut, was wir befehlen, und wir krümmen euch kein Haar, wenn ihr Glück habt“, sagte sie mit einer hohen Stimme, die in den Ohren weh tat.

Dieser Bus gehört uns, bis wir unser Lösegeld bekommen! Und wenn nicht, dann… Secco, ja was passiert dann?“, fing die Rothaarige an. Sie starrte nun zu dem Kerl, der dem Busfahrer seine Waffe an die Stirn hielt. Secco grinste böse und zeigt dabei, eine Reihe von gelben, schiefen Zähnen.

Dann sprengen wir den Bus in die Luft, also würde ich an eurer Stelle brav bleiben“, sagte er. Wo vorher Panik herrschte, war jetzt Ohren betäubende Stille. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören.

Ihr tut also, was wir euch sagen, klar soweit? Zuerst wollen wir, dass ihr euch alle nach hinten begebt, sodass wir nicht die ganze Zeit hin und her starren müssen“, meldete sich nun der Glatzköpfige zu Wort. Keiner bewegte sich.

SEID IHR TAUB, ODER WAS?!“, schrie Secco nun und richtete seine Waffe auf Walter, dessen Augen sich geschockt geweitet hatten. Jetzt brach Panik aus. Alle Insassen scharten sich und versuchten panisch, so schnell wie möglich nach hinten zu kommen, alle außer Walter, der immer noch vor Schreck gelähmt auf seinem Platz saß.

AUCH DU, ALTER MANN!“, rief Secco und lief rot an. Zittrig versuchte Walter auf die Füße zu kommen, aber seine Beine wollten einfach nicht.

SCHNELLER“, kreischte er jetzt wieder.

Er kann nicht!“, kam es von weiter hinten. Die drei Entführer drehten sich zu Mila um, die überrascht von ihrer eigenen Courage, vor allen anderen Businsassen stand.

Dann komm und hilf ihm, Miststück“, sagte die Rothaarige, die ganz klar der Kopf der ganzen Sache war.

Mila schluckte schwer, bewegte sich, aber trotzdem langsam nach vorne bis sie bei Walter war.

Kommen Sie, stützen Sie sich auf meiner Schulter, ja genau so“, flüsterte sie und war überrascht, wie fest ihre Stimme klang. Dankbar stützte Walter sich auf sie und ließ sich fort schleppen.

Mach ja kein krummes Ding, Kleines oder wir erschießen jemanden und du darfst aussuchen, wer es ist“, flüsterte die Rothaarige ihr von hinten ins Ohr. Eine Gänsehaut breitete sich auf Milas Körper aus, und sie fing an leicht zu zittern. Die Rothaarige schnaubte verächtlich.

Zusammen stolperten Mila und Walter nach hinten, wo Luna auch gleich ihre Freundin am Arm packte.

Was sollte das? Mach das ja nicht noch mal!“, flüsterte sie wütend.

Doch bevor Mila antworten konnte, brach Luna vor ihren Augen in Tränen aus. Die beiden drückten sich fest und Mila versucht ihr Bestes, um sie zu trösten.

Alles wird gut, Sie werden das Lösegeld verlangen, es bekommen und uns dann in Ruhe lassen, dann ist das vorbei“, sagte Mila eindringlich. Sie drückte Luna fester an sich und zusammen schaukelten sie hin und her, um sich herum hörten sie Weinen und Schreie, wieder andere starrten einfach nur starr nach vorne.

RUHE JETZT!“, kam es wieder von vorne und sofort waren alle still.

Zuerst müssen wir die Stadt von dieser, wie sollen wir es nennen, Ausleihe in Kenntnis setzen, nicht wahr? Also du“, sie deutete auf den Busfahrer „informierst erstmal deine Arbeitsstelle, verstanden?“

Der Busfahrer nickte, nahm sein Funkgerät und schaltete es ein.

Allo- Allo, ier is… äh… Carlos”, versuchte er, aber es war klar, dass sein Deutsch zu schlecht war, als dass man ihn verstehen konnte.

Muss man denn immer alles alleine machen?“, ärgerte sich die Rothaarige und griff zum Funkgerät.

Dieser Bus ist jetzt in meiner Gewalt, genau wie alle Insassen, wenn Sie also nicht genau das tun, was ich Ihnen jetzt sage, dann könnte es sein, dass kein hier Anwesender lebend aus dem Bus kommt, klar soweit?“, fing sie an, drehte sich zu den Geiseln um, und grinste heimtückisch.

Aber wir geben Ihnen Zeit bis- sagen wir- heute Mittag um zwölf, um uns unser Geld zu geben. Ach- das Lösegeld sollte ungefähr eine Million Euro betragen, wir reden hier immerhin von ungefähr zwanzig Menschenleben, oh und wir brauchen natürlich ein Auto. Dankeschön“, sagte sie mit einem Lächeln. Der Beamte am anderen Ende antwortete (die Rothaarige hatte auf laut gestellt):

I- Ich ha- habe die- die Polizei am anderen En- Ende u- und die- Die Polizei sie… sie sagen, dass man…man da- das Geld sobald zukommen lässt, wi- wie es geht aber…“, fing er an, wurde aber unterbrochen von Secco.

Nichts aber! Denkt Ihr, Ihr könnt uns fangen und dann ins Gefängnis stecken?! Nein, wir haben vorgesorgt! Wenn sie uns auch nur zu Nahe kommen sollten, dann sprengen wir nicht nur uns, sondern auch diesen verdammten Bus in die Luft! Egal wo wir gerade sind, kapito?!“, sagte er wütend ins Funkgerät. Die Rothaarige verdrehte die Augen, entriss Secco jedoch das Funkgerät wieder und sagte: „Sie haben Zeit bis zwölf Uhr, wie gesagt, aber davor…“. Sie hielt das Funkgerät in die Luft, drehte sie zum Glatzköpfigen um und nickte ihm zu.

Dieser grinste, öffnete seinen Kapuzenpulli. Was zuvor ausgesehen hatte, wie der Ansatz eines Bierbauches, entpuppte sich als ein schwarzer Apparat, der an den Körper des Haarlosen gebunden war. Überraschenderweise machte niemand auch nur einen Mucks, jeder schaute gebannt auf den Apparat, der höchstwahrscheinlich eine Bombe war.

Wenn ich auf den roten Knopf hier drücke, dann habt ihr genau dreißig Sekunden, bis der Bus in die Luft fliegt, also ihr könnt euch sicher sein, wir sterben lieber als wieder ins Gefängnis zu gehen“, erklärte der Mann mit der Bombe, nach dem ersten Schock fing eine Frau von hinten an zu schreien und so brach die Panik im gesamten Bus aus.

Gehört?“, fragte die Rothaarige wieder ins Funkgerät.

Ja“ stammelte der Beamte.

Gut so“, sagte sie und schaltete das Gerät ab. Sie drehte sich zu ihren Geiseln und grinste höhnisch.

Die Businsassen, die verschreckt soweit nach hinten wie nur möglich gerückt waren, schrien, einige beteten und wieder andere weinten.

Walter, der immer eine sehr beruhigende Wirkung auf andere hatte, sagte: „Wir müssen ganz ruhig bleiben, wenn wir so in Panik geraten, dann kommen wir hier nicht raus! Statt uns also unsere Seelen aus dem Leib zu schreien, sollten wir lieber versuchen hier raus zu kommen.“ Er sagte es gerade ruhig genug, dass die Entführer ihn nicht hören konnten.

Wie sollen wir das denn bitte machen?“, sagte eine hysterische ungefähr 40 -jährige Frau.

Er hat Recht“, meldete sich Mila, die Luna immer noch umarmte, zu Wort, „denn seien wir ehrlich, bis die Stadt auch nur in unsere Nähe kommt, könnte es bereits zu spät sein. Wir wissen ja nicht, wie sie ticken, diese Irren. Also sollten wir wirklich versuchen hier raus zu kommen, wie, das liegt ganz allein an uns.“

Luna sah sie mit großen grünen Augen an und zögerte, nickte dann aber zustimmend. Sie zitterte immer noch am ganzen Leib.

Zu aller erst müssen wir uns alle beruhigen, es nützt niemandem etwas, wenn wir schreien, so bricht nur noch mehr Panik aus“, sagte Walter mit einem sanfteren Ton als Mila zuvor.

Ich will, dass Sie alle für einen Moment die Augen schließen und an etwas Schönes denken oder an jemanden, den sie sehr lieben, dann öffnen Sie bitte wieder ihre Augen und atmen einmal tief ein und dann wieder aus, okay?“, fuhr er fort. Zögernd tat die hysterische Frau, was Walter vorgeschlagen hatte und nach und nach taten alle Insassen es ihr gleich. Tatsächlich, sie waren zwar immer noch sehr angespannt, aber Walter hatte es geschafft einen Teil ihrer Angst von ihnen zu nehmen, jedenfalls für den Moment.

Jetzt gehen Sie bitte alle einen Moment in sich und erinnern sich an alles, was sie jemals über Entführung, gelesen, gesehen oder aufgeschnappt haben und überlegen Sie, wie wir hier rauskommen könnten“, sagte Walter ernst. Diesmal taten alle, was ihnen gesagt wurde, ohne auch nur zu zögern.

Wir könnten versuchen, Sie zu überwältigen!“, kam es von einem Dunkelhäutigen.

Nein, dabei würde auf jeden Fall mindestens eine Person von uns sterben“, sagte Walter, der auf keinen Fall jemanden in Gefahr bringen wollte.

Die Fenster zerschlagen!“

Beten!“

So tun, als wurde einer von uns einen Anfall haben oder so!“, kam es nun von allen Ecken und Seiten. Walter versuchte wieder, die Menge zu beruhigen, stattdessen brachte Mila sie zum Schweigen.

Nein, wir brauchen richtige Vorschläge, Vorschläge, wo wir uns nicht gerade in die größtmögliche Gefahr begeben“, sagte sie hart und schaute vorsichtig nach vorne zu den Entführern, die sich angeregt unterhielten und die Geräusche von hinten offensichtlich für Hilfeschreie hielten.

Ähem, also…“, fing jetzt ein ungefähr zwölf-jähriger Junge an, der sich zuvor fest an seine Mutter gepresst hatte. Alle Augen waren auf ihn gerichtet und er versuchte so gut wir irgend möglich niemanden direkt in die Augen zu schauen.

Ic- Ich habe mal in einem Spiel auf dem PC gesehen, wie ein Typ einen ganzen Bus für 3 Minuten lahm gelegt hat, indem er sich in das Fahrgastfernsehen gehackt hat“, erzählte er, drückte sich aber sofort wieder an seine Mutter, als niemand antwortete.

Das könnte funktionieren… Weißt du zufälliger Weise, wie so was geht?“, mischte Mila sich nun ein.

Nein, ich habe keine Ahnung, wie man so was macht, ich spiele auf meinem PC eigentlich nur Spiele, ich kenn mich mit so was nicht so gut aus“, sagte der Zwölfjährige.

Wir haben sowieso keinen PC oder Laptop oder so was hier, von daher wurde es von vorne rein schon nicht funktionieren“, meldete sich Luna überraschenderweise zu Wort.

Ja, das ist leider wahr, aber es gibt eine Möglichkeit ganz sicher“, bevor Walter jedoch weiter reden konnte, wurde er von einem trockenem Schluchzen unterbrochen.

Am Ende des Busses hinter den Sitzen versteckt, hockte Natalie weinend. Vorsichtig wagte Walter sich an sie heran und tätschelte ihr sanft den Rücken.

Alles wird gut, Liebes…“ flüsterte er ihr ins Ohr. Natalie jedoch reagierte nicht und weinte stattdessen heftiger. Die anderen Businsassen starrten stumm auf die Szene vor ihnen, genau wie Mila, aber ihr fiel noch etwas anderes auf und zwar die Tasche auf Natalies Schoß.

Ist da ein Laptop drin?!“, fragte Mila gleich. Alle starrten nun auf Natalies Tasche und man fing an zu flüstern.

Wir haben trotzdem niemanden, der sich in das Fahrgastfernsehen hacken kann“, erinnerte Luna. Enttäuschung ging durch die Runde, denn es wäre die Möglichkeit gewesen. Natalie stoppte plötzlich mit Weinen.

Ichkönnteestun“, murmelte sie unverständlich.

Wie bitte?“, fragte Walter nach.

Ich kann vielleicht, ich… ich studiere Informatik“, stammelte sie mit einer festeren Stimme.

Willst du uns sagen, dass du das tun könntest?!“, fragte Mila und ihre Augen weiteten sich.

Ja, also nein, ich hab es nur in der Theorie gelernt… Und.. und es ist ziemlich schwer, ich hab die Prüfung kaum bestanden… Und ich kenne es auch nur auf eine abgewandelte Art, also müsste ich das auf diese Situation anpassen“, sagte Natalie und wischte sich die letzten Tränen aus ihren dunkelblauen Augen, die durch das ganze Weinen grau wirkten.

Weißt du, wie es geht, ja oder nein?“, fragte Mila nun eindringlich. Natalie schreckte ein wenig von dem jüngeren Mädchen weg.

Also ja, aber nur theoretisch“, wiederholte sie verunsichert.

Dann könntest du versuchen, uns hier rauszukriegen, oder? Du musst nicht, wenn du nicht willst“, sagte nun Walter, der es weicher versuchte als Mila. Natalie schaute unsicher ihre Mitgefangenen an. Deren Blicke bettelten sie förmlich an es wenigstens zu versuchen.

Sie werden dich umbringen, wenn sie dich erwischen, und du schaffst es doch, sowieso nicht…, dachte sie, aber andererseits…

Ich kann es versuchen“, sagte Natalie und starrte Walter mit großen Augen an.

Keine Sorge, ich bleibe bei dir, wenn du willst“, sagte er und Natalie nickte. Walter lächelte ihr sanft zu. Gemeinsam holten sie den Laptop aus der Tasche und Natalie schloss ihren W-LAN Stick an den PC.

Ich kann den Bus nur stoppen, aber wir brauchen jemanden, der die Türen öffnet“, sagte Natalie leise.

Das kann doch der Busfahrer machen“, sagte Luna hoffnungsvoll.

Wohl kaum, der wird selbst zu überrascht sein, um auch nur irgendwas zu tun! Und wir können ja schlecht nach vorne und es ihm sagen“, meinte Mila darauf. Wieder herrschte Schweigen, wie sollten sie die Türen öffnen? Natalies Arbeit würde umsonst sein, wenn sie niemanden fanden, der die Türen öffnete. Sie hatten bloß drei Minuten, und sie konnten schlecht nach vorne sprinten, da die Entführer sich bis dahin wieder fassen würden.

Moment, das ist es: wir brauchen jemanden anderes vorne!“, sagte Luna plötzlich.

Und wie sollen wir diese Person bitte nach vorne bringen?“, fragte Natalie nicht recht überzeugt.

Ich hab mal im Fernsehen gesehen, wie eine entführte Person so viel Ärger bereitet hat, dass sie nach vorne gebracht wurde. Vielleicht, wenn wir sie genug provozieren…..“, sagte eine dunkelhaarige Frau.

Das ist eine Idee, also irgendwelche Freiwilligen?“, fragte Mila, natürlich wollte niemand, statt sich also zu melden starrten alle auf den Busboden.

Nein, auf gar keinen Fall, dass ist viel zu gefährlich!“, mischte Walter sich nun ein.

Es will doch sowieso keiner!“, meinte Luna nun. Sie drehte sich zu Mila, die nachdenklich auf den Boden schaute.

Es ist die einzige Möglichkeit, die Türen auf zu kriegen“, sagte sie nach langem zögern.

Und wer soll es bitte machen?“, kam es nun von weiter hinten.

Ich mach es“, erwiderte Mila und löste sich aus der Umarmung mit Luna.

NEIN!“, kreischte Luna so laut, dass selbst die Entführer sich wieder an ihre Geiseln wandten.

Was gibt’s so zu kreischen?“, fragte der mit der Bombe misstrauisch. Mila drehte sich um und ging trotz des Flehens von Luna mit klopfendem Herzen Richtung Mitte des Busses.

Nichts, das dich was angeht“, sagte sie mit einer so festen Stimme, dass sie es selbst kaum fassen konnte.

Was war das, Miststück?“, knurrte nun Secco und wandte sich schon vom Busfahrer ab.

Bist du etwa taub? Es. Geht. Euch. Einen. Dreck. An. Warum. Wir. Schreien.“, sagte Mila unter den entsetzten Blicken ihrer Mitgefangenen. „Kapito?!“, setzte sie noch einen nach, indem sie ihn nachäffte.

Bleib lieber stehen, Kleine“, kam es nun von der Rothaarigen, die Mila skeptisch beäugte. Mila lachte kurz auf.

Oder was Rotkäppchen?“, fragte sie höhnisch, inzwischen konnte sie das Adrenalin in ihrem Körper spüren und ihr Herz schlug so schnell, dass es zu bersten drohte. Jede Faser ihres Körpers hatte Angst. Wie sie es hinbekam, so mit ihren Entführern zu reden, war ihr selbst schleierhaft. Mila ging immer weiter, inzwischen war sie fast bei den dreien angekommen, da platzte Secco der Kragen.

DENKST DU, DU KANNST SO MIT UNS REDEN UND KOMMST EINFACH DAMIT DAVON?!“, schrie er, richtete sein Waffe genau auf Mila und wollte gerade abdrücken. Sofort blieb Mila stehen. Ihr gesamter Körper stand unter Schock, sie konnte keinen Muskel mehr bewegen, selbst wenn sie gewollt hätte. Ihre Atmung beschleunigte sich und wenn sie gedacht hatte, dass ihr Herz vorhin schon schnell geschlagen hatte, dann war es nichts im Vergleich zu dem, wie es jetzt schlug.

Nein!“, rief die Rothaarige und schlug Secco die Knarre aus der Hand. Es war das erste Mal, dass sie, seit sie hier waren, auch nur ein wenig laut geworden war.

Sie werden uns das Geld nicht geben, wenn wir schon eine Person erschossen haben, warte noch!“, sagte sie eindringlich. Secco wollte protestieren, hielt sich aber zurück, nachdem er den Todesblick der Rothaarigen bemerkte.

Mila, die immer noch vor den Dreien stand, wollte gerade wieder nach hinten gehen. Obwohl ihr Hirn ihr sagte, dass sie stehen bleiben musste, damit der Plan funktionierte, war ihr Körper absolut dagegen.

Oh nein, Kleines, hier geblieben!“, sagte die Rothaarige nun an Mila gewandt. Mila schluckte schwer.

Die Rothaarige packte Mila an den Haaren und zog sie nach vorne zum Busfahrer, Mila die sich so schon genug für ihre vorherige Reaktion schämte, machte keinen Mucks und ließ sich weiter nach vorne ziehen. Perfekt, dachte sie.

Hock dich auf den Boden“, befahl die Rothaarige barsch. Entsetzt starrte Mila sie an.

Tu. Was. Sie. Dir. Sagt“, meldete Secco sich wieder ans Wort. Mila, die keine andere Möglichkeit sah, als zu tun, was man ihr sagte, wehrte sich nicht.

Secco, der seine Waffe inzwischen wieder aufgehoben hatte, zielte nun genau auf Milas Nacken. Er kam immer näher bis die Pistole Mila am Nacken berührte. Sie erschauderte und wieder fing sie an, schneller zu atmen. Die Rothaarige lächelte, beugte sich zu Mila runter und wisperte: „Du bist die erste, die dran glauben muss, wenn das Geld nicht kommt, Okay?“

Mila nickte nur leicht. Die Rothaarige schnaubte und kam Mila jetzt sogar noch näher.

Weißt du, ich kann deine Angst riechen. Du scheinst eigentlich ein recht schlaues Mädchen zu sein, aber wenn du Angst hast, dann tust du dumme Sachen“, flüsterte sie nun.

Ein lauter Schrei von hinten zwang die Rothaarige jedoch dazu, sich von Mila abzuwenden.

Luna die panisch aufgestanden war nach Milas Abgang, schrie sich die Lunge aus dem Leib. Sie wurde von einigen Insassen zurück gehalten, damit sie nicht direkt nach vorne stürmte.

Schreien wird dir auch nichts bringen“, höhnte die Rothaarige und wandte sich wieder an den Busfahrer.

Luna, die sich gerade befreit hatte, sah nun wie Mila langsam den Kopf schüttelte, dann jedoch wieder von Secco angefahren wurde mit einem: „Keine Bewegung!“

Luna hielt inne, es würde Mila nicht viel bringen, wenn sie auch nach vorne stürmen wurde, aber dennoch war sie mehr als bloß panisch. Hinter sich hörte sie, wie Natalie wieder anfing zu schluchzen.

Ich kann das nicht, ich bin nicht so mutig wie sie“, sagte sie mit brüchiger Stimme.

Doch, dass kannst du! Oder willst du, dass sie da vorne für nichts und wieder nichts steht? Du kannst das, wir glauben an dich“, redete Walter langsam auf Natalie ein. Sie nickte schwach und tippte weiter an ihrem Laptop, obwohl ihre Hände so stark zitterten. Da sah sie aus dem Augenwinkel, wie Luna weinte. Sie schluckte schwer, nein ihre Freundin sollte nicht für nichts da vorne hocken. Der Gedanke gab ihr neuen Mut.

Eine Weile tippte Natalie einfach auf die Tasten ihres Laptops, während Tränen auf die Tastatur tropften. Das Einzige, was sie eigentlich noch dort hielt, waren Walters Worte, der beruhigend auf sie einredete.

Nach einer Weile wurden die drei Entführer misstrauisch, es war seltsam still im hinteren Teil des Busses. Verdächtig still sogar.

Was ist dahinten los?“, fragte plötzlich die Rothaarige und versuchte zu erspähen, was die Insassen so trieben. Keiner machte einen Mucks nur Natalie winselte ein wenig. Würden sie jetzt erwischt werden? War es vorbei?

Ich versuche, die Menge ruhig zu halten, alle haben so wild rum geschrien, dass ich mir dachte, sie sollten sich ein wenig entspannen“, sagte Walter, der so schnell aufgestanden war, wie es ihm nur möglich gewesen war.

Du sollst hier niemanden beruhigen!“, rief Secco. „Komm nach vorne!“

Was? Warum ist es nicht besser, wenn sie still bleiben?“, fragte der Glatzköpfige verwirrt und schaute zur Rothaarigen.

Lass nur, je panischer sie sind, desto klarer wird es für die Stadt, in was für einer gefährlichen Lage sich die Leute hier befinden“, sagte sie fast gelangweilt.

Geduldig warteten sie auf Walter und tatsächlich, just in dem Moment, in dem Walter die Gruppe verlassen hatte, brach wieder Panik aus.

Natalie war wieder auf sich allein gestellt und weigerte sich strikt, auch nur ein wenig weiter zu tippen. Sie konnte das nicht, dass war ihr doch von vorne rein klar gewesen, und sie hatten keine Zeit mehr, es war nur noch ein halbe Stunde bis zwölf Uhr. Wo war die Zeit geblieben? War sie nicht vorhin erst aus dem Haus gegangen?

Die Tränen wurden größer, und sie rollte sich zu einem Ball zusammen, ohne Walter würde sie das niemals hinbekommen. Ausgeschlossen. Sie würden alle sterben.

Luna, die in der Nähe von Natalie saß und stumm weinte, beobachtete Natalie. Sie sah so hoffnungslos aus, genau wie alle anderen. Niemand half ihr oder versuchte es zumindest.

Mila kann nicht umsonst da vorne stehen! Tu was, irgendwas!, dachte sie sich, schluckte einmal schwer und stand auf. Sie ging zu Natalie und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Natalie blickte auf.

Wie heißt du?“, fragte Luna sanft.

Natalie“, antwortete die Angesprochene und entgegnete nach kurzem Zögern: „Und du?“

Luna. Weißt du, wie das Mädchen heißt, das gerade nach vorne gegangen ist, um uns zu helfen?“, fragte Luna. Irgendwie schaffte sie es, das Gesagte nicht wie eine Anschuldigung klingen zu lassen. Natalie schüttelte den Kopf.

Sie heißt Mila. Sie ist richtig mutig, ich wünschte, ich wäre genauso mutig wie sie, aber das bin ich nicht. Statt zu helfen, habe ich mich die meiste Zeit einfach verkrochen, jämmerlich oder? Ich denke, das haben wir beide gemein, wir sind die, die sich hinter den anderen verstecken. Wir wären gerne so mutig, aber wir sind es nicht. Für mich ist es schon zu spät, mich hat man schon als Feigling abgestempelt, aber du- du kannst den Leuten hier noch helfen“, sagte Luna ernst und starrte Natalie durchdringend an.

Willst du auch ein Feigling sein?“, fragte Luna nach. Natalie schüttelte den Kopf, setzte sich auf und fing wieder an, wild zu tippen.

Du bist auch kein Feigling, Luna“, sagte Natalie sanft.

Eine Weile war nur das Wimmern der Insassen zu hören, das Tippen von Natalie und Milas schneller Atem.

Die Rothaarige wurde ungeduldig, in fünf Minuten war die Frist vorbei und das Geld war nicht da. Sie stellte das Funkgerät wieder an und fragte: „Wo ist unser Geld, ich dachte, wir wären uns einig gewesen?“

Sie… ich… Die Polizei, sie braucht mehr Zeit, noch eine halbe Stunde, bitte…“ bettelte der Beamte am anderen Ende.

Wissen sie was, wir geben Ihnen mehr Zeit, aber ich denke, es wäre unfair, Ihnen alle Geiseln zu geben, obwohl Sie uns warten lassen, ich denke, das verstehen Sie, nicht wahr?“, sagte die Rothaarige mit süßer Stimme, bevor der Beamte antworten konnte, hatte sie das Gerät wieder abgestellt.

Jetzt ist’s vorbei, Miststück“, flüsterte Secco Mila zu, die sofort ihre Augen zukniff. Jetzt würde sie sterben, ihr Herzschlag beschleunigte sich, die letzten Schläge ihres Herzens…

Nein“, sagte die Rothaarige. Entsetzt drehten alle Köpfe sich zu ihr, die von Luna und Natalie ausgeschlossen.

Was? Du hast, aber gesagt…“, fing Secco an.

Wir können etwas viel Besseres tun!“ sagte sie und drehte sich lächelnd zu den Geiseln um. „Also, ihr Lieben wer soll lieber sterben? Die süße, kleine…“

Mila“, antwortete Mila, nachdem sie am Kragen gepackt worden war.

Richtig, Mila oder der nette, ruhige, ältere…“, sagte die Rothaarige und sah Walter erwartend an.

Walter.“

Genau, Mila oder Walter? Wer soll leben? Es liegt an euch, wir geben euch zehn Minuten. Ihr sollt entscheiden, wer von ihnen stirbt. Das wird sicher hart… Ach und übrigens, wenn ihr mir in zehn Minuten nicht sagen könnt, wer sterben soll, dann sterben beide“, erklärte die Rothaarige mit einem hinterhältigen Lächeln. Pures Entsetzten war in den Gesichtern der Geiseln zu sehen.

Na, worauf wartet ihr, fangt an!“, sagte Secco jetzt, der begeistert von dieser Idee war.

Die Geiseln starrten sich an und schauten dann zu Natalie, die so schnell tippte, wie noch nie in ihrem Leben. Sie würde es nicht schaffen, nie im Leben, also fingen sie an zu diskutieren.

Mila ist jünger.“

Walter hat uns allen geholfen!“

Mila auch!“

Das können wir doch nicht tun, das ist falsch, wir können das nicht tun.“

Sollen wir beide sterben lassen oder was?“

Haltet die Klappen!“, kam es plötzlich von Natalie, jeder der Geiseln schaute zu ihr, natürlich, hatte sie bereits gesprochen, aber nie so fest und nie so laut.

Ich hab es gleich, keiner von beiden wird sterben, geht schon mal etwas näher an die Tür, damit ihr so schnell, wie möglich hier rauskommt!“, sagte sie eindringlich, keiner bewegte sich.

Macht schon!“, sagte sie wieder etwas lauter als notwendig. Schnell, aber dennoch so unauffällig, wie möglich tappten die Geiseln zur Tür. Gerade wollte auch Luna aufstehen, da packte Natalie sie am Arm.

Kannst du mir einen Gefallen tun?“, fragte Natalie eindringlich, die Angst war ganz vergessen. Luna nickte.

Wenn ihr hier draußen seid, dann wird die Polizei mit Angehörigen kommen, verstehst du? Da wird auch ein junger Mann dabei sein, sein Name ist Finn, okay, er hat blonde Haare und blitzblaue Augen, hörst du zu? Hörst du mir zu Luna?!“, sagte Natalie schnell und eindringlich. Luna nickte und bekam es langsam wieder mit der Angst zu tun.

Sag ihm, sag ihm, dass es mir Leid tut, und dass ich ihn liebe! Und dass ich ihm das nicht oft genug gesagt habe und dass ich es nicht so gemeint habe, als ich gesagt habe, er wäre ein Idiot, weil er mich nicht fahren wollte, das ist nicht seine Schuld! Egal, was er denkt. Kannst du das für mich tun? Kannst du das?“, sagte Natalie und ihre Augen fingen wieder an zu tränen.

Nein- Nein sag es ihm selbst, wir kommen hier zusammen raus, verstanden?!“, entgegnete Luna, die inzwischen auch wieder weinte.

Ich komme hier nicht raus, bis ich aufgestanden bin und hier raus laufe, haben sie den Bus schon gesprengt, aber ihr kommt hier raus und das ist das Wichtigste, okay?“, erklärte Natalie, währen sie wie eine Verrückte auf ihren Laptop tippte. „Tust du das also für mich?“ Luna konnte nur nicken.

Dann geh schon“, meinte Natalie und schubste sie weg. Mit schwerem Herzen stand Luna auf und ging zu den anderen Geiseln, da kreischte Natalie auch schon „JETZT“.

Dann geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Der Bus stoppte abrupt, Mila, die immer noch die Waffe am Nacken hatte, sprang auf, sehr zur Überraschung von Secco der nach hinten umfiel, Mila drückte den Knopf für die Türen, alle Türen öffneten sich, Mila packte den Busfahrer und Walter am Kragen und fand irgendwie die Kraft sich und die beiden Männer aus dem Bus zu schleudern. Die anderen Geiseln sprangen raus und gerade als Natalie dachte, sie habe es auch geschafft wurde sie von hinten gepackt und der Glatzköpfige drückte den Knopf der Bombe.

10

Natalies Welt drehte sich, sie dachte an Finn, ihre Familie und Freunde, alles schöne woran sie sich erinnern konnte.

9

Sie dachte an all die Leute, die sie heute gerettet hatte und wusste, dass man sie nicht vergessen wurde. Ein Trost zumindest.

8

Willst du wirklich so sterben?, fragte eine Stimme in ihrem Kopf, sie hatte doch noch soviel in ihrem Leben zu tun. Sie wollte heiraten, Kinder kriegen und was man sonst noch so haben konnte.

7

Sie tat das einzige, was ihr in dem Moment einfiel, sie trat Secco dorthin, wo die Sonne nicht schien, schubste die Rothaarige aus dem Weg, die auf den Boden fiel und sich den Kopf aufschlug.

6

Natalie sprintete zu Tür, sie war nie ein Ass im Sport gewesen, aber sie musste es einfach schaffen. Es ging nicht anders.

5

Sie wurde nach hinten geworfen und der Glatzköpfige flüstere ihr ins Ohr: „Du wirst mit uns sterben, egal was passiert, du kommst mit!“

4

Durch einen plötzlichen Adrenalinstoß, schaffte sie es, den Glatzköpfigen abzuwimmeln.

3

Sie würde es schaffen. Natalie hatte die Tür erreicht und mit einem Lächeln sprang sie aus dem Bus.

2, 1, 0

Der Bus hinter ihr explodierte, und sie wurde nach vorne geschleudert, immer weiter, aber sie wusste, dass sie es schaffen würde, ja, sie spürte einen Schmerz am Rücken, aber es war nichts im Vergleich zu dem Schmerz, den ihre Entführer gerade durchlebten. Sie wusste, dass sie leben würde, als die Sanitäter bei ihr ankamen und sie mit Morphin betäubten. Sie hieß das taube Gefühl willkommen und als ihr schwarz vor Augen wurde, lächelte sie, da sie genau wusste, dass Finn bei ihr sein würde, wenn sie wieder aufwachte.