shadow

Gefangen im Troll-Land (Liesa Zacharias, 13)

Elly, die 13 Jahre alt war, lag auf dem Bett. Ihr Zwillingsbruder Ben, der nur zwei Minuten älter war, hockte auf dem Boden und packte seine Reisetasche. Am nächsten Morgen wollten sie zu ihrer Oma Thea und Opa Anton fahren, die in Schweden in der Stadt Karlstadt am Väner See wohnte.
Ben guckte Elly fragend an: ,, Wieso packst du deine Tasche nicht?“
Elly guckte verträumt auf ihre gemalten Bilder, auf denen Feen mit Blumenkränzen im Haar waren, Trolle mit riesigen Nasen und Seegeister, die wunderschönes fließendes blaues Haar hatten. Plötzlich tickte sie jemand an der Schulter an. Elly zuckte zusammen. Völlig verwirrt sagte sie: ,, Wer? Wo? Was? Ach, du bist es Ben. Was ist?“
Elly schaute auf ihre Reisetasche und begriff, was Ben von ihr wollte.
„Soll ich dir helfen?“, bot Ben ihr an.
„Ja gerne. Ich mach mir nur kurz einen Zopf“, sagte Elly. Sie hatte braune Haare, die bis zu den Schultern reichten. An den Spitzen kräuselten sich ihre Haare zu wunderschönen Locken. Ihre Oma hatte immer gesagt, es wären süße Babylöckchen. Das mochte Elly überhaupt nicht. Ihr Bruder dagegen hatte blondes Haar, man konnte meinen, es funkelte golden, wenn die Sonne darauf schien. Elly stand vom Bett auf und holte sich ein Zopfgummi.
„Bist du nun soweit?“, beschwerte sich Ben.
„Ja, ja“, warf Elly leicht genervt zurück. Sie nahm ein T-Shirt legte es zusammen und gab es dann ihrem Bruder, der es in die Reisetasche legte.
„Seid ihr fertig, Kinder?“, rief ihr Dad. Er wollte eigentlich nicht nach Schweden, denn er war schon einmal da gewesen, doch dann ist seine Frau dort spurlos verschwunden. Er hatte überall nach ihr gesucht, aber sie blieb weg.
„Ja gleich Dad“, schrie Ben. Er nahm eine Hose und legte sie in die Tasche, dazu kamen noch zwei Paar Socken und noch viele andere Sachen.
„So fertig “, sagte Ben zufrieden. Er nahm seine Reisetasche und ging die Treppe runter. Elly sah ihm nach und schnaufte. Sie nahm ihren Zeichenblock und ging auch die Treppe hinunter.
Ben, der gerade aus dem Wohnzimmer kam, um eine seiner Lieblings-CD`s in seine Tasche zu packen , hielt Elly auf und fragte: „ Was hast du denn gemalt?“
Elly hielt ihre gemalten Bilder hoch und war sehr stolz darauf. Bens Augen wurden groß, als er das Bild von der Fee sah. Er brachte nur ein ,,Wow“ heraus.
Auf Ellys Mund bildete sich ein breites Lächeln. Da kam ihr Vater Thomas aus der Küche und sah die Bilder.
„Du hast eine Fantasie Elly“, lachte er.
„Das ist keine Fantasie, die gibt es wirklich“, protestierte Ben.
„Kinder, redet doch keinen Quatsch“, sagte Thomas etwas lauter.
Ben und Elly gingen schmollend in die Küche und nahmen sich einen Apfel.
„Keiner glaubt uns“, sagte Ben mit einer traurigen Stimme.
„Aber wenigstens haben wir uns“, tröstete Elly ihn.
Am nächsten Morgen wurde Elly von ihrem Bruder geweckt. Ben war in der Küche und machte bereits das Frühstück. Es war halb sieben. Elly hätte gern noch länger geschlafen. Sie stand auf, zog sich eine Hose, einen Pullover und ein paar Socken an. Als sie die Treppe runter ging, saß ihr Vater schon am Tisch.
„Guten Morgen, meine kleine Maus“, lachte er. „ Nimm dir schnell einen Toast und dann ab ins Auto. Ben ist schon drin.“
Elly nahm sich einen Toast mit Käse und setzte sich ins Auto. Thomas startete das Auto und fuhr los. Elly legte den Kopf an die Seite und schlief ein. Ihr Bruder dagegen starte gebannt aus dem Autofenster. Sie fuhren an Feldern, kleinen Dörfern und Wäldern vorbei. Dann fuhren sie über die Brücke, die nach Fehmarn führte und zur Fähre, die sie nach Schweden verschiffen würde. Ihr Vater fuhr in den Bauch des riesigen Schiffes. Es wackelte, als sie im durch die Schranke durchfuhren. Elly schlug verschlafen die Augen auf. Sie sah aus dem Fenster und bemerkte, dass sie schon auf der Fähre waren.
„Na, du Schlafmütze, auch schon wach“, sagte Ben vergnügt.
Elly lächelte und sagte: ,, Ich habe von Elfen und Feen geträumt. Und ich habe Mum getroffen.“
„Hört doch auf mit diesem Kinderkram. Elfen und Feen gibt es nicht!“, schnaufte ihr Vater.
Elly protestierte: ,, Natürlich gibt es sie. Du bist blöd.“
Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Ben zeigte ihr einen Mahlblock.
„Wollen wir was malen? Kannst du mir zeigen, wie man die riesige Nase vom Troll malen kann?“
Elly nickte und fing an zu zeichnen. Ben machte es ihr nach. Es wurden zwei wunderschöne Trolle.
„In wenigen Minuten sind wir in Schweden“, klang es durch die Lautsprecher der Fähre. Thomas, Elly und Ben schnallten sich an. Etwas wackelig legte die Fähre an. Thomas fuhr durch die Schranke. Jetzt mussten sie nur noch nach Karlstadt, zu Oma Thea und Opa Anton.
„Jetzt ist es nicht mehr weit“, sagte Thomas mit einem nicht so guten Gefühl.
Elly sah aus dem Fenster auf die wunder schöne Landschaft.
„ Dort wohnen die Trolle“, flüsterte Ben so, dass Thomas es nicht hören konnte, er wollte nicht, dass ihr Dad wieder anfing zu schimpfen. Da blieb das Auto vor einem roten Haus aus Holz stehen. Das Haus hatte eine Veranda, die mit vielen Blumenkästen verziert war. Es stand in einem kleinen Wald, der nicht sehr hell war. Es wuchsen viele Moose und kleine Gräser. Es gab auch einen kleinen See, der sehr versteckt war. Ben trat auf die Veranda und betrachtete die uralte Kiefernholztür. Sie war mit Feen, Trollen und Blättern, die in das Holz geschnitzt waren, verziert. Ben klopfte gegen die Tür und wartete. Langsam öffnete sie sich und eine etwas ältere Dame schaute sie fröhlich an. „ Hallo Benni, mein Schatz, schön dich zu sehen.“ Oma Thea umarmte Ben und drückte ihm einen dicken Schmatz auf die Wange. Danach hatte Ben einen Lippenstiftabdruck im Gesicht. Elly sah ihre Oma und rannte ihr in die Arme.
„Oma, ich habe dich so lieb!“ Sie schlang die Arme um ihre Oma.
Thea küsste sie auf die Stirn und sagte: „Na, meine kleine Maus, ich habe dich vermisst.“
Dann sah Thea zu ihrem Sohn und umarmte ihn fest.
, Hallo Mutter.“ Mehr brachte Thomas nicht heraus.
„Kommt doch erst einmal rein, es gibt leckeren Blaubeerkuchen“, sagte Thea. Sie war eine etwas rundliche Frau mit rötlichen Haaren. Ihren blauen Augen entging nichts, das hatten Elly und Ben schon bemerkt. Elly trat ins Wohnzimmer, wo Ben bereits Opa Anton umarmte. Elly lief zu ihm und drückte ihren Opa fest an sich.
„Wo können wir unsere Taschen abstellen?“, fragte Thomas.
Anton stand von seinem Sessel auf und ging über eine schmale Treppe in die oberste Etage. Ben und Elly folgten ihnen.
„Das ist dein Zimmer, Thomas, es ist nicht sehr groß, weil wir nicht so viel Platz haben“, erklärte Anton seinem Sohn.
„Und wo sollen wir schlafen?“, fragte Ben mit einem etwas verwirrten Gesicht.
„Wo wir sonst auch immer schlafen“, sagte Elly lachend.
Ben trat in ein kleines Zimmer, wo ein Etagenbett und zwei kleine Schränke standen. Sofort kletterte Ben die Leiter vom Etagenbett rauf und rief: ,, Ich schlafe oben.“
„Okay, aber wir tauschen auch mal.“
Thomas schaute auf seine Armbanduhr und sah, dass es schon viertel vor neun war.
„So Kinder, es ist schon spät, ab ins Bett.“

Am nächsten Morgen, als Elly aufwachte, war Ben schon dabei, mit Thea den Tisch zu decken.
„Kinder könnt ihr vielleicht gleich in den Wald gehen und Blaubeeren für meinen Kuchen sammeln?“, fragte Oma Thea.
„Ja klar, wie sehen die noch mal aus?“, fragte Ben.
Thea nahm ein Bild vom Kühlschrank und zeigte es den beiden. „So sehen sie aus, dunkelblau. Und bitte pflügt nicht die mit den lila Punkten, die sind giftig. Das sind die Troll-Beeren.“
„Ja, okay Oma.“

Nach dem Frühstück gingen sie zum Wald. Der Wald war dunkel und unheimlich. Elly holte einen kleinen Block aus der Hosentasche und einen Stift.
„Wo hast du den her?“, fragte Ben seine Schwester.
„Ich habe immer einen dabei.“ Sie lächelte ihren Bruder an.
Auf einmal wurde es dunkel, die Vögel hörten auf zu zwitschern. Ein kalter Wind wehte den beiden durchs Haar. Aber auf unerklärliche Weise hörte alles blitzschnell wieder aus. Die beiden wunderten sich. Da sah Elly eine weiße Blume mit blauen Punkten auf den Blütenblättern.
„Die mal ich ab. Sie ist wunder schön“, sagte Elly aufgeregt und setzte sich auf einen Stein. Ben sah sich ein bisschen in der Gegend um und entdeckte eine ganze Reihe von Blaubeerbüschen.
„Hey Elly, hier sind ganz viele Blaubeerbüsche mit dicken saftigen Beeren“, rief er. „Ich bin aber noch gar nicht fertig mit Abzeichnen“, sagte Elly.
„Ist doch egal, wir können morgen auch noch mal herkommen“, erklärte Ben.
Elly und ihr Bruder gingen zu den vielen Blaubeerbüschen und fingen an zu sammeln. Was Elly nicht wusste war, dass sie die Beeren mit den lila Punkten sammelte.
„So, meine Taschen sind voll“, sagte Ben zufrieden. Elly füllte auch ihre letzten Beeren in die Tasche
„Gehen wir wieder nach Hause?“, schlug Elly vor.
Ben nickte und sah sich um. „ Ähm, ich weiß nicht, wo wir lang müssen.“
Elly lehnte sich an einen Baum und aß eine Beere, die sie gepflückt hatte. Plötzlich wurde ihre Hand dursichtig, ihr ganzer Körper löste sich auf.
„Ben, Ben ich löse mich auf. Hilf mir doch!“, schrie sie in ihrer größten Verzweiflung.
Ben rannte zu ihr und wollte sie festhalten, doch es ging nicht. Elly löste sich mehr und mehr auf. Nun war Elly ganz und gar weg, er konnte sie nicht mehr sehen.
„Ben, was ist mit mir passiert?“, fragte Elly.
Ben schaute verwirrt um sich und drehte sich im Kreis. Er hörte seine Schwester, sah sie aber nicht.
Ein paar blaue Beeren kullerten über den Boden. Ben hob sie auf und betrachtete sie genauer. Er sah kleine lila Punkte und sagte: „Oh nein, Elly, du hast die Troll- Beeren gegessen!“

Währenddessen machte sich Thea Sorgen. Sie hatte ein ungutes Gefühl, also ging sie nach draußen und rief: „Willy, Willy, ich brauch deine Hilfe!“
Willy war ein Troll mit einer sehr großen Nase und großen Ohren, die im Wind flatterten, und er war etwas pummelig. Er kam aus einem Loch, das in der Erde des Gartens war.
„Was ist Thea? Wie kann ich dir helfen?“, fragte er.
„Kannst du mal nach meinen Enkeln schauen? Ich habe ein ganz ungutes Gefühl“, flüsterte Thea mit einem ängstlichen Blick.
Willy nickte und sauste in den Wald.

Olf, der Große, hatte alles mitgehört. Er war der fieseste unter allen Trollen. Seinen großen Ohren entging kein einziger Mucks und in seinen Augen sah man puren Zorn. Er hasste die Menschen, weil sie Fabriken und Autobahnen bauten. Dadurch zerstörten sie den Lebensraum der Trolle.

Ben und Elly versuchten, Hilfe zu holen.
„Hast du nicht dein Handy dabei?“, flüsterte Elly kaum hörbar. Ben sah in die Richtung, wo er die Stimme seiner Schwester gehört hatte. Er griff in seine Hosentasche und wählte die Nummer seiner Oma.
„Mist, kein Empfang!“, fauchte er. Da raschelte es an einem Baum. Ben zuckte zusammen und sah sich etwas ängstlich um.
„Hast du das auch gehört, dieses Rascheln?“, fragte Ben seine Schwester.
„Ddda ist eeein Tttroll!“, schrie Elly.
Hinter einem Baum stand Olf, der Große. Er lachte höhnisch und rannte auf die beiden zu. Elly fing an zu schreien. Ben geriet in Panik und versuchte seiner Schwester zu helfen. Was aber schwierig war, denn er konnte sie ja nicht sehen. Plötzlich verstummte alles. Elly schrie nicht mehr.
Ben drehte sich im Kreis und rief, so laut er konnte: „Elly wo bist du! Antworte mir!“ Doch alles blieb stumm.
Da hörte Ben ein anderes Geräusch, es klang so wie ein Schnaufen.
„Hallo Ben, ich bin Willy. Deine Oma schickt mich. Wo ist denn deine Schwester?“, fragte Willy.
„Das weiß ich nicht. Sie hat von den Troll-Beeren gegessen. Hier soll ein Troll gewesen sein, hat meine Schwester gesagt“, erklärte Ben etwas verwirrt dem Troll, den er nicht sehen konnte.
Willy atmete ein und fing an zu husten.
„Hier war Olf, der Große. Er stinkt wie ein toter Fisch untem Arm“, hustete Willy.
„Wo bist du, Willy?“, fragte ben.
„Ich habe eine Idee, wie du mich sehen kannst. Wir müssen nur zu deiner Oma“, sagte Willy.
„Aber ich weiß nicht, wo es lang geht?“, erklärte Ben.
Willy gab einen merkwürdigen Ton von sich. Es hörte sich an, als würde ein Hase schreien. Kurz danach kam ein kleiner brauner Hase angehoppelt und zupfte Ben am Hosenbein.
„Er will, dass du ihm folgst“, flüsterte Willy.
„Wieso flüsterst du, Willy?“, fragte Ben auch leise.
„Ich bin mir nicht sicher, ob Olf uns belauscht. Also leise“, zischte Willy.
Der Hase zupfte Ben erneut am Bein und lief los. Ben folgte ihm. Der Hase rannte an vielen Büschen, riesigen Bäumen und großen Hügeln vorbei. Da sah Ben das Haus von Oma Thea. Der Hase blieb stehen und machte Männchen. Ben und Willy blieben auch stehen.
„Danke kleiner Freund“, sagte Willy. Ben lief zur Veranda und klopfte hastig gegen die Tür. Thea rannte zur Tür, riss sie auf und sah nur Ben und Willy.
„Wo ist denn Elly?“, fragte Thea schnell.
„Sie hat von den Troll-Beeren gegessen“, sagte Ben.
„Und Olf hat sie mitgenommen, das habe ich gerochen“, erklärte Willy stolz.
„Kommt rein, ich kann euch ein bisschen mit meinen Elfenkräften helfen“, sagte Thea und ging wieder ins Haus. Ben und Willy folgten ihr. Sie setzten sich an den Küchentisch und warteten auf Thea. Sie kam mit einem Kästchen in die Küche.
„Wieso Elfenkräfte?“, fragte Ben verwirrt.
„Thea war eine Elfe, hat sich aber in deinen Opa Anton verliebt und jetzt darf sie nie mehr in unsere Welt. Wieso, das ist kann ich dir nicht sagen“, erklärte Willy.
„Genauso ist es, aber jetzt müssen wir schnell handeln“, sagte Oma Thea. Sie machte das Kästchen auf. Ein Amulett war dort drin.
„Das ist für dich Ben. Damit kannst du die Trolle nicht nur hören, sondern auch sehen.“ Sie hing es Ben um. Er sah sich um und erschrak. Ben sah einen etwas pummeligen Troll mit einer großen Nase und riesigen Ohren.
„Ihr müsst zu meiner Freundin. Sie wohnt in einem grünen Haus das in Väse liegt“, erklärte Thea. Ben und Willy standen auf und verabschiedeten sich.
„Und was ist mit Dad?“, fragt Ben.
„Darum kümmere ich mich.“ Thea lächelte den beiden zu.
Ben und Willy rannten los. Die beiden liefen über Felder, wo ihnen manchmal Hasen und Mäuse begegneten. Dann kamen sie in einen kleinen Wald.
Willy blieb stehen und übergab einer Amsel eine Nachricht. Die Amsel flog los. Es war schon spät und Willy und Ben brauchten ein Nachtlager.
„ Hey, Willy, ich habe eine Höhle gefunden, dort können wir übernachten“, schlug Ben vor.
Willy schaute sich die Höhle an, legte sich hin und schlief ohne ein Wort zu sagen ein. Ben legte sich auch hin. Er konnte nicht einschlafen, denn er musste immer wieder an seine Schwester denken.

„Lass mich sofort los, du fieser Troll!“, schrie Elly. Olf, der Große, hatte sie in eine Höhle entführt, die sehr dunkel war
„Hör auf zu schreien, Menschlein, dich wird keiner hören. Du wirst jetzt für mich arbeiten“, lachte Olf höhnisch.
„Da wirst du schlafen!“ schrie er und zeigte auf ein kleines Bett aus Gras und Stroh. Elly legte sich darauf und fing leise an zu weinen. In einer anderen Ecke war auch eine Person, es war eine Frau.
„Wer bist du?“, fragte die Frau.
„ Ich bin Elly, dieser fiese Troll hat mich entführt“, schluchzte Elly.
„Ich bin Isabell“, stellte sich die Frau vor.
Elly stand auf. Da sah sie, dass die Frau genau so aussah wie ihre Mum. Sie hatte die gleiche Haarfarbe wie Elly und auch ein paar Sommersprossen
„Mum, bist du es?“, fragte Elly voller Hoffnung.
„Elly, ja, ich bin`s! Isabell, deine Mum!“
Elly rannte zu Isabell. Sie fielen sich in die Arme. Isabell liefen Freudentränen über die Wange.
„Ich habe dich an deiner Stimme erkannt“, sagte Isabell.
Elly war sehr müde und schlief im Arm ihrer Mum ein.

Ein dicker Sabberfaden tropfte Ben aufs Gesicht.
„ Äh, was ist das!“, rief Ben müde. Er schlug die Augen auf und vor ihm war eine dicke Elch-Nase. Erschrocken sprang Ben auf und schaute den Elch an. Auf dem Elch saßen Willy und noch ein anderer Troll.
„Guten Morgen, Ben, du Schnarch-Nase“, lachte Willy.
Ben kratze sich am Kopf und schaute den anderen Troll an.
„Hallo Ben, ich bin Alma, und das ist mein Elch Olle“, sagte Alma freundlich.
„Hallo Alma und Olle“, grüßte Ben zurück.
„ Los, Ben, aufsteigen, wir müssen nach Väse“, erklärte Willy.
„Was, ich soll auf einem Elch reiten? Niemals“, drückte sich Ben.
Willy stieg vom Elch ab und hob Ben hoch. Alma zog ihn auf den Elch. Ben setzte sich hinter Alma auf den Rücken des Elches und Willy setzte sich in eine Schaufel des Elch-Geweihs.
„ Hey ja!“, schrie Alma, und der Elch galoppierte los.

Olf kam aus einer Ecke der Höhle und ging zu seinen beiden Gefangenen.
„Folgt mir!“, befahl er und ging auf ein Bergwerk zu.
Darin glitzerte es nur so von bunten Edelsteinen. Ein paar Trolle kamen aus der Mine, um die Edelsteine in die Schatzkammer von Olf, dem Großen, zu tragen. Es war ein großes Durcheinander.
„Holt mir so viele Edelsteine, bis es wieder Abend geworden ist!“, schrie Olf allen Trollen zu, die schon in der Mine waren. Isabell gab Elly einen Hammer, damit sie die Edelsteine von der Wand entfernen konnte.

Ben, Willy und Alma waren schon fast an ihrem Ziel angekommen. Sie suchten ein kleines grünes Haus, das in der Nähe des Väner Sees lag.
Plötzlich schrie Willy: „Dort ist es!“
Der Elch lief dorthin und blieb vor der Haustür stehen. Eine Alte Darme machte die Tür auf und sagte: „Hallo Ben, Willy, Alma und Olle, ich habe euch bereits erwartet. Kommt doch rein“.
Die zwei Trolle und Ben stiegen von dem Elch ab und gingen ins Haus.
Die alte Frau setzte sich in einen Sessel und begann zu erzählen: „Also, ich bin Britta, und ich weiß, wo der große Olf deine Schwester gefangen hält, und ich weiß, wo ihr danach hin müsst, um sie wieder in einen sichtbaren Menschen zu verwandeln.“
Ben und Alma guckten sich an und hörten gebannt weiter zu.
„Ihr müsst zum Väner See. Dort an den Klippen ist eine Höhle, und dort lebt Olf. Danach muss deine Schwester sich auf den Grund des Sees sinken lassen, und den Rest erzählen euch die Seegeister.“
Willy sprang auf und zog Ben an der Hand hoch.
„Vielen Dank, Britta“, sagte Alma und ging wieder zur Haustür, wo Willy und Ben schon auf sie warteten.
Alma, Willy und Ben stiegen auf ihren Elch.
Da galoppierte der Elch los. Britta winkte den vieren zu. Der Elch galoppierte über ein Feld, von dort konnte man schon etwas vom See sehen.
„Schneller Olle, wir sind gleich am See!“, rief Ben.

Im Bergwerk ging Elly zu ihrer Mum.
„Mum, komm, lass uns hier raus gehen. Gemeinsam schaffen wir es“, flüsterte Elly.
Isabell schaute ihre Tochter an und nickte.
„Dort ist der Ausgang“, flüsterte Isabell. Elly legte ihren Hammer an die Seite und schlich mit ihrer Mum zum Ausgang vom Bergwerk. Da sahen sie Olf, der vor dem Ausgang der Höhle lag.
„Wie kommen wir an dem vorbei?“, flüsterte Elly kaum hörbar.
„Ich habe eine Idee. Wir verkleiden uns als Trolle, die ganze Edelsteine aus der Miene tragen. Isabell fragte den Troll Isak, ob er bei dem Plan mitmachen will. Isak war einverstanden. Er nahm sich einen Edelsteinsack und rannte zum Ausgang des Bergwerks. Elly stülpte ihre Kapuze über ihren Kopf und nahm sich einen Sack mit Edelsteinen. Isabell lieh sich den Mantel von Isak und nahm sich ebenfalls einen Sack, der voller Edelsteine war. Isak konnte ohne Probleme an Olf, dem Großen, vorbei gehen, doch als Elly vorbei ging, wachte er plötzlich auf. Die drei blieben wie angewurzelt stehen.
„Los rennt, rennt!“, schrie Isak den beiden zu. Elly und Isabell fingen an zu rennen. Isak stellte sich Olf in den Weg, um Elly und Isabell zu helfen.
Elly schrie vor Angst und genau diesen Schrei hörte Olle, der Elch.
Er rannte los zur Klippe. Alma, Willy und Ben konnten sich kaum festhalten, so schnell war er. Nur kurz vor der Klippe bremste Olle ab.
Ben sprang sofort von ihm herunter und schaute auf einen kleinen Vorsprung in der Felswand unter der Klippe. Dort war ein schmaler Weg, auf dem zwei Personen entlang liefen.
„ Elly?“, schrie Ben die Felswand herunter.
„ Ja, ich bin‘s Ben, und Mum ist auch hier“, rief Elly zu ihm herauf.
Da klingelte das Handy von Ben. Es war Oma Thea.
„ Hallo Ben, hier ist Oma. Thomas macht sich riesengroße Sorgen. Wo seid ihr denn?“, klang es aus dem Hörer.
„Wir sind am Väner See, dort wo Britta ihr Haus hat, hinter dem Feld“, sagte Ben. Da verlor Ben das Gleichgewicht, das Handy fiel im aus der Hand. Ben torkelte und fiel die Klippen hinunter. Olle reagierte schnell und fing ihn mit seinen riesigen Schaufeln auf. Er stellte ihn behutsam wieder auf den Boden zurück. Ben wischte sich den Schweiß von der Stirn. Das Handy, mit dem er eben noch Theas Stimme gehört hatte, war jetzt irgendwo im See verschollen.

„Ben, Ben sag doch was!“, schrie Thea in den Hörer. Thomas, der neben ihr stand, bekam es mit der Angst zu tun.
„Wir müssen sofort zum Väner See fahren. Irgendetwas ist da passiert“, erklärte Thea ihrem Sohn. Thomas riss die Haustür auf und rannte zum Auto. Thea folgte ihm. Thomas fuhr los zum Väner See.

Inzwischen hatten es Elly und Isabell fast bis nach ganz oben geschafft. Die letzten Schritte waren sehr mühsam für Elly. Ben rannte zu ihr und schloss sie in die Arme, dann sah er Isabell. Ben drückte sie ganz fest. Isabell küsste ihn und ein paar Tränen kullerten über ihre Wange. In dem Moment kamen Thea und Thomas mit dem Auto.
„Isabell! Wie schön dich wider zu sehen!“, rief Thea.
Thomas schaute Thea erschrocken an. „Fängst du jetzt auch an, Gespenster zu sehen, Mutter?“ schnaubte er. „Diese ganzen Feen- und Troll-Geschichten sind doch Quatsch!“
Isabell löste sich von Ben und sah ihren Mann an, der sie aber nicht sehen konnte.
„Hallo Thomas“, sagte Isabell mit zarter Stimme.
„Deine Frau grüßt dich Thomas“, erklärte Thea ihrem Sohn.
„Hallo Isabell“, grüßte Thomas zurück.
„Wir müssen die Seegeister fragen. Die können uns sagen, wie wir euch zurückverwandeln können“, erklärte Ben seiner Schwester schnell.
Plötzlich kam Olf, der Große, von hinten angerannt. Er lachte und schubste Elly und Isabell die Klippen hinunter.
„ AAAAAAAAHHHHHHH!!!!“, schrien Elly und Isabell.
Thea brach in Tränen aus, und Ben hielt sich die Hände vors Gesicht. Elly und Isabell fielen und fielen. Da verschluckten sie die Wellen im See.
„Was ist denn jetzt schon wieder los. Ihr spinnt doch alle. Ich geh jetzt. Das alles wird mir zu viel“, schnaufte Thomas. Er setzte sich ins Auto und schnappte sich die Zeitung. Olf stand immer noch am Rand der Klippen und lachte, so laut er konnte. Willy, Ben, Thea und Alma riefen die Namen von Elly und Isabell. Selbst Olle rief nach ihnen.
Diese Rufe hören die Seegeister. Sie flogen nach oben und sahen die weinenden Trolle und Menschen. Thea blickte auf und sah zwei Seegeister. Sie waren blau und fast durchsichtig.
„ Oh Seegeister, helft! Zwei Menschen sind die Klippe heruntergefallen, helft ihnen bitte!“, flehte Thea.
„Wir können ihnen nicht helfen, wenn sie ihr Leben selbst beenden“, hauchten die Seegeister.
„Sie sind nicht gesprungen! Olf, der Große, hat sie geschubst. Bitte helft ihnen!“, weinte Thea.
„Sie haben es verdient! Es sind Menschen!“, lachte Olf, der Große.
„Kein Wesen darf einem anderen Wesen Schaden zufügen. Also werden wir ihnen helfen“, sagten die Seegeister. Sie flogen die Klippen hinunter und stürzten ins Wasser. Elly und Isabell versuchten, an der Oberfläche zu bleiben.
„ Wir sind Seegeister, wir helfen, wir helfen! Zu Grunde sinken lassen und zwei glatte Steine fassen“, flüsterten die Seegeister.
Elly, die sich an ihrer Mum festhielt, ließ nur mit viel Mut los. Sie ließ sich sinken und fasste zwei glatte Steine. Die Seegeister fingen an, sich um sie herum zu drehen. Jetzt stieg Elly wieder höher. Sie war in einer Art Wassertunnel. Die Seegeister legten sie behutsam ans Ufer. Ben sah Elly und rannte zu ihr hin.
„Elly. Ich habe dich so vermisst“, rief er voller Freude.
Er umarmte seine Schwester. Thea schaute verwirrt in die Luft. Dort war noch ein größerer Wassertunnel. Der See-Geist setzte Isabell auf den Boden und hörte auf sich zu drehen. Thea rannte auf Isabell zu und fing an zu weinen. Thomas schaute zum Fenster raus und sah Elly und seine Frau. Er machte die Autotür auf und blieb stehen. Isabell schaute zu ihrem Mann. Thomas lief zu ihr. In seinen Augen bildeten sich Tränen. Thea ließ Isabell los.
„Isabell, endlich habe ich die wieder“, schluchzte Thomas.
Er umarmte weinend seine Frau. Ben und Elly liefen zu ihren Eltern. Thomas und Isabell schlossen ihre Kinder in die Arme.
Thea war von dem Anblick so berührt, dass ihr wieder die Tränen kamen.
„Lass uns zu Thea fahren. Dort können wir alle zusammen wundervolle Tage verbringen“, sagte Thomas.
Thomas, Isabell, Ben und Elly ließen sich los und stiegen ins Auto. Thomas fuhr, Isabell saß auf dem Beifahrersitz und Ben Thea und Elly saßen auf der Rückbank. Willy Alma und Olle winkten ihnen hinterher.
Olf, der Große, fluchte. „Rattenmist und Wolfsgebiss, das kann doch gar nicht sein!“, schrie er. Plötzlich stürzten seine Höhle und die Mine zusammen und fielen in den See. Die Trolle, die darin waren, trugen die Seegeister auf die Felder, in die Wälder und dorthin, wo sie vorher gelebt hatten.
Thomas und seine Familie verbrachten noch drei Wochen in Schweden.
Er freute sich, dass Isabell wieder da war. Sie erzählte ihm, dass Olf, der Große, sie entführt hatte. Und trotzdem fiel es ihm schwer, an Trolle zu glauben.