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In unseren Straßen (Roxana Olympia Seehof, 14)

„Eric! Jetzt nimm doch mal die Dinger aus den Ohren!“
Eric nimmt die Kopfhörer heraus und sieht seinen Vater genervt an. Das Auto ist warm und stickig, aber auf der Autobahn ist nicht viel los. Sein Vater trägt schon seine Uniform, denn sobald er Eric bei Oma Tessa in der Nähe von Emden rausgeschmissen hat, wird er für mehrere Monate im Dienst sein. Er leitet in Afghanistan, im Kriegsgebiet, eine Versorgungsstation. Eric ist durchaus gerne bei seiner Oma, aber seit seine Mutter nicht mehr lebt, ist die Angst, vielleicht auch seinen Vater zu verlieren größer denn je.
Eric hat schon als kleiner Junge mehr gedacht als gut für ihn war und sich viele Sorgen gemacht. Er ist kein Weichei, aber mit den typischen Problemen der Pubertät schwindet sein Selbstvertrauen rapide. Auch das ständige Umziehen wegen dem Beruf seines Vaters hilft Eric nicht, Freunde zu finden. Sein Vater strubbelt ihm durch die Haare und schiebt die Kassette, die sie immer auf langen Fahrten hören, in die Kassettenvorrichtung. Beide kennen die Texte in- und auswendig. Erics Vater beginnt zu singen, so vergessen beide, dass sie sich für lange Zeit nicht sehen.

Oma Tessa strahlt: „Um Gottes Willen, bist du groß geworden!!“ Sie schließt Eric in die Arme. „Möchtest du nicht doch noch auf einen Kaffee mit rein kommen, Theo?“
Doch Erics Vater lehnt ab. „Ich habe noch eine lange Fahrt vor mir“, entschuldigt er sich. Er nimmt seine Mutter fest in den Arm und will sich dann von seinem Sohn verabschieden. Doch Eric bewegt sich kein Stück. Bilder spielen sich vor seinem inneren Auge ab. Schreckliche Bilder. Alles, was seinem Vater passieren könnte, rast durch seinen Kopf.
Und dann ist er weg. Eric sieht nur noch, wie sein Vater aus der Einfahrt des kleinen Strandhauses fährt und um die Ecke biegt. Oma Tessa legt ihm die Hand auf die Schulter. „Wir werden eine schöne Zeit haben und ihm wird nichts passieren“, redet sie ihm gut zu, doch unhörbar fügt sie ein leises „Hoffentlich“ hinzu.
Sie zieht ihren Enkel ins Haus. „Komm erst mal rein! Deine Sachen kannst du da abstellen.“ Sie zeigt auf die Treppe. „Schau mal, ich habe Kuchen gebacken und Kaffee gibt es auch.“ Schon ist sie im Wohnzimmer. „Wenn du keinen Kaffee magst, habe ich auch Tee, oder Kakao, den hast du doch früher so gerne getrunken!“
„Ist okay, Oma. Ich hab gar keinen Hunger. Ich würde lieber schon ins Bett gehen.“
Sie lächelt ihm zu. „Wenn du morgen nichts vor hast und Anton und so sehen möchtest, solltest du runter an den Strand gehen.“
„Okay Oma. Danke.“ Er drückt ihr einen Kuss auf die Stirn und nimmt seine Sachen mit nach oben. Anton und die anderen hat er schon lange nicht gesehen. Bestimmt haben sich seine alten Freunde hier mächtig verändert. Oben angekommen schiebt er seinen Koffer in den Schrank und legt sich aufs Bett. Er nimmt ein Bild aus seinem Rucksack und betrachtet es. Es ist von ihm und seinem Vater in Marokko. Neben dem Bett ist ein Nachttisch, auf den er das Bild stellt. Eric dreht sich auf die Seite und schaut aus dem Fenster aufs Meer. Es ist so ruhig und langsam wird er müde.

Die Sonne wird von etwas verdeckt. Es ist Oma Tessa: „Gute Morgen, mein Engel! Aufstehen, es ist schon zwölf Uhr!“
Sie verlässt den Raum und Eric dreht sich auf den Rücken. Er braucht seine Zeit um aufzustehen, doch als er einen leckeren Duft aus der Küche riecht, beeilt er sich.
Das Frühstück ist köstlich! Und Oma Tessa zwingt ihn geradezu, an den Strand zu fahren. Also schnappt er sich ein Fahrrad aus dem Schuppen und fährt los.
Der Weg ist immer noch in seinem Kopf, auch nach Jahren. Eric stellt das Fahrrad an einem Baum ab und geht langsam auf den Strand zu. Er ist aufgeregt, sein Herz pocht.
Es hat sich wenig verändert. Alles wie gehabt. Das Strandcafé, der Steg, die Boote. Der Wind ist kühl und weht ihm den Sand ins Gesicht. Das Strandcafé ist schnell erreicht.
Einige Jungs sitzen draußen mit ein paar Mädchen. Drinnen spielen einige Billard.
„Eric Swenson! Solange meldest du dich nicht, und dann tauchst du einfach hier auf“, ein blonder, braungebrannter Junge kommt auf ihn zu und umarmt ihn.
Anton sieht fast noch so aus wie früher, nur größer eben. Bei Calvin ist es ähnlich.
Er begrüßt Eric ebenfalls, dann setzen sie sich nach draußen.
Eric erkennt viele Leute aus dem Kindergarten wieder. Sie verbringen den ganzen Tag zusammen. Er erzählt viel von den Wohnorten, in denen er schon gelebt hat. Heute ist er kein bisschen schüchtern, er ist unglaublich glücklich.
Anton bekommt einen Anruf. „Hey Gwen. Was los?“ Anton lacht, „Ja wir machen heute Abend noch was. Eric ist da! Komm nachher einfach zu mir.“ Er beendet das Gespräch. „Calvin, Gwen und ein paar andere kommen nachher vorbei. Also wenn du Bock hast…“, bietet Anton ihm an.
Eric nickt und nippt an seinem Getränk. Es ist fast sechs, und er muss seiner Oma noch sagen, dass er am Abend bei Anton ist. Er verabschiedet sich und radelt nach Hause.
„Oma!“, ruft Eric, sobald er das Haus betritt. Sie sitzt in der Küche zusammen mit Johannes, einem der Fischer aus dem Dorf. Sie plaudern und essen Kuchen, als Eric ins Wohnzimmer kommt.
„Eric, mein Schatz! Das ist Johannes, erinnerst du dich? Früher wart ihr immer zusammen Boot fahren!“ Oma Tessa lächelt.
Eric hebt die Hand kurz zur Begrüßung. „Ich bin heute Abend bei Anton. Okay?“.
Oma Tessa nickt. Eric bedankt sich und geht duschen.

Um kurz vor acht ist er bei Anton der immer noch fast direkt am Strand wohnt. Ein paar sind schon da. Sie begrüßen sich, freuen sich, dass Eric wieder da ist.
„Wie lange bleibst du?“, fragt Monique, ein zierliches blondes Mädchen, das früher mit ihm zur Grundschule ging. Darauf hat Eric keine Antwort. Bevor er antworten kann, klingelt es. Gwen und ein dunkel-haariger, großgewachsener Typ stehen in der Tür. Fynn, wie man ihm den Jungen vostellt, hat Bier mitgebracht, das Anton ihm dankbar abnimmt.
Gwen begrüßt Eric begeistert. „Mensch Eric, ich hab dich so lange nicht gesehen!“
Sie umarmt ihn fest. Eric ist fast sprachlos. Sie hat sich unglaublich verändert.
„Hi. Ähm.. Du auch.“ Er lacht verlegen. Sie setzt sich neben Eric aufs Sofa.
Der Abend beginnt gut. Es wird gelacht, getrunken und viel erzählt. Einige der Jungs gehen raus, um zu rauchen. Da es die meisten der Jungen sind, geht Eric in Küche, um sich noch etwas zu trinken zu besorgen.
„Und was willst du?“, fragt Gwen belustigt. Sie steht in der Küche und grinst ihn an.
„Keine Ahnung.“
„Na, dann mix ich dir was!“ Sie grinst frech. „Wie geht’s dir?“
„Ganz gut soweit. Irgendwie hat sich alles verändert, aber eigentlich auch nicht!“
„Du meinst die Jungs, oder? Weil sie rauchen und so.“
Eric nickt. „Äußerlich sind sie nur gewachsen, und das Dorf hat sich gar nicht verändert, aber ich hab‘ das Gefühl, sie sind innerlich so anders. Ich pass hier gar nicht mehr her.“ Ihm entfährt ein Seufzen.
Gwen drückt ihn. „Es ist der erste Abend. Das wird schon.“ Sie lächelt ihn an.
„Gwen?“ Fynn kommt in die Küche und küsst sie stürmisch.
„Ist okay, Fynn. Du bist total betrunken. Ich bring dich nachhause.“ Sie sieht Eric genervt an. „Sorry, ich muss meinen Freund mal schnell nachhause bringen.“ Dann ist sie weg.
Anton kommt in die Küche. „Wo ist Fynn?“
„Gwen bringt ihn nachhause.“
„Hast‘ mit ihr geredet?“
„Ja, wieso?“
„Fynn ist n‘ Schläger. Pass auf.“
„Ich hab doch nichts gemacht?“
„Ist schon okay, wenn du sie süß findest, aber mehr auch nicht.“
„Ich muss jetzt heim, Anton.“
„Gut, bis morgen.“

Auf dem ganzen Weg nachhause, denkt Eric darüber nach, ob es ihm wirklich so leicht anzusehen ist, dass er Gwen vielleicht mehr als gut findet.
Sie ist so schön geworden. So erwachsen.
Zuhause begrüßt er nicht einmal seine Großmutter. Er geht hoch in sein Zimmer, legt sich in sein Bett und beobachtet das wellenreiche Meer. Erst lange Zeit später schläf er ein.

Die nächsten Tage bleiben unspektakulär. Eric trifft sich mit den Jungs und unternimmt einiges mit seiner Großmutter. Gwen sieht er wenig, sie grüßen sich nur kurz, wenn sie sich am Strand sehen.
Am späten Dienstagnachmittag klingelt sein Handy überraschend.
„Hallo?“, fragt er.
„Hey Eric, ich bins Gwen. Hab‘ deine Nummer von Anton. Ich hab die Tage Geburtstag und wollte nur kurz fragen, ob du Zeit hättest.“
Er hat plötzlich so ein unbekanntes Gefühl im Bauch. „Ähm… Natürlich hab ich Zeit. Wann feierst du denn?“
„Samstag. Komm einfach so um acht Uhr rum. Brauchst auch kein Geschenk.“
„Doch klar brauch ich ein Geschenk! Was wünscht du dir?“
Gwen kichert. „Bring einfach was zu essen mit, das reicht! Wir sind nachher am Strand, komm doch auch. Bye.“

Oma Tessa kommt herein. „Der Postbote war hier. Dein Vater hat dir wieder etwas geschickt.“ Sie drückt ihm ein Päckchen in die Hand und streichelt über seine Wange, bevor sie geht.
Eric nimmt eine Schere vom Schreibtisch und öffnet das Paket. Sein Vater erzählt von der Arbeit und von den netten Leuten. In dem Paket schickt er ein Glas mit Sand. Er schreibt, dass dieser Sand in dem Gebiet als eine Art „Glückssand“ bezeichnet wird. Er finde diese Idee lustig und schicke ihm daher ein Glas davon, da ja auch bald die Schule anfangen würde. Eric stellt das Glas auf seinen Schreibtisch, danach zieht er sich um und macht sich auf den Weg zum Strand.

Die Tage bis zu Gwens Geburtstag vergehen schnell, und Freitagabend weiß er immer noch nicht, was er ihr schenken soll. Eric steht mit seiner Großmutter in der Küche und backt den Tortenboden. Wenn ihm nichts Besseres einfällt, dann will er wenigstens den besten Kuchen backen, den Gwen jemals gesehen hat. Oma und er wollen morgen früh aufstehen, um die Torte fertig zu stellen.
„Schau mal, wir sind ein gutes Team!“, lacht Oma. „Wir backen eine schöne Torte für dein Mädchen.“
„Oma! Sie ist nicht MEIN Mädchen. Sie hat doch einen Freund und Anton meint, der wäre nicht ohne.“
„Na, dann musst du kämpfen, mein Schatz!“ Oma Tessa zwinkert ihm zu.

Die Musik ist laut, tut fast in den Ohren weh, und von dem Licht wird ihm richtig schwindelig. Für sowas ist Eric nicht gemacht. Die Torte ist großartig geworden, jetzt sucht er Gwen.
Er will die Torte in der Küche abstellen, doch sieht er Gwen draußen in einem Strandkorb sitzen. Alleine.
„Hey Gwen, happy Birthday!“ Er umarmt sie fest. „Ich würde ja für dich singen, aber es gibt nichts, was ich weniger kann.“
Sie lächelt müde. „Danke dir.“
„Alles klar? Du sitzt auf deinem sechzehnten Geburtstag alleine draußen! Wo ist Fynn?“
„Ich weiß nicht, wo er ist. Ist mir grade auch egal.“
„Hey, was ist los?“ Eric setzt sich neben sie in den Strandkorb.
„Weißt du, die Leute kommen hierher, machen Urlaub, finden alles so süß und gemütlich. Sie kommen hierher, weil es gegenüber der Großstadt so ECHT ist. Nichts ist hier echt. Wir leben in einer Plastikwelt. Mit Plastikgärten und Plastikeltern. Fynns und meine Beziehung ist nur noch zur Zierde unserer Familien da. Ich weiß nicht mal, ob er mich liebt.“
Eric hat keine Antwort. Er nimmt sie nur in den Arm. Die Terrassentür öffnet sich. Fynn kommt heraus getorkelt.
„Gwen? Willst du mich verarschen?“ Eric merkt deutlich, dass er angetrunken ist. „Was machst du mit dem?“ Er kommt auf Eric zu und reist ihn hoch.
„Was machst du da? Bist du dumm?“, zischt Fynn ihm ins Ohr.
Eric hebt die Hände. „Wir haben doch nur geredet. Sorry, Mann.“
„Lass ihn los, Fynn!“, ruft Gwen ihm zu.
Doch schneller als man „Geburtstagsfeier“ sagen kann, ist Fynns Faust in Erics Gesicht. Gwen schreckt zurück. Hätte er etwas getan, wäre es das eine, aber sie haben schließlich nur geredet. Die beiden prügeln sich auf dem Rasen, bis Anton dazwischen geht. Gwen steht in der Terrassentür, die Hände vors Gesicht geschlagen. Monique legt einen Arm um sie.
Anton zieht Eric hoch. „Verdammt, was war das denn?“, brummt er ihm ins Ohr.
Eric wirft ihm einen wütenden Blick zu. „Ist nicht meine Schuld, okay?“
Ohne sich zu verabschieden, geht er. Er schreibt Gwen noch, dass die Torte in der Küche steht, dann stellt er das Handy auf Flugmodus und steckt sich die Kopfhörer in die Ohren.

Der Sand ist kalt. Eric hat die Schuhe ausgezogen und schlendert den Strand entlang. Das Meer beruhigt seinen Kopf. Er setzt sich in die Dünen und beobachtet den Sternenhimmel. Die Luft ist kühl, aber es weht kein Wind. Für einen Moment fühlt er sich unendlich. Wie eins mit der Natur.
Aus seiner Hosentasche holt er ein Bild. Es zeigt seinen Vater, seine Mutter und sich selbst vor dem Strandcafé.
„Ich vermisse euch“, flüstert er in die Nacht. Eine Sternschnuppe fliegt über den Himmel. Die Sterne sind viel schöner als in der Stadt. Hier sieht man viel mehr von ihnen.

Als er sich spät in der Nacht ins Haus schleicht, ist nirgendwo mehr Licht. Sein Auge brennt von Fynns Schlägen, aber er beißt die Zähne zusammen. Oben im Bett denkt er nicht weiter nach, schließt nur die Augen.

Leider wird kein Tag leichter. Er sieht Gwen zwar noch, aber mittlerweile grüßen sie sich nicht mal mehr, und Fynn hat es jetzt auf ihn abgesehen. Meistens sind es nur miese Sticheleien und Bemerkungen, aber einmal wird er auch handgreiflich. Eric hat sich nicht mal gewehrt, er konnte es nicht mal. Zwei Jungs hielten ihn fest, während Fynn zuschlug.
Seiner Oma erzählt Eric nichts, auch Anton nicht. Er ist zwar sein bester Freund, aber Eric will nicht wie ein Weichei da stehen.

Eines Morgens, kurz bevor die Schule wieder beginnt, wacht Eric durch ein Klirren am Fenster auf. Kleine Kieselsteine fliegen gegen sein Fenster, er öffnet es.
„Rapunzel, Rapunzel! Lass dein Haar herunter!“, ruft Anton von unten.
Eric entfährt ein lautes Lachen. „Was ist los?“
„Gwen hat mit Fynn Schluss gemacht. Dein Einsatz, Mann!“
Eric zieht sich Jeans und T-Shirt an, schlüpft in seine Schuhe und fährt mit Anton zum Strand.
„Was ist denn passiert?“, fragt er auf dem Weg.
„Er war total besoffen, und sie waren am Strand unten“, beschreibt Anton die Situation. „Er hat in letzter Zeit eh so viel Scheiße gebaut, und da hat er ihr erzählt, dass er sie letzten Monat betrogen hat. Du weißt ja, dass sie schon sehr von ihm genervt war. Da hat sie gesagt, dass er ein egoistisches Arschloch ist. Fynn hat ihr ‘ne Schelle gegeben, und Gwen ist total ausgetickt, hat gesagt, dass es aus ist und ist mit Monique abgehauen.“
„Verdammt, dass hat er nicht im Ernst gemacht?“
Anton zuckt mit den Schultern.

Beim Strandcafé angekommen ist Gwen nirgends zusehen. Anton entdeckt Monique: „Ey Monique, wo ist denn Gwen?“
„Spazieren“, antwortet sie schroff und zeigt in die Richtung, in die sie wohl gegangen ist.
Anton haut Eric gegen die Schulter. „Los! Du wirst sie in nächster Zeit selten alleine erwischen.“
Eric macht sich auf. Er genießt die Sonne und das Wasser an seinen Füßen. Er läuft einige Zeit, bis er Gwen in den Dünen sitzen sieht. „Du sitzt hier so alleine.“ Er wirft ihr ein Lächeln zu.
„Ich denke, du weißt, was passiert ist“, sagt sie.
Eric nickt. „Du hast was Besseres verdient. Das sagt man zwar immer, aber du brauchst wirklich keinen Plastikfreund in einer Plastikwelt.“
„Danke. Das ist süß von dir!“
Er kann ein mattes Lächeln auf ihren Lippen erkennen.
„Die Torte war übrigens unglaublich!“
„Ist ein Familienrezept von meiner Oma.“
„Eric, du! Die Sache mit Fynn tut mir wirklich leid. Ich weiß, dass er das maßlos übertrieben hat, und ich schäme mich so für ihn. Ich war auch so ungerecht, dass ich dich nur noch ignoriert habe und sowas. Du bist ein toller Junge, und ich hab‘ dich echt gerne.“
Die beiden unterhalten sich noch einige Zeit, bis Gwen einen Anruf ihrer Mutter erhält und nachhause zum Essen muss.

Auf dem Weg nachhause ist Eric unglaublich glücklich. Er nimmt die Hände vom Lenker und hebt die Arme. Fühlt sich wie Fliegen an, denkt er. Das Fahrrad stellt er an der Hauswand ab und betritt das Haus.
„Oma! Bin zurück“, ruft er, bekommt jedoch keine Antwort. „Oma?“
Sie sitzt in der Küche. Die schmalen Hände vor dem Gesicht. Andauernd schluchzt sie. Auf dem Tisch liegt ein Brief, den Oma Tessa ihm entgegen schiebt. Eric lässt sich auf einen Stuhl fallen. Er nimmt den Brief aus dem dünnen, weißen Umschlag und entfaltet ihn.
Sein Gesicht wird weiß, die Hände zittern. „Nein…“, flüstert er dem Brief entgegen.
Es ist ein Brief aus Afghanistan, doch nicht von seinem Vater.
Der Brief berichtet, dass sein lieber Vater Theo ins Koma fiel. Er bekam bei einer Explosion im Versorgungszentrum Steine gegen den Kopf, und es ist noch nicht klar, ob er überlebt.
Der Brief fällt zu Boden, ihm ist plötzlich so unglaublich schwindelig. Er versucht, die Treppe in sein Zimmer hoch zukommen, aber es fällt ihm schwer. Das Zimmer kommt ihm so klein vor, er lässt sich aufs Bett fallen und starrt aus dem Fenster. Er sieht sich im Zimmer um. Seine Augen bleiben an dem „Glückssand“ hängen.
„Scheiße! Du hast überhaupt kein Glück gebracht!“, schreit er, während er es gegen die Wand wirft. In dem Moment, als das Glas an der Wand zerspringt und sich eine dünne Sandschicht über sein Zimmer legt, tut es ihm schon wieder unglaublich leid. Eric versucht den Sand wieder zusammen zu bekommen, doch der ist überall. Müde sinkt er auf dem sandigen Bett zusammen und schließt die Augen.

Nach einigen Tagen gibt es immer noch keine neue Meldung. Eric bleibt zuhause. Anton kommt ihm einige Male besuchen, sonst will er niemanden sehen. Besonders Gwen nicht. Er will nicht, dass sie ihn so sieht.
Oma Tessa weint viel. Eric nicht. Es kommt ihm so unreal vor, doch er tröstet seine Großmutter viel. Sie verbringen viel Zeit gemeinsam, kochen und schauen Filme.
Doch Eric kann nicht ewig in dem kleinen Strandhaus bleiben. Die Schule beginnt.

Anton wartet an der Kreuzung, wie früher. Gemeinsam betreten sie die Schule. Vor dem Direktorat klopft er ihm noch einmal freundschaftlich auf die Schulter.
„Schaffst du! Bis gleich.“ Er lässt Eric alleine und dieser betritt nach kurzem Klopfen das Büro.
Die Pause verbringt er mit Anton und einigen anderen Jungs. Gwen läuft mit einigen Freundinnen den Gang hinunter. Er denkt schon, sie ignoriert ihn, doch kurz darauf kommt sie auf ihn zu. Umarmt ihn kurz und flüstert ihm ein leises „Tut mir echt leid für dich“ ins Ohr. Eric hat sich schon gedacht, dass Anton ihr von seinem Vater berichten würde.
Sie unterhalten sich recht normal in der Gruppe, bis Fynn dazu stößt. Die dummen Bemerkungen fangen wieder an, etwas, was Eric jetzt echt nicht gebrauchen kann. Anton weist Fynn einige Male darauf hin.
„Wieso? Er ist doch an allem schuld!“, ruft Fynn. „Wir hätten uns nicht getrennt, wenn der Typ nicht wieder hergekommen wäre. Meldet sich Jahre nicht, und jetzt freut ihr euch alle, dass er wieder da ist.“
Es klingelt. Fynn wirft Eric einen Blick zu, der ihn umgebracht hätte, wenn Blicke töten könnten.
„Wird schon wieder.“ Gwen lächelt ihm besorgt zu.

Am nächsten Tag begegnen sie sich wieder.
„Gibt es schon etwas Neues?“, fragt sie, als sie ihm im Strandcafé entgegen kommt.
Eric schüttelt müde den Kopf. Er hat wenig geschlafen in der letzten Nacht. Viel Gedacht.
„Hey! Er kommt schon durch. Theo ist doch ein Kämpfer. Ich erinnere mich noch an früher“, sagt Gwen und lacht. „Beim Wettessen auf der Kirmes, da hatte doch keiner eine Chance! Also kriegt er das auch hin.“
Eric kann sich auch noch gut erinnern, er war immer sehr stolz, wenn sein Vater wieder mal gewann.

Als Eric nach Einbruch der Dunkelheit das Strandcafé verlassen will, ziehen ihn zwei Hände hinter das Gebäude. Fynn steht vor ihm. Er ist mindestens einen Kopf größer und sieht nicht grade fröhlich aus. „Es reicht mir langsam, Swenson! Wenn du noch länger mit meinem Mädchen turtelst, wachst du das nächste Mal im Krankenhaus auf. Also, verpiss dich!“ Er lässt Erics Kragen los und schubst ihn in Richtung Fahrräder.
Erics Knie fühlen sich wie Wackelpudding an, sein Atem geht schnell, und er braucht länger als gewöhnlich nachhause. Er hat Gwen unheimlich gerne, aber er hat schon eine Kostprobe davon bekommen, wozu Fynn fähig ist.
Schlafen fällt ihm heute schwer, gegessen hat er auch nichts. Trotzdem sagt er seiner Großmutter, er habe im Strandcafé schon etwas gegessen.

Gwen grüßt ihn, Eric sie nicht. Gwen ruft an, Eric drückt sie weg. Gwen schreibt ihm, Eric antwortet nicht.
Er hat keinem von der kleinen Geschichte erzählt, Anton würde ausrasten.

Eric, Anton und ein paar der anderen sitzen auf der Tischtennisplatte, die Sonne scheint ihnen ins Gesicht. Es ist ein toller Tag!
Jemand steht Eric plötzlich in der Sonne und tippt ihm auf die Schulter.
Er öffnet die Augen, vor ihm steht Gwen. Ruckartig setzt er sich grade auf und streicht sich das T-Shirt glatt.
„Bitte, Eric.“ Sie bedeutet ihm mitzukommen.
Sie stehen unter einer großen Eiche nahe dem Schulgebäude.
„Gwen, ich kann nicht.“ Eric dreht sich schon wieder um, doch sie hält ihn zurück.
„Was ist los? Was hab ich gemacht?“
Ihre grünen Augen glänzen, und der Wind weht ihr die dunkelblonden Haare ins Gesicht.
„Fynn“, ist alles was er grade heraus bekommt.
„Was ist mit ihm? Was hat er wieder gemacht?“
Doch bevor Eric antworten kann, steht Fynn selbst neben ihm. „Scheiße Mann, ich hab dir doch gesagt, du solltest es lassen!“
Erics Auge pocht, doch er schlägt zurück. Wenn er schon zum Scheitern verurteilt ist, dann zumindest nicht kampflos. Doch Fynn verpasst ihm einen Schlag, der ihn in die Knie zwingt.
„HEY!“, schreit plötzlich eine Stimme aus dem Nichts. Fynns Hand bremst kurz vor Erics Nase. Eric schaut sich um. Es hat sich eine Menschentraube gebildet, die die beiden beobachtet. Eine junge Frau kämpft sich zwischen den Leuten durch.
Sie zieht Fynn von Eric runter und hilft dann Eric hoch. „So! Ihr zwei kommt mal mit in mein Büro.“ Die junge Lehrerin ist Frau Watson aus England, die man extra als Vertrauenslehrerin herholte.

„Was ist denn in euch gefahren?“, fragt sie. Beide Jungen schweigen.
Sie seufzt: „Ich weiß nicht, was das Problem zwischen euch ist, aber ich gehe jetzt raus und ihr bleibt hier drin, bis ihr euch ausgesprochen habt.“ Sie verlässt den Raum.
Eric fängt an. „Ist ja okay, wenn du sie wieder haben willst, aber du brauchst mich echt nicht dauernd schlagen. Lass mich einfach in Ruhe. Ich weiß nicht, was du für ein Problem mit mir hast.“
„Ich hab kein Problem mit dir“, flüstert Fynn zaghaft.
„Was ist denn sonst los?“
Fynn braucht einige Zeit, aber er reißt sich tatsächlich zusammen und redet: „Ich muss mir doch irgendwie Respekt verschaffen, sonst stehe ich bei meinen Eltern wie ein Nichtskönner da.“
„Aber doch nicht mit Gewalt. Das kann man auch anders regeln.“
„Scheiße, Mann. Ich bin nicht so ein Genie wie meine Schwester. Ich kann doch sonst nichts.“ Fynn schreit förmlich.
Das erschreckt Eric richtig. „Natürlich bist du in etwas gut. In Sport oder… In Chemie bist du doch auch nicht schlecht.“
„Es ist einfach echt schwer bei mir zuhause. Meine Eltern haben wenig Zeit und meine Schwester ist nur noch selten da.“ Fynn sieht betrübt zu Boden.
Eric hat ihn noch nie traurig gesehen. „Und dann sind da auch noch du und Gwen. Du hast keine Ahnung, was Gwen für mich war.“
Erst ist Eric sich nicht ganz sicher, aber Fynn, der große, muskulöse Typ, der ihn eben noch krankenhausreif prügeln wollte, weint. Nicht doll, aber er wischt sich grade eine Träne von der Wange.
Eric ist nun gespannt. „Was war sie denn für dich. Erklär‘ mir das doch.“
Fynn muss sich wirklich zusammen reißen, um nicht einfach aus dem Raum zu rennen. „Sie ist die Einzige, die mir mal zugehört hat, und die Einzige die mich geliebt hat. Wenn sie mich denn geliebt hat. Scheiße, ich hab keine Ahnung, warum ich dir das erzähle.“
„Ist okay, echt! Kein Problem und ich werd auch keinem erzählen, was hier passiert ist. Aus sicherer Quelle weiß ich außerdem, dass sie dich geliebt hat.“
„Ich brauch sie eben irgendwie.“
„Ich verstehe, was du meinst“, spricht Eric ihm gut zu. „Aber nur, weil ihr kein Paar mehr seid, kannst du doch trotzdem noch mit ihr reden. Gwen kann doch ganz gut verzeihen. Ehrlich Fynn, ihr könnt doch trotzdem Freunde bleiben. Hast du dir mal überlegt, dass eure Beziehung zuletzt gar nichts mehr mit Liebe zu tun hatte?“
Fynn scheint nicht mitzukommen. „Versteh ich nicht…“
„Ich meine, du hast so viel Mist gebaut. Vielleicht lag es daran, dass ihr euch nicht mehr geliebt habt, und ihr euch nichts mehr geben konntet. Glaubst du nicht, es ist besser so?“
„Verdammt, ich glaube, du hast sogar Recht. Vielleicht bin ich ja nicht so der Beziehungstyp.“
„Vielleicht ist Gwen zwar eine gute Freundin, aber vielleicht ist sie einfach nicht die Richtige für dich. Du findest schon dein Mädchen.“
Fynn schaut ihn an, seine Augen sind rot und ein wenig verquollen. „Danke Mann!“
Beide stehen auf und umarmen sich kurz.
„Du solltest kurz auf die Toilette gehen, wegen deinen Augen. Du hast einen Ruf zu verlieren.“ Eric grinst.
Fynn hebt die Hand und verlässt den Raum. Eric geht ebenso, er möchte unbedingt mit Gwen reden und ihr seine Ignoranz erklären.

Die beiden setzen sich im Strandcafé zusammen.
„Er hat dir wirklich gedroht? Was für ein Schwein!!“
„Nein Gwen, er hat mir viel von euch und ihm selbst erzählt, ich verstehe sein Problem. Ich hab ihm das längst verziehen.“
„Ich verzeih ihm das nicht!“
„Tu es. Bitte! Für mich.“
„Vielleicht…“
Die beiden reden einige Zeit weiter, bis Eric nachhause muss.

Der Weg nachhause kommt ihm heute schöner vor, überall Blumen. Ihm kommen Leute mit Hunden entgegen, spazierende Pärchen, alte und junge. Radfahrer, Skater. Er grüßt alle.
Zuhause hilft er seiner Oma beim Kochen, lädt Anton zum Essen ein. Oma Tessa holt die Brettspiele raus. Es wird ein witziger Abend.

Das Telefon klingelt. Eric schaut auf die Uhr. Kurz nach Zwei. Anton schläft einfach weiter, und seine Großmutter hört er auch nicht im Flur. Also steigt Eric aus dem Bett, das Telefon klingelt unaufhörlich.
„Hallo?“
„Hey, Sportsfreund!“
„PAPA!“
„Mach schon mal alles bereit, ich komme nachhause.“
„Wann? Wie geht es dir? Was ist los?“
„In ein paar Tagen. Ich bin noch angeschlagen, aber schon seit mehreren Tagen wach. Ich durfte jetzt erst anrufen. Tut mir leid, Kleiner!“
„Gott, Papa, ich freu mich so! Ich hatte so Angst.“ Endlich kann er weinen. Nach all der Zeit, fließen die Tränen über sein Gesicht. „Du kommst nachhause.“
Die beiden telefonieren noch einige Zeit, bis Erics Vater weg muss.
Eric läuft die Treppen hoch, nimmt drei Stufen auf einmal.
„ER KOMMT NACHHAUSE!“

Gwen und Anton sind mit zum Flughafen gekommen, und auch Johannes, der Fischer ist dabei. Oma Tessa zittert schon die ganze Zeit, Johannes musste das Fahren übernehmen. Eric ist aufgeregt, endlich bekommt er seinen Vater wieder. Sie stehen in der Empfangshalle, Gwen nimmt vorsichtig seine Hand, doch Eric starrt nur auf die elektronischen Türen, jedes Mal, wenn sie sich öffnen, drückt er ihre Hand ganz fest.
„THEO!“, ruft Oma Tessa.
Erics Augen glänzen, und er lässt Gwens Hand los und läuft zu seinem Vater. „Ich hab dich so unglaublich vermisst.“.
Theo begrüßt seine Mutter und die anderen.
„Schön, dass es Ihnen wieder gut geht!“ Gwen lächelt. „Ihr Sohn hat sich wirklich Sorgen gemacht.“
Das Auto ist proppenvoll. Sie haben einen Platz zu wenig. „Sonst setz ich mich eben auf Erics Schoß“, wirft Gwen beiläufig ein. So sitzen Johannes und Erics Vater vorne und Anton, Oma und Eric mit Gwen auf dem Schoß hinten.

Zuhause wird erst mal gekocht. Alle helfen, und es mach wirklich Spaß. Anton und Eric schmieren sich gegenseitig Soßen ins Gesicht. Gwen filmt sie dabei. Theo erzählt Geschichten aus den letzten Monaten und Johannes holt frische Fische aus dem Auto.
Das Essen ist köstlich, und es bleibt wenig übrig.
„Ich war schon Ewigkeiten nicht mehr am Strand“, meint Erics Vater nach einiger Zeit. „Na los! Lasst uns an den Strand gehen.“

Oma Tessa, Johannes und Theo unterhalten sich, mit den Füßen im Meer. Anton hat Monique angerufen, und die beiden sind in der Abenddämmerung schwimmen gegangen. Gwen und Eric spazieren den Strand entlang.
„Schon heftig, was in den letzten Wochen passiert ist, was?“, fragt Gwen.
Eric nickt. „Danke nochmal, dass du mich so unterstützt hast. Das war echt lieb von dir, und es hat mir sehr geholfen, dich da zu haben.“ Er lächelt verlegen.
„Du Eric?“ Gwen bleibt stehen. Sie sieht im in die Augen, dann aufs Meer. „Wir haben in den letzten Wochen so viel Zeit miteinander verbracht und weißt du“, sie stockt, „ich hab dich wirklich unglaublich gerne.“
Heißt das, sie liebt ihn? Eric kann es kaum fassen. Das Mädchen seiner Träume ist in ihn, Eric Swenson, verschossen?
„Eric? Hast du mir zugehört?“, fragt sie verwirrt.
Erics Herz schlägt so laut, seltsam, dass man es nicht im ganzen Dorf hört. „Gwen, ich..“ Doch er hört auf zu reden und überlegt es sich anders. Langsam neigt er seinen Kopf und kommt Gwens Gesicht immer näher. Kurz bevor ihre Lippen sich berühren, hält er inne. Sie atmen praktisch dieselbe Luft. Vorsichtig drückt er seine Lippen auf ihre und schließt die Augen.
Eric legt seine Hand an ihre Wange, und sie verschränkt ihre Arme in seinem Nacken. Es ist ein langer, zärtlicher Kuss. Sie lösen sich und Eric lächelt sie an. „Möchtest du, Gwen Jensen, offiziell meine Freundin sein?“
„Um Gottes Willen, ja, du Dummkopf!“ Sie küsst ihn wieder.
Er nimmt Gwens Hand und verschränkt seine Finger mit ihren. Langsam schlendern sie zurück. Wie damals in dieser Nacht alleine am Strand, fühlt Eric sich unendlich. Aber ein anderes Unendlich. Ein Unendlich, das man unbedingt teilen möchte. Und Eric möchte es mit Gwen teilen.

Epilog
Der Tag ist richtig schön. Eric und Gwen laufen Hand in Hand durchs Dorf. Die Ferien haben gerade erst begonnen, deshalb gibt es am Abend noch eine Feier, die Anton und Monique organisieren. Die zwei sind mittlerweile auch ein Paar. Jeder soll etwas zu essen mitbringen. Eric hat sich überlegt, die neue Bäckerei von seinem Vater und Oma Tessa ein bisschen anzupreisen, darum sind sie auf dem Weg zur Bäckerei. Erics Vater wollte schon lange Zeit eine Bäckerei. Immer, wenn sie kurz bei Oma Tessa reinschneiten, redeten sie über ihre grandiose Idee. Sie können beide wirklich unglaublich gut backen. Und besonders zusammen backen sie gerne.
Eric war in den Osterferien mit Gwen und ihren Eltern im Urlaub und als er zurückkam, waren die Planungen schon im vollen Gange. Einfach so! Seine Großmutter und Theo haben sich überlegt, dass Theo jetzt nicht mehr zurück zur Bundeswehr kann, und er ja etwas anderes machen sollte. So setzten sie ihre Idee in die Tat um.
Die Bäckerei ist in der Nähe der Kreuzung, an der sich Anton und Eric immer treffen, um zur Schule zu fahren. Auf der gestreiften Markise steht groß: „ Die kleinen Nordseebäcker“.
Oma Tessa fand den Namen so „niedlich“, dass das Geschäft unbedingt so heißen musste. „Ach Eric. Was machst du denn hier?“, fragt seine Großmutter erstaunt, als die beiden den Laden betreten.
„Hat Papa dir nicht Bescheid gesagt, dass Gwen und ich was für die Party bei Anton nachher brauchen?“
„Ach, das hab ich ja ganz vergessen!“

Mit bunten Macarons und einem kleinen Kuchen betreten Gwen und Eric die Feier. Das Essen wird ihnen dankend abgenommen. Anton und Monique sind auf der Tanzfläche. Fynns Freundin Alina unterhält sich mit ein paar Mädchen aus der Schule. Fynn selbst hat sich zusammen gerissen, hat sich in der Schule bemüht und ist jetzt auf einem Auslandsjahr in Amerika.
„Eric, sie spielen unseren Song, na komm, wir müssen tanzen!“ Gwen zieht ihn zu den anderen eng tanzenden Pärchen.
Sie verschränkt ihre Arme in seinem Nacken und legt ihren Kopf an Erics Brust. Er umfasst ihre Hüfte und so tanzen sie, engumschlungen, Ewigkeiten.