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Interviews und Recherche zum Thema Heimat

Von Ann-Cathrin Vogel

Sitten und Gebräuche wie das Weihnachtsfest, sind überall auf der Welt mit Heimatgefühlen verbunden und werden meistens vom Geburtsland und den Eltern übernommen.

Interview zum Weihnachtsfest mit Maike Neugebauer

Verbinden Sie das Weihnachtsfest mit Heimat ?
Auf irgendeine Weise schon, denn für mich ist die Heimat das Zusammensein mit meiner Familie. Auch wenn meine Familie nicht sonderlich groß ist, ist es trotzdem sehr wichtig die Zeit, die wir haben, zusammen zu verbringen.

Was wird bei Ihnen denn als Weihnachten angesehen ? Also wie sieht ihre Weihnachtzeit aus?
Bei mir ist die Weihnachtszeit die Zeit ab dem 01. Dezember bis zum zweiten Weihnachtfeiertag am 26.Dezember. Unsere familiäre Feier findet am 24. Dezember statt. Wie eigentlich bei vielen wird der Heiligabend dazu genutzt, um zusammen zu essen und den Tag / Abend gemeinsam zu verbringen. Wie ich da immer gerne sage:„Unter dem Tannenbaum sitzen“.

Also gibt es einen Tannenbaum ?! Wie sieht denn der Rest ihres Zuhauses aus? Haben sie weihnachtliche Deko ?
Ja, unsere Wohnung sieht immer aus, als sei Deko überhaupt das Wichtigste, denn überall in der Wohnung stehen Figuren und alles Mögliche herum. Auch sehr viel Dekoschnee liegt überall rum. Unsere ganze Familie ist „leicht“ dekorations-verrückt.

Und Ihr Tannenbaum, wie sieht der aus ?
Also unser Tannenbaum ist jedes Jahr aufs Neue gleich geschmückt, da ich schon immer die Farben Rot und Silber toll fand, wusste ich schon als Kind, dass ich wenn ich erwachsen bin, eine rot silberne Weihnachtsdeko haben wollte. Da ich nicht die ganze Deko in diesen Tönen halten wollte, habe ich mich entschieden, mir in diesen Farben Tannenbaumkugeln zu kaufen.
Dass klingt sehr interessant. Und haben sie einen echten Tannenbaum oder haben sie das pflegeleichte Modell – also einen Kunst Baum ?
Mein Mann und ich haben denn auch noch entschieden, dass wir uns einen künstlichen Tannenbaum kaufen. Dieser Kauf hat uns nicht nur viele stressige Stunden erspart und auch sehr viel Geld, da so ein echter Tannenbaum heutzutage auch immer teuer wird.

Gibt es irgendwelche Traditionen an Heiligabend?
Bei uns gibt es die klassischen Traditionen nicht mehr. Früher als die Kinder noch jünger waren, gab es noch welche.

In wie fern?
Wir sind vor der Bescherung und dem Essen in die Kirche zum Kindergottesdienst. Dort waren wir so vor 5 Jahren das letzte Mal. Da die beiden keine Lust mehr haben sich das Krippenspiel anzuschauen und zu singen.‘

Gibt es denn beim Weihnachtsessen die klassische Gans oder gibt es etwas anderes?
Da meine Familie kein Fan von Gans ist, gibt es meistens Rouladen mit Knödeln und Rotkohl.
Das Essen ist immer ein sehr schöner Anlass sich mit der Familie zu unterhalten und die gemeinsame Zeit zu genießen.

Wenn man über die Feiertage mit der Familie zusammen ist, gibt es da nicht auch Reibungspunkte, bei denen es auch mal zum Streit kommt?
Ja, klar aber in welcher Familie mit mehreren Generationen und Interessen kommt es nicht mal zum Streit. Vor allem in der Weihnachtszeit, wo alle sehr sentimental sind, reicht eine lächerliche Diskussion aus, um einen Streit zu verursachen.

Welchen Konflikt würden sie als lächerlich ansehen ? Könnten sie mir ein Beispiel nennen ?
Ja klar, als lächerlich sehe ich an, dass sich meine Schwester und meine Mutter „streiten“,  wer denn das Weihnachtsessen kocht, diesen Konflikt bringen die beiden fast jedes Jahr aufs neue auf den Tisch.

„DRIVING HOME FOR CHRISTMAS“
In Ländern, wo Weihnachten gemeinsam gefeiert wird, erfüllt diese Tradition einen wichtigen sozialen Aspekt: Den Familienzusammenhalt. Ein bekanntes Beispiel ist der Dauererfolg des Songs „Driving home for christmas“ von Chris Rea. Viele Familien leben an unterschiedlichen Orten, sehen sich selten oder gar nicht. Weihnachten ist ein, wenn nicht sogar der wichtigste Anlass Zeit miteinander zu verbringen. Hierbei kommt es nicht darauf an, wie genau gefeiert wird. Dies sieht in verschiedenen Ländern unterschiedlich aus. Wichtig sind Kindheitserinnerungen und Gemeinsamkeit, Vertrautes, Heimatgefühle.

Recherche:  Weihnachten in Deutschland im Vergleich mit Spanien und England
Im Folgenden wird zunächst beschrieben, wie weihnachtliche Traditionen entstanden sind, sich in vielen Ländern ausbreiteten und wie der Tagesablauf des 24.12. in vielen Familien in Deutschland Jahr für Jahr abläuft.
24.12. – Heiliger Abend
 Der Heilige Abend ist der Vorabend des Weihnachtsfestes und kein Feiertag. So haben die Geschäfte bis 14 Uhr geöffnet, aber viele Leute nehmen an diesem Tag bereits frei. In Deutschland spielt dieser Tag die Hauptrolle bei den Weihnachtsfeierlichkeiten. Während die Mutter die letzten Lebensmittel besorgt und bereits das Weihnachtsessen vorbereitet, ist es meist Aufgabe des Vaters mit den Kindern zusammen den Christbaum aufzustellen und zu schmücken.

Weihnachtsbaum
 Die Tradition des Weihnachtsbaumes stammt aus dem 17. Jahrhundert. Die immergrüne Tanne oder Fichte steht für Leben und Hoffnung. Bereits im 16. Jahrhundert wurden in Deutschland vermutlich Weihnachtsbäume aufgestellt. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch an Weihnachten einen Baum aufzustellen – vor allem in den bürgerlichen Häusern. Als Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha 1840 Victoria von England heiratete und beide die deutschen Weihnachtsbräuche pflegten, wurde der mit Süßigkeiten und Figuren geschmückte Weihnachtsbaum in Großbritannien immer beliebter. Mit deutschen Auswanderen verbreitete der Brauch zu Weihnachten einen Baum aufzustellen, auch in den USA. 1891 stand vor dem Weißen Haus in Washington das erste Mal ein Weihnachtsbaum.

Weihnachtsschmuck
Es ist ein ursprünglich rein deutscher Brauch, den Christbaum zu schmücken. Von der armen Bevölkerung wurde er früher traditionell mit eingelagerten Winteräpfeln und Süßigkeiten geschmückt. Der Adel dagegen dekorierte die Bäume zuerst mit vergoldeten Früchten, später mit versilberten Glaskugeln. Die traditionellen Kugelfarben sind Rot, Gold und Silber. Heute wird der Christbaum je nach Geschmack mit Kerzen (meist elektrisch wegen der Brandgefahr), Christbaumkugeln, Lametta (silberne oder goldene sehr dünne Metallstreifen), Schleifen, Strohsternen, Holzspielzeug, Schokoladenanhänger und/oder Sternwerfern geschmückt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Krippe 
Nachdem der Christbaum geschmückt wurde, wird unter ihm eine Krippe aufgestellt. Sie ist meist aus Holz und stellt den nachgebildeten Stall mit dem neugeborenen Jesuskind, seinen Eltern, den Hirten und den Tieren dar. In Deutschland ist die Variation an Krippen sehr groß, häufig wird auf dem Weihnachtsmarkt jährlich eine neue Figur zur Erweiterung der Krippe dazugekauft.

Kindermette
 Am Nachmittag findet in den Gemeinden ein Kinderweihnachtsgottesdienst statt. In der festlich geschmückten Kirche mit Christbaum und großer Krippe, wird die Weihnachtsgeschichte vorgelesen oder von den Kindern ein Krippenspiel aufgeführt. Im Kerzenschein werden außerdem Weihnachtslieder gesungen und auf das Weihnachtsfest eingestimmt. Dieser schöne weihnachtliche Gottesdienst wird häufig auch von Erwachsenen besucht, die nachts die Christmette nicht besuchen möchten.‘

Friedhofsbesuch 
Nach der Kindermette geht die Familie meist auf den Friedhof und besucht die Gräber der verstorbenen Angehörigen. Häufig stehen auf den Gräbern kleine Christbäume mit Wachskerzen oder zumindest Kerzen, die angezündet werden. Allen Bekannten, denen man auf dem Weg begegnet wird ein schönes Weihnachtsfest gewünscht. In manchen Familien ist es Tradition, dass sich alle Kinder und Enkel am Grab der Großeltern um 17 Uhr nach der Kindermette treffen. Kinder spielen am Grab für die verstorbenen Großeltern Flöte und singen Lieder.

Essen Nach dem Friedhofsbesuch findet meist anschließend zuhause das Weihnachtsessen statt. Bis vor 50 Jahren war das Essen am Heiligen Abend, der noch zur Fastenzeit zählte, festgelegt. Es gab entweder ein gedünstetes Fischgericht oder einen Salat aus Salzheringen mit Kartoffeln. Auf dem Land wurden Rohrnudeln (gebackene Hefeteigklöße) sowie eine Suppe gegessen. Erst nach der Christmette gab es Bratwürste mit Sauerkraut. Heute gibt es keine festen Essensregeln mehr. In Familien mit Kindern wird meist ein schnelles Essen wie Würstchen mit Kartoffelsalat gereicht, da die Kinder ungeduldig auf die Geschenke warten. In Familien ohne Kinder hat sich in den letzten Jahren das Weihnachtsessen zu einem Festessen mit mehreren Gängen entwickelt. Nach dem Essen werden Plätzchen, Stollen und Glühwein gereicht.

Weihnachtsgeschichte
 Nach dem Essen wird in vielen Familien die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Sie erzählt davon, wie sich Josef mit seiner schwangeren Frau Maria auf den Weg zur Volkszählung machte. Da sie in Bethlehem keine Herberge zur Übernachtung fanden, gebar Maria ihren Sohn Jesus in einem Stall und legte ihn in Windeln gewickelt in eine Krippe. Ein Engel verkündete den Hirten, die ihre Tierherden auf den umliegenden Feldern hüteten, dass in diesem Stall der Sohn Gottes geboren wurde. Und so eilten sie herbei, um das Neugeborene zu betrachten.

Weihnachtslieder
 Im Anschluss an die Weihnachtsgeschichte werden in manchen Familien Weihnachtslieder gesungen und wer ein Instrument spielen kann, musiziert dazu. Als Alternative wird häufig eine CD mit Weihnachtsliedern abgespielt. Die ältesten deutschen Weihnachtslieder wurden bereits vom 11. bis 14. Jahrhundert komponiert. Das bekannteste Weihnachtslied ist „Stille Nacht, Heilige Nacht“, gefolgt von „O du fröhliche“, welche erst im 18. und 19. Jahrhundert entstanden sind.

Bescherung
 Jetzt ist der Zeitpunkt für die Geschenkübergabe, für die Bescherung, gekommen. Kindern wird erzählt, dass das Christkind (oder der Weihnachtsmann) die Geschenke bringt und so wird das Wohnzimmer abgeschlossen, bis die Kerzen am Baum entzündet und die Geschenke aufgebaut sind. Es ist ein besonders schöner Anblick, die leuchtenden Kinderaugen beim Anblick des Christbaumes sowie der Geschenke zu sehen! Das Jesuskind bzw. Christkind wurde im 16. Jahrhundert von Martin Luther als Geschenküberbringer für die Kinder eingesetzt – als Ersatz für den heiligen Nikolaus, der früher in der Nacht zum 6. Dezember die Geschenke überbrachte. Der Geburtstag des Jesuskindes sollte fortan der Tag für den Austausch von Geschenken sein, da in der protestantischen Kirche die Anbetung von Heiligen verpönt ist.

Geschenke
Beschenkt werden vor allem die Kinder von den Eltern, Großeltern und Tanten. Unter dem Weihnachtsbaum liegen für sie vorwiegend Spielzeug, neue Skier, Schlittschuhe, ein Pullover oder Geld. Größere Kinder, die nicht mehr ans Christkind glauben, schenken ihren Eltern und Großeltern ebenfalls etwas zu Weihnachten. In der Familie beschenkt man sich gegenseitig, wobei diese Tradition immer mehr abgeschafft wird. Kleine Geschenke erhalten meist auch Freunde und enge Geschäftspartner. An den Geschenken hängen meist kleine Kärtchen, in denen ein schönes Weihnachtsfest sowie ein gutes neues Jahr gewünscht wird. Beliebte Geschenke im Familien- und Freundeskreis sind Bücher, CDs, Wein, Delikatessen, Theater-, Konzert- oder Kinokarten und Selbstgefertigtes wie z.B. gestrickte Socken, Mützen, Schals usw. Geschäftspartner werden häufig mit Spirituosen oder Kalendern beschenkt.

Weihnachten in Spanien
Auch in Spanien trifft sich zu Weihnachten die Familie und feiert nach überlieferten Traditionen.
Am 24. Dezember, der Noche Buena, trifft man sich mit der ganzen Familie zu einem üppigen Essen. Neben diversen Köstlichkeiten kommt auch ein spanisches Gericht auf den Tisch, das sich „Turron“ nennt. Es besteht aus Eiern, Mandeln, Honig und Zucker und ist das Highlight auf jeder Festtagstafel. Nach dem Essen gibt es nicht etwa Nachtisch, sondern auf den Tisch kommt dann die „Urne des Schicksals“, ein kleines Gefäß, in dem sich Geschenke befinden, aber auch Nieten. Nun muss jeder Familienangehörige solange in die Urne greifen, bis er ein Geschenk gezogen hat.
Und noch etwas ist in Spanien an Weihnachten grundlegend anders als in Deutschland. Die Kinder bekommen ihre Geschenke nicht am 24. Dezember, sondern die Bescherung ist erst am 6. Januar. Kaum zu glauben, aber wahr. Auch der Tannenbaum war vor einigen Jahrzehnten noch nicht in spanischen Wohnzimmern zu finden. Traditionell findet um 24°° Uhr die Mitternachtsmesse statt, die man in Spanien „Misa del Gallo“ – die Messe des Hahns nennt, denn ein Hahn soll als erster die Geburt Jesu verkündet haben.
Weiter geht es dann am 28. Dezember mit dem Dia de los Inocentes, dem Tag der unschuldigen Kinder. An diesem Tag können die Kinder nach Lust und Laune Streiche spielen, dieser Tag ähnelt in gewisser Weise unserem ersten April. Am fünften Januar geht es dann weiter, denn die Heiligen drei Könige halten Einzug in die spanischen Orte. Es gibt große Umzüge und es werden allerlei Süßigkeiten verteilt.
Am Abend vor dem 6. Dezember legen spanische Kinder für die Kamele etwas Wasser und Stroh vor die Tür. Zu guter Letzt, um die Weihnachtsfeierlichkeiten ausklingen zu lassen, gibt es am Abend des sechsten Dezember nochmal ein großes Essen, mit einem Kuchen, der sich Rosco de Reyes nennt. In ihm befindet sich eine Figur und derjenige, der sie bekommt, ist König für diesen Tag.
Weihnachten in England
In England wird Weihnachten auf ähnliche Weise gefeiert wie in Deutschland. Die Familie und Freunde zu treffen, sich heimisch zu fühlen, ist auch hier das wichtigste. Dennoch gibt es Unterschiede.
In England bringt der Weihnachtsmann, der meist als Father Christmas und seltener als Santa Claus bezeichnet wird, die Geschenke. Wie bei den Amerikanern heißt es auch in England, dass der Weihnachtsmann in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember mit seinem Rentierschlitten unterwegs ist, durch die Kamine der Häuser rutscht und Geschenke in den meist am Kaminsims aufgehängten Strümpfen (stockings) hinterlässt. Die typischen stockings sind relativ lang, weihnachtlich verziert und oft mit dem Namen der Besitzer versehen. Das Auspacken der Weihnachtsgeschenke findet in England am Morgen des 25. Dezembers statt.
Traditionell sitzt die Familie am 25. Dezember gegen 15:00 Uhr vor dem Fernseher, um sich gemeinsam die jedes Jahr stattfindende Weihnachtsansprache der Queen anzuschauen und anzuhören.
Der 26. Dezember wird als Boxing Day bezeichnet. An diesem Tag werden traditionell Bekannte und Freunde besucht. Da geht es dann sehr laut und bunt her – eher so wie in Deutschland Silvester gefeiert wird.
Zu den weiteren englischen Weihnachtsbräuchen gehört beispielsweise das Küssen unter dem Mistelzweig. – Mistelzweige werden häufig über Türen aufgehängt, begegnen sich dort zwei Menschen, dürfen sie sich küssen. Das ist nicht selten der Beginn eines Flirts. Misteln stehen als Zeichen von Frieden und Versöhnung. Das Weihnachtssingen der Kinder ist ebenfalls noch weit verbreitet in England. Die Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen die so genannten Christmas Carols (alte Weihnachtslieder).  Damit wird an die Zeiten erinnert, als Kinder aus ärmeren Verhältnissen zu Weihnachten bei Reichen sangen, um milde Gaben zu erbitten. Auch die Weihnachtspost spielt in England eine sehr große Rolle. Jahr für Jahr werden mehr als eine Billion Weihnachtskarten verschickt. Die erhaltenen Weihnachtskarten werden zu Weihnachten an langen Schnüren im Zimmer aufgehängt oder auf dem Kaminsims aufgestellt.
Zum Abschluss der Weihnachtszeit stattet die Gestalt „Mari Lwyd“ den Engländern am 6. Januar einen Besuch ab. – Bei „Mari Lwyd“ handelt es sich um eine weißvermummte Person, die an Haustüren klingelt, Rätsel stellt und gleichfalls ein Rätsel gestellt bekommt. Wer hier versagt, wird von „Mari Lwyd“ gebissen und muss diese bewirten.