shadow

Laika, die Heldin der 1a

von Melek, Kaan und Ogün

Calvins Heldin heißt Laika. Wenn er von ihr spricht, leuchten seine Augen. „Sie hat nie schlechte Laune und ist immer nett zu uns“, sagt der Junge mit den dunklen Locken und dem strahlenden Lächeln. Er ist acht Jahre und geht in die 1a der Stadtteilschule Lurup. Mit seinen Mitschülern sitzt er auf einem flauschigen roten Teppich im Klassenzimmer. Laika sitzt neben ihm und schaut ihn aufmerksam an. Sie hat glänzende braune Haare, braune Augen – und vier Beine. Laika ist der Schulhund der Grundschule der SLH. Seine Besitzerin ist Frau Lüth , die Klassenlehrerin der 1a. „Laika ist meine pädagogische Unterstützung, so etwas wie meine Assistentin“, sagt die Lehrerin. „Ich bin sehr froh, dass ich sie habe, denn seitdem läuft der Unterricht viel besser.“ Sie erzählt, dass sie vor einiger Zeit einmal etwas über Schulhunde gelesen hätte, die in Inklusionsklassen einsetzt werden, um die Arbeitsatmosphäre und das Verhalten der Schüler positiv zu verändern. „Da habe ich mir gedacht: Warum nehmen wir nicht einfach meine Hündin Laika für unsere ersten Klassen? Sie ist ein besonders friedfertiger und ausgeglichener Hund und obendrein, wie die meisten Labradore, besonders kinderlieb.“ Vor zwei Jahren ist Frau Lüth also mit Laika noch einmal zur Schule gegangen. Ums so etwas wie einen „Hundeführerschein“ für den Schulunterricht zu machen, musste sie praktische und theoretische Stunden absolvieren. In der Theorie erfuhr Laikas Frauchen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten muss, z. B. wenn ein Kind Angst vor dem Hund hat. Die Praxis baute auf Verhaltensregeln auf, die dem Hund beigebracht wurden, um das Zusammensein von Kindern und Hund im Klassenraum zu ungefährlich wie möglich zu machen. „Da Laika z. B. von einer Gruppe Kindern angeschrieen, weil man testen wollte, ob sie friedlich bleibt und nicht vielleicht doch aus Angst beisst.“ Doch Laika liess sich nicht aus der Ruhe bringen und bestand den den Test mit Auszeichnung. „Das war mir von Anfang an klar“, sagt Frau Lüth. „Laika würde niemals einen Menschen beissen.“ Viel friedlicher sind vor allem die Kinder geworden, seitdem Laika da ist. „Es gibt keine Gewalt mehr in den Klassen“, sagt Frau Lüth. Früher hätte es immer mal wieder gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Schülern gegeben, doch Laika hat immer wieder für Ruhe gesorgt. „Sie berührt die Kinder auf der emotionalen Ebene. Auf einer Ebene, die ich als Lehrerin mit Worten allein nicht erreichen kann.“ Aleyna, ein Mädchen mit langen, schwarzen Locken, erzählt die Geschichte, wie es Laika geschafft hat, einen Jungen aus ihrer Klasse, „der immer sauer war“, wieder auf den richtigen Weg zu bringen. „Der Junge, der jetzt nicht mehr in unsere Klasse geht, war sehr oft wütend und schrie viel rum. Nur wenn Laika zu ihm kam, beruhigte er sich. Er mochte Hunde sehr gern. Laika hat etwas an sich, was Kinder beruhigt.“ Es ist nicht nur ruhiger in der Klasse geworden, die Kinder gehen auch lieber zur Schule als früher. „Ich freue mich morgens immer schon auf Laika“, sagt ein schmaler blonder Junge. Und auch Laika fühlt sich offenbar wohl im Kreis der Kinder. Sie hat sich hingelegt und genießt es, abwechselnd von jedem Schüler gestreichelt zu werden. „Sie springt über uns, wenn wir ihr das sagen“, sagt Aleyna. Um das zu beweisen, springen alle Kinder auf. Laika wedelt mit dem Schwanz, tobt wild mit den Kindern herum und scheint sich genauso gut zu amüsieren wie sie. Es ist fast so, als ob Laika die Kinder erzieht und nicht umgekehrt. „Durch Laika lernen die Schüler, Verantwortung zu übernehmen und zuverlässig zu sein“, sagt Frau Lüth. Das täte vor allem den Kindern gut, die eher unorganisiert und nicht besonders diszipliniert sind. Jetzt hätten sie gelernt, dass ein Hund einen regelmäßigen Tagesablauf haben muss, zu festen Zeiten Gassi geführt und 11 gefüttert werden muss. Und seitdem Laika da ist, sieht es im Klassenzimmer viel ordentlicher aus. „Die Kinder haben schnell gelernt, nicht mehr zum Essen herumliegen zu lassen“, sagt Frau Lüth lachend. „Laika frisst nämlich alles, sie ist wie ein Staubsauger.“ Dass die Heldin der Klasse 1a denselben Namen wie eine weltberühmte Hunde-Heldin trägt, hat ihre Besitzerin allerdings nicht gewusst. Die Hündin Laika, geborten 1954 in Moskau, war das erste Lebewesen, das vom Menschen als „Kosmonautin“ in die Umlaufbahn um die Erde befördert wurde. Im Rahmen der Mission „Sputnik“ wurde sie am 3. November 19578 an Bord des sowjetischen Raumflugkörpers ins All geschickt. Sie starb bereits wenige Stunden nach dem Start der Rakete, vermutlich an Überhitzung und Stress. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Laikas mutigem Flug ins All ermöglichten überhaupt erst die bemannte Raumfahrt