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Mein Liebster Schatz Louisa

Mein liebster Schatz Louisa,

… wenn Du diese Zeilen liest, werde ich vielleicht schon lange tot sein.

Ich habe beschlossen, Dir dies erst an deinem 15. Geburtstag zu geben, da ich es für sicherer hielt, dass Du erst einmal unwissend bleibst.

Ich habe immer zu Euch gesagt, ich sei eine Archäologin, dabei bin  ich eine verdeckte Ermittlerin.

Vielleicht überlebe ich diesen Fall nicht.

Ich habe die Beute gefunden. Ich werde Dir Hinweise hinterlassen. Die Hinweise stehen dort, wo ich immer meinen Schlüssel versteckt habe.

Bring die Beute in Sicherheit!

In Liebe, Deine Mom

PS: keiner darf davon erfahren, auch nicht Dad!

 

Ich drehte den Brief in meinen Händen hin und her. Ich besaß ihn jetzt schon genau ein Jahr und bin immer noch nicht schlau daraus geworden. Verdammt, ich war damals fünf Jahre alt, als ich sie das letzte Mal sah. Wie soll ich mich erinnern, wo sie den Schlüssel hingelegt hat. Ich überlegte gerade zum millionsten Mal, ob es mir nicht doch noch einfiel, als es an meinem Fenster klopfte. Ich schaute vom Brief auf. Auf dem Fensterbrett saß der süßeste Junge des gesamten Universums. Seine meerblauen Augen sahen mich an, als wollte er mir persönlich zu meinem Geburtstag gratulieren. Zumindest strahlten sie bei meinem Anblick mit dem perfekt hellblauen Himmel um die Wette. Ohne es zu merken, versank ich in einen kurzen Tagtraum. Ein weiteres Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. Ich sah wieder zum Fenster und diesmal sah er mich an mit dem „wenn-du-jetzt-nicht-sofort-das-Fenster-öffnest- kriegst-du-kein-Geburtstagsgeschenk-oder-geschweige-einen-Kuss-Blick“ an. Wie eine Wilde rannte ich zum Fenster und öffnete es.

„Na, geht doch“, murmelte David, während er durch das Fenster  in mein  New Yorker Zimmer  kletterte. Dann drehte er sich zu mir, beugte sich zu mir und küsste mich. Währenddessen murmelte er so was wie „Happy Birthday“ und drückte mir ein Geschenk in die Hand.

Es war eine kleine Schachtel, die sich samtig anfühlte. Ich öffnete sie. Es war ein wunderschöner Bernstein, der an einer silbernen, feingliedrigen Kette befestigt war. Vor lauter Freude bekam ich keinen Ton heraus und das war für mich wirklich ungewöhnlich. „Und gefällt Dir mein Geschenk?“, fragte er gespannt.
„Ob es mir gefällt? Die Kette ist wunderschön. Danke! Danke! Danke!“, rief ich.
Dabei flog ich David um den Hals und gab ihn einen Kuss. Er band mir die Kette um.

„Puh, da habe ich ja noch mal Glück gehabt“, neckte er mich. „Was hast Du sonst noch alles bekommen?“, fragte er. Ich zeigte auf den gelben Ecktisch. Dort lagen meine Geschenke. Aber David schaute ich eine ganz andere Richtung. Nämlich auf mein Bett, dort lag der Brief von Mom. Er stöhnte genervt auf.

„Louisa, ich weiß, dass es dich beschäftigt, aber kannst du es sogar an Deinem Geburtstag nicht lassen?“.
„Na, ja, aber es beschäftigt mich einfach so sehr. Ich wusste, dass er damit eigentlich kein Problem hatte, aber manchmal schien es ihn echt zu nerven.
Er zeigte auf den Brief – „Wie du meinst. Hast du irgendeine Idee, was das bedeuten könnte?“.
Ich wollte gerade das übliche „Nein, leider nicht“ antworten, als es an meiner Zimmertür klopfe. Mein Vater steckte den Kopf hinein. Er war nicht überrascht David zu sehen, da er inzwischen daran gewöhnt war, dass er so gut wie immer bei mir war, ohne dass er darüber Bescheid wusste.

Dad kam zu  mir und hielt eine große orangefarbene Schachtel, ähnlich einer Hutschachtel, in der Hand. „Loui, ich habe gerade eine Schachtel mit alten Sachen von Mom gefunden und mir gedacht, dass du vielleicht ein paar Sachen davon haben möchtest?“
„Danke, Dad!“  Ich umarmte ihn. Mein Dad wollte gerade etwas sagen, als eine weibliche Stimme rief: „Schatz, wo bleibst du denn? Du wolltest doch den Fernseher im Wohnzimmer wegschaffen. Der ist schlecht für mein Feng Shui.“ Jetzt stöhnte ich genervt auf. Diese Zicke kann sich ihr Feng Shui sonst wo hinstecken!
„Ich komme schon, mein Honigbärchen“, rief  Dad in einem liebevollen Ton. David und ich mussten ein Würgen unterdrücken.
„Dad….!“, protestierte ich, weil ich nicht wollte, dass diese Frau mein Zuhause nach ihren Wünschen um dekorierte.
„Louisa, du musst dich endlich daran gewöhnen, dass jetzt wieder eine zweite Frau bei uns im Haus wohnt. Dad schaut mich ernst an. Bei der Sache mit Molly verstand er keinen Spaß, er ging ohne ein weiteres Wort aus meinem Zimmer.

„Also, es geht mich ja eigentlich nichts an, aber was hast du gegen seine Freundin? Ich meine, ich habe sie ja noch nie näher kennengelernt, aber wenn dein Vater mit ihr glücklich ist, solltest du dich doch freuen, oder?“ David drehte sich um und schaute mich intensiv an. „David….natürlich freue ich mich für ihn, aber diese Frau ist einfach nur komisch. Außerdem mag sie mich nicht, sie guckt mich immer so an, als ob sie sagen wollte, Halt-Dich-gefälligst-von-mir-fern-ich-hab-deinen-Vater-auf-meiner-Seite!“ Ohne dass ich es wollte, hatte ich mich aufgeregt und meine Stimme wurde laut.

„Okay, Schatz, alles gut. Du magst sie nicht, verstanden! Was hat dir dein Vater da eigentlich genau gegeben?“, versuchte er mich abzulenken und zeigte auf die Schachtel in meiner Hand. Ich gab sie ihm und setzte mich auf das Bett. „Und das ist von deiner Mutter?“. Er setzte sich neben mich.
„Genau.“ Ich öffnete vorsichtig die Schachtel. Es war Schmuck von Mom drin. Und ein paar Fotos von mir und Mom.

David nahm ein Bild, welches Mom zeigte, wie sie gerade etwas in den Kühlschrank legen wollte. „Und wozu das Bild?“ Da bist weder du noch dein Dad ist drauf, man sieht nur, wie sie etwas in den Kühlschrank legt. David dreht das Foto ratlos in seiner Hand hin und her. „Halt, David – warte mal!“ Auf der Rückseite stand mein Name drauf. „Das ist bestimmt ein Hinweis!“ rief ich aufgeregt, vielleicht endlich etwas, was mich weiterbringen könnte!“.
„Ja, aber was? Mir fällt nichts auf, was dir weiterhelfen könnte.“ David schaute mich ratlos an.
„Vielleicht ist ein Hinweis auf dem Foto. Was hat meine Mom da eigentlich in der Hand?“ Ich gab David das Foto, damit er einmal genau gucken konnte.
„Vielleicht  ne  Butterdose, oder so?“ vermutete er. „Hast du irgendetwas zum Vergrößern hier? Eine Lupe vielleicht?“ Er schaute sich um, schien aber nichts zu finden.
„Ne, leider nicht“, entgegnete ich.
„Ich komme gleich wieder“, sagte David und kletterte wieder aus dem Fenster.
Verdutzt sah ich hinterher. Das Foto hatte er mitgenommen!

Mit einem Seufzer  ließ ich mich auf das Bett fallen. Im Gedanken ging ich den Brief durch. Ich musste unbedingt herausfinden, wo Mom immer ihren Schlüssel hingelegt hatte. Zu dumm, dass ich meinen Vater nicht fragen konnte, da er ja von der Geschichte nichts wusste. Der Brief lag letztes Jahr an meinem 15. Geburtstag auf meinem Bett – einfach so. Ich hatte keine Erklärung dafür, wie er dahin kam. Es muss ein Hinweis auf dem Foto sein, da war ich mir sicher. Dann fiel es mir siedend heiß ein – der Schlüssel! Mom hatte auf dem Foto einen kleinen glänzenden Gegenstand in der Hand, vielleicht der Schlüssel. Also wäre es möglich, dass sie diesen immer in den Kühlschrank gelegt hatte. Ich flitzte  runter in die Küche und wäre beinahe  mit Molly zusammen gestoßen.

„Kannst Du nicht aufpassen, du kleine Göre? Das hier ist kein Spielplatz!“, raunzte sie mich an. Oh, Mann, ich fragte mich langsam wirklich, wieso Dad diese Szenen nie mitbekam! „Such du lieber dein Feng Shui auf den Spielplatz“, antwortete ich bissig und lief schon weiter. Auf Ärger hatte ich nämlich keinen Bock! Am Kühlschrank angekommen riss ich die Tür auf und durchsuchte ihn fieberhaft. Allerdings war das einzig Spannende was ich fand eine Tüte mit einer braunen, stinkenden Pampe mit Aufschrift MASKE. Jetzt wusste  ich wenigstens, wieso Molly immer so eklig roch, oder lag es doch am Parfum… Egal. „Scheiße“, fluchte ich und trat gegen den Kühlschrank! Nichts passierte. Auch kein „Bling“ bei einem Geheimfach, das  aufsprang – so wie in diesen Krimis, die ich immer verschlang.

„Tja, so wird das nichts.“ – David lehnte grinsend an der Küchentür. „Vielleicht hast du ja eine bessere Idee“, blaffte ich ihn an. „Ja, hab ich. Mir  ist vorhin eingefallen, dass wir ein Foto-Vergrößerungsprogramm auf dem Computer haben. Dort habe ich das Bild vergrößert und höchstwahrscheinlich das Gleiche wie Du herausgefunden. Der Brief  muss im Kühlschrank sein!“, berichtete David neunmalklug. Als ob ich das nicht selber wüsste! „Ja, genau in diesem hier“, unterbrach ich ihn und zeigte auf den Kühlschrank auf dem Foto. „Nicht ganz, deine Theorie ist schon mal nicht schlecht, aber du hast was übersehen!“
„Und was, wenn ich fragen darf, Sherlock?“, neckte ich ihn.
„Ganz einfach Watson und zwar, dass es der falsche Kühlschrank ist. Der auf dem Foto ist viel kleiner als der, den du eben ausgeräumt hast.“

Verdammt, er hatte recht. „Okay, und was schlägst du jetzt vor, wenn dies der falsche Kühlschrank ist?“ Ich war echt auf die Antwort gespannt. „Wir fragen deinen Vater, wo der alte Kühlschrank ist. Ganz einfach.“, meinte er überzeugt. Ich war mir da allerdings nicht ganz so sicher. „Na gut, fragen wir ihn. Aber was willst du ihm sagen, er hat von der Sache mit dem Brief keine Ahnung!“. „Stimmt, uns fällt schon was ein!“, da hatte er Recht. Ich machte die Küchentür mit einem Ruck auf und Molly stolperte uns entgegen. „ Oh, das ist ja ein Zufall, ich wollte auch gerade in die Küche!“ Sie grinste verlegen, denn sie hatte an der Küchentür gelauscht und fühlte sich ertappt. Sie hatte David noch nicht bemerkt. Plötzlich entdeckte sie David „ Was macht der denn hier?“ David lächelte sie an. Ich zog ihn am Arm weg, das wurde mir echt zu schräg!

Sie blickten sich noch nach, bis ich mit ihm um die Ecke zum Wohnzimmer verschwand. „David, was war denn das eben?!“ Ich blieb stehen. „Kennst Du sie etwa?“
„Die? Nö, äh, ich … egal, vergiss es einfach! Was ist jetzt mit dem Kühlschrank?“
Er wechselte abrupt das Thema. „Ja, okay, gehen wir runter in den Keller.“
Ich führte ihn durch die Wohnung in den Keller. Ich blieb vor Dads Büro stehen und klopfte. „Dad?“

„Ja, mein Schatz, was gibt’s? Komm rein“, kam eine dumpfe Antwort durch die Tür. Wir gingen rein, und fragten, wo der Kühlschrank auf dem Bild war.
„Oje, mein Schatz, da muss ich Dich leider enttäuschen. Der Kühlschrank stand damals in Omas Wohnung. Und Oma ist tot. Da wohnen schon längst andere Leute drin. Sie müssten aber die Möbel behalten haben. Warum wollt Ihr das denn wissen?“
„Ach, nur so. Danke, Dad!“ Ich drückte meinem Vater  einen Kuss auf die Wange, dann packte ich David und zog ihn mit mir fort.

Zwanzig Minuten später standen wir vor einem alten Backsteinhaus.
„Und hier soll der Kühlschrank stehen?“, zweifelte David.
„Genau“, behauptete ich und drückte  den Klingelknopf. Nichts passierte. Ich klingelte noch mal. Aber wieder regte sich nichts.
„Vielleicht sind sie Einkaufen?“, vermutete David.
„Wir müssen aber da rein!“, drängte ich energisch und stapfte fest entschlossen zu den Nachbarn.
„Louisa du kannst doch nicht…“ fing mein Freund an. Aber zu spät. Ich hatte ja bereits die Klingel gedrückt.

Eine junge Frau, sie hatte ein Baby auf dem Arm, öffnete die Tür. „Hallo?!“ fragte sie neugierig.
„ Guten Tag, ich wollte einmal kurz fragen, wo ihre Nachbarn sind?“
„Warum möchtest du das wissen?“, fragte sich misstrauisch.
„Äh, weil….“ Verdammt, mir fiel nichts ein.
„Weil wir ein Praktikum bei „Jörg und Uli’s Kühlschranktechnik machen. Darum möchten wir gern bei ihren Nachbarn den Kühlschrank überprüfen“, fing David an.

Na, toll, dachte ich,  so kommen  wir garantiert nicht ins Haus. Er stupste mich sanft an, damit ich mitmachen sollte. Na gut, ich hatte keine bessere Idee. Die Frau guckte uns skeptisch an, sagte aber nichts. David kramte in seinem Rucksack. Als er fertig war, holte er einen Flyer heraus und drückte ihn der Frau in die Hand. Nach einer Weile schaute sie auf. Diesen Flyer hatte er als Projekt in der Schule gemacht.

„Na gut, dann werde ich euch mal glauben. Die Hennings sind gerade für drei Wochen in der Karibik. Ich gieße die Blumen. Ich könnte euch den Schlüssel geben. Aber ich kann leider nicht mitkommen, dich muss den Kleinen hier ins Bett bringen.“ Sie schaute ihren kleinen Sohn an, der schon herzhaft gähnte. Klingelt dann einfach wieder an, wenn ihr fertig seid. Sie ging rein und kam mit dem Schlüssel wieder und gab ihn uns.
„Danke“ sagte ich noch schnell und ging David hinterher.

Fünf Minuten später standen wir in der Wohnung, die fast überall rosa und recht plüschig war. Nach dem wir den Weg in die Küche gefunden hatten, war ich froh, tatsächlich den alten Kühlschrank zu entdecken. Er war voller Magneten von verschiedenen Reisezielen. Ich öffnete vorsichtig die Tür und durchsuchte ihn bis in den letzten Winkel, aber ich fand keinen weiteren Hinweis.  Was sollte ich auch erwarten? War nicht zu viel Zeit vergangen. Plötzlich drückte mich David mit den Worten „Lass mich mal“ zur Seite. Er drückte auf einer Stelle etwas stärker und es sprang tatsächlich ein kleines Fach auf.

„Dachte ich mir“ sagte er erfreut und fasste in das Fach rein und holte einen Zettel raus. Ich riss ihm diesen ungeduldig  aus der Hand und wollte unbedingt wissen, was drauf stand.

Die Botschaft lautete:

Der gestiefelte Kater ist reicher als man denkt,
die Bretter, die die Welt bedeuten, bewegen manche Falltür…

„Wow!“ ich war baff und zugleich verunsichert.

  1. 1.       Ich bin endlich weitergekommen.
  2. 2.       Jetzt komme ich schon wieder nicht      weiter.
  3. 3.       Wer zum Teufel ist dieser      gestiefelte Kater?

David setzte sich zu mir. „Und, ist dir schon was eingefallen?“, fragte David vorsichtig.
„Nein, ich frag mich die ganze Zeit, wer der gestiefelte Kater sein soll.“
„Denk nach, vielleicht hat deine Mutter ihn mal erwähnt oder ist davon ausgegangen, dass du ihn kennst. Kann ja theoretisch so sein.“
Da hatte David Recht.
„Ja, aber ich kenne nicht viele Bekannte von meiner Mom. Ich meine, ich war damals fünf Jahre alt. Glaubst du, wir können mein Vater fragen?“ Ich sah David fragend an.
„Ha, ich hab’s! Loui, wir treffen uns heute Abend um 19 Uhr bei dir“, sagte er.

Und schon war er aus der Tür raus, ich schaute ihn verdattert hinter her. Wenn er jetzt ernsthaft gedacht hatte, er könnte mich hier sitzen lassen, dann hatte er sich getäuscht. Ich sprang vom Stuhl auf und flitzte hinterher. Ich suchte nach seinem Fahrrad, aber das war schon weg. Mist! Ich schloss die Tür wieder ab, klingelte erneut bei der Nachbarin, bedankte mich und gab den Schlüssel zurück. Dann fuhr ich schnurstracks zu David. Als ich bei ihm eintraf, machte mir sein Vater die Tür auf.

„Hallo Louisa. Tut mir leid, David ist nicht Zuhause.“ sagte sein Vater.  „Okay, trotzdem Danke, ich ruf ihn dann an.“  Ich fuhr mit dem Rad wieder nach Hause. Dort setzte ich mich auf mein Bett und schaute mir den Zettel mit der Nachricht nochmals an. Wer war der gestiefelte Kater?? Ich schnappte mir die Schachtel von Mom und durchwühlte noch mal alles und sah mir alles noch mal ganz genau an. Plötzlich stutze ich. Auf jedem Bild, auf dem Mom draußen war, konnte man hinter irgendeinem Busch, Baum ein Fernglas erkennen, da genau auf sie gerichtet war. Ich drehte die Bilder um. Überall stand das Datum drauf. Es waren zehn Bilder. Ein Bild wurde am 13. Juni 2005 aufgenommen, das nächste am 14. Juni 2005 und so weiter. Oh, mein Gott! Das letzte Bild wurde am 23. Juni 2005 aufgenommen. Mom’s Todestag!!! Der Beobachter war vielleicht Mom’s Mörder. Ich studierte  das letzte Bild noch mal ganz genau. Da hockte der Beobachter hinter einem Baum, man konnte noch seinen Schuh erkennen. Es war ein rosa High Heel. Also war der Beobachter eine Beobachterin. Der rosa Schuh hatte einen schwarzen Punkt in der Mitte. Irgendwie war mir, als ob ich den Schuh kannte. Nur, woher?

Mein Blick fiel auf die Wanduhr. Inzwischen war ein schon halb Neun. Wo blieb David nur? Langsam machte ich mir Sorgen, er war doch sonst immer so pünktlich. An sein Handy ging er auch nicht, komisch? Ich wartete noch eine halbe Stunde, dann machte ich mich wieder auf den Weg zu ihm. Ich lehnte mein Rad an die Mauer. Es wurde schon langsam dunkel. Die Sonne ging hinter den Häusern unter. Ich lief schnell den kleinen Schotterweg zu seinem Haus runter. Dort hörte ich Davids Stimme, aber ich hörte auch, dass er nicht alleine war. Ich wollte ihn keineswegs belauschen, aber irgendwas hielt mich davon ab, wieder zu gehen. Ich lehnte mich leise an die Mauer.

„Und – hast du den Brief?“, fragte eine Frauenstimme. Mir war sofort klar, dass sie über die Nachricht meiner Mutter sprachen.

„Nein, aber ich weiß, was drin steht“, antwortete David selbstsicher. Was??? Wollte er dieser Frau tatsächlich alles verraten? Ich schaute vorsichtig um die Ecke. Da stand David unter dem Kirschbaum. Ihm gegenüber stand eine Frau.

„Na, los, sag schon! Ich habe nicht den ganzen Abend Zeit“, rief die Frau ungeduldig. Offenbar eingeschüchtert fing David an, alles auszuplaudern, was wir in den letzten paar Stunden herausgefunden hatten. Er ließ keine Kleinigkeit beim Erzählen aus. Ich schnappte nach Luft, wie konnte mein Freund mir dies nur antun? Da kam ein Mädchen aus dem Haus, sie hatte ungefähr mein Alter. Als David sie sah, ging er auch sie zu und nahm sie in den Arm und … küsste sie. Erst erzählt er  der Frau alles und dann betrog er mich noch. Nein!… Aber ich liebte ihn doch, oder hatte ihn geliebt… was für ein Schwein!

Da unterbrach das Mädchen meine Gedanken.
„Sag mal, hast du ihr den GPS-Sender untergejubelt?“ Die Frage war eindeutig an David gerichtet.
„Klar, ich hab ihn ganz charmant in der Halskette versteckt. Genial, oder?“
„Ja, durchaus genial, mein Schatz!“  Das Mädchen legte ihm einen Arm um die Schulter. Ich musste meine Tränen zurückhalten. Eins war klar, ich musste so schnell wie möglich weg von diesem Verräter. Ich rannte zu meinem Rad zurück und fuhr in Lichtgeschwindigkeit nach Hause. Dort riss ich mir die Kette vom Hals und warf sie im hohen Bogen aus dem Fenster. Ich schmiss mich auf mein Bett und fing an zu heulen. Als ich nicht mehr weinen konnte, fing ich an zu schreien. Ich schrie mir den Frust aus der Seele, die Enttäuschung und die Wut! Ich hab ihm blind vertraut, ihn geliebt! Wie konnte er mir dies nur antun? Dieser Scheißkerl! Ich hatte gedacht, ich würde ihm was bedeuten und er wollte mir helfen, das Rätsel meiner Mutter zu lösen. Nein! Er hat mich nur ausgenutzt, um an die Beute zu kommen. Irgendwann schlief ich ein. Mitten in der Nacht wachte ich schweißgebadet auf. Ich hatte von David geträumt, er wollte mich umbringen, weil ich ihm nicht sagen wollte, wo die Beute war, die ich im Traum schon gefunden hatte. Ich machte meine Nachtischlampe an. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Ich musste mich irgendwie ablenken. Ich griff nach meiner Jeans, die am Boden lag und holte das Rätsel vom Mom raus…

Der gestiefelte Kater ist reicher als man denkt,
die Bretter, die die Welt bedeuten, bewegen manche Falltür…

Der gestiefelte Kater?! Ich weiß nicht was, aber  irgendetwas sagte mir der Name plötzlich. Ich schnappte mir meinen Laptop vom Schreibtisch und jagte „Der gestiefelte Kater“ durch das Internet. Da – nach einigem Suchen stieß ich auf einen Artikel aus dem Jahr 2005:

Der Kater ist zurück.

Am 23.5.2005 wurde der „gestiefelte Kater“ das letzte Mal bei Bankraub der New Yorker Versicherungsbank „NYC-Banks“ gesichtet, berichtete ein männlicher Passant (56 Jahre). Er sollte dort angeblich versucht haben, die Bankräuber aufzuhalten. Er war in Begleitung einer Frau (ca. 30 Jahre, unbekannt). Sie konnten den Bankraub nicht verhindern, aber größeren Schaden abwenden. Als die Täter flüchten wollten, versuchte der gestiefelte Kater sie aufzuhalten. Er verfolgte sie in seinem Wagen Richtung Central-Park. Seitdem wurde er nicht wieder gesichtet. Die Polizei vermutet, ihm sei etwas zugestoßen.

Stefan Mullbourg 23.6.2005

Das heißt der „gestiefelte Kater“ ist so etwas wie Superman, oder was? Die Frau muss meine Mutter gewesen sein. Ich meine, sie war in dem Fall verwickelt. Ich musste mehr über ihre Recherchen herausfinden. Vielleicht fand ich eine Spur. Ich schlich in die Dachkammer, Mom hatte immer dort gearbeitet. Die alte Holztür knarrte, als ich sie vorsichtig öffnete. Ich hatte dort eigentlich schon  alles durchgeschaut, aber nicht den alten Eisenschrank knacken können, da ich das Passwort nicht kannte. Ich hatte schon alles Mögliche ausprobiert, Louisa, Heinz (so heißt mein Dad) Ermittlerin, Emilie (Mom’s Name), aber das Richtige war nie dabei. Es musste was Simples sein, da war ich mir sicher. Ich schaltete das Licht an. Mom hatte damals die Lampen in den Boden geschraubt, es waren Halogenlampen, die dort von unten aus die Holzbalken leuchteten. Ich hastete zum Eisenschrank. Ich schaute die Tasten so giftig an, wie ich nur konnte. In der Hoffnung, sie würden sich per Zauberhand öffnen. Aber nichts passierte. Ich griff in meine Hosentasche, um den Brief von Mom rauszuholen. Ich konnte ihn in der Aufregung erst nicht finden, schaute mich verzweifelt  um, da entdeckte ich ihn. Er war runter gefallen und lag auf einer dieser Halogenlampen im Boden. Aber, halt – was war das?

„Sesam öffne dich!“, brüllte ich verzweifelt, als das Licht der Lampe auf das Ende der Botschaft fiel… Jetzt entdeckte ich, das der Satz – wo ich immer meinen Schlüssel verlegt habe unterstrichen war. Das hatte was zu bedeuten, da war ich mir sicher. Da fiel es mir ein. Ich rannte zum Eisenschrank und haute „Kühlschrank“ in die Tasten. Der Schrank öffnete sich. Es lagen diverse Zettel und ein Bild drin. Es zeigte einen Mann in Stiefeln, Vollbart und Hut. Im Raten war ich zwar keine Leuchte, aber ich tippe mal ganz grob, dass dies der gestiefelte Kater war. Auf der Rückseite stand eine Adresse:

36th Avenue, 3.Stock links, Schlüssel, Blumentopf

Da musste er wohnen! Ich ließ alles stehen und liegen, schnappte meine Jacke und lief los. Ein Taxi zu finden, war nicht so leicht. Hastig schaute ich, ob ich überhaupt Geld dabei hatte. Dem Fahrer des Taxis rief ich die Adresse zu, und er fuhr los. Der Central Park, das Empire State Building zogen in ihren nächtlichen Schönheiten an mir vorbei. Mein Magen zog sich zusammen als ich die Bank im Central Park sah, wo David und ich uns das erste Mal geküsst hatten. Ich spürte, wie sich die Wut in mir ausbreitete. Zum Glück hielt das Taxi in dem Moment an.

„35 Dollar, bitte“, sagte der Fahrer gelangweilt und ich gab ihm das Geld. Dann fiel mir ein, dass ich zurück musste und bat ihn, zu warten. Er machte einen unheimlichen Eindruck und ganz wohl war mir bei dieser Sache nicht. Es dauerte eine Weile bis er ausstieg. Ich sah durch das Fenster, dass er telefonierte. Wahrscheinlich musste er sich bei seiner Zentrale melden um mitzuteilen, dass sein Taxi besetzt ist.

Ich ging geradewegs auf die  36th Avenue zu und suchte nach dem Blumentopf. Als ich ihn fand, hob ich ihn hoch und entdeckte den Schlüssel. Ich schloss die Tür auf und ging hinein. Der Taxifahrer folgte mir auf den Fersen. Mit dem Lift fuhr ich mit einem unguten Gefühl und dem merkwürdigen Taxifahrer  in den dritten Stock und ging zur linken  Tür. Zumindest lächelte er mich an, was gestellt  wirkte. Mein Herz schlug in meiner Brust wie ein Press­lufthammer, als ich den Schlüssel in das Schloss steckte. Diese sprang mit einem lauten „Klack“ auf und ich trat ein. Der Taxifahrer blieb in unmittelbarer Nähe, er stand im schwach beleuchteten Flur, der  hell genug war, um mich  zu beobachten. Unheimlich! Ich faltete den Zettel auseinander und las diesen nochmals.

Der gestiefelte Kater ist reicher als man denkt,
die Bretter, die die Welt bedeuten, bewegen manche Falltür…

Bretter…? vielleicht meinte Mom damit die Fußbodendielen. Das einzige Zimmer mit Holzdielen war das große Wohnzimmer. Ich ging schnell  hinein, schaute mich um, und checkte einige dieser Holzdielen. War eine lose? Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, da kam ich auf die Idee das rote Ledersofa wegzuschieben. Ich drückte mit aller Kraft dagegen. Zum Glück war es nicht so schwer. Der Fahrer stand immer noch unbeteiligt im Türrahmen. Allein das hätte mich stutzig werden lassen sollen, doch ich war beschäftigt. Hinter  dem Sofa waren vier hellere Dielen – ich versuchte, diese zu heben, was mir nicht gelang. Danach drückte ich kräftig und sie gingen auf. Mit einem Klick öffnete sich ein Verschluss. Eine Falltür! Darunter wohl Kellerräume, Gänge… Erschrocken schaute ich mich um – der Taxifahrer, der mir lautlos wie ein Schatten gefolgt war, war nicht mehr da. Wahrscheinlich war er zurück zum Wagen und doch weggefahren. Für weitere Gedanken blieb keine Zeit, ich war wie benommen als ich nach unten schaute. Und dann sah ich ihn! Ich ging vorsichtig auf ihn zu. Seine Augen waren weit aufgerissen. Neben ihm lag eine vermoderte Flasche Bier. Ich fühlte intuitiv den Puls – er war tot. Ich nahm die Flasche in die Hand und roch dran. Sie roch undefinierbar, schimmelig und ein weißes Pulver klebte dran. Hat er sich umgebracht, wurde er vergiftet? Es tat mir in der Seele weh, ihn so zu sehen, aber ich wollte die Beute finden. Davon hielt mich keiner mehr ab. Ich ging einen kurzen, düsteren Gang entlang. Überall hingen Spinnennetze und es war staubig. Plötzlich stand ich in einem anderen kleineren Raum, eher in einer Kammer. Dort lag unübersehbar eine große Sporttasche! Ich schaute sofort  rein und entdeckte das Geld! Es lag fein säuberlich gebün­delt in 10er Stapeln. Ich konnte mein Glück nicht fassen, ich hatte es geschafft!

Plötzlich hörte ich  in der Nähe Stimmen. Ich hastete den Gang zurück und horchte.  Oben  stand der Taxifahrer und war nicht mehr allein – neben ihn standen David…..und Molly! „Und wo ist die kleine Mistkröte?“, fragte Molly und schaute den Fahrer an.
Dieser nickte nur in Richtung Falltür.
„Na, dann holen wir uns mal den Schatz“, sagte David und ging Richtung Falltür. Zum Glück konnte er mich nicht sehen. Ich hatte mich hinter einem Balken versteckt.

„Halt! Nicht so schnell. Lass mich vorgehen, “ drängelte Molly. Sie kletterte runter. Ich duckte mich unten hinter einen  Balken. Sie durften mich nicht entdecken! David und der Fahrer kamen hinterher. Sie sahen den „gestiefelten Kater“ und erschraken. Doch dann liefen sie weiter. Ich hatte die Beute   mitgenommen und kletterte  gerade aus meinem  Versteck als David mich sah. Er schrie „Da!“ und stürzte auf mich zu, dicht gefolgt von den anderen beiden. Ich versuchte so schnell wie möglich hoch zu klettern, bin aber nicht wirklich sportlich. Sie holten mich ein, packten mich und schleppten mich in den Raum vom gestiefelten Kater. Sie schubsten mich hinein, und schlossen die Tür ab, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Der Schlüssel steckte noch im Schloss und Molly nahm ihn. Die Sporttasche mit der Beute hatte David an sich gerissen.

„So, du kleines Miststück, jetzt wirst du hier versauern“, rief Molly und lachte hämisch.
„Man sollte nicht jedem vertrauen, Louilein. Ich hoffe, Du merkst dir das!“ tat David seinen Senf dazu. Dann gingen alle drei mit der Beute im Schlepptau raus.
„Ab nach Australien!“, hörte ich den Fahrer laut rufen. Dann war alles still. Verdammt, sie hauten ab und ließen mich allein zurück. Mir war kalt und heiß zugleich. Ich setzte mich neben den gestiefelten Kater. Ich hatte weder Handy noch sonst etwas dabei, so konnte ich keine Hilfe holen. Ich schaute verzweifelt auf den gestiefelten Kater. Dann bemerkte ich, dass neben ihm ein kleines, schwarzes Notizbuch lag. Ich nahm es. Es war eine Botschaft, sie war an mich gerichtet:

Liebe Louisa Tomson,

ich habe deine Mutter gut gekannt, sie war eine wunderbare Frau! Sie ist viel zu früh gestorben. Der Fall war unlösbar, aber nicht für deine Mutter, sie wollte ihn ihn unbedingt aufklären. Leider kam der Täter zuvor. Die Beute haben wir beide in der Freiheits-Statue gefunden. Ganz oben in der Krone, wo keiner hinkam. Wir kletterten rauf. Ich konnte die Beute in Sicherheit bringen, aber dein Mom wurde vom Täter in den Abgrund geschubst. Deine Mom hat sich am Täter festgehalten und ihn mit gezogen. Jetzt da deine Mutter tot ist, will ich auch nicht mehr weiter leben.

Deine Mutter wird immer in unseren Herzen sein. Brad Jamson (der „gestiefelte Kater“)

Brad war einer der besten Freunde vom Mom, ich kannte ihn vom Hörensagen von Dad. Er  war also der „gestiefelte Kater“. Auf einmal hörte ich Schritte. Eine Tür wurde aufgebrochen, Polizisten standen plötzlich vor mir und …“Dad! Dad!“, ich flog ihm erleichtert  unter Tränen in die Arme. „Woher wusstest du..?“

„Louisa, mein Liebling, ich hab‘ Dich überall gesucht! Du hast alles liegen gelassen, dein Handy und  auch die Adresse von Brad. Also, habe ich mir gedacht, dass etwas nicht stimmt und die Polizei benachrichtigt.“
„Sind die Verbrecher gefasst?“,   wandte ich mich an den Polizisten.
„Welche Verbrecher?“ Die Polizisten sahen mich fragend an.
„Na, die, die mich hier gefangen haben und die Beute vom Bankraub mitgenommen haben!“ „Nein, mein Schatz, da sind keine Verbrecher, beruhige dich erst einmal.“

Dad schaute mich besorgt an. Ich ließ ihn stehen und rannte los. In meinen Kopf über­schlugen sich die Fakten. Australien, Flughafen – sie müssen dorthin, um nach Australien zu fliehen. Wie sollte ich hinkommen – ich überlegte fieberhaft, ein Polizist war mir gefolgt. Klar, dass die  mich in diesen Zustand nicht so einfach gehen ließen. Fast atemlos schilderte ich alles. Er  sah mich zwar ungläubig an, fuhr dann aber mit mir und eingeschaltetem Blaulicht zum John F. Kennedy Airport, wo die Auslandsflüge starteten   Wir stürmten in die Abflug­halle und schauten auf die Anzeigetafel. Um 8.10 h ging ein Flug mit Qantas Airways nach Sydney. Terminal 2 – der Polizist und ich  rannten weiter.

„Na, das wird eventuell ein Nachspiel haben, junge Dame!“, fluchte der Polizist, der mir immer noch nicht ganz glaubte. Da – David! Ich erblickte David. Ich schaute den Polizisten an und zeigte auf David und die anderen. David begriff die Situation sofort, als er mich und den Polizisten sah. Er   alarmierte die anderen, sie flohen nach draußen. Der  Polizist rief über Funk Verstärkung herbei.  Ich war so außer Atem, dass ich eine Verschnaufpause brauchte. So konnten sie ungehindert vor das Flughafengebäude entkommen, wo die Flucht dann schnell zu Ende war.

Der Zugriff war unkompliziert. Der Polizist hatte die Kollegen informiert und so kam bald die Nachricht, dass Molly, David und der Taxifahrer draußen vor dem Flughafengebäude festgenommen worden waren. Danach wurden sie zur Vernehmung gebracht.

 

1 Monat später

„Hi, Dad!“ Ich setzte mich zu ihm. Unser neues Haus in Deutschland war viel größer. Nach der Verhaftung von Molly, David und dem Taxifahrer   waren wir nach Berlin gezogen. Dad hatte sich sofort von Molly getrennt. So haben wir jetzt ein neues Leben angefangen.

Mit David habe ich kein Wort mehr geredet. Es war natürlich aus und vorbei. Dieser Idiot. Er muss wegen dieser Sache für 3 Monate in den Jugendknast und im Altersheim helfen. Außerdem hat er eine Anzeige  wegen Freiheitsberaubung bekommen. Molly und Charlie (der Taxifahrer und Komplize) müssen für 6 Jahre ins Gefängnis. Naja, Charlie als Komplize nur 2 Jahre mit Bewährung.  Letztendlich war er geständig und eher ein Mitläufer als ein Täter.  Brad wurde begraben und wir waren bei seiner Beerdigung. Viele Freunde waren dort, es war ein schöner Abschied.

Noch in New York an einem ruhigen Abend musste ich Dad die Geschichte in allen Einzelheiten erzählen. Ich berichtete ausführlich und zeigte ihm alles, was ich von Mom gefunden hatte. Er war stolz auf mich. Ich bekam keinen Ärger. Er meinte, ich wäre wie Mom, die auch immer allem auf den Grund gehen musste.  Die Beute, das Geld, wurde sichergestellt. Ein Teil befand sich auf Konten von Molly und Charlie, ein Rest an Bargeld bei beiden in deren Wohnungen. Apropos Molly, ich hab den rosa High Heel mit dem schwarzen Punkt drauf gefunden. Molly war diejenige, die Mom ausspioniert hat. Aber jetzt ist alles gut ausgegangen. Und ich bin glücklicher als zuvor. Denn, dass ich Moms  Wunsch erfüllt habe, macht mich sehr stolz!