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So wurde eine Pastorentochter zur Kämpferin um Menschenrechte

von Ramona Seckerdieck

„Ich bin keine Karriere Frau – ich höre auf mein
Herz.“ Vom Pastorenhaushalt zur Kämpferin für Menschenrechte und das alles mit Herz und Leidenschaft. H.H. widmet sich der Flüchtlingsarbeit.

Hamburg. Ein Interview mit H.H., 31 Jahre jung, die für ihren Beruf als Flüchtlingsbeauftragte lebt. Es fing an mit kleinen Projekten, die sie selber organisierte, es ging weiter mit Demonstrationen. Daraus wurde ihr Beruf als Flüchtlingsbeauftragte, bei dem sie mit Herz und Seele dabei ist. An ihrem Auftreten und ihrer Persönlichkeit merkt man, dass sie vor Neugier und Interesse an Neuem nur so strahlt. Zum Thema Zukunft und Zukunftsberufe konnte H.H. auch einiges aus ihrer beruflichen Laufbahn erzählen. Doch was versteht man unter Flüchtlingsbeauftragte, und was bedeutet das für die Zukunft?

H.H. lebt in Hamburg und ist sehr engagiert. Mit ihrer lässigen, farbenfrohen Erscheinung und ihrer auffälligen Kurzhaarfrisur ist der erste Eindruck sehr sympathisch. Sie selber beschreibt sich als ruhig, verantwortungsbewusst und neugierig. Doch auf mich wirkte sie alles andere als ruhig. Sie war sehr aufgeschlossen und an dem Interview sehr interessiert. H.H. ist ein herzlicher und positiver Mensch. Dies lässt sich im Laufe des Interviews auch in Bezug auf ihren Beruf bestätigen. Außerdem beschreibt sie sich selber als „wissenshungrig“, sie liebt es zu lernen. Das kann man mit ihrer beruflichen Laufbahn in Bezug setzten. Nach ihrem Abitur machte sie ein Auslandsjahr in Tansania, wo sie die Sprache Suaheli lernte. Als sie wieder zurück nach Deutschland kam, fing sie an, Soziologie und Ethnologie zu studieren. Sie merkte, dass eine Pause brauchte. Somit ging sie ein Jahr nach Kenia, wo sie Seminare besuchte und Projekte organisierte. Zurück in Deutschland beendete sie ihren Bachelor und machte ihren Master in Friedens – und Konfliktforschung. H.H. sagt: „Ich möchte alles, was ich in meiner beruflichen Laufbahn gemacht habe, nicht mehr missen.“ Schon immer hat sie sich mit politischen Themen auseinander gesetzt, bis es 2015 zu der starken Flüchtlingsmigration in Deutschland kam. Zu dem Zeitpunkt bewarb sie sich als Flüchtlingsbeauftragte und bekam den Job ziemlich schnell. Doch ein Stück Glück gehörte auch dazu, wie sie selber sagt.

Doch was macht eine Flüchtlingsbeauftragte? H.H. arbeitet im Kirchenkreis HH-West Südholstein in einem Büro mit drei weiteren Personen. In ihrem Beruf ist sie sehr viel unterwegs und hat unregelmäßige Arbeitszeiten, die sie sich selbst einteilen muss. Ihr Beruf ist sehr flexibel. Als Flüchtlingsbeauftragte ist man eine Ansprechperson für Kirchengemeinden und Ehrenamtliche. Außerdem ist es eine politische Öffentlichkeitsarbeit, die sehr vielfältig ist. Sie arbeitet eher im Hintergrund und ist quasi der „Wissensspeicher“ und keine direkte Migration-Beraterin. Sie steht nicht im direkten Kontakt mit Geflüchteten. Des Weiteren arbeitet man in ihrem Beruf eher selbstständig oder mit anderen Einrichtungen zusammen. Zufrieden ist sie in ihrem Job auf alle Fälle.

Um einmal den Pastorenhaushalt aufzugreifen: H.H.’s Eltern sind Pastoren. Sie haben sie jedoch nicht dazu gezwungen, zu Gottesdiensten zu gehen. Sie lebten in Mecklenburg, wo sie das erste Flüchtlingsasyl gegründet haben. Flüchtlingsasyl bedeutet, dass man Menschen vor der Abschiebung beschützen kann, damit sie nicht in Gefahr kommen. Kirchengemeinden werden dann rechtliche Lösungen für diese Leute finden. H.H. stand also von klein auf an häufig im Kontakt mit Geflüchteten und hat sich schon schnell mit dem Thema auseinander gesetzt. Für sie war es normal. Sie hat eine besondere Erinnerung daran, als ihre Familie die ersten geflüchteten Menschen aufgenommen hatte und mit ihnen zum ersten Mal Weihnachten feierte. H.H.’s Eltern haben sie immer unterstützt in dem, was sie macht – und das macht sie zu dem hilfsbereiten, zuversichtlichen und zielstrebigen Menschen, der sie heute ist.

Zukunft. Im Zusammenhang mit ihrem Beruf konnte H.H. auch Einiges über die Zukunft berichten. Bei ihrer Berufswahl war es ihr nicht wichtig, ob sie viel verdient oder nicht. Sie sagte: „Ich möchte bloß meine Miete und meine Lebensmittel bezahlen können, mehr brauche ich nicht.“ Zukunft definiert sie als etwas Unbekanntes, viele neue Möglichkeiten und Neugierde auf etwas. Für ihre Zukunft wünscht sich H.H. im Beruf bessere Politik, bessere Rahmenbedingungen für die Bedürftigen Menschen und, dass die Perspektiven für geflüchtete Menschen besser werden. H.H. hat uns persönlich angesprochen und meinte: „Wenn du den Beruf ausüben möchtest, dann rate ich dir, offen und flexibel zu sein. Es ist okay, wenn du nicht direkt alles weißt, und dass du lernen musst, auch mal „Nein“ zu sagen. Außerdem solltest du Strategien entwickeln können, um emotional gesund zu bleiben.“ Darüber, dass es nicht schlimm ist, wenn man nicht direkt alles weiß, sagt sie: „Man kann nicht alles auf einmal verändern.“ H.H. hat keine Existenzängste, weil sie denkt, dass die Kirche weiterhin ein großer Arbeitgeber sein wird. Doch Veränderungen wird es immer geben.

H.H. wirkt auf mich sehr aufgeschlossen und freundlich. Sie übermittelt mir das Gefühl, dass sie sich nicht so schnell einschüchtern lässt, sondern jede Aufgabe oder Herausforderung zuversichtlich angeht. Außerdem versucht sie aus jeder Situation etwas zu lernen. Ihre Feststellung „Ich bin wissenshungrig und liebe es, zu lernen“ bestätigt dies.