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Superstar

Eigentlich war ich ein ganz normales Mädchen, bis sich alles änderte. Ich heiße Grace, bin 16 Jahre alt, 1,67 cm groß, habe langebraune lockige Haare und hab, wenn ich das so sagen darf, eine sportliche Figur. Ich mache gerne Sport und bin seit ungefähr 12 Jahren Eiskunstläuferin. Also, wie schon gesagt, ich bin ein total normales Mädchen gewesen.

Alles begann mit dem Umzug aus meinem Heimatland Norwegen in die USA. Es war ein lang ersehnter Traum meiner Eltern, endlich in die USA zu ziehen. Zum einen weil meine Eltern von diesem Land so begeistert waren, zum anderen weil die Firma meines Vaters dort den Hauptsitz hat, und weil meine beiden älteren Schwestern dort studieren.

Und grade meine älteren Schwestern waren alles andere als normal. Die älteste von uns drein ist Sophie. Sie ist 22 Jahre alt, hat den IQ von gefühlten 3000, ist Medizinstudentin, ist schöne 1,68 m groß, hat langes dunkelbraunes Haar und eine wunderschöne Figur. Meine zweitälteste Schwester Hope dagegen ist 20 Jahre alt, Geschichtsstudentin, 1,67cm groß und hat mittellanges blondbraunes Haar, und dazu kommt noch, dass sie im Moment eine der berühmtesten Sängerinnen der Welt ist. Ihre Stimme ist einfach unglaublich, ihre Figur ist genau so fit wie die von Sophie, und ihre Ausstrahlung ist einfach nur toll.

Also kann man wirklich sagen, dass ich im Gegensatz zu meinen Schwestern völlig normal bin oder eher gesagt normal war.

Nachdem ich zwei Wochen frei hatte, war das Haus schon fast fertig, so dass ich dann am Montag wie all die anderen Jugendlichen in meinem Alter zur Schule gehen konnte. Die Schule war nicht wirklich neu für mich, da meine beste Freundin Leonora hier auch zur Schule geht, und ich sie schon vor meinem Umzug öfters besucht hatte.

Wir kennen uns seit unserer Geburt, da unsere Mütter sich schon seit Kindheitsjahren kennen. Wir hatten seit einem Jahr nicht mehr so viel Kontakt, da sie vor uns umgezogen waren, doch das ist jetzt alles Vergangenheit.

Mein erster Schultag fing anders an als gedacht. Erst sagte mir Leonora, dass sie krank sei und deshalb nicht zur Schule kommen konnte, dann sagte mir meine Mutter ab, weil sie eine Notfall-Operation durchführen musste, aber das war ok gewesen. Was allerdings nicht ok war, war die Tatsache, dass  ich im Regen zur Schule musste, mir dabei mein Knie aufgeschlagen habe, und die Schule zu meiner Überraschung halb leer war. Die meisten waren in ihren Kursen, und ich hatte jetzt auch Hip Hop. Doch wie es ja kommen musste, war der Lehrer krank, und die anderen Schüler kamen dann auch gar nicht erst.

Also beschloss ich für die Geburtstagsfeier von Sophie zu üben, denn Hope und ich dachten, wir können ihr was vorsingen und tanzen, so wie wir es früher immer gemacht hatten.

Also begann ich, und es machte mir genau so viel Spaß wie damals. Nach einer Stunde spürte ich plötzlich einen Schmerz in meinem Knie und knickte um. Als ich aufstehen wollte, sah ich eine Hand, die in meine Richtung ausgestreckt war. Ich griff danach und legte meine Hand hinein. Die Hand war so warm und auf einmal schlug mein Herz immer schneller, und von einem Moment zum anderen stand ich vor einem hübschen Jungen, der vielleicht 1,80 m groß war und aussah, als wäre er 18 Jahre alt. Er war unglaublich hübsch. Er hatte dunkelbraune glatte gestylte Haare und war recht dünn. Nachdem wir uns eine längere Zeit anschauten, stotterte ich ein Danke heraus.

„Nicht dafür“, antwortete er mit einer liebevollen Stimme. Dann sprach er weiter mit mir. „Geht es dir gut? Hast du dich verletzt?“

„Mir geht es gut, danke, und ich glaube nicht, dass ich mich verletzt habe.“ Doch als ich einen Schritt nach vorne machte, drang ein leichter Schmerz durch meinen Körper, plötzlich fiel ich und alles, was ich sagen konnte, war Aua. Und auf einmal fing er mich auf.  Nun lag ich in seinen Armen und wieder guckten wir uns direkt in die Augen, und dann kam er immer näher an meine Lippen, bis sie sich mit seinen trafen. Es war kein unangenehmer Kuss, es war so, als ob ich ihn schon seit Jahren kennen würde, doch das war nicht der Fall. Ich kannte ihn grade mal 10 Minuten. Nachdem sich unsere Lippen wieder voneinander trennten, riss ich mich aus seinen Armen und ging zwei Schritte nach hinten. In diesem Moment vergaß ich den Schmerz in meinem Knie komplett und starrte ihn einfach nur an.

„Das ist jetzt unangenehm“, sagte er mit einer sanften Stimme.

„Ja, und es sollte auch nie wieder passieren“, sagte ich wütend und ging.

Alles, was man hörte, war sein Stöhnen und meine Schritte.

Ich wusste, er stand alleine in der großen Sporthalle, ich stand im Flur und es tat mir leid, dass ich so wütend gegangen war, also beschloss ich, wieder zurück zu gehen, doch als ich an der Hallentür stand, sah  ich einige aus seiner Klasse, die mit ihm sprachen. Mir war das so schon alles peinlich genug, also beschloss ich endgültig zu gehen.

Doch genau in dem Moment, in dem ich mich umdrehen wollte, fiel mir die Tasche auf den Boden und alle starrten mich an. Ich schnappte mir meine Tasche, lief zum Ausgang und ließ die andren zurück. Doch ehe ich mich versah,  stand der hübsche Junge hinter mir, griff nach meinem Arm und drehte mich zu sich. Noch bevor er was sagen konnte, riss ich mich wieder los und lief zum Bus, der zu meinem Glück grade hielt. Als ich mich auf einen freien Platz setzte, schaute ich aus dem Fenster, da stand er nun, der hübsche Junge, dessen Namen ich nicht einmal kannte, den ich trotzdem küsste und der mir irgendwie leid tat.

Auf dem Rückweg konnte ich an nichts anderes mehr denken, als an das, was am Vormittag passiert war. Als ich zuhause ankam, öffnete ich das Tor zu unserem Haus,  und schon kam mir unser  Hund Aslan entgegen. Er bemerkte immer sofort, ob ich traurig oder glücklich war. Und er merkte auch heute sofort, dass es mir nicht so toll ging, also versuchte er, mich abzulenken, was dann zu meinem Glück auch wirklich klappte.

Nach einer Stunde war es 17 Uhr, und ich war immer noch alleine zuhause, also beschloss ich meinen Vater anzurufen. Ich nahm mein Handy, setzte mich in den Gartenstuhl und wählte seine Nummer.

„Hi Dad,  wo bleiben du und Mum?“

„Hallo Süße, deine Mutter und ich sind auf dem Weg zum Flughafen, um deine Schwestern abzuholen.“

„Ach so, ok, dann werde ich schon mal was zu essen vorbereiten.“

„Ok, meine Süße, wir sehen uns dann später.“

„Ok, bis später Papa.“

Nachdem ich aufgelegt hatte, ging ich ins Haus, zog mich um und fing an, das Lieblingsessen unserer Familie zu kochen. Als ich fast fertig mit dem Kochen war, roch das ganze Haus nach Tortellinis. Es war ein Geruch, der mich an meine früheste Kindheit erinnerte, und den ich nie vergessen werde.

Als ich grade mit dem Tischdecken beginnen wollte, klingelte es an unserer Tür. Bevor ich sie öffnete, schaute ich nochmal auf die Uhr. Da es grade einmal 18 Uhr war, konnten es nicht meine Eltern sein, denn die brauchen länger. Als ich die Tür öffnete, bekam ich einen totalen Schock, denn auf einmal  standen sieben hübsche Jungs vor mir, und einen von ihnen kannte ich. Es war der Junge, den ich geküsst hatte.

Von einem Moment zum andren knallte ich die Tür einfach wieder zu, doch es klingelte erneut. Ich wollte nicht nochmal aufmachen, doch am Ende tat ich es doch. Nun schaute ich allen ganz genau ins Gesicht. Ich guckte sie mit einem finsteren Geschichtsausdruck an, damit sie nicht bemerkten, wie peinlich die ganze Situation für mich war. Grade, als ich was sagen wollte, fing einer der Jungen an zu sprechen.

„Hi ich bin Jack und das sind meine Mitbewohner, Derek, Shawn, Harry, Liam, Nathan und der jüngste von uns David‘‘

Als er auf den Jüngsten zeigte, zeigte er auf den Jungen, den ich geküsst hatte. Ich war noch voll im Schock, als Jack weiter sprach: „Um es genau zu sagen, wollten wir uns als eure neuen Nachbarn vorstellen.“

Als er fertig war, warteten alle auf meine Antwort und das war alles, was raus kam: ,,Hi, nett euch kenn zu lernen, ich bin Grace und bin auch grade erst hergezogen. Und wenn ich fragen darf, warum wohnt ihr eigentlich zu siebt zusammen?“

Auf einmal fing Harry an zu lachen und sagte: ,,Du weißt wirklich nicht, wer wir sind oder?“

,,Nein“, war meine Antwort.

„Wir machen gemeinsam Musik“, sagte dann Shawn.

„Ah ok, ich höre im allgemeinen nicht so viel Musik. Wie heißt eure Band denn?“

,,Infinite“, sagte David auf einmal.

Mein Herz begann, immer schneller zu werden, trotz allem blieb ich weiterhin kalt. „Ach so ok, naja dann willkommen in der Nachbarschaft“, war das letzte, was ich sagte, und genau in dem Moment, als ich die Tür schließen wollte, standen meine Eltern vor der Tür. Sie waren sehr überrascht, dass ich die neuen Nachbarn einfach wegschicken wollte. Also beschlossen sie, sie zum Essen einzuladen. Zwar passte mir das überhaupt nicht, aber da ich meine Schwestern so lange nicht gesehen hatte, und ich einen ruhigen Abend haben wollte, sagte ich einfach nichts. Als wir alle gemeinsam am Tisch saßen, war es erst mal sehr ruhig, bis Hope anfing, den Jungs Tausende von Fragen zu stellen. Sie benahm sich wie ein totales Fangirl, dabei war sie selber ein Megastar.

Nachdem Hope fertig war, sprachen auch die anderen miteinander. Ich war die einzige, die den ganzen Abend nichts gesagt hatte, und ich war auch diejenige gewesen, die am schnellsten mit dem Essen fertig war. Ich stand auf bedankte mich für den netten Abend und ging in mein Zimmer. Als ich die Tür schließen wollte, stand auf einmal ein halbes Bein in meinem Zimmer.

Ehe ich mich versah, stand David in meinem Zimmer vor mir. Ich hatte einfach keine Lust, ihm ins Gesicht zu gucken, also schaute ich auf den Boden. Doch ich bemerkte, wie er mich anstarrte.

Auf einmal fing er an zu sprechen: „Hör mal Grace, was heute Vormittag passiert ist, war nicht nur ein Kuss für mich, es war mehr. Ich fühle mich in deiner Gegenwart sehr wohl.“

Ich wurde immer wütender und ließ ihn gar nicht erst weiter sprechen. „Ich kenne dich doch überhaupt nicht. Du küsst mich aus dem Nichts und erwartest dann, dass ich dafür Verständnis habe, bloß weil du in meiner Gegenwart ein gutes Gefühl hast? Warum machst du sowas?“

Dann fing er wieder an zu sprechen: „Was genau, glaubst du, ist wohl mit einem Jungen los, wenn er sich in der Gegenwart eines Mädchen wohl fühlt? Ich mag dich, ok, ich mag dich sogar sehr. Und wir sehen uns nicht das erste Mal. Wir gehen auf dieselbe Schule. Warum glaubst du, habe ich gesehen, wie du in der Sporthalle tanzt. Ich bin nämlich auch im Hip Hop Kurs, ich konnte nur nicht kommen, weil wir eine Bandprobe hatten.“

Als er zu Ende war, fing ich an, über alles nachzudenken, was er gesagt hatte. Auf einmal kam mir alles ganz klar vor. „Trotz allem sind diese Gründe kein Grund gewesen, mich einfach zu küssen“, sagte ich mit einer ruhigeren Stimme. „Es war unüberlegt, und das tut mir wirklich leid, dennoch konnte ich nicht wiederstehen, ich fühle mich dir wirklich nah und möchte gerne in deiner Nähe sein.“ Das war alles, was er noch sagte. Dann aus dem Nichts wurden seine Wangen ein wenig rot, was mein Herz immer schneller schlagen ließ.

Und in diesem Moment tat ich etwas, was ich nie von mir selber gedacht hätte. Ich stellte mich ihm gegenüber, griff nach seinem Kopf, zog ihn zu mir und küsste ihn. Er zog sich immer dichter an mich heran, bis wir das Gleichgewicht verloren und auf den Boden fielen. Doch das trennte unsere Lippen auch nicht voneinander. Auf einmal öffnete jemand die Tür, und von einem Moment zum andren saßen wir in zwei verschiedenen Ecken meines Zimmers, so dass wir uns nicht mehr sehen konnten.

„Grace ist alles okay bei dir? Du bist heute nicht so gut drauf wie sonst“, sagte Sophie mit ihrer liebevollen und beschützenden Stimme.

„Es ist alles ok. Ich bin bloß sehr müde, die Schule war heute sehr anstrengend.“

„Na, dann ist ja alles gut, ich geh dann wieder.“

Doch genau in dem Moment, als sie Richtung Tür ging, sah sie David in der Ecke sitzen und fragte ihn mit freundlicher Stimmer, was er hier machen würde. Und noch bevor er antworten konnte, sagte ich: „Ich hatte ihn hoch kommen sehen und hab dann angefangen mit ihm über ein Paar Kurse aus der Schule zu sprechen, denn wir gehen auf dieselbe Schule und besuchen auch einige Kurse zusammen.“

Als ich fertig war, sah meine Schwester zufrieden aus und David wirkte erleichtert. Sie sagte dann nur noch, dass die Jungs in einer Stunde gehen würden und verließ den Raum wieder. Ich schaute auf die Uhr und bemerkte, dass es wirklich schon spät geworden war, doch dann durchdrang mich ein Verlangen, das Verlangen nach ihm. Ich sprang über mein Bett, landete auf ihm und küsste ihn erneut. Er erwiderte den Kuss und zog mich wieder dicht an sich heran. Nach einer Stunde rief meine Mutter uns runter, und wir verabschiedeten uns von den Jungs. Nachdem sie weg waren, machte ich mich bettfertig und ging schlafen, denn ich hatte eine Menge zu verdauen.

 

Am nächsten Tag in der Schule war eigentlich alles wie immer. Als ich David sah, wollte ich gleich zu ihm gehen, doch noch bevor ich ihn erreichte, ging er an mir vorbei, ohne mit einer Wimper zu zucken. Ich verstand die Welt nicht mehr. Gestern war noch alles ok gewesen und jetzt tat er so, als würde er mich nicht sehen. Zwei Wochen lang ging das dann so. Als ich am Anfang der dritten Woche früher Schluss hatte, beschloss ich, mit ihm zu reden. Ich ging in den Flur Richtung Ausgang. Als ich ihn sah, lief ich gleich zu ihm. Noch bevor ich was sagen konnte, umarmte er mich. Ich riss mich aber schnell wieder los und fragte ihn direkt, warum er so kalt zu mir sei.

„Weswegen hast du mich die letzten zwei Wochen so kalt behandelt?“

„Ich hatte eine Menge zu tun, es tut mir leid.“

„Du hättest mir was sagen können, dann hätte ich mir nicht solche Sorgen gemacht.“

„Ich weiß, tut mir wirklich leid.“

Nachdem wir unser Gespräch beendet hatten, griff er nach meiner Hand, und wir gingen gemeinsam in Richtung Ausgang. Als wir am Ausgang ankamen, warteten schon mehrere Paparazzi auf David. In diesem Moment ließ er meine Hand los und versuchte mit seinen Bodyguards in der Menge einen Durchgang frei zu machen.

In diesem Moment lief ich wieder in die Schule und schloss mich in der Toilette ein. Nach einer Stunde beschloss ich, meine beste Freundin anzurufen. Ich nahm mein Handy und wählte ihre Nummer.

„Hallo? Gracy bist du es?“

„Hi, ja ich bin’s. Ich wollte dich fragen, ob du noch in der Schule bist.“

„Ja, bin ich, aber ich wollte gleich nach Hause fahren. Warum?“

„Nur so, ich dachte wir könnten etwas machen.“

„Klar können wir was machen, aber eine Frage, ist alles ok? Du klingst fertig.“

„Das erzähle ich dir später. Wo wollen wir uns denn treffen?“

„Okay, ähm, bist du auch noch in der Schule?“

„Ja bin ich.“

„Gut dann treffen wir uns um 15 Uhr vor dem Ausgang.“

„Ok und Leo?“

„Ja?“

„Danke.“

„Wofür?“

„Für alles.“

„Mach ich doch alles gerne für dich. Wir sehen uns später. Hab dich lieb, tschüss.“

Nachdem sie aufgelegt hatte, öffnete ich die Toilette, wusch mein Gesicht und machte meine Schuluniform wieder glatt. Kurz vor 15 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Ausgang und wartete auf  Leonora. Genau um 15 Uhr stand sie hinter mir und nahm mich in ihre Arme. Genau das brauchte ich grade. Sie schaute mir ins Gesicht und wusste genau, dass es mir nicht gut ging. Wir beschlossen, erst etwas zu essen und danach zu mir zu fahren. Wir stiegen in ihr Auto und fuhren ins Restaurant, was nicht weit weg von der Schule war. Nachdem wir im Restaurant ankamen, erzählte ich Leonora alles, was in den letzten Tagen passiert war. Sie reagierte etwas schockiert, doch sie versuchte mich trotz allem zu motivieren nicht aufzugeben. Nachdem wir fertig mit dem Essen waren, fuhren wir nach Hause. Als wir ankamen, machten wir es uns gemütlich und guckten mehrere Filme, bis wir irgendwann einschliefen. Als wir uns am nächsten Tag auf den Weg zur Schule machten, regnete es sehr doll. Es erinnerte mich an den Tag, an dem ich David kennen lernte. Als wir in der Schule ankamen, standen vor dem Eingang ein paar Schülerinnen aus der Parallelklasse. Es schien so, als würden sie auf mich warten und leider irrte ich mich auch nicht. Als wir aus dem Auto ausstiegen, fingen sie an Kommentare zu rufen.

„Oh, da kommt ja die Grace! Und wie ist es, das Spielzeug eines Superstars zu sein?“

„Genau Grace, wie ist es?“

„Sie ist es nicht einmal wert, sein Spielzeug zu sein.“

Als sie zu Ende waren, platze Leonora der Kragen und sie fing an die Mädchen anzuschreien: „WER GENAU GLAUBT IHR EINGENTLICH ZU SEIN? GLAUBT IHR, BLOSS WEIL ÜBER EUCH GESPROCHEN WIRD,  KÖNNT IHR JEDEN SO BEHANDELN, WIE IHR WOLLT? WENN ICH AN EURER STELLE WÄRE, WÜRDE ICH GENAU AUFPASSEN, ZU WEM ICH WAS SAGE.“

Ich konnte nicht länger zugucken und fing an auch zu sprechen:

„Leo, es reicht, hör auf bitte.“

„Ach was, das Püppchen kann ja auch sprechen“, sagte Larissa, ein Mädchen aus unserer Parallelklasse.

„Larissa, halt einfach deinen schäbigen Mund.“

„Nein, das werde ich nicht. Glaubt sie, bloß weil ihre Schwester berühmt ist, kann sie machen, was sie will.“

„STOP“, schrie ich auf einmal.

Beide guckten mich verwirrt an, und ich sprach weiter:

„Es reicht jetzt, ok. Ich habe erstens nichts mit David und zweitens, ich glaube nicht, dass ich alles machen kann, bloß weil meine Schwester berühmt ist.“

Als ich fertig war, griff ich nach Leonoras Hand und ging in die Klasse. Als es zur Pause klingelte, standen erneut die Schülerinnen aus der Parallelklasse vor mir, aber dieses Mal war David mit von der Partie.

Noch bevor er was sagen konnte, gingen Leonora und ich an ihnen vorbei und ich spürte nur noch, wie seine Blicke mich verfolgten. So ging es dann mehrere Wochen lang. Ich fing an, ihn zu ignorieren, und wenn wir uns mal in der Nachtbarschaft sahen, ging ich einfach vorbei oder schenkte ihm keinen einigen Blick.

Ich vermisste ihn und das sehr, aber ich wusste, wenn ich jetzt nachgeben würde, dann würde mich die Angst, erneut solche Kommentare zu hören, auffressen.

Außerdem war er derjenige, der mich einfach alleine vor all den Menschen stehen gelassen hat.

 

Als es zur letzten Stunde klingelte, ging ich in Richtung Sporthalle, doch als ich ankam, war die Sporthalle komplett leer. Anscheinend fiel Sport erneut aus.

Ich drehte mich um, um zu gehen, doch da stand er und fing sofort an zu reden.

„Fällt Sport heute aus?“

Es war kurz ruhig, doch dann antwortete ich.

„Ich glaube ja.“

„Ach so ok. Können wir dann kurz reden?“

„Worüber willst du denn noch reden?“

„Über alles, was in den letzten Wochen passiert ist.“

„Wenn du glaubst, wir müssen reden, dann rede.“

„Warum bist du in den letzten Wochen so distanziert?“

„Das fragst du jetzt nicht wirklich, oder?“

„Doch das tu ich!“

„An dem Tag, an dem wir Hand in Hand rausgingen und die ganzen Paparazzi vor uns auftauchten, an diesem Tag hast du einfach meine Hand los gelassen und bist gegangen.“

„So stimmt das doch gar nicht. Ich bin losgegangen, um den Weg frei zu machen, und als ich mich umgedreht habe, um dich zu holen, warst du weg.“

„Wirklich?“

„Ja, wirklich. Wie kannst du nur glauben, ich würde dich da alleine stehen lassen?“

„Ich weiß es auch nicht.“

„Ich habe auch mitbekommen, was die anderen zu dir gesagt haben. Hör bitte nicht auf solche Kommentare, denn sie sind nicht wahr.“

„Ich weiß, aber ich habe Angst. Was ist, wenn es schlimmer wird?“

„Wenn wir zusammen sind, kann es nicht schlimmer werden, sondern nur besser.“

Nachdem er das gesagt hatte, nahm er mich in die Arme, und ich sah die Welt in einem neuen Licht. Die Farben, die einst fast trostlos waren, strahlten wie noch nie zuvor, und die Menschen um mich herum, die ich sonst nie wahrnahm, waren mir jetzt wie ein Haufen Sonnenstrahlen, die alle einen wichtigen Platz in dieser Welt und zu meiner Glückseligkeit einnahmen. Nun war ich fest entschlossen, ich riss mich aus seinen Armen, nahm seine Hand, ging zum Ausgang und stellte mich den Paparazzis und den Kommentaren, denn ich war bereit, mich meinen Ängsten zu stellen.