shadow

Vaterliebe

 

Die letzten Sonnenstrahlen kitzelten meine Haut. Ich sog die frische Luft ein und genoss den Wind, der mich sanft umstrich und die Wärme milderte, so dass ein angenehmes Klima zum Malen entstand.

Ich blinzelte in die untergehende Sonne. Das Rot vermischte sich mit einem kräftigen Orange und einem zarten Rosa und wenn man die schmerzenden Augen ignoriert, die durchs Stetige in die Sonne schauen entstehen, konnte man sogar ein schwaches Blau erkennen. Dieses Blau sorgte für den lila Schimmer in den Wolken.

Ich fing an, die Farben zu mischen. Die weiße Palette, die ich neben mir auf der Bank liegen hatte, färbte sich so immer bunter und wirkte wie ein Feld voller Wildblumen in den verschiedensten Farben.

Langsam füllte sich die Leinwand. Zuerst war sie gelb, dann ein leichtes Rosa und viel Rot. Ein dunkles Grün für die kaum noch zu erkennenden Bäume, die gegen das Licht standen.

Gerade als ich das Orange mischen und auftragen wollte, entdeckte ich einen Schatten auf dem Weg, der sich durch die Bäume Richtung Klippe schlängelte. Die langen Haare eines Mädchens wehten im Wind und waren kaum von den raschelnden Blättern zu unterscheiden, so sehr wirkte sie als gehöre sie zu dieser Landschaft.

Auch wenn ich normalerweise keine Menschen in meine Bilder einbaute, warf ich für dieses Mal meine Prinzipien über Bord und mischte ein sehr dunkles Grün an, das man kaum noch von Schwarz unterscheiden konnte.  Ich schaute von meiner Palette hoch, auf das Mädchen und entschloss mich, noch Gold hinein zu mischen um ihren Anmut einzufangen.

Ihre Aura sprach Bände. Solche Selbstsicherheit hatte ich noch nie bei einem Menschen gesehen. Sie war fest entschlossen.

Ihre Haltung, ihre Statur, ihr ganzer Körper sagten mir, sie weiß was sie will.

Ein warmes Kribbeln stieg mir in die Brust.

Ich sah sie einfach nur an, beobachtete sie, ließ meinen wachsamen Blick nicht von ihr weichen. Sie nahm mich mit ihrer bloßen Anwesenheit gefangen. Ein Käfig aus Neugier und Unwissenheit.

Sie tat einen Schritt Richtung Klippe.

Was wollte sie eigentlich hier? Es war schon spät und um diese Uhrzeit kamen selten Menschen her.

Sie ging weiter auf bodenlosen Untergrund zu.

Sie wollte doch nicht etwa…

Ich legte die Mischpalette auf die Bank und  stand auf.

Noch ein Schritt.

Ich trat um meine Leinwand herum und ging langsam auf sie zu. Es waren knapp 20 Meter zwischen uns, doch schien sie viel weiter entfernt. Als ich die Hälfte des Weges hinter mir gelassen hatte, blieb sie abrupt stehen und legte ihren Kopf in den Nacken. Wegen des Gegenlichtes konnte ich kaum was erkennen, doch es wirkte als hätte sie ihre Augen fest verschlossen.
Ein paar Sekunden verstrichen.

Der Käfig in dem ich mich befand, öffnete sich in dem Moment, indem sie ihre Augen aufriss.

Entschlossen, mit verbissener Miene und glasklarem Blick setzte sie einen Fuß vor den Anderen. Mein Herz fing an zu rasen. Fassungslos sah ich ihr nach. Ihre Schritte wurden immer schneller.

Das Knacken eines Astes riss mich aus meiner Bewusstlosigkeit. Ohne einen klaren Gedanken fassen zu können lief ich los.

Meine Beine trugen mich so schnell sie konnten und mein Herz schlug noch höher als ich beobachtete, wie sie der Klippe immer näher kam. Mit brennender Lunge sog ich die Luft Schritt für Schritt tief ein. Meine Beine pochten.

Kurz vor dem Abgrund der in peitschenden Wellen endete, holte ich sie ein.

Im Laufen griff ich nach ihr und erwischte sie grob an der Schulter. Fast wäre ich abgerutscht doch ich bekam den Saum ihres leuchtend roten T-shirts zu fassen. Mit voller Kraft zog ich sie zurück wobei ich selber eine Vollbremsung machen musste. Sie wirbelte durch die Zugkraft herum. Jetzt konnte ich ihr Gesicht erkennen.

Ihre silbergrauen Augen blitzten mich überrascht und erschrocken an. Ihr dunkles Haar, welches rötlich im Licht schimmerte, flog durch die Luft.

Wir verloren das Gleichgewicht.

Automatisch zog ich sie an meine Brust und umschloss ihren Körper mit meinen Armen um sie vor dem Sturz zu schützen. Ich kam zuerst mit meiner linken Schulter auf und spürte, wie mein Kopf auf den kalten Steinen aufschlug. Ich schlitterte dann ein paar Zentimeter über den Boden. Ein spitzer Schmerz schoss mir durch den Körper und die Umgebung fing an sich zu drehen.

Ich blieb liegen, solange bis sich nichts mehr drehte, dann schaute ich zu dem Mädchen in meinen Armen hinunter. Sie rührte sich nicht, doch ich spürte ihren heißen Atem an meiner Brust.

Ich ließ ein paar Sekunden verstreichen, ehe ich mich rührte.

„Alles ok?“ . Sie hatte ihren Kopf etwas gehoben und schaute mich mit Ihren rot geschwollenen Augen an, sagte jedoch nichts. Ich spürte bloß einen neuen Schwall heißer Flüssigkeit sich auf meinen Shirt verteilen. Ohne ein Wort über meine Lippen gleiten zu lassen schaute ich nach Oben und hielt dieses Mädchen einfach fest. Zwar dachte ich mir, dass sie nicht nochmal Versuchen würde zu springen, dennoch ließ ich sie nicht los, hielt sie einfach schweigend fest in meinen Armen und ließ sie weinen. Dabei versuchte ich den Schmerz der sich von meiner Schulter durch meinen Kopf und den ganzen Körper zog in Griff zu halten. Die Steine vom Sandweg hatten sich tief in meine Haut gebohrt als ich drüber geschlittert war. Erst jetzt bemerkte ich den metallenen Geschmack in meinem Mund. Scheiße!
Ich biss meine Zähne zusammen. Verdammter Schmerz!

Dennoch blieb ich so liegen wie ich war und machte keinen Mucks. Als das Mädchen keine Tränen mehr vergoss bewegte ich mich und zog erst mich dann sie auf die Beine, wobei ich bei ihr nach Verletzungen schaute. Nichts. Bloß ein kleines Loch in ihrer Hose.

Mein Verlangen nach meinen Wunden zu tasten ignorierte ich dabei und reichte ihr die Hand mit welcher ich sie wortlos zu meiner Staffelei führte. Ich setzte sie auf die Bank. Als ich mich vor meine Leinwand setzte bemerkte ich ihren neugierigen Blick, welcher auf ihrer eigen grün goldenen Silhouette haftete.

Auch wenn ich mit dem Bild noch nicht fertig war löste ich das Leinen Papier vom Holzrahmen, rollte es zusammen und steckte es in eine Metallröhre damit es nicht zerknickte. Aus einer weiteren Röhre holte ich ein unbemaltes Stück heraus und befestigte es am Rahmen, dann fing ich an grau silber für ihre Augen, Braun rot für ihr Haar, ein schwaches Beige für ihre Haut und ein zartes Rosa für ihre Lippen zu mischen. Ich drehte die Leinwand ein wenig von dem Mädchen weg so dass sie mir nicht dabei zusehen konnte wie ich sie malte.

Ich fing mit ihren Haaren an, lies sie die gesamte Leinwand ausfüllen, setzte die roten Akzente und dunkelbraunen Schatten. Ein wenig weiß um das ganze etwas glänzen zu lassen.

Dann begann ich die Konturen ihres Gesichts nachzuzeichnen, ihre Ohren, die Nase, der Übergang zu ihrem dünnen langen Hals. Ich endete bei ihren Schlüsselbeinen und deutete nur zaghaft das Rot ihres Shirts an damit sie nicht nackt wirkte, Das Zarte Rosa für ihre Lippen und dann begann ich ihre Augen. Ich nahm das Grau auf meinen Pinsel und schaute in ihr Gesicht. Ihr Blick löste sich von der Leinwand, es sah aus als Versuchte sie durch das Papier hindurch zu erkennen was ich malte, und traf meinen. Meine Haare stellten sich auf und ich spürte ein heißes Kribbeln unter meiner Haut von den Händen hinauf wandern bis es sich im ganzen Körper verteilt hatte.

Mit einem letzten Pinselstrich vollendete ich das Bild.

Ich unterschrieb, nahm das Bild ab, rollte es zusammen und gab es ihr. Dann packte ich meine Sachen zusammen.

Gerade als ich meine Pinsel in die Tasche steckte, spürte ich eine Berührung an meiner verletzten Schulter. Erschrocken fuhr ich hoch und schaute in das entschuldigende Gesicht dieses Mädchens. Ich lächelte, „Alles in Ordnung.“ drehte mich mit einem verabschiedenden nicken um und ging.

 

 

 

Der Schlüssel klackte im Schloss. Ich drehte ihn noch ein Stückchen nach rechts und zog die Wohnungstür langsam auf, sie quietschte.
„Hey meine Süße“ hörte ich meine Mutter aus der Küche. „Du kommst heute etwas spät, warst du noch unterwegs?“ Ich ließ das Bild auf der Kommode im Flur und ging in die Küche, um meine Mutter mit einem Kuss auf die Wange zu begrüßen

„Ja, noch etwas spazieren.“ Mit diesen Worten trat ich wieder in den Flur, nahm die Rolle und ging auf mein Zimmer im ersten Stock.

„Das Essen ist gleich fertig“, rief sie mir noch nach.

Ohne das Bild anzusehen, versteckte ich es in meinem Kleiderschrank hinter einer losen Planke. Dort hatte ich auch ein Foto von meiner Mutter und mir und ein klein wenig Erspartes.

Ich machte mich noch etwas frisch, indem ich mir Wasser ins Gesicht spritzte und ging wieder hinunter, um meiner Mutter beim Tisch decken zu helfen.

„Wo ist eigentlich Tommy?“ fragte ich sie, nachdem mir auffiel, wie ruhig es in der Wohnung war.

„Noch ein wenig mit deinem Vater unterwegs. Der Kleine lernt gerade das Fahrradfahren“, sagte sie stolz. Ich empfand nichts dabei. Zwar mochte ich meinen um einiges jüngeren Bruder sehr gerne, aber stolz war ich noch nie auf ihn gewesen.

Gerade als wir das Essen auf den Tisch gestellt hatten, hörte ich das Schloss. Ich zuckte.

„Hey meine Lieben“ kam mein Vater fröhlich lächelnd rein. Tommy lächelte ebenfalls.

Meine Mutter gab meinen Vater einen zärtlichen Kuss.

„Abendbrot ist fertig.“

Dann bekam Tommy einen dicken Schmatzer übers ganze Gesicht der sich dabei wand: „Mama ich bin doch kein Baby mehr!“ Sie lachte amüsiert.

Mit einem Grinsen kam mein Vater auf mich zu „Gib deinen Vater einen Kuss“, sagte er. Ich schluckte und klammerte mich an einen Stuhl, den ich gerade zurecht gerückt hatte. Dann stand er vor mir und gab mir einen Kuss. „Ich bin auch kein kleines Kind mehr.“ sagte ich und drehte mich zum Tisch.

Während wir aßen erzählte mein Vater wie toll mein Bruder sich gemacht hatte, wie schnell er lernte und wie talentiert er doch sei.

Der letzte Bissen rann mir die Kehle runter. Ich schluckte trocken.

„Ich bin fertig!“ erklärte ich beim Aufstehen und legte mein Geschirr in die Spüle.

„Danke Mama, das war sehr lecker.“ Ich gab ihr ein Kuss auf die Wange und stieg die Treppen zu meinem Zimmer hinauf.

Mit einem Klacken war das Schloss zu meinem Zimmer verriegelt. Endlich konnte ich mir das Bild in Ruhe ansehen. Meine Mundwinkel zogen sich nach oben. Ich lächelte.

Vorsichtig holte ich das Bild aus seinem Versteck, rollte es auseinander und schaute mir mein eigenes Portrait an. Wow!

Die Farben leuchteten mir entgegen. Mein Haar strahlte lebendig und meine Augen leuchteten silbern.

Ich betrachtete jeden Pinselstrich genau und entdeckte an der linken unteren Ecke seine Unterschrift und einen kleinen Satz. „Wenn du willst, komm morgen gerne wieder. Du bist herzlichst willkommen.“ Ich musste grinsen. Diese Begegnung erschien mir wie ein Traum und dennoch war sie echt. Es hatte sie gegeben und dieses Bild war der Beweis dafür.

Am liebsten hätte ich es aufgehängt, doch wie sollte ich das Bild erklären?

Vorsichtig rollte ich es wieder zusammen und legte es zurück in mein Geheimfach.

Dann klopfte es.

 

Ich setzte mich auf dieselbe Bank zur selben Zeit wie gestern, stellte meine Leinwand auf und schaute in den Wald in dem sich ein kleines Häuschen befand. Mir war heute nicht danach den Sonnenuntergang zu zeichnen.

Der Wald wurde noch von den paar Strahlen beschienen, die die Sonne von sich gab. Ich mischte die eher dunklen Farben zusammen und fing an die Bäume und Blätter so wie die Stämme zu zeichnen.

Die Hoffnung, dass das Mädchen von gestern doch noch kommen würde schwand immer mehr, desto weiter ich die Landschaft aufs Papier brachte.

Irgendwann, ich war schon zu vertieft ins Bild um meine Umgebung noch richtig wahr zu nehmen, tauchte sie lächelnd auf und setzte sich schweigend zu mir.

Keiner von uns  beiden grüßte. Sie setzte sich bloß zu mir, beobachtete mich. Ich spürte das Kribbeln wieder in mir aufkommen. Eine wohlige Wärme die sich im ganzen Körper ausbreitete. Wir sprachen nicht während ich zeichnete, was eine kleine Weile dauerte.

Als ich fertig war legte ich den Pinsel zur Seite und schaute sie an. Ihr Blick haftete noch eine Weile auf meinem Bild, dann hob sie ihre Hand und strich über die farbige Fläche.

„Wie geht es deiner Schulter?“ Ihre Stimme drang zum ersten Mal in mein Ohr. Sie war sanft, fast lieblich und ruhig. Reflexartig hob ich meine Hand zur Wunde. „Nur ein paar Schrammen aber nichts wildes.“

Beruhigt lächelte sie. Zögerlich führte sie ihre Hand zu meiner Schulter und strich sachte drüber.

„Mir geht‘s gut.“ Bestätigte ich nochmal, mit einem beruhigenden Lächeln auf den Lippen.

„Darf ich morgen wieder kommen?“ fragte sie, ohne dabei ihre Hand von meiner Schulter zu nehmen.

„Liebend gerne“, entgegnete ich und stand auf. „Ich würde mich sogar freuen.“

„Ich heiße im übrigen Sascha“, sagte sie mit einem zufriedenen Lächeln und verschwand

 

 

Ich kam später nach Hause als gestern. Immer noch lächelnd betrat ich die Wohnung.

Meine Mutter hatte das Abendbrot bereits auf dem Tisch stehen und schaute mich besorgt an. „Sascha! Wir haben uns Sorgen gemacht.“ Mit diesen Worten schaute sie zu meinem Vater der mich skeptisch betrachtete. Mein Lächeln schwand.

„Wo warst du?“ fragte er mit einer strengen Miene

„Spazieren“, versuchte ich so ehrlich wie möglich rüber zu bringen, doch sein misstrauischer Blick verriet mir dass er mir nicht glaubte.

 

Ungeduldig, fast schon sehnsüchtig, wartete ich zur selben Zeit wie gestern, doch ich wusste nicht, was ich diesmal zeichnen sollte.

Es dauerte nur wenige Minuten, da kam Sascha auch schon.

Gerade als ich aufgestanden war, um sie zu begrüßen, legte sie ihre Arme um meinen Hals und drückte mich an sich.

„Danke“, flüsterte sie mit weinerlicher Stimme. „Danke dass du einfach nur hier bist. Dass du mir keine Fragen stellst, die ich nicht beantworten möchte.“ Sachte legte ich ihr meine Hände auf den Rücken.

Wir lösten die Umarmung und setzten uns auf die Bank. Ihr Blick glitt zur immer noch leeren Leinwand, dann fing sie an zu Erzählen.

„Weißt du. Eigentlich habe ich eine echt tolle Familie. Alle verstehen sich, es gibt so gut wie nie Streit. Mein Vater unterstützt meine Mutter wo er nur kann und auch mein Bruder hilft immer im Haushalt. Eigentlich kann ich mich nicht beschweren.“ Ihr Blick glitt entschuldigend zu mir.

Sie zögerte. Schien nicht zu wissen wie sie weiter sprechen sollte, wie sie mir erklären konnte was los ist.

„Aber das ist alles nur oberflächlich.“ Saschas Blick blieb auf mich gerichtet. „Mein Vater ist ein riesen Arschloch. Würde mich wundern wenn er meine Mutter überhaupt wirklich liebt. Nur Tommy, meinen kleinen Bruder, den liebt er. Für ihn würde er alles tun. Wie oft musste ich mir schon anhören Tommy sei sein Wunschkind gewesen. Ich war ja nur ein Unfall.“ Ihre Verachtung ihren Vater gegenüber löste bei mir einen Schauer aus. Der Ton in dem sie Sprach, ließ mich regelrecht spüren was sie für ihn empfand.

„Eigentlich dachte ich immer, dass ich ein normales Verhältnis zu meinem Vater hatte. Das alles was er tat auch normal war und jeder Vater tat. Es gab ja immer Dinge die man nicht mochte aber die getan werden mussten… “ Sie stockte erneut und wandte ihren Blick ab. Tief einatmend schloss sie ihre Augen, in denen sich leuchtend klare Tränen gesammelt hatten. Mit zitternder Stimme sprach sie weiter. „Und deswegen dachte ich auch es sei normal das er alle paar Wochen, hauptsächlich wenn wir alleine waren, zu mir in mein Zimmer kam und sich mit in mein Bett legte.“ sie schluchzte leise. „Ich dachte es war normal, dass er seine Hand auf meine Brust gelegt und sie gestreichelt hatte. Ich dachte so was tun Väter.“ Saschas Stimme wurde lauter. Sie ließ den Frust raus, den sie so lange ertragen musste. Geschockt und nicht wissend, was ich tun sollte, hörte ich ihr weiter zu. „Ich dachte, er ist ein ganz normaler Daddy, dass alle Daddys sich zu ihren kleinen Lieblingen legen und sie so berührten.“ Sie krümmte sich leicht, als würde sie jede seiner Berührungen erneut auf sich spüren. „Aber er hat mich nicht nur angefasst.“ Mittlerweile flossen ihr die Tränen über die Wange und tropften unaufhaltsam auf den trockenen Boden, wo sie eine kleine Spur hinterließen. Es war ihre Spur der Verzweiflung.

„Irgendwann war ihm das Berühren nicht mehr Genug. Er wollte, dass ich ihn Berühre und er zwang mich zu Dingen…“ Sie sprach nicht weiter, unterdrückte einen Würgereiz.

Mit gebrochener Stimme sprach sie weiter. „Er zwang mich zu vielen fürchterlichen Dingen und irgendwann als Mutter mit meinem kleinen Bruder mal ins Krankenhaus musste, nutzte er die Gelegenheit und vergewaltigte mich.“ Sie spuckte die Wörter förmlich aus. „Und das blieb auch nicht das letzte Mal.“ mit Blutunterlaufenden Augen vom Weinen schaute sie mich wieder an. „Erst vorgestern… Als ich nach Hause kam, nach dem Abendessen, hatte er wieder an meine Tür geklopft weil meine Mutter noch etwas mit Tommy raus war und Fahrradfahren übte.“ Ich schauderte. Vorgestern wo ich sie vom Springen abgehalten hatte, und mich die ganze Zeit gefragt hatte wieso.  Sachte zog ich sie an mich. Legte meine Arme um ihre Schultern und ließ sie weinen. Ekel ihrem Vater gegenüber packte mich. Ein Gefühl welches ich so nicht kannte.

Mein Blick schweifte zur leeren Leinwand. Damit würde ich ihn nicht durchkommen lassen!

Die Hemmungen, die sie bis eben noch hatte, fielen von ihr ab. Sie kümmerte sich nicht darum wie sie klang. Sie schluchzte, sie schrie, sie weinte hemmungslos.

Ich spürte das heiße Nass sich auf meinem T-shirt verteilen.