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Verhexte Freundschaft

von Sofia Seddiq Zai (13)

Ich war 7 Jahre alt, als mein Leben den Bach runter ging. Okay, vielleicht bin ich ein wenig Melodramatisch, aber der beste Tag in meinem Leben war es ganz sicher nicht.

Ich saß auf meinem Schaukel Pferd, das ich Pferdchen (wie kreativ ich, doch war) genannt hatte. Eigentlich hatte ich mir ein Pony gewünscht, aber mein Vater war strikt dagegen gewesen. Von wegen Stall, Heu und so was wurden zu viel kosten. Nachdem ich 3 Tage durchgeweint habe (ich war erst 7!), hatte mein Vater ein wenig Erbarmen und kaufte mir Pferdchen. Ich war ziemlich sauer, aber meine Mutter sagte, dass ich mir nur vorstellen muss es wäre ein echtes Pony.

Am Nachmittag beäugte ich also Pferdchen. Er war aus hellbraunem Holz und er hatte dunkelbraunes Haar. Süß war er.

Ich setzte mich hoffnungsvoll auf Pferdchen und konzentrierte mich auf ein Pony. Ich wette ich weiß, wie das aussah. Ein rothaariges Mädchen, dessen Gesicht vor Anstrengung rot war und das die grünen Augen geschlitzt hatte. Nicht die geringste Ahnung von dem was gleich passieren wurde.

Pferdchens Augen weiten sich und mit einem Ruck erwachte er zum Leben. Leider war und ist Pferdchen hyperaktiv. Glaubt mir, ich hab es oft genug zu spüren bekommen, und deshalb beschleunigt er in weniger als einer Sekunde auf 150 KmH. Ich umklammerte Pferdchens Hals.

Pferdchen sauste durch die Tür, Gott sei Dank hatte meine Mutter im Hintergarten zu tun, und sah mich nicht. Ängstlich hielt ich mich an Pferdchens Mähne fest, was ziemlich dumm war, denn das ärgerte ihn so sehr, dass Pferdchen in den nächsten Zaun rannte und mich im Garten eines Nachbarn abwarf. Dann war Pferdchen plötzlich wieder ein Holzpferd. Ich drehte mich um und vor mir stand der 4-Jährige Junge, der Nachbarsfamilie. Ich sah ihn erschrocken an und fragte mich, was da gerade passiert war. Ehe, ich irgendwas sagen konnte, durchzuckte mich plötzlich Schmerz. Ich krümmte mich auf dem Boden vor Schmerz.

Der Junge bekam Angst lief ins Haus und holte seine Eltern.

„Was ist los?“ fragte mich die Mutter, des Jungen. Ich wollte ihr sagen, dass Pferdchen plötzlich losgeritten war, aber stattdessen sagte ich etwas was ich ganz sicher nicht sagen wollte: „ Lila ist meine Lieblingsfarbe“. Warum sagte ich das? Und lila war nicht mal meine Lieblingsfarbe. Es war orange.

Die Eltern des Jungen sahen mich misstrauisch an und zogen mich aus dem Garten. Gerade rechtzeitig griff ich nach Pferdchen und zog ihn mit.

Wir klingelten an der Tür und meine Mutter öffnete sie. Sie hatte ihre Gartenhandschuhe an.

„Was ist los?“ fragte sie.

„Ihre Tochter hat unseren Zaun gerammt und dabei unseren Kleinen erschreckt!“ sagte unsere Nachbarin.

„Warum hat du das getan, Schatz?“ fragte meine Mutter. Ich wollte ihr sagen, dass Pferdchen einfach los geritten war und dass ich ganz sicher nichts damit zu tun hatte.

„Bekomme ich eine neue Barbie? Meine ist schon ganz kaputt“ sagte ich. Meine Mutter, der Junge und dessen Mutter sahen mich mehr als unschlüssig an. Wieder durchzuckte mich eine Welle des Schmerzes. Ich fiel auf den Boden und schrie. Meine Mutter sagte unserer Nachbarin, sie könne gehen, denn sie wurde sich um mich kümmern. Als meine Mutter die Tür schloss lief ich nach oben und schloss mein Zimmer ab. Mir fiel ein, dass ich Pferdchen unten vergessen hatte und wollte ihn holen, um ihn dann zu Rede zu stellen (Ich war erst 7 und wusste es nicht besser). Ich ging die Treppe runter und dort im Flur lag er. Ich hatte das Gefühl, dass er mich schuldbewusst ansah. Meine Mutter aus der Küche und schrie: „Ich weiß nicht warum und wie du den Zaun zerstört hast, aber dafür bekommst du 1 Monat Hausarrest und jetzt geh auf den Zimmer“.

Schnell nahm ich Pferdchen und flüsterte ihm ins Ohr: „Das klären wir gleich“. Ich ging nach oben und schloss mein Zimmer wieder ab. Ich legte Pferdchen auf mein Bett und begann mit dem Verhör. Ich stellte vor sein Gesicht eine Lampe auf, genau wie die Polizisten in den alten Filmen.

„Wieso hast du das getan, Pferdchen?“ schrie ich ihn an. Er antwortete nicht, aber ich war sicher, Angst in seinen Augen zu sehen.

„Antworte!“ von unten rief meine Mutter: „Mit wem redest du?“.

„Mit Pferdchen!“ rief ich zurück. Aus einem mir, damals, unerklärlichen Grund seufzte meine Mutter.

Ich wandte mich wieder an Pferdchen.

„Wegen dir habe ich Schmerzen!“ rief ich und ich schwöre Pferdchen weinte. Eine dicke Träne kullerte über seine Wange und er stieß ein weinendes Geräusch aus. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, ich hatte mir, doch ein Pony gewünscht und dafür konnte er nichts.

„Tut mir Leid, Pferdchen“ sagte ich und nahm ihn in den Arm. Von da an wurden wir Freunde und er half mir immer, wenn es brenzlig wird und glaubt mir das kommt oft vor.

Meine Mutter rief mich zum Abendessen und versuchte dabei mich auszufragen, aber immer, wenn ich ihr alles sagen wollte, redete ich plötzlich über belangloses Zeug. Irgendwann gab sie auf und wir redeten über die Schule.

Als ich später ins Bett ging, fühlte ich mich schlaff und die Schmerzen wurden schlimmer. Ich dachte darüber nach, was heute passiert war, warum hatte ich nichts sagen können? Lustigerweise fand ich es überhaupt nicht seltsam, dass Pferdchen losgeritten war.

Während ich so da lag, erschien wie aus dem nichts Nebel. Ich drehte mich um und sah, dass der Nebel grün war. Im Nebel entstand ein Zeichen. Ein rosanes W, dass eine Kugel trug und in dieser Kugel stand ein Z.

Erschrocken fuhr ich hoch und zuckte zusammen. Eine Gestalt erschien mitten in meinem Schlafzimmer. Sie hatte einen Umhang an und hustete leicht, als wurde der Nebel ihr zu schaffen machen.

Ich fuhr aus meinem Bett und stürzte zur Tür. Sie ließ sich nicht öffnen.

„Halt!“ rief die Fremde und ich konnte mich plötzlich nicht mehr bewegen.

„Wer sind sie?“ fragte ich mit meiner Klein-Mädchen Stimme.

„Ich bin Atala. Eine Hexenwächterin“ sagte sie.

„Hexenwächterin? Was ist das?“

„Dies sind Hexen, die anderen Hexen sagen, dass sie Hexen sind. Und genau deshalb bin ich hier, Kind, um dir zu sagen, dass du eine Hexe bist“

„Eine Hexe?“

„Oh ja, Kleines eine richtige Hexe“ sagte sie „Aber du musst gewisse Regeln beachten, damit alle in deiner Reichweite sicher sind“

„Was für Regel?“ rief ich. Ich holte meinen Schreiblock, um jedes Wort, das sie sagte in meiner Kinderhandschrift auf zuschreiben.

„Du musst zunächst wissen, dass kein Mensch von unserer Existenz erfahren darf, du hast ja gesehen, dass du nicht sagen konntest, dass du dein Schaukel Pferd zum Leben erweckt hast…“

„Pferdchen“ bestand ich.

„Sag ich doch. Jedenfalls, wenn ein Mensch dich beim Zaubern erwischt, musst du ihm einen Wunsch erfüllen. Egal, was für ein Wunsch. Es kann alles sein. Manche Wünsche töten dich sogar. Deshalb solltest du besser aufpassen. Außerdem musst du den Wunsch innerhalb von 24 Stunden erfüllen, sonst stirbst du! Um dich merken zu lassen, dass dich jemand gesehen hat, hast du Schmerzen“ sagte Atala träge.

„Ich glaube, der Junge hat mich gesehen“ flüstere ich. Ich hatte Angst, er wurde sich etwas wünschen, was tödlich für mich wäre.

„Darum kümmern wir uns gleich. Du musst wissen, dass wir Hexen nicht böse sind. Wir sind Naturhexen, das heißt wir helfen Menschen, Pflanzen und Tieren. Dafür bekommt jede Hexe einen Auftrag. Das merkst du, wenn dieses Zeichen auftaucht“. Sie ließ das W, Kugel, Z Zeichen erschienen, dann fuhr sie fort. „Dann musst du, wenn niemand in der Nähe ist, deinen Auftrag beim Kamin entgegen nehmen. Außerdem hat jede Hexe eine Machtquelle in deinem Fall ist das, dass Schaukelpferd“

„Pferdchen“ korrigierte ich wieder. Atala ließ sich nicht beirren.

„Wir Hexen treffen uns jedes Jahr zweimal beim Hexenrat. Dieses Buch“ sie zog ein Buch aus ihrem Beutel. Der Einband war aus braunem Leder und drauf stand „Magisches Zauberbuch“. „wird dir sagen, wann und wo der Rat stattfindet. Pferdchen wird dich hinbringen“

Ich nahm das Buch entgegen und blätterte ein wenig darin. Nichts stand drin.

„Aber es ist leer“ sagte ich.

„Stell das Buch eine Frage und es beantwortet es dir. Du musst auf dieses Buch aufpassen, denn selbst Sterbliche können dieses Buch befragen “  „Sobald du einem Zauber brauchst, musst du nur das Buch fragen und es antwortet auch“ sagte sie. Gerade wollte Atala verschwinden, als ich vor Schmerz auf den Boden lag Sie hatte vorhin den Schmerz durch ihren Zauber stoppen können.

„Ach, stimmt der Junge“ Sie schnipste und ich war plötzlich im Zimmer des Jungen, ohne Atala. Der Junge sah mich mit Schreck geweiteten Augen an.

„W- Was willst du hier?“ fragte er ängstlich. Ich überlegte. Was hatte Atala gleich gesagt? Ach ja, er hat einen Wunsch frei.

„Ich bin hier, um dir einen Wunsch zu erfüllen“ sagte ich und versuchte wie ein Dschinn zu klingen. Die Augen des 4-Jährigen weiteten sich.

„Eine Wunsch?“ fragte er erfreut.  Ich betete, dass er einen Wunsch nahm den ich erfüllen konnte.

„Einen Lutscher“ sagte er dann. Ich holte das Buch raus und dachte ganz fest an einen Lutscher. Ich blätterte eine Seite weiter und in giftgrüner Tinte erschien ein Zauberspruch. Ich sprach in mit meiner ganzen Konzentration aus. Der Lutscher erschien in der Hand des Jungen und mein Schmerz hörte sofort auf. Dann war ich wieder in meinem Zimmer und legte mich ins Bett und mein letzter Gedanke war: Das war ein schöner Traum.

 

Heute 8 Jahre nach den Ereignissen dieses Tages kann ich nur sagen: Wieso um alles in der Welt war das kein Traum?!

Ich weiß, dass es für die meisten dämlich klingt, aber es ist hart, eine Hexe zu sein. Empfehlen kann ich es nicht. Seit dieser Hexensache habe ich viele Probleme mit meiner Mutter und meiner 9 Jahre jüngeren Schwester Irina. Sie fragen sich, was ich um ein Uhr nachts am Kamin zu tun habe und ich kann ihnen nicht antworten.

„Victoria, hey? Bist du geistig überhaupt anwesend?“ fragt mein bester Freund Elias.

„Ja, Elias ich bin noch da“ sage ich grimmig. Er lacht.

„Bestimmt warst du wieder in diesem Zustand, in dem du über dein Leben philosophierst“

„Stimmt nicht!“ Verdammt, kennt er mich gut. Obwohl Elias mein bester Freund ist, weiß er nichts von der Hexensache. Ist wahrscheinlich auch besser so, denn eins habe ich in meinem Hexenleben gelernt: Menschen sind die egoistischsten Lebewesen dieser Erde, hinter uns Hexen.

„Kannst du heute Abend mit ins Kino?“ fragt Elias ein wenig unsicher. Gerade will ich sagen, dass ich kann, da entsteht ein vor meinen Augen das Zeichen der Hexen. Das heißt, sie haben einen Auftrag für mich und wie auf Kommando überrollt mich der Schmerz.

„Tut mir Leid, Elias. Ich kann nicht“ sage ich, Schmerz und Kino sind keine gute Kombination.

Schnell gehe ich nach Hause und schließe Irina in ihrem Zimmer ein, damit sie nicht kommt, wenn mir der Kamin meinen Auftrag gibt. Ich habe Glück, mein Vater arbeitet und meine Mutter ist im Gartenparadies  einkaufen.

Ich setze mich an den Kamin, inzwischen brauche ich das Zauberbuch kaum noch, und sage: „Bei der heiligen Mutter Zundya, gebe mir meine Aufgabe für die Natur und die Lebewesen“ Ein Gesicht entsteht im Feuer und sagt in einer Stimme, die mich stark an Atala erinnert: „Maria Van Bachen hat ein Pferd“ sie stoppt und zeigt mir das Bild des Tiers, das nicht besonders Glücklich scheint. „Nimm das Pferd und bring es zum nächsten Bauernhof“ Dann verschwindet das Gesicht wieder. Ich gehe auf mein Zimmer und hecke einen Plan aus und dann sehe ich in der Ecke meines Zimmers Pferdchen und sage ihm: „Mach dich bereit, Pferdchen. Wir haben einen neuen Auftrag“ Er quiekt fröhlich.

 

Ich hatte den Eindruck, dass dieser Auftrag leicht sein wurde. Wie man sich irren kann.

Ich stehe schon eine geschlagene Stunde hier und versuche, dieses verdammt Pferd aus seinem Stall zu kriegen, aber scheinbar hat das Pferd Angst vor mir. Ich gebe auf und lasse Pferdchen mein Zauberbuch holen, obwohl ich den Zauber kenne, aber Hexen müssen nun mal auf Nummer sicher gehen.

Leider konnte ich erst los, als meine Eltern und meine Schwester schliefen, deshalb ist es jetzt dunkel und kalt. Ich ziehe mir die Kapuze über und warte ungeduldig.

Als Pferdchen endlich mit meinem Buch kommt, tätschle ich ihm den Kopf. Sofort spüre ich die Macht, die sich langsam in meinem Körper ausbreitet.

Ich frage das Buch nach dem richtigen Zauber, um das Pferd rauszuholen und bekomme bestätigt, was ich schon wusste. Tja, ich bin einfach toll. Ich sage den Spruch und das Pferd ist raus aus dem Stall.

Zugegeben es ist nicht gerade nett einem kleinen Mädchen das Pferd zu klauen, aber was interessiert es mich? Ich tue nur meinen Job und hoffe, dass ich solange wie möglich keinen Auftrag mehr bekomme. Ich weiß nicht genau, wann mir klar wurde, dass Hexen böse sind, aber ich hätte es von Anfang an Wissen sollen, immerhin versuchen sie, dich Mithilfe von Schmerz gefügig zu machen.

Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich schlechte Laune, deshalb versuche ich mich an den Zauber zu erinnern, der das Pferd in eine Taube verwandelt, damit es zum Bauernhof fliegt und sich dann zurück verwandelt. Er fällt mir ein, aber aus Wut schaue ich nicht im Buch nach, sondern zaubere drauf los, denn was Hexen nicht wissen, macht sie nicht heiß.

Sofort ist das Pferd eine Taube und fliegt davon.

„Komm wir sind fertig hier, Pferdchen. Lass uns nach Hause gehen“ sage ich und will mich weg teleportieren. Da ruft, aber eine Stimme hinter mir: „Wie hast du das gemacht?“.

Es ist, als wäre jeder Knochen meines Körpers gelähmt, ich kenne diese Stimme. Ich kenne sie sogar sehr gut. Elias.

Ich teleportiere mich weg, bevor er irgendwas sagen kann.

Während ich in meinem Zimmer an komme, keimt Panik in mir auf. Verdammt, Verdammt, Elias weiß es jetzt. Was wird er sich wünschen? Pferdchen versucht mich zu trösten, aber scheitert. Immerhin habe ich seit dem 4-Jährigen Jungen keiner mehr beim Zaubern gesehen. Ich hätte mir denken können, dass Elias in der Nähe ist. Das Kino und der Stall sind nah aneinander, Ich bin zu unvorsichtig gewesen. Aber… Moment mal, warum empfinde ich keinen Schmerz? Ich überlege und überlege, bis es mir wie Schuppen von den Augen fällt. Er hat gesehen, dass ich gezaubert habe, aber er hat mein Gesicht nicht gesehen. Das ist gut, denn dann  denkt er wahrscheinlich, er habe sich alles nur eingebildet. Erleichtert lege ich mich ins Bett.

 

Am nächsten Tag in der Schule ist Elias auffallend ruhig. Ich brauche gar nicht zu fragen, was los ist. Ich weiß es schon, deshalb tue ich so, als wurde ich gar nicht merken, das etwas los ist. In der Mittagspause ignoriert Elias mich und sagt nur: „Tut mir Leid, Vicky, aber ich muss nach Hause“ Bevor ich irgendwas sagen kann, ist er weg.

Ich gehe mit ein paar Freunden in die Bibliothek um Physikhausaufgaben zu machen. Leider habe ich statt meines Physikbuchs mein Zauberbuch mitgenommen.

Erst nach der Schule merke ich, dass ich mein Zauberbuch in der Bibliothek vergessen habe. Da rennt Elias mir entgegen- mit meinem Zauberbuch in der Hand.

„Victoria! Schau was ich gefunden habe“ sagt er aufgeregt. Angst breitet sich in mir aus.

„Was denn?“ frage ich und versuche neugierig zu klingen.

Dann erzählt Elias mir, er habe mein Buch in der in der Bibliothek gefunden und weiß jetzt, dass er eine Hexe gesehen hat. Das Buch hat ihm gesagt, was es über Hexen weiß. Also auch das mit den Wünschen, aber auf die Frage wer die Hexe sei meinte das Buch –Gott sein Dank- nur, dass sie „ganz nah“ ist.

„Und was willst du jetzt machen?“ frage ich. Skeptisch klingen Victoria, sage ich mir.

„Na, wir gehen auf Hexenjagd. Dann haben wir einen Wunsch frei und es ist egal, was für ein Wunsch“ sagt Elias.

„Wir beide? Du und ich?“ frage ich wirklich erstaunt. Elias nickt und erzählt mir von der Hexe.

„Es war zwar dunkel, aber ihr Haar schien strohig zu sein“ sagt er. Am liebsten hätte ich „Hey!“ gerufen, stattdessen schweige ich.

„Ich glaube, sie hat braunes Haar oder schwarzes Haar“ sagt Elias nachdenklich. Schade, dass meine Haare rot sind.

„Und sie hat graue Augen“ meint Elias. Allmählich zweifle ich daran, dass Elias mich gesehen hat. Dann fällt mir aber etwas Wichtigeres ein.

„Woher weißt du, dass es eine sie ist?“ frage ich. Elias hält inne.

„Du hast Recht, es könnte auch ein er sein“ sagt Elias. Ich weiß Eigenlob stinkt, aber ich bin toll.

„Komm, Vicky. Lassen wir die Hexenjagd beginnen“ sagt Elias und nimmt mich bei der Hand. Oh ja, Elias lassen wir die Jagd beginnen.

 

„Kein einziger Hinweis auf ihn oder sie“ murrt Elias frustriert. Ich tue so, als wurde mich alles ziemlich ärgern, aber ich fühle mich wirklich schlau. Ich hab es geschafft, Elias 4 Wochen von meinem Geheimnis weg zuhalten.

„Vielleicht sollten wir aufgeben“ sage ich und versuche, bedrückt zu klingen.

Er wird nein sagen, denn Elias ist nicht der Typ, der einfach aufgibt. Dafür ist er zu ehrgeizig. Das kommt davon, dass er Fußball spielt.

Wie erwartet schüttelt Elias den Kopf.

„Nein, es muss einen Weg geben“ ruft er und läuft zu meinem Zauberbuch, ich hatte angeboten es „aufzubewahren“ „ Wie soll ich die verdammte Hexe oder diesen verdammten Zauberer finden?!“. Ich zucke zusammen. Elias wird nicht laut. Nicht so. Das ist ein Naturgesetz. Er blättert wütend im Buch herum und in einer giftgrünen Schrift erscheinen die Wörter: Hexenrat, 2 Juni, Sonntag, um 16 Uhr.

Verdammt, das ist schlecht. Die ganze Hexenwelt ist in Gefahr, wenn Elias sie- nein, uns- entdeckt. In seinem Blick ist etwas Animalisches.

„Wo?“ fragt er eindringlich. Der Name unserer kleinen Stadt erscheint. Na toll, ausgerechnet dieses mal ist es hier. Schön, dass das Leben mich (und meine Intelligenz) so liebt.

„Victoria, stell dir vor 1000 Hexen an einem Platz, also 1000 Wünsche! Das wird toll! Wir können das schaffen, Vicky“  Elias macht einen Luftsprung. Ich versuche auch begeistert zu sein. Eigentlich können Menschen nicht durch die Sperre, aber durch meine Wenigkeit, kann Elias durch. Ich muss mir irgendwas einfallen lassen, sonst bin ich erledigt. Garantiert ende ich als Baum, wenn die Hexen das mitkriegen und glaubt mir, ihr wollt nicht als Baum enden.

Das Problem ist, heute ist der 2 Juni.

Elias saust los, verdammtes Sportass, und brüllt mir zu, dass ich mich beeilen soll.

Er läuft übereifrig die Treppe runter und fällt prompt hin. Ich laufe zu ihm.

„Elias, du bist verletzt. Du kannst nicht gehen“ versuche ich verzweifelt, denn er hat sich nichts getan. Elias reißt sich von mir weg und faucht dann: „Was ist dein Problem, Victoria? Willst du die Hexe überhaupt finden oder…?“ Er stoppt und seine Augen werden groß. Jetzt weiß er es. Ich warte auf den Schmerz, aber nichts. Elias lacht los.

„Hast du Angst vor den Hexen? Keine Sorge, Vicky. Ich bin da um dich zu beschützen“ sagt er, obwohl es gegen meine Natur ist, nicke ich.

Zusammen gehen wir immer tiefer in den Wald. Irgendwann kommen wir an eine Lichtung an und wir fühlen die Magie um uns geradezu. Ich sogar noch mehr als Elias.

Dort steht die magische Grenze und Elias geht durch mich einfach drüber. Ich seufze. Ich brauche einen Plan und zwar schnell. Okay, Victoria, keine Panik. Ganz Ruhig. Leichter gesagt, als getan, denn ich rufe Pferdchen, damit dieser mir mein Zauberbuch holt. Innerhalb von Sekunden ist er da. Ich bleibe stehen und Elias dreht sich fragend zu mir um. Seine Augen weiten sich, als er Pferdchen sieht.

„Sie sind in der Nähe, Vic“ sagt er. Elias sieht auf mein Zauberbuch und fragt: „Woher hast du das?“.

Panisch wie ich bin, packe ich Pferdchen und spüre die Kraft meiner Machtquelle. Ich öffne irgendeine Seite im Buch und denke, Hilf mir bitte…

Und endlich erscheint ein Zauberspruch. Elias geht ein paar Schritte zurück. Ich beginne die Zauberformel aufzusagen.

„Victoria, was…?“ Elias kommt nicht dazu, seinen Satz zu beenden, denn da ist er schon ein Baum. Ich falle keuchend zu Boden, kaum eine Hexe schafft diesen Zauber allein, selbst Zundya, die Mutter der Hexen, hat ihn kaum geschafft. Die meisten Hexen benutzen ihn zu dritt, aber ich hab ihn gerade allein gemacht, aus Panik heraus. Mit letzter Kraft gehe ich zur Hexenmesse, mein Spitzname für den Hexenrat, und setze mich just in diesem Moment geht es mir besser. Die Stühle haben magische Wirkungen.

Dann verstehe ich plötzlich was los ist. Ich habe Elias, meinen besten Freund, in einen Baum verwandelt.

Die Hexen beginnen zu reden, aber ich höre nicht zu. Ich kann nur an den armen Baum Elias denken.

Nach der Versammlung warte ich, bis alle weg sind, dann gehe ich zu Elias- Baum. Ich bereite mich innerlich auf das vor, was gleich passieren wird. Entweder ich werde zum ewigen Sklaven oder ich sterbe, aber es gibt noch ganz andere Möglichkeiten. Ich greife wieder nach Pferdchen, der sich Sorgen um mich macht. Ich öffne das Buch und murmle die Zauberformel, die alles ruckgängig macht, dieser braucht nicht so viel Kraft.

Elias plumpst auf den Boden und kriecht von mir weg.

„Du! Du bist die Hexe! Du hast mich in einen Baum verwandelt!“ schreit er. Ich fühle sofort den Schmerz, genau wie damals.

„Du hast einen Wunsch frei“ sage ich traurig und verabschiede mich vom Leben. Elias scheint nachzudenken und sagt dann ruhig: „Ich wünsche mir 2 weitere Wünsche“ Ich bin überrascht.

„Okay“ sage ich und warte auf den zweiten Wunsch.

„Als erstes wünsche ich mir, dass du mir immer alles über Zaubern sagen kannst“ sagt er und kommt näher. Ich lächle ein wenig und bin erleichtert. Er will mich nicht töten.

„Und mein zweiter Wunsch ist: das ich nicht vergesse, dass du eine Hexe bist“ sagt Elias und umarmt mich.

„Danke“ flüstere ich ihm ins Ohr.

„Ich bin dein bester Freund, Vic“ grinst Elias. Dann gehen wir zusammen nach Hause. Ich bin Glücklich, denn ich bin nicht mehr auf mich allein gestellt. Ich schaue zu Elias. Nie wieder bin ich allein.

Ende