shadow

You’re my only (,) Hope

von Bianca Vogel, 20

Ich stand am Steg, es war noch früh am Morgen. Die Sonne war gerade aufgegangen und der Nebel lag noch in dünnen Schwaden über dem Meer und ließ sich nur langsam vertreiben. Der Wind wehte kalt und stürmisch und ließ meine Haare in alle Richtungen wehen. Es war für mich die schönste Zeit am Tag, wenn so gut wie niemand am Strand war und ich das Gefühl hatte, ihn für mich allein zu haben. Ich zog meine Jacke fester um mich. Mein Blick schweifte über die Küste, bis er an einem jungen Mann hängen blieb, der einsam am Strand saß und auf das Meer hinausblickte. Es wunderte mich, jemand Fremdes dort zu dieser Jahreszeit so früh zu sehen. Es war mittlerweile Spätherbst und die letzten Touristen waren vor 3 Wochen abgereist. Jetzt kam bis zum Sommer eigentlich niemand mehr her, und wir waren wieder unter uns. Ich blickte noch eine kleine Weile aufs Meer hinaus und wollte gerne noch länger bleiben, aber mir war es nun endgültig zu kalt, deshalb machte ich mich auf den Weg zu mir nachhause. Ich schaute noch einmal  zurück und sah, dass der junge Mann noch immer genauso da saß wie eben schon.

Am Abend ging ich zum Lagerfeuer, das meine Freunde organisiert hatten. Sie hatten Decken und Stühle um das Feuer verteilt und saßen gemütlich beieinander.

Es war das letzte Lagerfeuer für dieses Jahr, denn der Winter war nicht mehr fern. Ich war gerade erst angekommen, da eilte meine Freundin Mel zu mir und fing gleich an zu reden. Ich hatte noch nicht einmal die Chance, auch nur zu Wort zu kommen und ihr von dem Typen vom Strand zu erzählen. Typisch Mel.

„Ach und Hope, weißt du eigentlich schon, dass ein neuer Typ hergezogen ist?“

Ich verneinte, obwohl ich doch gleichzeitig dachte, dass es der Typ vom Strand sein könnte.

„Naja, auf jeden Fall, hab ich von Bella gehört, dass Lilly ihr gesagt hat, dass Anne ihr erzählt hat, dass sie mit Tracey geredet hat und die hat ihn schon gesehen und sie sagt, dass der Typ total heiß ist.“

Ob das auf den Typen vom Strand zutraf, konnte ich nicht sagen ich hatte ihn nur aus der Ferne gesehen. Mel redete weiter ohne Punkt und Komma. Es interessierte mich nicht wirklich, was sie sagte, denn eigentlich war es immer das gleiche, was sie erzählte. Jeder hier erzählt in irgendeiner Art und Weise immer das gleiche. Schließlich passiert hier nicht sonderlich viel.

Kurz darauf kam dann auch Tracey und hatte einen Typen im Schlepptau, den ich nicht kannte. War das der junge Mann vom Strand? Er konnte es sein, aber ich wusste es nicht genau und wollte ihn auch nicht fragen. Es wär mir zu unangenehm, wenn er es nicht wäre und selbst wenn, was sollte ich dann zu ihm sagen? Eins wusste ich aber nun, der Typ sah gut aus!

Ich nickte ihm nur begrüßend zu als Tracey ihn als Alex vorstellte. Jemand holte die Gitarre raus und fing an zu spielen. Ich ließ mich von den sanften Tönen gefangen nehmen und lauschte entspannt dem Gitarrenspiel. Ich schaute mir Alex aus dem Augenwinkel heraus an, sein Gesicht zog meinen Blick wie einen Magneten immer wieder zu sich hin, ich konnte nichts dagegen tun. Ich sah, wie Tracey fleißig mit Alex flirtete. Sie spielte mit ihren Haaren, berührte ihn ständig, blickte ihm immer wieder in die Augen und textete ihn ohne Ende zu. Sie ließ ihn kaum zu Wort kommen. Ich kannte Tracey schon mein ganzes Leben, und ich wusste, sie wollte ihn haben. Zumindest im Moment. Ich hoffte, sie würde ihn nicht zu sehr verletzen. Warum dachte ich jetzt auf einmal daran? Einen Freund konnte ich im Moment überhaupt nicht gebrauchen. Nach der Trennung von Ray hatte ich keine Lust mehr auf einen Freund.

Sind doch eh alle gleich, dachte ich, erst versprechen sie einem den Himmel auf Erden und dann Pustekuchen. Also, nein danke! Und auf Stress mit Tracey hatte ich auch keinen Bock. Denn wenn sie einen Typen haben wollte, sollte ihr besser keiner in die Quere kommen. Auch wenn der Typ sie nicht wollte, sie gab so lange keine Ruhe, bis sie ihn bekam, nur um dann wieder Schluss zu machen. Ich war völlig konfus. Um mir die Show von Tracey nicht weiter anschauen zu müssen, die mich innerlich aufwühlte, verließ ich das Lagerfeuer und ging nachhause.

Am nächsten Morgen spazierte ich am Wasser entlang und hielt Ausschau nach Muscheln und kleinen Dingen, die das Meer angespült hatte, um sie in meine Mobiles mit einbringen zu können. Ich verkaufte sie im Sommer, wenn die Touristen da waren, bei uns im Souvenirshop, ein kleiner aber feiner Nebenverdienst.

Zurzeit waren Herbstferien und ich hatte genug Zeit um welche zu machen. Hier war ja auch sonst nichts los Während ich so am Strand entlangging, sah ich in der Ferne jemanden am Strand sitzen. Ich war noch zu weit entfernt, um ihn erkennen zu können. Vielleicht war es ja Alex. Ich ging weiter und je näher ich kam, desto sicherer war ich mir, dass es Alex war.

Als ich auf seiner Höhe war, sagte ich zu ihm: „Hey.“

Er schaute mich an und sagte mürrisch:  „Hi.“

Ich ließ mich davon nicht beeindrucken und setzte mich neben ihn. Er blickte mich an und  sagte zu mir: „Wenn du denkst, dass ich eine Freundin haben will, so wie Tracey, dann kannst du gleich wieder gehen.“

Ich fing an, laut zu lachen. Nachdem ich mich ein wenig beruhigt hatte, sagte ich zu ihm: „Ich will keinen Freund, und selbst wenn, du bist nicht mein Typ.“  Es war nicht ganz die Wahrheit. Er gefiel mir schon, nur wollte ich keinen Freund. Absolut nicht.

„Na dann ist das ja geklärt. Ich bin Alex, weißt du vermutlich schon, und wie war dein Name nochmal?“ sagte er nun mit einem Lächeln in der Stimme. Ich grinste ihn an und antwortete: „Ich heiße Hope.“

„Hope, sehr erfreut dich kennen zu lernen“, erwiderte er und streckte mir seine Hand entgegen. Ich ergriff sie mit gespieltem Ernst und schüttelte sie. Nachdem dies nun geklärt war, merkte ich, dass Alex sich ein wenig entspannte. Ich nutzte die Gelegenheit und fragte ihn ob er die Gegend schon kennen würde. Er verneinte. Ich sprang auf und sagte voller Enthusiasmus: „Dann komm mit zu einer spektakulären und einmalig spannenden Führung durch den wundervollen Ort.“   Nicht ganz so begeistert wie ich, aber immerhin bereitwillig stand er auf und kam mit. Ich fing  an zu erzählen: „Also, im Moment ist hier echt absolut nichts los. Hast du mir Sicherheit schon mitbekommen.  Aber wenn die Touris kommen, ist eigentlich am Strand immer irgendwas los“ Wir gingen weiter, und ich machte ihn auf ein paar Dinge aufmerksam. Schon nach kurzer Zeit hatten wir keine Lust mehr, durch den wenig spektakulären Ort zu laufen und setzten uns auf eine Bank.

„Wie kommt‘s, dass du erst jetzt im Herbst hergezogen bist?“ fragte ich.

Alex antwortete zögernd: „Ich wollte meine Ruhe haben. Außerdem wollte ich schon immer mal am Meer wohnen.“

Es hörte sich nicht so an, als ob das alle Gründe wären.

„Hast du vor länger zu bleiben?“ Fragte ich weiter.

„Weiß ich noch nicht.“

Wir unterhielten uns noch eine Weile über dies und das, lachten miteinander und ich hatte das Gefühl, dass wir Freunde werden könnten. Plötzlich fasste mich jemand an der Schulter und ich erschrak. Ich blickte hinter mich und sah, dass es Tracey war. Das würde mit Sicherheit Stress geben, dachte ich. Sie schaute mich mit einem verkrampften Lächeln an. „Schön, euch hier zu sehen. Ich wusste ja gar nicht, dass ihr euch kennt.

„Wie du siehst kennen wir uns.“ gab ich zurück.

Sieht aber nicht so aus, als würdet ihr sonderlich Spaß haben, so blass wie du bist, Alex, und bei dir brauch ich ja erst gar nicht anfangen Hope.“ stichelte Tracey. Es verletzte mich. Auch wenn ich mit einer solchen Reaktion von ihr gerechnet hatte. „Hey, Alex  komm doch mit mir mit, dann zeig ich dir mal, was spaß ist“, sagte Tracey zweideutig. Ich wusste, dass er Tracey nicht sonderlich leiden konnte. Nun war Ich war auf Alex Reaktion gespannt.

Er lehnte sich lässig zurück und blickte Tracey von oben bis unten kurz an und antwortete: „Nee, lass ma. Komm ganz gut ohne dich klar.“

Endlich hatte ein Typ Tracey mal klassisch abserviert

Sie drehte sich um, blickte zurück und sagte mit einem bedrohlich klingenden Unterton in der Stimme zu mir: „Das wirst du noch bereuen.“  Sie stolzierte davon. Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter. Ich wusste aus Beobachtungen, dass mir keine angenehme Zeit bevorstehen würde, dass uns keine angenehme Zeit bevorstehen würde. Tracey würde es schaffen uns schlecht zu machen. Sie bekam immer alle auf ihre Seite. Ich drehte mich zu Alex um und sagte zu ihm: „War echt klasse, dass du sie abgewiesen hast. Aber du weißt, dass Sie uns nun total schlecht machen wird, oder? Sie wird Gerüchte über uns verbreiten und alle werden uns mit schrägen Blicken anschauen. Was weiß ich, was sie noch machen wird, aber es wird schrecklich werden.“  Er lächelte mich an, tätschelte beruhigend meinen Arm und sagte: „Wird schon werden. Immerhin müssen wir da nicht alleine durch.“

Ich grinste ein wenig, aber so ganz ließen mich meine Gedanken nicht in Ruhe. Alex versuchte noch, mich aufzumuntern, aber mir war nicht danach. Ich blickte ihn entschuldigend an und sagte zu ihm: „Tut mir leid, ich möchte jetzt lieber nachhause. Wollen wir uns morgen wieder am Strand treffen?“

„Na logo, mit dir doch immer.“, antwortete er ironisch. Ich stand auf und ging langsam nachhause. Auf dem ganzen Weg malte ich mir aus, was Tracey alles unternehmen würde, um uns fertig zu machen. Die ersten Auswirkungen bekam ich schon auf dem Weg nachhause zu spüren, als ich an den beiden besten Freundinnen von Tracey vorbei ging. Sie schauten mich an und tuschelten miteinander. Ich wusste genau, dass sie über mich redeten. Es tat weh. Ich ging an ihnen vorbei und tat so, als würde ich es nicht bemerken. Als ich zu Hause war, ging ich in mein Zimmer und schmiss mich auf mein Bett. Ich war wütend auf Tracey und gleichzeitig auch wieder traurig, dass sie halt so ist wie sie ist. Ich war traurig darüber, dass meine Bekanntschaft  mit Alex gleich mit solchen Problemen anfangen muss. Wie sollen wir denn da Freunde werden.

Kann Tracey sich nicht einmal wie ein normaler Mensch benehmen, und es gut sein lassen, wenn ein Typ nichts von ihr will. Ich beschloss mich mit anderen Dingen zu beschäftigen, als darüber nachzudenken, was für ein Miststück Tracey war.

Später am Abend, grübelte ich darüber nach, ob ich wirklich nur eine Freundschaft mit Alex wollte, oder ob ich nicht doch ein wenig mehr wollte. Denn selbst wenn ich nur an ihn dachte, flatterten Schmetterlinge in meinem Bauch herum. Ich hoffte, dass Alex es nicht bemerken würde. Ich freute mich schon darauf ihn am nächsten Morgen wieder zusehen.

Als ich mich am nächsten Morgen auf dem Weg zum Strand machte um mich mit Alex zu treffen, lächelte ich schon sobald ich aus der Haustür getreten war. Je näher ich unserem Treffpunkt kam, desto schneller ging ich. Als ich am Strand ankam, riss ich mich zusammen und verlangsamte mein Tempo. Ich wollte ja nicht, dass Alex merkte was in mir vorging. Ich ging nun in gemäßigterem Tempo zu Alex. Das Lächeln konnte ich mir dennoch nicht verkneifen. Als ich bei Alex am Strand ankam, setzte ich mich gleich neben ihn und sagte: „Hey“

Er schaute mich an und erwiderte: „Selber Hey“

Wir saßen eine kleine Weile nebeneinander und schauten auf das Meer hinaus. Keiner von uns beiden sagte etwas. Ich blickte hin und wieder zu Alex rüber und immer wenn er mich auch anschaute, blickten wir beide schnell weg. Während ich ihn mir so anschaute fiel mir auf, dass er blass aussah. Ich erinnerte mich daran, dass Tracey das gestern schon sagte. Warum war er nur so blass, fragte ich mich. Irgendwann stand Alex auf und wollte von mir wissen ob ich nicht Lust hätte am Strand entlang zu spazieren. Klar hatte ich Lust. Ich stand auf und während wir so am Strand entlang gingen, kam auch langsam ein Gespräch in Gang.

„Sag mal, warum ärgert es Tracey eigentlich so, dass wir beide uns verstehen?“ fragte Alex mich. Ich musste nicht darüber nachdenken und antwortete: „Tracey will halt alles und jeden haben. Sie hält sich für die Beste und irgendwie scheint sie auch niemand von ihrem hohen Ross herunter zu holen. Wie auch wenn sie immer das bekommt was sie haben will. Ob das nun etwas Materielles ist ober ob das ein Typ ist der ihr gefällt.“

„Na dann ist es wohl mal langsam an der Zeit, dass sie jemand mal von ihrem hohen Ross herunter holt.“ sagte Alex.

Ich drehte mich zu ihm und grinste ihn an. Bildete ich mir das nur ein oder war er noch blasser geworden? Kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, wurde Alex noch blasser. Ihm knickten die Knie ein und er sank zu Boden. Ich war völlig geschockt und wusste im ersten Moment gar nicht was ich machen sollte. Ich kniete mich neben Alex und sprach ihn an. Nach ein paar Sekunden sah ich, dass seine Augenlieder flatterten und er langsam wieder zu bewusst sein kam. Als Alex wieder voll da war sagte ich sanft zu ihm: „Hey, da bist du ja wieder.“

Er grinste und setzte sich langsam wieder auf. „Sorry, war nicht geplant.“

Ich erwiderte: „Kann man nichts gegen machen. Aber ich würd gern wissen was mit dir los ist. Muss ich mir sorgen machen?“

Er druckste ein wenig herum und antwortete dann: „Wenn ich dir das sage, dann musst du mir versprechen, dass du das für dich behältst und du trotzdem noch mit mir befreundet bleiben willst.“

Ich schaute ein wenig ungläubig und antwortete überzeugt: „Freut mich, dass du mich als Freundin siehst und natürlich bleiben wir weiter befreundet. Wenn du willst, dass ich etwas für mich behalte dann tue ich das natürlich.“

„Freut mich das zu hören, ich hoffe du bleibst dabei. Also ich bin krank“ fing er an.

„Hab ich mir schon gedacht“, warf ich ein.

„Ich kann an der Krankheit sterben.“, erzählte er weiter.

Mein Herz zog sich zusammen.

„Ich hab Krebs. Leukämie um genau zu sein.“, sprach er es nun aus.

Tränen traten in meine Augen. Ich versuchte sie krampfhaft zurückzuhalten. Es gelang mir nicht.  Alex tätschelte unbeholfen meinen Arm und sagte zu mir: „Warum weinst du denn? Wenn überhaupt müsste ich doch weinen und ich tu es nicht, also brauchst du es auch nicht. Außerdem liegt die Chance auf Heilung bei mir bei 70 bis 80% ist doch nicht schlecht oder?“

Ich schniefte noch ein paar Mal und antworte: „Wäre aber besser du wärst gar nicht krank.“

„Klar wäre es besser, wenn ich gar nicht krank wäre aber ich bin es nun mal.“ erwiderte er.

Seine Hand lag noch immer auf meinem Arm, es war ein schönes Gefühl. Das schöne Gefühl ließ ein wenig nach als Alex sagte: „Ich bin nicht mehr so lang hier wie ich dachte. Hab heute den Anruf bekommen, dass sie einen passenden Knochenmarkspender für mich gefunden haben. Jetzt warte ich nur noch auf den Termin wann ich ins Krankenhaus muss.“

„Ist doch gut für dich, dass sie einen Knochenmarkspender für dich gefunden haben und solange du noch hier bist, werden wir mit Sicherheit noch viel Spaß haben.“, versuchte ich optimistisch zu sagen.

Er drückte meinen Arm ein letztes Mal und ließ mich dann los. Irgendwas fehlte mir, jetzt wo er mich losgelassen hatte. Es war etwas, dass ich so noch nie gefühlt hatte. Jetzt wo Alex mir von seinem Geheimnis erzählt hatte, hatte ich den Eindruck, dass er gelöster wirkte. Ich versuchte, nicht mit ihm über seine Leukämie zu reden. Ich war noch zu traurig.

Ich wechselte also das Thema. Am Anfang war das Gespräch noch etwas stockend, aber je länger wir uns unterhielten, desto einfacher war es für uns das Thema zu vermeiden und wir konnten sogar lachen. Wir saßen die meiste Zeit am Strand, oder gingen ein Stück den Strand entlang. Manchmal hatte ich das Gefühl wenn Alex mich anschaute, dass da etwas in seinem Blick war das mich hoffen ließ, dass er vielleicht doch eine feste  Freundin haben will.   Ich war mir aber nicht ganz sicher. Als sich der Tag dem Ende näherte, gingen wir beide nachhause, aber nicht ohne uns wieder für den nächsten Tag zu verabreden. Es war schon ziemlich spät und wir wollten beide nachhause gehen. Bevor ich mich zurück halten konnte, fragte ich Alex: „Sehen wir uns morgen wieder?“

Er legte einen Arm um meine Schultern, küsste mich ganz leicht auf die Wange und sagte: „Na logo sehen wir uns morgen.“

Ich war völlig überrumpelt von dem Kuss auf die Wange. Mein Herz klopfte schneller und die Schmetterlinge in meinem Bauch spielten verrückt. Alex begleitete mich noch ein Stück auf meinem Nachhauseweg und ließ dabei den Arm um meine Schultern liegen. Wir waren noch nicht weit gekommen, da trafen wir auf Tracey. Uns beide wieder zusammen anzutreffen und diesmal auch noch vertrauter, ließ sie wohl ziemlich wütend werden, denn sie sagte an mich gewandt: „Wie kannst du es wagen, dich an den Typen ranzumachen, den ich haben will. Das hat bisher noch keine gewagt. Du solltest di…“

Alex unterbrach sie abrupt und stellte energisch klar: „Erstens bin ich nicht irgend ein ‚Typ‘. Zweitens entscheide noch immer ich mit wem ich befreundet sein will und drittens bist du so oberflächlich und abstoßend, dass ich nicht verstehen kann wie überhaupt jemand etwas mit dir zu tun haben will. Ich auf jeden Fall nicht und jetzt lass uns in Ruhe. Wenn nicht, dann mach ich stress haben wir uns da verstanden?“

Ich konnte richtig sehen, wie Tracey immer mehr in die Defensive ging. Bisher hatte es niemand wirklich gewagt, gegen Tracey vorzugehen. Sie drehte sich um und ging ohne ein Wort zu sagen davon.

Wir gingen weiter.

Ich lächelte Alex an und meinte zu ihm: „Hoffentlich lässt sie uns jetzt in Ruhe.“

„Bestimmt, mach dir da mal keine Sorgen.“, erwiderte er.

Als wir in verschiedene Richtungen gehen mussten, umarmte Alex mich zum Abschied und gab mir wieder einen Kuss auf die Wange. Beschwingt ging ich den letzten Rest des Weges nachhause. Als ich zuhause ankam, ging ich in mein Zimmer und legte mich auf mein Bett. Ich dachte darüber nach, ob ich mir Hoffnungen darauf machen konnte, ob Alex sich vielleicht auch ein wenig in mich verliebt hatte.

Irgendwann kamen die Gedanken an seine Leukämie zurück, und setzte mich an den Computer um mich über Leukämie zu informieren. Ich wollte alles darüber wissen und Alex so gut ich konnte unterstützen. Ich erfuhr, dass es kein Todesurteil war Leukämie zu haben, aber es würde ein schwieriger Weg werden wieder gesund zu werden. Bevor Alex das Knochenmark eingesetzt werden konnte, musste er eine Strahlentherapie machen. Den ganzen Abend lang, dachte ich darüber nach was ihm noch alles bevorstand und es machte mich traurig. Warum mussten auch immer diejenigen, die es am wenigsten verdient hatten, so vom Schicksal gebeutelt sein. Es war echt nicht fair.

Als wir uns am nächsten Tag wieder am Strand trafen, wartete Alex schon und umarmte mich zur Begrüßung. Jedes Mal wenn er mich berührte, egal ob es nur aus Versehen war oder wie jetzt eine beabsichtigte Berührung, tanzten die Schmetterlinge wie verrückt in meinem Bauch. Wir liefen ein Stück den Strand entlang, jedes Mal wenn unsere Blicke sich begegneten, knisterte die Luft zwischen uns. Nach einer Weile setzten wir uns und redeten. Immer wenn wir uns in die Augen schauten, stockte das Gespräch. Immer wenn dies geschah, wollte ich, dass Alex mich küsste. Diese Sehnsucht danach wurde von Mal zu Mal größer und ich dachte, wenn er mich nicht gleich küssen würde, dann ergreife ich die Initiative. Mitten im Gespräch wechselte Alex plötzlich das Thema und fragte mich: „Könntest du dir vorstellen meine Freundin zu sein?“

Er wartete meine Antwort nicht ab und redete gleich weiter: „Ich wäre dir nicht böse wenn nicht. Mit meiner…, du weißt schon, ist das alles auch nicht so einfach. Ich wollte eigentlich auch gar keine Freundin. Aber ich kann meine Gefühle für dich einfach nicht unterdrücken.“

Mein Herz machte einen Satz.

„Ich wäre gerne deine Freundin. Ich weiß, dass es schwierig für uns beide werden wird. Unter normalen Umständen, ist eine Beziehung schon nicht einfach und bei uns beiden, wird es noch mal doppelt so schwierig.“

Alex wirkte erleichtert.

Ich dachte, jetzt wo das geklärt wäre, würde er mich endlich küssen, doch es passierte nichts.

Also fragte ich: „Küsst du mich nun oder wollen wir noch länger damit warten?“

Er lachte, beugte sich zu mir, unsere Schultern berührten sich, das Meer spiegelte sich in seinen Augen und er küsste mich. Es war als würde die Zeit stehen bleiben.

Als wir uns voneinander trennten, atmeten wir heftig. Wow, so etwas hatte ich noch nie erlebt.

 

2 Monate später, hielt ich seine Hand als er starb.